18. Dezember 2017

Wie ist das Leben mit Kind? – 3 Monate altes Baby

Erster Einblick in „Wie ist es denn nun wirklich?“ Im Vergleich zu den Vorstellungen, die ich noch schwanger hatte.

Merle ist nun also etwa 3 Monate alt (16 Wochen) und ein „richtiges“ Baby, kein Neugeborenes mehr, mit dem Wochenbett kann ich also jetzt nicht mehr argumentieren. Auch wenn ich generell das Gefühl hatte unseres ging eher so bis Woche 12, sowohl was unsere Stillgeschichte angeht als auch mein körperliches Abheilen. Das ist eben doch sehr individuell und die üblichen 40 Tage, die so gern veranschlagt werden, die haben bei uns längst nicht gereicht.

Da jedes Baby anders ist (und jede Mutter und jede Familienkonstellation auch) hier unsere Eckdaten, denn vergleichbar bleibt es auch damit nicht wirklich, aber besser einzuordnen. Bedenkt auch immer, dass ihr den Leuten nur vor  den Kopf gucken könnt. Vor allem, wenn man sich nicht SEHR gut kennt, könnt ihr davon ausgehen, dass ihr vermutlich nicht die ganze Wahrheit vom Leben mit Kindern erfahrt, wenn ihr fragt. Smalltalk über Koinder ist für Kinderlose ja sowieso schon immer hart an der Grenze zu tödlicher Langeweile. Und wenn dann noch die Themen um durchwachte Nächte und Windelunfälle kreisen… Da erzählen die stolzen Eltern (denn die meisten sind stolz, egal wie müde sie dabei sind) dann doch lieber davon wie niedlich das kleine Päckchen Mensch ist, das ihnen daheim die Wände zusammenbrüllt. Das es sich schon drehen kann oder greifen oder niedliche Geräusche machen oder was auch immer. Man will sich ja nicht toal ins kommunikative Abseits befördern. Und wenn jemand sagt, dass es so gut läuft: ihr wisst erst mal vielleicht nicht, wer da alles noch mithilft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es alles wirklich steht und fällt mit der Hilfe, die man bekommt, bzw. bekommen kann oder bereit ist anzunehmen.Selbsterklärend ist der Alltag für eine Alleinerziehende bedeutend härter, als für ein Elternpaar, bei dem zum Beispiel beide gerade in Elternzeit sind oder wo die Oma eine Straße weiter wohnt und regelmäßig vorbeischaut um das Baby zu bespaßen oder zum Mittagessen einlädt.

Ich bin in also Elternzeit somit arbeite ich derzeit nicht, Benedict arbeitet nach einem Monat Elternzeit direkt nach der Geburt nun wieder voll. Die Großeltern können aus diversen Gründen bei uns so gut wie nicht unterstützen. Es gibt keine andere Verwandtschaft, die einspringen könnte. Ich habe eine andere Mama-Freundin hier vor Ort, mit der ich mich regelmäßig treffe (unsere Töchter sind nur 25  Stunden nacheinandner geboren worden, wir waren schon zusammen schwanger), ansonsten liebe ich mein soziales Netzwerk vor allem auf Instagram, was den Mama-Austausch angeht. das rettet mir manchmal echt den Verstand. An dieser Stelle: Huhu ihr Lieben! Schön dass es euch gibt! Ihr wisst schon, wer gemeint ist. 🙂

Merle ist neugierig, geduldig, hat eine wie ich finde sehr nachvollziehbarer Reizschwelle (also die Grenze zischen genau richtig viel Input und oh nee, jetzt wird es zu viel), wenngleich das für viele von außen als eher empfindlich wahrgenommen wird. Sie kommuniziert sehr eindeutig (oder ich kann es mittlerweile gut lesen…? Ich habe kein Vergleichsbaby, also hier auch wieder schwierig für euch wirklich zu sehen, was ich meine) und zu dieser Eindeutigkeit gehört, dass sie nicht in einer vollen Windel liegt ohne Protest (sie weist erst darauf hin und wenn man dem nicht nachkommt, wird verständlicherweise gebrüllt), sie sich nur sehr begrenzt durch Ablenkung vom eigentlichen Bedürfnis abbringen lässt (Langeweile bleibt Langeweile und lässt sich nicht mit der Brust trösten und auch nicht umgekehrt) und sie Interaktion erwartet. Was ja passt. Denn Kommunikation mit der Zimmerdecke ist ja auch eher fad. Das kann man als Klette erleben und so ging es mir zu Anfang auch. Mittlerweile denke ich eher, dass sie eben gut für sich sorgt. Der in ihren Augen beste Ort hat etwa den Radius meiner Armeslänge und je näher am Zentrum, desto besser. Da ist ja alles, was ihr gefällt. Außerhalb des Radius fällt ihr dann ja sehr schnell auf, dass sie nicht selbst vom Fleck kommt und alles rund um Hunger, Pipi, kalt bedeutend schwerer den Eltern zu vermitteln ist. Rufen kostet Kraft. Auf meinem Arm ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich niederschwellige Signale mitbekomme, bevor ein Bedürfnis drängend wird. Aktuell entwickelt sie sich dahin gehend weiter, dass Sichtweite schon öfter genügt. WObei Körpernähe einfach durch nichts zu ersetzen ist.

Wäre ich sie, ich würde es genauso machen. Würde ich von außen auf uns drauf sehen würde ich denken: „Ui. Woher weiß Heike jetzt, dass die kleine Pipi muss? Und kraaaass. das ist echt schon eine Art Symbiose. Muss man wollen…“

Oder man muss sich drauf einlassen, sage ich. Sage ich jetzt. Denn es hat eine Weile gedauert. Und glaubt mal nicht, dass ich mir nicht ab und an doch mal wünsche etwas mehr Ich und etwas weniger Wir zu sein. Aber so zum großen Ausblick, da kommen wir am Schluss.

Also.

„Wenn das Baby erst mal da ist, wirst du nicht mehr zum Schlafen kommen.“

Erwartungen: Das kriege ich schon hin, Schlafen, wenn Baby schläft. Man muss nur noch genug priorisieren und sich Hilfe holen.

Realität: Im Wochenbett hat Merle so wenig und vor allem so wenig am Stück geschlafen, dass das absolut nicht ging. Jetzt, allmählich, läuft es tatsächlich ziemlich genau so. Was aber nicht heißt, das Schlaf jetzt einfach so gewuppt wird. Nach wie vor ist es ein sensibles Thema, um das ich den ganzen Tag drumherum planen muss. Tue ich das, klappt es aber dafür auch. Seit Merle 5kg und die 3 Monate erreicht sind, hat es sich deutlich entspannt und auch das Vollstillen hat viel dazu beigetragen, dass wir endlich mehr Ruhe haben. Vorher war Merle Wenigschläfer mit nur etwa 11h auf 24h, teils weniger. Die Vermutung liegt nahe, dass es mit an Durst und Hunger lagen, um ihr leichtes Startgewicht wettzumachen. Hat geklappt. Aber hui… Jetzt kommt sie auf gut 15h. Die ist dabei eine Nachteule, die erst sehr spät Abends (teils kurz vor Mitternacht) einschläft und dann aber dafür lang in den Vormitag schlummert. Termine am Vormittag sind für uns nicht wahrnehmbar.

Ich wusste aber zum Beispiel nicht (und hatte das dementsprechend auch nicht erwartet), dass es jeden (!) Abend gut und gern 3-4 Stunden dauern kann, bis das Baby schläft. Ein circadianer Rhythmus muss sich erst noch entwickeln und auch das Einschlafen als Solches ist für Babys nicht gerade einfach. Im Familienbett zu schlafen (Co-Sleeping) ist für uns Gold wert. So kann ich liegen und ruhen, wenn Merle einfach Probleme hat in den Schlaf zu finden und grad nur Gesellschaft braucht und kein aktives Interagieren durch tragen, schaukeln, noch mal wickeln… Sie fühlt sich sicherer. Ein eigenes Kinderbett haben wir ausprobiert, nur um es getestet zu haben. Sie war nicht begeistert, so gar nicht.

Mittlerweile finde ich das Familienbett aber echt schön. Ich habe mich an die Schlafpositionen gewöhnt und finde es ziemlich süß, wie sie sich ankuschelt (kann nicht krabbeln und nicht robben, aber sie findet trotzdem zielstrebig den Weg in meine Armbeuge mit am besten noch einem Kontrollhändchen an meiner Brust). Ich kann sie so auch bequemer stillen. Wir sind immer noch bei alle 2-3 Stunden, ab und an auch mal nur alle 4h, manchmal aber auch öfter. Damit bin ich voll einverstanden, da ich mittlerweile auch endlich gut wieder in den Schlaf zurück finde und manchmal morgens noch nicht mal mehr weiß, wie oft sie angekommen ist. Aufstehen würde ich dafür echt nicht wollen (also um sie aus dem Kinderbett zu holen). Auch toll ist, dass sie jetzt nicht mehr so oft nachts gewickelt werden muss, sie hält länger durch als noch als Neugeborene. In einer vollen Windel hat sie wie schon erwähnt noch nie geschlafen. Keine Chance. Eigentlich ja eine gute Sache, bloß anstrengend für die Wickelbeauftragten.

