17. Juli 2017

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind? – Oder: Warum gerade jetzt?!

Eine sehr persönliche, aber auch eine gesellschaftspolitische Frage. Aber trotz aller Rationalität und Familienpolitik bleibt da etwas, was wohl in keinem Lebensbereich so mächtig ist, wie rund um Kinderwunsch und Schwangerschaft: das Bauchgefühl. Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind, wann fühlt es sich richtig an? Denn Familienplanung kann das eine sein, Kinderwunsch das andere.

Den ersten, gesellschaftspolitischeren Teil (Geld, Gesellschaft und ein bisschen Glück), habe ich vor ein paar Tagen veröffentlicht und oweia, was hat der Wellen in den Kommentaren geschlagen! Somit komme ich nicht umhin hier noch auf einiges Bezug zu nehmen, bevor es dann wirklich um das geht, was ursprünglich die Frage war: Warum haben wir ausgerechnet jetzt beschlossen ein Kind zu bekommen? Ich habe schon fast ein bisschen Bammel. An kaum einem Artikel habe ich soviel rumeditiert, wie an diesem, ist es doch vermutlich der, der wie kein anderer offenlegen wird, wieso ich die Person bin, die ich bin. Mit meinen Plänen, meiner Disziplin, meiner Känpfer- und Stehaufmännchenmentalität, meinen Recherchen und meinem Glauben an mich selbst und an meine Träumen – und eben nun auch mit meiner Familie.

Zum letzten Artikel – Was mir in den Kommentaren aufgefallen ist:

Ich habe den Eindruck, dass ähnlich wie beim HypnoBirthing oder beim Thema Kindernamen leider nicht klargeworden ist, dass das, was ich beschreibe, zwar meine Recherchen und meine Meinung ist, ich aber auch deshalb wieder so ins Detail gegangen bin, weil ich eben hier einen Blog betreibe, aus dem sich viele Menschen ihre Informationen ziehen. Unsere eigene Entscheidungsfindung war bei weitem nicht so kleinteilig und durchgerechnet (ohhhh lange nicht, siehe ganz am Ende des Artikels hier), sehr vieles habe ich für den Blog einfach noch gründlicher nachrecherchiert, damit es stichhaltiger ist und ihr besser sehen könnt, was da wirklich die Fakten sind und nicht nur das Hören-Sagen von Heiki im Raum steht.

Etwas erschreckt hat mich die Tatsache, dass trotz meiner Schlussabsätze und vor allem totz der Tatsache, dass ihr alle wisst, dass ich schwanger bin und mir nen Keks darüber freue, viele meinen Artikel so verstanden haben, als würde ich rein rational abwägen, ob man eine Familie gründet oder nicht und genau so ein Vorgehen propagieren. Wäre ich kinderlos und wäre der Artikel getitelt gewesen mit: „Weshalb wir keine Kinder wollen“, hätte ich viele Reaktionen eher verstanden. Daran sieht man wieder sehr gut, dass Rezeption auf mehreren Kanälen funktioniert: Ich sende zwar mit einer bestimmten Intention, aber wie etwas aufgenommen wird, kann ich nicht bis ins letzte vorhersehen. Dass die Diskrepanz zwsichen meiner Zielsetzung und der Auffassung dann aber so groß teilweise war, hat mich ehrlich erstaunt. Frau lernt wieder für Folgeartikel. 🙂

Warum empfinde ich es als „naiv“ und benenne es auch als genau das, wenn ich sehe, dass Menschen sich nicht mit dem finanziellen Aspekt von Kinderwunsch und Familienplanung auseinander setzen? Naiv klingt so negativ.
Nun, es gibt zwei Möglichkeiten eben so naiv gut aus der Familienplanung hervorzugehen: So viel Wohlstand, dass es tatsächlich irgendwie geht ohne große Einbußen (aber ganz ehrlich, die Rechnung habe ich ja aufgemacht: wenn mehrere 100 bis 1000 Euro weniger im Monat keinen großen Unterschied im Lebensstandard machen, dann war man vorher ehrlich privilegiert!) oder man hat wirklich sehr andere, bedeutend niedrigere Ansprüche an den Lebensstandard als ich (Individuum!) das habe.

Ich habe es explizit erwähnt und dennoch ist es so oft überlesen worden und ich befürchte fast auch hier könnte es erneut untergehen: Sich für ein Kind etwas einzuschränken, Opfer zu bringen ist das eine. Aber bei so großen finanziellen Einbußen reden wir eben nicht von 100 Euro mehr in der Tasche oder Urlaub oder Party machen oder Maniküre oder noch eine Handtasche oder, oder, oder. Da geht es darum, ob ich gesundes Essen einkaufen kann, vielleicht auch nicht nur beim mitarbeiterausbeutenden Discounter, ab und zu mal Bio oder Fairtrade. Es geht nicht um den Wocheneinkauf im Biomarkt! Es geht darum auch mal mit Freunden einen Kaffee trinken zu können, nicht um durchzechte Nächte. Es geht darum, ob es ein Problem ist, wenn die Waschmaschine kaputt geht oder das Tier zum Tierarzt muss. Auch hier: Wenn es da nur darum geht, ob der Urlaub jetzt von Bali doch eher auf den Familien-Ponyhof um die Ecke verlegt wird, bewegen wir uns nichtz in dem Bereich, der die eigentliche Problematik zeigt, die ein Verlust von mehreren 100 bis 1000 Euro pro Monat für eine Familie bedeuten kann.

Fassen wir uns mal gepflegt an die eigene Nase, also ich mich an meine und sage: Tja, also dann eben jetzt kein Haarschmuck mehr. Das ist exakt so ein Luxusgut, was dann eben nicht sein muss. Ich bin also selbst noch vergleichsweise gut gestellt, auch wenn uns zum Beispiel auch genau das mit der Waschmaschine passiert ist und wir wirklich gedacht haben „Das darf jetzt nicht wahr sein!“ Wir müssen sehr rechnen damit das alles passt und zum Glück können wir das. Eben auch weil wir die Infos haben. Nichts desto trotz sehe ich die Problematik für Menschen, bei denen es eben vorher schon sowas nicht gab. Nur weil ich noch glimpflich bei der Rechnerei davon komme, macht mich das nicht weniger böse auf das System insgesamt gesehen. Es bleibt unfair. Das ist so, wie ich mich auch über Sexismus aufregen kann, obwohl ich einen super emanzipierten Mann an meiner Seite habe. Nur weil ich da noch irgendwie gut bei wegkomme, heißt das nicht, dass die Sache an sich damit okay wäre.

„Dein Artikel hat mich traurig gemacht.“ Auch öfter gelesen. Ich würde gern sagen, dass es mir leid tut, tut es aber nicht. Denn was die Sache traurig macht, ist nicht mein Artikel, es ist das, was ich darin beschreibe. Mich macht das Thema eher wütend. Es ist so unfair. Deswegen habe ich ihm hier Raum gegeben. Dass das jetzt nichts war, was blogtypisch die sonnigen Seiten des Lebens beleuchtet, war mir klar. Lösungsansätze sind schwer greifbar in diesem Fall, weil es eben ein politisches Problem ist und da die Mühlen langsam mahlen plus das Individuum nur sehr begrenzt Einfluss nehmen kann, außer mit der eigenen Haltung dazu. Und dass da sehr viele dann den Weg wählen, den ich als naiv empfinde, ist nur logisch, denn es ist der Weg, der mir im Hier und Jetzt die meiste Last von den Schultern nimmt. Leider manifestiert genau diese Haltung das System aber.

So und jetzt komme ich mal von meiner „Linkendemo“ zurück und wieder in die Kommentare und was ich daraus gelernt habe.

  1. Menschen sind individuell sehr unterschiedlich im Umgang mit solchen Problematiken. Zwischen absolut rationalem Kalkül und komplettem Ausblenden der Fakten liegen ewig viel Graustufen und somit auch Komfortzonen.
  2. Was Menschen da so unterschiedlich macht ist ihre Persönlichkeitsstruktur. Meine liebe Lenja hat das in einem Kommentar schön aufgedröselt, was den MBTI angeht, sie ist da bedeutend besser drin als ich. Allein diese verschiedenen Persönlichkeitsmodelle machen es an vielen Punkten sehr schwer bis fast unmöglich zu einer gemeinsamen Basis zu kommen. Da gilt leben und leben lassen.
  3. Was Menschen ebenfalls so unterschiedlich in ihrer Haltung zu solchen hoch emotionalen Themen, die dabei so viele unbequeme Fakten mit sich bringen, macht, ist die persönliche Geschichte. Was habe ich selbst erlebt, was kenne ich aus meiner Familie und von Bekannten? Kenne ich das Modell „Es geht immer irgendwie“ und es hat es sich für mich als positiv dargestellt oder kenne ich eher den harten Verzicht (ungleich ein paar kleine Opfer!) und vielleicht sogar schlimmeres? Ich habe zum Beispiel schon mehr als einmal sehr direkt oder sehr nah erfahren, was es in aller hässlichen Konsequenz heißen kann, wenn man sich darauf verlässt „dass es schon irgendwie geht“ und dann ging es nämlich nicht. Das möchte ich für mich nicht und das möchte ich auch für niemand anderen, deswegen warne ich da sicherlich lauter als ich es täte, hätte ich das Modell „Geht irgendwie“ vorgelebt bekommen.
  4. Was außerdem auffällig war, ist der Generationensprung. Meine Leserschaft hier ist geteilt in später Generation X-Angehörige und Generation-Y-Menschen. Ich selbst gehöre zu den frühen Generation-Y-lern. So für die Einordnung. geht um Jahrgänge aber letztlich mehr um generationstypische Prägungen. Für generation X ist das Kidnerthema schon entscheiden (mit oder ohne Kinder), Generation Y hat vielleicht welche oder fragt sich eben, ob das für sie passt. Oder wie das für sie passen kann. Zwischen beiden Generationen gibt es einen signifikanten Unterschied, der sich denke ich auch (nicht nur, siehe Faktoren weiter oben gerade genannt) in der Einstellung zu Kindern widerspiegelt. Generation Y ist die erste Generation nach dem zweiten Weltkrieg, der es materiell schlechter geht als der Elterngeneration. Die Nachrkiegsgeneration, die Babyboomer und Generation X haben alle mit eher moderaten Erwartungen ihr Leben gestartet (wenn du hart arbeitest, dann stehen die Chancen ganz gut, dass du schaffst, was du dir vornimmst, aber arbeite hart!) und diese Erwartungen wurden statistisch gesehen (bitte an dieser Stelle nicht zu sehr auf die individuelle Geschichte gucken!) erfüllt bis übertroffen. Das macht eine positive Grundhaltung, das bedingt ein gutes Gefühl, ein „Ach, das geht schon irgendwie!“, denn für sie ist es wahr. Generation Y dagegen wurde noch dazu wie keine anderen Generation in dem Glauben an „Alles ist möglich!“ erzogen (nämlich von den Angehörigen der eben genanntnen Gennerationen für die sich das ja bewahrheitet hat), noch dazu sind es starke Individualisten (um nicht zu sagen oft auch Egoisten), allerdings erfüllen sich für sie die Versprechen nicht. Nicht, weil es ihnen wirklich schlecht gehen würde, aber bedeutend weniger gut, als erwartet, was vereinfacht dazu führt, dass Generation Y sehr viel unglücklicher ist als ihre Vorgängergenerationen. Die Millenials, die jetzt ebenfalls gerade erwachsen werden oder gerade sind, haben sogar den Beinamen „Generation Depression“ bekommen, die sind späte Generation-Y-ler. Vor diesen Hintergrund trifft sich die Entscheidung für eine Familie „trotzdem“ noch mal schwerer.
  5. Wer schon Kinder hat, argumentiert anders als kinderlose. Liegt in der Natur der Sache. Kinderlos bin ich in der Lage noch abzuwägen. Unfreiwillig kinderlos bin ich schon ganz tief drin im emotionalen Chaos, denn kaum etwas ist wohl so eine harte persönliche Bürde. Habe ich Kinder, bin ich in der Regel schon in den Genuss dessen gekommen, wovon ja die allermeisten erzählen: davon, wie wundervoll es ist, was Kinder alles zurückgeben. Dass Zeit mit ihnen kostbarer ist als Geld. Dreimal dürft ihr raten, was ich also über meine Schwangerschaft und die Aussicht auf Merle sage. Aber irgendwie tippen wohl doch die meisten falsch, nach dem Artikel letztens. 😉

