11. April 2018

Wieder fit nach Schwangerschaft und Geburt

„Da war doch nie ein Baby drin!“ „Du hast aber wirklich Glück mit deiner Figur!“ Doch, war es. Und jein, etwas Glück gehört dazu, aber bei Weitem sehr viel mehr einfach richtige Entscheidungen. Und somit auch einiges an Anstrengung.

Mit einem neuen Workoutvideo kann ich derzeit (noch? Mal sehen) nicht dienen, aber nichts desto Trotz habe ich auch eine Menge zu sagen zu einem der typischsten Frauenfitnessthemen überhaupt: zum Thema „After Baby Body“.

Nach der Geburt ist Frau post partum. Und zwar ihr Leben lang.

Was das konkret heißt: Niemand bekommt den Körper zurück, den sie vor Schwangerschaft und Geburt hatte. Die Veränderungen, die der Körper durchlaufen hat, sind zu umfassend und groß. Das bedeutet aber lange nicht, dass Frau nie wieder so fit sein könnte wie vorher (oder gar fitter) oder so eine gute Figur haben könnte wie vorher (oder sogar eine bessere!). Von diesem fürchterlichen Spruch bezüglich „Bounce back in shape“, verabschieden wir uns aber bitte sofort wieder. Niemand bounct back in shape. Das wird spätestens dann auch deutlich, wenn Frau mal nicht anspannt und posiert. Denn wie eine Freundin so treffend sagte: Angespannt eine gute Figur zu machen ist gar nicht soooo schwer. Entspannt dagegen sehr.

Von Reha zu Sport

Geburt bleibt – so schön und sanft sie auch bei einigen glücklichen Frauen erlebt worden sein mag – körperlich ein Akt von höchsten Leistungen, auch der Begriff „Trauma“ ist hier nicht fehl am Platze. Somit macht es Sinn wirklich schonend zu beginnen und sich die eigene Fitness langsam (zurück) zu erarbeiten. Ich hatte mich schon schwanger über Rückbildung und Sport nach der Geburt informiert und war… angeödet. Gerade die erste Rückbildung erschien mir schnarchlangweilig, träge und einfach etwas für Frauen, die vorher noch nie etwas sportlicheres getan haben mochten als irgendwann in ihrer Jugend mal Völkerball gespielt zu haben. Vielleicht. Nun, diese Entdeckung der Langsamkeit unmittelbar nach der Geburt macht aber durchaus Sinn. Ich kann von meiner Warte aus sagen, dass es sich teilweise so anfühlte, als wären manche Muskeln im Rumpf einfach nicht mehr vorhanden. Wenn dann noch Geburtsverletzungen ins Spiel kommen (was bei mir der Fall war) sind sanfte, ruhige, geführte Bewegungen ein absolutes Muss.

Das hier wird kein Artikel zu frühester Rückbildung, dafür empfehle ich wirklich einen genau solchen ja auch von den Krankenkassen übernommenen Kurs, damit auch jemand bei euch ist, der euch anleiten und korrigieren kann. Mir geht es hier um den Schritt danach, nämlich den von der Reha wieder hin zu dem, was ich als echte Fitness empfinde und das bedeutet für mich eine solide Grundlage an Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit (Explosionskraft) und Flexibilität wieder zu erlangen. Optisch schlägt sich das meist nieder in einer (wieder) besseren Haltung und einem erhöhten Muskeltonus. Wirklich sichtbarer Muskelaufbau braucht mehrere Monate und in der Regel auch einen eher niedrigen Körperfettanteil, um die Muskeln buchstäblich auftauchen zu lassen.

Motivation

Für viele Frauen ist die Hauptmotivation eine optische nach der Geburt. Wieder in alte Jeans passen oder ein geliebtes Kleid, „den Bauch loswerden“, also sowohl den eventuell vorhandenen Extraspeck als auch den nach vorn gewölbten Bauch, der noch eine ganze Weile nach Frühschwangerschaft aussieht.
Für andere ist es der Wunsch wieder etwas für sich zu tun, ganz allein nur für das eigene Selbst und da ist der eigene Körper ein willkommenes Spielfeld, ist die erste Babyzeit doch eine, in der das Kind an erster Stelle kommt und an zweiter und dirtter und so weiter Stelle auch. Sport ist da etwas, was Frau sich Gutes tun kann. Und noch dazu etwas was sie auch für sich tun kann, selbst wenn das Baby sie das nicht allein machen lässt. Gerade Sport ist ein Bereich der Selbstfürsorge, der sehr gut mit Baby, auch einem sehr fordernden vereinbar ist. Man braucht nur ein paar kreative Alternativwege zu dem, was man sonst vom Sport gewohnt ist. Dazu gleich mehr.
Die wie ich finde größte Motivation ist aber, zu Kräften zu kommen und die eigene Fitness auszubauen, denn wenn das Leben auch vor dem Kind schon kein Ponyhof war, mit Kind erhöht sich die Taktung im Alltag deutlich. Und dafür braucht es Energie.

Ich persönlich bin bekennendes Augentier UND kann das Gefühl von körperlicher Schwäche nur schwer aushalten. Somit war für mich klar: Ich mache mich fit, damit ich mein Baby so viele Kilometer tragen kann ohne Rückenschmerzen zu bekommen. Ich mache mich fit, damit ich Puffer habe, wenn wir mal krank werden sollten. Ich mache mich fit, damit ich mit ihr mithalten kann. Und noch möglichst lange schneller und stärker bin als sie, denn… nun bis ich sie allein auf der Verstandsebene dazu werde bringen können manche Dinge zu tun und andere nicht (in ihrem eigenen Interesse!), wird es noch dauern. Je stärker ich bin, desto stabiler ist ihr Netz und doppelter Boden.

Joah und ich wollte wieder in meine alten Klamotten passen. Ganz klassisch. Ich mochte sie, war zu geizig für neue und es war ein schön einfaches Ziel, im Sinne von: Klamotten waren immer da und ich konnte den Fortschritt gut beobachten.

Fit mit Baby

Ja, einzig es fehlt doch so oft einfach die Zeit und die Kraft für den Sport. Ich verstehe euch so gut! Zeit und Energie sind gerade in Phasen akuten Schlafmangels begrenzende Faktoren. Deshalb empfehle ich allen Mamis sich Übungen rauszusuchen (einfach noch ein Stückchen weiterlesen), die ihr mit Baby machen könnt und zwar jeden Tag. Auch an Tagen, denen man den Mittelfinger zeigen will. Wenn ihr in den Bereich kommt oder von Anfang an seid, in dem ihr euch kleine Sportauszeiten ohne Baby nehmen könnt, ist das absolut super: Macht das! Ich warte da noch drauf bzw. ich habe das seit ein paar Wochen, mache dann aber doch lieber Auszeiten schreibend vorm PC, denn das geht gar nicht mit Baby. Meinen Sport dagegen kann ich mit Merle machen. Deswegen eben auch die Empfehlung für alle Übungen mit Kind zu machen. Zeitfenster für Aktivitäten ohne Kind sind meist rar, die Aktivitäten, die da rein wollen aber eine Masse.

Ich hatte Anfang des Jahres versucht ein echtes Workoutprogramm durchzuziehen, den BBG. Das war für mich mit Baby auch in sehr abgespeckter Form nicht möglich. Auch Fitness Blender ging nicht, zumal ich dafür vor einem Monitor trainieren müsste und das ist mit Mrle ein No-Go. Ich trainiere also immer in Minizeitfenstern. Ich ziehe mich nie dafür um. Groß ins Schwitzen komme ich dabei nur bei Gewaltmärschen, sonst sind es einfach ruhige, geführte Bewegungen. Cardiotraining steht bei mir also derzeit noch aus, da ich dafür nicht genug Zeit am Stück habe.