Fazit: Jedes Baby ist anders. Wenigschläfer und vor allem Kurzschläfer sind definitiv eine echte Herausforderung. Die ersten 3 Monate hake ich echt ab als: Hölle. Schlafhölle. Aber das Fegefeuer scheint nun langsam auszuglimmen und einer gewissen Lagerfeuerromatik zu weichen. Will heißen es ist immer noch ab und an reichlich unbequem, und morgens sind die Knochen steif, aber es hat seinen eigenen kleinen Zauber. Seit ich mich darauf einlassen kann, ist es plötzlich schön. Wie gesagt, anstrengend, aber schön. Das Lagerfeuerbild ist wirklich ganz passend.

„Wenn das Baby da ist, kommst du nicht mehr dazu (so gesund) zu essen.“

Erwartungen: Weiterhin sehr gesund essen, eventuell wird es etwas langweiliger, weil weniger Zeit für die Zubereitung ist.

Realität: Entspricht ziemlich den Erwartungen. Ich esse mehr als erwartet, das ja, was viel mit meinen Problemen beim Stillen zu tun hat, aber ich esse bestimmt nicht weniger und ungesünder auch nicht, eher noch penibler. Die Gerichte sind einfacher und schneller geworden und wenn ich zu nix mehr komme, reiße ich eine Tüte Nüsse auf und dann esse ich die auf. Es gab in den letzten 16 Wochen eine handvoll Tage, an denen ich mich echt mieserabel ernährt habe. Das waren Tage mit rasant hohem Stresspegel. Wenn es nicht möglich ist Stress abzubauen durch Ruhe, Yoga, Sport, was Schönes für sich tun (weil eben das Baby permanent fordert), dann ist ein Schokoriegel eine der ganz wenigen überhaupt möglichen Mikrofluchten. Das rächt sich aber ziemlich schnell. Das Zuckerloch danach macht das Funktionieren noch schwerer und generell merke ich deutlich, dass die Nährstoffe fehlen und ich nur für kleine Nervenkicks gefuttert habe, ganz sicherlich aber nicht, um mich auszubalancieren, was wichtiger wäre. Drum kommt das zwar vor, aber ich lasse es dann direkt wieder. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich mich kasteien würde, im Gegenteil. Ich kümmere mich so gut wie möglich um meinen Körper, er leistet derzeit Großes. Derzeit… Seit ziemlich genau einem Jahr!

Fazit: Läuft. Wäre ich alleinerziehend, sähe es vermutlich anders aus. Aber tatsächlich mache ich den Großteil meines Essens selbst. Merle mag die Küche und bleibt da ziemlich lange friedlich auf dem Arm, in der Trage oder sogar im Babybay. Die Arbeit und teils auch Disziplin, die ich in gesundes, nährstoffdichtes Essen investiere, zahlt sich mehrfach wieder aus, wenn ich zu Unzeiten dann funktionieren und ein weinendes Baby beruhigen muss. Wobeid as weinende Baby bedeutend seltener geworden ist seit wir grob die 100 Tage geschafft haben. 🙂

„Mit Kind hast du keine Zeit für Workouts.“

Erwartungen: Wird schwieriger unterzubringen und sicherlich oft nicht am Stück ablaufen, aber doch, ich werde sporteln.

Realität: Rückbildung ist schnarchlangweilig, aber ich weiß jetzt, weshalb das so ist: Der Körper ist echt lädiert nach der Geburt, zumindest war es meiner. Das Wochenbett klammere ich hier mal aus, denn das verbuche ich nicht als das, was ich meinte mit „Leben mit Kind“, sondern ich meinte die Zeit nach diesem Ausnahmezustand. Somit mache ich jeden Tag Yoga. Zwischen 2 und 15 Minuten, je nach dem, wie lang Merle mich lässt. Meistens sind es 10 Minuten und oft gestückt auf 2x 5min, weil sie zwischendurch etwas einfordert wie stillen oder Windel wechseln oder Langeweile bekämpfen. Sie liegt also ein paar Meter neben mir und ich reiche zwischendruch Spielzeug an, singe bei den Übungen oder hebe sie auf den Arm, wenn ich ein paar Kniebeugen mache. Das ist echt nichts, was entspanntes Yoga wäre, aber immerhin bewege ich meinen Körper einmal durch, was als Kompensation der immer wieder gleichen Hebebewegungen echt Not tut. Bei Heben bin ich auch sehr penibel geworden. Seit sie über 5kg wiegt gehtd as sonst ganz schön in den Rücken.
Meine Mittagsrunden zähle ich als Low Intesity Workouts, denn danach bin ich geschwitzt und der Puls war erhöht. So ein Baby und erst recht ein Kinderwagen wiegt ganz schön und hier sind viele Steigungen. Ich bevorzuge die Trage.

Wenn ich einen optimalen Tag habe, werde ich etwa 20 Minuten vor Merle wach, kann mir schon mal einen Tee kochen, kurz auf der Terrasse durchatmen und mache dann Yoga, bis sie ruft, weil sie wach ist (nicht weint!). Das tut immer enorm gut. Mir dafür aber den Wecker zu stellen ist es nicht werrt, Schlaf hat Vorrang. Wenn tagsüber gar nichts ging, dann mache ich ein Minidehnprogram, wenn Benedict im Feierabend daheim ist und Merle wickelt, trägt und bespielt.

Fazit: Ich musste die Workouts anpassen und Yoga ist mal wieder die Antwort auf die meisten Fragen. Es ist nicht einfach unterzubringen, aber es geht. Ich investiere lieber diese Zeit in mich, als Kopfschmerzen zu riskieren, da haben alle Beteiligten noch weniger von. Hatten wir nämlich auch schon und das war dann so richtig ätzend. Hier gilt dasselbe wie beim Essen: Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich hier quälen und reglementieren wollte. Es ist echte Zeit für mich, ich tue mir etwas Gutes. Mir fehlt die Bewegung und das gute Essen sehr schnell, wenn ich es nicht bekomme.

„Wenn du erst mal Mutter bist, hast du andere Prioritäten als dich hübsch zu machen.“

Erwartungen: Halbe Zustimmung, denn es gibt vieles, was wichtiger ist. Aber jeden Tag anziehen und kämmen und 5min fürs Gesicht muss sein. Ich sehe mich, Merle sieht mich, ich will mich wohlfühlen und mich nicht nach totalem Versumpfen fühlen.

Realität: Mjoah, fast. Im Wochenbett gingen wegen der Schmerzen nur Schlabberhosen, mittlerweile kann ich mich wieder normal kleiden, einzig es passt nicht mehr alles, weil ich schwerer bin bzw. meine Proportionen anders sind. Es gab bisher 2 Tage, in denen ich nicht aus dem Schlafi gekommen bin und das waren Tage mit Erkältung. Da sumpfe ich auch ohne Baby rum. Ich dusche oft abends, wenn ich morgens mit Baby allein bin, damit ich mich dann nur noch umziehen muss. Schminken und frisieren fällt tatsächlich derzeit ziemlich flach. Wenn ich da mal „mehr“ mache, gibt es einen Flechtdutt, Wimpertusche und etwas Blush. Jedes mal umziehen nach Babyspucke auf Schulter oder Ärmel ist nicht drin. Also ja, doch, ich laufe auch mit Milchkotzflecken rum. Und meine Haare sehen echt doof aus, weil ich nur stramm dutten kann, weil ich durch den postpartalen Haarausfall sonst alles vollhaare. Müde Haut ist ungeschminkt auch nicht grad hübscher. Also, ja, ich muss gestehen, der Punkt läuft nicht wie erwartet und es wurmt mich. Ich mag mich manchmal nicht sonderlich gern, wenn ich in den Spiegel gucke. Was mich dann immer wieder aufbaut, ist, wenn ich Merle anschaue. Sie ist ein kleiner Exosymbiont derzeit. Also denke ich mir einfach, dass sie ja quasi ein Teil von mir ist, und der ist ziemlich süß. Passt also. 😉

Fazit: Mega wichtig. Ich kann das gar nicht leiden, wenn sich das sehr nach hinten verschiebt, bis ich angezogen bin. Kann ich absolut nur empfehlen. Das Gefühl von Lagerkoller und „ich bin jetzt also nur noch Mutter?!“ verstärkt sich massiv, wenn ich mich nicht fertig mache. Davon ab auch gleichzeitig eher unwichtig. Hier profitiere ich sehr von einer Garderobe, in der praktisch alles zueinander passt. Ich hätte keinen Nerv aktuell Outfits zusammenzustellen. Tage, an denen ich mich wirklich nicht fertig gemacht haben, haben sich tatsächlich super mies angefühlt. Dass derzeit Haare und Make-up absolut nicht das sind, was ich an mir mag, ist doof genug, aber zumindest läuft der Rest, weil ich nicht drüber nachdenken muss.

„Mit Kind kannst du so einen ordentlichen Haushalt gar nicht aufrechterhalten.“

Erwartungen: Alles hat seinen Platz, und das wird auch so bleiben. Mit Kind ist Ordnung noch mal wichtiger. Es fällt mir aber kein Zacken aus der Krone, wenn ich nicht so oft Staub saugen kann.

