20. November 2017

Heiki liest: artgerecht – Das andere Baby-Buch von Nicola Schmidt

„Lies das!“ das ist die Kurzfassung wirklich etlicher Empfehlungen, die ich zu diesem Buch bekommen habe, als Merle dann da war und ich doch in einigen Bereichen dastand wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg. Und wie so oft: Was an mich herangetragen wurde, kann ich hier direkt weiterempfehlen. Drum heute dieser Artikel zu einem Buch, das ich einfach allen Jungmamis und Schwangeren aufs Auge drücken möchte.

artgerecht

Das klingt erst mal irgendwie sehr nach Tierhaltung oder – wenn man sich viel mit Ernährungsweisen beschäftigt – nach Paleodiät, die sich dieses Prädikat ja auch ans Revers heften mag. Ob diese Ernährungsweise das zu Recht für sich beansprucht, ist ein anderes Thema. Diesem Buch und der Diät gemeinsam ist aber, dass sich auf die menschlichen Ursprünge berufen wird, also den Steinzeitmenschen oder doch zumindest auf den Menschen, der noch nicht durchzivilisiert in seiner 2-4 Zimmerwohnung seine Kernfamilie aus Mama, Papa und eher ein bis zwei als mehr Kindern versucht durchzubringen und das Ganze dann auch bitte möglichst gesund, glücklich oder doch zumindest entspannt und zufrieden.

Was ist also artgerecht, wenn man ein Menschenbaby bekommen hat? Was entspricht den Bedürfnissen eines so kleinen Homo Sapiens, der sein zweites Sapiens noch erst ausbilden muss? Wie stellt sich eine natürliche Schwangerschaft und Geburt dar (kurze Einführung im Buch) und wenn es dann da ist: Was braucht es, wenn es um Stillen, Schlafen, Saubersein und emotionalen Zuspruch geht?

entspannt und undogmatisch, Möglichkeiten statt Regeln

123-windelfrei – das ist der Name von Nicolas Blog und „artgerecht“ ist nicht nur ihr Buchtitel, sondern auch der Name des Projekts, das Müttern bzw. Familien hilft sich zu vernetzen, um genau so eine artgerechte(re) Lebenssituation für sich erschaffen zu können. Hier geht es zur Website www.artgerecht-projekt.de (derzeit leider im Umbau) und hier zur dazugehörigen Facebookseite. Ich hoffe, dass die Seite bald wieder voll erreichbar ist, denn ich bin jetzt ziemlich interessiert.
Freundlich, unterstützend, intelligent und herrlich undogmatisch, obwohl es da die ganze Zeit um Themen geht, die ich sonst eher als schon fast Religionsfragen erlebt habe: Stillst du oder gibst du Fläschchen? Familienbett oder Kinderbett? Kinderwagen oder Trage? Wegwerfwindeln, Stoffwindeln oder – wie ich ja jetzt auch kenne – windelfrei? Nicola bespricht alles herrlich gelassen und mit einer Wärme, die mich als Neumama auch sehr gut aufgefangen hat in meiner Übermüdung der ersten Lebenswochen unserer Tochter. Sie zeigt Möglichkeiten und erklärt, weshalb es Sinn macht, diese in Erwägung zu ziehen oder auch auszuprobieren ohne den erhobenen Zeigefinger: „Wenn du das nicht machst, dann ist das nicht artgerecht für dein Baby!“ Immer geht es darum mit Attachement Parenting keinen weiteren Druck aufzubauen sondern eine möglichst entspannte Lebenssituation für die Familie zu finden, so individuell, wie die Familien und ihre Lebensumstände sind und dabei eben so artgerecht wie möglich bzw. gewünscht.

Für wen der Begriff „Attachement Parenting“ neu ist, dem empfehle ich vor allem diesen Artikel her: Interview mit Nora Imlau auf editionf.com

Außerdem ganz simpel den Wikipediaeintrag zu Attachement Parenting, der wirklich umfangreich ist und das ganze schön von zwei Seiten beleuchtet.

Ich persönlich halte sehr viel vom Konzept (bin da aber noch ziemlich neu), sehe das aber genauso wie es in den beiden Artikeln auch dargestellt wird: Ein großes Problem dabei ist, dass dann vieles im Namen des AP gemacht wird, was eigentlich mit der Grundidee nicht mehr so viel zu tun hat und viele Frauen manövrieren sich damit an den Rande der totalen Erschöpfung oder sogar hinein. Es ist wichtig sich selbst nicht in totaler Aufopferung zu verlieren. Etwas worauf Nicola im Buch auch immer wieder sehr deutlich (und liebevoll) hinweist.

Dieser Artikel von ihr nimmt sich der Thematik auch sehr gut an: Vorsicht! Attachement Parenting funktioniert nicht!

Da das nun grob geklärt ist, bleiben wir ab jetzt beim Buch und gehen ein bisschen ins Detail, was die großen Kapitel betrifft.

Artgerecht schwanger

Ein kurzes Kapitel, das vor allem beruhigt, mit ein paar Ammenmärchen aufräumt (die werden im ganzen Buch immer wieder aufgenommen, genauso wie sich Zitate von Müttern/Eltern finden unter der Überschrift: „Was ich gern vorher gewust hätte“, beides sehr hilfreich und beruhigend) und darauf eingeht, dass Frau vor allem keinen Stress haben soll, davon ausgehen darf, dass erst mal alles gut ist und dass sie ja sich in der Regel körperlich und geistig betätigen darf und soll – aber bloß nicht für sich den Anspruch haben soll noch „volle Leistung“ zu erbringen. Viele Frauen schaffen keinen „normalen“ Berufsalltag mehr, einige schon. Wobei Nicola schon darauf hinweist, dass unsere normalen Berufsalltage in den meisten Fällen auch unschwanger und ohne Baby schon alles andere als artgerecht sind… Wasser auf meine Mühlen.

