19. April 2018

Meine gar nicht so geheime Superkraft: Ich bin hochsensibel

Wenn man über ein Thema stolpert und viele kleine Puzzelteile finden wie von Zauberhand endlich ihren Platz und ergeben ein stimmiges Bild, dann hat man diesen unglaublich tollen Aha-Effekt von tiefem „Oh ja, klaaaar!“
Verständnis und Erkenntnis nennt man das korrekterweise. So ging es mir mit dem Thema Hochsensibilität.

Ich höre ein paar von euch innerlich oder auch tatsächlich etwas genervt oder unwillig stöhnen. Gerade euch mag ich aber direkt abfangen: Genau so ging es mir auch, als ich dem Thema zum ersten Mal begegnet bin. Ich fand es ein bisschen lächerlich. Ein bisschen „Mimimimi, also ich bin hochsensibel, deswegen empfinde ich viel mehr als andere, bitte Rücksicht nehmen, ich habe nämlich jetzt eine Entschuldigung für alles!“

Nun, es mag Menschen geben, hochsensible Menschen, die mit der neu gewonnenen Erkenntnis, dass sie genau das sind, also bedeutend empfindsamer als „andere“, genau so umgehen. Und tatsächlich empfinde ich das auch eher als etwas für auf meiner Seite inneres Augenrollen. Aber für die allermeisten Hochsensiblen ist es wirklich eine Offenbarung, wenn sie zum ersten Mal darüber stolpern, dass es für das, was sie bisher mehr oder weniger bewusst oder unterbewusst schon als ihre besondere Eigenschaft wahrgenommen haben, einen Namen gibt. Und mit dem Namen, also dem Begriff der Hochsensibilität, kommen dann auch viele Erklärungen, Verständnis statt Entschuldigungen und Ausreden. Aus einer vermeintlichen Schwäche wird einfach eine Eigenschaft, die mit beidem daher kommt: Stärken und Schwächen. Und da das wirklich toll für diese Menschen ist, sich plötzlich verstanden zu fühlen und sich selbst vielleicht auch besser zu verstehen, teile ich mit euch meinen eigenen kleinen Weg der Erkenntnis. Er ist vermutlich auch ein bisschen anders als bei den meisten Hochsensiblen… aber dazu gleich mehr, nachdem ich die Begrifflichkeit etwas geklärt habe.

Was ist Hochsensibilität?

Ein HSM (Hochsensibler Mensch) bzw. eine HSP (hyper sensitive person, ich bevorzuge den Begriff HSP) zeichnet sich dadurch aus, dass er oder sie mehr empfindet und wahrnimmt als der berühmte Durchschnittsmensch. Es geht dabei aber nicht nur einfach um eine Abweichung in der Normalverteilung, sondern teils auch um tatsächlich messbare Effekte. Sensibilität klingt zunächst nach emotionaler Empfindlichkeit und die ist meist mitinbegriffen, tatsächlich geht es aber einfach um besonders feine Wahrnehmungen unterschiedlichster Reize und Informationen. Damit einher geht, dass eine HSP schneller als andere Menschen das Gefühl von Zuviel, also von Überreizung hat.

Die Seite www.zartbesaitet.net unterscheidet zwischen drei Typen von Hochsensibilität (hier geht es direkt zur Unterseite).

Sensorische Hochsensibilität

Die HSPs nehmen physikalische Reize besonders stark und fein wahr: diese Personen sind meist geräuschempfindlich (und musikalisch), haben einen sehr guten Blick für Details (und Ästhetik und Kunst). Sie sind temperaturempfindlich, sind bei der Haptik von Dingen oft beinahe schon neurotisch (kratzende Kleidung, klebriger Untergrund, stumpfe Zähne werden zur echten Qual, schöne Oberflächen dagegen intensiv genossen: Seide, samtiges Holz, generell Naturmaterialien und schöne Formen) und auch Geruchs- und Geschmackssinn sind ausgeprägter als bei anderen. Konsistenzen sind auch oft ein großes Thema, wenn es um Essen geht. Ebenfalls in diese Rubrik fallen Empfindlichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln, Schadstoffen oder Medikamenten. Alles, was auf den Körper von außen einwirkt oder gar aufgenommen wird, kann hier zu einer bedeutend sensibleren Reaktion führen als bei Nicht-HSPs. Nicht alles hiervon muss zutreffen, aber meist trifft mehreres zu.

Kognitive Hochsensibilität

Hier werden Informationen auf der analytischen Verstandesbene besonders detailliert wahrgenommen und verarbeitet. Das führt oft zu einem fotografischen Gedächtnis, einem hohen analytischen Können, starker Logik und gleichzeitg sehr guter Intuition. Diese Form der Hochsensibilität ist eine in kriminalistischer Fiktion gern aufgenommene Fähigkeit: Sherlock Holmes, Miss Marple aber auch der zwangsneurotische, pedantische Monk. Die Schattenseite ist hier eine Überreizung bei Informationsfluten oder auch die bei Monk schon angesprochene Zwanghaftigkeit, wenn es um das Bedürfnis nach Ordnung geht, zumal wenn gleichzeitig eine sensorische Hochsensibilität vorliegt. Was als Flut wahrgenommen wird, ist für diese Menschen schneller erreicht als für normal sensible Menschen. Diese Form von Hochsensibilität wird oft mit Intelligenz verwechselt bzw. sie trägt oft zu Intelligenz bei, zumal eben in Kombination mit sensorischer Hochsensibilität. Muss aber nicht. Tritt außerdem noch hohe Intelligenz mit analytischer Hochsensibilität auf (Sherlock) ist das für Außenstehende sofort ersichtlich. Für den Betroffenen ist umgekehrt oft schwer nachvollziehbar, wie die anderen dieses und jenes einfach nicht haben wahrnehmen können, man hat es doch gesehen, war doch logisch…

Emotionale Hochsensibilität

HSPs mit einem Schwerpunkt in dieser Fähigkeit haben ein enorm gutes Gespür für Stimmungen, Zwischentöne, Beziehungen und vor allem nonverbale Kommunikation, kurz: für Empathie. Sie sind in der Regel sehr gute Diplomaten und Mediatoren, Ratgeber und ihr Zuhören hat oft etwas Therapeutisches. Wenn sie es schaffen diese Fähigkeit zu nutzen! Denn die meisten HSPs sind introvertiert, sodass empathische Hochsensibilität für sie im zwischenmenschlichen Kontext vor allem unter Fremden eher als Last empfunden wird. Mit nahestehenden Personen ist es fast immer eine Bereicherung für beide Seiten.

Ihr seht schon, eine HSP kann hochsensibel in nur einem der drei Bereiche sein oder auch in zweien oder gar allen dreien. Meist gibt es einen Schwerpunkt.

Hochsensibilität in Abrenzung zu Asperger Autismus

Tatsächlich gibt es dort große Überschneidungen, weswegen eine Verwechslung gar nicht so selten passiert bzw. übersehen wird, dass auch beides öfter zusammen auftritt. Weiterführende Information zum Asperger-Syndrom und Hochsensibilität in diesem Kontext findet ihr hier. Die Ähnlichkeit besteht vor allem darin, dass sowohl bei Hochsensibilität als auch bei Asperger Autismus der soziale Kontext als starke Reizüberflutung empfunden werden kann. Was nun automatisch zum nächsten Punkt führt, da wir nun schon die soziale Interaktion angesprochen haben, ein Punkt, der für mich sehr wichtig war:

Hochsensible Persönlichkeiten sind zu einem Großteil introvertiert, sie sind es also, die besonders oft unter besagter sozialer Interaktion und Überreizung leiden.

Zu einem Großteil. Nicht alle. Stellen wir die introvertierte und die extrovertierte Form einmal gegenüber.

Introvertierte HSPs

Sie sind in gewisser Weise der Klassiker. Auf zartbesaitet.net ist die Rede von 70% Introversion unter Hochsensiblen. Es sind die eher stillen Charaktere, die ihre Sensibilität zusammen mit ihrem introvertierten Persönlichkeitsmerkmal schützen, indem sie sehr vorsichtig interagieren. Sie sind sich der Tatsache sehr bewusst, dass sie schnell überreizen und mehr Ruhe, Abschottung und Ich-Zeit brauchen als die meisten anderen Menschen um sie herum. Introvertierte Personen werden fälschlicherweise oft als schüchtern betitelt. Elaine Aron geht in ihrem Buch „Sind Sie hochsensibel?“ (Originaltitel: „The highly sensitive person“) darauf besonders ein. Zurückhaltung trifft es dabei aber eher. Introvertierte HSPs sind bedacht, meist still, aber nicht weniger nervös, oft sogar mehr, denn sie wissen, dass unsere auf extrovertierte Erfolgsgeschichten ausgelegte Gesellschaft ein anderes Auftreten von ihnen erwartet, als sie es ihrem Naturell entsprechend an den Tag legen würden. Introvertierte HSPs sind oft in helfenden Berufen zu finden. Sie sind gern für andere da, dabei aber selbst nicht der Mittelpunkt des Geschehens. Elaine Arons Buch zum Thema (sie ist die Pionierin auf dem Gebiet der Hochsensibilität) richtet sich fast ausschließlich an introvertierte HSPs, da es auch die introvertierten sind, die am ehesten nach einem für sie passenden Umgang mit ihrem Persönlichkeitsmerkmal suchen, da es wie gesagt in unserer westlichen Gesellschaft oft ein eher schwieriger Aspekt ihrer Selbst ist. In asiatischen Ländern (z.B. Japan) werden Introvertierte traditionell höher angesehen. Was hier als schüchtern wahrgenommen wird, wird dort eher als bedacht und besonnen betitelt. Das zeigt finde ich wieder mal sehr schön, dass es hier nicht um besser oder schlechter geht. Nur anders als das, was gesellschaftlich (oder auch tatsächlich durchschnittlich) als Norm wahrgenommen wird.

Dazu sei gesagt, dass Introversion und Hochsensibilität zwar oft gemeinsam auftreten, aber genauso wenig wie alle Hochsensiblen introvertiert sind, sind alle Introvertierten hochsensibel. Auch introvertierte Menschen können unsensibel sein, es sind nicht alles nur sanftmütige Mimosen. Introversion kann durchaus sehr robust sein. Wolverine wäre ein Beispiel für einen durchaus ganz schön groben Introvertierten. Aber das nur am Rande zur Einordnung.

Extrovertierte HSPs

Sie sind bedeutend seltener mit nun also wohl nur 30%. Hinzu kommt, dass die meisten extrovertierten Hochsensiblen nicht wissen, dass sie hochsensibel sind, sodass die Hochsensiblen, die wissen das die HSPs sind zu einem noch größeren Anteil introvertiert sind als man bei den genannten 70% meinen könnte. Weil eben extrovertierte HSPs sich selbst klassischerweise nicht als hochsensibel wahrnehmen. Auch weil das, was über Hochsensibilität kursiert, zum größten Teil an die introvertierten Vertreter gerichtet ist. Extrovertierte Hochsensibilität äußert sich aber ganz anders. Wie für Extrovertierte generell üblich sind auch extrovertierte HSPs gern unter Menschen. Im Mittelpunkt zu stehen, fühlt sich für sie nicht falsch an und sie knüpfen gern Kontakte. Sie ziehen Energie aus Interaktion, dem Kernmerkmal von Extroversion. Extrovertierte HSPs sind sehr gute meist gerechte Anführer, kleine oder große Alltagshelden, die schnell merken, wenn sie gebraucht werden und mit wehenden Fahnen für das Gute kämpfen (allerdings geht ihnen dabei öfter mal die Puste aus als Nicht-HSP-Extrovertierten, siehe weiter unten). Extrovertierte HSPs wissen, dass sie mehr Zugang zu Detailinformationen haben (egal ob sensorisch, logisch oder zwischenmenschlich) und sie arbeiten damit. Ideen! Pläne! Und das noch und das auch noch, denn da ist ja sooo viel, was sie wahrnehmen und verstehen. Und können. Und meist auch noch gut, denn wer viel wahrnimmt, und dazu noch viel will, der lernt meist auch schnell. In je mehr von den oben aufgelisteten Bereichen eine extrovertiertere HSP „Hier!“ schreien kann (ja, sie schreien wohl statt vorsichtig die Hand zu heben), desto wahrscheinlicher sind zwei Dinge: Zum Einen, dass man ihn oder sie nicht für hochsensibel hält wohl aber für hochbegabt oder hochintelligent und dass er oder sie sich schon mindestens einmal an den Rand eines Burnouts gearbeitet hat oder sogar hinein. Soviel zur Kurzzeitanführerschaft. Denn, extrovertiert hin oder her: Ein Kern der Hochsensibilität besteht in der Reizüberflutung. Typisch für extrovertierte HSPs ist, dass sie machen und machen und machen. Und dann zusammenbrechen und sich fragen, wieso sie denn nicht mehr können. So wie es für introvertierte HSPs zur Lebensaufgabe werden kann, sich nicht abzuschotten, so ist es für extrovertierte HSPs von essentieller Bedeutung zu lernen, sich runterzuregulieren und Pausen zu machen.

Na? Habt ihr mich schon wiedererkannt? Oder viel wichtiger: Euch selbst? Oder euren Partner, eure Freundin, eine Kollegin oder ein Familienmitglied?

Meine geheime Superkraft

Wie ich schon titelte, Hochsensibilität ist meine gar nicht so geheime Superkraft. Tatsächlich habe ich das mal ziemlich genau so forumliert, als ich bei einem Haartreffen bei Nessa war und wir Mädels es uns auf den Reisebetten und der Couch bequem gemacht hatten. Ich sagte, dass ich nun wisse, was meine geheime Superkraft sei: Hochsensibilität! Alles an mir ist einfach super empfindlich. Meine Haut, die von allem möglichen irritiert ist. Mein Haar, das von allem möglichen vor Schreck ausfällt. Meine Verdauung, die auf alles und nichts reagiert und zwar so, dass ich selbst bei einem großen gemischten Essen sagen kann, an welcher Zutat es nun lag, dass der Bauch grimmt. Meine Ohren, die gerade einen Hörsturz auskurierten. Meine Augen, mit Blick für Details und für mich dieser nur schwer erträglichen sichtbaren Form von Unordnung oder Asymmetrie. Mein Harmoniebedürfnis. Meine Diplomatie. Und so weiter.

Hahaha. Haben wir alle einmal gelacht und weiter im Abendprogramm.

Ein paar Monate später sprach mich eine Freundin, selbst eine Intro-HSP wie aus dem Buche, darauf an, ob ich mich mit dem Thema schon mal beschäftigt hätte. Ging dabei um sie, aber auch ein Stück um mich. Ich so: „Ja, habe ich. Wir haben an der Arbeit dazu mal ein Buch vorgestellt. Man konnte online einen Test machen (diesen hier) und ich habe voll abgeräumt. Glaube ich aber nicht dran für mich. Passt nicht. Irgendwie.“ Denn ich bin nun wirklich nicht schüchtern. An der Stelle hatte ich seinerzeit aufgehört zu recherchieren, auch weil ich mit den Texten zum Thema nicht viel anfangen konnte, sie waren mir alle zu weichgespült. Als würden die Autoren mit rohen Eiern kommunizieren und ich hibbelte auf meinem Leseplatz herum und wollte nun endlich die Infos haben. Jajaja, verstanden. Empfindlich. Ja. Und? Weiter? Blaaaa. Gut, dann eben nicht.

Und dann haben meine Freundin und ich uns doch weiter darüber unterhalten. Und ich habe den Test noch mal gemacht. Und habe an dem Abend den Text zur Unterscheidung von introvertierten und extrovertierten HSPs gefunden. Und da hat es Klick gemacht. Ein großes, lautes, schweres Klick. So wie eine gute Waschmaschine einrastet. Natürlich konnte ich mich mit allem, was ich zum Thema bisher gefunden hatte nicht identifizieren. Es ging ja um introvertierte HSPs! Ich bin aber ein Musterbeispiel der extrovertierten Version. Und irgendwo meine ich mal aufgeschnappt zu haben, dass das als Frau noch mal seltener ist, aber da finde ich die Quelle nicht mehr.

Und plötzlich passte alles. Dass ich doch hochbegabt oder hochintelligent sei, habe ich tatsächlich schon oft gehört. Um es wie Sheldon zu sagen: „Ich bin nicht hochintelligent. Man hat mich testen lassen.“ (Ob ich verrückt bin, hat man dagegen nicht getestet). Nicht ganz. Also ich habe mich getestet. Online. Also nichts Offizielles, aber eine nette Richtschnur, vielleicht. Überdurchschnittlich war das Ergebnis, das ja. Aber wie es ein tatsächlich hochintelligenter Freund von mir so herrlich unsensibel kommentierte (wobei ich ihn eigentlich für einen sehr sensiblen Menschen halte, er provoziert bloß gern), als ich ihm seinerzeit meine IQ-Punktzahl etwas enttäuscht und zähneknirschend genannt habe: „Na, da hätte ich aber mehr erwartet!“

Zum Thema Begabung werde ich nicht müde zu sagen, dass man gut in dem wird, was man oft tut. Und ich Extro-Macher, ich tue einfach viel. Ständig. Ich brauche das, sonst drehe ich durch.

Es passte das mit der Burnoutneigung. Und vor allem auch dieses sich selbst drüber wundern, wie das kommen konnte. Es passte auch plötzlich, dass ich eben so empfindlich auf Nahrungsmittel und Medikamente reagiere. Etwas was sehr deutlich macht, dass es da nicht nur um ein Persönlichkeitsmerkmal geht, sondern wirklich die Körperchemie auch mit im Boot ist.