Realität: Ziemlich genau so – aber auch erst wieder nach dem Wochenbett. Im Wochenbett war hier einfach alles zu viel. Die Taktung ist enger und wir sind noch effektiver geworden. Auch brauchten wir zwei Wochen, um die Wohnung noch mal umzustrukturieren, weil nach der Geburt doch noch etliche Dinge angeschafft wurden, von denen wir nicht gedacht hätten, dass wir sie brauchen und diese Dinge forderten ihren Platz, aber jetzt ist es tatsächlich so: Jedes Ding hat ein Zuhause und das ist Gold wert. Ich fange nichts Neues an, bevor nicht etwas Vorheriges beendet wurde. Ganz wichtig auch: Vorrausschauen. Immer sehen, was als nächstes passieren wird und das wieder vorbereiten, dann staut es nicht. Am störendsten ist tatsächlich der Papierkram. Dem werden wir aktuell nicht so Herr, wie wir uns das wünschen. Einfach weil solche Bearbeitungen doch Zeit am Stück brauchen. Im Bad kann ich mal hier, mal da irgendwo drüber wischen. Aber wenn ich etwas ausfüllen soll, dann macht das wenig bis gar keinen Sinn das zeilenweise zu tun. Und oh ja, hier wird selten gesaugt. Denn das geht vom Zeitfenster her nur, wenn Merle schläft (und dann ist das zu laut) oder unterwegs ist. Kann ich also unter der Woche nicht machen und wenn Benedict und ich am Wochenende zusammen mit der Kleinen spazieren wollen oder auch die kostbare Zeit, in der sie schläft einfach mal zusammen in Ruhe essen oder – Gott bewahre! 😉 – fernsehen wollen, dann wird auch nicht gesaugt.

Fazit: Der Nestbau- und Putztrieb Ende der Schwangeschaft macht enorm Sinn. Absprachen mit dem Partner sind unumgänglich. Ohne Partner wäre es die Hölle. Ehrlich. Ich kann einfach nur wirklich jedem, der es sich irgendwie leisten kann, eine Haushaltshilfe/Putzfrau empfehlen, die zumindest einmal die Woche kommt. Ich überelege da schon eine ganze Weile drauf rum. Aber es ist eben teuer. Davon ab wünschte ich, ich wäre noch besser im Minimalismus. Wirklich jedes Teil, das in der Wohnung ist, ist tendentiell eines zu viel, weil es Stauraum will und Aufmerksamkeit und Putzpflege. Wäre ich noch mal schwanger, ich würde noch viel rigoroser ausmisten, als ich das schon getan habe.

„Wenn du ein Kind hast, wirst du deinen Blog/dein Buch/Hobby XY aufgeben müssen!“

Erwartungen: Es wird sehr viel schwieriger, weil viele Prioritäten wichtiger sind, aber nein, ich werde mich und meine Interessen nicht aufgeben. Es wird dauern, bis ich im Tagesablauf dazu übergehen kann, aber ich werde weiter ich sein.

Realität: Es dauert teilweise mehrere Tage, bis ich etwas wieder angehen kann. Und ich bin aktuell an dem Punkt, an dem ich überlege, was ich aufgeben kann bzw. möchte, denn ja, es ist mir zu viel. Das tut mir enorm weh, denn es ist ein echtes Opfer. Für Merle wach zu sein, ständig zu stillen, das ist kein Opfer für mich, das ist eben Babyversorgung. Es ist etwas, was ich gebe. Aber etwas aufzugeben, das fällt mir sehr, sehr schwer, zumal etwas, was ich so sehr als Teil meiner selbst wahrnehme. Tatsächlich habe ich noch mal an der Effektivitätsschraube gedreht und, wer hätte das gedacht, da ging noch einiges, aber mit der kurzen Erkältung letztens habe ich gemerkt, dass ich auf 110% laufe (oder höher) und das nicht halten kann. Ich musste auf 80% runter, um Puffer zu haben, für den nächsten Wachstumsschub, noch mal Kranksein, die nächsten Impfungen oder was auch immer. Meine Realität bei diesem Punkt gefällt mir leider wirklich so gar nicht. Ab und an, mache ich dann doch Blog und Buch, bevor ich sportel oder mich anziehe oder aufräume. Weil ich mich sonst selbst verlieren würde. Hier ist er erreicht, der Punkt. Man kann nicht alles haben. Autsch. Großes Autsch, wirklich.

Fazit: Dieser Punkt tut enorm weh. Sehr viel mehr, als ich gedacht hätte. Ich identifiziere mich stark über meine Interessen und so sehr ich mich an Merle erfreue, so schlimm ist es für mich, meine Existenz auf die Mutterrolle eingeschrumpft zu sehen. So wie es aussieht, sind wir gerade jetzt an der Schwelle, an der ich langsam wieder mehr Ich-Zeit bekomme. Und es ist ein großartiges Gefühl. Ähnlich, wie wenn Schmerz nachlässt.

Und dann war da noch… die Sache mit den Freunden

Erwartungen: Besser gesagt Befürchtungen. Ich hatte es geahnt und schon erwähnt. Dass ich einige Beziehungen nicht mehr würde so pflegen können wie vorher. Das Kontakte einschlafen könnten. Dass man sich weniger zu sagen hätte.

Realität: Und genau das ist passiert. Daran habe ich ebenfalls ganz schön zu kauen. Beziehungsweise… hätte ich, wenn ich mir die Zeit dafür nehmen würde, darüber länger nachzudenken. Tue ich aber nicht, weil Zeit so unglaublich kostbar geworden ist, dass ich nicht bereit bin über etwas Negatives nachzudenken, was ich derzeit nicht ändern kann, nicht mit meinen Zeit- und Energieressurcen. Es ist dem geschuldet, dass ich eben mit Alltagsaufrechterhaltung rund um ein Baby beschäftigt bin. Dass ich oft so müde bin, dass ich vergesse nachzufragen. Dass ich dankbar bin, mich mit anderen Müttern auszutauschen, denn es brennt mir mehr auf der Seele, ob dieses und jenes noch normal ist, ob man sich auch schon Gedanken über einen Kindersitz gemacht hat statt ob Freundin X gestern in der Altstadt einen trinken war. Es sind tatsächlich mehrere Kontakte, die stark gelitten haben. Und ich kann nichts zu meiner Entschuldigung sagen, außer genau das, nämlich dass es mir leid tut. Es ist ein Verstummen, kein Schussmachen. Dieser Punkt ist wie der Vorherige auch eine Selbstaufgabe, die mich ziemlich amputiert. Das Abschlagen war dabei besonders hart. Jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt weniger Gliedmaßen zu haben, um im Bild zu bleiben. Es bleibt ab und an ein bitterer Phantomschmerz und sonst arrangeire ich mich eben damit, dass es jetzt anders ist. Von außen ist es natürlich gut sichtbar, dass ich nicht mehr so bin wie früher.

Fazit: „Mich gibt es jetzt nur noch als Mutter.“ Das habe ich früher so oft von Frauen mit Kindern gehört und fand es immer grässlich. Und das finde ich noch. Aber es ist wahr. Unumstößlich und unabänderbar. Und das führt dazu, dass manche Leben keine Schnittmengen mehr haben. Ich bin sehr traurig, was das angeht, gleichzeitig aber auch… annehmend. Das Bein ist ab. Punkt. Vielleicht ändert es sich wieder. Ich mag meine Menschen immer noch so gern. Und wenn es bei mir leichter wird oder bei ihnen vielleicht auch ein Kind kommt, dann haben wir uns auch wieder mehr zu sagen. Das hoffe ich. Zeit hat ja die Angewohnheit zu vergehen.

EDIT: Da es in den Kommentaren aufkam und wohl missverständlich war: Ich habe sehr wohl kinderlose Freunde. 🙂 Und das schätze ich sehr. Ich habe auch mehr Themen als nur mein Kind. Da es aber hier um einen Einblick in die Realität nach 3 Monaten geht und ich ehrlich bin, ja, muss ich hier einräumen, dass sich leider im Freunde- und Bekanntenkreis manche Kontakte auf sehr sporadisches Hallosagen über WhatsApp eingedampft haben. Da dabei eine Kernaussage meienrseits wohl etwas untergegangen ist habe ich sie jetzt gefettet. Es ist also kein Stück so, dass ich meine kidnerlosen Freunde nicht missen würde. Und auch nicht, dass ich denke, dass es immer so bleiben wird. Aber jetzt, nach eben 3 Monaten, jetzt gerade ist das so. Und ja, ich habe auch kidnerlose Freunde, mit denen ich den Kontakt habe halten können. Und es tat gut über was anderes als Kinder zu sprechen. Aber das sind Freunde, die umgekehrt auch gut damit klar kommen, dass ich eben sehr viel Mama zur Zeit bin. Mit anderen habe ich das weniger.

Gesamtfazit:

Das Wochenbett ist und bleibt ein A***loch und hat bei mir sämtliche Erwartungen über den Haufen geworfen. Gru-se-lig. Ich weiß aber von einigen Müttern, dass sie sich eben genau darauf eingestellt hatten und es damit dann für sie bedeutend besser zu ertragen war. Kann ich verstehen. Müsste ich den Spaß noch mal machen, ich würe ihn jetzt auch anders verarbeiten können. Hätte, hätte Fahradkette. Das Leben mit Kind ist bedeutend anstrengender als erwartet, aber, wenn ich hier so lese und mich umschaue, so bin ich doch froh, dass ich ansonsten mit meiner Einschätzung gar icht so daneben lag, was Schlaf, Essen, Sport, Haushalt, Blog und Freunde angeht. Und darum bin ich echt froh. ich habe wie gesagt im Wochenbett erlebt, wie es ist wenn alle diese Säulen auf einmal wegbrechen. Wenn ich mir vorstelle, das wäre dauerhaft so… nein, ich stelle es mir lieber nicht vor. Muss ich auch nicht. Denn: Zeit vergeht. Kinder werden größer. Bei den einen geht es schneller, bei den anderen langsamer. Alles braucht seine Zeit. Das anzunehmen ist die größte Aufgabe bei dem ganzen Spaß.