Mir hat mal jemand ganz zu Anfang der Schwangerschaft gesagt, dass ich mich warm anziehen soll, wenn ich darüber bloggen will. Es gäbe kaum ein härteres Publikum als Mütter. Auch wenn ich hier bei niemandem von euch das Gefühl hatte, in den Ring steigen zu müssen, ich verstehe nun schon ganz gut, was damit gemeint war.

Der Artikel letztens und auch dieser hier hat mich ganz schön Zeit, Nerven und Energie gekostet, aber ich empfinde sie als sehr gut investiert. Mich interessieren Menschen und ihr Miteinander, immer schon. Und die Diskussion hier war mehr wert als meine ganzen Bücher und Onlinerecherchen der letzten Monate zusammen! Solche Artikel machen mich toleranter, sensibler aber auch kämpferischer. Eine Konstellation, die ich für mich als nur positiv bewerten kann.

Also: Danke dafür! Auch für die Nettikette, die immer eingehalten wurde, was wirklich unselbstverständlich bei der Thematik ist. Danke dafür!

Und jetzt. Nach dieser Riesenaufarbeitung, jetzt kommt, das, was ich eigentlich nur schreiben wollte.

Warum haben wir uns ausgerechnet jetzt für ein Kind entschieden? Und ich kann es mir nicht verkneifen anzuhängen, ausgrechnet jetzt, nachdem ich doch diese furchtbare Rechnung aufgemacht habe!

Ich verrate euch was, dann könnt ihr überlegen, ob ihr jetzt schon genug habt, nach soooo viel Text: Weil es auch für uns immer eine emotionale Entscheidung war. Immer. Vor dem Geld. Immer. Und ich würde immer wieder so entscheiden.

Also dann!

***

Also. Ihr  habt es schon zigmal gehört oder gelesen, eventuell ja erst letztens bei mir hier: Den perfekten Zeitpunkt für die Familiengründung, wenn alles bedacht sein will, den gibt es (so gut wie) nie. Etwas derber formuliert:

„Einen Tod müssen wir sterben!“

Im Sinne von: Man kann nicht alles haben: Haus, Karriere, Urlaube, Familie und noch Zeit für sich. Meistens nicht oder doch zumindest nicht zeitgleich. Wenn es um Familie geht, um Kinder wird es da noch ein bisschen spitzfindiger, denn kleineres Haus, weniger Urlaube und so, da lässt sich ja noch dran drehen. Ein halbes Kind aber, das geht nicht. Materieller Verzicht lässt sich weit dehnen, Kinderverzicht ist absolut.

Ich selbst erzähle gern von einem Artikel in der Neon von vor Jaaaahren (das betraf also die ambitionierten Baldeltern der späten Generation X bzw. die ersten Generation Y-Anwärter, zu denen ja auch ich mich zählen darf. Schublade auf, Schublade zu… und siehe oben), in dem es um dieses Thema ging und der Autor davon berichtete, wie es in seinem Bekanntenkreis zugeht, wie da geplant wird und was man alles vorher noch erreichen will und dies noch und das noch. Er hat also das beobachtet, was bald typisch werden sollte für die gesamte generation, wei gesagt, der Artikel ist alt und den Begriff Generation Y gab es noch gar nicht. Sein Abschlusssatz ist mir immer im Kopf geblieben:

„Ich muss nirgendwo ankommen, um ein Kind zu bekommen. Ich nehme es mit.“

Dieser Satz hat mich sehr beeindruckt und nachhaltig geprägt, denn er hat mich immer, wenn ich dachte, es gibt irgendwie nur widrige Umstände und Ungerechtigkeiten, daran erinnert, wie egal es mir als Kind doch war, dass die Garage im Rohbau war und selbst als Papa mal seinen Job verloren hatte, hat mich das als Kind nicht unglücklich gemacht. Ich habe nur gedacht: „Ist doch super! Dann kann er jetzt ausschlafen!“ Ich war dabei, wie etwas gebaut und erschaffen wurde, wie Träume angegangen oder auch mal verworfen wurden. Ich war auch da, als das ein oder andere kaputt gegangen ist. Aber NIE hätte ich gedacht, dass es besser wäre, es gäbe mich nicht. Und auch meine Eltern haben das nie auch nur eine Nanosekunde lang transportiert. Es ging ans Eingemachte, es gab weniger gesundes Essen (etwas, was mir je super wichtig ist für unsere Tochter und was auch meienr Mutter wichtig war für mich), aber auch wenn das meienr Mutter dann bestimmt weh getan hat das nicht so machen zu klönnen, wie es ihren Ansprüchen entsprache, ich als Kind hatte kein Gefühl von Verzicht. Dass es mir trotzdem gut ging, hatte ja auch viel damit zu tun, dass meine Eltern das Ungute dann von mir abgeschirmt haben. Wie eine Freundin mal so flapsig über das Spiel Die Sims sagte:
„Man lernt ziemlich schnell, dass man eine Familie nur gründen sollte, wenn man die Ressourcen dafür hat, sonst fängt es an mühsam und nervig zu werden.“

Recht hat sie, nur ist das mit dem EInflussnehmen auf Ressourcen und Timing so eine Sache, siehe erster Artikel und meine hier vorangestellten Ausführungen.

Aber auch in meiner Traumwelt gab und gibt es ein spießiges Reißbrettideal:

Erst Studium,
dann Job (jetzt oder schon im Studium oder gar davor lernt man den Lebenspartner kennen),
dann Hochzeit mit dem Partner, den man schon jahrelang kennt,
dann ein bisschen Karriereleiter für beide mit Double Income no Kids, Rücklagen bilden und
Welt sehen,
dann Haus,
dann Kind(er) und
nebenbei Selbstverwirklichung mit „was eigenem“.
Und das Ganze so bevor man 35 ist bitte, dann geht das nämlich auch noch gut mit einem zweiten Kind und überhaupt, ist das nicht perfekt und kuschelig?

Auch ich muss mich sehr am Riemen reißen, wenn ich Menschen treffe, die diesen Lebenlauf hingelegt haben, weil etwas in mir neidet. Denn tatsächlich, WENN dieses Modell klappt, ist es meist das… idyllischste? – sofern denn überhaupt all diese Punkte zu den eigenen Lebenszielen gehören (muss ja nicht). Die Reihenfolge macht durchaus Sinn. Man baut eine Ressource nach der anderen auf und erfüllt Träume in sinnvoller Reihenfolge. Bis dann Kinder kommen, die an der Zeit- und Geldressource ganz massiv reißen (beide bedingen sich in der Regel gegenseitig). Aber dafür hat man dann eben die großen Brocken schon gewuppt, das läuft dann, wenn auch bei Leibe nicht mehr so vergleichsweise entspannt wie noch in der Generation unserer Eltern (siehe oben Generation Y, Generation X, Babyboomer etc). Alleinverdienerfamilien sind auch mit diesem Modell rar, da selten möglich, ich verweise noch mal auf das Thema Elterngeldberechnung im ersten Artikel.

Ich sage also: DAS, das wäre so ein perfekter Moment für mich, für uns gewesen. Und gleichzeitig sage ich: Es gibt ihn nicht, den perfekten Moment, denn irgendwas ist immer. Aber es gibt einige Momente, die sind ein bisschen besser als andere. Und es gibt auch einige, ja, doch, in denen kann ich verstehen, wenn die Eltern sagen, dass es jetzt eine kleine große Katastrophe ist und dennoch ist es das auch irgendwie nie. Es ist immer auch eine Chance.

Wie war es also bei uns?

