7. Juli 2013

Taper – Was ist das denn?

Einer der zunächst unverständlichsten Begriffe, auf die ich zu Anfang meiner Forenzeit stieß, war der/die/das Taper. Bis heute weiß ich nicht, welchen Genus dieses Wort tatsächlich korrekterweise hat, aber die meisten sagen der Taper. Auch ob ihr das deutsch oder englisch aussprecht, liegt wohl bei euch. Ich vermute aber schwer, dass „der Taper“ ursprünglich aus der Longhaircommunity kam und sich somit eher mit „ej“ als mit „a“ spricht.

Der Taper also bezeichnet die Abnahme des Gesamtvolumens des Haars von oben nach unten. 
Will heißen: je stärker der Taper ist, desto rascher verliert ein Zopf an Umfang, je weniger das Haar tapert, desto paralleler verläuft der Zopf vom Ansatz bis in die Spitzen.
Um das wirklich beurteilen zu können, empfiehlt sich ein normaler Flechtzopf. Nicht breit gezogen, nur ganz normal gleichmäßig runtergeflochetn.

Hier wäre zur Veranschaulichung mein Zopf: mittlere bis leicht unterdurchschnittliche Dicke ab Nacken (ca.6cm ZU) und dann wird es sofort dünner bis auf knapp 1,5cm ZU in den Spitzen. Uneingeflochten ist der Spitzen-Zopfumfang minimal höher, bedingt durch die Kurven, die die Haare in einem Zopf nehmen müssen, um unten anzukommen.
Mein Zopf zeigt also einen recht deutlichen, aber gleichzeitig auch recht gleichmäßigen Taper. Die deutliche Kante in der Zopfdicke durch den Eisenmangelneuwuchs hat sich mittlerweile nach über zwei Jahren und zwischndurch zwei weiteren HA-Schüben verwachsen.

Ganz vermeiden lässt sich Taper nicht. Es gibt Haar, das kaum ausdünnt, aber alle Schöpfe verlieren nach unten hin an Dicke, das ist völlig normal.
Warum das so ist, habe ich einmal für das NagaiKami-Forum zusammengefasst und möchte ich hier wiederholen:

Die 4 Ursachen für Taper
1. Shedding/Haarausfall
2. Haarbruch
3. unterschiedlich schnelles Wachstum der einzelnen Haare
4. unterschiedliche Terminallängen der einzelnen Haar


Aus den 4 Punkten leiten sich folgende Möglichkeiten ab, das optische Tapern so gering wie möglich zu halten

 
1. Haarausfall sollte vermieden werden 

(sowieso, sofern man kann). Je niedriger die tägliche Sheddingquote, desto besser, desto weniger nimmt die Zopfdicke dadurch nach unten hin ab. Da aber jeder täglich Haare verliert, ist schon hier klar, dass jeder Taper hat. Nur eben unterschiedlich stark ausgeprägt.
2. Haare so behandeln und pflegen, dass nichts bricht oder ausreißt. 

Goldene Haarzüchterregel, würde ich mal behaupten.
3. Die schnelleren Haare müssen für möglichst wenig Taper auf die langsameren warten

„Jedes Team ist nur so stark, wie sein schwächstes Mitglied.“ Quasi. Also müssen die schnelleren Haare geschnitten werden, um die lanmgsameren aufschließen zu lassen. Tapervermeidung/Reduzierung ohne Schnitt funktioniert nicht. Bei den meisten Leuten sind die Fronthaare langsamer als die vom Hinterkopf. Es gibt aber auch Schöpfe die z.B. links schneller sind als rechts, oder die ausgerechnet in der Mitte ein langsameres Haarwachstum haben, sodass beim Offentragen und langem Nicht-Schneiden ein umgekehrtes U zu sehen ist. Den meisten wächst aber ein natürliches V. Also: regelmäßige Spitzentrimms. Man sieht das in der meist wirklich gut, dass nach ein paar Monaten eine harte Kante anfängt etwas unebener zu werden. Das sind die Vorreiter.
4. Bei den unterschiedlichen Terminallängen der einzelnen Haare lässt sich fast nichts machen.  