Artgerecht zur Welt kommen

Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und um selbstbestimmt gebären zu können braucht es erst mal eine Runde Informationen. Es ist immer noch ein kurzes Kapitel, aber eins, das in meinen Leseraugen mehr gute Tipps liefert als ein ganzer Geburtsvorbereitungskurs. Medizinischen Background zur Geburt gibt es genauso wie Entscheidungshilfen bei der Wahl des Geburtsortes und ein paar Worte zu den Klassikern wie PDA und Kaiserschnitt. Und warum das „leider“ in unserer Kultur mittlerweile Klassiker sind.
Und da kann ich ja schon wieder die hand heben. Eine PDA hatte ich auch. Und mir war zum Beispiel nicht klar, dass die mir nicht nur den Schmerz erträglicher macht und als Nebenwirkung mir das Pressen leider auch erschwert (das wusste ich beides), sondern auch, dass dadurch die Hormonausschüttung bei dann geschaffter Geburt abgeflacht wird. Das Bonding kann daduch beeinflusst werden. Muss nicht. Kann. Ich sage: Ich hab das gemerkt. Denn wie ich im Geburtsbericht schon schrieb: Da war nix mit Euphorie und Glücksgefühl und Liebe. Ich war emotional eigentlich nur erleichtert, alles andere war kognitive Arbeit: Faszination, Neugier und ich wusste ja, was ich zu tun hatte: Baby umarmen und liebhalten, streicheln und dann auch anlegen und so. Instinktiv hätte ich davon eventuell bedeutend weniger gemacht… Die große Liebe zum Kind ließ bei mir deutlich auf sich warten. Wir mussten uns erst kennenlernen. Ob das alles die PDA war? Wer weiß. Aber ich habe es gelesen und mir sofort gedacht: „Ui. Na das erklärt einiges.“

Es geht noch eine Runde ums Bonding, also den initialen Beziehungsaufbau nach Geburt und eine schöne Überschrift nennt sich „Zeit statt Zeug“, zum Thema, was man so als Erstausstattung für ein Baby im Wochenbett braucht. Ich kann für mich sagen: Was hatte ich für ein Glück! PDA hin oder her, beim Bonding lief alles perfekt bei uns. Tolles Krankenhaus (Josefs-Hospital Dortmund). Ich glaube, hätte man mir Merle weggenommen, ich hätte mit ihr gefremdelt… Gut gemacht! Zum Thema Bonding empfehle ich an dieser Stelle noch dieses Feature auf WDR 5. Mir kamen dabei die Tränen. Es kann viel schief gehen allein schon durch zweifelhafte Krankenhausroutinen und ich bin irre dankbar, dass das bei uns nicht der Fall war.

Artgerecht ernähren

Eine Runde allgemeine Stillberatung in Buchform. Medizinisch-anatomische Grundlagen, stillen ist nicht nur füttern sondern eben „stillen“ als beruhigen, Nähe, Ort sich abzureagieren (für das Baby 😉 ). Es werden die üblichen Probleme behandelt, Nicola erklärt wunderbar, weshalb Stillen optimal für Baby UND Mutter ist, gesundheitlich wie auch emotional und auch praktisch zumal natürlich im Vergleich zu Flaschenfütterung. Beikost wird kurz angerissen, ist aber in diesem Buch kein Schwerpunkt, da es um ganz kleine Babys geht. Für mich war das wunderbar, um zu sehen: Wir sind auf dem richtigen Weg, was unsere Verabschiedung vom Zufütern angeht, ich mich aber umgekehrt aber auch nicht schlecht fühlen muss, weil Vollstillen nicht von Anfang an geklappt hat sondern erarbeitet werden musste. Denn, das sagt Nicola auch: Stillen will gelernt sein. Und wer da noch nicht mal jemandem vorher wirklich zugucken konnte, der guckt eventuell etwas dumm aus der Wäsche, wenn es dann buchstäblich nicht läuft.

Artgerecht schlafen

Thema Familienbett und insgesamt aber ein Kapitel, das immer wieder betont: Schlaf hat Priorität eins! Absolut! Babys schlafen eigentlich so viel, dass für die Mutter genug Zeit ist, auch zu schalfen. Was das dann bei uns oft verhindert, ist die Tatasache, dass die Mutter mit dem Baby so lang allein ist. Hilfe annehmen ist hier wie in allen anderen Kapiteln auch ein großes Stichwort. Begreifen lernen, dass es einen Clan braucht, ein Dorf, um ein Kind artgerecht großzuziehen, ohne dabei die Mutter (und den Vater) total auszubrennen. Babys sind nicht dafür gemacht allein zu schlafen. Wenn sie sich darüber beschweren also schreien, wenn man sie ablegt und allein lässt, ist das das natürlichste der Welt, denn evolutionsbiologisch ist abgelegt werden existenzbedrohend. So lange haben wir noch keine gut beheizten Häuser, sicher vor Wetter, Getier oder auch anderen bösmeinenden Menschen. Der sicherste Ort für einen Säugling, der sich weder selbst gut wärmen, noch ernähren noch von der Stelle bewegen kann, ist natürlich so nah wie möglich bei der Bezugsperson. Und das ist in der Regel auf bzw. im Arm. Logisch, oder? Aber auch hier: herrlich undogmatisch. Das Familienbett ist erst mal ein super Ansatz aus genannten Gründen, es gibt aber durchaus Babys, die von Anfang an oder zumindest rasch besser allein schlafen, weil sie so ihre Eltern nicht wachhalten oder von ihnen wachgehalten werden. Nicht jeder schläft so still und reglos wie ein Stein. 😉 Ausprobieren und verstehen, weshalb da Nähe gesucht wird, vor allem in der höchst angreifbaren Situation des Schlafs.

Ich dachte mir dabei: So gesehen ist es kein Wunder, dass viele kleine Kinder Angst vorm Monster unterm Bett haben. Denn vor einigen Jahrhunderten oder Jahrtausenden war das Monster hinterm Busch, wenn man allein schalfen musste eine echte Bedrohung.

Das Schlafkapitel ist ein Großes entsprechend der Gewichtung: Schlaf hat Priorität eins! Dementsprechend ist da weit mehr, als ich hier erwähnt habe.