Spaziergänge und Ausfallschritte

Kein Artikel zum Thema Fitness nach Geburt und Schwangerschaft ohne diese Empfehlung, die ja auch schon in der Geburt für eigentlich alle galt, außer die Mamis, die liegen mussten. Der Mensch ist ein Geher und ein Läufer. Unter anderem. Aber das eben doch sehr. Frische Luft für Mutter und Kind, dazu noch gut vereinbar, um dabei noch andere Mamis zu treffen und dem Lagerkoller zu entfliehen und die allermeisten Babys lassen sich draußen in Bewegung gut beruhigen. Egal ob mit Trage oder Kinderwagen: macht ein paar Ausfallschritte dabei. Wenn ihr noch etwas wacklig seid, dann lieber mit Kinderwagen, mit Trage dann nur dort, wo ihr euch rasch abstützen könnt (in der Wohnung in der Nähe einer Wand zum Beispiel).

Gerade wenn ihr Tragemamis seid und euer Baby (noch) vor dem Bauch tragt: legt bewusst eine Strecke mit aktiviertem Beckenboden mit ein. Denn leider ist das Tragen vor dem Bauch für den Beckenboden nicht optimal und auch bei Kaiserschnittnarben manchmal problematisch. Wenn ihr merkt, dass ihr da Probleme habt, könnt ihr eine Trageberatung kontaktieren, damit man euch hilft, euer Kind schonender zu tragen. Die Rückentrage ist nicht ganz einfach für Anfänger, einmal erlernt aber wirklich entspannt.

Noch mehr Tragesport

Baby ist in der Trage und ihr lauft also einfach. Vielleicht tanzt und singt ihr auch, wenn es mal nicht darum geht, Baby zu beruhigen, sondern ihm etwas aus der Langeweile zu verhelfen. So oder so lassen sich kleine, nicht zu tiefe Kniebeugen gut mit einbinden. Gern auch welche, bei denen ihr die Ferse abhebt und nur auf den Zehen steht, das unterstützt den Beckenboden. Die klassische Gebärhockhaltung ist auf dem ganzen Fuß mit Fersenbodenkontakt, um den Beckenboden maximal zu öffnen. Auf den Zehen schließt er sich etwas. Ich wurde unter der Geburt da sehr oft korrigiert, weil ich oft auf den Zehen war.

Auch seitliches Schwingen und Wiegen kombiniert mit flachen Kniebeugen (Baby nicht einklemmen!) lassen sich sowohl beruhigend als auch tanzend gut integrieren und fordern andere Muskelgruppen als die einfachen Kniebeugen. All das könnt ihr auch vor dem Kinderwagen oder der Wiege machen, um euch zum Beispiel für euer Baby zum Affen zu machen, weil es das lustig findet. Viele Babys finden es interessant bis absolut zum Lachen, wenn Mama rumhampelt. Win-win.

Wickelkommodensport

Und da liegt der kleine Fratz dann und wie oft beugt man sich einfach über den kleinen Menschen und knutscht und kuschelt an ihm herum? Weiter machen. Dabei Bauchmuskeln aktivieren (stellt euch vor ihr hättet ein Corsett an und würdet die Schnüre zuziehen – genau so. Nicht einfach hohlen Bauch ziehen.) und ein Bein nach hinten unter Spannung ausstrecken und nach oben führen. Kleine Kicks also nach hinten, ruhig und angespannt. Becken bleibt parallel zum Boden. Beide Seiten. Wenn ihr das nur 5x pro Seite macht aber dafür bei jedem Wickeln, summiert sich das sehr schnell ganz schön auf.

Auch schön sind Kniebeugen vor der Wickelkommode. Kombiniert mit „Kuckuck!“ für das Baby oben. Je nach Babyalter.

Spiel-mit-mir-Sport

Baby liegt auf der Krabbeldecke (oder krabbelt in der Nähe herum) und Mama spielt mit. Vierfüßlerstand ist eine gute Ausgangsposition für viele einfache Übungen mit aktiviertem Bauch und nach hinten oben geführten Beinen. Auch auf der Seite aufgestützt liegen und dann das Becken seitlich nach oben heben geht gut, während man dabei für Baby Grimassen macht oder Spielzeuge bewegt oder anreicht. Diese Übung ist super für die seitlichen Bauchmuskeln und damit ein Klassiker in der Rückbildung.

Badezimmersport

Mein Liebling, weil es so eine schöne Regelmäßigkeit hat und ich es dadurch nie vergesse. Beckenboden aktivieren beim Zähne putzen. Badewannenliegestütze (bitte Rektus Diastase vorher kontrollieren lassen und ein OK abholen), Badewannendips und ein paar Übungen im Stehen vor dem Spiegel. Das geht gut, wenn ihr ein Baby habt, das gern mit im Bad ist und bei sowas zuschaut. Merle mag das. Wenn ich Kiebeugen vor ihr mache oder Liegestütze, dann lacht sie. Wenn euer Baby zu der Sorte gehört, das euch noch nicht mal in Ruhe pullern lässt, dann sind die anderen oben erwähnten Situationen vermutlich besser für euch.

Sport mit Gewichten

Allen voran mit eurem Baby. Hoch über den Kopf gehoben werden, mögen die meisten ab einem gewissen Altern sehr gern. Schön ist, dass bei eurem Baby das Gewicht allmählich steigt, das heißt, es trainiert euch langsam hoch. Auch Rotationsbewegungen mit Baby sind prima. Wenn euer Kind das aber nicht mag, dann nehmt Hanteln. Bei leichteren Gewichten tun es auch Wasserflaschen oder dicke Bücher (bitte zwei gleich schwere). Ich mag diese Übungen sehr, denn sie machen mich fit für manche verkorksten Alltagsbewegungen mit Baby, die dann nichts mit Sport zu tun haben, sondern einfach damit das Kind gut in den Hochstuhl zu wursteln oder in den Kindersitz oder es hinter einer Ecke hervorzuheben, ohne dass man das Gefühl hat sich dabei die Schulter auszukugeln oder es oh mein Gott gleich fallen zu lassen, weil „Ich kann nicht mehr!“ und „Mensch, wann ist es denn so schwer geworden?!“ Wenn da die Kraft fehlt, fühlt man sich nach solchen Alltagskraftakten ein bisschen wie hexengeschossen.

Spätestens wenn es um Rückentraining und Brustmuskeltraining geht und man bei Liegestützen wegen noch zu empfindlicher Bauchmuskulatur raus ist, sind Hanteln viel wert. Denn ein Baby kann ich ja nicht symmetrisch aufteilen. Und auch einfach nicht so greifen, wie es dann nötig wäre. Ich habe euch schon mal meine Hantelfavoriten vorgestellt und lege sie euch noch mal ans Herz. Egal ob als Bausatz oder die kompakte Version. An dieser Stelle bedanke ich mich bei Gorilla-Sports für die Zusammenarbeit. Ich denke, ihr lest hier schon gut raus, dass es einfach etwas ist, was gepasst hat, aber nichts,m was hier inhaltlich etwas beeinflusst hätte.

