17. März 2018

Wie ist das Leben mit Kind? – 6 Monate altes Baby

Der zweite Einblick in „Wie ist es denn nun wirklich?“ im Vergleich zu den Vorstellungen, die ich noch schwanger hatte. Oder auch noch vor ein paar Monaten.

Realität entsteht im Kopf

Das ist wohl die wichtigste Lektion, die ich jetzt nicht nur begriffen habe (das schon länger), sondern auch wirklich lebe. Nichts ist so wichtig wie die Einstellung, mit der ich durch meine Tage und Nächte gehe. Das gilt grundsätzlich, mit Kind aber noch mal mehr. Ich habe den Artikel hier zigmal angefangen, an ganz unterschiedlichen Tagen. Ein euphorischer war dabei, ein niedergeschlagener, einige gute und ein paar weniger Tage. Alle Standpunkte sind wahr und real, aber ich entscheide, was ich teilen will, denn es erschafft meine Realität mit. Gerade in Instagrams polierten Momentaufnahmen wirkt schnell alles schöner als es im Tagesmittel  tatsächlich ist, aber ich halte mir zu Gute, dass meine Texte immer authentisch sind und ich auch bei den Fotos keine Plastikwelt entwerfe, aber doch ja, ich lächle lieber auf Fotos. Bildmaterial zu völlig fertigen Tagen banne ich nicht für die Ewigkeit. Aber ehrlich darf und soll es weiter sein. Ich bin der Typ Mensch, der davon profitiert, wenn er weiß, was auf ihn zukommen kann, auch wenn es dann vielleicht nicht oder doch anders passiert. Deshalb teile ich auch hier das, was mich und euch weiterbringt: Ein Sandwich aus positiven Entwicklungen, realistischen auch härteren Alltagskämpfen und positiven Ausblicken.

Merle ist jetzt ein Babykind

Das ist eine Wortschöpfung von mir, um diesen Übergang zwischen Baby und Kleinkind zu greifen. Natürlich ist sie ein Baby, aber ich nutze den Begriff als Abgrenzung zum Neugeborenen und dem Baby, das sie noch bis vor ein paar Wochen war. Von der absoluten Abhängigkeit und gummihaften Körperlichkeit eines Neugeborenen ist nichts mehr übrig. Merle ist fest und stark und wild und weiß ziemlich genau, was sie will (wusste sie immer schon, wird nur jetzt noch deutlicher). Mit einem Baby, das anfängt mobil zu werden (sie robbt und krabbelt noch nicht, aber schiebt sich im Kreis, rückwärts und rollt schon zeimlich schnell und weit seitlich), das drei, ich korrigere: vier! Mahlzeiten Beikost am Tag futtert, mit Hilfe ziemlich sauber aus einem normalen Becher trinken kann, hat sie schon viel Kleinkindhaftes an sich. Auf der anderen Seite stillen wir immer noch oft (EDIT, ich sate ich, ich schreibe hier an mehrern Tagen:  also auch das Stillen hat sie in den letzten Tag DEUTLICH! reduziert) und sie braucht weite Strecken an Getragenwerden, um einschlafen zu können. Beim Tragen kein Editieren, das genießt sie sichtlich und fordert es auch ein. Das ist das sehr Babytypische. Aber auch das hat sich deutlich verschoben und ist genau jetzt, da ich diesen Artikel schreibe eben sehr im Umbruch hin zu derzeit bedeutend ruhigerem Schalf und so viel weniger Stillen, dass ich Milchmaschine hier manchmal sehr sehnsüchtig darauf warte, dass sie wieder was will, weil ich mit schmerzendem Atombusen rumlaufe. Was das Stillen angeht, hat sie etwas Wunderbares gelernt, wie eine Freundin so schön zusammenfasste: Sie weiß jetzt, dass ich und die Milch immer da sind, wenn sie sie braucht. Deshalb ist Futtern jetzt in der Priorität auf Platz zwei gerutscht. Platz eins ist nun dem Weltentdecken vorbehalten. Sie vergisst das Stillen tagsüber nun öfter, bis sie dann sehr hungrig/durstig ist und dann ist auch ziemlich Alarm. Aber vorher anlegen bringt nichts, da wird nur rumgeguckt und Merle macht dann sehr deutlich, dass das jetzt nicht das ist, was sie will. Nun, wie meine Freundin eben meinte: Sie kann es sich leisten. Den Entwicklungsschritt machen die meisten Babys in diesem Alter, aber es ist eben einer, der an Vertrauen gekoppelt ist und ich freue mich sehr, dass sie das aufbauen konnte, als Grundlage. Für noch sehr viel mehr als nur „Spielen ist wichtiger als Milch, Mama, pack die Dinger ein und zeig mir die Welt!“

Größter Fortschritt ist sicherlich, dass das abendliche Schreien, das noch bei 3 Monaten im Abklingen begriffen und noch nicht ausgestanden war, mittlerweile wirklich zur Geschichte gehört. Aus vielen Stunden schlimmem Gebrüll sind wenige Minuten „Oh Hilfe, ich bin so müde, dass ich vergessen habe, wie man einschläft!“ geworden. Benedict und ich flüstern öfter, wenn Merle grad in der Trage eingeschlafen ist: „Hörst du die Stille?“ Es ist wundervoll.

Alles in allem wird uns immer wieder von allen Seiten (Kinderärztin, andere Mütter, Rückbildungskurs) bestätigt, dass wir hier ein sehr aufgewecktes, aktives Kind haben. Die Begriffe „Rakete“ oder „Granate“ fielen noch öfter. Und wie die Kinderärztin so schön sagte: „Durchhalten, weitermachen. Das zahlt sich im nächsten halben Jahr alles aus.“ Ich sage, das tut es schon. Die Feuerprobe des ersten halben Jahres ist wirklich überstanden. Denn: Hört ihr die Stille? Tatsächlich editiere ich hier das letzte Mal währned Merles Vormittagsschläfchen. Was bedeutet, dass ich sie ablegen konnte und nach einer Weile auch das Bett verlassen durfte. Das geht erst seit knapp einer Woche also mit +6 Monaten. Jubel!

Aufstehen, Krone richten, weitermachen.

Aber oh ja, war bis vor sehr Kurzem war der Weg vom letzten Update (§ Moante altes Baby) bis hier hinmmer noch knüppeldick und es gab viel Tage, Nächte oder auch einfach Extremsituationen, in denen haben wir (Benedict und ich) uns gefragt (und tun es noch ab und zu), ob wir noch alle Latten am Zaun hatten, uns ein Kind zu wünschen. Aber das Schöne dabei ist, mit der Übung von einem halben Jahr können wir mehr darüber lachen. Und schneller wieder darüber lachen. Auch nach Tagen, an denen sich alles nach Erschöpfung und Heulen anfühlt. So wie letztens, mit diesem Abend echt zum Abgewöhnen mit 5 Stunden Schlepperei, immer wieder ablegen und glauben, dass es geschafft ist und zack wach, Rabääääh! Und noch mal… Trotzdem waren wir morgens wieder gut drauf.

„Erschöpfung, Müdigkeit, blanke Nerven“, das wusste ich vor Merle auch, dass damit Eltern ihren Alltag beschreiben. Eine echte Vorstellung hatte ich so unkonkret aber nicht davon, was das wirklich bedeutete. Deshalb mal hier Butter bei die Fische, was es konkret ist, was einfach echt schlaucht und eine Höchstmaß an Geduld und Selbstdisziplin (und Selbstnachsicht) von uns Eltern verlangt. Ich habe auch überlegt, ob ich das schreiben mag, denn, erster Absatz: Was ich teile erschafft meine Realität mit. Und ich habe mit vielen Mais darüber gesprochen, dass sie sich sehr bemühen, so positiv wie möglich von ihren Babys zu sprechen. Nicht, um sich und andere zu veräppeln, sondern, weil es sich dem Kind gegenüber nicht fair anfühlt, auf den Anstrengungen rumzureiten. Ich mag Merle nicht als „schwierig“ labeln. Das passiert aber rasch, wenn man ehrlich den Alltag beschreibt. Deshalb betone ich hier noch mal direkt. Es wird immer besser und immer schöner. Und oh ja, es ist es sowas von wert. Also, trotzdem einmal ein Blick auf die dunkle Seite des Babyalltags.

Ich sagte schon, Merle muss viel getragen werden, damit sie zur Ruhe kommt. Das sind pro Woche bei mir etwa 50-60km mit meinem 9kg Brocken an mir dran und das ist durchaus noch steigerungsfähig. Wir sind Vielschlepper, aber ganz klar hier noch nicht extrem, das nur zur Einordnung. Mir ist es extrem genug. Manche Tage liegen dabei bei über 10km, die Hälfte davon entfällt meist auf die Abendstunden und spielt sich somit in drei Räumen zur Reizabschirmung mit gedämpftem Licht und großem Schal ums Kind herum ab. Dabei muss (musste! Verbesserung!) ich oft nicht nur wandern, sondern hopserlaufen. Ausfallschritte sind auch sehr begehrt aktuell und bitte dabei singen. Positiv: Das wüste Geschrei dabei haben wir seit ein paar Wochen hinter uns, beziehungsweise ist es wie erwähnt selter und bedeutend !!! kürzer. Da Merle wenn sie müde ist, nur mich akzeptiert (da kann der Mann noch so liebevoll, bemüht und emanzipiert sein, müde wird er mit Zeter und Mordio in Grund und Boden gebrüllt), sind das alles ausschließlich meine Bonusmeilen. Das geht stark in Rücken und Füße ist also zusätzlich zur mentalen Herausforderung schlicht eine körperliche. Für mich ist eine der größten Herausforderung dabei auch die, dass ich sauer auf Benedict werde, weil ich es (wenn ich dann ebenfalls müde und bedient von einem ganzen Tag Babybespaßung bin) unfair finde, dass alles an mir hängt. Ist er ohnehin tags arbeiten und ich allein mit Merle, schaffe ich die Tragemeilen recht leicht. Ist er aber daheim und kann nicht helfen, sitzt somit auf der Couch und versucht möglichst wenig zu stören, bin ich neidisch auf seine in meinen Augen Freizeit und muss mich sehr diziplinieren, dann nichz grantig zu werden. Das ist tatsächlich für mich schwerer runterzuschlucken, als weiter liebevoll und geduldig auf Merle einzugehen. Selbsterklärend müssen wir als Paar diese Situationen gut reflektieren, um nicht einen längeren Groll aufzubauen als den in der konkreten Belastungssituation. Auch hier: Hat sich bedeutend gebessert, zumal seit Merle von sich aus nun zwischen 19 und 21 Uhr in den Nachtschlaf geht und nicht mehr rund um 22 Uhr erst. Ja müder die Mama, desto dünner die Nerven, es ist eine sehr einfache Gleichung.

Bis vor wenigen Tagen musste ich immer neben Merle liegen bleiben, wenn ich es geschafft hatte sie zum Schlafen abzulegen (oder sie in der Trage schlafen lassen). Meist mit kleiner Akrobatik: Kind so ruhig wie möglich aus der Trage schälen, ablegen, dann so schnell und leise wie möglich dabei aus der Trage selbst raus, Brust freilegen und quasi Nippel voran ins Kind springen, damit es weiter schläft. Kann man sich vorstellen, dass das nichts ist, was woanders funktioniert als daheim. Seit wenigen Tagen lockert sich das etwas. Ich kann – so wie jetzt – manchmal aufstehen und sie schläft noch etwas allein. Oh mein Gott, echte Ich-Zeit! Die hatte ich ein halbes Jahr lang nicht.