Was ich jetzt verstehe

„Das verstehst du nicht, du hast keine Kinder.“
Ich verstehe erst jetzt, da ich selber Mutter bin, auf welchem Boden diese Gedanken gewachsen sind. Denn selbst mit größter Empathie macht man sich keine Vorstellung davon, wie es dann wirklich ist. Es gibt Mütter, die sowas zu anderen Frauen sagen, um sich selbst aufzuwerten und die Anstrengungen im Leben der Kinderlosen kleinzureden, aber was ich jetzt sehe, ist etwas anderes. Denn Anstregungen und Schmerz, Probleme generell, sind immer subjektiv. Man kann kinderlos genauso erschöpft und besorgt und überwältigt sein, wie mit Kindern. Mit Kindern ist man das bloß in anderen Situationen.

Ich vergleiche es gern mit der Pubertät. Man weiß, dass Verliebtsein eine bestimmt ganz tolle Sache sein kann und je älter man wird, desto mehr wünscht man es sich vielleicht auch. Man sieht es bei anderen, es entsteht Sehnsucht. Vor allem dann, wenn man schon wünscht und es klappt nicht. Man muss es letztlich erst selbst erleben, um wirklich zu wissen, was es bedeutet glücklich verliebt zu sein, mit jemandem zusammen zu sein und eben auch Sexualität zu leben. Als Kind kann man noch nicht mal das Bedürfnis danach nachvollziehen.

Ähnlich ist es mit Kindern und somit Elternschaft. Erst betrachtet man die Thematik aus der Ferne, kann sich noch nicht mal vorstellen, warum man sowas mögen sollte oder man mag es nur, weil man ein Bild davon im Kopf hat, das man idealisiert. Wenn dann das Sehnen kommt, ist man schon näher dran. Aber selbst mit großem Kinderwunsch ist die Realität mit Kind dann doch noch mal anders als die Realität vorher nur aus der Beobachtung und Vorstellung heraus. Vielleicht schöner, vielleicht schlimmer. In jedem Fall, das mag ich behaupten, anders.

Ich denke hier liegt für mich einer meiner Hasen im Pfeffer: Ich habe nie sehr gesehnt, ich habe mir nie groß eine Traumwelt mit Kind ausgemalt, ich mochte noch nicht mal Geschichten rund um Familienleben besonders gern. Ich hab mir gedacht, könnte ganz nett sein. In gewisser Weise bin ich in die Mutterschaft reingestolpert, wie eine 14-Jährige, die ihren ersten Zungenkuss bekommt und sich denkt: „Bah, also das soll jetzt schön sein? Kann man das auch weniger nass haben? Ja? Das sah doch irgendwie in den Filmen immer so aus, als wäre das super toll. Naaaaja.“

Wie war das mit „Echt jetzt? – 2017 wird grandios! Und auf jeden Fall sehr anders.“ Im Prinzp habe ich mit diesem Post-Titel vor einem Jahr alles vorweggenommen. Große Ewartungen und dann ein großes Erwachen. Grandios und sehr anders.

„Solange Männer die Welt regieren, wird es keinen Frieden geben!“
Ich sage: Solange Väter in der Betreuung (ungleich Erziehung, denn auch jemand, der nur wenig vor Ort ist, kann sehr stark erziehend mitwirken, auch wenn er nicht oder nur wenig mit betreut) so stark ausgeklammert werden (teils haben sie keine andere Chance, irgendwo muss das Geld ja her kommen, es ist also kein Vorwurf gegen Männer hier), solange wird aus diesem Satz ein Teil der Wahrheit. Ich habe jetzt 40 Wochen Schwangerschaft und 16 Wochen Betreuung und Versorgung in dieses wundervolle Baby investiert. Und ich sage jetzt schon: Kinder sind nicht nur das kostbareste, was man haben kann aus Liebe, sie sind es auch deshalb, weil man so wahnsinnig in sie investiert. Ihnen DARF nichts passieren. Ist es nicht Dumbledore, der zu Harry sagt: „Bist du in der Lage Leben zu geben, Harry? Dann sei auch nicht so vorschnell es nehmen zu wollen.“ (sinngenäß, ich bin nicht dazu gekommen, die genaue Textstelle rauszusuchen) Der weise alte Mann bezieht das sogar darauf Voldemort nicht zu töten, den er ja weiterhin mit „Tom“ anspricht, seinem Kindernamen (Tada, sieh an, es ist NICHT Dumbledore, der das sagt. Es ist Gandalf. Und er sagt es zu Frodo. Ich glaube, in Bezug auf Gollum. Vielen Dank für den hinweis. 🙂 Aber Dumbledore hätte auch gepasst, finde ich.). Oder wie Herbert Renz-Polster (Kinderarzt, seinen Blog Kinder-verstehen kann ich sehr empfehlen, ich hab ihn fast von vorn bis hinten gelesen) es in seinen Büchern schreibt: „Der Mensch leistet sich den teuersten Nachwuchs.“ Keine Spezies investiert so viel in ihre Kinder, wie der Mensch. Und ohhhh ja, das ist ein Investment. Der finanzielle Aspekt ist dabei fast schon zu vernachlässigen. Es sind vor allem Zeit und Nerven. Oder sagen wir lieber Geduld, denn das ist ja doch die Summe aus Zeit und Nerven: Geduld. Geduld ist nur wohlwollender.

Also. Eine Frau, die weiß, was es heißt Kinder zu gebären und am Leben zu erhalten, hat ein anderes Verständnis davon, was es bedeutet ein Leben auszulöschen als jemand, der das nicht kennt. Ein empathischer Vater, der viel mit dabei ist, kann das genauso empfinden, sage ich. Zumindest sehr, sehr ähnlich. Ähnlich genug, um ebenfalls zu wissen, dass es verflucht noch mal kein „Jaja“ ist, wenn „in Afrika Kinder sterben“. Und auch Erwachsene. Jeder ist jemandes Kind.

Kinder zeigen dir, was wirklich wichtig ist.
Ja, siehe vorheriger Absatz. Und sie zeigen gut, dass es ihnen wurscht ist, ob der Pulli zur Hose passt, es aber alles andere  als egal ist, ob die Worte zum Subtext der Stimmlage passen. Ich wusste auch ohne Kinder, dass die inneren Werte mehr bedeuten als die äußeren. Aber Kinder zeigen das noch mal anders. Blöder Vergleich: Aber Haustierbesitzer haben da schon etwas ganz ähnliches erlebt.
Abgesehen von diesen hohen Werten geht es aber auch um die kleinen Wichtigkeiten im Alltag. Es bleibt einfach keine Zeit für Dinge, die nicht wichtig sind.

Und Merle hat mir damit sehr deutlich gemacht, dass mir dieser Blog, das Schreiben, bedeutend wichtiger ist als ich noch dachte. Denn hier sitze ich sobald ich kann. Dafür lasse ich den Haushalt schleifen, dafür verzichte ich auf mein Yoga und sogar auf Treffen mit Freunden. Also manchmal. Aber hierfür schaufel ich mir Zeit frei. Was die Frage geklärt hätte, wie ich das hier schaffe. Nun, ich schaffe das, weil unter anderem dafür im Garten einige Pflanzen verrotten, die ich nicht winterfertig gemacht habe. Und oh ja, wir haben letzten 2 Wochen lang nicht gesaugt…

Ich mache das hier einfach. Weil ich es brauche. Für mich. Ich brauche die Kommunikation, den Austausch, ich brauche es, meine Gedanken so zu ordnen. So entwickle ich mich weiter. Schreiben, das bin ich. Das bin mehr ich als gesundes Essen und Sport und ein bestimmter Zopf oder Dutt oder auch nicht. Mich selbst nicht zu verlieren hat für mich in all dem 24/7 Muttersein oberste Priorität. Denn wer bin ich denn auch für Merle, wenn da nichts ist, außer blanker Betreuung? Es gibt Tage, da ist das so. Da bin ich nichts weiter als Hol- und Bringservice mit Instantfood und eingebauter Wärmflasche, trostspendend, animierend, beruhigend, was auch immer gerade gebraucht wird. Aber jetzt gerade schläft sie und ich schreibe und ich bin ich. Damit tanke ich für die nächsten Tage auf. Oder auch einfach für die nächsten Stunden, in denen ich dann wieder ganz präsent bin.

Hier komme ich nicht mehr dazu alle Kommentare zu beantworten, teils auch nicht zu monderieren. Aber bald wieder, da bin ich mir sicher.