Artgerecht tragen

Oder auch „artgerechte Mobilität“, wobei es hier sehr ums Tragen geht. Babys kommen auf die Welt, anatomisch dafür ausgelegt getragen zu werden und auch der Erwachsenenkörper insbesodere der der Frau ist darauf ausgelegt ein Baby zu tragen. Anstrengend bleibt es, drum werden auch verschiedenen Tragehilfen vorgestellt: Tragetücher, Slings und Full-Buckle-Tragen, das sind die mit den Clipverschlüssen. Nochmals: Hier geht es um Möglichkeiten, dem Kind gerecht zu werden, es zu verstehen und somit seine Bedrüfnisse wahrzunehmen und mit ihm zu kommunizieren: „Ich sehe, was du brauchst.“ Ich trage Merle auch und finde das ziemlich super. Gleichzeitig ist sie – mittlerweile! – ein Baby das auch gern im Stubenwagen umhergeschoben wird und auch den Kinderwagen ziemlich super findet, um darin zu schlafen (solange er fährt), Stichwort: „Nimm mich mit und lass mich bloß nicht zurück!“ Also lasse ich sie auch darin schlafen und packe sie nicht ständig in die Trage. Das ist meine persönliche Freiheit. Ist sie besonders nähebedürftig, ist die Trage aber ganz (artgerecht-)lehrbuchmäßig auch bei uns Mittel der Wahl.

Artgerecht sauber

Und damit ein Kapitel, das auseinander nimmt, warum Windeln für uns so praktisch sind (Stichwort wieder nicht artgerechte lebensweise der Erwachsenen mit zu wenig Zeit und zu viel Betreuung an einer Person) aber Babys eigentlich schon ziemlich gut darin sind ihr Geschäft dann zu machen, wenn der Popo belüftet ist, denn auch Babys liegen nicht gern in ihren Exkrementen. Da haben wir es, das Windelfreithema aus dem Namen des Blogs. Mir war das völlig neu, dass man schon Babys abhalten kann, ich kannte das nur von Kleinkindern. Ich dachte, sie haben einfach keine Kontrolle über ihre Ausscheidungen. Aber es macht Sinn, dass sie das doch haben. Allerdings ja, deutlich begrenzt im Vergleich zu älteren Kindern. Die Babys sind also nicht als Säuglinge schon sauber, aber man kann mit dem Abhalten prima darauf einwirken, dass das Baby gar nicht erst verlernt anzuzeigen, wann es mal muss, um es dann später mühsam wieder zu erlernen, wenn es aufs Töpfchen/aufs Klo gehen soll.

Nochmal: undogmatisch. Es geht nicht darum Windeln zu sparen oder den Wettbewerb für das Baby, das als erstes trocken ist zu gewinnen. Es geht um Kommunikation. Darum, dass das Baby merkt, dass auch dieses ja wirklich dringliche Bedürfnis von seinen Bezugspersonen wahrgenommen wird und man ihm hilft eben nicht im eigenen Kot und Urin zu liegen. Das kommt dennoch vor, je kleiner die Babys wohl auch desto öfter, denn tatsächlich muss die Schließmuskelkontrolle noch (besser) erlernt werden und so kleine Würmchen können auch nicht lang einhalten.

Wir haben das Abhalten ausprobiert, weil Merle wund war und Blähungen hatte. Und siehe da: Sie fand es großartig! Sie freut sich, wenn sie freiluftpinkeln kann und auch wenn sie ihren Stuhlgang so loswerden kann. Es war… geradezu erschreckend, wie toll sie das fand. Etwas, was ich von anderen Eltern gelesen hatte. Dass die Kinder sich so freuen und die Kommunikation dadurch wirklich gewinnt. Kann ich bestätigen. Ebenso kann ich bestätigen, was Nicola beschreibt: Es klappt nicht immer. Zum Beispiel nicht, wenn das Baby abgelenkt ist mit einer neuen Fähigkeit. Als Merle ihre Faust entdeckt hat, war das hier zum Beispiel so. Sie hat nicht mehr angezeigt, wann sie musste (normalerweise grunzt und stöhnt sie dann recht typisch). Aber das kennt man ja auch von älteren Kindern (vielleicht sogar noch von sich selbst damals? 😉 ). Wenn gespielt wird, wird gern vergessen, dass man mal wieder aufs Klo müsste.

Artgerechte Betreuung und artgerecht leben

Die letzten Kapitel. Und hier wird noch mal ganz deutlich gesagt: Unsere modernen Lebensumstände machen vor allem diese Punkte verdammt schwer, die anderen obigen auch, aber diese besonders.

Es braucht ein Dorf um ein Kind großzuziehen

Das ist eine Weißheit, die Nicola im Buch immer wieder anbringt und was sie auch auf die Frage, was denn nun artgerecht für Babys sei, in diesem Artikel direkt zu Anfang antwortet. Denn letztlich ist es doch wahr: Globalisierung und Social Media hin oder her, die allermeisten sind doch ziemlich allein, wenn nicht sogar ein bisschen oder ein bisschen mehr einsam in ihren Wohnungen. Eine Mutter ist nicht dafür gemacht ein Baby 8, 10 oder mehr Stunden allein zu betreuen. Aber die meisten Mütter oder Väter bei uns müssen das. Einige schaffen das besser als andere. Viele schaffen es zumindest immer mal wieder nicht. Es nicht zu schaffen heißt, überfordert zu sein. Zu Weinen. Tatsächlich keine Zeit für die eigene Körperhygiene zu finden. Das Gefühl zu haben einen Lagerkoller mit Kind zu kriegen. Es nicht zu schaffen fängt nicht erst damit an da Kind zu vernachlässigen oder gar grob zu werden. Selbst das gefühl zu haben nicht mehr zurecht zu kommen, das reicht schon.

Da ist er also wieder: der Clan, das Netz, die Gemeinschaft. Auch dafür gibt es das von Nicola mit initiierte artgerecht-Projekt. Um Eltern die dafür nötige Vernetzung zu erleichtern. Je nach dem, wo man wohnt, sage ich, geht das damit dann leichter oder auch nicht.