Ich sprach schon von Überreizung. Ebenfalls häufig bei Babys und sehr nachvollziehbar finde ich. Ist ja alles neu. Überreizung bedeutet hier, dass Merle in der Situation total aufmerksam ist und strahlend süß. Danach aber, wenn es dann um Stillen und Schlafen geht, dann ist sie durch. Das macht viele Extratragekilometer, abgedunkelte Räume am Tag, Singen in Endlosschleife, sich in die Brüste beißen lassen und einen insgesamt total zerschossenen Tag-Nacht-Rhythmus. Wenn nichts mehr geht, muss ich durch die Nachbarschaft hopserlaufen, Schneeflöckchen Weißröckchen schmettern und dann in der Trage stillen. Das war bei Minus 10 Grad nicht so genial. Jetzt frühlingshafter wird vieles leichter, somit auch das. Einfach auch weil ich das unleidliche, übermüdete Baby dann nicht erst noch in Jacken und Stulpen und Tragecover wursteln muss, bevor wir raus können. Auch deshalb so viel Meilen in der Wohnung. Aber auch hier: Besserung seit grob einer Woche. Immer noch ein Eiertanz ihre Überdrehtheit dann abzufangen, aber nun etwas, was machbar ist und nichts mehr, wovon ich sage: Ganz ehrlich, wenn ich eine Stunde Extraaktivität mit einem kompletten nöligen Schlepptag bezahlen muss, dann lasse ich es ganz. Ich „bezahle“ nun aber gar nicht mehr. Ich lege nur aus. Das grelle Baby braucht dann mehr Hingabe beim Beruhigen, pennt danach aber dann um so besser. Müde gespielt. Etwas, wovon ich immer nur gelesen hatte und es für merle und mich als Witz empfunden hatte. Jetzt ist es da. So langsam habe ich begriffen, dass meine mir so verhassten Durchhalteparolen ohne echte Problemlösung nur mit „Weitermachen, das wird schon!“, genau das sind, was den Babyalltag am Laufen und mich als Mama im Kopf bei Verstand bleiben lässt.

Bis vor wenigen Wochen mussten wir immer noch 1-2x nachts wickeln. An nächtliches Stillen habe ich mich gewöhnt, dabei kann ich liegenbleiben, bzw. muss nur kurz umlagern und gut ist es. Diese Aussage wäre vor ein paar Monaten auch noch undenkbar gewesen, aber oh ja, man gewöhnt sich daran, zumal seit Stillen nicht mehr schmerzhaft ist und sich Merles und mein Schalfrhythmus angeglichen hat. Ich werde meist ein paar Minuten vor ihr wach, dann fängt sie an zu ächzen und zu suchen. Umlagern, anlegen, weiterschlafen. Stillen ist Routine, also einfach echt Übung. Das Durchhalten und Weitermachen hat sich da sehr gelohnt. Ich wiederhole hier gern noch mal die drei Ps aus dem Englischen bezüglich Stillen:

Practice, Patience, Perseverence (Übung, Geduld und Durchhaltevermögen).

Aber wickeln ist echt ätzend. Dafür muss ich meine Systeme einmal komplett hochfahren und wenn wir Pech haben, ist auch Merle dann ganz wach und hampelt ein bis zwei Stunden rum. Auch das wird jetzt endlich besser. Zum Einen, weil sie nachts nicht mehr ganz so viel stillt, zum Anderen weil sie jetzt eine Pullerwindel an sich akzeptiert. Es tut mir ja irgendwie Leid sie darin liegen zu lassen, zumal sie das ja monatelang beschrien hat wie nur was, dass sie das furchtbar findet. Aber da sie das jetzt nicht mehr tut, nun, dann lasse ich sie eben. Schlaf ist wichtiger. So einfach ist das gerade. Das ganze Windelfreithema (bzw. windelwenig) ist tags schon aufwändig genug und mache ich nur, weil für uns ganz klar die Vorteile überwiegen: zufriedeneres Baby, weniger bzw. gar nicht mehr wund. Nachts klappt das aber prima mit Windel dranlassen. So viel zum Thema here Ansprüche und Realitätsabgleich.

Sonst sind es noch Kleinigkeiten. Generell ist Merle sehr aktiv, damit sehr wehrig und durchsätzig. Eigentlich gute Eigenschaften und die werden immer besser, je älter und vertständiger sie wird, also will ich ihr da auch nichts aberziehen. Aber jetzt als Strampelbaby ist das ganz schön anstrengend, wenn man sie tragen, füttern oder wickeln will oder muss. Sie ist sehr intensiv, sodass wir ohne Witz den Notarzt gerufen haben, als sie ihren ersten Schnupfen hatte und nicht durch die Nase atmen konnte. Sie hat in Todesangst geschrien, das hatten wir noch nicht erlebt. Wir waren vollkommen fertig, als sie sich nach 45min etwa beruhigt hatte. Aber wir haben wirklich geglaubt, dass da noch was Schlimmeres sein muss als nur das verstopfte Näschen. Und wie ich schon erwähnte, sind wir von ihr einen ziemlichen Schreipegel gewohnt, weil sie einfach immer sehr deutlich macht, wenn sie etwas braucht. Sie sorgt gut für sich, steht sehr für sich ein und lässt sich nicht von ihrem Thema abbringen. Immer schon. Aber das, das hat alles getoppt. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass das noch steigerungsfähig gewesen wäre. Nun ja. nachvollziehbar eigentlich. Nicht atmen können ist ja schon eine Grenzerfahrung. Wir richten uns also darauf ein, dass hier bald öfter die Welt untergehen wird, wenn Baby krabbelt. Sie wird sich ab und an irgendwo anhauen. Und vermutlich mit etwas mehr Wums dahinter, als viele andere Babys. Weil sie in allem mehr Wums hat. Selbst der Kinderärztin ist sie fast vom Arm gesprungen. Ich sagte ja. Rakete. Ihre erste Beule hat sie sich auch schon geholt. Apokalypse. Zum Glück war ich direkt dabei und konnte einschätzen, dass da mehr Schreck im Schrei war als echte Not. Nur vom Gebrüll her, hätte man sie wieder direkt mit Rettungswagen holen lassen können.

Zu ihrer Energie und Intensität zählt, dass sie absolut dauerpräsent ist. Das klingt böser, als ich es meine. Denn natürlich darf und soll sie das sein. Aber – und auch das ändert sich gerade in den Tagen, da ich hier texte, seit wenigen Tagen spielt Merle auch mal für sich allein und das mit höchster Konzentraton, es ist zuckersüß! – wenn man (also ich) vom Aufwachen bis zum Einschlafen permanent beschallt und bestrampelt wird (sie wird wie gesagt erst jetzt sanfter bzw. differenzierter in Tönen und Bewegungen, sodass da nicht immer die vollen 100% gegeben werden), dann will ich abends einfach nicht mehr reden nicht mehr angefasst werden und am liebsten einen kleinem Deprivationstank nur für mich. Das ist ein Punkt, der sehr deutlich macht, dass es eine Wucht ist ein Baby und auch noch später ein Kind allein großzuziehen. Was auch bei der Aufgabenteilung einer daheim, einer arbeiten ziemlich der Fall ist. Meine Mama war ja schön ein paar Mal für mehrere Tage zu Besuch und das hat die Situation ungemein entspannt. Einfach mal 5 Minuten nicht befummelt werden, das ist schon so gut.

Ein großer Punkt ist die noch sehr rare Ich-Zeit und ebenfalls rare Pärchenzeit. Teils nicht vorhanden. Das ist etwas, was die meiste Geduld erfordert. Darauf zu warten, wieder mehr man selbst sein zu können. Nach wie vor ist es für mich nicht möglich länger als 1h weg zu sein und das auch nur mit perfektem Timing, will heißen bisher habe ich das so einmal im Momant vielleicht tatsächlich umsetzen können. Nee, stimmt nicht. Weniger. Viermal waren die Umstände bisher günstig genug. Aber wieder: Harch, es bessert sich gerade soooo sehr! Ich feiere innerlich schon total. Jetzt kommt der Monat Elternzeit bei Benedict und ich will und werde mal etwas allein unternehmen. Harch!

Meine Leidenschaften brauchen fast alle den Computer und das ist das Werkzeug, das ich derzeit am schlechtesten nutzen kann. Manchmal mag ich fast weinen, denn meine Schreiberei zurückzustellen, gleicht einer Amputation für mich. Der letzte Blogartikel ist einen Monat her…  Meine übrige Schreiberei liegt schon so mlange auf Eis, dass sie bald Gefrierbrand hat…) Ich arbeite also mit Baby also von ihrem morgendlichen Aufwachen bis zu ihrem spätabendlichen Einschlafen durch. Blog und andere eigene Themen werden in Mikrozeitfenster gequetscht. Oder eben jetzt endlich ENDLICH morgens gemacht (oder auch wieder nicht…). Ich frage mich tatsächlich öfter, wie es sein konnte, dass ich vor Merle oft das Gefühl hatte, keine Zeit zu haben. Ich habe mal grob überschlagen, wieviel Zeit ich pro Tag oder Woche für Merle aufwende und komme dabei auf etwa 12-14 Stunden in 24 Stunden. Ich habe also eine 84- bis 98-Stunden-Woche. Und an dieser Stelle sei das gesagt, was ich ständig denke:

Meinen allergrößten Respekt an alle Alleinerziehenden zumal Alleinerziehende von mehreren Kindern.

Ich sage schon: Ein Baby zu haben, ist der krasseste Job, den ich je hatte. Wie muss das dann sein, wenn man den wirklich allein stemmen muss? Ich habe sowieso mittlerweile vor eigentlich allen Müttern einen Heidenrespekt. Vor Vätern auch, Müttern aber mehr, der körperliche Aspekt ist einfach eine andere Hausnummer. Wie oft habe ich in letzter Zeit zu meinen Mamafreundinnen gesagt: „Boah, das sind genau die Sätze, die ich vor Merle auch gesagt habe! Ich hatte ja so keine Ahnung. Ich müsste mich da eigentlich bei anderen Müttern für entschuldigen, dass ich da so gedacht habe.“ Denn gesagt habe ich es nicht, einfach weil ich in meinem engeren Umfeld die erste Mama bin. Im weiteren Dunstkreis (alte Schulfreundinnen, Freunde von Freunden, bedeutend ältere Verwandte/Bekannte) gibt es Mütter, aber eben nicht direkt bei mir.

Hinterher ist man immer schlauer

Ich kann mir somit ein paar meiner Aussagen aus „Wie stellst du dir ein Leben mit Kind vor?“, die ich somit in die Welt hinaus geschrien habe, verzeihen. Ich wusste es nicht besser und selbst mit mehr Müttern näher an mir dran war ich einfach eben selbst noch nicht in der Situation.
Könnt ihr mir auch verzeihen? Wenn nicht, ist das auch okay.
Ich verstehe jetzt, dass manches ein Schlag ins Gesicht von Schon-Müttern war, ich habe mir mittlerweile auch schon einige Schwinger eingefangen, wenngleich alle als Unfälle zu verbuchen sind, denn es war nie böse Absicht dahinter (Familie, Freunde, auch Kinderärztin, also einmal durch die Bank all jene, die mir wirklich wohlgesonnen sind) und ich weiß, ich habe bei besten Absichten auch nicht immer den angemessenen Ton in den Antworten gefunden. Nach wie vor vertrete ich den Standpunkt, dass Selbstfürsorge an oberster Stelle direkt nach Versorgung des Babys stehen muss (denn das Baby trägt bedeutend größere Schäden davon, wenn man seine Bedürfnisse aufschiebt, als wenn man das mit den eigenen tut. Erwachsene haben bedeutend größere Puffer), denn

„You can’t pour from an empty glass.“

Das bedeutet, dass ich nach wie vor gesundes Essen, Ruhe wann immer möglich und einen gesund durchbewegten Körper weit vor allem anderen priorisiere. Dass mir das so relativ gut gelingt (glaubt mir: nicht immer, aber vermutlich doch besser als plump gesagt „den meisten“), liegt wohl zu einem großen Teil daran, dass ich mit Ernährung und Sport eine jahrelange bzw. jahrzehntelange Übung habe. Disziplin ist dadurch schon zur blanken Gewohnheit geworden, was bedeutend einfacher ist, als sich eben immer wieder selbst ermahnen zu müssen. Wer das nicht hat, dem glaube ich SOFORT, dass es eine Mammutaufgabe ist neben der Babyversorgung auch noch daran zu denken sich täglich zu stretchen und den Apfel und die Kohlrabi zuerst zu essen und erst dann die Energiebällchen – und das echte Junkfood vielleicht sogar ganz auszuklammern. Je stressiger die Tage, desto verlockender die Süßigkeitenschublade und die Chipstüte. Geht mir nicht anders. Meine Schwelle ist vermutlich nur durch besagte Übung eine andere. In diesem Sinne kurz daran erinnert, dass jede gesunde Gewohnheit eine gute ist. In Stresssituationen zahlen sie sich doppelt und dreifach aus. Sie in Stresssitiuationen zu erlernen und zu verinnerlichen, das ist Königsdisziplin und wer das schafft, vor dem ziehe ich in ehrlich tiefer Verbeugung den Hut.
Und, tja, der Standardspruch, den ich früher ebenfalls immer als Art Ausrede von Müttern empfunden habe, wenn sie argumentativ nicht gegen für mein Empfinden (!) überlegene Logik von „Das muss doch auch anders gehen!“ ankamen: „Jedes Kind ist anders!“ Ohhhhh ja. Für mich ist es möglich gut zu essen und mich zu bewegen, weil Merle da gut integrierbar ist. Wie ihr seht, ist Rechnerarbeit für mich so gut wie raus, obwohl ich da nicht nur Routine, Gewohnheit und echte Leidenschaft für hege. Ich habe ein Baby, das mir gern beim Duschen zuguckt, also dusche ich. Es gibt genug andere Kinder, die das gruselig finden, wenn Mama hinter dem dampfig nassen Glas verschwindet und dann so anders klingt. Tja. Dann duscht man nicht. Oder erst wenn der Partner da ist. Wenn dann nicht schon wieder andere Themen wichtiger sind. Denn Einschalftragen geht natürlich unter der Dusche auch nicht, wenn Baby grad nur Mama nimmt. Korrekterweise müsste der Artikel hier also heißen: „Wie ist das Leben mit DIESEM 6 Monate altem Baby?“ Denn auch wenn ich denke, dass mein Einblick hier gut deutlich machen kann, wie es sein KANN, so bleibt er doch hochindividuell.