EDIT: Wie meine aufmerksamen Leser so korrekt angemerkt haben, sind Onlineteste (sowohl der zur Hochsensibilität als auch mein kleiner Ausflug in die IQ-Tests) schwer mit Vorsicht zu genießen. Das muss heir also auf jeden Fall noch erwähnt werden. Aussage IQ-tests werden von einem professionellen Diagnostiker gemacht und sidn kostenpflichtig (und ich bin jetzt schwer neugierig und hätte gern einen). Online Varianten geben allenfalls eine Tendenz. Auch der Test zur Hochsensibilität ist erst mal nur ein möglicher Ausgangspunkt für weitere Recherchen. Wobei ich der Seite von zartbesaitet sehr zu Gute halte, dass es sich um eine Community dort handelt, die sich bemüht das Leben für Hochsensible einfacher und verständlicher zu machen. Natürlich kann man daran dann direkt Kritik am Test üben, denn wer weiß, ob diese Intention sich nicht genau so in den Fragen dann widerspiegelt?

Der HSP-Test ist also etwas, was ihr gern eher als nette Unterhaltung ansehen dürft, was aber gereade wenn ihr wirklich viele Punkte abräumt etwas sein kann, was ich zumindest über Hochsensibilität etwas nachdenken lassen kann. Ich habe hier leider keinen offiziell abgesegneten test für euch parat, der eine definitive Aussage zu HSP oder nicht machen kann. Ich bin auch gar nicht sicher, ob es das gibt. Hochsensibilität ist etwas, was noch recht nue ist, sich aber derzeit stark in den Diskussionen verbreitet. Etwas, was wie ich ganz zu Anfang schon meinte, oft etwas nach Hinten losgehen kann mit plötzlich einer Entschuldigung für alles, was aber – und das ist mein Anliegen hier – etwas ist, was zu mehr Toleranz und vor allem auch zu mehr Selbstführsorge führen kann. Wer weiß, dass er oder sie eine HSP ist, kann sich viel besser um die eigenen Energien und das eigene Fortkommen kümmern, als ohne dieses Wissen.

 

ENFJ oder INFJ? Oder…. nee… doch? Beides?

Und schließlich der größte Punkt: Erinnert ihr euch an den MBTI? Den Meyer Briggs Type Indicator? Oh, was hatte ich Freude daran! Und Lenja ja auch. Und was haben wir uns gemeinsam einen abgebrochen mich zu typisieren. Ich konnte einfach fast nie sagen, welche Funktion ich bevorzugte. Extro Thinker oder Intro Thinker? Beides! Extro Feeler oder Intro Feeler? Beides! Nur dass ich ein totaler Planer bin, das war sehr schnell klar. Was auch wiederum zur Bedürfnisstruktur eine HSP passt, nämlich die vielen vielen Informationen zu sortieren und sie damit beherrschbarer zu machen. Ich habe immer einen Plan. Obwohl… das stimmt nicht. Ich habe immer mindestens einen Plan, meist sind es eher Pläne A bis D.

EDIT: Bezüglich MBTI sei gesagt, dass dieses System eher umstritten ist, zumal in professionell psychologisch arbeitenden kreise. zu Recht. MBTI ist der Myer-Briggs, Type-INDICATOR, es geht also nicht um eine klare Kategorisierung, sondern um eine Tendenz. Diese Kategorien sind primär dazu gedacht im beruflichen Kontext Stärken und Schwächen auffinden zu können, weniger bis gar nicht für eine passgenaue Charakterisierung. Spätestens wenn es an klinische Psychologie geht, greift der MBTI nicht mehr. Ich mag ihn dennoch, da ich sehr viel Freude an generellen Charakterisierungen habe und es dann auch spannend finde, wie unterschiedliche die Individuen in den Kategorien dennoch sein können. Ich wende ihn weniger bis gar nicht im realen leben an, sondern zum Umreißen fiktionaler Charaktere für meine Buchprojekte.

Eine extrovertierte HSP zeichnet sich genau dadurch aus: Sie ist ein Hybrid aus extrovertiertem Streben und introvertierten Bedürfnissen. Deshalb brennen extrovertierte HSPs so schnell aus. Weil sie ihre extrovertierte Seite leben, aber durch ihre hochsensible Reizwahrnehmung viel mehr aufnehmen als andere und dadurch auch mehr Ruhe zur Verarbeitung brauchen. Etwa so viel wie eine introvertierte Person. Zu oft nehmen sie sich diese Ruhe aber nicht.

Das rächt sich. Ich sage gern: Mein Energiebalken ist von Natur aus wie in einem Computerspiel: Grün, grün, grün, grün grün, grün, grün, gelb, ROOOOOOOOT! Ich habe kaum Vorwarnzeit. Aber, das ist das nette an Hochsensibilität: Auch das lässt sich trainieren mit fein darauf ausgerichteten Sensoren, diesen gelben Bereich wahrzunehmen. Dumm nur, dass der so leise ist, während ich in meinem grünen Bereich so viel Kopfkirmes gemacht habe, dass es noch echot, wenn ich eigentlich schon auf Defcon 2 laufe. Aber wie gesagt: das ist trainierbar und mittlerweile bin ich recht gut darin meine gelbe Vorwarnzone wahrzunehmen. Yoga und Arbeit am Mindset sei Dank.

Extro-Heiki

Und da wären wir. Ich bin eine Extro-HSP mit etwas überdurchschnittlichem Intellekt, bespiele alle drei großen Bereiche (sensorisch, analytisch und empathisch) mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der Empathie und einer Schwachstelle im sensorischen Bereich: Mein Geruchssinn ist unterdurchschnittlich. Deutlich. Leider. Manchmal glaube ich, ich hab mir in meiner schlimmen Allergikerzeit (auch typisch HSP Körperumfeld) was kaputt geniest. Wer weiß…

So oder so macht mich das zu einem großen Teil zu der Person, die ich bin. Und die finde ich meistens ziemlich gut. Dass die größten Stärken auch immer die größten Schwächen mitbringen, weiß ich schon länger. Und da meine Burnouterfahrung nun schon über 10 Jahre her ist, kann ich auch sagen, dass ich auch daraus gelernt habe. Aber ich muss mich öfter daran erinnern. Weil ich ja gedanklich immer schon wieder drei Themen weiter bin als im Moment. Mindestens. (Achtung, gelbe Phase!) Auch deshalb ist Meditation und Achtsamkeit für mich ein gerazu überlebenswichtiges Tool. Meine Hand- und Notbremse sozusagen.

Der Artikel hier ist heute somit vor allem für andere Extro-HSPs gedacht oder Menschen, die solche Personen kennen. Denn zu Extro-HSPs muss man immer noch sehr lange suchen, bis man etwas mehr findet als die wenigen Zeilen auf zartbesaitet.net, zumal auf Deutsch. Zumeist verlaufen sich Hochsensibilitäsrecherchen irgendwo im Sande bei den typischen introvertierten Themen rund um Schüchternheit und Verletzlichkeiten. Aber einmal verstanden zu haben, dass diese Fähigkeiten ein Segen sein können, denen man aber bitte, bitte, bitte mit viel ausgleichender Ruhe begegnen sollte, kann das Spiel von Grund auf ändern. Zum Guten. Es ist immer eine Frage der Balance. Und Balance, die ist für HSPs bedeutend schwieriger zu erreichen als für Nicht-HSPs. Resilienz ist etwas, was HSPs sich sehr viel härter erarbeiten müssen als Nicht-HSPs. Und Resilienz ist so wichtig in einer Welt voller Stress, Zeitdruck und generell Überreizung. HSPs brauchen sie noch mal mehr, aber haben dabei meist erst mal weniger aus sich heraus zur Verfügung als andere. Ich für meinen Teil schätze die Hochsensibilität aber sehr. Stressmanagement kann ich erlernen. Hochsensibilität nicht.

EDIT: Doch. Man kann genauso lernen sensibler zu werden, wie man auch lernen kann robuster zu werden. Hard work beats talent, if talent does not work hard. Das funktioniert in beide Richtungen. Hochsensibilität bleibt damit weder gut noch schlecht. Es ist eben eine besodnere Ausprägung. Ein Nicht-HSP kann (fast?) genauso ein Gespür für sensorische Feinheiten entwickeln wie ein HSP. Für die HSP ist es dabei aber schwer sich vor allem der emotionalen Verknöpfung dann zu entziehen, also nicht nur etwas wahrzunehmen sondern es auch als besonderen Genuss oder besondere Qual wahrzunehmen. So gesehen ist ein Nicht-HSPler da dann objektiver. Was auch wieder weder gut moch schlecht ist. Denn manche subjektiven Empfindungen sind besodners schön, manche eben gar nicht.

Mit einem Intro-HSP zusammenzuleben, macht es für mich noch mal besser. Wir sind uns ähnlich genug, um uns in dieser Besonderheit verstehen zu können, aber unterschiedlich genug, sodass Benedict mich bremst und ich ihn mit mir ziehe. Auch das ist ein Puzzelteil, das noch mal besser passte. Eine weitere Erklärung dafür, warum wir so gut harmonieren, obwohl wir auf den ersten und auch zweiten Blick so unterschiedlich sind. Und weshalb wir so ekelhaft wenig streiten. Und warum Benedict in der ersten Babyzeit am meisten unter dem Lärm gelitten hat und ich unter der Tatsache kein Ventil für meine Ideen und Gedanken mehr zu haben. Nun bleibt wohl die spannende Frage, ob Merle ebenfalls eine HSP ist. Neugeborene sind per se erst mal alle hochsensibel. Hochsensible Neugeborene sind es einfach noch mal mehr. Meist zeigt sich aber dann erst im Kleinkindalter wirklich, ob das Kind eine HSP ist oder nicht. Und auch da wieder sind die Intro-HSPs schneller zu erkennen als die Extro-HSPs.

Wünsche ich mir denn für Merle, dass sie eine HSP ist?  Nun, weder ja noch nein. Es ist mir nicht wichtig. Meine mir liebsten Menschen sind HSPs und Nicht-HSPs. Sie sind mir deshalb die liebsten, weil das Leben mit ihnen einfach schöner ist. Und das hat Merle ja schon geschafft.

***

Das Buch zum Thema „Sind Sie hochsensibel“ von Elaine Aron (Affliatelink zu Amazon) kann ich allen empfehlen, die sich näher mit dem Thema auseinander setzen wollen. Besonders für introvertierte HSPs und für HSPs, die schon einige psychologische Kliffs umschiffen mussten, denn Aron als Psychologin und Therapeutin geht vor allem auch darauf ein, wie sich verschiedene sehr belastende Situation auf HSPs auswirken: auf ihr Bindungsverhalten mit Eltern, Partnern und Freunden, ihre Jobwahl und Sinnsuche und auch darauf, wie sie sich selbst passende Hilfe suchen können.

Speziell für extrovertierte HSPs bietet das Buch vergleichsweise wenig. Nur wenige Seiten. Dennoch fand ich die Lektüre hilfreich, wenn auch etwas anstrengend, weil ich den Transfer von intro zu extro dann beim Lesen immer selbst vornehmen musste. Was ich kann, aber was etwas ermüdend ist. Ganze Passagen konnte ich überspringen. Auch nutzt Aron diese Sprache, die ich im Kontext mit Hochsensibilität für sehr angemessen und zielführend halte, die mich aber ebenfalls wie schon erwähnt einfach anstrengt. Sie kommuniziert extrem vorsichtig, nimmt alle Eventualitäten vorweg und wirklich jedes Gegenargument auf, um es sofort zu entkräften, dabei mit gefühlt dem mildesten Lächeln der Welt. Mich kriegt man bei sowas etwas mehr über Humor, weniger über einen Sack voll Verständnis für alles, wenn auch gern beides in Kombi. Aber wie gesagt, ich halte diese Kommunikation für sinnvoll für die Zielgruppe. Ein, zwei Mal im Buch habe ich nämlich auch nach Luft geschnappt und mir dann überlegt, wie es wohl dann für einen Leser sein muss, der an noch mehr Stellen einen etwas bösen Aha-Effekt hat, weil etwas schmerzhaft nah an der eigenen Realität oder Vergangenheit beschrieben wurde.

Insgesamt empfehle ich besonders die hier ja so oft als Quelle eingebundene Seite zartbesaitet.net, da sich von dort aus die Suche organisch weiterführen lässt. Zum Beispiel über Artikel im dazugehörigen Blog. Natürlich bin ich auch über den Artikel zu hochsensiblen Müttern gestolpert. Ein Artikel, den ich als recht passenden Ausblick in die Mutterrolle speziell als HSP erachte, wenngleich ich bei diesem Artikel eher ein par Mal durchatmen konnte mit den Gedanken: Okay, so krass empfinde ich das nicht. Vielleicht ein Vorteil meiner Extrovertiertheit. Vielleicht aber auch ganz einfach dem geschuldet, dass alle Eltern-Kind-Beziehungen so irre individuell sind, auch wenn es natürlich in bestimmten Bereichen größere oder kleinere Schnittmengen gibt.

Soviel also dazu. Dieser Artikel war mir nun schon so lange ein Bedürfnis. Jetzt ist er da. Mit weiterführenden Quellen und für mich mit der Hoffnung, dass sich vielleicht ein paar Extro-HSPs weniger ausbrennen, bevor sie ihre eigene Erkenntnis finden. Und ein paar Intro-HSPs, von hier aus ihre Recherche aufnehmen und feststellen, dass das, was sie so oft belastet, gleichzeitig ihr größter Trumpf sein kann.

74 Kommentare

  1. Hallo Heike,

    vielen Dank für diesen wundervollen Artikel!
    Habe mich ebenfalls erst kürzlich mit dieser Thematik beschäftigt (bzw. beschäftigen müssen – letzte Burnout ist noch nicht so lange her) und bin zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Stark kognitive und emotionale Ausprägung, extrovertierter Typ. Die Strategien, die ich für mich gefunden habe, sind zwar andere als Deine, aber es hat mir sehr geholfen, dem ganzen einen Namen geben zu können. Es für mich immer schwierig, anderen zu vermitteln, wenn die Grenze zwischen grün und gelb überschritten wird, denn ich gelte gemeinhin als stark, „Die haut nix um!“. Ich bin in einem rechtsberatenden Beruf tätig, setze also Interessen anderer durch und gehe dabei sehr analytisch vor. Da fällt es vielen im Privaten schwer, meine Grenzen zu erkennen und sie zu wahren (und mir fällt es schwer diese Grenzen zu „verteidigen“).

    Alles Gute und herzlichen Gruß
    Mone

    1. Bitte, sehr, sehr gern geschehen. #Grenzen ziehen ist ja für viele Menschen etwas, was wirklich nicht einfach ist, egal ob hochsensibel oder nicht, aber hochsensibel eben noch mal mehr, weil der Grat einfach so schmal ist. Diese „Ach komm, eine Stunde schaffst du noch!“ das habe ich kaum. Das ist eher so wie plötzlicher Harndrang (verzeih den Vergleich, aber er ist sehr passend). Lange ist alles gut und man merkt nix. Und dann muss man. Da kann man nicht mehr warten, bis die Umstände passender werden. Man braucht eine Toilette. Bzw. als HSP eben dann eine Ruheinsel.
      Ich hoffe, du erholst dich weiter gut und vollständig von deinem Burnout. Die Erfahrung ist eine hässliche, wenngleich eben dadurch auch eine sehr lehrreiche.
      Alles Liebe, Heike

  2. Ah endlich bist du bei dem Thema drin 🙂 Ich wollte schon seit wenigen Jahren auch darüber bloggen, nachdem ich meinen Mann als HS wahrgenommen habe. Ist ein spannendes Thema, dass sogar als nicht-HS die Augen öffnet und viel erklärt.
    Mein Schatz ist eine lustige HS-Form. Er ist definitiv sensorisch HS (Geräusche, Gerüche, Konsistenz, Geschmack, Licht, Tast und Hautgefühl). Ob auch kognitiv bin ich unsicher. Als ISTP mit einem Intro-Thinker in Dom-Stellung ist er sowieso hochlogisch und sehr fixiert auf Fakten, Tatsachen und Logik (oft zum Ausflippen für mich). Ist dann schwer zu unterscheiden ob er da auch HS ist, oder sein natürliches Ich. Ähnlich wie bei mir – ich bin durch Extro-Feeler (ISFJ) sehr empathisch und emotional sensibel, aber ist das schon so krass das HS oder normal für meinen Typ? Ich tipp auf letzteres, weil ich es mich nicht überrollt und ich noch gut kühl abschalten und mich distanzieren kann.
    Lustig ist bei meinem Mann weil er zwar energietechnisch Intro ist, jedoch in Gesellschaft extrovertiert agiert 😀 Also kein HS der sich zurück zieht und still in der Ecke sitzt. Zumindest nicht am Anfang. Irgendwann schlägt es um und er wird grantig und gereizt, durch die soziale Überanstrengung. Aber das ist typisch für MBTI-introvertiert und hat nix mit HS zu tun.
    Ich bezeichne die HS-Sinne meines Mannes auch immer als Superkraft 😀 Sehr beeindruckend sind gerade in der Shwangerschaft seine Tastsinne, wenn er die Hände auf meinen Bauch legt.
    Musste schmunzeln als du Wolverine erwähnt hast hihi. Stereotyp für ISTP, wobei ich Sherlock von der BBC Serie noch viel aussagekräftiger fand. Die Darstellung von Extro-Sensor und Intro-Intuition ist genial!

