1. März 2013

Dos & Don’ts

Das musste ich grad erst mal nachschlagen, damit ich das richtig apostrophiere… sieht komisch aus, obwohl es sich doch so gut spricht…

Also.  
Das Langhaar-Einmaleins.
Selbst blutigsten Anfängern wird etliches bekannt vorkommen – manches aber eben auch nicht. Sieht erst mal viel aus, lässt sich aber gut zusammenfassen, ist alles logisch und somit auch leicht zu merken.

Hier geht es um den richtigen Umgang mit langem Haar oder Haar, das lang werden soll. Dass das mit einigen konventionellen Stylingvorlieben kollidiert, muss ich eigentlich nicht noch mal extra erwähnen, denke ich. Eigentlich. Deswegen tue ich es trotzdem.

Goldene Regel 1:
Es ist VIEL wichtiger, was du mit deinen Haren nicht machst, als was du mit ihnen machst.
Die beste Pflege nützt nichts, wenn du deine Haare (zu sehr) strapazierst.Was „zu sehr“ ist, ist individuell sehr unterschiedlich. Geh im Zweifel lieber von empfindlicheren Haaren aus.

Goldene Regel 2:
Handle with care!
Bedenke wie lange deine Haare auf deinem Kopf bleiben müssen, damit sie lang werden. Jahre! Viele Jahreunter Umständen! Dann denk daran wie dünn ein einzelnes Haar ist. Und nun denk an deine Klamotten, wie die aussehen, wenn du sie ständig trägst und wäschst.
Also: Vorsicht bitte. 🙂 Wenn du keine Lust auf Vorsicht hast und noch dazu empfindliches Haar, dann wird das mit dem Traum von langem Haar schwierig bis unmöglich.

Goldene Regel 3:
Sei geduldig.
Haar wächst langsam. Wenn du lange Haare willst, dann musst du das jahrelang wollen. Das schöne ist: das heißt nicht, dass du dich nicht verändern kannst. Lange Haare sind so ziemlich die vielseitigste Frisur, die man tragen kann, ganz im Gegensatz zur landläufigen Meinung darüber.

Und nun im Detail:

Vermeide mechanische Belastungen
* Kein grobes Durchkämmen oder Bürsten, kein Reißen. Nicht sofort vom Scheitel in die Spitzen kämmen, sondern die Haare zu einen Zopf greifen (bei dickerem Haar eine gut kämmbare Strähne nehmen) und erst die unteren zehn Zentimeter glatt kämmen. Vorsichtig. Knoten einzeln per Hand entwirren. Dann die nächsten zehn Zentimeter, bis ihr oben am Ansatz seid. Bei gesundem Haar geht das sehr schnell, selbst bei verhedderten Haaren. Der gegriffene Zopf verhindert, dass ihr Haare ausreißt, wenn ihr auf einen Knoten trefft, den ihr übersehen habt. Haar aus dem Dutt oder Zopf habe ich nach einer halben Minute entwirrt. Offenes Haar nach zwei, drei Minuten. Offenes Haar nach Wind und Regen ist dagegen ein Geduldsspiel.
* Achte auf hochwertige Bürsten und Kämme. Es dürfen keine Grate oder Pressnähte vorhanden sein. Bei Holz darf keine Faser abstehen. Grate auf Haar haben einen ähnlichen Effekt wie Schere auf Kräuselband. Empfehlenswert sind hochwertige Horn- und Holzkämme, Holzbürsten, am besten ohne dickere Köpfchen an den „Borsten“ und viele schwören auf den Tangle Teezer, auch wenn er eine Plastikbürste ist. Ich liebe ihn auch. Eine Naturborstenbürste dient nicht zum Entwirren, sondern eher zum glätten oder reinigen.
* Kein Schmuck mit scharfen Kanten. Typischer Billigschmuck, wie man ihn in Drogerien, Accessoire-Shops und bei den einschlägigen Modehäusern bekommt, ist in der Regel haarunfreundlich. Hier gilt dasselbe, wie für Bürsten und Kämme: keine Pressnähte, keine Grate und bei Spangen: keine Metallspangen, die das Haar knicken. Patentspangen sind echte Haarbruchproduktionswerkzeuge. Selbes gilt für die Knickclips, die man häufig bei kleinen Mädchen sieht. Keine Metalverbindungen an Haargummis.
* Nasse Haare sind empfindlicher als trockene. Wenn du partout nicht darauf verzichten kannst deine Haare nass zu kämmen, sei NOCH vorsichtiger, als wenn sie trocken sind. Die Haare sollten auf keinen Fall gedehnt werden  und das passiert schnell bei nassem Haar.
* Vermeide Reibung. Sind die Haare lang genug, um sich zwischen Rücken und Sitzlehne einzuklemmen, räum sie aus dem Weg (sprich: nimm sie nach vorn oder wirf sie über die Lehne). Manche Kleidung reibt stärker als andere. Jedes Langhaar kennt den Effekt von schnell verfilzendem Haar auf Fleece oder Wolle. Das hat man bei glattem Textil nicht so ausgeprägt. Idealerweise steckt man die Haare hoch, dann hat sich das Reibungsproblem erübrigt. Die meisten Langhaars tragen wesentlich öfter ihre Haare hoch als offen. Schonung ist ein Grund dafür.
* Achte auf deine Nachtfrisur. Pass auf, dass du nicht auf deinen Haaren liegst und sie somit zwischen dir und der Matratze filzen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten zwischen Zöpfen, Dutts, Seidenkissenbezügen, Schlafhauben und Zopfschonern. Etliches davon sieht ziemlich lächerlich aus, erfüllt aber seinen Zweck. Muss man wissen, ob es das einem wert ist. Sehr langes und dazu schweres Haar lässt sich je nach Bettgestell über das Kopfende werfen und somit aus dem Weg schaffen, ohne eine eigene Frisur zu brauchen.
* Kein Toupieren! Wirklich nicht. Beim Toupieren wird gegen die Schuppenschicht des Haares gekämmt, das reißt Schuppen ab, öffnet die Haarstruktur und macht das Haar damit sehr anfällig. Immer nur mit der Wuchsrichtung kämmen.
* Vermeide Haarspray, -lack, -schaum und Gel. Spray und Gel kleben die Haare zusammen. Beim Ausbürsten können Haarschuppen mit abgerissen werden und somit die Schuppenschicht es Haares beschädigen. Willst du nicht drauf verzichten, wasche lieber vorsichtig aus, statt auszukämmen.
* Die wenigsten Haare müssen täglich gewaschen werden. Überleg mal, wie dein Lieblingspulli aussehen würde, wenn du ihn täglich waschen würdest. Also: so wenig wie möglich, so oft wie nötig waschen. Was nötig ist, hängt von vielen Faktoren ab. 