Babyromantik

Bevor wir damit zum nächsten Punkt kommen, sei gesagt, dass mich das sehr viel darüber nachdenken lässt, welches Bild von Familie und besonders Babys und Müttern gesellschaftlich etabliert ist und weiter wird. Das Bild vom sanft schlummernden Säugling, in strahlend weißer gegenlichtdurchfluteter Wohnung, die Mama um die 30 (sie dabei aber viel jünger aussieht und die dieses Alter auf solchen Fotos halten wird, selbst wenn Kinder daneben schon fast pubertär abgebildet werden) ungeschminkt mit duftig locker zurück genommenem Haar ein in Sanftmut erstrahlender Engel… Das ist das eine. Was ich als Kitschkunst ab und zu als Fotos gern anschaue, für die Überzeichnung des warmen Gefühls von unglaublicher Liebe zum Kind. Ich mag solche Fotos. Ich mache selbst gern so welche. Warum mache ich das? Weil ich mein Leben lang darauf gepolt wurde, das schön zu finden…? Weil es einem Wunschbild entspricht. Ist mir als Grafikerin ja nicht fremd, es ist das Grundprinzip der Werbung. Weil es (grooooßer Bogen zurück zum Anfang) auch dem Wunsch entspricht eine so schöne Realität zu erschaffen. Allerdings ist es doch eher eine Scheinwelt beziehungsweise ein wundervoller Moment in einem großen wurschtelgeduttetem Wäschebergleben mit schon wieder mehr Wollmäusen in den Ecken als verzehrfertigem Essen im Kühlschrank. Meine von mir so bewunderte Mimi Ikonn hat jetzt erst gepostet, dass sie mehr reale Fotos instagramen mag. Auch ihre realen Bilder sind toll. Aber echter. Ich glaube, ich mag mitmachen. Ich mag beides. Die Schönheit inszenierter Momente und den warmen kleinen Zauber der Wirklichkeit dazwischen.

Wir schweifen ab. Es geht mir auch darum, dass ich zwar schon zigmal gehört und gelesen habe, dass die Arbeit, die Eltern (und meistens sind es immer noch die Mütter) mit ihren Kindern leisten – was in der Regel auch den Haushalt mit einschließt – gesellschaftlich wenig Anerkennung erfährt. Nicht, dass man für Hausarbeit und Kindererziehung abgewertet werden würde (zumindest habe ich das überhaupt nicht so erlebt), aber ich empfinde aus mir selbst heraus diesen Druck doch bitte alles schaffen und alles sein zu können (und das ist es so gut wie nie, das Aus-einem-selbst kommt eigentlich immer irgendwo her). Dass ein Baby, ein Kind, ein Extra ist, das einfach dazu kommt. Die anderen Rollen, die Frau heute spielen soll, kann, vermeintlich muss oder sogar gern auch will, die bleiben aber. Mir fällt es enorm schwer mich damit zu arrangieren, dass ich bei meiner 84-Stunden-Woche!!! natürlich nicht mehr auch noch sexy Ehefrau, beste Freundin von Welt, durchorganisierte Hausfrau und ambitionierte Akademikerin bin, die sich darauf freut wieder am Arbeitsalltag teilzuhaben, weil ihre Ausbildung ja doch sonst für die Katz war. Ich für mich spüre, dass ich diese Ansprüche an mich stellen mag und es ist eine der größeren täglichen Aufgaben, mich davon frei zu machen und zwar alles davon immer noch zu sein, aber selbsterklärend (84-Stunden-Woche!!!) in bedeutend geringerem Umfang als zuvor und vor allem nicht alles gleichzeitig. Freizeit ist für mich ja auch keine Ich-Zeit derzeit sondern einfach Zeit, in der Baby schläft und ich daneben liege, wie soll ich da noch was anderes sein, außer vielleicht per WhatsApp oder Instagram? Ohne Witz, ohne diese sozialen Medien hätte ich glaube ich hier nervlich schon öfter am Boden gelegen im absoluten Lagerkoller. Da kann ich noch so diszipliniert, organisiert und schnell sein, 84 Stunden sind 84 Stunden. Da kann ich noch so sehr wünschen (und das tue ich) „Aber das Kind kommt doch in MEIN Leben…!“ Siehe unten…

Dass ich das als bedrückend empfinde, hat also viel damit zu tun, was medial-gesellschaftlich als Ideal oder auch nur als machbar (denn backen wir erst mal kleine Brötchen) dargestellt wird. Direkt aus dem Umfeld kommt nur sehr selten ein Druck in diese Richtung und wenn er kommt, dann auch ziemlich eindeutig als zweiter Dominostein, der da gefallen ist, ist es doch auch wieder dieses Ideal, dieser Anspruch an Machbarkeit, der da auf den Kommentator einwirkt. Beziehungsweise auch das: Oft sind es wirklich, wirklich die aller besten Wünsche, die den dummen Spruch von Ratschlägen, die auch Schläge sind, wieder nach oben kramen. Und eigentlich will ich auf die Ratschläge auch nicht verzichten, denn nicht alle sind dabei Schläge, tatsächlich die wenigtens. Mir begegnet so viel Hilfsbereitschaft und Verständnis und ich habe schon wirklich so gute Tipps bekommen, da stecke ich dann lieber ab und an ein paar Ratschläge weg, die mich umtreiben.

Im Übrigen gilt das nicht nur für die Extremsituation Mutterschaft, es gilt auch für die Extremsituation vieler Berufssituationen mit enormer Arbeitslast, von der auch alle wissen, dass es unmenschlich ist, aber „irgendwie schafft man das ja.“ Aber das ist ein anderes Thema, wenn auch ein sehr verwandtes. Weiter im Text.

Erwartungen, Ansprüche und … Vorfreude!

Was mir persönlich sehr oft weh getan hat, sind Sätze, die ich vor Merle so wirklich eins zu eins auch gesagt habe, und die nun mir begegnet sind. Und bei denen ich das gefühl hatte nie wirklich verständnlich machen zu können, weshalb es eben doch einen enormen Unterschied macht, jetzt in der Situation mit Kind zu sein und erst jetzt zu begreifen, wie anders diese Sätze nun für mich sind.
„Das kann doch so nicht sein!“
„Das muss doch anders gehen!“
„Einfach ausprobieren!“
„Ich würde es einfach überall mit hin nehmen!“ und
„Das Kind kommt ja in dein Leben und nicht umgekehrt!“
Letztere zwei Sätze sind wirklich mein Standard gewesen, bevor Merle geboren wurde. Sie waren mein Leitspruch, so hatte ich mir ein Leben mit Baby vorgestellt. Klar anstrengender, aber letztlich ist es doch ein Baby, das kann ich doch mitnehmen. Was soll es denn machen? Weglaufen? „Es fällt doch nicht tot um, wenn XY!“ „Wir sind doch auch großgeworden ohne XY / mit XY!“ oder eine Nummer heftiger: „DU bist doch auch großgeworden ohne XY!“

Ich glaube tatsächlich auch immer noch, dass diese Sätze ihre Berechtigung haben. Nur nicht für jede Mutter und jedes Kind, nicht in jeder Situation, nicht in jedem Lebensalter. Differenzierter also. Für mich und Merle waren sie im ersten halben Jahr sehr weit weg von unserer Realität und erst jetzt – ich werde nicht müde zu betonen, wie sehr es sich gerade bessert! – erst jetzt sehe ich, dass sie für uns auch wahr und machbar werden können. Und ganz wichtig dabei: Nicht, weil ich es so sehr versucht hätte, sondern weil für Merle nun die Zeit reif ist. Sie hat diese Zeit gebraucht. Das war zwischendurch enorm schwer für mich auszuhalten. Aber jetzt bin ich froh, dass es so ist, wie es ist. Dass ich ihr nichts aufgezwungen habe. Und auch mir nicht. Dass ich die Sätze loslassen konnte, nachdem sie ja doch einmal wehgetan haben. Für mich war klar, dass sie nicht funktionieren. Genauso klar, wie ich JETZT sehe, dass sie in den Bereich des Machbaren kommen. Aber eben jetzt erst. Merle ist in anderen Bereichen super schnell: was das Essen angeht zum Beispiel. Was aber vergleichsweise unkomplizierte Aufenthalte woanders als daheim anging, hat sie länger gebraucht. Aber genauso wie ich sie ja auch nicht mit Brei stopfe, wenn sie es nicht möchte oder sie nicht allein schlafen lege oder sie zum Krabbeln zu drängen, genauso wenig wollte ich sie (und mich!!!) in Situationen bringen, für die wir noch nicht bereit waren. Ich sage „Wir“, denn es war natürlich ein großer Teil sie, aber eben auch ich. Ich hätte das erzwingen können. Aber das wollte ich nicht. Jetzt ist es ein Zeigen, kein Zwingen und wir beide haben Freude daran. Bis hier hin auszuharren, anzutesten und zu scheitern, das war nicht leicht.

Ich habe gelernt: Es muss gar nichts.

Ich reagiere sehr allergisch auf die Sätze mit dem auch groß werden trotz/mit XY, denn ein Kind wird auch groß, wenn man es beschimpft, misshandelt, schlechter ernährt und all die anderen kleinen Grauabstufungen dazwischen, bis zu dem, was vielleicht ideal wäre. Solche Sätze sind zu nah verwandt mit „Ein Ohrfeige hat noch niemandem geschadet!“ Eine Ansicht, die ich so mal wieder fast eins zu eins von Herbert Renz-Polster (Autor vom schon öfter erwähnten Kinder verstehen-Buch, siehe auch weiter unten) übernommen habe. Genauso aber auch wie seine Aussage: „Die Natur rechnet nicht mit perfekten Eltern!“ Fehler sind erlaubt und sogar mit eingeplant, wenn man denn von einem evolutionären Plan sprechen kann. Damit fahre ich gut, damit kann ich mein Bestes geben und mich wieder aufrichten, wenn ich es mal nicht geschafft habe, meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und ungeduldig war oder auch mal laut oder oder oder. Ich bin nicht perfekt. Aber ich werde jeden Tag ein bisschen besser. Für Merle und für mich. Für dieses Kind, das mich ansieht und mit seinem riesigen noch meist stillen Lachen sagt: „Hier bin ich! Begleite mich auf meinem Lebensweg!“ Und ganz bald, da wird es dann doch ein gemeinsames Gehen, auf dem wir uns beide begleiten, nicht mehr nur ich sie. Und so komme ich näher an „Das Kind kommt in dein Leben.“ Das „Und nicht umgekehrt“ ist gestrichen. Wir begleiten uns gegenseitig.

Frustration? Resignation? – Vertrauen!