    Für mich bleibst du außerdem ENFJ 😉 Fe–Ni-Se-Ti
    Als INFJ hättest du Ni-Fe-Ti-Se und somit ein schwaches oder tollpatschiges extro-sensor. Ich nehme diese Funktion bei dir aber sehr stark und gut balanciert wahr – was davon kommt weil es in Mittelstellung daher kommt. ENFJ bedeutet ja nicht, dass du alleine sein nicht genießen kannst. Du lebst von der Kommunikation nach außen und mit anderen (Fe), musst aber viel intern verarbeiten und analysieren (Ni) – daher sind ENFJ keine offensiven Extrovertierte sondern etwas ruhiger und weniger „anstrengend“ 😀
    Und nein du bist eindeutig ein Planmensch, der seinen Alltag strukturiert und vorausschauend lebt. Etwas das Spontanmenschen in unseren Ausmaß (ich bin ja genauso) NIE schaffen. Ich hab ja anfangs ENFP oder INFP bei dir vermutet, jetzt wo ich dich aber besser kenne schließe ich jegliche high Fi Typen aus.
    Ich weiß nicht ob deine Liebe für schöne Gegenstände von HS kommt oder von deinem Se. Als ENFJ hast du eine starke pysische Verbindung zu deiner Umgebung (wie Sherlock oder mein Mann haha). Vermutlich kommt es einfach Hand-in-Hand und eigentlich egal woher deine Ästhetik kommt 😉

    Hab bei Merle in den letzten Monaten immer vermutet und überlegt ob sie auch HS ist. Im Vergleich zu anderen Babys ist sie doch etwas besonderes (um es positiv zu bezeichnen, du weißt was ich meine). Und da scheinbar beide Eltern HS sind, ist die Wahrscheinlichkeit nochmal viel höher! Klingt schlüssig für mich. Ein Glück für Merle, dass du da aus Eigenerfahrung Verständnis hast und immer richtig und verständnisvoll reagiert hast.
    Ich bin froh meinen Mann nun besser zu verstehen und werde bei den Zwillingen die Augen offen halten, ob hier auch jemand das HS erbt. Nun kann ich wenigstens sensibel und wissend darauf reagieren – und nicht genervt wie anfangs bei meinen Mann. Jaaaa Schande über mich! Aber als „normaler“ Mensch ohne Superkräfte, wirkt vieles an HS sehr mimosenhaft und nervig 😀 😀 Kann man als Normalo nicht nachempfinden.

    1. Hallo Lenja,

      ich habe bei einigen Ausführungen von Heike einen Aha-Moment gehabt (demzufolge bin ich hochsensibel-introvertiert, letzteres weiß ich schon länger) und ich möchte diese Zeilen von dir

      „Lustig ist bei meinem Mann weil er zwar energietechnisch Intro ist, jedoch in Gesellschaft extrovertiert agiert 😀 Also kein HS der sich zurück zieht und still in der Ecke sitzt. Zumindest nicht am Anfang. Irgendwann schlägt es um und er wird grantig und gereizt, durch die soziale Überanstrengung.“

      mal aus meiner Sicht kommentieren: Ich kann mich mit der Verhaltensweise deines Mannes, wie du ihn beschreibst, total identifizieren. Aber dass du es als „lustig“ bezeichnest, ist meiner Meinung nach ein Missverständnis der Eigenschaft „introvertiert“. Introvertiert zu sein ist eben nicht gleichzusetzen mit Schüchternheit. Ich kann in Gesellschaft (meistens) auch sehr aus mir herausgehen und laut und lustig sein. Um so mehr, je wohler ich mich in der Gesellschaft fühle (aber das gilt ja wohl für alle Menschen). Der Punkt ist, dass mich als introvertierte Person die Geselligkeit Energie kostet, und zwar um so mehr, je weniger ich die Personen um mich herum kenne.
      Inzwischen habe ich ganz gut gelernt, mich ab dem Punkt, an dem die Energie alle ist, aus der Situation rauszunehmen. Und das ist dann eben der Punkt an dem ich ganz klischeehaft bei einer Party anfange ein Buch zu lesen oder die Katze zu streicheln 😀
      Wenn Hochsensibilität dazukommt, dann ist der Energiespeicher noch schneller leer, weil die Verarbeitung all der Informationen und Reize eben Energie kostet.

      Kern der Sache und warum mir diese Zeilen etwas aufgestoßen sind: Der entscheidende Unterschied zwischen Introvertiertheit und Extrovertiertheit sind nicht Aktionen oder Verhalten, sondern die Energiebilanz dahinter. Das „typische“ Verhalten ist dann eben eine Folge der Energiebilanz.

      1. Hallo Florence!
        Ups da hast du was missverstanden! ‚Lustig‘ war nicht gemeint als lustig 😅 Einfach als ‚er ist nicht der typische Intro-HS und auch kein Extro-HS‘. Er ist einfach sensorisch HS, energietechnisch Intro aber keineswegs schüchtern (richtig: das hat nix mit Intro oder Extro zu tun).
        Was du wohl nicht weißt: ich bin auch introvertiert! Ich weiß extrem gut wie auslaugend Gesellschaft ist 😊 Guck mal auf meinen Blog. Ich beschäftigte mich seit Jahren mit MBTI 😊
        Liebe Grüße

      2. Oh ja, da kann ich mich anschließen! Als ich mal irgendwo den Satz gelesen habe, dass ein wichtiger Unterschied zwischen Introvertierten und Extravertierten ist, dass soziale Interaktion Introvertierte Energie kostet und Extravertierte dagegen ihre Energie aus sozialer Interaktion ziehen, war das mein Aha-Moment. Introversion hat somit nichts mit Scheuhheit oder Schüchternheit zu tun. Ich ( und auch mein Mann) arbeite als Psychologin gerne und ständig mit Menschen und verbringe viel Zeit mit Freunden, zum Energie auftanken brauche ich aber Zeit allein oder zu zweit. Bei mir kommt da auch noch HS im sensorischen und körperlichen Bereich dazu, bei meinem Mann aber nicht. Ein Bekannter dagegen tankt Energie im sozialen Kontakt und ist am liebsten nie allein. Ist gut wenn man weiß, wie man seine Energiespeicher besten wieder aufzuklären. Ist im Alltag mit zwei kleinen Kindern allerdings echt schwer.
        Liebe Grüße!

    2. Oh du bist toll! dabke für die lange Ausführung! Ich glaube tatsächlich dass der MBTI Hochsensibilität teils mitabbildet. Will heißen dass es MBTI-Typen gibt die einen deutlich größeren Anteil an HSPs aufweisen als andere. Es ist ja kein Entweder Oder, wenn man sich mit solchen persönlichkeitsmerkmalen auseinandersetzt, sondern eher ein Sowohl als auch. So wie eben auch bei Asperger viele HSPs dabei sind oder man per se sagen kann, das die Wahrscheinlichkeit höher ist bei Intros auf HSPs zu stoßen, als bei Extros.
      Kommunikative intros, die extro wirken, gibt es je einige. Einfach auch, weil es sich vfür viele Intros lohnt eine gewisse extrovertierte Art aufzutreten zu adaptieren, weil sie damit in unserem Gesellschaftssystem weiter kommen. Mein liebster sehr starker Intro, der erst auf den zweiten Blick als solcher erkenntlich ist, ist Dumbledore. <3 Ich bin aber auch einfach Hary Potter Fan. 🙂
      Bisher kann ich nicht sagen, ob merle HSP ist oder nicht. Ich würde sagen so 50/50. Eben weil je kleiner die Babys sind, desto hochsensibler sind sie per se. Bei ihr bin ich bei was anderem voll dabei, das wollte ich demnächst hier nch mal aufgreifen. Das ist das Thema High Need Baby. Auch da gilt: Viele sind Hochsensibel. Aber nicht alle.

  3. Sorry, ich schätze deine Artikel ja sonst schon, aber das sehe ich jetzt doch als neue Schublade, die die Welt nicht braucht. Direkt nach Hochbegabung. Meiner Meinung nach werden solche Schubladen doch eher gebraucht, um ein bestimmtes Verhalten zu rechtfertigen, was meiner Meinung nach unnötig ist und teilweise die falsche Reaktion hervorruft.
    Es hat doch jeder Mensch verdient, dass seine Bedürfnisse individuell wahrgenommen und gewürdigt werden. Insbesondere, dass man das selbst tut, finde ich absolut wichtig. Egal ob hochsensibel oder robust, hochbegabt oder strunz dumm, ich wünsche mir einfach dass jeder da abgeholt wird wo er steht.
    Solche Klassifikationen empfinde ich eher als Abgrenzung zur „Normalbevölkerung“ als dass sie einen besonderen Mehrwert liefern.

    1. Ich kommentiere nun tatsächlich recht selten, aber ich muß gestehen, in der letzten Zeit gehen deine Posts immer weiter aus meinem „gut finden“ Bereich heraus. Leider!
      Ich stimme KaWiMeDo da zu, alles wird versucht zu klassifizieren, indirekt abzugrenzen und auch da stimme ich überein, sich zu rechtfertigen. Raufbolde sind ADSler , Mimosen sind hochsensibel, alles wird in Schubladen gepackt und auf alles was man hat, kann man nun einen Grund liefern. Mein Kind ist extrem fordernd, ein High Need Baby, und ich muß ganz ehrlich sagen, ich hatte beim lesen nie den Eindruck eine High Need Babys bei Merle. Eher, ganz normal, Säuglingszeit. Habe selber drei Kinder, keines davon hätte ich je so bezeichnet, aber nichts von dem was bei euch passierte, war mir fremd.
      Für mich, bitte werte das nicht als Angriff, das läge mir fern, klingt es eher wie eine Entschuldigung/Erklärung dafür zu finden, warum Kinder wollen und Kinder haben doch so ein großer Unterschied ist. Du hochsensibel und dein Kind extrem fordernd und überhaupt in allem so extrem, eben High Need. Und eigentlich ist das doch alles total normal.
      I

      1. Schade. Aber da kann ich denke ich nicht viel machen, dass meine Artikel bei dir so ankommen. Bezüglich Merle: High Need und „normal“ schließen sich nicht aus. 🙂 Es ist wie auch die Jochsensibilitöt ein Begriff, der es enorm erleichtert Startegien für den Alltag, ja das Leben einfach zu finden und das entspricht mir sehr und ist etwas, was ich genrell auch als etwas empfinde, was anderen sehr helfen kann. Seit ich den MBTI durchgegangen bin und da besodners die Aspekte rund um Planer und Spontanmenschen finde ich es auch überhaupt gar nicht mehr „schlimm“, wenn das aber eben nicht für alle so ist. Das geht ja auch deutlich aus den Kommentaren hervor. Im Prinzip gibt es zwei Lager (hui schon wieder Kategorein 😉 ), nämlich die, die mit solchen Kategorien gut navigieren können (die bewegung in „navigieren“ ist mir wichtig, denn sich einfach nur einzurichten, macht unflexibel und damit nämlich genau nicht besser gewappnet für welche herausforderungen auch immer) und solche, die sich von welchen Kategorien auch immer eingeschränkt fühlen, weil es ihre Gedanken bindet, ihr Wünschen und ihr Tun. Keines ist besser oder schlechter als das andere. Es ist nur anders. Beides hat Stärken und Schwächen. Es werden aber eben grundsätzlich andere Gedankenwege bevorzugt. Deshalb habe ich für mich bei solchen Artikeln nicht den Anspruch, dass er den freieren Geistern auch so zusagt, wie den Strukturliebhabern. Meine Harmoniesucht hätte das gern, aber es ist ein Widerspruch in sich, das zu wollen. 🙂
        Wobei ich es gerade sehr inspirierend finde darauf rumzudenken. Denn das ist tatsächlich ja etwas, was auch immer wieder als Konfliktpotential aufkommt, diese schwere Vereinbarkeit dieser beiden Standpunkte. Da könnte ich mich auch mal länger drüber auslassen. Würde damit aber – du hast es schon bemerkt, wieder Kategorien aufmachen, was dem freien Geist, den ich damit in genau diese Kategorie stopfe sehr widerstreben dürfte. Da beißt sich dann die sprichwörtliche Katze in den Schwanz.

    2. Das würde ich fast vollständig unterschreiben. Über das (angebliche?) Phänomen wird ja schon lange gesprochen, und ich kenne, ehrlich gesagt, mittlerweile fast nur noch Leute, die (laut irgendwelchen Tests und ihrer eigenen Meinung) hochsensibel sind. 😉 Ich spreche dabei niemandem seine Sensibilität und Grenzen ab – es ist oben im zweiten Absatz schon sehr gut ausgedrückt: Jede/r hat doch seine Vorlieben und Empfindlichkeiten, und alle sollten üben, damit klarzukommen und Rücksicht zu nehmen. Wenn so ein Etikett hilft, dass jemand sich endlich mal selbst ernst nimmt und sich unterstützt fühlt, ist das ja gut, aber mit der Abgrenzung zur „Normalbevölkerung“ (wer ist das bloß?) habe ich dann schon ein Problem.

      Beispiel aus meinem Leben, schon länger her: Ich sitze in der Nähe eines Kleinkinds, das begeistert an einem Plastikstuhl rumfingert und die Quietschgeräusche dabei sichtlich genießt. Ich genieße sie ganz und gar nicht, möchte aber aus diversen Gründen dem Kind den Spaß nicht nehmen, atme tief durch und bemühe mich, nicht so hinzuhören. Eine Bekannte kommt dazu und seufzt nach zwei Sekunden, ob das Kind BITTE damit aufhören kann, sie könne das GAR NICHT aushalten. – Bin z.B. ich jetzt weniger sensibel als sie? Oder kann ich besser mit der Tatsache leben, dass nicht alle Welt immer auf mich Rücksicht nehmen muss? Oder tue ich ihr jetzt Unrecht, weil sie wirklich nicht anders kann? Oder könnte sie mit etwas gutem Willen doch anders? Schwer zu sagen und irgendwie auch egal – nervende Geräusche z.B. von Kindern gibt es nun mal, und alle müssen damit so oder so zurechtkommen.

      1. So isoliert lässt sich das schlecht sagen, denn da feheln ja noch reihenweise andere Umstände. Aber du sagst was ganz wichtiges: Wer ist eigentlich schon diese viel zitierte „Normalbevölkerung“? Sie ist ja ein künstliches Konstrukt. Ich kenne niemanden, der in allen bbereichen dieser Norm entsprechen würde. Was ja auch toll ist. Jeder hat seine Spezialitäten. 🙂
        Die Situation die du beschreibst wäre für mich einfach eine, die mehr oder weniger nervt. Sie ist das, was ich zu Anfang meinte mit „bei mir inneres AUgenrollen“, weil ich das auch sehr oft so erlebt habe, dass wenn es um Hochsensibilität ging, genau so wieder argumentiert wurde. Dieses bitte Rücksichtnehmen, weil man ist ja Hochsensibel. Rücksicht sollte aber doch bitte jeder für andere aufbringen können. In welchem Maße ist immer der Situation und den Individuen geschuldet.
        Spannender finde ich bei Hochsensibilität, dass es da wirklich um eine Ressource geht, die man nutzen kann, die aber gleichzeitig mit dem Preis des Überreiztseins (und damit auch schnellerem Erschöpfen) einhergeht.
        Wenn ich WEISS, dass ich hochsensibel bin, kann ich meine Kräfte anders einteilen und Situationen anders bewerten. Das macht primär mich als Hochsensiblen rücksichtsvoller mit mir selbst. Es ist weniger dass ich erwarte, dass andere das mit mir sind. Mir ermöglicht das eine bessere Selbstverantwortung. Und das ist es, was ich eben auch anderen wünsche, die das Thema für sich als relevant entdecken.

        1. Da würde ich nun wieder zustimmen: Jeder sollte sich selbst und die eigenen Empfindungen und Grenzen ernst nehmen . (und im Zuge dessen auch begreifen, dass es die eigenen Empfindungen sind und andere sie nicht automatisch teilen oder erkennen oder pasuenlos Rücksicht nehmen müssen.) Hingegen sollte niemand denken „ich bin irgendwie komisch, weil ich XY so und so empfinde“, und das ist dann auch der einzige positive Punkt, den ich an solchen Labels sehe: man kann leichter begreifen, dass man kein seltsamer Einzelfall ist. – Andererseits bin ich nun wieder der Meinung, dass in Wirklichkeit jeder Mensch ein seltsamer Einzelfall ist und deshalb viele Labels eigentlich wegfallen könnten. Zumal auf der negativen Seite steht, dass Menschen dazu neigen, wenn sie mal ein Persönlichkeits- (oder auch Krankheits)bild als Label haben, sich dann total damit zu identifizieren und sich ggf. auch mal dahinter zu verstecken. Wie man es u.a. bei Hochsensibilität ja erleben kann, wie du auch schreibst.