Meine Trainings: Beispiele

Ich erwähnte es schon mal, Merle ist ein Tragebaby. Wir kamen bis vor Kurzem auf 50-60 Tragekilometer die Woche. Letztens habe ich auch bei Instagram schon mal aufgedröselt, wie sich eine Woche fitnesstechnisch bei mir darstellt. Es hat also tatsächlich nur wenig mit Glück haben zu tun als wirklich mit einfach viel Bewegung, dass ich wieder in fast alle alten Klamotten hineinpasse. Also:

  • 50-60km tragen
  • ca. 200×7=1400 Ausfallschritte mit Baby in der Trage (ca. 8 Runden Schneeflöckchen Weißröckchen ergeben 200 Lunges. Ich muss jeden Tag meist 2x 4 Runden machen)
  • ca. 1400 Minikniebeugen mit Baby in der Trage
  • 140 Badewannenliegestütze (morgens 10 und abends 10)
  • 140 Badewannendips
  • 140 normale Kniebeugen
  • 140 Kniebeugen mit Baby hoch in die Luft „werfen“
  • 140 Standing abs (im Stehen ein ausgestrecktes Bein ohne Schwung nach oben zur anderen Hand führen. Links zu rechts, rechts zu links)
  • 140 Beckenbodenübungen im Stehen (Beckenboden aktivieren wie in der Rückbildung gelernt. Aprikose, Perle, Fahrstuhl… wie auch imer)
  • 70 Reverse Flys mit Hanteln
  • 70 Chest Press mit Hanteln
  • 50 Wickelkommodenkicks
  • optional diverser Yoga- und Pilateskleinkram wenn es sich anbietet
  • optional diverser Hantelkleinkram wenn es sich anbietet

Aktuell verschiebt es sich etwas weg vom vielen Tragen hin zu mehr Krafttraining. Der optionale Bereich wächst, da wir endlich die Federwiege haben, in der Merle nun auch einschläft, was mich beim Tragen sehr entlastet. Hinzu kommt, dass ich mit ca. 14 Stunden intermittierendem Fasten dabei bin, da ich mit Start der Abendroutine nicht noch mal etwas essen möchte, weil ich danach meine Zähne nicht mehr putzen kann. Das summiert sich dann alles auf und führt dazu, dass ich jetzt nur noch grob 1kg mehr wiege als vor der Schwangerschaft und die Umfänge an Bauch, Po und Beinen auch fast wieder sind wie vorher bzw. ich sogar damit rechne etwas mehr am Hintern zu behalten, weil der einfach jetzt besser bemuskelt ist.

Um noch mal den Bogen zum Anfang zu spannen: Was für mich ebenfalls eine große Motivation ist, Sport zu treiben, ist, dass ich mir ja auch für Merle wünsche, dass sie ihr Leben lang aktiv bleiben wird. Und ich möchte, dass sie Bewegung als etwas vollkommen selbstverständliches im Alltag auch ihrer erwachsenen Eltern wahrnimmt. Denn alles, was wir als Routinen, Gewohnheiten erlernen und verinnerlichen, kostet uns so unglaublich viel weniger Kraft, als das, wozu wir uns aufraffen müssen. Alle Routinen, die ich jetzt etabliert habe und neu aufbaue, wird für Merle dadurch sehr viel leichter sein. Ich mag ihr ein Vorbild sein. Nicht nur beim Sport, aber da eben doch auch.

***

P.S.: Da es in den Kommentaren aufkam und ihr da Recht habt: Hier noch eine Abschlussbemerkung, die sonst offensichtlich im Text zu kurz kam. Fitwerden nach Geburt und Schwangerschaft heißt lange nicht nur Sport. Es heißt erst mal klarkommen. Sich einfinden. Stressmanagementstrategien finden. Ich hatte hier einen Artikel zum Thema Mindset, der das sehr gut abdeckt. Dennoch bedeutet einfach Fitwerden für viele Frauen (wie ich finde verständlicherweise!) auch, dass sie sich sportlich betätigen wollen. Zumeist mit optischem Anreiz. Den habe ich wie gesagt auch, aber ich betone es hier noch mal: Eitelkeit ist echter Fitness nachgeordnet! Erst geht es darum, was mein Körper kann, dann darum, wie er aussieht. In der Regel zieht das Aussehen aber nach, wenn das Können bearbeitet wurde. Umgekehrt ist das keine logische Konsequenz. Man kann sich dünn machen ohne an Kraft zu gewinnen. Das passiert auch vielen Müttern, vor allem Still- und Tragemüttern. Deswegen noch mal ganz deutlich: Fitwerden im Kontext von Sport nach Geburt und Schwangerschaft bedeutet Arbeit an Kraft, Ausdauer, Flexibilität und Schnelligkeit bzw. Explosionskraft, also den verschiedenen Komponenten körperlicher Leistungsfähigkeit. Der Hauptanreiz sollte dabei sein sich stark zu fühlen (und stark zu sein) und Reserven für den fordernden Babyalltag zu haben, denn oh ja, mit Baby ist es anstrengender als vorher, also macht es sowas von Sinn sich mehr Kraft zu erarbeiten als vorher. Einiges passiert quasi nebenbei (wie ich es ja mit den Tragekilometern beschrieben habe, oder auch die Arme werden stärker, so wie Baby schwerer wird), macnhes braucht ein klein wenig Organisation im Alltag und da habe ich denke ich gute Anreize und Beispiele geben können.

Wie ich im Artikel zum Thema Vollstillen schon beschrieben habe, ist es keine gute Idee in ein mehr oder weniger starkes Kaloriendefizit zu gehen. Vor allem eben nicht, wenn ihr stillt. Also bei aller Bewegung: Esst nicht nur genug an Kalorien, sondern auch an Nährstoffen! Das, was ihr leistet, das macht ihr nicht mit Hüftspeck allein, dafür braucht es mehr. Viel frische Nahrung. Wirklich VIEL! Ich habe in der Schwangerschaft ja schon oft an die 4000kcal am Tag verschlungen, in der Vollstillzeit mit langen Tragestrecken wurde es noch mal mehr. Vertraut eurem Körper! Hört auf ihn! Wenn ihr müde seid, dann müsst ihr keine Kniebeugen mehr machen. Müssen ja sowieso nicht. Dann lieber zwei, dreimal strecken.

Leider funktioniert Kraftgewinn durch Sport aber nur, indem ihr eine gewisse kleine bis große Müdigkeitsschwelle überwindet. Ihr investiert im Moment etwas mehr, als euch lieb wäre, bekommt dafür aber mehr Kraft in Zukunft. Das gilt generell für Sport, egal ob post partum oder nicht. Wenn ihr körperlich erschöpft seid, dann powert ihr bitte nicht. Dann sucht Kraft in Ruhe und anderem Auftanken (Nahrung, Lachen, Nähe…). Wenn ihr nur „braintired“ seid, also es eher etwas ist, was sich anfühlt wie grad die Wohnung geputzt und arbeiten war man auch schon, jetzt noch Sport och, nee lieber Fernsehen: dann macht eine Überwidnung Sinn, um eben langfristig fitter zu werden. Das herauszufühlen, wann es nur leichte Mattigkeit ist und wann echte Erschöpfung, ist nicht ganz einfach. Hört in euch hinein. Dazwischen gibt es natürlich Graustufen, die bedingen, ob ihr euch aufrafft, um 3km zu laufen oder ob ihr nur ein paar Sonnengrüße macht.

If you are tired, learn to rest, not to quit.

Dafür sind meine Babyalltagssportübungen auch gedacht. Ich lasse es eben nicht ganz, sondern achte sehr darauf gut zu ruhen. Es ist kein Ganz oder Gar nicht zwischen nur im Bett liegen oder eine Stunde Fitnessstudio. Die Babyübungen hier sind mein Weg, sehr variabel auf meine täglichen Kraftressourcen einzugehen und  weiterzumachen, stärker zu werden, ohne den Druck, dass wenn ich dieses und jenes nicht mache, der ganze Workoutplan ja für die Katz ist und ich es gleich lassen kann. Jede Bewegung zählt. Jedes Lächeln übrigens auch.