Fazit

Das Buch hat mich abgeholt und an die Hand genommen. Es tat unheimlich gut, vor allem eben auch immer wieder zu lesen, dass ich mir die Anstrengung nicht einbilde, mich nicht anstelle und dass das zwar die Regel ist, aber eben nicht normal im Sinne von gesund. Wenn ich es zum Beispiel mit dem Mami-Buch, dem rosa-kuschligen Klassiker vergleiche, der ja auch die Schwangerschaft und die ersten 10 Monate nach der Geburt mit begleitet, nun, da liegt dieses Buch sowas von vorn, auch ohne tolle Bauch-Verlaufsfotos. Die braucht es nicht. Und es ist auch so hübsch, mit wenigen, aber sehr liebevollen, modernen Illustrationen. Was ein wenig in meiner Feministinnenseele schmerzt – was ich aber schon vorher wusste, denn ab einem gewissen Punkt ist es einfach doch Biologie – ist, dass gerade im Säuglingsalter eine Gleichberechtigung und auch Gleichverpflichtung der Partner nicht möglich ist. Frau ist schwanger. Frau gebiert. Frau stillt. Der Partner ist Unterstützer, der dadurch nicht weniger wichtig wird (eben weil niemand dafür gemacht ist dieses Mammutaufgabe allein zu bewältigen), aber gesellschaftlich wird es spätestens mit einem 1 Jahr alten Baby dann hart. Dann dann endet in der Regel das Elterngeld und auch die Mutter muss wieder arbeiten, wenn sie vorher 12 Monate pausiert hat. Stillen wird damit enorm verkompliziert. Das Thema Bindung ebenfalls.

Und so ist es Hauptaufgabe moderner Eltern den Bedürfnissen ihrer Kinder – und ihrer selbst! – gerecht zu werden. Es ist warm, trocken und in der Regel auch satt und sicher bei uns. Unsere begrenzende Ressource ist Zeit und damit leider sehr oft auch Nähe, Aufmerksamkeit und Miteinander.

Das Buch hilft sich in dieser Situation zu orientieren und vielleicht auch besser aufzustellen. Das finde ich, ist sogar mehr wert als die Tipps zum Stillen und Tragen.

In diesem Sinne: Fünf Sterne von mir!

Das Buch findet ihr hier bei Amazon:

artgerecht – Das andere Babybuch von Nicola Schmidt

29 Kommentare

  1. Klingt mega interessant und speicher ich mir mal für später!
    Bei manchen Inhalten werde ich gleich hellhörig. ZB Bonding und seltsame Krankenhausroutine. Meine Schwägerin, die erst vor 1 Monat entbunden hat, hat ganz entsetzt erzählt, dass man die Babys jeden Vormittag für etliche Stunden abholte und einfach wegnahm – fast den halben Tag ohne eigenes Kind?! War das bei dir damals eigentlich auch so? Oder nur eine doofe Routine des KH hier bei uns?
    Frischluft-Pinkeln find ich lustig und interessant. 😀

    1. Bei uns war das super! Das Krankenhaus hat 24h-Rooming-in angeboten, das ist es, wonach du fragen musst. Das bedeutet, dass du permanent bei deibem baby bist. Auch bei den Untersuchungen ist immer die Mutter oder mindestens der Vater dabei (wenn Mama nichtg kann, weil erschöpft, selber in Untersuchung o.ä.). Das lässt sich aber wie gesagt sehr gut vorher abfragen und gute krankenhäuser werben damit auch für sich, wenn sie das 24h-Rooming-in anbieten. 🙂

  2. Das Buch habe ich mir Mal ausgeliehen und fand es auch toll. Erfrischend anders zwischen diesen ganzen „Erziehungsbüchern“ die man sonst so kennt. Jetzt sind wir aus dieser „Anfangszeit“ schon ein bisschen raus und ich habe mir schon Nachschub geholt mit „Slow Family“ . Hab ich auch nur gutes von gehört, ich bin gespannt… LG Tanja

    1. „Slow Family“ hab ich auch schon entdeckt, ist ja auch von Nicola Schmidt. Das habe ich also auch schon auf der Wunschliste. Und das Buch zum Thema artgerechte Kleinkinder haltung 😉 😉 😉 ist soweit ich das verfolgen konnte derzeit in Arbeit. Da freue ich mich auch schon drauf.

  3. Interessant, das zu lesen, selbst wenn man (noch) keine Kinder hat 😀 Merke ich mir mal vor, falls das in der Zukunft mal der Fall sein sollte.
    Weil ich beim Wikipedia-Artikel zu AP darüber gestolpert bin: Habt ihr Merle eigentlich impfen lassen bzw. habt ihr es vor? Ab der 9. Woche wird die erste Impfung empfohlen, inzwischen gibt es ja aber viele Eltern, die ihre Kinder spät oder gar nicht impfen lassen.

    1. Ooooh, das Impfthema ist ein großes, trübes Fass… Ich finde das schwierig hier im Kommentar zur Genüge zu beantworten, aber so in aller Kürze: ja, wir haben sie impfen lassen. Ich evrstehe die Gegenargumente, aber was für uns gezählt hat ist: Es gibt schulmedizinisch fast nichts, was so gut belegt so viele Leben rettet wie impfen und, wogegen da geimpft wird, sind potentiell tödliche Krankheiten. dazu kommt, das Benedict Lehrer ist und damit eine Art Risikoberuf hat, was den Kontakt zu Viren/keimen angeht. Die Arguemnte gegen das Impfen sind mir bekannt und ich kann sie nachvollziehen und manche haben mich auch sehr nachdenken lassen. Letztlich aber haben wir sie impfen lassen. So viel in Kürze. 🙂

      1. Danke für deine ehrliche Antwort! Für mich liest sich das so, als würdest du dich dafür rechtfertigen wollen. Ich finde es sehr schade, dass man das heutzutage wohl muss, wenn man seine Kinder impfen lässt und sie so (wie du selbst schon gesagt hast) gegen tödliche Krankheiten schützt. Ich habe obigen Post bewusst so neutral formuliert, um deine Antwort nicht zu beeinflussen, aber ich bin eindeutig Impf-Befürworter. Mehr noch, ich finde es unverantwortlich von Eltern, ihre Kinder nicht zu impfen. Inzwischen gibt es ja sogar Kindergärten, die ungeimpfte Kinder nicht aufnehmen. Ich finde, es gibt eigentlich keine guten Argumente gegen Impfungen, da die Argumente dafür dermaßen viel Gewicht haben. Ich bin allgemein kritisch bei alternativen Heilverfahren und ähnlichem und orientiere mich lieber an dem, was wissenschaftlich fundiert ist und was die Ärzte meines Vertrauens mir raten (denn die haben immer noch die meiste Ahnung von medizinischen Themen. Auch wenn heutzutage leider immer mehr medizinische Laien ihren Senf dazu abgeben müssen). Mit Homöopathie kann man mich jedenfalls jagen 😀