          1. Ja, das ist ein generelles Ding mit den Labels. Das hat man aber autom atisch mit allen Kategorien. Konstruierte wie die Hochsensibilität genauso wie reale, was zum Beispiel. die Kategorie Frau oder Mann wäre, groß oder klein. Auch das kann man als Vorschub für einiges heranziehen, man kann es aber auch einfach als eine Gegebenheit betrachten und erkennen, dass man mit andern Frauen/Männern großen/kleinen Leuten gewisse Gemeinsamkeiten hat, aus denen man lernen kann. Wenn ich begriffen habe, wie Hochsensibilität funktioniert und ich selbst dazu zähle, kann ich besser damit umgehen. In der Regel. Manch einer braucht die Kategorie auch nicht. Und genauso wie es nichts bringt als Frau zu sagen „Ich kann das nicht, ich bin eine Frau!“ macht das auch bei Hochsensibiltitä keinen Sinn. Dennoch weiß jede Frau, dass sie sich noch so sehr wünschen kann keine Regelblutung zu haben, aus der Kiste kommt sie vor den Wechseljahren nicht wirklich raus. So kann sich auch ein Hochsensibler noch so sehr wünschen in bestimmten SItuationen nicht so stark zu überreizen, die Belastung bleibt. Für beide Beispiele gibt es aber eben sehr wohl Möglichkeiten die unangenehmen Situation zu erleichtern. Mit Helferlein, Einstellung o.ä.

    3. Ja, jeder Mensch verdient, daß seine Bedürfnisse wahrgenommen und gewürdigt werden, da stimme ich Dir uneingeschränkt zu.

      Eine „Schublade“ ist das HSP aber meiner Meinung nach deswegen keine. Und „ein bestimmtes Verhalten rechtfertigt“ das auch nicht. Was für ein Verhalten meinst Du denn in diesem Zusammenhang genau?

      Im Fall HSP geht es zuerst einmal um Fakten:
      ca. 15-20 % der Population haben ein Nervensystem, das auf Reize intensiver reagiert als bei den restlichen Prozent.
      Übrigens auch bei Tieren! Und die können ja nicht drüber nachdenken und sich daraus eine Schublade basteln, um „ein bestimmtes Verhalten zu rechtfertigen“.

      Daß das Nervensystem bei diesen Individuen anders reagiert, kann man beobachten.
      Und daß dieses Merkmal existiert hat auch seinen Sinn (fürs Überleben der Spezies).
      Deshalb bleibt dieses Merkmal auch erhalten und stirbt nicht aus. (Quelle: Elaine Aron, The Highly Sensitive Person).

      Es braucht dabei gar keine Wertung, eins ist nicht weniger wert als das andere.
      Nur anders eben.

      Das Problem ist aber, daß ganz viele HSPs dafür abgewertet werden, oft mit einem ZU dieses, ZU jenes…

      Es geht aber um eine andere Art der Wahrnehmung und Verarbeitung von Eindrücken, auch eine anderer Körperchemie.
      Und diese ist sozusagen die Norm für diese 15-20% HSP.
      Deswegen wäre die Anforderung, der Norm der anderen 80% gerecht werden zu sollen, auch nicht sinnvoll und auch gar nicht erfüllbar.

      Vielleicht kannst Du es ja nachvollziehen, daß es vielen HSPs guttut, das für sich einordnen zu können. Damit rückt sich etwas zurecht, es macht KLICK. Man bekommt einen fehlenden Puzzlestein, der das Gesamtbild plötzlich klarer macht – und das Leben damit für viele auch leichter.

      Man kann die „Klassifikation“ natürlich schon als Abgrenzung betrachten.
      Man kann es aber auch anders sehen. Nicht hier die einen, dort die anderen. Das klingt so nach aufteilen.
      Ich sehe das nicht so, ich sehe es als Vielfalt, als unterschiedliche Beiträge zu einem Miteinander, als sich gegenseitig ergänzen, als Bereicherung für alle Beteiligten.
      Alles eine Frage der Perspektive.

      Und am Ende begegnen wir uns dann wieder.
      Denn den Wunsch, daß einfach jeder dort abgeholt werden kann, wo er steht, den hab ich auch.

      Lieben Gruß. Jessica

      1. Mit dem Thema habe ich mich letztes Jahr sehr lange intensiv beschäftigt, deswegen finde ich den Artikel und die Diskussion sehr spannend.

        Ich habe schon als Kind zu hören bekommen: „Du stellst dich aber an!“ oder „Sei doch nicht so empfindlich!“ Und wie oft hat man mich „Prinzessin auf der Erbse“ genannt. Das hat mich manchmal echt gekränkt und vor allem habe ich mich lange Zeit unverstanden gefühlt. Mir ist es egal, ob ich HSP bin oder nicht, ehrlich gesagt fühle ich mich in Schubladen eher nicht so wohl, aber ich habe durch die Recherchen über dieses Thema viel gelernt und heute gehe ich mit solchen Sätzen anders um. Ja, ich bin eine Prinzessin auf der Erbse! Ich liebe Superflausch und bin dadurch unbewusst zum Kuscheldeckensammler geworden. Ich habe mehrere Kopfkissen und tausche ständig aus, weil ich phasenweise von dem einen total genervt bin, weil es zu dick/ zu dünn/ zu hart/ zu weich ist. Und ja, ich bin empfindlich. Ich mag keinen Lärm, keine Temperaturschwankungen, keine intensiven Gerüche, weder gute, und schlechte schon gar nicht, und beim Essen bin ich noch pingeliger. Manchmal höre ich Geräusche, die andere gar nicht wahrnehmen und manchmal denke ich schon, ich spinne, aber dann wird es lauter und plötzlich hören es auch die anderen.

        Zeitweise dachte ich, ich sei manisch-depressiv, weil ich Phasen hatte, in denen ich sehr viel und auch sehr intensiven sozialen Kontakt hatte – und sehr gut kommunizieren konnte. Und dann war es mir von einem Tag auf den anderen plötzlich zuviel und ich habe mich manchmal wochenlang zurückgezogen und war dann oft sehr melancholisch bis hin zu depressiven Verstimmungen. Inzwischen weiß ich, dass ich ein extrovertierter HSP bin und dosiere alles ein bisschen besser, so dass ich nicht mehr wochenlang von der sozialen Bildfläche verschwinde(n muss um mich zu erholen).

        Von Schubladendenken bin ich absolut kein Fan und ich finde, dass man nicht alles kategorisieren, erklären oder gar rechtfertigen muss. Was ich interessant finde, und was mich seither wirklich fasziniert, ist die Tatsache, dass sich immer mehr HSPs auch als solche zu erkennen geben. Das hat bei mir zu weiteren Fragen geführt: Gibt es mehr HSPs als bisher angenommen? Sind HSPs als solche auf die Welt gekommen, oder könnte es auch eine Entwicklung sein, die durch Umwelteinflüsse bedingt ist? Liegt es daran, dass unsere Welt immer schneller, immer lauter, immer hektischer wird und der Mensch dafür einfach nicht gemacht ist, sich aber dennoch einige (evolutionstechnisch oder wie auch immer) angepasst haben?

        Dass man Literatur dazu findet und sich irgendwo „einsortieren“ kann, finde ich insofern hilfreich, dass man dann auch herausfinden kann, wie man damit umgehen kann. Irgendwie muss man ja in dieser Welt „funktionieren“. Wenn man bestimmte Merkmale an sich erkennt, kann man aus dem, was allgemein als überempfindlich gilt, echte Stärken machen. Und man kann lernen, Grenzen besser zu setzen und diese gegenüber anderen zu kommunizieren, ohne sich dabei zu rechtfertigen. Denn egal, ob HSP oder nicht, man muss seine Bedürfnisse nicht rechtfertigen, aber man muss sie aussprechen und für sie einstehen, damit es einem dauerhaft gut geht. Gerade introvertierten Menschen fällt dies häufig sehr schwer. Da kann es schon helfen, wenn sie sich in solchen Bücher wiederfinden, erkennen und verstanden fühlen.

        Liebe Heike, ich finde Deinen Artikel wie alle bisherigen schön und unterhaltsam geschrieben und gut recherchiert. Ich lese immer wieder gerne von Dir!

        Liebe Grüße,
        Peh

        1. … ach, und ich habe etwas vergessen:
          Egal, ob HSP oder nicht – ich glaube jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt, kann etwas für sich mitnehmen und ein anderes Bewußtsein für sich und seine Umwelt entwickeln. Es könnte sogar dazu führen, dass man mehr Rücksicht auf sich selbst und auf andere nimmt. Und das ist immer gut für’s Zusammenleben. 🙂

          1. Danke dir für deine Kommentare! 🙂 Und deine Geschichte dahinter vor allem. Am meisten denke ich aber gerade auf dem Absatz herum, der sich darum dreht, weshalb sich immer mehr Menschen zu den HSPs zählen bzw dazu bekennen. das wäre wirklich die Frage, ob es nur 20% sind . Ob es nur angeboren ist oder auch erworben sein kann. Und in dem Kontext drängt sich mir dann unweigerlich auch auf: Was wenn es sowohl als auch ist? Also wir mit der Disposition zu Hochsensibilität geboren werden oder auch nicht und dann durch unser Leben den einen oder anderen Weg in uns aktivieren. Hmmm… 🙂
            Das finde ich spannend.
            Liebe Grüße, Heike

      2. Wundervoll geschrieben, ich danke dir! Auch noch mal für den prozentualen Anteil der Bevölkung. das ist mir schon durchs geistige Sieb gefallen. War ich wohl sensorisch und kognitiv grad nicht sensibel genug. 😉 😉 😉

        1. Liebe Heike,
          Danke Dir.
          Man kann nicht immer alles präsent haben. Mir ist das mit der prozentualen Aufteilung und daß es das auch bei Tieren gibt nur so fest im Gedächtnis geblieben, weil mir gerade das Wissen darum in meiner damaligen Situation sehr geholfen hat. (Elaine Arons Buch hab ich vor ca. 6 Jahren gelesen).
          Ein „geistiges Sieb“ find ich braucht jeder. Ich denke, dort bleibt jeweils das hängen, was gerade auf irgendeine Art wichtig ist für die eigene Situation.
          Deine Artikel sind sehr ausgewogen und beleuchten von vielen Seiten. Von allen Seiten ist alleine nicht wirklich möglich. Die Diskussionen, denen Du hier Raum gibst und die ich sehr wertvoll finde, können das Bild dann noch mit abrunden.
          Ganz lieben Gruß

    4. Ach schade, dass der Artikel bei dir so ankommt. Natürlich soll jeder sein, wie er oder sie ist, genau darum geht es ja. Es gibt schlicht Menschengruppen (reden wir da lieber von Schnittmengen als von Schubladen und von Graubereichen als harten Grenzen), denen es sehr hilft eine Kategorie zu finden, ein bisschen, als würden sie ein inneres Zuhause finden. Das ist etwas, was sehr vielen Hochsensiblen so geht – oder auch anderen Gruppen die in welcher Art auch immer von der viel besungenen Norm abweichen. Ich glaube die unterschwellige Problematik liegt darin, dass in unserer Gesellschaft Einzigartigkeit und Besonderheit so sehr gehypt wird und die Norm nicht als das wahgenommen wird, was sie eigentlich ist, nämlich schlicht die große Masse an Menschen in einer statistischen Normalverteilung, sondern als etwas, was dann nicht so besonders ist, wie „die anderen“ die sich durch was auch immer abgrenzen lassen.
      Ich persönlich schätze Kategorien sehr, würde aber nie behaupten, dass ich da nicht über den kategorischen Tellerrand hinausblicken könnte. Tatsächlich fällt mir nicht eine Person ein, die so „normal“ ist, dass sie eine Erika Mustermann sein könnte. Alle sind besonders in ihrer Art, allein dadurch bedingt, dass das Menschsein so facettenreich ist. Manchmal denke ich: Oh, also das ist mein Alleinstellungsmerkmal – und dann wirft mir der nächste verbesserte Instagramalgorithmus zig Accounts in die Vorschläge, die, sehr, sehr, sehr sind wie meiner bzw. mein Account. Fühlt sich komisch an. Aber letztlich ist es die Frage, ob man das dann als gut oder schlecht empfindet: Menschen über eben solche Kategorien zu finden, die einem ähneln und sich damit wohlzufühlen oder das Gefühl zu haben, dass man ein STück Individualität verliert. Ich habe mich für erstgenanntes entschieden. Ich bin aber auch einfach bekennender Strukturliebhaber. 🙂

    5. Es geht nicht darum, Menschen in Schubladen zu stecken, es geht um Menschen, die immer mal wieder an sich zweifeln, daran, ob ihre Wahrnehmung falsch ist oder die der anderen. Ich kenne jemanden, der extrem sensibel auf Gerüche reagiert und manchmal Räume verlässt, weil er einen Geruch, den andere gar nicht wahrnehmen, nicht ertragen kann. Meine Oma konnte beim Vorbeigehen sagen, wer in welcher Wohnung was gekocht hatte, ohne dass andere auf dem Flur etwas rochen. Einige Menschen sind überfordert von zu viel Buntem oder zu grellem Licht. Wenn die dann erfahren, dass sie sich von anderen unterscheiden und deshalb nie mit denen zu einem Konsens kamen – „das ist mir zu grell! Du spinnst wieder, das ist doch nicht grell!“ – ist es schon erleichternd für sie.
      Hochsensibel klingt erst mal wie hochbegabt – positiv. Für viele Betroffene ist es da aber nicht, weil sie besitmmte Reize nicht ausblenden können, die sie massiv stören, die andere aber gar nicht wahrnehmen.
      Dafür einen Namen zu haben, kann schon entspannen; man muss sich nicht mehr fragen, ob man verrückt, überempfindlich, zu kritisch etc. ist, sondern weiß jetzt, das man etwas wahrnimmt, das andere nicht wahrnehmen. Dies hilft vor allem in Situationen, in denen man für seine „Übermepfindlichkeit“ kritisiert wird (und nein, ich bin nicht betroffen. Aber wenn ich auch nur eine Körperlotion benutze, muss ich mir von meiner Mutter anhören, dass ich wieder „nach so etwas rieche“. Lange Zeit dahcte ich, das sei eine Provokation von ihr, schließlich hatte ich kein Parfüm, kein Deo mit Geruch etc. aufgelegt. Aber ja, sie riecht die leichten Duftstoffe in „neutralen“ Hautcremes.)

  4. „Sie sind mit an Gewissheit grenzender Sicherheit hochsensibel.“ Kognitiv: absolut. Sensorisch: wahrscheinlich ja. Emotional: wahrscheinlich nicht (ich bin alles, aber kein Diplomat). Andererseits habe ich sehr schnell einen sehr guten Einblick in mein Gegenüber, und ich habe schon öfter gehört, vor allem in jungen Jahren, dass in mir „eine alte Seele wohnt“. Ich habe es gerne ruhig, wenig Leute um mich rum, nicht zu viel Trubel – aber die schönsten vier Tage des Jahres sind Messetage, Vivaness/Biofach, mit Übernachtungsgästen.

    Ich bin nicht nur hochsensibel sondern auch hochintelligent, und mir war das viele viele Jahre nicht klar. Nicht bewusst. Weder das eine noch das andere. Gute Freunde, die auch sehr bzw. hochintelligent sind, wussten dass schon Jahre vor mir.

    Mir hilft in schwierigen Situationen ein Mantra: „Ich bin nicht krank, ich bin anders.“ Ich darf so sein wie ich bin, und ich bin gut, so wie ich bin. Ich muss nicht so werden wie andere, und Regeln und Muster, die anderen helfen, ziehen bei mir nicht. Es ist fast wie eine Erlösung zu wissen, was ich alles nicht muss – ich muss NICHTS machen, weil alle das so machen. Einzig und allein mit den Konsequenzen leben. Und das ist ja dann meine Sache und geht niemand was an.

    1. Schön gesagt, vor allem der Schlussatz. Das mit dem Müssen ist sowieso eine absolute Unart, die sich bei uns sprachlich so sehr etabliert hat. „Ich muss noch xy tun.“ Sagt wer? Meist ist es ja eher, dass man etwas tun will oder, die etwas unangenehmere Art davon: Man fpühlt sich von außen dazu verpflichtet dieses und jenes zu tun, denn „man macht das so“.
      Ich arbeite derzeit sehr darn meine Sprache zu schleifen, vor allem im Gesprochenen, schriftlich ist das etwas einfacher, durch die Entschleunigung durchs Tippen. Aber jetzt, da es bei Merle bald um den Spracherwerb geht, ist mir das noch mal wichtiger, gerade auf diese feinheiten zu achten, denn die haben es meistens dann wirklich in sich.

  5. Hallo Heike,

    wie spannend, das Thema auch einmal aus der Sicht einer extrovertierten Person zu lesen. Ich würde mich selber als eine klassisch introvertierte HSP betrachten und finde es deshalb umso interessanter zu sehen, dass es auch extrovertierte HSP gibt. Mir fällt gerade eine Person ein, die wahnsinnig gut auf deine Beschreibung zutrifft und beim Lesen hat es mehrere Male Klick gemacht, als ich auf einmal verstanden habe, welche Gründe dahinter stecken können.
    Ich bin auch der Meinung, dass man sich nicht einfach hinter diesem Begriff verstecken sollte und für alles als Begründung nennen sollte, doch mir persönlich hat es tatsächlich wahnsinnig geholfen, als ich über den Begriff der Hochsensibilität gestolpert bin. Was ist mir dabei für ein Licht aufgegangen! Für so viele Dinge gab es auf einmal eine Erklärung. Und gerade durch diese Benennung konnte ich besser damit umgehen, mir Strategien zurechtlegen und üben, um mich nicht zu stark zurückzuziehen, um Kontakte aufrecht zu erhalten ohne mich zu überfordern. Und trotzdem es akzeptieren zu können, wenn es mir zu viel wurde – denn damit habe ich lange Zeit immer mit mir gerungen und mich als schlecht und falsch angesehen, weil ich an einer Party rausgehen musste um nicht durchzudrehen. Jetzt weiss ich, dass dies als (introvertierte) HSP normal sein kann und ich Kompromisse machen kann, ohne gleich auf alles zu verzichten, dafür aber dann auch einstehen muss.