Vermeide chemische Belastungen
* Kein Blondieren! Langes Haar und Blondierung funktioniert nicht – zumindest nicht, wenn man mehr als Taillenlänge möchte. Es gibt extrem wenige Ausnahmen, bei denen es dennoch klappt, aber das benötigt sehr widerstandsfähiges, gesundes Haar und/oder viel Pflegeknowhow. Für empfindliches Haar ist eine Blondierung ein Todesstoß, und selbst für durchschnittliches Haar bedeutet eine Blondierung, dass man extrem viel pflegen muss, um Länge zu erhalten. Es wird Haarbruch geben, es wird Spliss geben, die Haare werden trockener und verlieren massiv an Glanz. Wenn ihr draußen langes blondiertes Haar rumlaufen seht, könnt ihr sicher sein, dass es zu 99%iger Wahrscheinlichkeit entweder Extensions sind oder noch nicht sehr lange blondiert wird, die Haare also unblondiert auf die Länge gekommen sind, bevor man sie aufgehellt hat. Mittelfristig wird sich die Länge nicht halten lassen, zumindest nicht in schön und dicht. Der restliche eine Prozent sind eben diese privilegierten Menschen, die alles mit ihren Haaren machen können. Aber ich denke nicht, dass ihr dazu gehört, sonst würdet ihr wahrscheinlich nicht hier lesen, weil sowieso alles einfach funktioniert. 🙂
* Obacht bei anderen chemischen Farben. Dunkler färben ist nicht so heftig wie aufhellen, da keine eigenen Pigmente zerstört werden müssen. Für empfindliches Haar kann aber auch eine chemische Färbung schon sehr belastend sein. Meist merkt man es hier eher an einem Verlust an Glanz und dafür mehr Trockenheit. Das führt zu einem kleinen Teufelskreis: die Farbe wirkt frisch gefärbt satt und glänzend, dann verblasst sie und wird matt, also färbt man wieder. Und da haben wir den Kreis auch schon.
* Keine chemische Strukturveränderung: keine Dauerwelle, keine chemische Glättung. Das hat einen ähnlichen Effekt auf das Haar wie eine Blondierung. Wer schon mal Blondierung oder auch Dauerwellenchemikalien gerochen hat, der kann sich vorstellen, dass das Zeug mit Sicherheit nicht pflegend ist, egal wie oft der Friseur von einer Kur danach spricht oder die Werbung suggeriert, dass das Haar schon beim Färben genährt wird.
* Achte auf Shampoos und Pflege, die zu deiner Kopfhaut und deinen Haaren passen. Es sollte nicht austrocknen, es sollte nicht jucken oder schuppen. „Mild“ ist hier das Stichwort. Eine konkrete Empfehlung kann ich hier so knapp nicht geben, das ist ein eigenes Kapitel für sich und individuell extrem unterschiedlich.

Vermeide thermische Belastungen
* Kein Glätteisen! Der Dampf, der dort aufsteigt, steigt auch auf, wenn die Haare vorher trocken waren. Glätten entzieht massiv Feuchtigkeit und macht das Haar damit angreifbar. Starke Hitze kann außerdem zu Hitzeschäden durch Verschmelzungen oder Verbrennungen führen. Da Haare ja schmerzfrei sind, ist man geneigt der Illusion zu glauben, es mache ihnen nichts aus. Lockenstäbe und Heißwickler sind genauso tabu, wenn doch, dann nur für absolute Ausnahmefälle. Sehr empfindliche Haare verzeihen auch keine Ausnahmen. Eine Ausnahme ist eine Hochzeit. Oder ein runder Geburtstag. Weihnachten. Der Discobesuch am Wochenende ist keine Ausnahme in diesem Sinne.
* Kein Föhn! Wenn es schon sein muss, weil es nun mal Winter ist, man einfach sonst zu spät kommt oder, oder, dann bitte auf der Kaltstufe, eher Wind als Sturm (wegen der Knoten, die sich sonst bilden) und mit einem Abstand von grob 30cm mindestens zum Haar. Und nicht trocken föhnen, bis die Haare wirklich trocken sind. Etwas Restfeuchte sollte bleiben. Die Haare sollten sich nach dem Föhnen kühl anfühlen, vielleicht noch minimal strähning. Das verfliegt innerhalb von Minuten von selbst.
Haare sind Handwäsche und keine Kochwäsche. Abgesehen davon mag die Haut das auch lieber, wenn man sie nicht abbrüht.

So. Diese lange Liste enthält also die Verbote. Das, was man mit den Haaren nicht tun sollte.
Und nun die kleine überschaubare Liste dessen, was man ihnen Gutes tun kann.

Die richtige Pflege:
* Das Shampoo sollte auf die Kopfhaut abgestimmt sein. Gesunde Kopfhaut produziert gesundes Haar. Vereinfacht gesagt.
* Shampoo gehört nur auf den Kopf! Die Längen werden nicht mit eingeschäumt! Das was an Schaum später noch drüber läuft reicht. Oder Conditioner.
* Spülung/Conditioner nur für die Längen. Auf dem Kopf wird es schnell pappig. Spülung hilft sowohl die Längen zu reinigen, als auch sie zu pflegen und gut kämmbar zu machen. Die beschriebene Verwendung von Shampoo und Spülung gilt für die Waschmethoden WC und CWC, die verbreitetsten Methoden.
* Öle sind deine Freunde. Wasser allein spendet keine Feuchtigkeit. Öle helfen diese im Haar zu binden.
* Verwende Öle und/oder Conditioner ruhig lange vor der Wäsche, z.B. über Nacht. Verlängerte Einwirkzeit erzielt meist eine bessere Wirkung.
* Pflege deine Kopfhaut. Hier sind Öle vor der Wäsche das Stichwort.