Mit Merle zu sporteln bedeutet nicht, dass sie dabei nebensächlich wäre und sie darauf warten muss, bis Mama fertig ist. Es bedeutet, dass ich mir bewusst etwas aussuche, woran sie Freude hat, was mir aber auch gut tut. Ich werfe sie in die Luft, weil sie dann lacht. Das Ganzkörpertraining ist der Nebeneffekt. Wenn ich zu erschöpft bin mache ich das nicht, wenn sie da keine Lust drauf hat auch nicht.

Und auch das noch mal am Schluss: Sprecht euren Hausarzt an bezüglich Blutwerten. Egal ob ihr sportelt oder nicht, ich meine hier explizit zum Thema Fitness, als körperlicher Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Geburt zehrt, Stillen zehrt. Lasst komtrollieren, ob ihr gut versorgt seid. Aufbau funktioniert nur, wenn die Bausteine da sind.

Da ich den Vorwurf bekommen habe, den ich mein Lebtag schon höre bezüglich ich sei zu dünn: Ich war immer schon dünn, habe aber immer schon sehr viel gegessen. Ich war noch nie so muskulös wie jetzt, ich hatte noch nie so viel Ausdauer, ich habe noch nie so viel gewogen wie jetzt und das letzte Mal, dass ich solche Massen gefuttert habe, war glaube ich mit 14 im Wachstumsschub. Bei der Kraft bin ich noch nicht wieder da, wo ich vor Merle war, aber das erwarte ich auch nicht. Ich ernähre eineinhalb sehr aktive Menschen (halb, weil Merle ja nun schon viel Beikost isst aber immer noch viel stillt), das ist der Kraftakt schlechthin. Ich schließe mit meinem liebsten Fitnesszitat von Kelli Segars, von Fitness Blender:

It is all about what your body can do. The superficial changes are just a bonus.

In diesem Sinne: Seid gut zu eurem Körper und eurer Seele. Beide werden es euch danken. Lacht viel, bewegt euch ausgeglichen am besten draußen, esst frisch, nährstoffdicht, ausgewogen und so viel, wie ihr braucht, drückt einen lieben Menschen, unterhaltet euch mit guten Menschen über gute Dinge. Soetwas. Küsst euer Baby. Sagt Danke zu eurem Körper, für das, was er geleistet hat und noch immer leistet.

There are billions of cells in your body and all they care about is you.

Von wem das jetzt wieder ist, weiß ich nicht. Aber. Also. Ihr seid gut und ihr seid genug. Fitness ist etwas, was ihr angehen könnt, wenn ihr besser werden möchtet. Wenn irh einfach nur Lippenfürze auf dem schönsten Babyspeckbauch der Welt verteilen wollt, dann ist das genauso gut. Seele vor Körper. Aber am besten beide zusammen.

Ich glaube, jetzt haben wir’s. 🙂

24 Kommentare

  1. Liebe Heike, vielen Dank für diesen wirklich tollen Artikel! Ich finde deine Fitnessartikel überhaupt mit am besten hier auf dem Blog. Solche Infos hab ich sonst noch nicht entdeckt-Sportliche Übungen, die man einfach in den Alltag mit Baby integrieren kann. Und du hast ja recht, es summiert sich dann, es muss nicht immer gleich eine halbe Stunde Workout am Stück sein und bei Alltagsroutinen lässt sich viel einbauen. So spanne ich etwa beim Kochen und Zähneputzen regelmäßig den Beckenboden beim Ausatmen mit an. Hier sind auf jeden Fall viele Tipps dabei, dir mir helfen, Kraftübungen in den Babyalltag einzubauen. Ich bin begeistert! Ein EBook wäre für dich doch echt eine Idee!

    1. Danke dir! Ach, was ich alles schreiben könnte und auch wollte, wenn ich mehr Zeit hätte. Anders als der Sport geht das zu Babys Wachzeit aber leider so gar nicht. na mal gucken, was die zeit noch so bringt. 🙂

  2. Liebe Heike,
    ein sehr schöner Artikel und man sieht jedem Bild an, das dies genau der richtige Weg für Dich ist, Stärke und Ausgeglichenheit (zurück) zu erlangen. Du siehst toll aus und ziehst Kraft aus Deinem Sport, die Dir in schwierigen Zeiten hilft. <3

    Ich würde trotzdem gerne noch einen Aspekt ergänzen: Pausieren oder das eine oder andere Kilo mehr akzeptieren, wenn sonst die Substanz für einen ausgeglichen Alltag fehlt.

    Auch ich hatte ein ausgeprägtes Tragebaby, das sehr fordernd war und sehr lange vehement die Brust einforderte. Die Kilos purzelten und Muskelmasse und Ausdauer wuchsen trotz anderthalbjährigem Schlafentzug (nie länger als 3 Stunden am Stück). Ich war gerstenschlank wie zuvor, aber fit (im Sinne von: ich fühle mich wohl in meiner Haut) war ich nicht. Nach dem Abstillen mit anderthalb Jahren bekam ich endlich wieder mehr Schlaf und als der zweite Geburtstag nahte stand die Kita-Eingewöhnung und der Wiedereinstieg in den Beruf an. "Nur" halbtags, aber der Zeitdruck mit langem Anfahrtsweg zum Job, forderndem Aufgabengebiet, knappen Kita-Öffnungszeiten und Krankheitszeiten meiner Kleinen war (und ist immer noch) gnadenlos. Ich war nur noch am Rennen und ein Strich in der Landschaft mit hervorragenden Blutwerten und perfektem BMI.

    Und wenn dann jemand zu mir sagte: "Gönn' Dir doch mal Zeit für Dich und mach ein bisschen Sport. Du kannst das doch in Deinen Alltag einbauen.", hätte ich demjenigen am liebsten eine reingehauen. (Was ich natürlich nicht getan habe!) Man muss dazu wissen, dass ich auch vorher zwar immer sportlich war, mir Sport allein um des Sportes willen, aber nie Spaß gemacht hat. Es verschafft mir einfach keine Befriedigung, in den Spiegel oder auf meinen Fitnesstracker zu schauen und zu sagen: Das habe ich geschafft! Denn ich war seelisch ein Wrack, reizbar und die Trotzphase brachte mich zur Verzweiflung. Ich wollte meiner Tochter auch ein Vorbild sein: Zuverlässig, belastbar (seelisch und körperlich) und liebevoll.

    Dann sagte meine Ärztin zu mir: "Schmeißen Sie ihre Waage weg, essen Sie gehaltvoll, lassen Sie Sport, der Ihnen nicht gut tut und kleiden Sie sich neu ein. Ich wette mit Ihnen, dann geht es Ihnen besser." Das tat ich, langsam und mit Bedacht: Das Strahlen kam zurück. Die Belastbarkeit kam zurück.

    Bitte nicht falsch verstehen: Bewegung gehört nach wie vor zu meinem Leben und ich will niemandem den Sport schlechtreden, aber so wie es unterschiedliche Kinder gibt (Topfpflanze vs. Duracell-Häschen) genauso gibt es unterschiedliche Mütter, die unterschiedliche Wege gehen müssen und wieder fit = leistungsfähig zu werden.

    Ganz liebe Grüße und alles Liebe

    1. Huhu, Heike! Ich nochmal. 🙂
      Vielen Dank für den ergänzenden Absatz. Das rundet alles schön ab. Ich hoffe, ich bin Dir mit meinem Kommentar nicht zu nahe getreten. Wenn doch, tut mir das leid. ❤️ Du machst das für Dich ja genau richtig.