    Ganz spannend finde ich die Aufteilung in die drei Kategorien, davon habe ich bisher noch nichts gewusst. Und es erklärt auch, dass ich bei manchen allgemeineren HSP-Beschreibungen mich total gespiegelt gefühlt habe und bei anderen nur sehr wenig (gerade emotional und in manchen Bereichen sensorisch ist die HS bei mir besonders ausgeprägt, im kognitiven Bereich hingegen gar nicht).
    Es hat mich sehr gefreut, deinen Artikel zu lesen, der alles so toll auf den Punkt bringt, und bin sicher, dass auch bei manchen anderen Lesern ein Licht aufgegangen ist!

    1. Vielen lieben Dank für dieses große Lob! 😀 Das freut mich sehr! Ich fand die Thematik lange deshalb besonders spannend, weil ich darin eben benedict wiedererkannt habe. Erst nachdem ich über die extrovertierte Version gestolpert bin, hat es dann eben wirklich Klick gemacht, was mich angeht.
      Sich hinter dem Begriff der Hochsensibilität zu verstecken wird der Sache finde ich auch nicht gerecht. Es ist ja keine Diagnose, keine Krankheit. Es ist ein Wesenszug. das ist aber nicht nur bei Hochsensibilitöt so, das Menschen gern ein bestimmtes Attribut vorschieben, um sich dann einer Weiterentwicklung zu entziehen und es sich hinter dem Begriff bequem einzurichten. Manchmal braucht es so einen Rückzugsort, einfach weil man weiß, dass man sich dort sehr zuhause fühlt. Aber eigentlich geht es ja darum, dass wenn man weiß, woher man kommt, der Weg gleich so viel leichter wird.

  6. Hallo Heike,

    ich hatte noch nichts von diesem Thema gehört und bin begeistert von deinem Artikel!
    Mein Mann und ich haben uns wiedererkannt und beim lesen beide kommentiert – „Ja genau so, und stimmt so ist es.“ Toll geschrieben!
    Wir haben auch beide den Online-Test gemacht und eine echt hohe Punktzahl gehabt. Bei uns ist es allerdings genau umgekehrt – im Vergleich zu Euch – mein Mann ist Extro – HSP und ich Intro – HSP. Ist wirklich eine gute Ergänzung!

    1. Ach wie witzig! 😀 Ja, ich schätze die Kombination auch sehr, wobei mir mein Schlussabsatz wirklich wichtig ist: Meine mir liebsten Menschen sind HSPs und Nicht-HSPs. Es sind einfach alles sehr menschliche, warme, gute Menschen. Jeder in seienr Einzigartigkeit kann anderes, das macht es ja so toll.
      Aber ach ja doch, ich mag die Kombination extro-HSP und Intro-HSP echt gern. Wäre aber wohl auch irgendwie komisch, würde ich das nicht sagen. 😉
      Ich würde sagen, wenn es Nicht-HSP und HSP in einer Partnerschaft sind, dann ist es auf jeden Fall sehr von Vorteil, wenn der Nicht-HSP besonders offen und empathisch ist (das geht auch ohen HSP zu sein). letztlich geht es um Toleranz, Akzeptanz und Rücksicht. Wenn zwei HSPs zusammen sind muss man wengier Rücksicht nehmen, weil die Kofortzonen größere Überschneidungen haben. HSP und Nicht-HSP können sich dagegen oft mehr inspirieren, einmal erden einmal pushen, was für beide Seiten sehr gut sein kann 🙂

  7. Der von dir verlinkte Test sagt: „Sie sind mit an Gewissheit grenzender Sicherheit hochsensibel.“ 227 Punkte 😉 Hab ich mir beim Lesen deines Artikels schon gedacht, dass das auch auf mich zutrifft. Ich gehöre allerdings definitiv zu den Introvertierten und habe mich in meiner Jugendzeit selbst für schüchtern gehalten. Werde mich da mal einlesen – auf jeden Fall ein spannendes Thema!

    1. Ja, mach das mal. 🙂 Ich fidne es grad spannend, auf wie viele es zutrifft. Glaube aber, dass es generell eine verbreitete Eigenschaft ist, die nur einfach gesellschaftlich etwas plattgebpgelt wird. Ich glaube das ist ein Grund, weshalb die Thematikm derzeit so einen Hype erfährt. Es sind einfach so viele, die sich damit verstanden fühlen. Gar nicht, weil sie so weit weg von der Norm wären (denn was Norm ist wird ja von allen Individuen festgelegt quasi durchs Ausmitteln), sondern einfach dadurch dass ihre Eigenschaften bei uns derzeit gesellschaftlich nicht zum Erfolgskonzept gehören. Siehe Beispiel mit Japan. ich glaube, da würde das Thema wesentlich gelassener aufgenommen. Eher so: „Ja, klar, so bin ich. Passt.“ Hier ist es mehr. „Oh krass, das bin ja sowas von ich, das erklärt einiges!“ das Drumherum ist so anders, die Menschen gar nicht mal so.

  8. Tja, mir bescheinigt der Test mal wieder, so sensibel zu sein wie … Bauschutt oder so. Das ist wohl wirklich nicht meine Baustelle. Ich werde zwar mit den Jahren etwas feinfühliger -immerhin bin ich dieses Mal über 100 Punkte in dem Test gekommen, vor 5 Jahren oder so wars noch deutlich weniger – muss für manche Wesenszüge aber schon sehr um Verständnis kämpfen, damit ich sie nicht seltsam bis nervig finde (zB diese Personengruppe, die sich quasi als Nussschale im Sturm ihrer Gefühle benimmt und sieht, das ist so weit weg von mir, uff). Das hilfreiche Label für meinen Knacks suche ich noch, aber schön, wenn du jetzt etwas hast, was dir hilft.

    1. Okay, vielleicht doch meine Baustelle, mein Mann hat kräftig abgeräumt. Ich wusste ja immer, dass er sensibler ist als ich, aber nicht wie sehr. 😀 Mal gucken, was wir damit machen.

      1. Für den Anfang und eigentlich auch auf lange Sicht ist der größte Gewinn durch dieses neue WIssen die Möglichkeit von mehr gegenseitigem Verständnis. 🙂 Man muss ja niemanden in Watte packen oder das Inwattegepacktwerden erwarten. Oft reicht es einfach etwas besser als vorher zu wissen, wie groß die Unterschiede sind. So, wie man sich auch beim Kochen darauf einigen kann wie scharf man würzt und wer noch mehr will, legt eben für sich nach. Sozusagen. 🙂

        1. Puh, nach etwas einlesen lass ich es mit dem Thema. Weder mein Mann war damit zufrieden („Das klingt, als ob ich krank wär und Hilfe bräuchte“) noch finde ich uns da in den Beschreibungen. Ich hab die Punktzahl eines Steins gehabt, aber ich bin bei uns die, die bei Menschenmengen zu viel bekommt, sich von Parties mal aufs Klo zurückzieht und wahnsinnig wird, wenn zwei Geräte gleichzeitig dudeln. Okay, wenn ich konzentriert bin kann wohl neben mir die Kaffeemaschine fast explodieren, ohne dass ich es mitbekomme, ausblenden kann ich also. Diese ganzen Umweltreize stört meinen Partner so gar nicht, er ist nur ultra Schreckhaft. Bei Gerüchen bin ich sehr feinfühlig (schonmal Familienbesuch gerochen, bevor ihr ihn gesehen habt? *lach*) aber nicht empfindlich, außer dass ich immer gut durchlüfte, wenn Besuch geht. Ihm wird sozialier Kontakt mit fremden schnell zu viel, er ist bei seinen eigen Befindlichkeiten sehr sensibel, für die anderer sind wir es beide nicht so. Auch sonst haben wir an sehr unterschiedlichen Stellen unsere Stärken und Schwächen. Die Definition von Hochsensibel brauchen wir da glaub ich nicht.

          1. Ja, das das schnell nach Diagnistik und damit nach Pathologisierung klingt, finde ich im Kontext auch eher störend. Sowohl in die eine als auch die andere Richtung. HSP sein als Diagnose weil man ja soooo empfindlich ist als auch per Schnelltest zum kalten Klotz degradiert wrden, das finde ich beides eher unpassend und vor allem nicht hilfreich. Ich sehe das eher so wie anderen Kategorien: Als Richtungsweiser. So wie es Sinn macht den eigenen Hauttyp zu wissen, dann kann man passenden SOnnenschutz aussuchen oder sich direkt dagegen entscheiden bei strahlend blauem Himmel ungeschützt baden zu gehen.

  9. Danke!

    Für „Mimimimi, also ich bin hochsensibel, deswegen empfinde ich viel mehr als andere, bitte Rücksicht nehmen, ich habe nämlich jetzt eine Entschuldigung für alles!“, denn das hat mich grinsen lassen, wo ich doch schon kurz davor war, den Tab genervt zu schließen. 😉 (Das Thema ist so zerkaut und oft missbraucht, ich bekomm fast Schreikrämpfe davon!)

    Und danke für den Extro-HSP. Denn das passt. Test ist auch bestanden. Angenommen hab ich mich auch so, aber hey, ich mag es, wenn die Dinge Sinn ergeben. Denn Intro-HSP ist bei mir einfach völlig undenkbar. Deswegen hätte ich jetzt ohne die Info mit der extrovertierten Form HSP komplett ausgeschlossen.

    Liebe Grüße,
    Johanna

  10. Hm.. laut des Testes könnte ich durchaus hochsensibel sein (188 Punkte), und ich erkenne mich auch in vielen der Beschreibungen wieder – vor allem, was den sensorischen und den emotionalen Bereich angeht. Ich bin Kunsthistorikerin mit einem – wage ich zu behaupten – ziemlich guten Auge, Neurodermitikerin mit einer definitiv sensiblen Haut und einem ebensolchen Verdauungstrakt und besitze eine niedrige Stresstoleranz bei gleichzeitigem Perfektionsanspruch an mich selbst.. hab auch schon häufiger zu hören bekommen, ich solle mich nicht so anstellen etc. Inwiefern meine Gefühlswelt besonders vielschichtig ist, vermag ich nicht zu beurteilen – aber ich habe die Angewohnheit, da sehr genau nachzuspüren und bin recht gut im Entwirren der Gefühlsprobleme anderer. Auch die Überforderung mit zu viel sozialer Aktivität kenne ich, obwohl ich es gleichzeitig genieße, unter Menschen zu sein, und mich dann definitiv nicht introvertiert verhalte. 😀

    Ich frag mich nur, wo „sensibel“ aufhört und „hochsensibel“ anfängt.. aber ich werde mich auf jeden Fall mal in das Thema einlesen, vielleicht kann ich ja ein paar hilfreiche Ratschläge daraus ziehen, um v.a. in puncto Stress widerstandsfähiger zu werden – von daher, danke dir für den Artikel!

    1. Wo normal sensibel zu hochsensibel wird ist glaiube ich nicht zu beantworten und das ist auch gut so. So sehr ich solche Kategorien liebe, so wichtig finde ich es auch zu verstehen, dass die Orientierungen sein sollten und nicht Grenzen. Ich kenne sehr sensible Menschen, die nicht als hochsensibel gelten würden genauso wie ich hochsensible kenne, denen du das nicht anmerkst. Da kommt dann eben auch einfach zusammen, was man innerlich als Basis mitbekommen hat und was man erlernt, verfeinert oder ignoriert hat.
      Tatsächlich finde ich den Punkt mit der medizinischen Hochsensibilitöt sehr spannend, weil es in den Diskussionen meist um die psychologische Komponente geht und um Sinnenswahrnehmungen. HSPs verrtagen bei vielen Medikamenten z.B. nur eine deutlich niedrige Dosierung (kann gefährlich sein) bzw. brauchen weniger einer Substanz (kann gut sein, z.B. bei Schmerzmitteln). Es geht da also wirklich um Rezeptorstellen und Botenstoffe, das finde ich doch sehr spannend, denn da kommen wir dann in den Bereich der Genetik und Epigenetik, was wiederum gut erklärt, weshalb Hochsensibilität wohl erblich ist (sein soll). Zumindest zum Teil. In welchem Maße? Weiß ich nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit für HSP-Nachkommen von HSP-Eltern ist gegeben.
      Ach und was eine andere Kommentatorin hier auch schon so toll sagte, was ich fast vergessen hatte: Hochsensibilität beschränkt sich nicht auf Menschen. Auch bei Tieren ist das Phänomen bekannt und auch zu ähnlichen Prozentsätzen. Spannend auf jeden Fall.

  11. Habe den Test auch schon vor Jahren gemacht und werde als eindeutig HS eingeordnet. Ich halte mir zum Beispiel oft die Ohren zu, wenn ein Zug einfährt, diese Hand-Föhne in vielen öffentlich Toiletten kann ich nicht ertragen, auch wenn ein Kuscheltierstoff mein Gesicht berührt… Ich bin allerdings auch EXTREM introvertiert. Und still, selbst wenn ich mich sehr bemühe mal aus mir herauszugehen, bekomme ich doch wieder nur die Rückmeldung „man merkt ja gar nicht, dass du da bist“, was eben oft auch negativ gewertet (zum Beispiel als Desinteresse oder Arroganz) wird und mich belastet, dass ich das trotz aller Mühe nicht ändern kann. Aktuell habe ich durch die Kinder eigentlich gar keine Kapazitäten mehr für noch weitere regelmäßige Sozialkontakte.

    Dass du das mit dem Asperger schreibst, finde ich auch interessant. Ich habe mich da vor 1-2 Jahren drauf testen lassen, die Psychologinnen meinten dann aber doch „nein“ und dass ich zwar entsprechende Schwierigkeiten hätte, sie da aber bei mir „Entwicklungspotential“ sähen. Hm. Auch den Test, wo man Emotionen aus Augenpaaren rauslesen muss, da habe ich wohl das beste Ergebnis, das sie bisher je hatten, also auch besser als die meisten „normalen“, was ja für Aspie sehr ungewöhnlich wäre.

    Bei HS bin ich mir aber auch immer mal wieder unsicher wie ernstzunehmen das ganze Konzept und vor allem die Tests dazu sind. Ich hab nämlich auch das Gefühl, dass da fast jeder als HS klassifiziert werden kann und wer würde dann auch zum Beispiel auf „ich habe ein reiches, vielschichtiges Innenleben“ mit „nein“ antworten? Denkt das nicht jeder von sich selbst? Also da finde ich die Tests noch nicht so ganz ausgefeilt, weiß aber auch nicht, wie man es besser machen könnte.

    Bei MBTI bin ich übrigens INTJ.

    1. Letztendlich sind es ja alles künstliche Konstrukte, der Suche nach Struktur geschuldet. Man muss ja nirgends 100%ig reinpassen, um sich wohlzufühlen. Ich finde es aber oft schon sehr hilfreich, wenn man merkt, dass man mit bestimmten eben künstlich geschaffenen Kategorien mehr oder weniger Überschneidungen hat, das kann sehr nützlich sein, um sich selbst besser zu verstehen – oder auch andere. Egal, ob man dem dann das Label Asperger, HSP, ADHS, extrivertiert, schpüchtern, what ever aufdrückt. Ich mag solche Kategorien sehr gern als Orientierung, nicht als Begrenzung.
      Ich glaube tatsächlich, dass es etwas mit der Peer Group zutun ahben könnte, dass man gefühlt von HSPs derzeit „erschlagen“ wird. jeder scheint dazu zugehören. Ich glaube, dass das mit daran liegt, dass HSPs die Neigung haben mehr danach zu suchen und dementsprechend das dann auch zu äußern, wenn sie sich erkannt fühlen.
      Dazu kommt – ich sage mal leider – in meinen Augen ein gewisser Trend, sich dazu zählen zu wollen. Es ist eben doch eine manchmal bequeme Ausrede und wie du schon sagst: Reiches, vielschichtiges Innenleben“, das ist ja etwas, was man gern als Label hat. Auch sind viele fiktionale Charaktere in HSP-Manier angelegt und ich glaube viele fühlen sich dann einfach sehr wohl damit auch so zu sein wie XY. Oder wie eine andere Kommentatorin hier schrieb: Züchtet sich unsere Zeit und Gesllschaft vielleicht auch ihre HSPs? Also ist es gar nicht (nur) angeboren), sondern werden viele Menschen bei uns im Laufe des Lebens zu HSPs weil bei uns die Reize genrell immer weiter zunehmen? Blöd gesagt: Auf dem ruhigen Dorf ohne Internet und Straßenlärm zu überreizen ist auch einfach schwerer als in der Stadt hier und heute. Natürlich fühlen sich dann mehr Menschen angesprochen. Denn allein schon: Wer ist denn tatsächlich ohne Internet und ohne Pushnachrichten etc? Kaum einer.
      Letztlich kommt es immer wieder darauf an, was man damit macht. Und dafür finde ich es eben hilfreich erst mal zu wissen, dass man da eine Kategorie hat, in die es sich lohnt reinzugucken. Ob man sich darin dann einigelt, verbarrikadiert oder gar selbst festkettet, nun, das ist dann das andere.