Benedict und ich wussten schon immer: „Wir wollen mal Familie.“ Mal. Aber noch nicht jetzt. Herrlich diffus. Mit 21 sind wir zusammen gekommen, Anfang des Studiums bzw. noch als Zivi, da war Familiengründung für uns ganz weit weg. Etwas, worauf man mit „Jaja“, antworten kann und das genau so meint. Über die Finazierung des Ganzen haben wir uns da keinen Kopf gemacht. Wir haben uns angeschaut und festgestellt, dass wir den anderen als Vater bzw. Mutter der eigenen Kinder ziemlich super finden würden und wir uns vorstellen können miteinader alt und schrumplig zu werden.

Je länger wir zusammen waren, desto öfter kam natürlich auch wieder das Kinderthema auf, allein schon aus Rumalberei: „Wenn wir mal, dann…!“ Aber eben noch nicht jetzt. Wir beide hatten für uns den Anspruch erst unsere Ausbildungen zu beenden und uns selbst versorgen zu können und erst dann Kinder in die Welt zu setzen, nicht solange wir selbst wirtschaftlich noch abhängige Kinder waren.

Wunsch und Realität

Soviel zum spießigen Masterplan. Allerdings gab es hier und da Stolpersteine, teilweise von Bergesgröße, sodass bei uns auch bald klar war: Also mit Mitte zwanzig werden wir nicht fertig sein mit dem Studium. Und: Das ist zwar eine lebensphase, die für viele Sinn macht für die Familienplanung in Anspruch genommen zu werden (siehe erster Artikel), aber für uns (ganz speziell für mich), hätte es kaum einen schlechteren zeitpunkt geben können. Siehe weiter unten.
Und so haben wir irgendwann diese fiktive „Deadline“ aufgestellt und gesagt:

„Also wenn wir 32 sind (wir sind gleich alt) und der richtige Zeitpunkt ist bis dahin nicht gekommen, dann lassen wir es drauf ankommen, es sei denn, okay, so in einem Jahr später wäre es dann perfekt. Länger wird nicht vertagt.“

Wir wollten nicht irgendwann zurückblicken und festellen, dass wir zugunsten von anderen Dingen und Vorhaben eine Familie so lange aufgeschoben hatten, bis es vielleicht… schwierig… oder… zu spät sein würde. Das stand fest. Es war eine Entscheidung, die so unumstößlich war, wie der Entschluss, dass das jetzt der Partner für immer sein sollte. Um da die böse Parallele zum Vorgängerartikel zu ziehen: Wir hätten einander ja auch nicht für jemanden mit dickerer Brieftasche verlassen, bloß weil das lohnenswerter gewesen wäre. Wir wussten schon immer: Was wir zusammen leben wollten, das würden wir zusammen erschaffen.

So früh wir uns also gefunden hatten (Anfang 20 ist prima, wenn man dann weiß, dass man sich zusammen eine Familie vorstellen kann, da hat man biologisch noch gut zeitlichen Puffer) und so glücklich wir uns also in diesem Part einer möglichen FamilienPLANUNG schätzen konnten und können, es gab andere Bereiche, die alles andere als glücklich liefen.

When life gives you lemons…

Manche regelmäßigen Leser von euch wissen es: In meinen Zwanzigern war ich sehr lange ziemlich krank und zwar so, dass es die gesamte Dekade überschattet hat. Rückblickend wohl die volle Breitseite aus Zivilisationskrankheit: zu viel Stress, zu viele Schmerzmittel gegen die dadurch ständigen Kopfschmerzen, zu minderwertiges Essen, kein Sport und noch mehr Stress. Resultat: Burnout und noch mehr Medikamente, um den körperlichen Zusammenbruch zumindest symptomatisch abfangen zu können, was mein Darm natürlich mega fand… Keine schöne Zeit, auch wenn ich rasant viel daraus gelernt habe. Trotz meines Engagements hat es eben auch Jahre gedauert, um das alles wieder zu kitten und somit war dann tatsächlich das Jahrzehnt am Ende voll.

…be grateful vor the vitamin C!

In dieser Zeit, bevor ich mit meinen ganzheitlichen Konzepten, die ich hier ja nicht müde werde zu propagieren (Ernährung, Fitness, Stressmanagement und ich verweise allgemein mal auf die Magic Seven), geschafft habe, mich nicht nur aufzurichten, sondern auch wirklich fit zu machen, gab es eine mehrere Jahre andauernde Phase, in der ich nicht schwanger werden durfte. Wieso? Weil ich Medikamente (gegen heftigste Kopfschmerzen) bekommen habe, die ein schwerstbehindertes Kind bei einer Schwangerschaft zur Folge gehabt hätten.

So. Einmal sacken lassen.

Und mit dieser Packungsbeilage haben wir uns also schon früh damit auseinander gesetzt, was in den worst cases passieren würde:
Szenario eins: schwertsbehindertes Kind.
Szenario zwei: keine Kinder.
Die Medikation war auf Dauer angesetzt und ich habe sie tatsächlich über 2 Jahre genommen und ein Ende war vorerst nicht in Sicht. Wir wussten damit recht früh, dass Adoption für uns auch in Frage kommen würde. Wir wussten, dass es sein konnte, dass wir keine leiblichen Kinder würden haben können. Ich zumindest nicht. Das waren Gespräche, bei denen ich Benedict gesagt habe, dass ich es verstehen würde, wenn er mich verlässt. Denn besser früher als später, rund um 30 ist der Partnermarkt so eine Sache… Weil Kinderwunsch etwas ist, bei dem es keine halben Sachen gibt. Weil er eigene Kinder haben konnte, nur vielleicht eben nicht mit mir.
Wie ihr wisst, ist er geblieben.

Die Medikation musste aus guten anderen Gründen abgesetzt werden, ich war dann eben wieder auf anderen Mittelchen, um meinen Kopfschmerz in Schach zu halten, aber das Thema „Kinderkriegen verboten“ war zumindest vom Tisch. Und wir haben überlegt, ob wir jetzt die Phase nutzen, um Kinder zu bekommen. Mitte zwanzig, beide im Studium, beide total knapp bei Kasse. Und familiär hätten wir zu dieser Zeit kaum gewagt um Hilfe zu fragen, denn da wurden andere Schicksalsschläge ausgestanden. Aber wir wussten nicht, ob sich das Zeitfenster nicht wieder schließen würde. Mein Grundvertrauen in meinen Körper war dabei nach Jahren mit Schmerz und Erschöpfung gleich Null. Wir haben uns somit dagegen entschieden. Wohl wissend, dass das dann wieder heißen konnte, später nur adoptieren zu können. Ich wusste da schon, dass eine Babyadoption echt schwer ist (generell ist Adoption schwer in Deutschland), aber ich brauchte für mein Glück kein kaukasisch-nordisches Baby, ein wie auch immer anderes Kleinkind wäre auch völlig okay gewesen. Ich finde Kinder sowieso besonders toll, wenn sie schon laufen und reden können. Merle wird natürlich eine Ausnahme sein. 😉

Und das Leben ging weiter. Und wir hatten Glück. Das zweite Mal (Erinnerung: erstes Mal war, dass wir uns so früh kennen- und liebegelernt hatten).

Meine unendliche Dankbarkeit gilt meinem Hautarzt (!!!), der von mir in einem Nebensatz von den Monsterkopfschmerzen erfuhr und mich weiter überwiesen hat mit den Worten:
„Das kann so nicht sein, dass das in Ihrem Alter einfach so sein soll! Da ist eine Ursache, da wette ich drauf!“
Er sollte Recht behalten. Und ja bis dahin hatte ich keine Ursache genannt bekommen, ich war einfach die mit den Monsterkopfschmerzen, wohl ererbt oder so. Und ich hatte mich damit auch schon abgefunden, der Schmerz war Teil meiner Identität (es ist gruselig das jetzt zu reflektieren, da dem nicht mehr so ist…). Ich habe eben trotzdem studiert. Langsamer. Ich war nicht wirklich feiern oder wenn dann nur so bis um 22 Uhr. Das war eben so. Ich war die, die nach jedem halben Stockwerk Pause im Treppenhaus machen musste, aber ich habe trotzdem im vierten Stock gewohnt. Und so ging es vom Hautarzt zum Orthopäden zur Physiotherapeutin, die gleichzeitig Osteopathin ist.

Innerhalb von 10 Tagen (!!!!!!) war ich von fast täglichen Ich-glaube-ich-sterbe-gleich-Schmerzen runter auf einmal die Woche Ich-kotz-gleich-Schmerzen. 2 Jahre hat es gedauert, bis ich aus der Behandlung raus war, mit nur noch seltenen Schmerzen, aushaltbar, aber immer noch garstig genug. 2 Jahre in denen ich intensiv weiter an meiner Ernährung und Beweglichkeit gearbeitet habe, alle Medikamente absetzen konnte und zum ersten Mal seit über 5 Jahren wieder das Gefühl hatte, dass mein Körper mir gehört und nicht ich ihm. Somit versteht ihr jetzt auch noch mal mehr, weshalb ich so diszipliniert mit Essen und Sport und Mentaltraining bin. Ich will nie wieder in diese Hölle. Nie.

Das alles hat mir die besten Jahre meines Lebens nicht gestohlen aber doch ganz schön gehörig vermiest. Ich wäre nicht die, die ich jetzt bin, ohne diese Erfahrungen, so gesehen will ich sie nicht missen, aber… also so drei Monate davon als Lehrstunden hätten mir auch gereicht statt so vieler Jahre. Ende zwanzig wurde geheiratet nach noch einem Rückfall dank Glutamatmassaker und danach ging es nur noch aufwärts. Das könnt ihr hier alles vom Blog kennen. Noch mehr Ernährungsfeinschliff. Fitness, Minimalismus, Mindset…

…und Träume.

Ich habe mich wieder getraut mir mehr zu wünschen als einfach schmerzfrei zu sein und nette Menschen um mich zu haben, mit denen ich quatschen kann. Ich weiß, wie ich in der Schmerzphase mal zu einem Freund sagte:

„Ich möchte einfach nur ein Auskommen haben. Ich brauche keine große Wohnung. Ich möchte einfach nur mit Benny dort leben und abends ohne Schmerzen auf der Couch sitzen. Mehr will ich nicht.“

Ich habe mich getraut mir wieder mehr zu wünschen. Und habe angefangen dafür zu arbeiten, denn dass man vom Wunsch ans Universum allein nicht das bekommt, was man will, war mir schon lange klar. Meine Recherchen, mein konsequentes Umsetzen von Erlerntem, trial and error und neuer trial, nachjustieren, verwerfen, Alternativen ausloten, es hatte sich bezahlt gemacht und war zu meiner Natur geworden.