Fast! Außer wie bei Punkt 1 eben: Haarausfall vermeiden (gesunde Lebensführung etc. pp.) und damit möglichst lange Wachstumsphasen ereichen. Nichts desto Trotz werden nicht alle Haare gleich lang. Das hat vermutlich jeder schon bei den Schläfenhaaren beobachtet, weil es dort besonders deutlich ist. Diese Haare werden bei so gut wie niemandem so lang wie die übrigen Haupthaare. Aber auch wenn man sich anschaut, was so in der Bürste oder im Kamm hängen bleibt, dann ist das auch nicht alles gleich lang. Hätten alle Haare die gleiche terminale Länge, dann würden ja nur die längsten Haare ausfallen und auch alle erst, wenn sie die absolute terminale Länge erreicht haben, also beispielsweise willkürlich Knielänge, vorher würde nichts ausfallen. Dem ist aber nicht so. Kontrolliert man die Bürste (ich tue das ja schon ewig eben weil ich lange Zeit gezählt habe, wieviel drin hängt), dann sieht man ganz gut, dass die ganz langen Haare eher selten ausfallen. Klar, sind ja auch sowieso schon weniger von vorhanden. Es fallen aber auch deutlich kürzere Haare aus. Das Gros der Haare, die ich zum Beispiel aus der Bürste ziehe, ist so um die 30cm lang.
Das heißt, wollte ich möglichst wenig Taper haben und wäre mir Länge und alles, was damit zu tun hat egal (was ja nicht so ist), wäre die ideale Haarlänge für mich 30cm ab Scheitel. Das entspricht bei mir etwa Schlüsselbeinlänge. Dann gibt es noch den Bereich, ab welchem ein deutlicher Dickenverlust eintritt, das ist 30cm unterhalb des Nackenhaarnasatzes, etwa BSL. Wäre ich kleiner, wäre es so Midback bis Taille.

Das deckt sich gut mit den Beobachtungen, die jeder machen kann, wenn er sich Menschen auf der Straße anschaut. Dichtes Haar bis BSL ist absolut keine Seltenheit. Und wer einen Bob oder Longbob trägt, bei dem sieht man nun wirklich keinen Taper, es sei denn, es sind wirklich sehr unglückliche Haare (schlechte Behandlung, Krankheit…) oder der oder die Trägerin hat in diesem speziellen Bereich einfach nicht so viel Glück gehabt, was die Gene angeht.
Die 30cm sind natürlich mein Beispiel. Ihr könnt natürlich alle „längere Hauptterminallängen“ haben und über die Gesamtterminallänge sagt das wie gesagt auch gar nichts aus. Geht aber auch deutlich kürzer. Bei Männern kommt das öfter vor als bei Frauen, dass, bedingt durch die Androgene, eine kürzere Hauptterminallänge vorliegt und das Haar tatsächlich kaum länger wird als bis zum imaginären BH-Verschluss.


Bringt ein großer Schnitt etwas gegen den Taper? Oder ist trimmen besser?
Klar sieht man nach einem großen Schnitt deutlich weniger Taper. Weil nun einfach viel mehr Haare unten in der Kante ankommen. Und klar verwächst sich das wieder, wenn man dann nicht die Länge hält und trimmt. Je nach dem, wie lang die Haare schon sind, kann es sein, dass sich auch durch Länge halten nichts mehr verbessert, weil einfach von monatlichem Trimm zu Trimm genausoviele oder sogar mehr Haare ausfallen, als welche nachwachsen und runterschieben, um die Kante aufzufüllen.