      Mich hat immer sehr geärgert, dass ich auf der einen Seite mit (zu zahlenden) Angeboten wie „Fit Dank Baby“ oder KiWaFit bombardiert wurde und man mir meine Kleine dafür auch nur zu gerne abgenommen und betreut hätte, ich aber regelrecht darum kämpfen musste bei Ärzten mit Kind nicht aus dem Wartezimmer geworfen zu werden, weil ich niemanden hatte, der in der Zeit nach ihr schauen kann. Selbst meine Hebamme hielt es nicht für notwendig, mich vorab darüber zu informieren, dass Rückbildungsgymnastik bei ihr nur ohne Kind(!) geht. 🙄 Also hatte ich keinen Kurs und hab mich mit Übungen aus dem Internet geholfen. Da hört sich dann eben „Mach Sport, dann wirst Du wieder fit!“ wie Hohn an.

      Wie gesagt, jeder muss seinen Weg finden.

      1. Oh, das sind üble Erfahrungen. das tut mir sehr Leid. Ich habe da glaube ich einen tollen Arzt. Er waren ganz enttäuscht als ich letztens zum Blutwertcheck da war ohne Baby. Und auch die Hebammenpraxen hier bieten alle KRüBi-Kurse mit oder ohne Kind an. Meine Hebamme meinte eher, ich solle den ohne Kind nehmen, damit ich mal was für mich allein täte.
        Nun, Rückbildung ist bei mir immer noch ein Kinderthema. Von daher finde ich das ganz nett mit Kind. Für mich allein ist Schreiben. Oder laufen gehen. Oder mal in Ruhe einkaufen.
        Ich hab ja auch erst mal viel aus dem Internet recherchiert, Aber eher deshlab weil auch die Kurse mit Kind zu IUhrzeiten waren, die waren für uns hier ein kleiner Witz. Wenn baby erst gegen 23 Uhr schläft, dann kann man nicht morgens um 10 bei der Rückbildung aufkreuzen. Das geht erst jetzt.

        1. Was bei Dir der Sport oder das Schreiben ist, ist bei mir die Nähmaschine. Wenn ich nähe, kann ich loslassen, entspannen und zur Ruhe kommen. Egal wie müde ich bin, wenn ich nähe tut mir nichts mehr weh. Angenehmer Nebeneffekt: Kinderkleidung wie ich sie mir vorstelle und auch mein Kleine ist schon infiziert: „Mama, ein Dreh-Flieg-Kleid aus diesem Stoff bitte! Darf ich mithelfen?“ 😃 Auch für mich nähe am liebsten selbst. Stoffe sind meine Leidenschaft. ✂️

          1. Oooooh ein Dreh-Flieg-Kleid! Ich weiß genau, was sie meint! Wundervoll! Handarbeit hat für viele etwas Meditatives, es ist toll, dass du das für dich gefunden hast. Ich glaube e ist einfach für die meisten Menschen zutiefst befriedigend zu sehen, wie sie etwas erschaffen. Kreativität ist wie ein Spa fürs Gehirn. Quasi. 😀

  3. Hallo Heike, ich bin etwas erschüttert, dass du ein Schwangerschaftsbild zum Vergleich nimmst. Als hätte ein schwangerer Riesenbauch irgendwas mit untrainiert zu tun. Vielleicht ist es dir selbst schon aufgefallen, dass du selbst am Ende der Schwangerschaft nur aus Haut und Knochen bestehst. Rippen und sämtliche Schulterknochen stechen stark hervor.
    Was dir zu denken geben sollte, ist dass Merle mit zu niedrigem Geburtsgewicht zur Welt gekommen ist!
    Da ist es dann auch kein Wunder wenige Tage nach der Geburt fast wieder auszusehen wie vorher- schließlich hast du in der Schwangerschaft kaum an Gewicht zugelegt, was deiner Tochter zugute gekommen wäre.
    Bemerkenswert finde ich darüber hinaus, dass du den Sport in die Babyzeit einbaust: Ausfallschritte in der Trage, Baby hochwerfen als Sport und Wickelkommodenkicks. Das Baby merkt doch, wenn Mama sich grad auf was Anderes konzentriert und gedanklich abwesend ist, dass es dir dabei um Sportübung und nicht um Merle geht. Vielleicht wäre es sinnvoller Abends eine Stunde Sport einzuplanen und stattdessen mit Merle wirkliche Quality Time zu verbringen. Ich war in der Babyzeit mit meinen beiden Kindern auch nur noch ein Strich in der Landschaft, weil Stillen und Rumgerenne plus Schlafentzug einfach zerrt. In so einem Zustand halte ich es persönlich für kritisch, sich mit zusätzlichen Sportübungen zu Knechten. Zumal wenn es andere Baustellen gibt, wie das Baby in den Alltag einzubinden: einkaufen, in die Stadt gehen, Freunde besuchen oder Termine wahrnehmen zu können.
    Nimm es mir nicht krumm, aber ich vermute, dass du den übertriebenen Sport und Gewichtskontrolle benutzt, um etwas zu kompensieren.