Und die 31 rückte näher. Ich überschritt die längste schubfreie Colitiszeit ever. Ich hatte den fittesten Körper ever. Ich schrieb an meinen Buch und hatte unendlich viele Ideen für den Blog und darüber hinaus.

Und 31. Wir wohnten bereits in einer Wohnung, in einem Viertel, in dem man Kinder großziehen kann, auch wenn man da etwas höhere Ansprüche hat (man kann das überall), die Wohnung hatten wir bewusst unter anderem danach ausgesucht. Wir beide hatten einen Job, waren vom Elternhaus vollständig abgenabelt. Irgendwie ging es immer öfter um Kinderthemen. Und ich konnte mir zum ersten Mal seit Jahren vorstellen, dass mein Körper das überhaupt packt mit der Schwangerschaft. Mein Frauenarzt hat mich schon seit Ewigkeiten gefragt, ob wir nicht mal… Nein.
Meine Antwort war in den letzten Jahren immer:
„Ich weiß, dass man jünger statistisch gesehen gesünder durch die Schwangerschaft kommt. Aber ganz ehrlich, in meinen Zwanzigern wäre eine Schwangerschaft gesundheitlich eine Katastrophe gewesen. Ich bin jetzt älter, aber mein Körper war nie fitter. Also nein, früher wäre nicht besser gewesen und nein, noch nicht.“

Das Vertrauen in mich musste wachsen. Wenn ich bedenke, wie viel Chemie ich gefressen habe und für wie lange, wie fragil ich war, dann kann ich jetzt rückblickend nur sagen: Wow! Das ging alles richtig schnell. Selbstheilungskräfte sind etwas unglaublich Faszinierendes. Das zu sehen, ist ein Grund, weshalb ich so fest an meine Träume glaube. Auch daran, dass ich nicht mehr die mit den Haarausfallhaaren bin, sondern eine gesunde, fitte, junge Frau. Aber ich schweife ab…

Einige Bekannte um uns herum bekamen Babys und ich habe gemerkt, wie gern ich mich mit ihnen darüber unterhalten habe, wenn auch immer noch abends mit diesem wohligen Gefühl auf der Couch von:
„Höhö, meine Zeit! Ich muss jetzt niemanden ins Bett bringen, niemand plärrt und ist bockig.“
Kinder sind nett. Vor allem, wenn man dann wieder nach Hause fährt, wo keine sind. 😉 Dennoch habe ich gemerkt, wie sie in meinem Kopf immer mehr Raum eingenommen haben.

Und gleichzeitg wuchs mein geistiges Baby zu einer Präsenz heran und hat mich gefordert, wie noch nie: Buch und Blog wurden groß und größer, das Konzept wurde ausgebaut und immer wieder überarbeitet. Ich recherchierte zu alternativen Arbeitsformen, zu Selbstständigkeit und auch schon nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Karriere ist noch eine Schüppe drauf!) und hatte teilweise wirklich bittere Erkenntnisse zu verarbeiten (siehe vorheriger Artikel…), dass das, was ich mir immer vorgestellt hatte, das was uns in der Schule noch als Lebensmodell quasi versprochen worden war („Wenn du dein Abi hast, studierst und nicht ganz doof bist, dann lebst du später in Wohlstand mit Haus und zwei Autos und Urlaub!“), was sich schon im Studium als Kampf herausgestellt hatte und nun, je älter ich wurde durch die Presse gezogen wurde als das Phänomen der Genreation Y, die so unhappy ist weil Reality und Expectations nicht passen… als ich damit durch war, hatte ich viel geheult, noch mehr geschimpft – aber auch ganz viel akzeptiert. Das Leben ist kein Ponyhof und wenn ich das Hamsterrad nicht will, dann muss ich verdammt noch mal zusehen, dass ich es anders mache. Ich hatte meine Zwanziger mit Schmerz verbracht und war nicht bereit ein einziges weiteres Jahr mit etwas zu verbringen, was nicht ich war. Ich hatte aufzuholen. Nicht um zu saufen und zu feiern, sondern um das Leben zu erschaffen, von dem ich immer geträumt hatte.

Du musst dein Ändern leben

Und dann war er da, der Entschluss: Ich reduziere meine Arbeitszeit, um diesen Traum zu leben oder ihm zumindest eine Chance zu geben. Es war eine unglaubliche Befreiung. Ich war so unbeschreiblich glücklich als ich im Oktober 2016 meine ersten kurzen Arbeitswochen hatte, mich vom Powern der letzten Monate erholen konnte (Powern war ja auch etwas, was ich erst seit ein paar Jahren überhaupt wieder konnte) und angefangen habe den Ideenwust noch weiter zu strukturieren und anzugehen… Ihr ward dabei.

Im Hintergrund

Parallel war ich beim Frauenarzt. Ich war 32. Und meine Träume JETZT leben zu wollen, war auch aus dem Gedanken entstanden:
„Nun, wenn nicht jetzt, wann dann?“
Wir wollten also bald Familie, die selbst gesetzte Deadline war dabei abzulaufen, aber Selbstständigkeit aufbauen und ein Kind zu bekommen? Parallel? Ähä, also ich? Die, die sowieso mit ihrer Energie so haushalten muss, Ideen für zehn hin oder her? (Da war ich immer noch nicht ganz im neuen Selbstbild angekommen, ich war da schon fit und stark, aber die Jahre mit Schmerz und Schwäche waren wenn auch körperöich passé doch immer noch Teil meiner Identität). Also. Buch und Blogausbau bitte vorher. Ich geh dann schon mal zum Gynäkologen und lasse ihn gucken, ob alles okay ist und frage, ob ich vielleicht irgendwas beachten muss bei meiner Colitis, der Neigung zu Mangelernährung und generell meiner Fragilität. Der Gedanke war: Vorher einmal alles aufmöbeln, damit man nicht ins offene Messer läuft. Würde ich immer wieder so tun. Gyn und Hausarzt bestätigten, was mir mein Bauchgefühl schon lange zurückmeldete (aber mein Hirn eben nicht so recht glauben konnte):
So fit wie nie, bombastische Blutwerte, na denn legen Sie mal los!
„Nee, also wir dachte so, dass wir nächstes Jahr dann irgendwann anfangen. Ich wollte noch Puffer haben, falls eben vorher erst was in Ordnung gebracht werden sollte, wäre ja nicht ungewöhnlich.“
Nö. Alles bestens. Machen Sie mal. Jetzt schon.
„Ja, aber wir dachten so nächstes Jahr…?“ Mein Buchprojekt!!!
Machen Sie jetzt schon. Man weiß nie, wie lang es dauert.

Und das war der Punkt. Um uns herum irgendwie immer mehr Menschen, die sich so sehr ein Kind wünschten und der Zeitpunkt ging wirklich noch nicht. Andere mit Kinderwunsch und schon jahrelangen Versuchen (Lenjas Blogpost dazu habt ihr vielleicht gelesen…?). Andere Menschen, die keine Kinder haben und auch keine mehr bekommen werden. Menschen, die sich so sehr ein Kind gewünscht haben, dass die völlig normalen!!! 4 oder 5 Monate oder was es auch immer waren, die es gedauert hat, für sie zum Nervenkrieg wurden und alles darauf ausgerichtet wurde. Sex nach Eisprungkalender ist da noch das aller moderateste. Der Stress, die Sorgen, die Sehnsüchte der anderen. Und ich weiß von mir, dass ich auch so eine Kandidatin sein könnte, die sich irre machen würde, wenn sie sich das so wünscht und dann klappt es nicht.
Und Benedict und ich zusammen, etwas ratlos ob der vielen Ratschläge.
„Und wenn wir nächstes Jahr erst loslegen und es dauert ein Jahr und dann noch schwanger sein, dann sind wir…  fast 35. Wenn wir dann vielleicht nicht nur eins wollen…? Und wie alt sind unsere Eltern dann eigentlich?! Wie alt sind wir, wenn die Kinder flügge sind? Das wird ja alles irre spät!“ Und da war sie, zum ersten Mal, die tickende Uhr. Nicht laut, aber erinnernd.
Einmal die Rechnung kurz (!) aufgemacht und fertig. Es war ein Esstischgespräch, um genau zu sein und wir haben grob gerundet, das war’s. Dass das sich aj auch für uns doch eben als umgekehrter Scheinriese herausstellen sollte, haben wir erst später gemerkt, aber es passte gut genug, um uns nicht weiter verrückt zu machen.

Und letztlich deshalb der Gedanke:
„Scheiß drauf.“

Scheiß auf dann hätte ich meine Stunden auch nicht reduzieren sollen für eben mehr Elterngeld, und ja mein Gott das und das und das könnte auch noch besser sein, aber keine Ahnung ob und wann das eintritt. Egal! Wir machen das jetzt.
Und das von mir als Planerin. Die Situation könnte besser sein aber auch so viel schlechter. Und hey, wenn es nach Statistik verläuft, dann geht es erst nächstes Jahr los und vorher habe ich ganz viel Blog und Buch schon gemacht.

Besser, wir werden jetzt überrumpelt, als dass wir es uns wünschen und es klappt nicht.

Und so… wurden wir überrumpelt. Und sind es immer noch ein bisschen. In aller Konsequenz. Mit reduzierten Stunden und angeleierten und durch die Schwangerschaft temporär auf Eis gelegten Projekten. Mit einer ersten Schwangerschaftshälfte, die mich wohl zu allem möglichen gemacht hat, aber wohl nicht zu einem Mompreneur. Mit einem Baby. Einem gesunden Baby. Mit etwas, was für uns jahrelang nicht möglich war. Mit einer Schwangerschaft die bis auf eine Cremetube komplett medikationslos verlaufen ist, grob 4-5 Jahre nachdem ich keinen Notizzettel mehr am Kühlschrank hatte, wann welche meiner 7 Pillen pro Tag in welcher Dosis genommen werden mussten. Was für ein Geschenk. Was für eine Aufgabe. Wenn mein früherer Mimosenkörper beschließt, dass es sofort klappen soll, dann vertraue ich ihm. Vielleicht vertraut er auch mir, dass wir uns jetzt einig sind, was wir beide brauchen, voneinander und füreinander, also mein Turbokopf und meine In-der-Ruhe-liegt-die-Kraft-Physiologie. Danke, wem oder was auch immer. Aber danke. Danke für diese gigantische Unselbstverständlichkeit.