Ich hatte auch einfach brutal unterschätzt, was das mit mir (uns) machen würde, wenn dieses Baby mit allem, was es hat, deutlich macht, dass es etwas anderes will und zwar nicht aus blankem „Ich will aber!“ (dafür ist sie noch zu klein), sondern aus einem echten Brauchen, einem Bedürfnis heraus. Was das bedeutet, zu sehen, wenn dieser kleine Mensch so schreit und das kein Schreien ist, bei dem man noch guten Gewissens sagen könnte: „Sie hat doch alles: Satt, sauber, warm, ich bin da, ob sie nun hier schreit oder daheim, das ist doch egal!“ Wer bin ich zu sagen: „Du hast keinen Grund zu weinen?“ Offensichtlich hat sie den, nur eben einen, der aus Erwachsenenperspektive nichtig erscheinen kann oder gar zu vernachlässigen, denn aus dieser Sicht heraus droht ja keine „echte“ Gefahr. Leid ist immer subjektiv. Bedürfnisse sind es generell. Ich habe früher immer gesagt (Oh Gott, was tut mir das Leid!), dass ein Kind ja auch lernen muss, dass sich die Welt nicht nur um es dreht, dass es Frustration lernen muss. Ja, muss es. Aber nicht als Säugling. Da lernt es nicht Frustration, sondern Resignation. Es lernt nicht, dass es manchmal warten muss und trotzdem alles gut ist, es lernt, dass seine Bedürfnisse nicht zuverlässig wahrgenommen werden, sondern nur mal so und mal so und das verunsichert. Das lernt es nicht von einem Mal, aber von wiederholten Situationen, in denen der Erwachsenenalltag auf das Kind gezwungen wird. Ich empfehle an der Stelle noch mal „artgerecht„, „geborgen wachsen“ und „Kinder verstehen„, denn das ist nichts, was ich mir grad aus dem eigenen Bauchgefühl heraus ausdenke, sondern was diese Bücher psychologisch gut begründet darlegen. Und was für mich absolut glaubwürdig ist.

Darüber habe ich sehr viel nachgedacht. Ich habe mich sehr oft gerechtfertigt und tue es noch, denn ich mag verstanden werden, vor allem von den mir nahe stehenden Menschen. Benedict und ich haben oft abends zusammengesessen, wenn Merle so richtig aufgedreht hat, und haben uns über den wild strampelden Geräuschpegel zugebrüllt „Lass uns doch mal wohin gehen! Wir nehmen unser Kind einfach überall hin mit!“ Das war eine Art Runninggag bei uns. Und das betrifft nun eine Situation, in der wir wirklich lachen können, weil Baby da einfach aufgekratzt und überdreht ist, aber nicht leidend.

Wie ich letztens so schön gelesen habe: „Erfolg ist nicht die Höhe des Berges, es sind die Hindernisse, die man auf dem Weg überwindet.“ So gesehen ist unser Babyberg kein Mount Everest, aber wir haben schon einige Eiger Nordwände bestiegen. Wer von stündlichem Stillen kommt, freut sich den sprichwörtlichen Ast, wenn es nur noch alle 2 Stunden sind. Wir kommen von 3-4 Stunden abendlichem Eiertanz mit oft 3h Gebrüll am Stück dabei. Da sind zwei Stunden Einschlaftragen und Dauersingen gar nicht so übel. Ich habe nicht den Anspruch oder die Erwartung, dass Merle jetzt schon durchschläft und sich ablegen lässt und allein in die Träume findet. Ich habe auch nicht die Erwartung, dass sie das woanders könnte. Aber: Ich freue mich darauf, wenn es mal soweit ist. Dann, wenn sie soweit ist. Denn zu sehen, wie unglaublich gut es ihr tut, dass sie die Zeit bekommt, die sie braucht, das ist es so wert. Zu sehen, wie unsere Kommunikation und unser Vertrauen profitiert. Unbezahlbar. Deshalb warte ich nicht mehr. Ich freue mich nur noch auf neue Meilensteine.

Und damit sind wir zurück bei der Einstellung

Sie ist und bleibt alles. Klar ärgere ich mich ab und an und mache mir dann auch Luft und ja, das ist dann Rumjammern. Ist nicht so toll, aber für den Moment ist es einfach das, was es ist. Klar ist auch meine Geduld endlich. Oder auch einfach die Kraft meines Rückens. Aber Merle hat mich in jeder Hinsicht hochtrainiert. Im Vergleich zu der Frau von vor 6-7 Monaten bin ich nun sehr viel ruhiger, nachsichtiger, geduldiger, gelassener und gleichzeitg viel stärker, disziplinierter, konsequenter und schneller. Und da geht noch mehr, denn ich kenne auch meine Schwächen nun besser denn je. Das ist auch etwas, was mir im Moment das Gefühl gibt wirklich erwachsen geworden zu sein. Denn ich bin es in aller Verantwortung und aller Disziplin und allen Pflichten, dabei wie ich finde sehr unlangweilig und mit icherheit nicht starr oder bieder. Ich stehe meinen inneren Werten so nah wie nie. Ich staune jeden Tag. Und lerne. Über Merle, über mich und über das Leben. Und noch nie habe ich so sehr daran geglaubt, dass der Mensch von sich aus gut ist, wie jetzt. Wenn man ihn lässt.

Vieles wollte ich in meinen Vorstellungen und Erwartungen an ein Leben mit Kind nicht zu meiner Wahrheit machen, wenn ich mich an meine noch schwangeren Gedanken zurück erinnere. Einiges konnte ich auch tatsächlich, sagen wir mal, „abwenden“. Ich esse immer noch gut, sportel (mit Merle zusammen, allein ist grad nicht), die Wohnung ist aufgeräumt, wenn auch oft total ungestaubsaugt, weil Merle den Sauger zum Fürchten findet. Ich kleide mich jeden Tag so gut ich kann, auch wenn meine Frisur schlicht unter „Haare aus Kinderreichweite!“ läuft und ich Pullover danach auswähle, dass ich gut mit ihnen stillen kann und Spuck- und Breiflecken nicht sofort auffallen (ich empfehle melierte Wollstoffe…). Und ich erkämpfe mir so gut ich kann meine Zeit für die Schreiberei. Meine Leidenschaften rund um Blog und Buch fehlen mir nach wie vor am meisten. Aber ich kann sie am Horizont sehen. So, wie ich vor ein paar Wochen auch das Aufstehenkönnen, wenn Baby schläft am Horizont sehen konnte und nun bin ich am Horizont angekommen.

Der Rückbildungskurs mit den Neugeborenen hat mir wieder gezeigt, was ich schon wusste: Ich bin nicht so die Säuglingsmama. Mit Neugeborenen kann ich nicht so wahnsinnig viel anfangen. Aber ich konnte es mit meinem Neugeborenenn und mein Verständnis und meine Faszination für das Wunder Leben, mein Respekt und mein Wunsch es zu schützen, haben sich vervielfacht. Ich denke oft an einen Kommentar von euch zu meinen Erwartungen an ein Leben mit Kind. Dass man nicht vergessen darf, dass es da nicht nur um Vorstellungen geht, wie man das Kind gut in das eigene Leben integriert bekommt und ihm seinen Raum gibt, sondern dass Mutterschaft und Elternschaft ganz viel mit Demut und Aufopferung zu tun hat. Oh, was wollte ich das nicht wahrhaben und wie habe ich die Aussage nicht verstanden und nicht verstehen wollen!

Jetzt verstehe ich sie. Es ist genau das, was diese bedingungslose Liebe zum Kind ausmacht. Zu geben. Be-ding-ungs-los. Jeden anderen Menschen hätte man schon längst in die Wüste geschickt für die Opfer, die er von einem verlangt. Aber das Kind nicht. Man liebt es im Lachen und Schreien, im Wachen und Schlafen. Man liebt es auch dann, wenn man sich wünscht, es wäre bitte fort, oder zumindest man selbst wäre gern woanders.
„Warum möchtest du Kinder?“, hat mich meine Mama gefragt, als wir über Zukunftspläne sprachen. Und ich sagte (unter anderem): „Weil ich mich darauf freue, ihm die Welt zu zeigen. Und weil ich neugierig bin auf dieses Gefühl, von dem alle reden, dass man keinen Menschen so sehr liebt, wie das eigene Kind. Ich möchte das auch empfinden. Ich stelle es mir vor, wie wenn man langsam in die Pubertät kommt und sich darauf freut, sich zu verlieben, weil das irgendwie schon klasse sein muss. Und dann passiert es einem und es haut einen einfach völlig um.“ Meine Mama mochte meine Antwort.
Und die Vorstellung trifft es. Man weiß vom Erzählen, dass es toll sein muss, man kann sich auch einfühlen und es sich sehr, sehr wünschen, aber die Liebe dann selbst zu erleben, lässt die Vorstellung davon zu einem Abziehbild veblassen. Es gibt keine Bedingung, die das Kind erfüllen muss, damit wir es lieben. Es reicht, dass es da ist. Wie es ist. In all seinem Nehmen gibt es diese wundervolle Erkenntnis um die Reinform von Liebe, die trotz des stimmigen Vergleichs wenig bis nichts mit der Verliebtheit und Liebe zwischen Paaren zu tun hat, sondern die so unerschütterlich ist, wie die Tatsache, dass es Schwerkraft gibt. Dafür bin ich dankbar. Und demütig. Dafür gebe ich. Dafür lerne ich.

Und, oh ja, dieses Wunder hatte ich so nicht erwartet.

38 Kommentare

  1. Was für ein toller Artikel. Ich danke dir für diese Worte. Als Mama mit zwei auch sehr anspruchsvollen Kindern ist es Balsam für die Seele zu lesen, dass jemand versteht, wie es ist und was es bedeutet, Tag und Nacht für ein Kind da zu sein. Ich habe das Gefühl, viele liebe Menschen zeigen Verständnis. Aber dennoch habe ich das Gefühl, nicht richtig GESEHEN zu werden. Ich wünschte, ganz viele meiner Lieben würden diesen Artikel lesen denn du hast so wundervolle Worte gefunden. Voller Liebe, voller Aufrichtigkeit, schonungslos aber mit tiefem Respekt vor diesem wundervollen kleinen Geschöpf. Merle hat ein unwahrscheinliches Glück mit ihrer Mami.

    1. Oh Got, jetzt muss ich fast weinen! das hätte ich auch noch mit aufnehmen müssen, dass das Mamanervenkostüm irgendwie anders gestrickt ist, als das vorher. Gleichzeitig Nerven wie Drahtseile an geduld und aber auch so dünnfellig bei Rührung oder auch Mitgefühl (Schreckensnachrichten zu Babys haben mich früher nicht mehr tangiert als Schreckensnachrichten zun Krieg. Jetzt wird mir bei Babythemen ganz andres und ich denke mir dann: „Bringt die armen Dinger zu mir! Ich stille und tröste und evrsorge sie alle!“ Ähem ja. Nein. Aber einfach dieses Bedürfnis zu helfen ist dann einfach so viel ausgeprägter.
      Das mit dem gesehen werden, verstehe ich. Es ist ähnlich, wie wenn man einen Job in niedriger hierarchisches Ebene ausfüllt, einer der aber sehr wichtig ist, weil sonst nichts funktioniert. Da werden Menschen auch gern übersehen. Pflegerische berufe, Raumpfleger, Müllmänner, Lieferanten. Ich habe für Menschen in diesen Berufsgruppen immer ein besonders warmes Lächeln. Ich bezahle sie ja nicht, aber ich kann sie mit Wertschätzung beschenken, das ist das Mindeste.
      bei Müttern ist irgendwie noch immer dieses Gefühl von Selbstverständlichkeit dabei. „Natürlich schafft man das alles. Natürlich macht man das. Man ist ja Mutter. Gehört doch dazu. Hat man sich doch ausgesucht.“ Ja, schon zu einem großen Teil meist. Dennoch.