    1. Liebe Anna,
      ich habe in der Schwangerschaft absokut ideal zugenommen und sogar mehr als erwartet mit stabil einem halben Kilo pro Woche seit die Übelkeit vorüber war. 🙂 Ich wiege jetzt noch mehr als jemals zuvor. Was denke ich etwas kurz gekommen ist im Artikel, und was ich gern noch ergänze ist, dass ich beim Stillen deutlich noch mal an Gewicht zugelegt habe. Mein Baby zu ernähren hatte und hat absolute Priorität. Erst seit der Beikosteinführung ist es für mich überhaupt möglich wieder auf dem Weg in alte Klamotten zu sein. Vorher ging mein Gewicht stetig aufwärts. Auch das war okay, wenn auch echt lästig, weil mir fast nichts mehr gepasst hat außer immer noch Umstandskleidung.
      Bezüglich Qualitytime mit Baby: Mach dir keine Sorgen, die bekommt sie, ich denke sogar mehr als die meisten Babys (Bedürfnisprintierte Elternschaft ist für mich nicht bloß ein Hashtag sondern wirklich eine Art des familiären Lebens). Wenn du den Artikel zu Leben mit 6 Monate altem Baby gelesen hast, wirst du sehen, dass ich praktisch 24/7 Mama bin. Merle ist ein sehr waches, aktives und dadurch auch forderndes Baby. Und ich weiß von vielen Müttern, dass Sport dann eine der ganz wenigen Aktivitäten ist, die überhaupt etwas ähnliches wie Ich-Zeit sein können, mit Baby dabei. Ich mache abends keine Stunde Sport. Ich mache nie eine Stunde Sport. Sport knechtet mich auch nicht (Sport fühlt sich nur nach knechten an, wenn er keine liebe Gewohnheit ist und man (noch) sehr schwach ist oder sehr müde. Deshalb mache ich auch wirklich nur Miniübungen, denn ja, ich bin auch müde. So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Keine Workputprogramme für mich, aber etwas, was mich langsam weiter aufbaut). Ich mache Ausgleichsübungen, um dem hohen Aktivitätspensum gerecht werden zu können. Optisch wieder definierter zu werden ist ein netter Bonus.
      Ich finde es schade, dass du den Artikel so missverstehst, mir war aber klar, dass das passieren kann. Es ist etwas, was ich mein Leben lang schon als Kritik kenne, da ich immer schon sehr schlank bis dünn war. Wenn ich einen Salat esse muss ich mich oft schon rechtfertigen, weil man nur den Salat im Moment sieht und nicht die 3000 anderen kcal die ich auch noch futtere. Ich ernähre mich sehr gesund will heißen nährstoffdicht, unverarbeitet und ausgewogen (meine rezepte hier auf dem Blog sind alles, aber nicht kalorienreduziert) und so bewege ich mich quasi auch. Sport ist bei mir kein Mittel zur Gewichtsreduktion, sondern zum Kraftgewinn. Ein trainierter Körper mit Gewicht X sieht aber immer fitter aus als ein untrainierter Körper mit Gewicht X. Wie ich es hier auf dem Blog auch mit begleitet habe: Erst durch Sport und dem damit verbundenen Muskelaufbau und dabei eben wirklich VIEL Essen konnte ich überhaupt mein Gewicht erhöhen.
      Merle ist auch nicht mit zu niedrigem Geburtsgewicht auf die Welt gekommen. Nur mit niedrigem. Sie war von Anfang an kerngesund und sehr stark, kein Arzt hatte je Bedenken. „Sie sind schlank, ihr Mann ist schlank, das Kind ist stark, alles super.“ Sie ist auch durch das STillen, also durch meine körperliche Leistung dann so wudnerbar gediehen. Etwas, was auch nur mit viel Essen, viel Ruhe und nur wenig ausgleichender Kräftigung funktioniert hat (siehe Artikel zu Endlich Vollstillen). Ich finde es ehrlich gesagt eine ziemlich dicke Keule, die du mir da entgegen schwingst, dass ich meine Eitelkeit vor das Wohl meine Kindes stellen würde. Mitnichten. Auch der Sport in der Schwangerschaft ist etwas, wofür ich nur Lob von ärztlicher Seite bekommen habe und den ich wirklich allen nur empfehlen kann. Geburt ist ein Kraftakt. Wochenbett und Babyzeit auch. Je weniger Grundfitness vorhanden ist, desto härter wird es. Ich bin froh, bis zum Ende der Schwangerschaft so mobil gewesen zu sein, wie ich es war und das war mir wirklich nur möglich durch Yoga, Stretching, Pilates, Meditation und eben auch Krafttraining.
      Mein Sport ist also wirklich nicht übertrieben und ich wiege mich ein bis zweimal im Monat. Kompensation? Ja klar. Alltagsstress. Meditation, guter zwischenmenschlicher Austausch und Bewegung (an der frischen Luft) sind mit die besten Stresskompensatoren, die man anwenden kann. Und es ist eben etwas, was primär für mich ist, wovon Merle aber profitiert (zu wenig Kraft haben ist nämlich ziemlich doof, wenn das Baby viel getragen werden mag). Win-win.

    2. Es fällt mir ehrlich gesagt wirklich schwer nicht auf demselbem Niveau zurückzuschießen, so unangemessen finde ich deinen Kommentar. Und auf einer sehr persönlichen Ebene sehr beleidigend.
      Ich beiße mir auf die Zunge, und deshalb nur folgendes, denn ich denke es ist wichtig dass dir das klar ist:
      So wie diese Nachricht formuliert ist, ist sehr deutlich dass es dir nicht darum ging jemanden zum Überdenken von Einstellung oder Verhalten zu bringen, sondern darum, zu verletzen oder vor anderen in schlechtem Licht erscheinen lassen.
      „Nimm es mir nicht krumm“ und öffentliche wie haltlose Spekulationen über psychische Probleme (denn das implizierst du ja) anderer Menschen passen doch offensichtlich nicht zusammen. Wenn du wirklich etwas entsprechendes vermuten würdest, oder es dir wichtig wäre ob der andere etwas krumm nimmt würdest du hoffentlich eine private Mail zur Kommunikation nutzen, alles andere ist entweder bösartig oder nicht sozialkompetent.
      Es tut mir Leid dass du glaubst so handeln zu müssen, was auch immer der Grund dafür ist. Aber weder steht es dir zu, noch tust du dir damit einen Gefallen.

      Warum die Vorwürfe inhaltlich keine Grundlage haben hat Heike ja schon erklärt.

      Mann. Sowas macht mich traurig.

      1. Ich kann Sophie auch nur zustimmen, dein Kommentar, Anna, hat mich so beschäftigt, dass ich ihn heute noch einmal lesen und darauf antworten musste. Und ich hoffe nur, er geht Heike nicht so nah wie mir, die ich ja gar nicht davon angegriffen wurde. Ich weiß nicht, was dich an Heikes Artikeln so wütend macht, vielleicht verstehst du sie als eine Art Vorwurf, weil du Dinge anders gemacht hast oder vielleicht ist dir auch einfach etwas unsympathisch an ihrer Art mit Baby und Schwangerschaft umzugehen. (denn ich habe den Verdacht, einen ähnlich fies formulierten Kommentar auch schon einmal unter einem anderen Artikel gelesen zu haben, mit ähnlichen Gedanken).
        Ich bin durchaus nicht der Meinung, dass man uneingeschränkt gut finden muss, was jemand schreibt und an sich auch sachlich seine Gedanken äußern können sollte. Aber ich denke auch, wir alle haben Heike als offen und auch Kritik nicht abgeneigt kennengelernt und auch ihre Leserschaft. Umso trauriger finde ich, dass du den Eindruck hast, zu solchen Mitteln greifen zu müssen, um gehört zu werden.
        Ich möchte dir nur ganz sachlich auf den Weg geben, dass deine Art Kommentare zu verfassen sehr verletzten ist (ganz ab davon, dass es ein schwerer Vorwurf ist, jemandem zu unterstellen, dass er sein Kind vernachlässigt) und sicher nicht zu dem Ziel führt, das du im Auge hattest. (Außer dein Ziel war, dass du erschreckend und gemein wirkst).
        Ich schreibe das nicht, weil ich Heike verteidigen möchte, das kann sie selbst denke ich sehr gut (wie sie ja auch bewiesen hat) , sondern weil ich bei deinem Kommentar an das Wort „Hass“ denken musste, und das hat mich sehr erschreckt. Auch für mich als kinderlose Mitleserin tut es weh, solche Formulierungen zu lesen. Bitte versuch, über diese Punkte nachzudenken, wenn du kannst.

        1. Ich würde es ganz kurz zusammen: Eine so gute Figur erzeugt Neid, vor allem wenn man sieht, dass sie weniger durch die Gene als durch Disziplin erreichbar ist.