Wir nehmen die Herausforderung an, mit Kusshand und Verbeugung und einem Heidenrespekt.

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46 Kommentare

  1. Eine wunderschöne Ergänzung zum anderen Artikel und insgesamt sehr mitreißend zu lesen. Ich finde es toll, dass du uns so viel anvertraust und so viele Ideen und eine Basis zum Recherchieren bietest 🙂 danke dafür und ich gönne es dir wirklich von Herzen, wie gut es dir inzwischen geht. Auch wenn ich sonst nicht abergläubisch bin, bei solchen Geschichten denke ich auch immer kurz, ja, wenn es dann wirklich einfach direkt auf Anhieb kappt, dann sollte es auch so sein 😀

    1. Ach ja, das denke ich mir dann auch immer ganz gern. das fühlt sich irgendwie gut an. Ist natürlich Blödsinn, denn ich kenne genug Leute, denen ich es so dermaßen von Herzen gönnen und wünschen würde, dass es endlich klappt und es klappt einfach nicht und da weigere ich mich irgendwas an Aberglauben reinzuinterpretieren.
      Aber so für positive kleine persönliche legenden ist es dann doch ganz nett ein bisschen das Gefühl von „Es war Schicksal!“ zu haben. Damit erschafft man einfach seinen eigenen Zauber, und der schadet auf keinen Fall. 🙂

  2. Toll. Ich muss sagen ich fand beide Artikel von dir gut. Bitte glaube nicht das es nur Kritik gibt. Ich hoffe das die weitere Schwangerschaft Stressfreier wird;)

    1. Danke!
      Nein, weiß ich ja,d ass es nicht nur Kritik gab. Aber dennoch bin ich eben ab und an ganz schön gestolpert beim Lesen und ich bin der Typ Mensch, der sich dann rechtfertigt, weil ich Missverständnisse nicht gut im Raum stehen lassen kann. 🙂

  3. Hallo Heike,

    ein sehr schöner Artikel.

    Zu der Aufarbeitung des letzten Artikels: Es klingt für mich wie etwas, das ich als typisches Masculine Strength Problem oder ein Problem von bestimmten MBTI-Typen (?) sehe: Man spricht etwas direkt an, wie man es empfindet, und eine Menge Leute fühlen sich auf die Füße getreten. Ich spreche mit dem Kopf, die anderen hören mit ihren Emotionen. Offensichtlich gibt das Missverständnisse. Hart und überspitzt gesagt: Wie kann man es denn nur wagen bei einem emotionalen Thema Kopfentscheidungen treffen!
    Also: Was draus lernen und sich nicht für die Gefühle von anderen Leuten verantwortlich fühlen, solange man nicht objektiv unfreundlich, brutal direkt oder ähnliches war. Was einen trifft, betrifft einen – wenn’s eine emotionale Reaktion in mir hervorruft, wenn jemand was Normales zu mir sagt, sollte ich eben bei mir kucken, warum das gerade wehtut. Lohnt sich sehr 🙂

    Zum eigentlichen Artikel: Ich finde die Entscheidung nachvollziehbar. Ich leite den Artikel mal dem Herrn Freund weiter, ich bin gespannt, was der dazu sagt. Oder zumindest zu dem fixen Datum 😀
    Aber ja. Bei uns ist es im Moment noch in der „jaja“-Phase. Oder akut in der „also jetzt gerade wäre es echt ein bisschen ungünstig, weil Katja für ein halbes Jahr ins Ausland geht“-Phase. 😀
    Aber ja. Es hat Zeit.

    Ich finde es sehr interessant, die Lebensplanung mal so aufgedröselt zu sehen. Insbesondere ist damit auch klar, warum es Leute mit Mitte 30 mit einer Lebenskrise erwischt. Man hat schließlich „alles wichtige“ erledigt und dachte darin seinen Sinn zu finden. Hat man aber nicht – un wat nu?

    VIele Grüße,
    Katja

    1. Wuah, so langsam schwimme ich weg in all den Kommentaren, aber hier muss ich natürlich noch ran. 🙂 Meine liebe Katja! Ja, diese Persönlichkeitsstrukturen egal ob jetzt MBTI oder Bingo oder sonst was, die machen echt viel aus. Mit Kopf gesprochen aber mit herzen empfangen, das ist finde ich sehr schön zusammengefasst. Geht auch umgekehrt. Ich kenne auch leute, denen man sein herz ausschüttet und man bekommt dann weniger Verständnis und Trost (was man sich gewünscht hat) als eine Situationsanalyse mit Handlugnsaufforderungen, das kann auch ein ganz schöner Schalg vor den Kopf (bzw. das Herz) sein.
      Das mit dem fixen Datum muss man ja nicht bierernst nehmen, aber das weißt du sowieso. 🙂 Es war auch mehr ein Zeitraum. 32 sein dauert ja schließlich ein Jahr und so ein geburtstag kommt ja auch nicht überraschend. :)Es war eben einfach für uns als Erinnerung gedacht, damit wir vor lauter Alltag oder auch vor lauter Projekten nicht vergessen, dass da noch etwas ist, was uns sehr wichtig werden könnte, wenn es dann schon reichlich spät dafür sein könnte. Wie ein Wecker, den man aber noch mnal snoozen kann, weil er eben nicht auf Last Minute gestellt ist. 🙂

      1. Hallo nochmal, (und vielen Dank für die Zeit und Mühe 🙂 )

        ich sag‘ es mal aus der anderen Perspektive: „Jetzt habe ich mir dieses emotionale Gesülze angehört, rausgefiltert, was das Problem ist, und dann will der keine Lösung haben! Wozu haben wir dann überhaupt geredet?“ Aber im Ernst – ich finde es extrem schwierig zu trösten, weil ich sehr genau merke, dass ich mit Lösungen anecke, aber gleichzeitig nicht so viel Interesse daran habe, mir „die Ohren vollheulen zu lassen“.
        Ich muss mal bei Gelegenheit im MBTI-Bereich kucken, vielleicht gibt’s da ja eine Anleitung „Trösten für Problemlöser – so kommen Sie sich nicht vor, wie das bessere Kissen zum Reinheulen“ 😉

        Jupp. Mir gefällt die Idee mit den Terminen einfach – bis zu einem gewissen Grad funktioniert das für mich auch ganz gut im Alltag, auf lange Sicht habe ich das aber noch nicht ausprobiert.

        Viele Grüße,
        Katja

        1. Oh, das kenne ich, das mit dem Problemlöserdrang. Es hilft, wenn man vorher einfach einmal fragt: Mächtest du eine Rat oder möchtest du dich gerade nur erleichtern?
          Beides ist okay, nur ständiges Abladen von Beschwerlichkeiten nehme ich nicht hin. Ab und an oder in Akutphasen finde ich das okay. Gebe aber eigentlich auch immer mit, dass mein Gegenüber von mir nicht erwarten darf, dass ich sowas unkommentiert lasse und es Ratschläge geben wird, weil das in meinen Augen sinnvoller ist. Dann wissen beide woran sie sind. 🙂

  4. So ein schöner Text. So viel Offenheit und Ehrlichkeit. Danke dafür. Nun versteht man den ersten Teil erst richtig. Ich glaube, Respekt und ein wenig Angst gehört dazu und auch wenn wir uns nicht kennen bin ich überzeugt davon, dass ihr großartige Eltern werdet.

      1. Es ist wirklich spannend, welche Diskussionen sich nun ergeben. Und ich finde es großartig, wie du darauf reagierst und dass du dir die Zeit nimmst, so vielen zu antworten. Wie schön wäre es, wenn man sich bei einem Tee und deinen Keksteigbällchen (die sind übrigens der Hammer) zusammensetzen könnte und mal ne Runde quatschen könnte. 🙂
        Ich nehme hier aus den Kommentaren für mich mit, dass ich in meiner Meinung bestärkt bin, dass Kinder nicht viel Geld brauchen (ja, von den wirklich wichtigen Dingen wie gesundem Essen etc abgesehen), sie dürfen aber nie vermittelt bekommen, sie wären Schuld an der finanziellen Lage oder ähnliches.
        Meine Einstellung zu dem Thema hat sich auch schlagartig geändert als mein erstes Kind auf die Welt kam. Ich war niemand, der die Schwangerschaft über alle Maßen genossen hat und habe oft getrauert, weil ich meinen Beruf und mein Hobby zeitweilig aufgeben musste. Da haben viele nicht verstanden, dass ich nicht auf Wolke rosa schwebend durch die Gegend gelaufen bin. Ich wollte sogar recht schnell wieder anfangen zu arbeiten. Aber kaum war mein Sohn da, habe ich nur noch über mich selbst den Kopf geschüttelt, wie ich jemals denken konnte, ich würde etwas vermissen oder etwas anderes wichtiger finden. 😀 so soll es wohl auch sein mit den Hormonen… 😀

        1. Darauf bin ich auch so gespannt, wie das wird, wenn ich merle dann wirklich kennenlerne. Noch überwiegt Neugier und Faszination. Ich habe die Vorstellung von ihr lieb. Ich bin super neugierig, wie sich das anfühlt, diesen Menschen zu sehen, kennenzuklernen und zu lieben, den wir da gemacht haben. Und eben genau darauf, was das dann mit mir und meinen anderen lebensthemen so machen wird. 🙂

  5. Yeah da ist ja schon Teil 2 und oh mein gott ich erkenne so viel von mir in dir :-D. Also so dieses vorher schon zum Arzt laufen und mal alles testen lassen, falls noch was in Ordnung gebracht werden muss, oder das überlegen, wenn wir dann anfangen und es dann nicht klappt dann wird das ja erst so und so spät mit dem Kinder kriegen. Echt eins zu eins das selbe! Nur mit dem Unterschied, dass das alles bei uns später statt gefunden hat und ich doch noch ein paar Jahre jünger bin, sodass die biologische Uhr noch nicht meckert sondern eher das ich möchte aber doch bald ein Kind. Bei uns ist noch ein Schritt in der To Do Liste zu tun und dann starten wir denke ich auch ;-). Denn mir war es auch sehr wichtig erstmal die Ausbildung komplett abzuschließen um einigermaßen sicher im Berufsleben zu stehen. Kind im Studium wäre deshalb für mich nicht in Frage gekommen.