  2. Bei allen deinen Beiträgen zum Thema Kind, die ich bisher gelesen habe, möchte ich immer ganz laut „JA!“ schreien (ich würde dir sofort ein Buch zum Thema abkaufen). Auch so bei diesem hier. Das alles kann ich genau so unterschreiben. Vor einigen Monaten (mein Sohn ist 17 Monate) konnte ich mir noch absolut nicht vorstellen, dass er bald ohne Milch im Bett liegend nur meine Hand haltend einschafen würde. Und wie absolut wunderbar es sich anfühlt dabei so dazuliegen und ihn zu begleiten. Das Wissen, das die schwierigen Phasen endlich sind hat mir nicht immer geholfen und ich erinnere mich an zwei Reaktionen meinerseits, die ich niemals vergessen werde und die mir sehr leid tun (KEIN Schlagen oder Schütteln jetzt – nicht, das dass hier falsch rüber kommt) – Schlafmangel und Ewigkeiten alleine sein mit einem Kind, dass 100% Aufmerksamkeit braucht – den ganzen Tag – haben da ihren Tribut einegfordert. Ich hoffe, dass mich mein Sohn trainiert hat für das gewünschte zweite Kind, aber wahrscheinlich ist dieser Gedanke wieder sehr blauäugig. Danke für deine tollen Beiträge!

    1. Danke dir! Das tut mir so gut, das zu lesen! Wirklich Danke! und ich glaube ich weiß, was du meinst mit solchen Situationen, die man nicht vergisst. Ich habe hier einmal schimpfend die Kartons vom Altpapierhaufen durch die Gegend getreten, nachdem ich den ganzen Tag bestramjpelt und angequietscht wurde und bei der gefühlt drölfzigsten Tragerunde war. Bin ich nicht stolz drauf. Ist aber passiert. Einmal. Kommt nicht wieder vor, ist aber für mich noch vertretbar, da nur eine Sekundenausticker und ja. SOnst würde ich das hier wohl nicht schreiben. Ich hab mich aber so schon genug geschämt.

      1. Liebe Heike

        Sei nicht zu streng mit Dir. Glaub mir, Du bist damit nicht allein. Wenn irgendwann auch der längste Geduldsfaden mal zu Ende ist, ist das nur menschlich. Ich habe mich dafür auch sehr geschämt. Es ist natürlich nicht sehr reif und damenhaft in die Waschküche zu rennen und wie ein Bierkutscher gegen Wäschetrockner anzufluchen und den Wäschesack schwungvoll zu Boden zu schleudern… aber dennoch… was ist die Alternative? Wenn ich in einer Situation am Ende meiner Langmut und Ruhe bin und nur noch die Wahl habe traurig oder wütend zu sein, dann entscheide ich mich im Zweifelsfall lieber für die Wut. In meinen Augen ist Trauer zwar meist eine stillere, rücksichtsvollere und würdevollere Reaktion, aber sie hat einen faden Beigeschmack. Sie schmeckt nach Passivität und Resignation. Wut fühlt sich dann für mich besser und gesünder an. Ist stark und wehrhaft, aber leider auch rücksichtslos und destruktiv. Da entlädt sich Kraft die dringend entladen werden muss und dann erst kann wieder Ruhe einkehren. Aber welches Ventil bekommt die Kraft? Wie abreagieren, wenn man von Menschen und Dingen umgeben ist die nichts davon abkriegen sollen und dürfen? Da war dein Karton wohl weise gewählt und offenbar die in diesem Augenblick bestmögliche Entscheidung… (Ich bin sicher er hatte es verdient ;-), genau wie mein Wäschesack).

        Wie Du schon sagst: Merle ist offenbar eine Rakete, die durchaus heftig und leidenschaftlich reagieren kann. Woher wird sie das wohl haben? Auch Ich kann meiner auch manchmal sehr leidenschaftlichen Tochter nicht vorgaukeln dass sie eine Mutter hat die niemanls wütend wird, denn das wäre weder ehrlich noch hilfreich. Ganz besonders wenn es später meine Aufgabe ist einem leidenschaftlichem, aufbrausendem und wütenden Kind vorzuleben wie man mit Wut am besten umgehen kann und seine Leidenschaft in etwas konstruktives verwandelt…

        Liebe Grüße

        1. Ein ganz toller Kommentar, finde ich. 👍🏾 Wenn man es schafft, seine Wut in der Situation auf einen Karton oder einen Wäschesack oder einen Stapel Handtücher zu fokussieren, hat man schon einiges richtig gemacht.

        2. Besser kann man es nicht ausdrücken. Wenn ich einen massiven Balken zuhause hätte, würde ich einen Sandsack aufhängen. Dann könnte ich das ganze noch als Sport verkaufen. 🙂

        3. Jaaaa, von wem wird sie das wohl haben: 😀 Ich sage ihr auch ab und zu, dass sie nun die dritte oder wie man es nimmt vierte Generation einer Reihe starker Frauen ist und vielleicht sogar mehr, meine Ahnenforschung geht bloß nicht weiter. 😉 Sie ähnelt charakterlich sehr mir oder ihrer Tante väterlicherseits (von der wir auch immer sagen, dass sie und ich uns nicht unähnlich sind): gute Menschen mit viel Feuer im Hintern. 🙂
          Und oh ja, der Karton hatte es verdient. 😀
          Deine Unterscheidung von Wut und Trauer finde ich seeeeehr hilfreich für mich. Resignation kann ich nicht haben, Aktion dagegen gut. Ich werde das nächste Mal daran denken und mir einen Wutkarton oder was auch immer bereit stellen. 😉

          1. Danke ihr drei. Freut mich, die richtigen Worte gefunden zu haben. Ja, Klara, so wie Du das ausdrückst klingt das auf einmal richtig schmeichelhaft… dann werde ich ab jetzt hoch erhobenen Hauptes aus der Wasch-/Boxküche zurückkommen und nicht mehr kleinlaut und verschämt 😉

  3. Liebe Heike,
    wieder ein sehr schöner Artikel, bei dem ich mich in vielen Punkten wiederfinde. Die Liebe zu Deinem Kind spricht aus jeder Zeile. Du machst das hervorragend und ich bin überzeugt, dass Du auch die kommenden Herausforderungen meistern wirst. Von der Trotzphase schreib ich jetzt nichts. 😉

    Ich empfand das erste Jahr mit meiner Tochter als so schwierig und für mich so prägend, dass ich ihr meine ganze Kraft und Liebe schenken werde und nicht den Mut und die Zuversicht für ein zweites Kind aufbringen kann. Allerdings wünschte ich heute, dass ich wenigstens ein Bild von mir an einem richtig schlechten Tag gemacht hätte. Es gibt immer Höhen und Tiefen, aber die Tendenz ist steigend. An den schlechten Tagen würde ich mir gerne vor Augen führen können, was ich geschafft und überwunden habe. Denn die wunderschönen Bilder vom sanft schlummernden Baby, die es auch hier gibt, lösen in mir und vor allem in anderen den Reflex aus: „Stell Dich nicht so an, so schlimm war’s nicht.“ War es doch!

    Ich liebe sie trotzdem bedingungslos und wenn ich mir heute meine gescheite, freundliche und gesunde Tochter anschaue, die nächstes Jahr eingeschult wird, weiß ich, dass es das alles wert war. ❤️ Ja, die Pupertät kommt erst noch, ich weiß. 😉

    Jeder hat seine Archillesferse und jeder muss seinen eigenen Weg finden, Frieden mit sich und der Vergangenheit zu schließen.

    Weiterhin viel Kraft und alles Gute!
    Mone

    1. Danke dir! Oh ja, die Trotzphase, vor der habe ich großen Respekt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir dann auch zu ded Mutter-Kind-Duos gehören, wo sich das Kind im Supermarkt kreischend auf den Boden wirft und sich die anderen Einkaufenden fragen, ob die Mutter denn nicht mal dies und jenes… Ich bin gespannt. Ich bin ein sehr kämpferischer Typ Mensch. Ich denke diese Pahse wird mir einen großen Spiegel vorhalten und mich genauso bei dieser Schwäche reifen lasse, wie mich die Babysphase jetzt Geduld gelehrt hat. Ich versuche mich bis dahin so gut ich kann hochzutrainieren. Aber das wollte ich schwanger für mein Baby auch. Habe ich auch Und dann kam die Wucht. dennoch glaube ich, wird es nicht mehr so ein Schock, denn dieene rsten Schock, den habe ich ja jetzt auch üebrstanden. 😉

  4. Liebe Heike,

    ich muss sagen, ich bin sehr dankbar für diesen Beitrag, weil er mal einen Blick auf die Gesamtsituation erlaubt hat. Ich kann zu einem gewissen Grad nachvollziehen, dass du die nicht so hübschen (Gott, was ein Euphemismus) Seiten des Lebens mit einem Säugling nicht im Internet breittreten willst. Es kam für mich nur immer noch genug vom Alltag durch, dass die hauptsächlich positiven Beschreibungen für mich unglaubwürdig geworden sind. Das meinte ich damals mit „positiv verstrahlt“ – ich hab gedacht, dass da gerade so viel Hormone im Spiel sind, dass die Umstände sich wirklich wie „es wird immer schöner“ anfühlen. (Versteh‘ mich richtig, weniger schlimm ist durchaus besser, aber objektiv immer noch nicht unbedingt „gut“. 70 statt 80 Stunden Aufwand sind toll – aber gut ist anders. Ich hätte dafür ein besseres persönliches Beispiel, aber das schreibe ich nicht öffentlich ins Netz – ich kann dir ’ne Mail schicken.)
    Ich denke einfach, dass überwiegend positive Darstellung von etwas dem keine Genüge tut, wenn das Empfinden etwas anderes als rein positiv ist. Zum Beispiel: „Das Studium ist sehr anspruchsvoll und zeitintensiv, aber man lernt auch extrem viel dabei.“ Das ist beides, nicht nur eins davon.
    Deswegen nochmal danke, dass du in dem Artikel offen angesprochen hast, was jenseits des positiven Vokabulars liegt. Das macht den Rest glaubwürdiger. Und im Übrigen fand ich deinen Umgang damit in keiner Weise negativ, sondern sehr ehrlich.

    Liebe Grüße,
    Katja

    1. Ich danke dir! Das freut mich sehr, dass der Artikel auch bei dir so gut angekommen ist. Ich glaube, du beziehst dich auf den 3-Monats Artikel mit dem positiv verstrahlten oder? Da waren wir noch voll in der Schreiphase, bzw. es wurde gerade erst besser. Das war für mich auch etwas, was da nicht schreiben wollte, weil ich da Gefühl hatte, Merle damit zu labeln. Das ist etwas der Art, was ich erst jetzt schreiben mag, da es wirklich besser geworden ist. Schreibabys haben keine gute „Lobby“… Das Etikett „schwierig“ bleibt ihnen anhaften und da geht es dann schnell um Pathologisierungen rund um „Regulationsstörung“ und Co. Das war damals sehr hart.
      Da kommt evtl. noch mal was zu, wenn ich noch mal ein Buch vorstellen sollte, dass mir in der Zeit sehr geholfen hat. Wenn ich es schaffe. Mal sehen.
      Das positiv verstrahlte rettet einem in der schlimmen Situation aber oft genug einfach den Verstand.

      1. Ich sag mal so: Ich nehm‘ deine Artikel auch immer wieder als Anlass aufzuarbeiten, was mir auffällt.
        Ja, es müsste der Artikel gewesen sein, bzw. die Instagramkommentare zu der Zeit. Ich denke halt, dass man mit dem, was man sagt und/oder nicht sagt, auch immer sich selbst „labelt“. Und ich würde sagen, dass es schlimmer ist, „die Mutter mit dem schwierigen Kind, die das nicht sehen kann oder will“ zu sein, als „die Mutter mit dem schwierigen Kind“. (Oder allgemeiner „der Mensch mit dem Problem (, das er nicht erkennen kann/will)“.) Im näheren Umfeld fällt ja doch auf, was Sache ist, bzw., dass etwas nicht rund läuft. Mit wem man sowas auf welche Art bespricht, ist in meinen Augen aber eine andere Frage. (Der Hintergedanke ist, dass ich im näheren Umfeld jemanden habe, der schlechte Situationen nicht realistisch darstellen kann und (ich nehme an mitunter) deswegen ab und an mal depressive Episoden hat. Da gehen bei mir auch einfach Alarmglocken an – Depression mit Baby ist übel für alle Beteiligten.)

        Ich kann mir sehr, sehr gut vorstellen, dass das Verstrahlte – ich hab letztens mal „sich in den Säugling verlieben“ gehört (ist ’ne schönere Formulierung 😀 ) – absolut nötig ist, um gut durch die Babyzeit zu kommen.