        1. Oh, ich rechtfertige hier auf dem Blog vieles vorweg, das lehrt die Erfahrung, einfach weil ich sonst in Folgekommentaren darauf eingehen muss, wenn ich etwas offen lasse. So ist es bequemer. 🙂 Ich bin Natzrheilkunde gegenüber ja sehr aufgeschlossen, schätze die schulmedizin aber sehr für ihre Potenz. Ich mag beides haben. Überspitzt gesagt: Kräuterimpfung gibt es nicht, drum sind es die normalen geworden. 😉

  4. Hey Heike,
    von dem Buch habe ich noch nicht gehört, das klingt gut und hätte ich auch mal gerne in die Hand gedrückt bekommen, damals 😉 So habe ich diese Informationen in den Jahren nach und nach gesammelt.
    Ich finde schwer, dass man so hin- und hergerissen ist. Auf der einen Seite möchte ich als Mutter sehr viel mit meinen Kindern sein, diese Nähe einfach haben, dieses Muttersein. Und meiner Meinung nach brauchen die Kinder das auch. Auf der anderen Seite reicht mir das nicht, da mein Kopf es benötigt, Denkaufgaben zu lösen. Dazu kommt dann noch, dass man heutzutage in der Gesellschaft als Mutter in dieser Zeit, in der man zu Hause ist, recht einsam ist und ich zumindest ein sehr stark extrovertierter Mensch, sodass mir da tatsächlich die Decke auf den Kopf fiel. Unvermeidbare Konflikte, die aber jetzt, wo die Kinder älter sind, entspannter sind.
    Ich finde auch, dass es anders ist, Mutter zu sein als Vater und so sehr ich sonst auch für Gleichberechtigung bin, in dem Bereich möchte ich mich nicht rechtfertigen müssen, als Mutter eine andere Beziehung und/oder Bindung zum Kind zu haben. Ich möchte mir das nicht wegnehmen lassen.
    Da es hier passt, frage ich mal neugierig ran: Wie kommt es, dass es bei euch mit dem Schlafen nicht so klappt? Ich hatte auch alle möglichen Schwierigkeiten, aber mit dem Schlafen zum Glück nicht. Ich habe beim Stillen geschlafen und nachts nie Licht angemacht, sondern nur Ruhe walten lassen. Ist Merle trotzdem „quietschvergnügt“? Vielleicht habe ich auch einfach nur Glück, dass man mich oft wecken kann und ich so gut wie auf Knopfdruck wieder einschlafen kann.
    Fröhliche Grüße und weiterhin eine schöne Babyzeit
    deine Ayula

    PS: Meiner Meinung nach auch ein gutes Buch – wenn auch ein ganz anderes Thema – ist übrigens BabySignal.

    1. BabySignal, notiert. 🙂 Danke dir.
      Ich persönlich hätte es lieber gehabt, wenn man das Elternsein gleimäßiger hätte aufteilen können, aber wenn gestillt wird, ist das eben auch nach der geburt dann noch nicht möglich. Nicht, weil ich etwas an Zuneigung und Nähe abgeben wollen würde, sondern weil ich mir wünschen würde, dass Benedict a) genauso viel Nähe und Zuneigung geben könnte (was eben nicht geht, weil wir ja beim Stillen stundenlang aneinander kleben und er das so nicht mit ihr haben kann) und man sich die Arbeit besser teilen könnte. Wir haben ja 4 Wochen zugefüttert, was ich an sich nicht optimal fand, aber tatsächöich war das für die Nähe Vater-Tochter wirklich gut und für mich auch, um nicht in dieser Dauersymbiose an die Couch gefesselt zu sein. Ich konnte das Kuscheln mit ihr dann wieder viel lieber mögen, weil es eben nicht mehr permanent war.

      Schlafen: Auch das hängt am Stillen. Ich habe zum einen suer enpfindliche Brustwarzen, die auch jetzt 3 Monate post partum noch weh tun, wenn Merle nicht absolut perfekt andockt, sodass ich nachts allein nicht weiterschalfen konnte, wegen des Schmerzes. Mit den Stillhütchen ging es dnn zwar besser, aber da musste ich wach bleiben und Licht anhaben, weil sie lange eher unruhig getrunken hatte (siehe nächster Punkt) und ich imemr wieder das Hütchen neu justieren musste. Besagter nächster Punkt: Ich hatte Probleme genug Milch zu haben. Wir haben ja anfangs fast rund um die Ihr geclustert. das hat mich wach gehalten und sie auch. Deswegen die Zufütterung, weil ich einfach nicht mehr konnte. Unter 4 Schalf über Wochen… das ging nicht. Und das machte den teufelskreis aus Stress und weniger Milch und daudrch noch mehr Stress und noch mehr Probleme mit der Milch. Mit der Pre-Milch hat sie dann lägner geschalfen, aber unruhiger. MuMi verträgt sie bedeutend besser.
      Wir sind jetzt noch nicht eine Woche ohne Stillhpütchen und es tut noch ziemlich weh nachts, wird aber besser. seit zwei Tagen sind wir erst bei dem,w as du beschreibst, und worauf ich von Anfang an hingearbeitet habe, was für uns aber einfach nicht gegeben war: Baby nur ranholen, andocken, Ruhe und weiterpennen. Das hatte ich jetzt zwei Nächte lang und bin auch endlich wieder ein Mensch. Vorher war ich so eschöpft, dass ich vor Erschöpfung teiwleise nicht mehr schlafen konnte. Wir mussten da erst über eine gewisse Schwelle, um diesen Stress-Milch-Kreislauf zu durchbrechen und dafür mussten vor allem eben auch die Nippel abgehärtet genug sein. Ich bin froh uns das erkämpft zu haben, aber hui, es war echt ein rauer Weg. Aber es hat sich gelohnt. 🙂

  5. Hallo Heike, bin schon ewig stille Leserin deines Blogs noch aus Maiglöckchen Zeiten.
    Wenn dir das Buch gefallen hat, kann ich dir Kinder verstehen von Herbert Renz-Polster sehr empfehlen. Das hat mir sehr geholfen und mich entspannt bei meiner ersten Tochter, die rückblickend wohl ein High Need Baby war.
    Liebe Grüße!