    Vielen vielen Dank für deine Sicht der Dinge. Es ist sehr angenehm zu sehen, dass es ähnlich orientierte Planungsmenschen gibt, bei denen dann alles so gut läuft ;-). Das lässt hoffen!

    Viele Grüße

  6. Liebe Heike,
    nachdem mich durch deinen Blog, den ich schon lange wirklich wahnsinnig gern lese, das Thema Kinderkriegen in letzter Zeit ziemlich beschäftigt hat und mich die Haltung vieler anderer Leser wirklich erstaunt hat, gerade zum Thema Kinder und Geld, möchte ich nun auch kurz mal meinen absolut unpopulären Senf dazu geben. Mein Mann und ich sind seit 11! Jahren glücklich verheiratet und ich bin noch nicht mal 30. Wir besitzen mittlerweile 3! Einfamilienhäuser und der passende SUV steht gerade vor dem Haus in der Sonne vor meinem 5.500 Quadratmeter großen Grundstück. Alle Häuser gehören uns gemeinsam, wir sind gemeinsam im Grundbuch eingetragen. Und ich wünsche mir Kinder. Viele sogar, mit diesem wundervollen Mann, den ich den meinen nennen darf! Aber… in den nächsten 7 Jahren werde ich sicher kein Kind bekommen, denn.. ich selber habe keine abgeschlossene Berufsausbildung. Und ohne die werde ich bei allem finanziellen Wohlstand und stabiler Partnerschaft kein Kind bekommen. Denn ich persönlich fühle mich für ein Leben, dass ich in die Welt setzte 100 Prozent verantwortlich! Ich muss als Mutter in meinen Augen auch ganz allein sicherstellen können, dass mein Kind immmer alles haben wird, was es braucht. Mein Mann hat einen recht gefährlichen Beruf und selbst wenn das nicht so wäre. Niemand kann garantieren, dass er immer da sein wird, auch wenn er es mir fast täglich verspricht, das kann man nicht wissen und was dann? Soll ich mich dann, wie andere Frauen zur Weihnachtszeit im Radio anstellen für eine Spende, damit ich für mich und meine Kinder den Einbau einer neuen Heizung bezahlen kann, wenn die alte kaputt geht? Und zu der Frage was Kinder alles brauchen. Was wenn dieses Kind, das man bekommt,in einer normalen Schule nicht zurecht kommt, weil es sich mit einem IQ von über 130 manchmal anders verhält als die anderen und die das nicht akzeptieren und das Kind auf dem Nachhauseweg dann mit Stöckern und Steinen bewerfen?Wäre es dann nicht schön, wenn Mama sich eine Privatschule leisten kann,die dem Kind das gibt, was es braucht? Sorry, aber das regt mich so auf. Das Kind muss die Konsequenzen des Handelns seiner Eltern tragen,sein ganze Leben lang, da kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Und zu guter letzt: Ich möchte meinem Kind ein Vorbild sein! Ich möchte dass es zu mir aufschauen kann und dafür braucht es in meinen Augen einen eigenen anständigen Beruf. Schon im Kindergarten wird danach von andern Kindern gefragt und ich möchte das mein Kind dann voller Stolz sagen kann, meine Mama ist…. So, nun habe ich sicher einen der unpopulärsten Kommentare mit jeder Menge Hasspotential geschrieben aber irgendwie glaube ich, du verstehst was ich meine und falls das jetzt noch nicht klar genug rausgekommen ist, ich unterstütze deine Sichtweise sich vorher mal über alles Gedanken zu machen voll und ganz!

    Liebe Grüße,

    M.

    1. P.s.: Eines will ich zur Erklärung meiner vielleicht etwas radikal anmutenden Haltung und im Bezug auf Part 2 deines Artikels noch sagen: So wie du deine Kindheit beschreibst, hast du in meinen Augen großes Glück gehabt. Ich habe das erste Mal mit 5 Jahren gedacht, dass es besser wäre,wenn es mich nie gegebenen hätte. An meinem 11 Geburtstag saß ich nach der Schule auf der Treppe und wusste nicht wohin. ,, Verpiss dich und komm nie wieder“ hatte mein Vater mir morgens beim Losgehen noch hinterhergerufen. Und noch etwas: meine Eltern sind beide Gymnasiallehrer, mein Vater hatte zu dem Zeitpunkt aber schon gekündigt und verdient seit dem sein Geld als freiberuflicher Jornalist. Ich komme also aus einer Akademikerfamilie und trotzdem war durch die Entscheidungen meines Vaters das Geld immer knapp und ich habe das auch immer zu spüren bekommen.Soll nur heißen, nicht für alle Kinder gehen Schwankungen im Leben der Eltern so glimpflich aus.

      Liebe Grüße,

      M.

      1. Das tut mir Leid zu lesen. Natürlich hast du Recht und das geht in die Richtung, die ich angemekrt habe: wir werden zu dem menschen, der wir sind durch unsere Erfahrungen, gute wie schlechte. Was du beschreibst, kann nicht anders als prägend gewesen sein.

    2. Das ist tatsächlich ein Kommentar, der hier sehr aus dem Rahmen fällt, aber gerade deshalb finde ich ihn hier gut. Weil er anders ist, weil dein Lebensmodell anders ist, deine Ansichten. Ich teile einiges, nicht alles und habe eine Menge Abers auf den Lippen, denke aber (aber 😉 ) dass du solche kennst.
      Ein kleines kann ich mir nicht verkneifen: Auch mit IQ unter 130 kann das Kind schon sehr anders sein. Eigentlich kann es das mit jedem IQ. Zwischen Forrest Gump und Sheldon Cooper liegt noch viel Mobbingpotential für andere großartige Menschen. Leider eigentlich.
      LG, Heike

      1. Selbstverständlich kann ein Kind auf sehr viele Arten sehr anders sein. Das war nur ein exemplarisches Beispiel. Aber das besondere Förderbedürfniss,das bleibt, wenn ein Kind sehr anders ist, und das kann man halt vorher nie wissen. Man weiß ja vorher nicht, was für eins man bekommt.
        Und klar Mobbing gibt es überall und aus verschiedensten Gründen aber für ein Kind, dessen Probleme aus mangelnder Förderung resultieren, reicht dann eine neue staatliche Schule einfach nicht aus.
        Und das muss dir nicht leid tun. Ist alles lange her.Ich wollte damit nur deutlich machen, man sollte halt immer im Auge haben, was alles schief laufen kann und nicht blauäugig daran gehen.

        Liebe Grüße,

        M.

        1. Vielleicht noch eins zu den Abers 😉Meine Mutter, die ja nun um das ganze Spektrum weiß, welches mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin, sagt immer:,, Ich verstehe dich ja, aber mit deiner Haltung gäbe es so gut wie keine Kinder mehr auf der Welt.“ Stimmt, sehe ich ein, und ich kann selber trotzdem nicht anders. Ich kann aber durchaus einen gesunden Mittelweg wie du ihn gehst, bei anderen akzeptieren und mich für sie freuen, allerdings gar nicht nachdenken…das bringt mich dazu, als eigentlich stille Leserin ellenlange Kommentare im Internet zu verfassen 😉

          LG,

          M.

  7. Respekt vor diesem recht offen und ehrlichen Beitrag!
    Da ich noch nicht so lange hier lese, wird mir doch so einiges bzgl. Deines Handelns und Deiner Lebensweise klar! Find ich gut. Umso mehr freut es mich für Euch, dass es nun alles geklappt hat!

    Wir haben beide unsere Ausbildung schon lange hinter uns und sind schon lange mitten im Beruf und sind auch mit 32 (einen Monat vor dem 33. Geburtstag) Eltern geworden. Warum jetzt? Es passte jetzt einfach. Wobei der Schalter im Kopf bei mir schon mit Ende 20 umgelegt wurde. Da war der Kinderwunsch das erste Mal präsent.
    Es gab einen ähnlichen Moment, bei dem wir überrumpelt wurden und es dann hieß: JETZT. Hm. Okay… Ähm ja… Jetzt. Ja… Man weiß nie, wie lange es dauert…

    LG

    1. Danke! Wir freuen uns auch! So lässt sich auch besser über meine eigenen abendliche Nöligkeit hinwegsehen, weil mich Merle mal wieder von innen ausbeult, gern so Richtung Magen… Sie bleibt ein Geschenk und eine Unselbstverständlichkeit. Ein organetretendes Geschenk, aber eben unser persönliches kitschbeladenes kleines Wunder.
      Jetzt hast du mal einen meiner wenigen hormonverstrahlten Säuselkommentare abbekommen. 😉
      Dieses Gefühl von: Oh wow, echt jetzt? Jetzt? Das ist krass oder?
      So unwirklich. Vor allem, weil man ja am Anfang nicht so wirklich was merkt. Außer vielleicht so ein diffuses Gefühl von Andersartigkeit. Bis bei mir die Übelkeit losging war alles herrlich normal bloß ohne Periode.
      Man weiß nie wie lang es dauert. Oder wie schnell es eben doch geht.

      1. Haha, ja organ-tretend… Das kenn ich. Weißt Du, was ich im Nachhinein erstaunlich finde? Ich habe nie geglaubt, dass man die Kugel vermissen würde. Genieße die Zeit, egal, wie schwer es evtl. zum Ende wird. Manchmal vermisse ich die Kugel nämlich wirklich. Und die Tritte. Hach <3

        Und ja, es ist wirklich krass. Die ganze Zeit wird nur drüber geredet und dann wird es ernst. Bei uns war es ja noch ein wenig anders. Wenn es Dich interessiert, kannst Du mir gern schreiben 😉

        1. Oh doch,d as glaube ich dir, dass man die Kugel vermissen kann. 🙂 Mittlerweile bin ich richtig stolz auf meine Babybwohnkugel. Ich finde es toll, was mein Körper kann und faszinierend, dass da eben wirklich jemand in mir wohnt. Ich bin ein Lebensraum, das finde ich krass. Also nicht nur Gefäß für mich, sondenr auch für jemand anderen.