    3. Ich bin froh, dass sich schon andere geäußert haben, möchte Dir, Anna, aber auch 2 Fragen mit auf den Weg geben: Hälst Du es für vorstellbar, dass es Frauenkörper gibt, die einfach erstmal schlank und knochig sind – und dass sich daran auch nichts ändert, wenn man 5-7 kg mehr wiegt, was sich dann bsp.weise um die Körpermitte anlagern kann, und Schultern und Rippen immer noch sichtbar bleiben? 2. Welches Frauen-/bzw. Elternbild propagierst Du, wenn Du liest, wie unendlich bemüht Merles Eltern ihr Kind ins Leben hineinbegleiten, aber offenbar keine Minute des Tages auch mal bewusstseinsmäßig woanders sein dürfen? Muss man wirklich rund um die Uhr und bei allen Tätigkeiten beim Kind sein? Tut das dem Kind wirklich gut? Tut es den Eltern gut? Doch mehrere Fragen, aber die gleiche Stoßrichtung.
      Noch ein Wort zum Abschluss: Ich arbeite seit vielen Jahren pädagogisch, mein Alltag besteht aus einem Übermaß an Kontakt mit Kindern. Nicht alles, was ich auf Heikes Seite lese, ist für mich nur stimmig, aber eines merkt man: Wie zugewandt sie mit ihrem Kind umgeht und wie stark die beiden Eltern über ihr Leben nachdenken und bereit sind, Neues dazuzulernen und Erkanntes umzusetzen. Hut ab dafür!
      die Mitleserin

    4. Seltsam, wie man auf einen so motivierenden Artikel so neiderfüllt reagieren kann? Heike zeigt doch grade, wie man Fitness auf harmonische Weise in seinen Babyalltag einbinden kann, eben ohne in irgendein Extrem zu verfallen. Das ist doch viel schöner, als „wie ein Strich in der Landschaft“ abgezehrt und genervt in der Gegend herumzurennen – natürlich auch für das Baby? An Heikes Artikeln finde ich so toll, dass man nicht das Gefühl vermittelt bekommt: „Oh nein, ich müsste Superwoman sein, warum bin ich das nicht?“, sondern „Wie genial, da wär ich nie drauf gekommen, aber das probier ich sofort!“ Das ist wirklich eine Kunst, einfach durch eigenes Vorbild zu motivieren, ohne zu belehren oder zu predigen – alleine deshalb bin ich sicher, dass Heike eine wunderbare Mutter ist. 🙂

    5. Also ich finde den Kommentar von Anna ziemlich daneben.

      Das Schwangerschaftsbild zeigt nur, wie extrem die nötige Rückbildung nach der Schwangerschaft ist.

      Und jetzt eine Person mit normalgewichtigem, trainiertem Körper als untergewichtig darzustellen ist schon absurd und fügt sich in den aktuellen medialen Trend, Adipositas als normal und nicht zu vermeiden darzustellen und auf Frauen mit guter trainierte Figur herumzuhacken und sie in die Nähe der Magersucht zu rücken.

      Nicht jeder hat so lange und gerade Beine wie die Autorin dieses Blogs.
      Aber jeder köntne eine gute Figur erreichen, wenn er die Disziplin der Autorin aufbrächte.

      Und zum Thema niedriges Geburtsgewicht:
      Wo gibt es wissenschaftliche Studien, dass ein (unteres) Normalgewicht zu leichte Babys bedeuten würde?

      Aber auf jeden Fall gibt es genügend Studien, die belegen, dass Übergewicht die Fertilität herabsetzt und die Rate diverser Schwangerschaftskomplikationen erhöht – neben allen anderen negativen gesundheitlichen Auswirkungen.

      Und man bedenke, dass Übergewicht bei 1,70 m zwischen 70 und 75 kg beginnt, bei leichtem Körperbau / wenig Muskeln auch schon deutlich früher.

      1. Ich bin auch eine von denen, denen der Kommentar schwerst im Magen liegt.
        Ich bin mein Leben lang dünn, habe jetzt mit viel Sport (und nicht allzu gesunder Ernährung) endlich einen BMI, der am unteren Rand des „Normalgewichts“ kratzt und vermute, falls, wenn ich mal schwanger werde, wird das bei mir genauso aussehen wie bei Heike.
        Ich habe mein Leben lang gehört ich bin zu dünn, wie hässlich das ist, wurde von fremden auf der Straße aufgefordert, doch mal mehr zu essen, meine Chefin hat sich bei meiner Mittagspausenkollegin erkundigt, ich ich denn vernünftig esse, meine Mutter ist nicht müde geworden mir zu erzählen, wie „schlimm dünn“ die Models aussehen und dabei alles zu betonen, wo ich genauso aussehe (um mir gleichzeitig nachdrücklich einzutrichtern, dass ich zu viel Nase und zu wenig Brust habe, um Model zu werden) und und und. Ich weiß, warum ich mich nie breit im Internet zeigen werde. Was einem entgegenschlägt, wenn man aus welchem Grund auch immer zu den Dünnen gehört ist heftig. Body Acceptance gilt auch nicht für die Dünnen, nicht wahr?
        Ich bin nicht immer auf einer Linie mit dem, was Heike so schreibt, teils bin ich gegenteiliger Meinung, aber insgesamt lese ich gerne hier, weil ich hier immer wieder sehe, was ich schaffen kann, wenn ich mal mit mehr Disziplin an die Sache gehe. Das hilft bei kleinen Schritten und dabei mich nach Durchhängern aufzuraffen.

        Was für ein Mutterbild ist es, in dem die Mutter nichtmal Minuten für sich haben darf oder mal an etwas abseits vom Baby denken darf? Da muss doch jede Mutter durchdrehen. Ich bin fast geneigt zu formulieren „nimm es mir nicht krumm“… Es gibt ja durchaus Menschen, deren Hobby Sport ist und denen das guttut, den auch nicht mit Baby komplett aufzugeben. Dass daraus ein anderes Körpergewicht folgt ist doch nur normal. (Und ich ich glaube auch rauszulesen, wie Heike mit dem neuen Körperbild kämpft. Geht mir nämlich genauso, auch wenn die neue Zahl auf der Waage „besser“ ist als die Alte und ich weiß von welchen Muskeln – ich fremdel auch) Ich frage mich, ob das bei einem anderen Hobby genauso heftig wäre…
        Ich sehe nicht, wo vom Gewicht her irgendwas für Mutter und Kind kritisch wäre. Es gibt nicht umsonst einen Bereich vom Normalgewicht. Und wenn man an der unteren Grenze ist, ist das immer noch okay. Es kann ja nicht sein, dass 6 kg-Schwangerschaftsdiabetesbrocken der Normalzustand sein sollen.

        1. Übrigens habe ich in meiner ersten Schwangerschaft bis zum Schluss viel Sport getrieben, nur zehn Kilo zugenommen und die letzten Wochen weitgehend auf Zucker verzichtet – meine Tochter kam mit 3900g und 53cm auf die Welt. Die hat sich geholt was sie braucht. Daher wage ich sehr zu bezweifeln, dass Merles Geburtsgewicht so wahnsinnig viel mit Heikes Verhalten zu tun hat…

    6. Meine Mutter ist Hebamme, und sie sagt ganz klar, dass sich das Kind holt, was es braucht-sowohl in der Schwangerschaft als auch während der Stillzeit. Daher ist die Gefahr eines Nährstoffmangels beim Embryo/Fötus und beim Säugling/Baby super gering, bei der Mutter aber eher hoch, wenn sie nicht auf eine ausgewogene, nährstoffdichte Ernährung achtet. Dabei versteht es sich doch darüber hinaus von selbst, dass eine „Nutellabrötchenernährung“ genauso schlecht ist wie eine gesunde, ausgewogene, die aber auf zu wenig Kalorien aufbaut. Der Mittelweg ist das Ziel, sich alles verbieten bringt nichts und sich zu sagen, „ich bin schwanger, also hau ich rein, denn ich darf zunehmen!“ bringt auch nichts.
      Es gibt Frauen wie Heike oder andere, die kommentiert haben, die nehmen durchschnittlich zu und das Baby wiegt nicht allzu viel, genauso gibt es Frauen, die nehmen überdurchschnittlich zu und das Baby wiegt genau gleich viel. Ich kenne Frauen, die haben 30 kg (!) zugenommen und das Baby wog trotzdem „nur“ 3300 Gramm. Ich zum Beispiel habe 15kg zugenommen und das Baby wog bei der Geburt circa 3400 Gramm. Dabei hatte ich so ziemlich dieselbe Figur wie Heike, alles hat sich auf den Bauch, die Oberschenkel, die Brüste konzentriert ;). Daran ist absolut nichts verkehrt. Ich kenne auch eine, die hatte ebenso diese dolle Schwangerschaftskotzeritis und nahm erstmal ab, sodass sie letztlich nur 6kg (!) mehr hatte, als vor der Schwangerschaft. Und trotzdem: Das Baby kam mit knapp 3500 Gramm zur Welt. Und so Beispiele könnte ich noch endlos viele nennen!
      Es sind eben nicht alle gleich!