Und sonst:
* Gesunder Lebenswandel. Haare braucht der Körper weniger als… so ziemlich alles andere. An ihnen wird zuerst gespart. Ohne gesunde Ernährung läuft gar nichts. Dass Zellgifte wie Alkohol und Nikotin nicht förderlich sind, sollte klar sein. Haare sind langsam. Ihnen sieht man Veränderungen und somit auch Schäden von innen sehr spät erst an. Aber wer nach einer durchzechten Nacht oder einem verrauchten Abend morgens in den Spiegel guckt, der sieht schon an der Haut ganz gut, was da im Körper passiert ist.
* Trage haarschonende Frisuren: hochgesteckt mit hochwertigem Schmuck.
* Habe Spaß an der Sache. 🙂 Suche dir Vorbilder, probiere Frisuren, tausche dich aus. Am Anfang erscheinen ein, zwei oder drei Jahre, vielleicht sogar noch länger, bis zur Wunschlänge wie eine Ewigkeit. Aber Zeit hat die Angewohnheit zu vergehen. Und warum es sich nicht so schön wie möglich dabei machen? Jeder Wegabschnitt hat seine Besonderheiten. Es wartet sich viel besser auf Weihnachten, wenn man Plätzchen backt, dekoriert und das Essen plant (und die Geschenke), als wenn man einfach nur den Kalender anstarrt. Mit dem Warten auf eine bestimmte Länge verhält es sich genauso.

In diesem Sinne: ich hoffe, dass mein Blog für euch eine Art „Plätzchenbacken“ ist.

So viel für heute,
bis bald und gute Nacht,
Mai
(die mit einem Zopfschoner schläft. Ja ich bin schon in der Haarnerdprofiliga…)

Only a short summary as this post as already pretty long.
Three golden rules for long hair:
1. It is more important what you don’t do with your hair, than what you do with it!
2 Handle with care!
3. Be patient!

Prevent mechanical damage:
* always be careful 
* no rubbing
* no pulling
* no hard brushing
* only use good materials foir your brushes and combes as well as for your hairtoys

Prevent chemical damage:
* no bleaching
* better no dyeing
* no perm
* mild shampooing

Prevent damage from heat
* no blow dryer
* no flatiron
* no curler

In additon:
* live a healthy life
* wear your hair up
* have fun! 🙂

The last point is important as we know you need a lot of patience. If you are motivated, growing your hair will be much easier.

7 Kommentare

  1. Haha, wie geil, „Haarnerd“.

    Ich bin eigentlich ein richtiger Nerd (Softwareentwickler ^^). Allerdings bin ich schon lange der Meinung, dass es in wirklich jedem Bereich Nerds gibt (z.B. auch Sport, Ernährung). Aber „Haarnerd“ habe ich noch nie gehört, Top! 😀

  2. Toll geschrieben vielen Dank!!

    Aber zum hochstecken hab ich eine Frage ! Ich habe SEHR feines Haar und habe gehört die brechen wenn man einen Zopf macht . Wie soll ich sie denn hochstecken ?

    1. Dafür sind vor allem Dutts mit Haarstäben oder Forken super, noch haarschonender geht nicht. vVerwende bei Zöpfen eher breitere Haargummis aus Textil ohne scharfe Verbindungsklebestlle oder gar Metall. Die telefonkabelartigen Papangas/Invisibobbles etc. sind auch haarschonend und stabil. Die musst du nur sanft wieder rausnehmen, sonst reißt du zu sehr.

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