Zusammenfassung und Ausblick

Das Leben mit Baby ist bisher der härteste Job, den ich je hatte. Ich habe unzählige Male meine Komfortzone weiter nach außen geschoben und bin über mich hinausgewachsen. Jedes Mal war es im Moment der Erweiterung einfach nur furchtbar, danach aber besser. Und ich muss tatsächlich etwas revidieren. Denn ich habe immer von mir gesagt, dass ich nicht so die Säuglingsmama sei. Stattdessen fand ich schon immer Kindergartenkinder einfach wunderbar. Ich bin aber eine deutlich besser Säuglingsmama, als ich gedacht hätte. Denn ganz ehrlich und wirklich: Erst jetzt kann ich wirlich sehen, wie toll diese kleinen Menschen schon sind. Gar nicht langweilig „weil die können ja nix“, ganz im Gegenteil. Aber sie sind irre, irre anstrengend. Und man muss als Erwachsener die Kommunikation mit ihnen erst mal lernen. Lässt man sich darauf ein und sieht und hört mehr als nur ein schreiendes Baby, dann wird es richtig toll. Ich habe einige Wochen gebraucht, um dort hin zu kommen und zu verstehen, was alle Mütter mit älteren Kindern sagen: „Genieße es, sie werden so schnell groß!“ Ich habe mir in den ersten Wochen nichts mehr gewünscht, als dass das doch bitte ganz schnell passieren sollte. Ich habe  nach vorn geschaut. Weit nach vorn. Jetzt bin ich hier. Im Moment. Und sehe einen kleinen Menschen, der jeden Tag die Welt entdeckt. Und zwar eben jetzt schon. Schon seit der Geburt und eigentlich auch schon vorher. Nicht erst seit sie besser sehen kann oder greifen oder brabbeln. Merle hat das geschafft, was mir so viele Menschen immer schon mitgegeben haben: Entspann dich, habe Geduld und genieße den Moment. Das zu können war die größte Verschiebung meiner Komfortzone, denn es war die ultimative Verlangsamung und Fokussierung. Es stimmt. Kinder zeigen einem nicht nur, was wichtig ist. Sie lehren uns auch das, was wir lernen müssen. Wenn wir sie lassen.

Ich bin also gespannt, was ich noch zu lernen habe. Und weiß jetzt, dass ich belohnt werde hinter dem Moment, der sich nach Verzweifeln anfühlt. Auch hinter Momenten, die länger dauern als nur einen Moment.

Gut gemacht kleine Merle. Es ist schön, dass es dich gibt.

Wenn ihr möchtet schreibe ich so einen Artikel noch mal, wenn Merle etwa 6 Monate alt ist. Mal sehen, was ich dann gelernt habe. Ich bin gespannt. Habe Respekt vor den Aufgaben und freue mich gleichzeitg auf sie. Dann, wenn es soweit ist.

40 Kommentare

  1. Liebe Heike,

    Ich hätte mir ja sehr diesen Beitrag gewünscht und jaaaa, bitte noch einmal, wenn Merle mobiler wird (dann fragt man sich nämlich nochmal, was an einem Säugling, der ja „nur“ gefüttert und gewickelt werden will, so anstrengend war). Scherz beiseite, meiner ist mittlerweile drei und erst seit der Kita habe ich wieder richtige Ich-Zeit und auch meinen Mann und unsere Beziehung hat unser Sohn grundlegend verändert. Ich bin sehr viel demütiger anderen Eltern (und meinen eigenen) gegenüber geworden und halte mich mit Tipps wahnsinnig zurück (beim Thema Vereinbarkeit halte ich mich besser ganz raus, da es da so viele Varianten wie Berufe und Individuen gibt). Auf jeden Fall: Danke für deine Offenheit hier. Ich hab mich sehr wiedergefunden (bin sonst eher stille Zuschauerin auf Instgram und LHN „Namaste“). Deine Kleine ist wirklich zauberhaft!

    1. „ein Säugling der NUR gefüttert und gewickelt werden will…“ Oh ja, diesen Gedanken kann ich zu 100% nachvollziehen. Wenn auf einmal Dinge die ewig nicht klappen wollten plötzlich funktionieren und man erwartet sich davon eine große Erleichterung. Juchuu, mein Kind kann jetzt krabbeln, wirklich toll! Endlich kein Gequengel mehr weil die frustranen Krabbelversuche so anstrengend und ärgerlich sind, endlich Freiheit für sie und sie kann selbst ihre Welt erkunden…
      und dann kam Ernüchterung: Schei**, mein Kind kann krabbeln! Es kann stürzen, sogar über die Teppichkante. Selbst bei umfassend abgesicherter Wohnung darf man sich keine Minute abwenden, Wickeln und Anziehen geht jetzt plötzlich nicht mehr so leicht weil Madame nicht mehr Stillhalten will. Mobiles die eigentlich zur Ablenkung über dem Wickeltisch gehängt worden sind animierten nicht mehr zum Betrachten, sondern zum Klettern. Huch, da steht jemand plötzlich im Stubenwagen auf, schnell abbauen das Ding bevor sie herausfällt, ach schade, wo machen wir denn jetzt unseren Mittagsschlaf? Der Energieverbrauch vervielfacht sich und man kommt trotz erfolgreicher Verköstigung mit dem Stillen nicht mehr hinterher.
      Bei uns war die Zeit zwischen dem dritten und sechsten Monat die entspannteste und strukturierteste. Schön dass Ihr jetzt gut angekommen seid. Ich hoffe das wird bei Euch auch so, liebe Heike, jetzt da ihr soviele Hürden gemeistert habt, habt Ihr Euch eine kleine Verschnaufpause wirklich verdient, ich wünsche es Euch von Herzen.

      1. Danke! das wünsche ich uns auch!
        Ich bin sehr gespannt, wie das wird, wenn sie mobil wird. Sie strengt sich sehr an, dass das schon bald der Fall sein könnte. 😀
        Was du beschreibst, haben mir jetzt schon viele erzählt. Also rechne ich damit und bin nicht schockiert, wenn ich eben nur hinter ihr her sein muss. Vielleicht ist es trotzdem ganz nett. Sie will ja seeeeehr viel getragen werden, vielleicht entfällt das dann zumindest teilweise, weil sie dann selbst dahin kommen kann, wo sie hinwill. 🙂

    2. Haha… Meine ist jetzt 10 Monate und fängt grad erst an, sich rückwärts zu schieben. Dafür plappert sie, als würde sie eine Fremde Sprache fließend sprechen. Hat alles Vor- und Nachteile. Aber es stimmt: Man wartet auf das erste Krabbeln, die anderen Mamis aus den Krabbelgruppen sagen alle: „Sei froh und genieße…“… Am Anfang konnt ich das nicht verstehen. Mittlerweile lach ich immer und ja, genieße es tatsächlich. Machen grad die Wohnung Krabbel-Sicher… An was man alles denken muss… Puuh… So dumm kann man manchmal gar nicht denken xD

      1. Wir wollten über die Weihnachtsferien die Wohnug jetzt auch krabbelsicher machen Gar nicht so einfach, denn wir haben fast nur niedrige Schränke und kaum hohen Stauraum für gefährliche Schätze wie Medikamente und Putzmittel. Aber das wird sich finden. 🙂
        Und oh ja, ich genieße es! Ich wurde mehrfach schon gewarnt und bin willens es nicht überhört zu haben. 🙂

        1. Nur als Tipp… Es gibt bei Amazon Magnet-Sicherungen. Die sieht man nicht und die sind echt klasse. Haben hochglanz-schwarze Schrank Fronten (was mit Kind ja eh schon mega ist… nicht…)
          Naja… Habe sie mir auf Empfehlung von Muddis von schon-krabbel-Babies geholt. Und auch die Krabbel-Besuche bei uns haben gezeigt: Halten 😀

    3. Ach du bist es, Namaste! 😀
      Jaaa. ich hab auch meine Schwester mit ihren zwei so gut wie erwachsenen Kindern gefragt, ab wann es ihrere Meinung nach deutlich besser wurde. Kurz nachgedacht: „Mit der Einschulung!“ Da hab ich einmal geschluckt und gelacht. Glaube ich dir sofort, dass es mit der Mobilität dann noch mal ganz andere herausforderungen gibt. Ich bin gespannt.

  2. Oh, bitte nochmal nach 6 Monaten! Da wird nochmal so viel mehr passiert sein. Oft werden Babies unabhängiger, wenn sie mobiler werden. Damit sind dann häufig größere Zeitfenster für sich selbst drin. Ich konnte irgendwann sogar baden, wenn ich Emma regelmäßig Spielzeug in Reichweite geworfen habe 😀
    Ich dachte übrigens auch, ich sei keine Säuglingsmama und bin jetzt total überrascht, wie wenig ätzend und langweilig das mit so kleinem Baby ist. Diese ganzen spannenden Sachen findet man dann eben erst am eigenen Baby wirklich spannend.
    Und ich lege übrigens auch großen Wert aufs anziehen und „fertig machen“ – vor Emma gab es deutlich mehr Gammeltage. Heute mach ich das so gut wie nie.
    Das mit den Freundschaften ist wirklich schade. Ich hab da Glück und bis auf eine Freundin haben alle anderen vor mir Kinder bekommen… Trotzdem fehlt mir so langsam das „Ich“ sein. Aber ich glaube, abstillen macht da den Unterschied. Im Moment kann ich quasi nach 18 Uhr das Haus nicht verlassen, weil sie dann schläft und ich parat stehen muss, wenn sie wach wird. Der Papa kann da leider nichts ausrichten. Das nervt mich langsam schon manchmal, aber nicht doll genug, um abzustillen. Im Endeffekt ist das ein so kurzer Zeitraum, da kann ich mich gut zurück nehmen für mein Kind. Und wenn ich dann abgestillt habe, im Sommer vermutlich, geh ich feiern. Die Muttis aus dem Geburtsvorbereitungskurs und ich haben schon ein Date 😀