  12. Liebe Heike!
    Mein erster Gedanke mit einem Grinsen im Gesicht war gerade „Ach ne, Du auch?“
    Ich weiß es seit etwa 4 Jahren und ich könnte jetzt Romane darüber schreiben, wenn ich Zeit hätte. Habe ich nur leider gerade nicht.
    Ich will nur kurz dazu sagen, daß ich froh bin, zu wissen, warum ich schon immer anders war (und leider immer wieder dafür gemobbt wurde). Außerdem möchte ich noch anfügen, daß es auch Mischformen von Intro und Extro gibt und High Sensation Seeker und Scanner. Es gibt auch im deutschsprachigen Raum interessante Literatur, z.B. von Eliane Reichardt. Sie hat auch eine nette Gruppe auf Facebook, wo ich mich gerne mal austausche.

    1. Jaaa, ich bin ja jetzt nicht so das Musterbeispiel einer HSP, da vermutet man das eher nicht. 🙂 Zu großen Teilen wohl auch deshalb, weil ich mich schon bevor ich wusste, dass ich dazu gehöre gut mit meinen Schwächen (die teils eben HSP-bedingt sind)auseinander gesetzt hatte und ich Strategien habe, damit gut umzugehen. Zu wissen, dass ich zu den Hochsensiblen gehöre macht das Verständnis bloß noch besser und mich noch etwas achtsamer, was vor allem für den von mir erwähnten gelben Bereich beim Energiebalken wichtug ist.
      Es tut mir immer sehr Leid, wenn ich lese, dass Menschen gemobbt werden oder wurden. das sagt so viel aus – über die Mobber, weniger über den Gemobbten. Ich glaube, dass es dafür eben auch wichtig ist Kindern und Jugendlichen deutlicher zu vermitteln, das Andersartigkeit eben nicht nur dazu dient sich einer bestimmten Grippe zugehörig zu fühlen oder seine Individualitt zu feiern, sondern dass es auch und vor allem bedeutet zu akzeptieren, zu tolerieren und vor allem zu respektieren, dass anderen Menschen wie der Satz ja schon sagt eben „anders“ sind. Menschen finden oft Andersartigkeit meist erst mal komisch und erst dann interssant. Ich würde mir wünschen, dass es, haha – anders wäre. Eines meiner Erziehungsstile.oder sagen wir lieber Werte. Erziehung hat immer etwas den Beigeschmack von verboten und Maßregelungen… Aber das Fass mache ich jetzt schnell wieder zu. 🙂

  13. Erst Mal vorne weg: Ich streite nicht ab, dass es hochsensible Menschen gibt. Und dass diese einen gewissen Teil der Bevölkerung ausmachen.

    Aber wie anderen an der Stelle geschrieben haben, wird das Thema sehr oft misbraucht. Ich habe das in meinem persönlichen Umfeld einige Male erlebt und auch online in Foren bin ich immer wieder darauf gestossen. Menschen, die wahrscheinlich wirklich hochsensibel sind, die dies aber als Entschuldigung für von ihrer Seite aus rücksichtslosem Verhalten gegenüber anderen benutzen.
    Das ist aber noch der harmlosere Teil, einige verleugnen sich durch die Selbstdiagnose Hochsensibilität auch das Vorhandensein einer ernsteren Erkrankung. „Nein, ich bin nicht manisch-depressiv, ich bin nur Hochsensibel und missverstanden!“ Und da fängt es meiner Meinung an, gefährlich zu werden.

    Nichtsdestotrotz finde ich deinen Artikel sehr gut geschrieben, und ich finde es auch super, dass du auf die Überlappung mit dem Asperger Syndrom hinweist. Gerade Frauen im Spektrum haben oft eine durchaus hohe Empathie, was sichmit dem klassichen Bild des männlichen Asperger-Autisten (welches auch oft nicht zutrifft!) schneidet. 🙂

  14. Liebe Heike

    Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Mindestens zwei, laut Myers-Briggs-Typenindikator und zartbesaitet vielleicht sogar noch mehr. Je nach Tagesform und Blickwinkel fallen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus. Vom ENFJ über ENFP bis zum ENTP war im Laufe der Jahre schon fast alles dabei. Nun laut zartbesaitet auch noch hochsensibel… und das mehrmals im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Situationen getestet und das obwohl der ENTP laut Beschreibung wohl durchaus der Inbegriff der Axt im Walde sein kann?

    So widersprüchlich meine Ergebnisse ausfallen so zwiespältig ist auch meine Position gegenüber den beschrieben Konstrukten und der Reliabilität der Testergebnisse. Natürlich finde ich mich ganz oder teilweise in vielen der Beschreibungen wieder, meine Frage aber lautet: wer tut das nicht? Besonders die Fragen auf zartbesaitet geben häufig bereits eine bestimmte Antwort vor. Beispiel: ich habe ein reiches vielschichtiges Innenleben. Na, aber hallo, wer denn bitteschön nicht?!? Wie soll ich denn beurteilen ob die Vielschichtigkeit meiner Gedanken und Gefühle sich von der anderer unterscheidet?

    Hinzu kommt dass hier bereits im Unterton ein ausgesprochen positives, wenn nicht gar übermenschlich gutes Bild von hochsensiblen Personen gezeichnet und impliziert wird. Wer möchte denn nicht so sein? Oder zumindest so gesehen werden? Oder im MBTI: beispielsweise verspüre ich immer den starken Impuls meine Entscheidungen danach auszurichten niemanden vor den Kopf zu stoßen… aber letztlich entspricht das nicht meinem wirklichen Verhalten, denn ich kenne diese Schwäche an mir und steuere dem bewusst entgegen, weil ich weiß: es ist wichtiger das Richtige zu tun als sich bei allen beliebt machen zu wollen. > Wie der Test jedoch diesen Punkt wertet hängt einzig von der Formulierung der Frage ab, denn ich bin immer ehrlich.

    Angeblich sind nur 20% der Menschen hochsensibel, doch ich persönlich halte diese Art von Selbsttest für relativ insuffizient, fragwürdig und möchte wetten dass trotz ehrlicher Beantwortung wesentlich mehr als 20% hier eine Hochsensibilität bescheinigt bekommen.

    Nun zu einem Punkt den KaWiMeDo und Paula schon angesprochen haben: braucht es das?
    Auch hier ist meine Position durchaus zwiegespalten. Zum einen ist sehr begrüßenswert wenn die Menschen die Möglichkeit bekommen sich mit ihren Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen und in gesunder Konsequenz daraus versuchen ihr Leben, ihr Umfeld und ihr Verhalten möglichst ressourcengerecht und bedürfnisorietiert zu gestalten. Das entspricht auch dem Zeitgeist der Achtsamkeit und Selbstliebe, der beinhaltet dass auch ein noch so engegierter, hilfsbereiter und selbstloser Krug nur solange zum Brunnen gehen kann bis er bricht. (Dein Lieblingszitat: you cannot pour from an empty cup)

    Andererseits erscheint mir dieser Trend bei nicht wenigen Zeitgenossen übers Ziel hinauszuschießen. Man kann sich auch in sich selbst verlieren, sich zu sehr mit sich selbst und vorallem, seinem gewünschten Selbstbild beschäftigen. Während die einen durchaus ein etwas realistisch-besseres Selbstbild und mehr Nähe zu sich selbst vertragen könnten und etwas mehr Selbstliebe üben dürften gibt durchaus genug Menschen die es wahrlich nicht nötig haben dass ihr egozentriertes Weltbild und ihr Narzissmus durch diese übertrieben positiven Anstriche normaler menschlicher Persönlichkeitsvarianten weiter befeuert wird. Ich kann das Aufstöhnen mancher Leute also durchaus verstehen wenn ausgerechnet Menschen bei denen sich immer alles nur um sie selbst zu drehen scheint plötzlich ankommen und sagen sie brauchen jetzt Zeit für sich… Denn ja, auch HSP verhalten sich manchmal wie rücksichtslose Ar*** während manchmal ausgerechnet ein Nicht-HSP im passenden Augenblick genau das richtige für seine Mitmenschen erspürt und tut.

    Insofern tue ich mich mit Begriffen wie „Superkraft“ ehrlich gesagt ziemlich schwer, denn letztlich sind wir doch alle „normale“ Menschen.

    1. P.S. Den wichtigsten Punkt hatte ich glatt vergessen: Eben weil ich diesem Thema so zwiegespalten gegenüberstehe danke ich Dir, liebe Heike, ganz besonders für die Einleitung und Deine, wie üblich, ausgewogene Betrachtungsweise. Und mir ist natürlich klar, dass aus Deiner Feder in diesem Zusammenhang, der Begriff „Superkraft“ natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint ist.

      P.P.S: Zu Deinem heutigen Instagrameintrag: bei uns hatte die Phase des Krabbelnlernens ähnliche Auswirkungen. Baby hat den ganzen Tag trainiert (sowohl das Krabbeln, als auch seine und meine Frustrationstoleranz) und dann die ganze Nacht entweder gestillt oder Albträume gehabt und ist selbst im Traum noch auf allen Vieren im Bett gestanden. Bei uns hat diese Phase mehrere Monate gedauert. Denn leider kamen unmittelbar nach Krabbel- auch schon die ersten Steh- und Laufübungen und die koleine Entdeckerin forderte Dauerinput, der sie widerrum nachträglich oft überreizt hat. Besser wurde es als die Kleine entschlossen hat zusätzlich zur Brust noch Flaschenmilch zu tanken. Ich will dich nicht demotivieren oder ängstigen, aber sei gewarnt, teil Dir deine Kräfte gut ein. Die von Dir Erwähnten Regenerationszeiten werden sehr wichtig sein. Aber das kennst Du ja schon. Ein Lichtblick war dass unsere Maus an etwa 2-3 Nächten oder Tagen pro Woche stundenlang durchgeschlafen hat, das war wohl die blanke Erschöpfung. Roman Ende. lg

      1. @CarMaMia Ab dem zweiten Absatz deines Kommentars kann ich mich total damit identifizieren. Genauso geht es mir bei dem Thema auch, deshalb unterschreibe ich deinen Kommentar mal einfach so (mir Ausnahme der Baby-Erfahrungen, die ich noch nicht gemacht habe) und danke dir dafür, dass du quasi meine Gedanken verbalisiert hast 🙂 😀

        und @ Heike: interessant, durch dich nochmal auf so eine Weise mit dem Thema in Berührung gekommen zu sein. Auch, weil ich zwar laut Test hochsensibel eingestuft werde, aber trotzdem wieder genau gespürt habe, dass ich mich ganz und gar nicht mit dieser Schublade identifizieren kann.

      2. Ui so viel. mal gucken auf was ich hier alles eingehen kann.
        ALso ob es das braucht: Natürlich braucht es das nicht. Um den blödesten Spruch hervorzuholen, der unsensibel eine harte Wahrheit kundtut: „Früher sind die Leute auch ohen großgeworden!“
        Das stimmt und stimmt nicht, ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Mir geht es um eine Möglichkeit etwas besser zu machen. Für mich und für andere. Und mehr Verständnis für etwas zu bekommen oist in meinen Augen immer erst mal gut.
        Klar drehen sich da dann viele Leute arg um sich selbst. Das geht mir im Kotext Hochsensibilität auch so (weswegen ich auch etwas mit dem ARtikel gehadert habe, eben weil ich diskussionen aus Foren kennen, auf denen sich seitenweise darin ergangen wird, wie rau und grob die Welt ist und man als HSP aber doch… bla. Und ich und ich und ich. Ist ein bisschen ähnlich wie diese Subkultur an Fitnessleuten, denen ich ja auch folge und von denen ich viel lerne. Da gehört es ja auch zum guten Ton Selbstliebe zu propagieren. Was EIGENTLICH total gut ist. Uneigentlich hat es einen etwas schalen Beigeschmack, weil es eben doch oft daher kommt wie: „Also dass ich mich jetzt so derbe geil finde, das hat was damit zu tun, dass ich mich endlich liebe. Und natürlich liebe ich mich mit meinem Sixpack mehr, aber das sage ich so nicht, ich sage mein Mindset hat sich verändert.“ Es ist wahr und es ist halbwahr. Ich kann es schwer greifen, aber wie du schon sagtest, da rotiert man dann sehr um sich selbst. Was aber widerum etwas ist, was gerade im Social Media (sei es jetzt Blog, Instagram oder Youtube oder was auch immer) echt eine Gratwanderung ist, da diese Kanäle fast per se narzistisch sind. Zumindest wenn man sich selbst als Sprecher zeigt und nicht nur Informationen sammelt. SObald der eigene Weg dazu kommt (was ich meist sehr schätze, sonst würde ich das wohl auch nicht so machen), wird es automatisch zu einer One-Man-Show. Der eigene Kanal ist dann ein großer Spiegel.
        Die Blogger, die ich kennengelernt habe waren alle im realen Leben wesentlich bodenständiger, bescheidener und weniger Ich-bezogen als es auf dem Blog den Iendruck hätte machen können. Aber es ist eben eine Form von Selbstdarstellung und zeigt genau das eben dann online. Einmal habe ich einen Autor erlebt, der mir im Buch schon als Egozentriker vorkam. Life war er noch mal „schlimmer“… So total verquatscht. Und das in der raren Babyschalfzeit. merle schläft auch grad komatös nach einem Vormittag mit anderen Babys und noch mehr Input.

        Danke auf jeden Fall für deine Erfahrungen! Die waren schon mehrmals für mich eine echte Wohltat zu lesen. Merle krabelt auch im Traum, bzw steht dann im Vierfüßler. Es ist grad recht hart, was meine Kräfte angeht, aber machbar. Ich denke mir immer: Wir haben 4 Monate ohrenbetäubendes Schreikind überstanden. Und da ist so ein kleiner Sonnenschein raus geworden. Dann kann ich sie auch weiter 3h abends schleppen. Ihr Frustgemaule, weil sie nicht vorwärts kommt, ist nichts dagegen. Und wenn sie um neun im Bett liegt mit Scheinwerferaugen eines überdrehten Babys und laut und glücklich ihr DADADA! schmettert, nun, dann bin ich zwar immer noch müde, aber ich weiß wofür. 🙂

        1. Schade dass ich erst jetzt dazu komme zu antworten, Danke für Deine ausführliche Antwort. Die Diskussion entwickelt sich ja sehr spannend. Wie viele andere stehe ich dem Thema Hochsensibilität und vor allen den Internetselbsttests sehr skeptisch gegenüber. Allerdings kann ich an dem Thema selbst nichts schlechtes finden, wie manch andere hier. Denn ob etwas gut oder schlecht ist hängt davon ab wie man damit umgeht. Das gilt auch für andere „fragwürdige“ Konzepte wie Horoskope…

          Dass die Hochsensibilität für jeden so unterschiedliche Auswirkungen hat und sich für manche als Fluch, für andere als Segen darstellt liegt glaube ich daran dass nicht wirklich darauf ankommt wieviel man wahrnimmt. Vielmehr ist entscheidend ob das was man an inneren und äusseren Eindrücken aufnimmt in einem ausgewogenen Verhältnis zur Aufnahmekapazität steht. Ebenso wie das was man leistet in einem ausgewogenen Verhältnis zur individuellen Leistungskapazität stehen muss.

          Ein Beispiel: eine befreundete Tierärztin berichtete mir dass Katzen wesentlich mehr an Schmerz empfinden als Menschen fühlen. Aber zugleich liegt ihre Grenze dessen was sie an Schmerz ertragen können um ein vielfaches höher. Deshalb kann beispielsweise eine Katze mit fortgeschrittener Gelenksarthrose manchmal noch laufen ohne zu hinken während ein Mensch mit vergleichbaren Veränderungen bereits in Ruhe starke Schmerzen verspürt und das Gelenk nicht mehr belasten kann.

          Ähnlich denke ich verhält es sich beim Thema High-Need-Baby. Entscheidend ist nie das Baby allein. Viele einzelne Faktoren tragen dazu bei ob das was ein Baby braucht und das was die Umgebung dauerhaft zu geben imstande ist ohne sich zu erschöpfen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen oder nicht. Und manchmal kommt es auch bei „normalen“ Kindern eben phasenweise zu eklatanten Missverhältnissen die vielleicht eine Pathologisierung nahelegen die aber eigentlich nicht angebracht ist.
          (Ich kenne eine Familie die als fünftes Kind ein wortwörtliches 24-Stunden-Baby bekommen hat, lief eigentlich ganz gut soweit, aber nur weil die großen Geschwister sehr reif und liebevoll waren und sich bei der Dauerbespaßung praktisch überschlagen haben, so konnten die Eltern kurz auch mal nebenbei was anderes machen oder sich zumindest mal entspannt danebensetzen > nicht das Baby allein zählt, sondern die Gesamtsituation)

          So kann beispielsweise die Tonlage auch in Anbetracht dessen was man dauerhaft (er)tragen eine nicht unwesentliche Rolle spielen wenn man sensibel ist. Natürlich löst ein Baby bei seiner Mutter immer Stress aus wenn es schreit aber ich persönlich empfinde zum Beispiel Babys die schrill kreischen und quietschen als besonders belastend. Zum Glück wählt meine Tochter die schrille Kreischtonlage nicht wie andere Babys als Standardkommunikation oder sogar Glücksgeschrei, sondern nur in absoluten Notfällen (z.B. die böse Mama will ihr im weglaufen von hinten die Windel dranbasteln 😉 ). Eine Stunde Krabbelgruppe mit lauter glücklichen Schrillquietschbabys laugt mich manchmal mehr aus als eine ganze Nacht Zähnchenkriegen, oder ein ganzer Tag hinterherrennen. Ich machs halt trotzdem …

          Ich weiss gut wie es sich anfühlt ein aufgedrehtes Baby stundenlang in den Schlaf begleiten zu müssen. Ich weiß wie es ist nach einem nichtendenwollendem Tag Nachrennen und Dauerbespaßung eines eigentlich ganz ausgewogenen aber nunmal sehr quirligem, furchtlosen und neugierigem Lauflernbaby auch noch die letzten Kraftreserven mobilisieren und immer wieder den Zappelfrosch in die Trage hieven zu müssen. Aber das wissen vermutlich fast alle Eltern. Ich weiß nicht ob Merle ein High-Need-Baby ist oder nicht. Ich denke das spielt auch keine Rolle. Aber wenn sie mich dann noch zur Krönung mit eine schrillen Quietschetonlage beglücken würde die mir direkt aus der Trage in die Ohren gellt… puh dann wären jedenfalls meine Reserven (und die halten in der Regel lange und sind oft schnell wieder aufgestockt) bald erschöpft.
          Zum Glück hat sie eine beinharte und duldsame Mama die das mitmacht, aber wenn ab und zu die Grenzen der Belastbarkeit ausgereizt oder überschritten werden denke ich muss das kein Grund sein an deiner Leistungskapazität oder Hingabe oder an der Angemessenheit von Merles Bedürfnissen zu zweifeln. Und ich denke auch nicht dass das Deine Gäste hier tun sollten.