    1. Danke dir! Renz-Polster nennt Nicola auch oft als Quelle, und ich hab Richtung High Need Baby auch schon recherchiert. Das ist ja wirklich eine extrem fordernde Aufgabe. Merle geht in die Richtung ist aber ich sag mal aus meienr Sicht „zum Glück“ kein High Need Baby, wenn auch eben deutlich fordernd.
      Das Buch ist notiert. 🙂

  6. Klingt von der Grund-Philosophie genau wie Renz-Polster (an dieser Stelle möchte ich meine Empfehlung für „Kinder verstehen“ noch mal erneuern). Hat es auch so viele wissenschaftliche Belege? Wir sind zwar aus dem ganz kleinen Babyalter fast raus, zweites Kind ist aber nicht ausgeschlossen. Da wäre mehr gute Literatur sehr hilfreich.

    Zum Mami-Buch: Stimmt, es ist nicht besonders umfangreich. Ich hab es trotzdem gern gelesen. Umfassende Informationen bis ins letzte Detail hab ich nicht davon erwartet. Ich fand die Auswahl der Infos interessant und hab einiges als Anregung genommen, mich anderweitig weiter zu belesen. Das gilt aber auch für meine anderen Schwangerschaftsratgeber (hab insgesamt fünf, vier davon waren Geschenke). Finde, die haben deshalb schon alle ihre Daseinsberechtigung.

    1. Und noch eine STimme für Herr renz-Polster. 🙂 Nicola erwähtn ihn oft als Quele, von daher wirst du Recht haben, dass es mir wohl gefallen dürfte. 🙂 Da ich es nicht gelesen habe, habe ich jetzt keinen Vergleich was die Anzahl der wissenschaftlichen Quellen angeht, bin aber bei „artgerecht“ absolut zufrieden mit der Quellenlage und Recherchearbeit. 🙂

  7. Liebe Heike,

    ich bin doch sehr über Feministinnen erstaunt – dass man mit zumindest grundlegendem Wissen über die menschliche Biologie auf die Idee kommen kann, dass Gleichberechtigung, bzw. Gleichverplichtung möglich wäre, erscheint mir, vorsichtig gesagt, ziemlich realitätsfern. Ich meine nicht, das Bestreben in die Richtung zu gehen, sondern den Glauben an die grundsätzliche Möglichkeit das zu erreichen. Du hast mehr Einblick in Feminismus: Ist das eine verbreitete Meinung oder eher die Ausnahme?

    Viele Grüße,
    Katja

    1. Uff, ich bin ja jetzt auch keine Vollblutfeminisitin, nur eien Frau, der die Thematik wichtig ist und die vermutlich besser im Thema ist, als die meisten. Also sage ich auf der Grundlage: Feminismus bedeutet an der Stelle ja auch oft, dass eben solche biologische Gegebenheiten erkannt werden und man einen Ausgleich schafft. Dieser Ausgleich ist aber in unserer gesellschaft kaum bis nur sehr schwer möglich (siehe „artgerecht leben“, weil es an Zeit und Lebensmodellen mangelt, ind enen Frau nicht den ganzen Tag allein mit den baby ist, weil Mann arbeiten muss. Die Sache mit „Es braucht ein Dorf um ein Kind großzuziehen“ ist sehr wahr.
      DAvon ab geht der Vater des Attachement Parentings Dr. Sears (nicht Nicola Schmidt, sie ist da sehr offen!) leider deutlich in Richtung „Frauen an den Herd!“. Seine Theorien zum AP sind an sich gut, aber vor dem Hitnergrund haben sie einen etwas fiesen Beigeschmack, siehe das Interview mit Nora Imlau. Da muss man sehr aufpassen, dass die Biologie eben nicht vorgeschoben wird, um Frauen von der Arbeitswelt (und damit immer in letzter Konsequenz von Macht, Selbstbestimmung und Einfluss) fern zu halten. Echter Feminismus propagiert ja nicht, dass der Mann bitte auch stillen soll, sondern, dass es einen echten Augleich für beide Partner gibt. Das ist sehr schwierig in unserer Gesellschaft und Frau ist Leidtragende darunter, was die isolation und Abhängigkeit angeht, Mann trägt die Last der finanziellen Verantwortung, zumidnest in den ersten jahren, außerdem muss er damit umgehen, dass sein band zum Kind nicht so fest sein kann, wie das zur Mutter. Beides keine schönen Lose. Somit tatsächlich ja noch weniger ein reines Frauenthema als man meinen sollte.
      Ich hoffe, das beantwortet deine Frage zumindest oberflächlich. 🙂

      1. Vielen Dank für die Antwort 🙂
        Naive Frage der Kinderlosen: Kann man durch Abpumpen und Muttermilch mit der Flasche füttern nicht auch einen Teil des Stillens an den Mann abgeben? (Gesetzt dem Fall, dass es keine Saugverwirrung gibt.) Oder spricht da was dagegen?

        Mein Problem mit Feminismus ist, dass er mir ideologisch oft zu links ist. Um die Aussage etwas zu erklären: Ich lese gerade „The Righteous Mind – Why Good People Are Divided by Politics and Religion“ von Jonathan Haidt. (Den findet man auch auf Youtube. Der Talk in Warschau ist gut, viele andere Sachen habe ich nicht angehört, dazu kann ich nichts sagen. Das Buch ist eine absolute Empfehlung, weil Politik dann wieder von Menschen und nicht von „uns und denen mit der falschen Meinung“ betrieben wird.) Er beschreibt in dem Buch unter anderem ein Konzept, das man als „moralische Geschmacksrezeptoren“ umschreiben kann und dabei in Bezug auf Fairness, dass die Bedeutung sich da zwischen links und rechts deutlich unterscheidet. (links geht es oft mehr um Gleichheit, rechts oft mehr um Verhältnismäßigkeit) Mir stößt Gleichheit im Speziellen und linke/feministische Rhethorik, bzw. ein großer Teil dessen, was Haidt unter Moralvorstellungen auf der linken Seite aufführt, im Allgemeinen sehr schnell sauer auf, was es extrem schwierig macht, sich mit dem Thema sinnvoll auseinanderzusetzen. Das fühlt sich mitunter an, wie Verschwörungstheorien zu lesen, weil man mit der Logik vielleicht übereinstimmt, mit den Grundannahmen aber nicht und dem Ton/Beigeschmack erst recht nicht. Im Interview mit Nora Imlau fand ich ihre Beiträge zum Beispiel großartig, die Fragen der Interviewerin größtenteils zum Augenrollen und die grenzwertig sinn- und definitiv tonverändernden Wiedergaben von Imlaus Aussagen absolut unangebracht.