        Wenn du die Zeit für das andere Buch findest, würde mich das freuen – ich bin sehr dankbar für jedes Stück Information zu dem Thema, das fundiert, empathisch, aber nicht zu sehr – in Ermangelung einer besseren Phrase – durch die rosa-rote Brille kommt.

        Liebe Grüße,
        Katja

  5. Hallo Heike,

    Ich bin sonst immer nur Stille Leserin, aber heute muss ich mich mal zu Wort melden: Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Mein Sohn ist mittlerweile 10 Monate alt und genauso fordern wie Merle. Alleine schlafen? Nicht mit ihm 😂 wobei so langsam nachts Verbesserung in Sicht ist – manchmal habe ich mein Bett für mich allein und der Sohnemann schläft im Babybay.
    Leider bin ich hier mit solch einem „Baby“ allein auf weiter Flur. Im ganzen Mütterfreundeskreis hat niemand solche „Probleme“. Da kommen einem manchmal schon verzweifelte Gedanken ob man bisher irgendwas falsch gemacht hat dass das Kind sich nicht schlafend abblegen lässt oder sogar von alleine einschläft.

    Du hast auf Instagram mal geschrieben das Merle nur Obstbrei isst. Mich würde es interessieren wie und was Du ihr gibst und wie du es in Zukunft erweitern willst ( Stichwort milch-getreide-abendbrei). Denn unser Sohnemann isst erst jetzt mit seinen 10 Monaten Mittags nur Obstbrei mit Hafer. Wir haben uns die letzten Wochen von 2 Löffel auf 10 bis 12 Löffel hochgearbeitet. Aber ich weiß jetzt nicht wie, was und wann ich ihm als nächstes anbieten soll. Lustigerweise steckt er sich Gemüse in den Mund und lutscht daran rum (blw).

    Liebe Grüße Steffi aus Oberbayern

    1. Liebe Steffi,
      da habe ich Glück mit zwei Mamis mit wirklich sehr ähnlichem Babys, was das Anstrengungslevel angeht und einer weiteren, die anders dabei ist, aber ähnlich genug, dass wir uns sehr gut verstehen. Aber ich weiß, was du meinst. Das kenne ich von Müttern mit pflegeleichteren Kindern aber durchaus auch, dass es unverständlich ist, wie es sein kann dass XY. Aber ist okay. Vielleicht bin ich ja in bestimmten Bereichen auch so udn kann das und das nicht verstehen, mir fällt es grad bloß nicht auf.
      Bezüglich Obstbrei: Damit sind wir gestartet, etwas unkonventionell, da es darum ging sie möglichst schnell an eine möglicht große Kaloriendichte in der Beikost ranzufüttern, um mich beim Stillen zu entlasten. Nach 4 Monaten stündlichem STollen und abends so ausgezutzelt, dass der Milchspendereflex teils erst nach einer halben Stunde kam (das Gebrüll kannst du dir vorstellen), wollte ich nicht mehr. Glücklicherweise hatte Merle alle Beikostreifezeichen und war mit Feuereifer dabei. ich wollte ihr da nichts aufzwingen. Sie hat es geliebt! Sie isst mittlerweile sehr viel: Gemüse, Obst, Getreide, Fleisch, Fisch, Kräuter, Linsen… Und seit kurzem mag sie auch Fingerfood (die typichen gegaretn Gemüsesticks oder Hirseflips).
      Was hier bei ihr immer sehr gut ging, ist alles mit Banana, Mango ist ihr All-time-Favourit (kann ich sehr empfehen, vor allem, wenn es dann mehr Beikost wird, Mangofasern wirken stuhlauflockern, helfen also gut beim Abführen ohne zu Durchfall zu neigen), Avocado (schön viele Kalorien), Blaubeerbanane. Bei Gemüse mag Merle am liebsten stärkere Geschmäcker. Pastinake ist z.B. nicht so ihrs. Dafür gern Sellerie oder Wirzelpetersilie und die Breis gern mit Petersilie oder Basilikum verfeinert.
      ich glaube aber wirklich, dass das buchstäblich Geschmacksache ist. War lestens noch auf einem Geburtsag mit 5 Babys (nachbarn, erfekt, da konnte ich sofort gehen, als es nötig wurde) und Beikost war auch Thema. und alle machen es anders. Eine ganz streng nur jede Woche ein neuer Geschmack, eine alles ganz haargenau abgewogen, eine gibt direkt Familienessen, Fingerfood oder Breifreimischformen… Deutlich war nur eins: Die Kidner zeigen ziemlich gut, wenn ihnen etwas nicht passt. Aber eben auch wenn doch. Somit würde ich sagen: Anbieten, ausprobieren und gucken. 🙂
      Ich hoffe, das hilft etwas. 🙂

      1. Hallo Heike,

        Danke für deine Antwort und möglichen Alternativen. Ich habe jetzt einfach immer etwas Gemüse in den Obstbrei gerührt. Aber seit Ostern wissen wir das unser kleiner Schatz eher auf herzhaftes steht:-).
        Lachs, Chili con carne und Tomatensoße könnte ich nicht schnell genug ins Kind füttern.😂

        Dafür ist Autofahren bei uns noch immer ein Grauen, so viel Geschrei das wir am Ostermontag kurzfristig mit dem Zug nach Hause gefahren sind – und der Papa mit dem Auto vorweg.

        LG Steffi

  6. Liebe Heike,
    ich lese immer mit, kommentiere aber selten. Aber diesen hier, diesen Artikel muss ich kommentieren.
    Als du deine Schwangerschaft verkündet hast, war ich eine Woche weiter als du, aber mit dem zweiten. Der Artikel zum Hypnobirthing hat mich damals stellenweise richtig wütend gemacht und zum ersten Mal habe ich kommentiert.
    Nach dem „Vorstellungen und Erwartungen“ Artikel dachte ich dann „warte ab.“ Das klingt überheblich, ist aber nicht so gemeint. Und jetzt liege ich hier auf dem Sofa, der große liegt links, schläft und hat Fieber, der kleine rechts, und wird zum Einschlafen gestillt. Ich dazwischen, lese am Handy deinem Artikel und heule. Ja, Stillhormone machen weich.
    Meinen Großen habe ich 1 Jahr in den Schlaf getragen. Stundenlang, kilometerweit. Er hatte eine Phase, so um den 5. Monat, da ist er halbstündig aufgewacht und hat 1 ½ Stunden gebraucht um wieder einzuschlafen. Ich ging auf dem Zahnfleisch. Monatelang. Und musste mich von meiner Umgebung kritisieren und „beratschlagen“ lassen. Geh zum Arzt, lass ihn schreien, du hast ihm das selber angewöhnt… Das schönste war: „Wir legen unsere *** ins Bettchen, geben ihr einen Kiss und ihren Schnuller, machen die Spieluhr an und gehen aus dem Zimmer. Habt ihr das schon Mal versucht?“
    Aber: tagsüber war er super, lieb und fröhlich, und man konnte ihn überall hin mitnehmen.
    Ich sage immer: und wenn man mir ein anderes Kind anbieten würde, ich würde kein anderes haben wollen.
    Die Herausforderungen werden nicht aufhören, sie werden nur anders. Trotzen, der eigene Wille, Eifersucht aufs Geschwisterchen… Es ist die anstregenste, lehrreichste und vor allem schönste Zeit meines Lebens.

    Zum Schluss vier Tipps, drei für jetzt, einer für die Zukunft:
    Bei wundem Po ist mein Wundermittel die Rose-Teebaumöl-Salbe von der Kemptener Bahnhofsapotheke.
    Staubsaugerroboter! Meine beiden gucken sehr interessiert zu! Den Großen hab ich früher im Hochstuhl im Bad mit Staubsaugerroboter kombiniert, wenn ich geduscht habe…
    Nach der Rückbildung: „Fit Dank Baby“
    „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“. Sowohl Blog als auch Buch.

    Ich liebe deinen Blog, deine Fotos, folge dir auf Instagram… Bitte mach weiter, manchmal sind die Postings genau die Motivation, die ich brauche.

    Halt die Ohren steif

    Miriam

    1. Liebe Miriam, ooooh, nicht weinen! Nur wenn es gut tut. 🙂 Deine geschichte klingt auch sehr, sehr anstrengend. Um so schöner zu lesen, dass du auch sagts: Es ost dennoch die schönste zeit und man würde kein anderes Kind haben wollen. Ist doch einfach vollkommenr Wahnsinn, oder? Ich staune da auch immer wieder. Mit großen Herzchenaugen.
      Deine Tipps finde ich super!
      Die Bahnhofsapotheke habe ich ja schon für Erkältungsbalsam (Engelwurz, Thymian Myrte) genutzt, Rose-teebaum ist somit notiert. Das Buch und der Blog vom gewünschtesten Wunschkind sind mir auch schon sehr oft ans Herz gelegt worden. Buch habe ich noch nicht. Blpog nur kurz angeschaut, Rechenrzeit so knapp… Und Rückbildung „Fit Dank baby“ habe ich hier auch schon rausgesucht. Das oder „Kangatraining“ oder „Fit mit Baby“
      Liebe Grüße, Heike

  7. Liebe Heike,

    vielen Dank für den schönen Artikel, ich war schon sooo gespannt auf deinen 6-Monate-Bericht und habe ihn eben verschlungen – ich war dabei so gefesselt, dass ich für meinen Freund nicht mehr ansprechbar war. Aber er kennt das schon, wenn ich deinen Blog lese. 😉 Du findest immer so treffende Worte und ich bewundere deinen Umgang und vor allem die ehrliche Beschreibung deiner Erfahrungen sehr. Oft genug verkneift man sich im Alltag eine ehrliche Antwort, wenn man gefragt wird: „Und, wie geht es dir mit Baby?“ – sogar bei Menschen, die sich wirklich dafür interessieren könnten. Diese Schwierigkeiten, die man durchlebt und die teilweise ja „nur gefühlt“ sind, sind manchmal so schwer in Worte zu fassen, dass man lieber einfach sagt: „Alles super!“. Ich muss sagen, dass mein absoluter Lieblingssatz der war: „quasi Nippel voran ins Kind springen…“. Den Move kenne ich!!! 😀 Diese Antwort wird mir jetzt jedes Mal auf der Zunge schweben, wenn meine alte Nachbarin wieder fragt: „Und, schläft die Kleine denn durch?“ – „Ach wissen Sie, wenn man nur rechtzeitig mit dem Nippel voran ins Kind springt, klappt das prima!“

    Ich hab noch eine neugierige Frage, die vielleicht wie ein halber Rat-„schlag“ klingen mag. Ich habe hier auch so eine kleine Trageprinzessin (jetzt fast 1 Jahr, aber Tragen/Stillen ist immer noch gaaanz hoch im Kurs). Womit ich mir ein bisschen Freiheit „erkaufen“ kann, ist eine Federwiege. Konkret mache ich es so: Baby in die Trage, dann eine Weile tanzen/wiegen und dabei stillen. Wenn es länger dauert, noch Meeresrauschen vom Handy – falls zufällig die Waschmaschine an ist, klappt das auch… 🙂 Wenn sie dann irgendwann schläft, hole ich sie vorsichtig aus der Trage und stecke sie in die Federwiege. Meistens wacht sie dabei noch mal ein bisschen auf, aber mit dem Wiegen klappt es ganz gut, sie wieder in den Schlaf zu schaukeln… Und dann ist ein Stündchen Ruhe, oder sogar zwei oder drei, wenn man rechtzeitig „Shhh“ macht und sie zurück in den Schlaf wiegt. Seit einigen Tagen schläft sie (wenn sie gaaanz müde ist) sogar lieber in der Federwiege ein als in der Trage, was für mich an ein kleines Wunder grenzt (was wohl niemand verstehen würde, der kein Tragejunkie-Baby hat…). Du kennst dich so gut aus, dass ich sicher bin, dass du diese Option auch schon in Erwägung gezogen hast – mich würde einfach interessieren, ob du damit Erfahrung hast? Hoffentlich habe ich nichts überlesen…

    Liebe Grüße
    Johanna

    1. Liebe Johanna, vielen lieben Dank! Das liest sich so schön! Freut mich so sehr, dass der Artikel so gut angekommen ist. Und dass ich dir jetzt einen Wortvorlage geben konnte. 😉
      Federwiege: Wir haben keine, aber ich habe das jetzt schon sehr sehr oft gelesen, das gerade man Babys, die sonst sehr aufs Tragen fixiert sind damit ein bisschen schneller aus der Trage rausbekommt. Ich liebäugle deshalb auch schon sehr mit einer Nonomo, aber die sind sooooo tuer. Nicht missverstehen, ich will merle ja nicht abschieben, aber bei eben grob 50 Tragekilometern die Woche… wäre es ganz schön, wenn es vielleicht einfach nur die Hälfte oder zwei Drittel sein könnte.
      Mal sehen. Eigene Erfahrungen habe ich also nicht sondern kenne nur viel Hörensagen.