    1. Ich bin gespannt, wie es bei Merle werden wird. 😀 Ich muss ja gar nicht groß vor die Tür für mein Glück. Aber hier am Schreibtisch sitzen ist schon toll. rad wird sie vom papa getragen, sonst ginge das auch nicht. Frau Nachteule schläft ja auch nicht vor 23 Uhr, das heißt, wir haben keine freien Abend. Nun denn. Wird schon. Denn wie du sagst: Insgesamt ist es doch eine kurze Zeit. Und die geht dann eben ganz an Merle. 🙂

  3. Hallo Heike,
    ich wünschte, so einen Beitrag und viele deiner anderen Beiträge rund um Babys hätte es schon sehr viel früher gegeben (mein Sohn wird demnächst schon 14 Jahre). Du schreibst sehr offen, authentisch und wahr.
    Ein Buch genau davon hätte mir sehr geholfen. Hier stecken Emotionen dahinter. Die meisten Baby-Bücher sind ja doch stark ‚wissenschaftlich‘. Informativ ganz klar, aber das persönliche fehlte mir beim Lesen. Und das habe ich hier gefunden. Sehr schöner Blog!
    Liebe Grüße

  4. Liebe Heike,

    ich habe Tränen in den Augen. Du hast mit diesem Artikel ganz viel in mir berührt.
    Du bist ein wundervoller Mensch, danke, dass du uns an deinem Leben, deinen Empfindungen teilhaben lässt! Ich freue mich so, dass du nun angekommen bist.

  5. Hallo,
    Ich muss ehrlich sagen, dass mich dieser Artikel sehr darin bestätigt, dass ich kein Kind möchte. Du zählst da alle Punkte auf, die mich abschrecken. Dazu kommt noch die Frage wie sich die Beziehung zum Partner mit Kind verändert. Verstehe ich aber, dass das für so einen Artikel im Internet zu persönlich ist.

    Wobei ich auch keine Sehnsucht nach einem Kind kenne. Würde mich sehr interessieren wieso du dich entschieden hast, ein Kind zu bekommen, obwohl bei dir die Sehnsucht auch nicht so stark da war. Das ist nicht als Angriff auf deine Entscheidung gemeint, sondern interessiert mich einfach zutiefst, da ich mich sehr damit beschäftige, warum bei mir absolut kein Kinderwunsch da ist.

    1. Es gibt sogar einen Artikel dazu wenn ich mich richtig erinnere (also zu der Frage „warum Kind?“), scroll dich mal durch die schwangerschafts-Artikel, da müsste er dabei sein 🙂
      Ich finde das ist ja einer der großartigen Vorteile des Internet, dass man an Lebenswelten oder -entwürfen teilhaben kann die eben anders als die eigenen sind, näher als es bei manchen Bekannten der Fall wäre.

      @Heike: oh ja, ich würde so einen Rückblick nach sechs Monaten auch sehr sehr gern lesen!

      1. Ja da sehe ich auch einen großen Vorteil im Internet! Bei dem Artikel damals war ich allerdings ab dem Punkt „Wir wussten schon immer, dass wir mal Kinder kriegen wollen“ (sinngemäß aus der Erinnerung) leider abgehängt.

        1. Nur kurz: da wäre echt auch sehr die Frage nach deinem Alter interessant. Ich kenne viele, denen es ganuso geht bis sie so Ende zwanzig sind. In meinem Fall ja auch erst Ü-30. Und was auch eine Binsenweisheit ist, die sich aber doch oft bestätigt: Kidner sind ansteckend. Wenn du viele im Freundeskreis hast, stehen die Chancen nicht schlecht, dass es abfärbt. Und das auch, wenn du Kinder sonst eher abschreckend fandest.

          Für mich haben Kinder immer zu einem vollständigen lebensentwurf gehört, waren aber nie Sinn- oder Identitätsstifter.

        2. Ach so und: Ich will dich um Gottes Willen nicht dazu „überreden“ Kinder doch toll zu finden. Ich finde, wenn man es nicht möchte, ist es immer noch kinderfreundlicher sich dagegen zu entscheiden, als es dann zu tun und es zu bereuen. Ja, man wächst an seinen Aufgaben und die allermeisten freuen sich dann doch über das Baby, wenn es erst mal da ist. Aber. Aber eben. Du bist ja nicht unvollständig ohne. Etwas, was finde ich zu vielen Menschen eingeredet wird ab einem gewissen Alter. Also mach dir keinen Kopf. Ich fühle mich auch sehr vollstänbdig ohne die Welt bereist zu haben, was mir auch alle unbedingt ans Herz legen. So als nicht ganz passender Vergleich. 🙂

          1. Hallo Heike,
            Also ich habe jetzt auch nicht das Ziel mir einen Kinderwunsch aufzubauen, wo einfach keiner da ist. Ich bin auch ohne Kind ganz zufrieden, auch wenn es natürlich Punkte gibt, die dagegen sprechen kinderlos zu bleiben. Zum Beispiel, dass man im Alter vielleicht niemanden mehr hat, der sich um einen kümmert. Aber nur deswegen ein Kind zu bekommen, das ich eigentlich nicht will, käme mir falsch vor.
            Es geht mir eher darum dass ich den Kinderwunsch als solchen bei anderen gerne besser nachvollziehen würden könnte. Es ist immerhin ein Thema, dass bei Freunden und Geschwistern teilweise sehr wichtig ist und da möchte ich emotional nicht ganz abgehängt sein.

          2. Ich glaube, du kannst den Wunsch nicht „aufbauen“. Er kommt, oder er kommt nicht. Sagen wir mal blöd: Im statistischen Mittel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er sich entwickelt, je näher du der Mitte Dreißig kommst. Und je mehr deiner unmittelbaren Freundinnen Kinder bekommen.
            Für einige hängt es auch am Partner. Das ist ja sogar ein recht verbreitetes Phänomen: Mit Partner A ist kein Kinderwunsch vorhanden (obwohl aber zum Beispiel dieser Partner A gern würde). Man trennt sich. Partner B taucht auf. Und zack, man entschließt sich Kinder zu bekommen. Für Partner A ein sehr verletzendes Szenario, aber kommt wie gesagt öfter vor.
            Mir sind Kinder wichtig, weil ich Familie und Kindheit als etwas Schönes erlebt habe, was ich weitergeben mag.

    2. Hallo Kawimedo,

      ich stehe im momentan am Punkt „irgendwann mal Kinder, aber jetzt noch nicht“, komme aber auch von „niemals nie Kinder“. Vielleicht hilft dir weiter, wie sich das bei mir entwickelt hat.
      Ich denke, ein wesentlicher Punkt für mich war und ist, dass die Umstände einfach immer kindertauglicher geworden sind: Ich habe überhaupt erstmal einen Partner, mit dem ich mir vorstellen könnte Kinder zu haben (finanzielle Stabilität, liebevoller Charakter, tiefes Vertrauen, gleiche Wellenlänge in den wichtigen Dingen, funktionierende Routinen innerhalb der Beziehung).
      Dann stehen wir beide inzwischen an einem Punkt, an dem ein Kind unsere Lebenspläne nicht komplett durcheinanderbrächte bzw. wir noch komplett in finanzieller Abhängigkeit von unseren Eltern stünden, wenn wir selbst ein Kind bekämen. Es wäre immer noch nicht optimal, aber annehmbar.
      Und ich habe mich in den letzten Jahren als Mensch ein enormes Stück weiterentwickelt.
      Insgesamt ist der Ausblick auf ein potenzielles Kind inzwischen nicht mehr: „Die Chancen stehen gut, dass ich das Kind, meinen Partner und mich irgendwie dadurch traumatisiere, dass ich dem Kind vorwerfe, es hätte durch seine Existenz mein Studium und meine restliche Lebensplanung durcheinandergebracht/zerstört. Außerdem habe ich meinen Partner jetzt nicht mehr für mich/bin durch Blutsbande an einen Mann gebunden, an den ich nicht gebunden sein will. Und eigentlich wollte ich doch gar kein Kind.“ sondern „Ufz, war jetzt so nicht geplant, aber irgendwie schaffen wir das schon, wir haben andere Dinge ja auch schon hinbekommen, wenn auch noch nichts in dem Maßstab.“

      Also kurz gesagt: Kinderwunsch kann mit den passenden Umständen kommen. Sach‘ ich jetzt mal mit Anfang/Mitte zwanzig mitten im Masterstudium ^^,

      Liebe Grüße, ich hoffe, der Erklärungsversuch hat ein bisschen geholfen,
      Katja

      1. Hallo Katja,
        Danke für die Erklärung wie das bei dir so ist. Finde sowas immer interessant zu hören bzw. zu lesen.