        Das Schöne an deiner Auseinandersetzung mit Feminismus ist einfach, dass deine Art zu schreiben sich für mich nicht gefühlsduselig und irrational anfühlt, sondern durchdacht. Stichwort Sears: Mit „überprüfen, ob eine Voreingenommenheit mit in seine Arbeit reinspielt“ bekommst du mich viel mehr als mit (überspitzt gesagt) einer Reaktion in der Richtung „der will, dass Frauen am Herd stehen – also müssen wir ein sinnvolles Konzept umdefinieren, um es anwenden zu können, weil uns das Image nicht passt!“ (Zitat aus dem Artikel in Edition F: „Du fragst auf deinem Blog: „Können wir es schaffen, den Begriff des „Attachment Parenting“ für uns neu zu definieren und die Idee so von ihrem Image des Selbstausbeuterischen, Sexistischen zu befreien?“)
        Vielleicht stört mich daran konkret aber auch mehr, dass ich sinnvolles Anwenden dem Umdefinieren vorziehe, weil ich gelungene Anwendung überzeugender finde als Umdefinieren. (Hachja, was sagt das jetzt über meinen MBTI-Typ aus xD)

        Ich wollte mir, wenn ich wieder in Deutschland bin, „untenrum frei“ mal zu Gemüte führen, um mein Bild auf Feminismus weniger von Internetfeminismus abhängig zu machen. Ich bin mal gespannt.

        Liebe Grüße,
        Katja

        1. „Untenrum frei“ kann ich dir auf jeden Fall empfehlen! Einfach auch sehr unterhaltsam dabei und als Kind der 80er habe ich mich da so oft wiedergefunden! 😀
          Deine Frage als Kidnerlose bezüglich Abpumpen: Ja, man kann! Darauf habe ich jetzt 3 Monate lang hingearbeitet. Ich hatte leider immer nur haarscharf genug Milch bzw zeitweise eben auch zu wenig. Nicht zu wenig, umim sinne von mein Kind verhungert (sie ist gewachsen und hat zugenommen), aber sie war elednig unleidlich, wir haben fast alle 20min anlegen müssen und dabin ich echt am Stock gegangen. Meine Brüste so hochzuzüchten, dass sie Merles Bedarf decken konnten, hat also gut 10 Wochen gedauert. Dann habe ich die STillhütchen absetzen können und erst seit 3 Tagen (!!!) kann ich abpumpen, so, dass etwas übrig bleibt und ich dadurch ein bisschen mehr Freiheit gewinne.
          Allerdings entleert keine Pumpe so gut wie das Baby. Das heißt, diese Milch ist mein Notnagel. Falls ich mal länger weg sein muss und es sonst Flaschenmilch geben müsste. Falls ich Medikamente nehmen muss, die muttermilchgängig sind (kommt vor). Das ist also leider nichts, was ich jeden Tag machen kann, einfach weil ich 3 Tage brauche, um genug Milch abpumpen zu können, um eine Fütterung zu ersetzen.
          Das wird sich alles entspannen, wenn es um Beikost geht. Vorher ist das eher tricky. Deswegen fresse ich derzeit ja auch wie eine Bescheuerte(und nehme deutlich zu dadurch), weil ich mich mir nicht den Hauch von Milchminderung leisten kann. Zumindest noch nicht. Stillen ist ein ganz schöner Akt. Das war mir so auch wirklich nicht bewusst.

  8. „Es braucht ein Dorf um ein Kind großzuziehen“ – ein Thema, über das ich mir auch schonmal Gedanken gemacht hatte. Vielleicht nicht ein ganzes Dorf, aber ich stelle es mir deutlich machbarer vor, ein (vor allem noch sehr kleines) Kind zu haben, wenn man ein räumlich nahes Netzwerk hat. Familienangehörige oder andere nahestehende Menschen, die gleich ums Eck oder gar im selben Gebäude leben. Es ist schön, mit lieben Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt sein zu können, aber spontan sich um das Kind zu kümmern wenn man mal ein paar Minuten oder Stunden Luft braucht können sie nunmal nicht. Würde ich in einem solchen Netzwerk leben, käme mir das Thema Kinder aufziehen sehr viel weniger „bedrohlich“ vor.
    Darf ich fragen, wie das bei euch aussieht? Habt ihr das Gefühl, ein recht gutes Netz in der Nähe zu haben oder seid ihr was das angeht eigentlich nur auf euch selbst gestellt?

    Liebe Grüße,
    emalya

    1. Unser Netz ist eher dünn, leider. Meine Eltern wohnen weit weg. Gerade war meine Mutter eine Woche zur unterstützung da und es war der Himmel! Auch meine Schwester wohnt weit weg und kann auch nicht mal eben kommen, noch wengier als Mama, die ja in Rente ist. Die andere Familienseite ist leider schon sehr ausgedünnt. Ich habe hier ein paar gute Freundinnen, die mich utnerstützen, so gut sie können, aber das ist auch nichts für jeden tag sondern sie sind eher 1x die Woche so für 2h da, sodass ich keinen Lagerkoller bekomme. Ich habe eine Mama hier noch, mit der ich auch zeitgleich schwanger war, das ist absolut Gold wert. Ohne sie wäre ich glaube ich echt zwischenzeitlich durchgedreht.
      Also ja, doch es ist hart. Und ich fantasiere ab und zu sehr rosarot über einen Mehrgenerationenhaushalt.

  9. Liebe Heike,

    hier in den Kommentaren tut sich ja der Ansatz einer sehr interessanten Debatte an: der Feminismus und das Muttersein. Wie kann ich Mutter sein und gleichzeitig meinem eigenen, selbstständigen Leben und Bedürfnissen treu bleiben? Ich mache mit da auch häufiger Gedanken drüber, habe allerdings vermutlich nicht so viel Ahnung davon wie du. Vielleicht wäre das ja mal was für einen Artikel 🙂

    Liebe Grüße

    1. Stimmt, da könnte ich mal drüber schreiben. 🙂
      Was ich z.B. gerade interessant finde, ist, dass sich hier viel auf „Ahnung davon haben“ berufen wird. Dabei stellt sich die Thematik für mich zum Beispiel viel mehr als etwas dar, was für mich logisch und vom Bauchgefühl her passen muss. Die Geschichte dahinter ist für mich eher Beiwerk zur Einordnung.