      1. Liebe Heike,

        vielen Dank für deine schnelle Antwort! Ja, ich habe bei dem Preis auch lange gezögert, mir aber im Nachhinein gewünscht, ich hätte das Ding schon früher bestellt. Aber andererseits entscheidet man sich wahrscheinlich immer dann, etwas Neues zu probieren, wenn man es braucht und bereit dafür ist. Auf jeden Fall denke ich, man muss kein schlechtes Gewissen haben, dass man das Baby vielleicht abschiebt. Bei mir waren diese Bedenken spätestens weg, als ich das breite Grinsen auf ihrem Gesicht gesehen habe, als ich mal nach einer ungewöhnlich langen Zeit Stille nach ihr geguckt habe. Sie war schon wach, hat aber munter weiter geschaukelt. Und das bei einem Baby, das sonst keine Sekunde ohne Mama sein mag (auf mir drauf/an mir dran)… Als Reisebett ist es auch super, wenn das für euch mal aktueller wird. Wir haben in Hotels (mangels passender Türrahmen) die Wiege meistens in den Schrank gehängt. Klingt jetzt mehr so nach Harry Potter, wenn das Kind im Schrank schlafen muss, aber – um dir noch mal einen Satz zu klauen – hörst du die Stille? 😀

        Liebe Grüße
        Johanna

  8. Liebe Heike,
    meine Kinder sind fünf und sieben Jahre alt. Und ich habe Tränen in den Augen. Du hast das so großartig beschrieben! Unsere Große war auch so eine Rakete. Ich weiß nicht, wie viele Stunden wir mit ihr durch die Wohnung gelaufen sind, mittags, abends und nachts. Vor allem nachts. Heute weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich das durchgehalten habe. Aber in der Situation geht man einfach weiter, ein Schritt nach dem anderen (im Wortsinn ^^).
    Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich es erstaunlich, wie wenig ehrlich man als Eltern kommuniziert. Ich bin da ganz bei dir: auch ich wollte unsere Tochter nie als schwierig labeln. Aber diesen wahnsinnigen täglichen Kraftakt zuzugeben, warum fällt das so unglaublich schwer?
    Ich erinnere mich an eine Situation mit der Tante meines Mannes, einer wunderbaren alten Dame: Mein Sohn war ein halbes Jahr alt, ich hatte wieder angefangen zu arbeiten (ich bin Freiberuflerin), Alice, meine Tochter, im Kindergarten…. sie fragte mich, wie es mir geht und ich sagte sowas wie „Ach, alles super! Ein bisschen schwierig, Baby, Kleinkind und Arbeit unter einen Hut zubekommen, aber das klappt schon alles!“ Sie sah mich an und meinte „Dir ist das alles zuviel, oder?“ Und ich habe angefangen zu heulen.
    Es ist so wichtig, um Hilfe zu bitten, und sie auch anzunehmen. Nein zu sagen. Auszuruhen. Alles Sachen, die ich erst lernen musste. Du bist da auf einem so guten Weg! Sei stolz auf dich!

    Danke für deine Beiträge. Ich lese Dich so gerne und nehme immer was für mich aus deinen Posts mit.
    Und Daumen hoch für die nonomo! Wir hatten eine und sie war Gold wert! Und später ein 1a-Turngerät für das Raketenkind! :-))
    Liebe Grüße,
    Su

    1. Oh ja, das mit den Tränen in den Augen, das kenne ich. Wenn man einfach total gar gekocht ist. Dann braucht es nicht viel.
      Aber da sind eben diese Ansprüche, die man an sich selbst setllt, dass das eben doch machbar sein MUSS (von wegen!) und „die anderen“ schaffen das ja auch irgendwie und eben nicht vor sich und anderen eingestehen wollen, wie sehr man da auf dem Zahnfleisch geht. Es ist der krasseste Job der Welt. Das hatte ich vorher auch schon oft gehört. ich sage: Es ist eine absolute Grenzerfahrung. Die Geburt ist da der furiose Auftakt. Und dann geht das Feuerwerkt weiter.
      Ach ja, die Nonomo… ich liebäugel ein Weilchen rum…

  9. Mal wieder ein toller Artikel. Du schaffst es sehr gut, diese Zeit in Worte zu fassen. Ich erkenne vieles, was du über dich schreibst, aber auch meine Kinder entdecke ich immer wieder. Dass ich sauer bin auf meinen Mann, obwohl es keinen Sinn macht. Dass ich sooo wütend werde, wie ich nie dachte, dass es möglich ist. (Und hinterher immer ein schlechtes Gewissen habe.) Dass es mir im Nachhinein peinlich ist, was ich (kinderlos) über andere Mütter gedacht oder sogar gesagt habe. Dass ich irgendwie weicher geworden bin. (Und in meinem Fall: Total unkreativ. Das ging nach dem Abstillen aber immer wieder weg. Wenn das bei dir auch nur ansatzweise so ist, kannst du nachdem du abgestillt hast eine Jakob-Trilogie mit dazugehöriger Netflix-Serie fertigstellen. 😃) Nur eins habe ich nicht verstanden: Warum ist „Einfach ausprobieren.“ für dich ein No-Go-Satz? Ich sage das nämlich sehr oft und für mich ist das schon fast sowas wie ein Mantra geworden. Weil ich ganz oft nicht weiß, was ich machen soll und weil mir dann nur ausprobieren bleibt. Weil ich, wenn ich jemand einen Ratschlag gebe, nicht sagen möchte: „Genau so musst du es machen!“ Sondern eher einen Hinweis gebe: „Vielleicht könnte das klappen.“ Dass der Satz jemand verletzen könnte war mir bis jetzt nie bewusst und das war auch nie meine Absicht.
    Du wirkst jedenfalls sehr reflektiert und ich glaube, das ist ne gute Voraussetzung um mit einer Rakete klar zu kommen. Ich habe nämlich oft den Eindruck, dass es nicht unbedingt besser wird, aber man lernt besser damit umzugehen. Denn ich sage es mal so: Rakete bleibt Rakete. Und wenn man mal gelernt hat ne Rakete zu fliegen, dann möchte man auch nicht mehr auf einen Fiat Panda umsteigen.

    1. „Einfach ausprobieren“ bezieht sich darauf, immer wieder auszuprobieren, Merle abends mal von Benedcict tragen zu lassen. Er wird in Grund und Bodeng ebrüllt. Immer wieder zu probieren, etwas zu unternehen, auch wenn es nicht in ihren Rhythmus passt. Dafür bezahle ich sehr, sehr teuer. Auszuprobieren sie früher abzulegen und nicht erst nach den endlosen Märschen. Dann fangen wir von vorn an.
      „Never change a winning team“ wäre es hier eher. Bzw. kein „never“. Wir probieren jetzt immer erst neue Sachen, wenn es sich vom Bauchgefühl her gut und erfolgsversprechend anfühlt. So können wir JETZT versuchen sie von benny tragen zu lassen z.B. Aber die ganzen letzten Monate war diese „nochmal probieren“ einfach nur ein garant dafür zu scheitern, wenn wir doch eigentlich wussten, wie es stattdessen funktionierte.

      1. Danke fürs erklären. Du hast schon recht. Wenn man weiß, dass es nicht klappt, kann man sich das Ausprobieren getrost sparen. Eine ruhige Nacht wünsche ich.

  10. Liebe Heike,
    toll dass du deine Erfahrungen und Reflektionen mit uns teilst. Du kannst diese Erfahrungen sehr schön in Worte fassen. Ich freue mich immer von dir zu lesen!
    Es erinnert mich alles so an meine erste Tochter, vieles war auch so ähnlich wie bei euch. Wie ich in dieser Zeit über mich hinaus gewachsen bin!
    Nach den ersten 6 Monaten wurde es dann Schritt für Schritt leichter. Mit einem Jahr noch viel besser und als die fiesen Eckzähne durch waren, richtig schön. Heute ist sie fast 5 und immer noch sehr temperamentvoll, willensstark und nimmt alles auf, aber auch sehr einfühlsam, aufmerksam und kreativ. Und sie redet den ganzen Tag;)
    Ich hatte großen Respekt vor einer Babyzeit mit einem zweiten Kind, weil ich nicht wusste wie herausfordernd das zweite Kind wird. Jetzt ist unsere zweite Tochter neun Monate alt. Sie ist wieder ein Tragekind, stillt viel und hat einen starken Willen. Aber sie ist auch geduldiger, hat weniger Probleme mit Bauchweh, Zähnen etc. und mir hilft es sehr zu wissen, dass es jeden Monat besser wird. Das Mindset macht viel aus für mein eigenes Wohlbefinden und meine Gelassenheit, da hast du so recht!
    Liebe Grüße!

    1. Das liest sich toll! Gerade auch das gestärkt aus der Situation hervor gehen für ein zweites Kind. Ich kann mir in dichter Geburtsfolge kein Geschwisterkind für Merle vorstellen, weil ich denke, da könnte ich dann keinem Kind gerecht werden. Und was ist, wenn sie älter ist, wird sich dann zeigen. Aber ich glaube auch, dass es viel ausmacht, wenn man so eine harte Zeit dann schon mal geschafft hat und es ein so positives Bild am Ende war. 🙂

      1. Wir wollten eigentlich immer zwei Kinder. Aber nach Geburt und dem herausfordernden ersten Jahr, konnte ich mir das erst einmal nicht mehr vorstellen. Als meine Tochter zwei war und wir so viel Spaß miteinander hatten, wollte ich die Zeit mit ihr genießen und konnte mir erst einmal kein zweites Kind vorstellen. Alle drum herum waren dann schwanger mit Kind 2, für mich wäre es zu früh gewesen. Sie war dann 4 als wir ein zweites Kind bekommen haben und das passt für uns sehr gut. Es war für mich wichtig zu schauen, ob und wann für uns ein zweites Kind passt und mich nicht von den Erwartungen anderer, dass nach 2-3 Jahren Kind 2 folgt, verunsichern zu lassen. Den eigenen Weg finden ist so wichtig und manchmal so schwer.
        Liebe Grüße!

  11. Ach das ist wieder so ein schöner Artikel, und so interessante Kommentare. Ich musste ihn gerade nochmal in Ruhe lesen weil ich es leider bisher nicht geschafft hatte ihn in einem Rutsch mit allen Kommentaren zu lesen… 😉

    So viele wahre Gedanken und so viele wahre Gefühle. In manchen Punkten widersprüchlich, möchte man meinen, oberflächlich betrachtet. Aber eben wieder nicht, denn dieses Thema bietet nun mal alle Schattierungen der Farbpalette und das bei jedem einzelnen Kind, obwohl die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es tut mir echt gut das zu lesen. Vielen Dank dafür.

    Ja, was es bedeutet ein Kind zu haben kann man erst erfassen wenn man es hat, und selbst dann hat man noch nicht viel Ahnung was es bedeutet ein anderes Kind zu haben als das eigene. Denn obwohl es immer viele Gemeinsamkeiten gibt ist doch jedes anders. Trotzdem hat wie ich finde jeder ein Recht darauf sich im Vorfeld Gedanken zu machen und zu spekulieren, sich vorzustellen welche Probleme auftauchen könnten und wie man damit umgehen möchte. Das ist niemals etwas schlechtes und dein Artikel wie du dir das Leben mit Baby vorstellst gefällt mir nach wie vor unheimlich gut. Sollte man sich bei seinen Plänen und Spekulationen verechnen, irren, täuschen braucht man sich dafür nicht zu schämen. Ja, klar. Solche Gedanken im Vorfeld öffentlich zu machen traut sich nicht jeder. Besonders wenn sich andere missverstanden oder herausgefordert fühlen. Macht einen irgendwie angreifbar. Na und? Ich finde Du gehst gut damit um und in vielen Punkten hast Du ja goldrichtig gelegen und in den Punkten in denen Du dich verschätzt hast bist Du auch mit individuellen Gegebenheiten konfrontiert worden die bei jedem Kind/Wochenbett anders sind. Es ist wie eine Lotterie: von der unkomplizierten Topfpflanze bis zum Schreibaby ist alles möglich. Das kann keiner vorher wissen. Und eine Topfpflanze kann im Laufe der Zeit auch mal Schreiphasen haben und umgekehrt.