        Ich bin persönlich eigentlich in der Situation, in der jeder von mir erwartet, dass ich mal ein Kind zur Welt bringen sollte. Ich bin Ende zwanzig, mein Studium ist abgeschlossen, ich bin seit ein paar Jahren verheiratet und mein Mann und ich haben feste Jobs mit ganz guter Bezahlung. Und mein Mann kann sich Kinder gut vorstellen. Von daher frage ich mich manchmal, ob mit mir etwas nicht ganz stimmt, dass ich das Gefühl Kinderwunsch eigentlich nicht mal bei anderen nachvollziehen kann…

        1. Ah hier sehe ich es grad. Ende zwanzig. Kann sein, muss nicht Stress dich nicht. Es ist ja erst mal dein Leben und was andere da erwartetn spiegelt ja erst mal bloß, was sie sich wünschen, nicht wirklich das, was eben dein Ding sein muss.
          Kinder sind toll. Aber sie sind irre, verdammt anstrengend. Sie sind es wert, wenn man sich darauf einlassen mag und kann. Wenn nicht, sieht man nur, was sie einen kosten. Und das hast du nicht verdient und das kind auch nicht. Wobei ich glaube, man wächst da echt mit seinen Aufgaben, Und Hormone sind echt unglaublich mächtig. Das stelle ich jedes mal wieder fest. Nur man kann es ja nicht einfach mal ausprobieren und dann sagen: Joah, gut und schön ist nix für mich. Retour bitte.
          Also machst du das für dich genau richtig, indem du jetzt sagst: Nee, will ich (jetzt) nicht.
          Und niemand weiß, ob das jetzt ein nie sein wird. Auch du nicht. Aber du noch am ehsten. 🙂

  6. Liebe Heike,

    sehr gerne nochmal mit sechs Monaten und vielleicht auch nach einem Jahr oder wann immer es sich anbietet.

    Weil du ein paar Mal den ungestaubsaugten Boden erwähnst: Staubsaugeroboter sind je nach Modell nicht so teuer und nach allem, was man so (nicht) hört, auch relativ leise. Das wäre vielleicht in dem Bereich eine Teillösung – das Bad wischen kann er natürlich nicht, aber ein sauberer Boden macht schon viel her.

    Liebe Grüße,
    Katja

  7. Nur kurz, da mit Baby und Kleinkind die Zeit nochmals knapper ist als „nur“ mit Baby: rechne damit, dass das Schlafen nach einer besseren Phase wieder schwieriger wird, wenn Merle mobil wird. Je mehr sie tagsüber erlebt, desto mehr muss sie nachts verarbeiten. Zudem braucht sie dann mehr Kalorien, aber stillen tagsüber wird schwieriger, man könnte ja was verpassen…
    Aber viel wichtiger: besorgt euch einen Saugroboter! Der Roomba hat uns echt gerettet. Denn sobald das Baby anfängt herumzurobben, wird regelmässig saugen wieder wichtiger, weil man sonst dreimal täglich das Baby umziehen müsste 😉 Die Kleinen finden nämlich garantiert alle vernachlässigten Ecken. Zudem es ist gerade bei lärmempfindlichen Kindern ein Segen, wenn der Roboter saugt, während man einen Spaziergang macht, auch über das Babyalter hinaus. Es muss übrigens kein besonders toller Saugroboter sein, für eine durchschnittliche Wohnung braucht es weder Handysteuerung noch planmässiges Putzen, Zufallsprinzip reicht da völlig. Auch die Akkuladezeit etc. ist ziemlich nebensächlich, selbst wenn der Roboter jeden Tag nur ein Zimmer saugt, ist die Wohnung letztlich trotzdem sauberer als beim Wochenend-Grossputz. Für mich (und viele andere junge Eltern, die ich kenne) ist der Hauptgewinn aber, dass man die Zeit und Energie endlich wieder sinnvoller nutzen kann, als sie ins Putzen zu investieren. (Und damit du nicht viel Zeit mit Recherche verlieren musst: die simpleren Modelle von Roomba können nicht viel, aber das in Perfektion, es gibt problemlos Ersatzteile und ab 180.- Euro seid ihr dabei. Da kann die Putzfrau auf Dauer nicht mithalten.)

    LG, Julia

    1. Danke dir! Das Ding wurde uns jetzt schon öfter empfohlen. 🙂 Für einen Weihnachtswunsch ist es wohl zu spät, aber mal gucken, man kann sich ja auch jederzeit selbst beschenken. Zumal mit sowas sinnvollem. 🙂

  8. Liebe Heike

    Wieder einmal ein herzliches Dankeschön für Deinen Artikel. Ja, an dem bekannten phrasenschweinpflichtigen Satz „Was es bedeutet ein Kind zu haben kann man erst wirklich begreifen wenn man selbst eines hat“ ist was Wahres dran, das finde ich hast Du ganz toll herausgearbeitet. Aber ebenso dass es einfach Aspekte gibt auf die man sich kognitiv, materiell und mental vorbereiten kann wenn man sich informiert, empathisch Erfahrungen anderer Eltern aufnimmt und sich insgesamt mit dem was sich vom Leben erwartet und erhofft und dem was sich das Baby wohl vom Leben erwartet gründlich auseinandersetzt. Aber für das was einen unvorbereitet trifft braucht man sich nie zu schämen.

    Einen Punkt möchte ich an diesem Satz gerne ergänzen und das finde ich ist auch schön herausgekommen. Selbst wenn man bereits ein Kind hat weiß man trotzdem nie wirklich was auf einen zukommt. Denn jedes Kind ist anders und viele Eltern erleben dann das zweite oder dritte Kind plötzlich ganz anders als das erste und müssen sich wieder ganz neu in diese Situation hineinleben. Und die vielen Veränderungen die sich im Laufe der Entwicklung ergeben die Du auch schön auf Instagram und im Blog beschreibst machen auch für jemanden der bereits „angekommen“ ist trotzdem manchmal jeden Tag wieder zu einer neuen Herausforderung.

    Man denkt man sitzt langsam einigermaßen im Sattel und dann kommt der nächste Schub und obwohl man eigentlich darauf vorbereitet war steht man plötzlich wieder wie der Ochs vorm Berg. (Zum Beispiel als unsere Süße krabbeln gelernt hat und plötzlich wochenlang die ganze Nacht durchgestillt werden wollte nachdem wir vorher so einen tollen Rhyhmus hatten…)

    Ich finde das ganz großartig wie Du jede neue Hürde angehst, diese Mischung aus geduldig annehmen (ohne zu resignieren) aber trotzdem beharrlich dranbleiben (ohne zu stressen oder zu erzwingen) die Du in Deinem Stillbeitrag schön gezeigt hast wird Euch auch über alle anderen Hürden helfen. Mir hilft das jedesmal.

    Ich muss auch gerade an die Diskussion zu deinem Artikel „Wie ich mir das Leben mit Kind vorstelle“ denken und darüber wie gnadenlos manchmal Mütter über andere Mütter (oder werdende) urteilen und möchte gerne meinen Gedanken von damals wiederaufgreifen. Wir sind alle Experten, aber nur für das eigene Kind. Beim zweiten läuft vielleicht alles ganz anders und ein Urteil darüber was andere Mütter mit ihren Kindern erleben kann man sich auch nicht erlauben. Gerade deshalb verfolge ich sehr gerne Deinen Blog und die Beiträge auf Instagram. Nicht nur deinetwegen (sorry), sondern auch wegen der anderen klugen, empathischen und lieben Leute die sich zu Wort melden. Das lese ich so gern und das hilft mir auch. Ich liebe diese Wertschätzung und Unterstützung untereinander.

    Die nächsten Schritte werden nicht weniger interessant und ich freue mich schon auf weitere Erfahrungsberichte.

    Liebe Grüße an Dich und auch ganz besonders an Deine Leser und Diskussionsteilnehmer

    CarMaMia

    1. Kein Sorry an der Stelle. Ich fnde die Diskussionen da auch einfach echt super! Hätte ich nie gedacht, dass das auf Instaram so gut gehen könnte, aber tut es.
      Und ich bemühe mich auch immer, wenn mich jemand fragt dazu zu sagen, dass das eben FÜR UNS so und so läuft oder auch nicht. Alle sind anders. Es gibt eben nur ein paar Dinge, die im statistischen Mittel helfen können, dieses und jenes leichter zu machen. So wie tragen bei vielen hilft das Schreien etwas runterzufahren, muss aber nicht.

  9. Liebe Heike, viele der von Dir beschriebenen Erlebnisse teile ich, allerdings sehe ich das mit den Freundschaften anders. Mir tun gerade die Freundschaften zu kinderlosen FreundInnen total gut, weil ich dort aus dem Kinder-Kosmos ausbrechen kann und neue Anregungen bekomme.
    Sicher ist es nett, über Krabbelgruppen und auf dem Spielplatz andere Eltern kennen zu lernen – aber wer davon eignet sich schon für eine wirklich gute Freundschaft? Eine langjährig gewachsene Beziehung ist einfach durch nichts zu ersetzen.
    Ich finde es immer schade, wenn frisch gebackene Eltern nur noch mit anderen Eltern Kontakt pflegen und glaube, dass es unserer Gesellschaft besser täte, wenn die Frage ob man Kinder hat oder nicht einen weniger trennen würde. Letzten Endes gibt es doch tausend Themen jenseits der Elternschaft, über die man eine Verbindung herstellen kann. Sicher rede ich mit kinderlosen Freunden auch mal über meine Tochter, aber nicht als zentraler Inhalt.
    Ihr seid ja noch recht frisch Eltern und da verstehe ich schon, dass euer Kind komplett im Mittelpunkt steht. Dennoch die Anregung darüber nachzudenken, ob nicht gerade die Freunde ohne Kinder eine große Bereicherung sein können.
    Was passiert am Ende mit Menschen, die ungewollt kinderlos sind und deren Freunde alle Eltern werden – die vereinsamen dann doch komplett. Also kurz gesagt ein Plädoyer dafür, Freundschaften nicht aufzugeben, nur weil im Moment unterschiedliche Schwerpunkte bestehen.