  8. Hab ja unter dem ersten Beitrag zu dem Thema schon kommentiert und muss es hier auch mal tun: Ich finde es ganz toll und stark, wie offen Du Deine Geschichte und Deine Beweggründe teilst. Ich hab atemlos mitgelesen und musste ein paar Tränchen verdrücken (jaja, die Hormone ;-)). Es tut mir sehr leid, dass Du so eine schlimme Zeit durchmachen musstest (ich lese hier noch nicht so lange mit und wusste bis heute nichts davon) und ich drücke ganz, ganz fest die Daumen dass Du weiterhin fit bleibst und es Dir weiterhin gut geht!

    Selber hatte ich auch eine Krankheitsgeschichte vor der Schwangerschaft, allerdings psychisch. Sagen wir mal, es war sehr sehr gut dass ich nicht wie mal geplant mit 30 schwanger wurde, sondern länger warten wollte. Ich darf mich inzwischen als geheilt betrachten, aber da waren auch ein Klinikaufenthalt und einige Jahre Therapie für erforderlich. In meiner Abschlusstherapiestunde habe ich miener Therapeutin dann überglücklich vom positiven Schwangerschaftstest erzählt 😉

    Mich stört es übrigens auch, dass viele Leute konsterniert reagieren, wenn man grade als Frau nicht blümchenbekranzt barfuß freudestrahlend mit nichts als Enthusiamus auf das Thema Schwangerschaft und Kinderkriegen reagiert. Das ist mir auch schon öfters passiert, Leute waren überrascht dass ich überhaupt Kinder will weil sie dachten ich will keine, nur weil ich mich mit den möglichen harten Realitäten auseinandersetze 😉 Oder sie sind vor den Kopf gestoßen, wenn ich artikuliere dass ich Schwangerschaft an sich als körperlichen Zustand im besten Fall faszinierend und seltsam und im schlimmsten Fall als eine Zumutung empfinde. Und ja, das Baby ist gewünscht und ich freu mich auch wie ein Keks! Aber deswegen muss ich doch nicht alles mit der rosaroten Brille sehen. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass das von mir als Frau erwartet wird.

    Was ich damit eigentlich sagen will: Ich kann Dich und Deine Gedanken und Beweggründe total verstehen und für mich ist das was Du schreibst auch nicht negativ oder traurig, sondern realistisch. Und es heißt auch NICHT, dass man deswegen keine Emotionen hätte oder sich nicht freuen würde! Jeder Mensch hat da seine eigene Gedanken- und Gefühlswelt und das ist auch völlig ok so.

    Ich wünsche Dir und auch Merle und Deinem Mann ganz viel Gesundheit, einen guten Geburtsverlauf und eine schöne Zeit!

    1. Dasselbe wünsche ich dir und euch auch! Und wie wundervoll, dass die Schwangerschaft auch für dich der Abschluss einer zuvor schwierigen Phase war. Das ist dann einfach ein echter Neubeginn bzw. kann es dann wirklich wirklich sein. 🙂

      Was du über die Schwangerschaft sagst, oh ja, da bin ich ganz bei dir. Ich fand das früher auch als Vorstellung immer sehr befremdlich. Dieser kleine Alien in mir. Da wohnt dann jemand. Wenn man sich lange genug drauf konzentriert, kann man sich auch jetzt noch schön einreden, dass das echt sehr, sehr merkwürdig ist. Meistens finde ich es faszinierend. Soll sie da rum turnen. woher soll sie wissen, dass jenseits ihrer Höhle meine Verdauung stattfindet und die das nicht ganz so genial findet ständig geknetet zu werden. Ist ja nicht ihr Problem. 😉 Ich hab das Glück eine Bekannte zu haben, die da ähnlich pragmatisch aber nicht weniger freudig an das Thema heran geht und mit ihr konnte ich mich gut austauschen, gerade auch als es mal eher doof war mit Kotzi und so. So ist sehr realistisch aber nicht weniger liebevoll zu ihrem Sohn dadurch (sie erwartet ihr zweites Kind, aller realismus plus eine echt garstige erste Schwangerschaft haben sie also nicht abgeschreckt, obwohl man das durchaus hätte meinen können). Ich empfand und empfinde den Austausch mit ihr als Wohltat.

      In diesem Sinne. Realismus und Vorfreude schließen sich nicht aus. Beides hat seinen platz und seine berechtigung. Manchmal behindern die sich gegenseitig, aber eigentlich komplettieren sie bloß das Bild.

  9. Realistisch sein um positiv denken zu können, das verwirrt in meinem Umfeld viele Leute. Ich kann gut nachvollziehen, wie dir die Kommentare wegen dieser „Diskrepanz“ (Recherche / eigene Meinung) im Magen gelegen sind.

    Auf der Arbeit habe ich in einem Meeting ein Softwareprogramm „vertreten“ und gesagt, warum es unerlässlich ist, dass alle es benutzen. Danach wurde mir an den Kopf geworfen, dass das Programm beschissen ist, dass niemand versteht, warum ich so dafür bin. Tja, es gab halt keine Alternative, und ich fand das Programm auch beschissen, aber es nützt ja nichts, die Augen vor der Realität zu verschließen. Da war ich bei manchen als Buhmann unten durch …

    Ich finde es clever, wie realistisch du an die Baby-Kiste rangehst. Du weißt, was bei welchem „Aufwand“ zu erwarten ist, realistisch betrachtet. Was von „Glück“ abhängt oder von „Wahrscheinlichkeit“. Und kannst dich vielleicht deshalb um so mehr freuen, was über die realistischen Erwartungen hinaus passiert.

    Selber habe ich das Urvertrauen, dass alles gut wird. Das setzt für mich jedoch voraus, dass ich will, dass es gut wird, und dass ich daran arbeite, dass es auch gut wird. Genau wie, dass ich akzeptiere, was ich nicht beeinflussen kann, um keinen Aufwand zu verschwenden, den ich woanders brauche. Das hat auch mit Prioritäten zu tun und mit Commitment zu einer Sache.

    Ich wünsch dir ganz viel Freude auf der Zielgeraden zum Leben zu dritt, und Danke, dass du so ausführlich hier berichtest.

    Es würde mich sehr interessieren, mal einen Blick in deinen Bücherschrank zu werfen. Hast du vielleicht so was wie eine Leseliste? Ernährung, Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheit und Fitness, Kinder, Selbständigkeit, Haus + Garten + Einrichtung, … ?

    1. Eine leseliste direkt noch nicht, aber du findest hier unter „books“ (Sidebar rechts) ganz viele Artikel zu Büchern, die ich vorstellenswert fand. Manches ist vreraltet sicherlich, aber einiges ist auch immer noch aktuell. 🙂
      Aktuell lese ich viel aus der Selfdevelopementschiene, eine zeitlang waren es vor allem Ernährungsratgeber. Ein paar Babybücher habe ich auch, aber eher wenige. Aber so eine Liste wäre tatsächich vielleicht mal ganz nett. 🙂 Ist notiert.

  10. Hallo Heike,

    ich bin hier eher eine stille regelmäßige Mitleserin und möchte eine Frage stellen, die sich auf deine Kopfschmerz-Zeit bezieht. Auch ich leide aktuell leider sehr unter Kopfschmerzen. Anfangs Migräne, dazu kamen dann aber irgendwann auch Spannungskopfschmerzen. Gerade bin ich in einem Teufelskreis, auch ich nehme ständig Schmerzmittel, alles dreht sich um die Schmerzen, es wird immer schlimmer. Ich finde mich hundertprozentig in deiner Beschreibung aus deiner Zeit in den 20ern wieder. In jeder Hinsicht. Daher meine Frage: Was konkret war es, was dich letztlich aus der Schmerzspirale herausgeholt hat? Verstehe ich richtig, dass es bei dir insbesondere die Kombi aus Sport, gesunder Ernährung und auf sich achten war? Oder gab es bei dir noch eine andere konkrete Ursache, die aufgedeckt wurde und die du dann beseitigt hast? Ich wäre für jeden Tipp dankbar, denn deine Geschichte macht mir echt Mut. Es ist erstaunlich, wie sehr deine Beschreibung von damals mir jetzt ähnelt. Auch ich vertraue meinem Körper nicht mehr, da er ja ständig die Kopfschmerzen erzeugt.

    Liebe Grüße,
    Lara

    1. Meine Osteopathin hat Blockaden gelöst, did der Orthopäde vorher festgestllt hatte, sie hat aber noch mehr gefunden. Das Lösen durch sie hat über 1,5 Jahre gedauert, die Erstverbesserung trat aber nach 1-2 Wochen schon ein, also nach 1-3 Behandlungen. Erst durch sie bin ich überhaupt in die Lage versetzt worden an mir zu arbeiten. Unter dem Schmerz war eigener aktiver Sport oder auch nur eigene Rehaübungen undenkbar. Als ich die Tabletten reduzeiren konnte habe ich dann Blut geleckt und beschlossen, dass ich erst Ruhe geben werde, wenn ich gar keine mehr brauche und das hat mich dann in meine Recherchen rund um Ganzheitlichkeit gestürzt. Ernährung war da der beste Katalysator üebrhaupt für mich, aber das ist individuell verschieden. Ich hatte einen kaputten Darm, von daher war der Ernährungsnsatz sinnvoll. Wenn man ein totl Stresser ist kann Yoga oder Meditation vielleicht eher an erster stelle stehen. letztlich arbeitet alles Hand in Hand.