  4. Sehr schöner Artikel! Ich muss da immer wieder sagen, ich bewundere deine Disziplin und ich wünschte, ich würde Sport auch so positiv sehen können wie du. Ich hätte sogar genug Zeit um ganze Workouts durch zu ziehen, hätte die auch in der Babyzeit oft gehabt, aber in den seltensten Fällen kann ich mich tatsächlich dazu überwinden. Das höchste der Gefühle und eine hart erarbeitete Gewohnheit ist inzwischen immerhin der tägliche Spaziergang mit Kinderwagen, da bin ich schon mächtig stolz drauf, weil es mehr Sport ist als ich in den letzten Jahren (ohne Kind) regelmäßig gemacht habe. So ein paar Übungen zum Kraftaufbau zusätzlich in den Alltag noch mit rein zu integrieren wäre super, dein Artikel motiviert mich, das mal konkreter anzugehen…
    Welche Übungen sollte ich denn vermeiden, wenn ich immer noch eine leichte Rektus Diastase von der Schwangerschaft her „mit mir rum schleppe“? Bzw. hast du Übungen, die dem gezielt entgegen wirken und die vllt auch so im Badezimmer oder bei anderen Alltagsaktivitäten eingebaut werden könnten? Ideal wäre natürlich, wenn ich mich zu regelmäßigen Workouts durchringen könnte, aber da ist zu oft der innere Schweinehund stärker und jetzt während der Chemotherapie fehlt dann auch öfter die Kraft dafür…
    LG, Annie

    1. Huhu Annie,
      gerade jetzt mit der Chemo würde ich dir von allem, was wirklich auf Kraftaufbau abzielt eher abraten sondern nur auf Erhalt setzen und darauf geschmeidig zu bleiben. Also mildes Yoga und Pilates. Muskelaufa´bauender Soort ist immer erst ein kleiner Stressor für den Körper, der dann darauf reagiert und stärker wird, um diesem Stressor fitter begegnen zu können. Auch deshalb soll man krank ja auch nicht sporteln. Der Körper hat dann genug zu tun und weitaus höhere Prioritäten als muskuläre Fitness. Faszientraining, Stretching, Atemübungen. Hmmmm Qi Gong wäre noch was oder Tai Chi (ich glaube man schreibt das so), da kannst du auch super AFfirmationen einbaiuen, die dir jetzt sehr helfen können.
      Rektus Diastase: Besonders gut sind Übungen für den TVA, die tiefliegende Bauchmuskulatur. Aufrecht hinstellen und dann alles nach innen oben ziehen. Aber nicht wie Baueinziehen sondern so, als würdest du ein Corsett um dich schnüren. Bänder zuziehen.
      Sonst stehen und linkes Knie zu rechtem Ellenbogen führen. Also immer diagonal, gut rotieren.
      Auf die Seite legen (Baby spielt auf Krabbeldeck o.ä.) und dich auf den unteren Unterarm stützen, dann das Becken vom Boden heben. „Side hip raises“ nennt sich das bei Fitnessblender. Schulter ist der höchste Punkt, Knie oder für Fiortgeschrittene die Füße sind der tiefste Punkt. Das aktiviert die sietliche Bauchmuskulatur. Die, die näher am Boden ist. Da spürst du es dann zwiebeln. mach wie gesagt bite nicht zu viel.
      Alles, alles Gute!
      Ich denke sehr oft an dich und deinen Spruch:
      You don’t know how strong you are before being strong is the only option.
      In diesem Sinne: Du schaffst das. Eins nach dem anderen. Die Chemo, die Erholung, die Rektus Diastase und alles andere.

  5. Liebe Heike,
    ich lese deine Beiträge schon seit vielen Jahren im LHN (kenne auch Lenya z.B. von persönlichen Treffen) und lese deinen Blog spätestens seit deiner Schwangerschaft sehr gerne und gern auch intensiv. Erst seit deinem HSP-Artikel merke ich auch, warum es gerade DEINER, und nicht irgendein anderer LHN-Schwangerschafts-Blog ist, der mich so anzieht. Ich bin selber eine HSP, habe aber – offenbar im Gegensatz zu dir – wirklich sehr extreme Geburtsangst, für die ich bisher keinen Grund finden konnte, und die mir Berichte á la „aber das ist doch ein Spaziergang gewesen! Tat überhaupt nicht weh!“ definitiv nicht nehmen. Hier habe ich das Gefühl, einen Ort gefunden zu haben, wo ich ehrliche, un-bezuckerte und auch un-katastrophalisierte Berichte finden kann, die sanft vermittelt werden, und mir so direkt ins Hirn hüpfen. Vielleicht schaffe ich es, mit genügend Informationssammlung, ja doch eines Tages noch, meine irrationale Angst und Panik hinter mir zu lassen, und vielleicht habe ich eines Tages tatsächlich ein Kind, das sich zumindest mein Freund sehr, sehr wünscht. Vielleicht habe ich eines Tages ein Kind, weil ich mehr sehen kann als nur die Angst, die dieser Gedanke auslöst. Und wenn, hast du mir dabei sehr geholfen.

    1. Liebe Vivien,
      ich wünsche es dir wirklich sehr, dass du die Angst hinter dir lassen kannst. Ich habe letztens noch gelesen, dass wir viel länger und schlimmer durch die Angst leiden als durch die Sache, vor der wir Angst haben, wenn sie denn dann eintritt. Das ist sehr wahr, wie ich finde.
      Setz dich weiter damit auseinander. Angst wird kleiner, wenn man ihr begegnet. Und niemand sagt, dass du das allein tun musst. Da sie so ein mächtiges Gefühl ist, ist sie ja auch therapeutisch gut erforscht und auch gut behandelbar. Aber auch so für dich: tu dir Gutes. Stärke dich. Alles, was dir Selbstvertrauen gibt, auch in ganz anderen bereichen als deinen Angstbereichen, macht dich stärker.
      Kinder sind der helle Wahnsinn, sage ich jetzt. Es sind immer wieder Grenzerfahrungen, die Schwangerschaft bereitet da ein wenig drauf vor, die Geburt ist für die meisten dann eben genau das und dann geht es weiter.
      Aber so, wie wir es auch auf unsere Dankeskarte geschrieben habe: „Denn bei all dem Wahnsinn bleibt es ein Wunder!“
      Merle lehrt mich unendliche Geduld und Gelassenheit, was für mich echt Königsdisziplin ist, bin ich ja doch immer gedanklich schon mindestens drei Schritte weiter. Ich habe somit das Kind bekommen, das ich brauchte, um in dem Bereich über mich hinauszuwachsen, der es am dringendsten nötig hatte.
      Wie schön wäre es, wenn du dein Kind mal anblicken kannst und ihm sagen kannst, dass es es geschafft hat, dass du dich deiner größten Angst stellst.
      Es sind wunderbare kleine Wesen. Man muss nur hinsehen. Und so wie du schreibst bin ich sicher, dass du das kannst. Wenn du bereit bist. Aber nicht umsonst sagt mal ja „Vor-bereitung“. Also gib dir die zeit die du brauchst und hol dir die Hiolfe, die du brauchst.
      Alles Liebe,
      Heike

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