    Auch dass viele ihrem Kind kein Label verpasst haben wollen, kann ich verstehen. Mein Kind hat ein Label: unkomplizierter Sonnenschein. Ist auch wirklich wahr. Und ich bin glücklich darüber. In der Öffentlichkeit, im Umgang mit anderen Menschen, beim Kennenlernen einer neuen Umgebung oder neuer Gegenstände kommen die positiven Seiten zum Vorschein: entweder friedlich schlafend oder neugierig, aktiv, aufgeschlossen, furchtlos, selbstzufrieden, fröhlich, unternehmerisch, gesundes Urvertrauen, alles von Anfang an. Sie braucht das Abenteuer und fordert es ein. ABER die Sonne kann eben nicht immer unentwegt scheinen und auch wir hatten ganz besonders im zweiten Halbjahr, auch ganz besonders abends und nachts viele anstrengende Stunden. Die Schattenseite unserer kleinen Entdeckerin: irgendwann, irgendwie muss das kleine Köpfchen das alles auch verarbeiten und zur Ruhe kommen. Mit viel tragen, kuscheln, co-sleeping im Familienbett, beruhigen, singen, vorlesen, dauerstillen, clustern und wieder von vorn. Davon bekommt halt keiner was mit. Wenn ich jemanden um Rat gebeten habe bekam ich oft nur als Antwort ich solle mich nicht beklagen, sondern dankbar sein. Bin ich ja, nur den perfekten Mittelweg zwischen Langeweile und Überreizung zu finden ist eben nicht immer leicht.

    Ich verstehe auch sehr gut dass es irgendwann Sätze gibt auf die man allergisch reagiert. Das mit dem Ausprobieren war es bei uns nicht, denn bei uns fand die kleine Sonne tatsächlich oft bei wiederholtem Ausprobieren Gefallen an etwas das sie zuerst doof fand, allerdings haben wir beim „Ausprobieren“ schon meist darauf geachtet den Bogen nicht zu überspannen, teilweise relativ lange Zeitabstände zwischen den Versuchen gehabt und beim leisesten Anzeichen von Unmut das Experiment beendet/wieder vertagt. Und Dinge die „immer“ funktioniert hatten funktionierten eben manchmal plötzlich gar nicht mehr. „Never change a running system“ war bei uns eher „Changes keep the system running“ oder so ähnlich.

    Was mir jedoch oft Tränen in die Augen getrieben hat war der Satz „Tragen ist Liebe – tragt sie doch länger, irgendwann schläft sie schon“. Wir tragen und sie liebt es. Und zwar zusammengerechnet auch relativ viel, mehrere Stunden pro Tag. Aber unser Mädchen hält es in der Trage nur dann dauerhaft aus wenn sie müde ist. Entweder sie schläft in dieser Zeit ein oder sie will nach ca. 30 Minuten raus. Wenn sie nicht müde ist will sie sich bewegen, nicht nur gucken sondern alles anfassen. Und nein, sie solange zu tragen bis sie müde wird ist keine Option, das macht sie wütend. Da hat mir das Buch „Schlaf gut, Baby“ von Renz-Polster geholfen ihre Signale richtig zu verstehen und mir das Marathontragen abzugewöhnen das andere Babys so toll finden. Jetzt kommt sie in die Trage sobald sich ein „Schlaffenster“ öffnet und wieder raus wenn das Fenster sich wieder schließt ohne dass sie in den Schlaf gefunden hat. Ja, die Abende dauern manchmal auch jetzt noch bis 22-23 Uhr, aber viel seltener und ohne Schreien und Treten.

    Schon irre wie unterschiedlich die Kinder sind… und auch oft wieder nicht. Ihr macht das mit Merle echt klasse, sehr inspirierend.

    Liebe Grüße und vielen lieben Dank

    1. Ach, deoin Sonnenschein klingt toll und merle auch gar nicht so unähnlich. Das, was andere mitbekommen ist ja auch eher die helle Seite, nur eben die daraus resultierende Üebrreizung, die das oft ergeben hat, die haben wir dann abends und anchts allein ausgebadet. „Immer wieder ausprobieren“ geht wirklich gut nach Bauchgefühl. Sonst quälen wir sie und uns. Das mit dem öfter was utnernehmen war der absolute Klassiker, aber etwas unspektakulärer war es das Baden. Sie hat es gehasst. Sehr lange. Geschrien und geweint. Also haben wir sie sehr lange nur gewaschen, das fand sie in Ordnung. Und dann langsam rantasten. Nur mal nackig sein und Füße eintunken. Fertig. Dann bis zum Bein. Und fertig. Und dann konnten wir sie zu uns mit in die Wanne nehmen, so, dass sie auf meinen Beinen gesessen hat. Und erst seit dem letzten Mal findet sie es auch schön mal mit dem Oberkörper im Wasser zu sein.

      Marathontragen: bei uns vor allem dadruch bedingt, dass sie es nicht bei jedem Schalffenster schafft und dann total übermüdet und fertig ist, dann können wir sie auch nicht mehr ablegen plus wenn sie dann schläft hatten wir das bis vor ganz Kurzem, dass wir sie nicht aus der Trage ablegen konnten, ohne, dass sie wach wurde. Und sie fordert Geschwindigkeit beim Tragen. Nix hier mit sanftem Wiegegang. Stechschritt! Hopserlauf! Ausfallschritte! 😀
      Aber es ist jetzt besser. Und wir haben heute einen Nonomo gekauft. Weil ich denke, dass sie jetzt in die Phase kommen könnte, da wiegen genügt und sie nicht mehr dauerhaft an mir kleben muss. Zumindest um dann eben weiter zu schlafen.
      Bezüglich „Tragen ist Liebe. irgendwann schöäft sie schon“ wäre es bei uns eher „Nähe ist Liebe.“ Tragen macht viel davon aus für uns, aber an sich ist es das: Baby müde, dann braucht sie Nähe. In der Trage. Auf dem Arm, Auf dem Schoß. Im Bett. Selbst wenn sie dann noch nicht schläft und wir sie etwas bespielen müssen, damit sie müde genug wird bzw das nächste Schlaffenster erreicht muss es dann was mit Körperkontakt sein. Finde ich aber okay. 🙂

  12. Sehr toller Beitrag, sehr tolle Kommentare!

    Erstmal allen anderen Mitmüttern eine große Portion Liebe, Gesehenwerden, in den Arm nehmen und high five: Ihr seid alle klasse und macht das super!!!

    Mein Kleiner ist fast drei Monate alt. Und hier zeigt sich wieder, wie unterschiedlich und unberechenbar Kinder nunmal sind – denn er fällt in die Kategorie „pflegeleicht“. Heißt, muss nicht getragen werden, schläft gut, schreit wenig, isst gut. Milch abpumpen, einfrieren und Papa verfüttert die abends während Mama für vier Stunden zur Bandprobe verschwindet? Kein Thema. Wenn er müde ist, dann will er sogar gar keinen Körperkontakt, sondern bitte in Ruhe alleine in sein Bettchen gelegt werden.

    Folglich läuft bei uns alles superflockig, ich kriege nachts genug Schlaf, kann tagsüber Sachen machen während das Kind wach ist, Sport machen, Haushalt erledigen, gesunde Mahlzeiten kochen, etc.

    Leider sehen die Leute so Fälle wie mich und denken dann, es „müsste“ überall so sein. Und dass diejenigen, bei denen es nicht so ist, etwas „falsch“ machen. Oder dass mit deren Kindern etwas „falsch“ sei. Lasst Euch das nicht einreden! Ich mache nichts „besser“ oder „anders“ – mein Kind ist einfach so, da habe ich null Verdienst dran. Und es kann auch von heute auf morgen irgendwas passieren, so dass sich das schlagartig ändert 😉

    Ich hoffe mein Beitrag kommt jetzt nicht als Angeberei oder so rüber. Wenn ich nicht selber bei Freunden und Verwandten miterlebt hätte, wie groß das Spektrum bei Babys ist, würde ich mich vielleicht auch wundern wenn ein Kind viel schreit und viel getragen werden möchte, weil ich es halt bei meinem nicht kenne. Das ist aber für doofe Sprüche keine Entschuldigung 😉 und erst Recht nicht für blöde Ratschläge. Lasst Euch da bloß nichts einreden, Ihr wisst ganz alleine was am besten für Eure Kinder funktioniert.

    Alles Liebe und Gute und viel Flausch und starke Nerven in die Runde!

    1. Oh ich finde deinen Kommentar hier ganz toll! Der isz richtig nötig, um das Bild hier nich gerader zu rücken, was eben die ganze Bandbreite angeht. Ich kenne selbst mittlerweile auch beide Extreme und sie sind beide toll, denn es sind beides letzendlich glückliche Kinder. Wenn man ihnen gerecht wird. Bei dem einen mit mehr Ruhe, bei dem einen mit mehr aktiver Unterstützung. Das Schöne ist ja einfach, dass man so oder so sein Kind so sehr liebt. Für das, was es ist. Für Sanftmut und Wildheit. Für die lauten und die leisen Töne.
      Nur das mit der elterlichen Müdigkeit ist bei den Wildfängen eben doch eine Nummer härter. Und ich sage: Das liegt mal wieder weniger an den Kindern als daran, dass die Mütter/Eltern so allein sind mit ihren Babys. das merke ich ja allein dann schon wenn ich mal einen Nachm ittag Unterstützung habe. Da hängt ja trotzdem noch das meiste an mir, aber es gibt immer wieder 5min Lücken für in Ruhe aufs Klo gehen und mal nicht bestrampelt und angekreischt werden. Das reicht oft gut aus um dann nach den 5 Minuten wieder voll da zu sein.

      1. Ja, mit dem Schlaf steht und fällt alles!

        Man muss auch immer bedenken, dass wir ja aus der Erwachsenenperspektive denken. Du hast das schon richtig benannt: Merle sorgt für sich. Sie stellt aus ihrer Babyperspektive ihr Überleben sicher.

        Dass sie so viel Nähe einfordert ist eigentlich ziemlich schlau wenn man es so betrachtet. Meinen Sohn könnte ich so gesehen selbst wenn er wach ist irgendwo hinstellen und vergessen, der würde sich erst nach mehreren Minuten wundern und noch viel später beschweren. Das ist so gesehen für so ein kleines Wesen, das komplett auf andere angewiesen ist ganz schön vertrauensselig 😉 (wäre man böse könnte man sagen treudoof).

        Ich stelle mir grade spaßeshalber vor, was er und Merle wohl zueinander sagen würden wenn sie darüber sprechen könnten ;-D

        1. Die Vorstellung, dass die beiden sich unterhalten, finde ich irgendwie total süß.
          Ich glaube Merle würde sowas sagen wie: „Hey du, hilf mit beim Rufen, de Großen sind weg! Und wenn die weg sind, dann gibt es keine Milch, es wird kalt und wir kommen an nichts dran! Ich seh nix! Wo sind die? Die haben uns vergessen! Los jetzt, Alarm!“ Und er würde sagen: „Aber wieso denn? Hier ist es ruhig und gut, was soll denn passieren, wenn sie nicht da sind? Vertrau doch auf das Gute. Die Großen sind gut.“ „Ja, aber sie haben uns vergessen!“ „Die kommen wieder.“ „Wie kannst du da so sicher sein?“ „Weil sie immer wieder kommen.“ „Ja, wenn man nach ihnen ruft!“
          Und so weiter. Ich finde das lustig. 😀
          Icj glaube er vertraut einfach total darauf, dass die Welt gut ist, weil ihm ja nichts schlechtes wiederfährt, und das ist toll. Und Merle glaubt daran, dass es direkt an der Quelle von Wärme, Nähe, Milch und Ausguck einfach der beste Ort der Welt ist. Beide haben Recht. 🙂

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