          Was das Bloggen angeht und die angesprochenen Schwächen wie übertriebene Selbstbezogenheit oder Narzißmus, ich hoffe sehr Du hast das nicht als Anspielung auf Dich bezogen, denn so war das ehrlich nicht gedacht. Mit dem Bloggen kenne ich mich ehrlich gesagt nicht aus, Ich versuche möglichst wenig das Leben anderer zu konsumieren und auch die Zeiten in denen meine Tochter mich gebannt aufs Handy starren sieht möglichst gering zu halten, deshalb widerstehe ich bisher der Versuchung mich bei Insta anzumelden (das ist meine Form von Minimalismus, irgendwo mus jeder sparen 😉 ). Bei Dir mache ich eine Ausnahme weil Du halt bis auf wenige „Ausrutscher“ fast ausschließlich Themen bearbeitest die auch mir wichtig sind: persönliche Entwicklung, Wohlbefinden, Fitness, lange Haare, Leben mit Baby… das passt halt einfach so toll.

          Dass Du manche meiner Äußerungen als „Wohltat“ bezeichnest freut und ehrt mich sehr.

          Liebe Grüße
          CarMaMia

          1. Und jetzt bin ich sehr spät dran mit einer Antwort. 🙂
            Erst mal lieben Dank, dass du für mich und meinen Blog eine Ausnahme machst, das ehr mich sehr! 😀 Ansonsten wieder sehr viel wahres und gutes in deinem Text, ich schaffe es jetzt nicht auf alles einzugehen. Thema High-Need oder nicht:
            Das ist wie bei allen Kategorien ja wieder etwas, was keine harte Grenze hat, sondern, was mit Grauzonen daher kommt. Ich habe tatschlich das Buch von Dr. Sears hier und es hat mir in den ersten Monaten teils den Verstand gerettet, wenn ich das Gefühl hatte, niemand versteht, wie das mit Merle ist. Was nicht stimmte. Ich habe zwei Bekannte bzw. nun auch Freundinnen, die ein ähnlich „neediges“ Baby haben bzw. hatten (hatten, weil jetzt älter). Aber die waren beide nicht direkt hier vor Ort. Sears nennt ja 10 Kroiterien, die ein Baby zu einem High-Need-Baby machen. Wir hatten hier ja nach Tagesform 7 bis 9 Kriterien erfüllt. Mittlerweile sind es deutlich weniger. Im Artgerecht-Buch ist von „langsamen Anpassern“ die Rede, auch das wird unsere SItuation hier etwas gerecht. Es ist auch letztlich nicht wichtig, wie man es nennt. Wichtig für mich war, dass ich über dieses Schagwort erst in der Lage war mir passgenaue Hilfe zu suchen. Ich mochte dieses Label lange nicht, es klingt pathologisch und wird meinem kleinen Kraftprotz nicht gerecht. Sie ist ein so fröhliches Baby geworden bzw. das war sie recht schnell: fröhlich tags und strahelnd sonnig, aber abends und nachts wie ein anderer Mensch.
            Es ist ähnlich wie mit der Hochsensibilität. Ich kann mich dahiner verstecken oder es als Diagnose empfinden oder es als Ansatz nehmen, um gezielte Informationen zu suchen um besser durch die „mitgelieferten“ Schwierigkeiten zu navigieren. Ich habe mich für letzteres entschieden. Tue ich eigentlich immer. Problematisch ist dabie leider nur, dass das Umfeld oft eher die Pathologisierung sieht. Deshalb finde ich es auch eigentlich schöner zu sagen: „Sie sorgt gut für sich.“ Das sagt Sears ja auch. Diese Babys haben vor allem einen sehr starken Willen. Sie lassen sich nicht abspeisen. Sie sind prädestiniert für bedürfnisorientierte Elternschaft, weil sie keine andere Form zulassen. Und dafür bin ich Merle dann wiederum dankbar. Wie meine Kidnerärztin auch sagte bei der letzten Untersuchung, da war Merle ein halbes Jahr alt. „Oh ja, mit der haben sie Spaß! Durchhalten. Weitermachen. Das zahlt sich im nächsten halben Jahr alles aus.“ Wie Recht sie hatte. <3

          2. Bezüglich Tonlage: Ohhhh ja. Es gibt Tage, da nehme ich Oropax. Ich höre sie trotzdem gut genug und gehe auf sie ein (sitzt ja dann bei mir in der Trage), aber ich habe dann nicht mehr das Gefühl gleich irre zu werden. Manchmal hilft so eine Kleinigkeit.

          3. Achja, da sagst Du etwas Wahres. Tags wie ein Sonnenschein, aber nachts wie ausgewechselt. Ich nenne das gerne den Gremlin-Effekt. Die Regeln sind auch ähnlich, nur dass das was bei Gremlins auf keinen Fall gemacht werden darf beim Mogwai/Gremlin-Baby unbedingt erforderlich ist:

            – Dem Sonnenlicht aussetzen? ja klar, am besten den ganzen Tag draußen verbringen… und jedes mal bitterliches Weinen und energischer Protest wenn man wieder in Haus möchte.
            – Nass machen? auf jeden Fall! Das allabendliche Duschen/Baden/Waschen ist Pflicht und gehört hier zur unverzichtbaren Abend“routine“ (wenn man das Routine nennen darf)
            – nach Mitternacht füttern? unbedingt! wieder und wieder. je mehr desto besser! 😉

            Passt wohl nicht mehr wirklich zum Thema, aber eine passende 4-Uhr-am-Ende-einer-langen-Nacht-Antwort…

            Liebe Grüße

          4. Oweia. Hier wurde es heute auch halb vier. Halb zwei bis hab vier. Schleppen, trösten, stillen. Aber es wird besser. 🙂

  15. Das ist ein Thema, mit dem ich schon lange hadere. Denn mir ist seit vielen Jahren bewusst, dass ich Stress schlechter als andere wegstecken kann und habe das schon oft als Hemmnis und Belastung empfunden. Anfang 20 habe ich es auch ähnlich wie Du schon mal zu einem Burnout gebracht. Geruchs- und Lärmsensibilität trifft bei mir voll zu, meine persönliche Hölle heißt Lush sowie sämtliche Parfümerien. Ich kann mich immer nur schwer dazu zwingen, Leute trotz unharmonischer Stimmfarbe nicht abzulehnen. Ich hasse Rasenmäher, Laubbläser, Motorräder, eigentlich Autos insgesamt. Ich weiß nicht, ob es stimmt, wenn Du schreibst, dass Stressbewältigung erlernbar sei, Hochsensibilität jedoch nicht. Aus eigener Weinverkostungserfahrung kann ich versichern, dass sowohl Wahrnehmung als auch Verbalisierung des Wahrgenommenen durch Übung sehr verbessert werden können. Auch widersprichst Du Dir etwas, wenn Du schreibst, dass zunächst alle Säuglinge hochsensibel sind, nur manche eben nochmal mehr. Hier scheint mir auch der Knackpunkt zu liegen – meiner bescheidenen Alltagserfahrung gemäß sollte man bei diesem Thema eher von einem graduellen als absoluten (wie auf zartbesaitet beschrieben) Unterschied ausgehen. Vielleicht bewahrt sich ja ein Teil der hochsensiblen Säuglinge diese Aufnahmefähigkeit gerade dadurch, dass in einigen Elternhäusern mehr darauf eingegangen wird, während andere quasi überlebenstechnisch abhärten müssen (z.B. wer in kinderreichen Familien aufwächst mit automatisch höherem Lärmpegel). Ich war gerade im Auslandssemester und war dort mit einer grundsätzlich lauteren Gesprächsführung und anderen Arten von Geselligkeit konfrontiert und hatte viel Gelegenheit, über kulturelle u./o. charakterliche Unterschiede nachzudenken, weshalb mir jetzt einiges viel relativer vorkommt.
    Es ist wohl nicht verkehrt, sich mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen, aber letztendlich muss ja jeder irgendwie in der Gesellschaft seine Nische finden, Nabelschau hin oder her. Da hast Du es mit Deiner Extraversion glaube ich zumindest in einem Bereich leichter. Und das Visuelle, was Dir so liegt, wird in unserer Kultur ja ebenfalls sehr befördert.

    1. Auf den hochsensiblen Säugling geht Elaine Aron auch verstärkt ein. Darauf was passiert, wenn er in seiner Sensibilität wahrgenommen wird und darauf eingegangenn wird als auch wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht geschieht. Eingehen auf Bedürfnisse ist gerade in den jüngsten Jahren erwiesenermaßen ja etwas, was Menschen für ihr Leben prägt und stärkt. Darum dreht sich ja auch eigentlich alles rund um bedürfnisporientierte Erziehung. Bindungsverhalten wird maßgeblich in der ersten Zeit bestimmt. Später ist es harte Arbeit da noch zu korrigieren. Das gilt für alle Babys. Für hochsensible gilt dabei laut Aron noch mal mehr, dass sie sehr davon profitieren, wenn man sie in dieser Sensibilität wahrnimmt und ihnen entspricht. Ihnen entsprechen heißt nicht sie komplett abzuschirmen, sondern ihnen mehr Zeit und kleinere Schritte in bestimmten Bereichen einzuräumen, als das andere Babys brauchen. HSP Babys leiden laut ihr aber auch mehr darunter, wenn dieses Aufsieeingehen nicht stattfindet 8aus welchen Gründen auch immer, da muss es ja überhaupt nicht um vernachlässigung gehen, manchmal ist es eben einfach zu laut, zu trubelig, zu was auch immer.
      Sensorische, kognitive und empathische Fähigkeiten lassen sich trainieren auf jeden Fall. Bei HSP ist einfach der Ausgangspunkt schon ein sehr hoher.
      Ich würde in dem Kontext ein weiteres meiner liebsten Zitate anbringen:
      Hard work beats talent, if talent doesn’t work hard.
      Das Talent ist in dem Fall die Hochsensibilität (in dem Fall! sie ist ja nicht nur eitel Sonnenschein). Wenn man damit aber nichts macht, kann man tortzdem von jemand normal sensibeln in die Tasche gesteckt werden. Man wird das, was man häufig tut.
      Genauso können Hochsensible robuster sein, als Leute ohne HSP, wenn sie die entsprechenden Techniken erlernt und oft genug angewendet haben.
      Hmmmm… ja doch, du hast recht da widerspreche ich mir als. Beides ist lernbar. Ich gehe mal korrigieren. Danke für den Anstoß! 😀

  16. Vertraue niemals einem Test im Internet. Wirklich. Da blutet mein Diagnostikerherz. Seriöse Tests werden in jahrelanger Arbeit entwickelt, geprüft und normiert, niemand würde so einen Test kostenlos ins Netz stellen. Alles, was man frei zugänglich im Internet findet, ist entweder Schrott oder geklaut. Also absolut nicht vertrauenswürdig. Dein „getesteter IQ“ sagt somit erstmal gar nichts aus. Wenn du deinen IQ ernsthaft wissen willst, lege ich dir ans Herz, einen Test bei einem professionellen Diagnostiker zu machen. Das kostet natürlich, aber dann ist es auch ein ordentlicher Test, der manualgetreu durchgeführt wird und dadurch insgesamt aussagekräftig ist 🙂
    Dann noch ein paar Anmerkungen zum MBTI: Weißt du, dass dieser Test und die ganze Theorie dahinter in der Wissenschaft höchst umstritten, um nicht zu sagen verpönt ist? In zahlreichen wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass die psychometrischen Eigenschaften des Tests ein Graus sind und die theoretische Fundierung mehr als fragwürdig. Um das herauszufinden, reicht es schon, den Wikipediaartikel dazu durchzulesen. Für mich ist der MBTI jedenfalls ein Paradebeispiel dafür, dass sich eben nicht das durchsetzt, was gut ist, sondern das, was gut vermarktet wird.

    Im eigentlichen Thema deines Artikels, also Hochsensibilität, bin ich nicht so drin. Auch hier: Achtung bei kostenlosen Tests im Netz. Allgemein bin ich persönlich aber kein Freund von Kategorien. Mir hilft das auch nicht wirklich, wenn ich mich selbst irgendetwas zuordnen kann. Letztendlich sind diese Kategorien alle menschengemacht und mehr oder weniger Willkür. Und ich bin einfach ich. Mehr muss ich nicht wissen.

    1. Der Wissenschaftler in mir gibt dir Recht, aber ich bin schon sehr vielen Leuten begegnet, die das für Bare Münze nehmen v.a. Entscheider und Coaches. Deswegen macht es Sinn, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen und sei es nur, um zu verstehen, woher diese Leute ihre Ideen haben und entsprechende Entschedungen fällen. Eine Typisierung kann auch dabei helfen, seine Gedanken zu sortieren und das Handeln zu beschleunigen, bevor man zu viel Zeit in seine eigenen Theorien weiterspinnt und sich mit dem „Warum bin ich anders als die anderen“ bzw. „Warum bin ich so wie ich bin?“-Gedanken im Kreis dreht. Ich glaube aber auch fest daran, dass viele Online Tests eine selbsterfüllende Prophezeihung sind. Du kriegt genau das Ergebnis, was du erwartest xD

  17. Interessant – hab den verlinkten Test mal gemacht und komme auf 185 Punkte, was mich als hochsensibel einstuft – dabei hab ich mich eher dem in einem Kommentar erwähnten „Bauschutt“ (danke für den Lacher!) zugehörig gefühlt^^ Solche Tests hab ich schon früher angefangen, um dann meistens genervt nach der zweiten Frage oder so abzubrechen.

    LG, Lisa

  18. Interessantes Thema!
    Wenn es wissenschaftlich belegt wurde, dass 15-20% der Menschen neuronal sensibler reagieren auf Reize als die anderen 80-85%, dann ist Hochsensibilität ja durchaus ein feststellbarer Zustand.

    Ich muss nur ehrlich sagen, dass ich es in der Hinsicht wenig sinnvoll finde, an einem Internettest festzumachen, dasss man nun eine HSP ist oder nicht. Das hat wenig damit zu tun, wie man grade im Moment des Tests sich selber einschätzt (was zumindest bei vielen Frauen im Laufe des Zyklus ja auch schwankt), sondern damit, ob man nun einen größeren elektrischen Impuls MESSEN kann, oder nicht. Das sind absolute Zahlen, die nichts mit relativen Gefühlen zu tun haben.

    Ich mag jetzt den Leuten nicht absprechen, dass sie in der Lage sind, ihre HS wirklich wahrzunehmen. Aber ich glaube, bevor man sich selbst mit Sicherheit als HSP bezeichnet, sollte man das wissenschaftlich feststellen.

    Laut diverser „seriöser“ und weniger „seriöser“ Internettests hätte ich mit meinem letzten Partner auch auf ewig zusammen bleiben sollen. Sind wir aber nicht.

    Internettests sollten mMn nicht herangezogen werden, um sich in irgendeine Ecke/Schublade/einen Zustand, etc. einzuordnen, wenn diese/r ausschließlich durch empirische Beweisführung festgestellt werden kann.

  19. Liebe Heike,

    ich habe den Test zu „Testzwecken“ auch gemacht. Ich bin selbst nach keiner Deiner Beschreibungen hochsensibel, bin mir aber ziemlich sicher eine zu kennen. Zwei Dinge sind mir aufgefallen: eine Frage ist fast doppelt, und ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen ob das absichtlich ist 🙂

    Und dann ist das Ergebnis für nicht hochsensibel sehr (Achtung, Kalauer) unsensibel formuliert. Zitat „haben öfters die Neigung, rücksichtslos zu sein – in erster Linie sich selbst gegenüber, und eventuell auch anderen, sensibleren, Menschen gegenüber.“ Und so weiter und so fort. So eine Ergebnis lässt mich auch an der Aussagekraft der anderen Ergebnis zweifeln.