Wenn man trimmt, dauert es also logischerweise länger, bis der Taper optisch weniger wird. Letztendlich ist es aber egal, ob sagen wir auf 90cm verweilt wird und 10 Monate lang jeden Monat den Zuwachs von 1cm dabei getrimmt wird, oder ob man 10cm auf einmal abschneidet und dann 10 Monate wachsenlässt. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass beim Trimmen die Kante immer frisch geschnitten ist, während bei wieder 10 Monaten nur wachsen lassen, die Vorreiterhaare wieder deutlicher hervortreten. Einmal gibt man eben Länge, um sofort mehr Kante zu haben, einmal hält man die Länge, muss aber lange auf die Kante warten. Man kennt das ja. 
Ein Vergleich nach zehn Monaten der zehnmal 1cm-getrimmt-Kante mit der Schnittkante direkt nach dem 10cm-Radikalschnitt hinkt. Der Vergleich funktioniert erst dann, wenn die Haare wieder gleich lang sind, also nach vollen 10 Monaten, in denen die Haare vom Radikalschnitt ungehindert gewachsen sind und eben zum Vergleich 10 Monate lang jeweils 1cm pro Monat geschnitten wurde. Da das schwerlich gleichzeitig am selben Kopf zu beobachten ist, ist die Vergleichbarkeit grundsätzlich natürlich so eine Frage. Nur ist man eben leicht entäuscht, wenn man nach zehn Monaten eine Kante erwartet die genauso voll aussieht, wie wenn man direkt am Anfang 10cm geschnitten hätte.
Wie so oft: die Entscheidung ist ja längst keine rein rationale Sache, sondern da spielt eben mit rein, was man jetzt gern hätte oder auf was man für die Zukunft gern hinarbeiten möchte.

Ich hoffe, ihr hattet einen ebenso sonnig faulen Balkon- und Park-Sonntag wie ich,
liebe Grüße und bis bald,
Heike, die immer noch nicht weiß, ob sie nicht hier auch mit Mai Glöckchen unterschreiben sollte.

Today I am talking about taper.
At first: what is this, taper?
Taper is a term used to describe how much your hair’s overall thickness is thinning from roots to tips. Much taper means, that your ponytailcircumference decreases pretty visibly, few taper or even „no taper“ (all hair tapers, it’s normal, but on some heads or braids you can hardly see it) means, that your braid seems to have (almost) the same thickness at your neck as down at your tips.
On the photo above you can see, that my braid shows a higher tendency to taper: it becomes visibly thinner on its way down my back. 

Why does hair taper and what can you do against it?
There are four reasons: 
1. Normal daily shedding or even hairloss.
Prevent hairloss by living a healthy life (You could write a whole book instead of this microshort blogpost to answer this question). Everybody is shedding hairs every day. That’s all normal. The less you shed, the less thickness you loose. Therefore less taper.
2. Brittle hair.
That means hairloss because of damages, the root stays intact. Take good care of your hair to prevent dryness and damages which lead to brakeage and split ends.
3. Not all hair grows at the same rate. 
Some of your hairs are faster than others. If you want to have less taper, you have to make a trimm regularly to let the slower hair catch up with the faster. The faster ones are easy to identify when you had your last cut a few month ago and look at your hemline now: it is no longer all straight, some hairs are longer than the others. These are your sprinters. It depends on you individually how often you have to trimm to have all your hair grow downwards together. 
4. Not all hair reaches the same terminal length. There is an absolute terminal length which could be, let’s say, at kneelength. But not all of your hair lives long enough to come to this length.  You can see it at your temples: most people have much shorter hair there. Or check your comb or brush. Not all shed hairs are as long as your overall length. In my case for exmaple most hairs in my tangle teezer are about 30cm long. This would be my perfect length, if only thickness would matter to me. Sowhere between collar bone length and BSL. That deepends on whether I measure from my part downwards or from my neck. But you see, there is hair which grows much longer. That is very individual too. 

All four aspects together show, that there is no hair without taper, but you can do something to prevent your hair from thinning.
The most popular solution is a cut. And a question which occurs quite regularly is: Is it better to trimm regularly or to make a bigger chop? 
To compare both possibilities it is important, to know that you cannot comapare a freshly cut hemline after for example a 10cm cut with a hemline after 10 month monthly1cm trimms. Why not? It is both a 10cm cut, or not?
Yes, it is. But in one case (the cut), the hair is 10cm shorter than in the other case (the trimming). To have a correct comparison you have to compare after the full 10 month. 10 month in which you have cut 1cm per month regularly compared with a 10cm cut at the beginning and than 10 month of only growing.
The difference is, that with the regular trimming your hemline stays neat because your sprinters get a cut every month. With the trimming method your hair becomes better every month but is not alle nice and full right at the start. With the „radical“ chop your hair is neat and full right from the start but starts thinning again.
It depends on what you prefer: thick hemline right now and thinning afterwards when you grow back to your favorated length is okay or the patience to have only very tiny improvements, but you can maintain your length and it becomes better every month. Sometimes a newstart is what you need, sometimes tiny imlpprovements make you happier.


1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.