      1. Hallo Heike,

        zu dem keine Ahnung haben wollte ich noch was sagen, komme aber erst jetzt dazu.
        In meiner Familie gibt es keine jüngeren Verwandten, die so viel jünger wären, dass man aktiv etwas aus deren Kinderzeit oder der Schwangerschaft mitbekommen hätte. Mein Wissen zu dem Thema beschränkt sich deswegen auf die recht dürftigen Informationen aus der Schulzeit und das bisschen, das man sich nebenher noch anliest, wenn man zur symptothermalen Methode, Mentstruationstassen und Stoffbinden recherchiert und dann auf den ein oder anderen Link klickt. Von windelfrei hatte ich deswegen zum Beispiel schonmal was gehört, von AP aber zum Beispiel noch nicht, von der generellen Belastung durch ein Kind auch nicht.

        Was Feminismus angeht, so reicht mir „vom Bauchgefühl her passend“ nicht, um mich auf feministische Aussagen zu verlassen, weil der Bereich nicht für sein gutes wissenschaftliches Arbeiten bekannt ist. Um mal das Schlimmste zu umreißen, das ich gerade zur Hand habe: Sarkeesian findet in ihrer Masterarbeit zum Beispiel raus, dass mehr POC als weiße Charaktere in (den) Serien (, die sie betrachtet hat,) sterben: „My results (see appendix) corroborated my casual observations, that when women of colour and queer
        women are represented in television they die more often than white women. This lead
        me to wonder, how far have women’s representations really come?“ [S.20 ihrer Masterarbeit]. Das ist interessant, bis man sich die Zahlen anschaut und herausfindet, dass sie hier 35% (von 153 weißen Charakteren) vs. 36% (von 53 POC) als „mehr“ verkauft, oder, dass zwar 50% der queeren Charaktere sterben, das bei nur sechs queeren Charakteren aber keine Aussagekraft hat. (Zahlen siehe S. 68 ihrer Arbeit) Basierend auf ihren Zahlen, hätte sie ihre „casual observations“ korrigieren müssen, weil die Zahlen eher im Gegenteil zeigen, dass es zwischen weißen Charakteren und POC relativ ausgeglichen ist.
        Ich will nicht aufgrund von ihrer Arbeit, den Aussagen von einem Freund, der sich viel mit dem Thema beschäftigt hat, und dem Wald-und-Wiesen-Feminismus im Internet den Feminismus komplett abschreiben. Aber es hält mich dann doch davon ab, mir Feminismus auf die Fahnen zu schreiben.

        Liebe Grüße,
        Katja

        (P.S.: Eventuell kam der Kommentar aufgrund von Verbindungsproblemen zweimal.)

        1. Oweia, ich muss mich an dieser STelöe denke ich ausklinken. Da bist du viel tifer im Thema als ich und ich habe derzeit auch keine Möglichkeit das nachzuvollziehen. Aber das verstehst du denke ich. 🙂 Spennande Sache auf jeden Fall. Ich denke, es ist mit dem feminismus ähnlich wie mit anderen markigenehmmmm Lebeneinstellungen? Egal ob nun Feminismus, Veganismus, Attachement Parenting… da ist meist eine sehr gute Grundlage vorhanden, aber die gefolgschaft kocht sich dann doch oft ihr eigenes Süppchen daraus, was dann unter Umständen mit der Grundidee nicht mehr viel zu tun hat ODER in Fanatismus gipfelt.
          Liebe Grüße, Heike (Kommentar war nur einmal da. )

          1. Ich muss fairerweise sagen, dass ich nur bei Sarkeesian speziell im Thema bin, weil ich den Datensatz in ihrer Arbeit vor ein paar… Monaten mal benutzen wollte, um meine Statistikkenntnisse ein bisschen aufzubessern (und dann kamen andere Dinge dazwischen). Mich würde empirisch zum Beispiel schon interessieren, ob böse Charaktere in Serien häufiger POC als weiß sind. Und andersrum, ob POC häufiger böse sind, als Weiße. (Ich kann dir den Spaß gerne zukommen lassen, wenn er fertig ist, ich schreib’s sowieso auf.)

            Liebe Grüße und damit ziehe ich mich hier auch mal raus,
            Katja

          2. Vom Interesse her: sehr gern. Aber nagel mich nicht fest, wann ich es dann schaffe, mich damit auseinander zu setzen. *schwitz*

  10. Interessante Lektüre.
    Wir leben nicht nach AP, aber doch bedürfnisorientiert. Stille mittlerweile mein 3. Baby, was auch im Familienbett schläft. Haben keinen Kinderwagen, sondern tragen nur. Vieles ist denke ich auch einfach in uns drin bzw unsere Babys zeigen uns den Weg.
    Ich weiß noch, wie ich vor fast 5 Jahren beim ersten Kind durcheinander war und mir jeder reingeredet hat, er wird nie in seinem Bett schlafen, er ist doch schon 3 Monate alt, magst nicht langsam abstillen und Brei geben, wenn ihn immer nur trägst, lernt er nie laufen ,… Lauter solcher Ratschläge. Ich habe auf mein Gefühl gehört und mein Mann und ich waren uns da einig. Mitttlerweile schläft er in seinem Bett und konnte recht damals krabbeln und auch laufen.
    Gerne ablegen ließ sich meines meiner Kinder und gerade jetzt bei unseren ke6, genieße ich es noch mal richtig.
    Ich weiß sie werden leider doch schnell groß.

    1. Das mit dem reinreden ist wohl leider doch sehr verbreitet. Da fühlen sich ja auch irgendwie fast alle irgendwie berufen, etwas beizusteuern. Ich habe Glück, finde ich, weil ich bisher zwar auch schon einiges aus der Kategorie gut gemeint und schlecht gemacht gehört habe, aber es war immer offen und niemand hat mir ehrlich eine Vorwurf gemacht. Außer… mit dem extrem häufigen Anlegen also dem Clusterfeeding. Da habe ich sehr oft gehört, das könne ja so nicht sein. Aber dazu kann ich einen halben Roman schreiben. Der kommt auch die Tage. Zum Thema Stillen. 🙂

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