    LG

  20. Liebe Heike,
    ich hatte bereits vor längerer Zeit einmal kommentiert, dass ich generell eher nicht so viel kommentiere, meistens aus Zeitmangel. Dennoch möchte ich Dich wissen lassen, dass ich nahezu jeden Deiner Artikel in Ruhe und mit Interesse lese. Das Thema der Farbtypbestimmungen, welches Du schon des Öfteren angeschnitten hast, interessiert mich persönlich zwar weniger, aber Du schreibst wirklich jedes Mal so toll recherchierte Beiträge, dass ich eben auch diese lese. Einfach, der Allgemeinbildung wegen und weil ich Deinen Schreibstil und Deine ehrliche Selbstreflexion äußerst schätze. (Als Beispiel: Du schriebst mal, dass andere Mütter immer so positiv wie möglich von ihren Babys sprechen, und dass Du Merle zwar auch nicht als schwierig abstempeln möchtest, aber dass sie schon ein sehr forderndes Baby ist und Du das auch nicht verschweigen willst – ich hätte Dich für diesen Satz damals knutschen können, denn dieses „ach mit Baby ist ja alles so rosarot“, was man von nahezu allen Eltern hört, geht mir tierisch auf den Senkel!).
    Danke Heike, Dein Blog ist Gold wert und hat eigentlich noch eine viel höhere Reichweite verdient, denn nur selten findet man solch anspruchsvolle und ausführlich beschriebene Themen auf einem Blog.

    1. Wow, vielen lieben Dank, das ehrt mich sehr! Ja, gerade die Authentizität mit Baby ist mir sehr wichtig. Wenn alle Welt glaubt, dass es mit Babys nur toll ist, dann sind die Erwarzungen an so ein neugeborenes ja riesig, die kann es ja gar nicht erfüllen, das macht ja dann keine gute Laune auf beiden Seiten. Es ist und bleibt wahnsinnig ambivalent. So viel Liebe und so viel Uff. 😉

  21. Liebe Heike,

    auch ich dürfte zum HSP-Club gehören. Ich kann mich allerdings schwer zwischen Introvertiert und Extrovertiert verorten, bin wohl am ehesten eine extrovertierte HSP. Als Kind klar introvertiert und immer matt und müde, hat sich als Erwachsene meine „Energieressource“ inzwischen so weit vergrößert, dass ich nicht-langjährigen Wegbegleitern als extrovertierte Person auffalle.
    Meine Schwerpunkte kann ich nicht definieren, weil alle drei Bereiche so stark ausgeprägt sind: Ich habe z.B. als Analytikerin gearbeitet, weil meine kognitive Ebene so stark ausgeprägt ist, bin gleichzeitig extrem kunstaffin und sehr kunstsensibel, und in Gesprächen höre ich mehr Zwischentöne als das eigentlich Gesagte. Puh! Dabei ist es für mich gar nicht so wichtig, mich korrekt zu verorten, weil ich finde, dass alles gut ist. Hochsensibilität ist eine Begabung, ohne der mir viel fehlen würde. Schön, dass wir so viel entdecken können, wo andere nur die Oberfläche sehen!

    1. Oh, das liest sich sehr nach mir, da scheinen wir sehr ähnlich zu sein, bloß war ich als Kind auch schon sehr lebhaft. Aber so der berufszweig. ich komme ja eigentlich aus den Naturwissenschaften, habe dann aber auf grafikdesign gewechselt. Mich da zu entscheiden ist mir super schwer gefallen. Mich interessiert einfach sehr viel und ich kann auch viel. Bei höherer Mathematik hat es dann irgendwann aufgehört (auch aus Desinteresse schätze ich, ich WOLLTE es irgendwann auch nicht mehr verstehen)… 😉

      1. Ja, stimmt, klingt sehr ähnlich! Ich bin in meiner Ausbildung auch verstärkt in Richtung Naturwissenschaften gegangen, habe aber eine deutliche sprachliche Begabung (ich kann sogar Programmiersprachen wie „Vokabeln“ lernen). Und ich habe in Mathematik z.B. maturiert, weil ich das Fach total spannend fand (Differentialrechnung war mein Schwerpunkt, wir zwei verstehen uns :D), aber halt nicht so gut konnte. Ich denke einfach nicht mathematisch, sondern umständlich *lacht* vielleicht sollte ich doch diesen Test mit den 4 Buchstaben, der dich und Lenya so begeistert, mal machen? Wäre sicher lustig! Ansonsten: ich interessiere mich leidenschaftlich für sehr, sehr viele Themen, und manchmal hätte ich drei Leben gleichzeitig, um allein alle Ausbildungen und Kurse machen zu können, die ich so gern machen würde!

  22. Laut Test wäre ich relativ wahrscheinlich hochsensibel (188 Punkte) – glaub ich aber nicht dran. Ich bin akustisch sehr „gut“ unterwegs, höre Lieder in vollen Bars sofort raus, wenn andere nicht mal merken, dass überhaupt Musik läuft. Aber sonst? Dazu bin ich ein extrovertierter Introvertierter, will heißen, ich bin laut und präsent und jeder würde denken, ich bin extrovertiert. Tatsächlich stressen mich soziale Situationen aber sehr und nach 24 Stunden mit meinen besten Freundinnen brauch ich quasi einen Tag Erholung.
    Haaaaach, ich weiß nicht. Ich tu mich so schwer mit solchen „Labeln“, weil ja doch alles irgendwie Skalen sind. Mit einem IQ von 130 ist man hochbegabt – und wenn man nun „nur“ 125 hat? Dann nicht? Und gibt es dann auch das Gegenteil von Hochsensibilität? Ich hätte da vermutlich so ein Exemplar neben mir auf dem Sofa sitzen… Ich bin dann doch sehr dafür, dass man einfach jeden Menschen für sich persönlich betrachtet. Denn wie du ja so schön beschreibst, bringt einem das „Label“ eben nichts, wenn man dann nicht dem klassischen Bild entspricht. Entscheidend ist doch, ob man sich selbst gut kennt, weiß, was man braucht und wo man aufpassen muss. Das gilt für hochsensible genauso wie für „normale“ Menschen.

    1. „Extrovertierte Introvertierte“ sind gar nicht so selten, genauso wie „introvertierte Extrovertierte“. Extrovertierte Intros profitieren sehr davon so zu sein, weswegen es eine erlernte Art ist. Man kommt bei uns gesellschaftlich sehr viel weiter, wenn man sich zumindest ein größeres Stück Extrovertiertheit soweit aneignet, dass man sich darin wohlfühlt. Wenn ein eigentlich extrovertierter dagegen introvertiert erscheint hat das meistens etwas damit zu tun, dass es demjenigen nicht gut geht, denn von gelebter Introvertiertheit wider die eigenen Bedürfnisse hat derjenige hauptsächlich eins: Schutz. Dieses verhalten resultiert also öfter aus Ängsten oder aus der hier zum Thema Hochsensibilität beschriebenen Überreizung.
      Zudem gibt es ja immer Grauzonen und Tagesformen. Wie immer bei Artikel, die sich mit soclehn Labeln befassen gibt es die, die sie lieben und die, die sie eher ablehnen – was ganz witzig ist, weil ich damit per se auch schon wieder zwei Kategorien aufmache (und die dritte derer, denen es recht gleich ist, es also mit mildem Interesse lesen, aber weder ablehnen noch sich dafür begeistern).
      Ich mag Label gerade hier für Blogcontent gern, weil es mit solchen Labeln möglich ist konkrete Hilfestellungen zu geben. Egal in welchem Lebensbereich. Kategorien also wie schon erwähnt als Schnittmengen und Richtungsweiser nicht als strenge Schubladen und Begrenzungen. Man kann eben doch viel Informationen da heraus holen, wenn man weiß: bin ich (oder Person XY, die mich gerade sehr interessiert warum auch immer), Mann oder Frau, introvertiert oder extrovertiert, welcher Farbtyp, wie sensibel, Eiweißtyp oder Kohlenhydrattyp, HSP oder nicht, dünnhaarig oder dickhaarig etc.
      Kategorien sind für mich dafür da zu ordnen und zu vereinfachen. Gezielterer Trial und dadurch weniger Error. Begrenzen mag ich mich davon nicht. Ich weiß bloß eben vorher bei welchen Aspekten ich WAHRSCHEINLICH mehr Energie aufwenenden muss als bei anderen.

  23. Hallo Heike,

    ich leide seit einigen Schicksalsschlägen in der Familie an Haarausfall. Schon seit mehreren Jahren mal mehr mal weniger. Diese Schicksalsschläge belasteten und belasten mich noch immer sehr. Mehr als es „normal“ ist. So gelangte ich irgendwann auch zu einem Artikel über HSP und fand mich darin wieder.
    Denkst du denn, der Haarausfall hängt unmittelbar damit zusammen? Bzw. habe ich schon oft darüber nachgedacht, ob HSP vermehrt Stress haben bzw. Stresshormone im Körper und auch der Mineralienverbrauch höher sein könnte. Im Internet findet man dazu leider garnichts.
    Gerade habe ich wieder eine Phase, in der sehr viele Haare ausfallen und ich finde sonst keine Ursache. Ich ernähre mich vegetarisch, ausgewogen, überwiegend basisch, nehme Supplemente usw.
    Vielleicht will der Körper damit ein Signal senden, dass die Lebenssituation, in der man sich gerade befindet, nicht die richtige ist…
    Hm wirklich schwierig. Ich habe das Gefühl, den Anforderungen, die das „moderne“ Leben an uns stellt, aufgrund der Hochsensibilität nicht genügen zu können. Meine Energie ist immer so schnell verbraucht. Vielleicht fallen deshalb ja wirklich die Haare aus.Hast du dir denn zu dem Zusammenhang Gedanken gemacht?
    Liebe Grüße
    Juliane

    1. Liebe Juliane, entschuldige bitte, dass ich erst jetzt zum Antworten komme.
      Ich denke, es kann einen mittelbaren Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Haarausfall geben. Mittelbar deshalb, weil die Hochsensibilität allein sicherlich keinen Haarausfall macht, sie aber begünstigt eben besonders empfindlich auf Ungleichgewichte im Umfeld zu reagieren. stress ist ein großer Faktor bei Haarausfall und je schneller eine Person gestresst ist (und je stärker dabei) desto mehr KANN sie auch stressbedingter Haarausfall treffen. Muss aber nicht. Jeder hat so seine eigenen Somatisierungen. Bie manchen ist es das Haar, bei anderen sind es die Gelenke (gern der Rücken), der Bauch, das Herz… Stresskopfschmerz und stressapetitlosigkeit ist nur gesellschaftsfähiger als Stresshaarausfall, da wird dann leider oft von vielen Menschen im Umfeld ein bisschen mit den Augen gerollt.
      Dennoch würde ich dich bei solchen körperlichen Problemen – denn das ist auch Haarausfall – immer erst mal zu deinem Hausarzt schicken. Blutwerte checken lassen. Sich vordergründig gesund zu erähren ist leider so allein nicht aussagekräftig. Das tue ich auch seit Jahren und muss trotzdem bei einigen Werten sehr aufpassen und teils mit Supplementen nachhelfen.
      Was das Signal des Körpers angeht: Mit Sicherheit ja und nein. Dafür ist Schmerz ja immer da, um zu zeigen, das „etwas“ nicht stimmt. Was das ist, das ist dann die Frage und gilt es herauszufinden. Ein Faktor von außen? Etwas, was fehlt? Etwas, was zu viel ist? So, wie du direkt damit beginnst, dass du Schicksalsschläge erlitten hast, ist es zumindest nicht abwegig, darüber nachzudenken, dass nicht nur deine Seele sondern auch dein Körper die Aiswirkungen deutlich gespürt hazt und noch spürt. In dem Kontext könnte Epigenetik ein spannendes Thema für dich sein. Da geht es auch sehr darum wie Beziehungen und Lebensstile (und somit auch drastische Erfahrungen genauso wie Gewohnheiten) Einfluss darauf haben, welche Gene exprimiert werden und welche nicht. Die Verbindung Körper und geist lässt sich neurobiologisch schon sehr gut greifen, das ist schon sehr spannend.

  24. Gefühlt kam jeder in meinem Bekanntenkreis auf die Idee hochsensibel zu sein. Irgendwann fragte ich mich auch, ob ich davon betroffen bin oder ob das nur so ein cooles neues Modewort ist.
    Schließlich gehöre ich zu den Leuten, die einen extremen Gehörsinn haben und sich nicht konzentrieren können wenn jemand telefoniert, die von Zugluft krank werden, die es sofort merken wenn das Essen schlecht ist oder ein Gewürz fehlt, keine enge Kleidung mögen geschweige denn Strumpfhosen, wegen Kleinigkeiten durchdrehen, kein gemischtes Essen auf dem Teller leiden können, von Einsamkeit erschlagen werden wenn sie alleine spazieren gehen, einen kompletten Zusammenbruch erleiden wenn zu viel auf Einmal neu/fremd ist, alles hier jetzt und sofort brauchen (insbesondere Essen!!!), nicht schlafen können wegen so ner dummen Leuchtdiode am Fernseher uswusf. … aber ich bin nicht krass empathisch (auch wenn mich ständig jemand um Rat bittet), sondern extrem analytisch, besitze kein gutes Gedächtnis (außer für Musikstücke und Stimmen), hab einen schlechten Geruchssinn, übersehe gerne Dinge die vor mir stehen und habe ein Auge für Seltsames und Ungewöhnliches, bin nicht besonders introvertiert (brauche Rückzugsraum, aber auch Party), . und das mit dem Energiebalken kann ich so was von nachvollziehen, weil ich letzte Woche von grün auf tiefrot gewechselt bin und dann erstmal im Bett lag.
    Ist es das, was du mit introvertiertem und extrovertierten HSP meinst? Kann ein ENTJ überhaupt so etwas haben oder ist das eine Eigenschaft von den F-Typen?

    1. Ui, also bezüglich HSP im MBTI-System, da bin ich raus. Dafür bin ich nicht gut genug mit dem MBTI. Und mag dazu an der Stelle auch noch mal sagen dass der MBTI ein Type INDICATOR ist. Er weist eine Richtung. Aber er ist nicht in Stein gemeißelt. Sobald etwas aus der klinischen Psychologie dazu kommt greift er sowieso nur noch sehr bedingt – und die meisten Menschen haben doch zumindest eine Baustelle, die in diesen Bereich fällt.
      Versuch Hochsensibilität nicht als etwas zu sehen wovorn du „betroffen“ sein könntest. Es ist keine Diagnose. Nur ein Erklärungsansatz, der helfen kann bei bestimmten Häufungen im Umgang mit Umweltreizen besser reagieren zu können. Man muss nicht alle Kriterien erfüllen. Hsp ist nicht gleich HSP. Manche erfüllen alle Kriterien zu einem moderatem maße, manche nur ein paar, die dafür aber sehr ausgeprägt. Und natürlich gibt es auch Menschen die alle Kriterien erfüllen und die auch noich mit Wucht. Ich bin kein Extrem zum Beispiel. Ich bin nach den Kriterien die Elain Aron anlegt eine eindeutige HSP, aber da ist noch viel Luft nach oben. Ich sage: das ist auch gut so. Mir reicht das, was ich davon mitbekommen habe. 😉 Letztlich ist es aber egal. Wäre ich sensinler wäre das mein Ich, wäre ich weniger sensibel wäre ich das auch. Es ist ein Aspekt meiner Persönlichkeit. Einer,d er sich ganz shcön wichtig machen kann, aber sicherlich nicht der einzige, der bestimmt, wie ich lebe und interagiere.

  25. Wenn ich mir die Kommentare durchlese fällt mir auf: Gefühlt eher 85% statt der 15-20% bezeichnet sich als hochsensibel. Klar, das ist natürlich absolut nicht repräsentativ. Wer speziell diesen Artikel kommentiert oder sich allgemein mit dir identifiziert und daher dem Blog folgt, hat natürlich eher mit der Thematik zu tun. Ich möchte niemandem etwas absprechen.
    Jedenfalls kommt es fast so rüber, als wäre es den anderen unangenehm NICHT hochsensibel zu sein. Muss es nicht! Es ist damit nicht gesagt, dass man nicht „trotzdem“ ein intuitiver, kreativer, einfühlsamer Mensch mit sensorischen Begabungen sein kann!

    Das wollte ich hier nur gesagt haben. Damit ist auch nicht der Artikel selbst gemeint, der mehrere Seiten beleuchtet (auch ein Grund, weshalb ich diesem Blog gerne folge).

    Hochsensibilität kann wirklich sehr belastend sein und mitunter auch im Alltag einschränken. Wobei das vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich emotional instabil bin („Borderline“), was vermutlich relativ häufig Hand in Hand geht. Wobei ich auch das nicht als Entschuldigung verwende, sondern eher als Erklärung bzw. als Wissen, wo man für Hilfe ansetzen kann. Wie du ja schon sagtest: Es geht hier nicht um mimimi, sondern darum, sich besser zu verstehen und besser klar zu kommen.

    Liebe Grüße 🙂

    1. Etwas als Erklärung statt als Entschuldigung zu sehen, finde ich einen sehr guten un d gesunden ANsatz. 🙂 Vermutlich, weil es auch meienr ist. 😉
      Diese Häufung ist mir auch schon aufgefallen. Ich komme nicht mehr drauf, wo ich das gelesen habe, aber in dem Kontext ist mir mal was untergekommen, dass Hochsensibilität eventuell (vorsichtig gefährliches Halbwissen!) immer häufiger auftritt, weil unsere Umwelt eine so starke Reizüberflutung bietet. Wir züchten uns quasi unsere HSPs war der Tenor. Und das kann ich mir schon vorstellen. Noch dazu die Verschiebung der Gewichtung durch die von dir genannten Aspekte von „Wer hier kommentiert“ und so.

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