    1. Liebe Alba,

      Ich stimme dir zu: Grade wenn man sich als Eltern 24/7 „nur“ um sein Kind kümmert tut es durchaus gut, mit Menschen über ganz Anderes zu sprechen. Mal auszubrechen aus dem Mama – Sein und ein Stück „Ich“ herauszukramen, aufzuleben!

      Diese Momente sind so wertvoll. Und ich habe sie nur mit einer einzigen kinderlosen Freundin. Die andere ist total verliebt in meine Tochter (♥) und dementsprechend sind die Themen.

      Fast alle anderen Freunde verstehen nicht, dass wir uns nun primär nach unserem kleinsten Familienmitglied richten. Wie Heike schreibt: Vormittagstermine gehen nicht; so gehen bei uns keine Spät – Abends Termine. Unsere Tochter schläft nur neben mir, stillend. Auch mit über einem Jahr noch. Ich finde es in Ordnung. Dann eben Nachmittags! Mit Kind. Denn Fremdbeteeuung ist schwierig. Und wir haben sie auch gern bei uns…

      Aber damit stehen wir ziemlich allein da. Ich kann es ja verstehen. Ohne Kind habe ich ähnlich gedacht.

    2. Ich würde mich da sehr gerne Alba anschließen. Deinen Blog verfolge ich schon seit Jahren und finde sehr viele deiner Beiträge unglaublich interessant, informativ und inspirierend und schätze sie für deine Ehrlichkeit. Es kommt nur sehr selten vor, dass ich mir beim Lesen denke: „Huch, Moment, das sehe ich aber grundlegend anders“. Beim Lesen deines Absatzes über die Freundschaften musste ich aber nun doch sehr schlucken und bin etwas erschrocken, wie du deine Gefühle bezüglich des Themas beschreibst. Wäre ich eine kinderlose Freundin von dir und würde diesen Post lesen – ich wäre sehr, sehr verletzt.
      Dass Freundschaften etwas kürzer treten müssen, wenn man hochschwanger und danach dann ganz frisch Mutter ist – na klar, dafür hat sicherlich jede/r Verständnis und gute Freundschaften sollten es auch verkraften, dass da dann einige Monate lang der Kontakt etwas brachliegt. Aber die Aussage (sinngemäß) „Ich interessiere mich nur noch für Themen rund ums Kind und eine Unterhaltung mit einer langjährigen Freundin (oder natürlich einem Freund), die kinderlos ist und sich lieber primär über andere Themen austauschen möchte, raubt mir im Moment nur unnötig Kraft und Energieressourcen, daher kappe ich hier (schweren Herzens) die Bande, bis die befreundete Person auch Kinder hat und über entsprechende Themen reden möchte, ergo: wieder interessant für mich wird“ finde ich wirklich schlimm und erschreckend. Vielleicht habe ich es auch einfach falsch verstanden/interpretiert.
      Wieso solltet ihr denn keinerlei gemeinsame Schnittmenge mehr haben, was die verschiedenen Lebensentwürfe angeht? Bei dir ist doch „lediglich“ der (ja, sehr große) Aspekt Baby hinzugekommen und die anderen Dinge sind etwas (oder aktuell auch etwas mehr) in den Hintergrund gerückt. Aber mal ehrlich: Merle ist jetzt gut drei Monate alt. Selbst wenn man die letzten Monate deiner Schwangerschaft dazu zählt, in denen sich gedanklich vielleicht alles ums Baby und um das Elternwerden gedreht hat, denke ich, dass eine gute, langjährige Freundschaft es allemal aushalten sollte, wenn der Kontakt mal für ein halbes Jahr auf ein Minimum schrumpft – wie gesagt: dafür, dass eine Schwangerschaft und anschließend die Eingewöhnung an den Alltag mit einem Baby sehr anstrengend und Kräftezehrend ist, werden enge FreundInnen doch sicherlich Verständnis haben. Ich verstehe nicht, warum da irgendetwas amputiert sein sollte (außer natürlich, es ist deinerseits aktuell tatsächlich keinerlei Motivation oder Wunsch da, den Kontakt wieder zu intensivieren, wenn der Alltag mit Merle in ein paar Monaten vielleicht noch mal deutlich entspannter geworden ist).
      Und dass du keine Kraft hast bzw vor Erschöpfung vergisst, regelmäßig nachzufragen, wie es denn geht, ist doch auch okay und legitim. Wie gesagt, da sollte doch Verständnis da sein. Längere Kontaktpausen von einigen Monaten kommen ja selbst so mit einigen FreundInnen auf, einfach dadurch, dass jede/r ein eigenes Leben und viel um die Ohren hat. Aber genau das macht eine Freundschaft doch aus – dass man sich trotzdem gern hat und weiß, man kann aufeinander bauen.
      Ja, ich bin kinderlos und kann daher auf keinen Fall nachvollziehen, wie es sich anfühlt, Mutter zu sein. Und ja, Elternsein ist sehr individuell, da kann man sicherlich nicht mit „Aber andere Eltern machen doch…“ argumentieren. Dennoch tue ich genau das jetzt, denn ich habe doch einige Babys im Freundes- und Bekanntenkreis und in der Familie mitbekommen und keines, wirklich keines der Elternpaare hat nach der Geburt einfach den Kontakt zu den meisten Freunden eingestellt. Da gab es immer auch noch andere Themen und Schnittstellen, und man war einander wichtig genug, zumindest sporadisch alle paar Monate mal kurz voneinander zu hören und hat dann eben öfter Besuch bekommen (anstatt selber zu besuchen), und das halte ich, als Außenstehende, auch für sehr gesund.

      Das klingt jetzt so negativ und kritisch alles… Dabei schätze ich deinen Blog wirklich sehr und lese deine liebevoll verfassten und gestalteten Posts so wahnsinnig gerne – sogar die, die sich ums Baby drehen, obwohl das eigentlich überhaupt nicht mein Thema ist.

      1. DAs betrifft nur ein paar Freundschaften, die auch vorher schon über die Jahre immer wengier Schnittmengen hatten. Das passiert einfach. Nicht immer sind Kinder da der Grund weswegen man sich aus den Augen verliert, oft ist es ein Job, ein Umzug oder gar ein Hobby. Manchmal entwickelt man sich einfach in andere Richtungen. Kinder sind oft – und so ist es auch bei uns – einfach der letzte Faktor, der dazu führt, dass es dann endgültig abreißt.
        Ich habe dazu einen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis. Dass ich die nicht alle würde halten können, nicht mehr so wie früher ohne Kind, das war mir von Anfang an klar. Das ist aber wie gesagt auch etwas, was passiert, wenn man z.B. umzieht oder den Job wechselt. Manche menschen kommen, manche gehen. Manchmal freiwilliger, manchmal weniger.

    3. 🙂 Die meisten meiner Freunde sind kinderlos. Aber es gibt solche, bei denen ich vorher schon befürchtet hatte, dass es dann bei uns mit Kind dann nicht mehr passen würde. Und dem war auch so. Leider. Es war eben absehbar… Da war das Kind aber nicht der eigentliche Grund, sondern nur, hmmmm, der letzte Faktor. „Der Tropfe der das fass zum Üebralufen bringt“ klingt nach Wut und Negativität. Das meine ich nicht. Es hat vorher schon nur noch sehr wenige Schnittmengen gegeben. Mit Baby nun noch weniger.

      1. So wie Du es jetzt beschreibst, sind es wohl eher Bekanntschaften und keine echten Freundschaften, die Du hinter Dir gelassen hast.. Das wiederum kann ich verstehen, man hat weniger Ressourcen und muss neue Prioritäten setzen. Aber wie Du sagst ist es dann im Grunde nicht die Elternschaft, welche euch trennt, sondern dass Du weniger Zeit und Energie hast, Bekanntschaften zu pflegen die Dir nichts mehr geben. Das hätte auch durch einen neuen Job oder einen Umzug geschehen können…

  10. Ein schöner Beitrag wirklich. Eigentlich bin ich ja durch das Thema Haare hier gelandet, womit ich gerade anfange mich ernsthaft zu beschäftigen, aber geade was du zum Thema Kinder schreibst finde ich sehr interessant. Ich finde hier sehr viele übereinstimmende Gedanken zu mir (mein Sohn ist 16 Monate alt) und finde gerade diesen Text sehr spannend in Hinblick auf die Überlegungen zum zweiten Kind. Ich werde auch einige Dinge anders machen und meine jetzt besser zu wissen, was mich erwarten wird … aber schlussendlich ist jedes Kind anders. Und ich freue mich diesen schwersten, aber schönsten Job der Welt noch einmal zu übernehmen (und es hat mir gefühlt kein bisschen geholfen, das ich Kindheitspädagogik studiert habe – so viel dazu).

    1. Jaaaa, das ist krass oder? Die Theorie und die Praxis…! Das merke ich auch öfter in andren Bereichen, aber in keinem so sehr, wie mit Kind. Und wie schön zu lesen, dass es eben nicht abschreckend ist, wenn es um den Wunsch nach einem zweiten Kind geht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.