      Ich wünsche dir eine gute Besserung! Und frag dich immer bei deinem Schmerz: Was will er mir sagen? Das kann ganz simpel sein: Was ist eingeklemmt? Oder eher im übertragenen Sinne: Welches Gewicht lastet auf meinen Schultern?
      LG, Heike

  11. Liebe Heike,
    vielen Dank für deine beiden Artikel!
    Mein Partner und ich tragen uns auch mit einem Kinderwunsch und wollen den im nächsten Jahr auch umsetzen. Wir sind gut genug situiert, auch wenn rein rational betrachtet 2-3 (oder 5-6?) Jahre später der Zeitpunkt, zumindest finanziell, passender wäre. Aber … den ganz richtigen Zeitpunkt gibt es wohl nie. Dein Zitat „Ich muss nirgendwo ankommen, um ein Kind zu bekommen. Ich nehme es mit.“ finde ich wunderbar. 🙂
    Uns ist klar, dass ein Kind uns zeitlich und finanziell kosten wird. Also nicht völlig naiv, auch wenn das Bauchgefühl überwiegt. Dein erster Artikel war in der Beziehung aber sehr informativ und willkommen. Auch wenn er nichts an der Entscheidung ändert.
    Deinen zweiten Artikel finde ich sehr mutig. Wie du deine und eure persönliche Geschichte darlegst. Ich habe sie sehr gerne gelesen.
    Überhaupt lese ich deinen Blog sehr gerne und wünsche euch für die bald dreisame Zukunft alles Gute!

    1. Danke dir! Und auch dir alles Gute für eure Entscheidung!
      Ich liebe dieses Zitat einfach. Es lässt sich auch wunderbar auf andere Bereiche als Kinder übertragen. Man hängt viel zu oft an einer fixen idee fest, wie irgendetwas zu sein hat bevor man denn dann mit was auch immer loslegt.

  12. Auch wenn ich den ersten Artikel sehr wegen seiner Nüchternheit geschätzt habe, so kann ich hier trotzdem voll und ganz verstehen, warum du genau so gehandelt hast, wie du es getan hast. Ich sage von mir selber gern, dass ich eher die kühl denkende Person bin, die nicht viel dem Zufall überlässt. Aber vor genau zwei Monaten haben mein Partner und ich eine Entscheidung getroffen, die zumindest finanziell gesehen einen großen Schritt darstellt. Aus dem Bauchgefühl heraus. Wir haben uns ein Haus gemietet und werden nun in zukunft doppelt so viel zahlen wie bisher und das, obwohl wir auch bisher nur so über die Runden gekommen sind. Und mein Partner ist eigentlich auch ein sehr kalkulierender Denker aber weißt du was? Ich habe uns beide bei dem Satz „wird schon alles werden, wenn’s erst einmal läuft“ erwischt. Ist das nicht verrückt? 😀
    Daher würde ich auch nie aus dem Grund dass später UNS mal Geld fehlen könnte, sagen dass ich keine Kinder will. Höchstens aus dem Grund wie ich es momentan noch empfinde, Angst zu haben dass uns das Geld für ein Kind fehlen könnte. Aber wenn ich dich hier so lese… und an dieser Stelle möchte ich dir mal ein riesiges Danke! für deine Einblicke in dein privateres Leben dalassen, dann erkenne ich mich selbst irgendwie wieder, sehr oft sogar. Ich bin jetzt 27, Das heißt nach „deiner Rechnung“ hätte ich ja noch 5 Jahre übrig um mich noch zu entscheiden ob ich wirklich mal ein Kind möchte oder nicht 😉
    Und ich freue mich wirklich sehr für dich bzw euch (und auch immer für alle Menschen um mich herum), dass es nach so vielen gesundheitlich komplizierten Jahren doch noch so leicht geklappt hat. In diesem Sinne wünsche ich auch weiterhin alles erdenklcih Gute, ich verfolge weiterhin sehr gespannt was noch so alles passiert 🙂

    Liebe Grüße, Natascha

    1. 😉 Meine Rechnung ist aber eben genau auch nur meine. 🙂 32 ist eine fiktive Zahl, wir hätten genauso gut 30, 33 oder 35 sagen können. Wir hätten ein Ereignis festlegen können. Es ging mehr darum eine Erinnerung zu haben, dass das Leben weiterläuft und man ab und an dann mal kurz innehalten muss um zu gucken ob das, was da ja auch nioch rein soll – in diesem Fall ein Kind – langsam an der Zeit wäre.

  13. Hallo Heike

    Den zweiten Teil des Artikels habe ich mit genauso viel Begeisterung gelesen wie den ersten. Ich fand ihn sehr bewegend. Dass Du so furchtbar hart um Deine Gesundheit kämpfen musstest tut mir unglaublich leid und macht es mir noch viel leichter mich an Deinen schönen Berichten darüber wie gut es Euch jetzt gerade ergeht zu erfreuen (und bestärkt mich nebenbei in meinem grundsätzlichen Vorgehen meinen chronischen Schmerzpatienten im Zweifelsfall zusätzlich zum üblichen Verfahren parallel auch eine Vorstellung beim Osteopathen zu empfehlen…)

    Ich persönlich finde auch sehr wichtig und interessant die Beiträge derjenigen die sich bewusst gegen Kinder oder für einen späteren Zeitpunkt entschieden haben. Es war auch in meinen Augen nie eine Selbstverständlichkeit Kinder zu bekommen, denn an einem Kind ist nichts selbstverständlich. Auch in meinem Umfeld ist sowohl gewollte als auch ungewollte Kinderlosigkeit ein Thema. Ich selbst konnte mir zwar vorstellen auch ohne Kinder ein gutes und erfülltes Leben zu führen, aber das wollte ich nicht. Und jetzt… kann ich es mir nicht mehr vorstellen (und ich bin unendlich glücklich mit meiner Entscheidung und ganz aus dem Häuschen über jede faszinierende Kleinigkeit an meinem Kind, aber das ist nicht selbstverständlich, denn regretting motherhood ist ein schwerwiegendes Thema das oft tabuisiert wird und ich glaube viele Frauen fürchten sich insgeheim davor.)

    Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke empfinde ich es so dass ich an jedem früheren Zeitpunkt an dem ich beschlossen habe meinen Kinderwunsch nach später zu verschieben die richtige Entscheidung getroffen habe und meine Tochter damals eine weniger gute Mutter in mir gehabt hätte als sie es jetzt hat. Das gibt mir irgendwie das Gefühl damals schon den ersten Schritt Richtung „gute Mutter“ gemacht zu haben und konsequenterweise macht das in meinen Augen auch jede Frau die bewusst entscheidet (jetzt noch) keine Kinder zu haben weil sie (noch) nicht alles geben kann oder will was ein Kind ihrer Meinung nach braucht zu einer guten Mutter. (Natürlich kann auch dem gewissenhaftesten und vorausschauendsten Paar einmal ein Verhütungsunfall passieren und ich betrachte Menschen die von ihren Kindern ungeplant überrascht werden deshalb nicht als weniger gute Eltern).

    Allerdings gehen die Vorstellungen von dem was Kinder unbedingt brauchen ja manchmal sehr weit auseinander… für mich persönlich ist der wichtigste Punkt: volle Zuwendung und bedingungslose Hingabe.

    Das ist auch bezüglich vieler der anderen genannten Faktoren der ausschlaggebende Punkt. Egal ob es um den beruflichen Werdegang geht, die Entwicklung der eigenen Person, das Schaffen materieller Sicherheit oder wie in deinem Fall auch das Wiedererlangen der eigenen Gesundheit… das Wort „Selbstverwirklichung“ wird im Zusammenhang mit Kindern gerne als etwas Negatives gesehen, weil sich alle einig darin sind dass Kinder niemals unter den Egotrips der Selbstverwirklichung leiden oder gar ein Teil davon sein sollen. Wobei ich schon glaube dass man auch nachdem ein Kind geboren wurde das durchaus noch machen kann, nur halt eben nicht mehr „volle Pulle“, denn auch Eltern sind ja nie mit sich fertig und sollen sich noch ein bisschen entwickeln dürfen, nur die Entwicklung des Kindes geht dann eben vor….

    Das ist eine sehr persönliche Geschichte und ich bin Dir dankbar dass Du uns daran teilhaben lässt. Es beeindruckt mich auch dass Du Dir so viel Mühe mit den vielen Kommentaren gibst.

    Im Grunde geht es wohl um eine einzige Sache: erstmal die bestmögliche Mutter werden die man sein will und dann erst Mutter sein wollen. So habe ich Deinen Artikel verstanden. Und so wie es aussieht ist in Deinen Augen dein heutiges Ich (healthyhappyheiki) die bestmögliche Mutter die Merle haben kann. Volle Zustimmung und Respekt. So wird es dann auch sein. Ich freue mich sehr für Euch und die Kleine.

    (Puhh, so ein ellenlanger Monolog nur um zu sagen dass ich glaube dich richtig verstanden zu haben…)

    1. Chronischer Schmerzpatient… brrr… das ist wie ein kleiner Schlüsselreiz für mich. 😉 Die Diagnose hatte ich auch lange. Ich hab einiges gehabt mit dem „chronisch“ Stemepel und nichts davon hat sich als tatsächlich „für immer“ herausgestellt. Ich gaube, es gibt etwas, was sich darstellt, wie etwas Ewiges, weil es bedeutend schwerer anzugehen ist, als andere Symptome. meist weil an sehr vielen Stellschrauben gedreht werden muss und nicht nur an den offensichtlichen. Meine Kopfschmerzen waren eben auch die Quittung von weit mehr als nur neurologischen Unstimmigkeiten.

      und mir geht es so wie dir: zurückblickend sind da auch noch andere Aspekte außer dem offensichtlichen mit der Gesundheit, die bedingt haben, dass ich noch nicht bereit war. Regretting Motherhood ist ein spannendes, kotnroverses Thema. Als das durch die presse ging habe ich da auch mit Bekannten viel drüber geredet, weil ich die Fruen, die dort zu Wort kamen, sehr gut verstehen konnte. Ich war nicht an dem Punkt zu sagen, dass ich bereit gewesen wäre für ein Kind. Ich war noch viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt und ich hätte es vielleicht bereut früher Kinder bekommen zu haben, weil mich das gesundheitlich sehr ausgebremst hätte und in vielen anderen bereichen sicherlich auch.

      Ich mag mich auch mit Merle weiter selbst verwirklichen. Es ist mein persönliches IOdeal ihr ein Leben zu zeigen, in dem sie bedingungslos geliebt wird, in dem sie aber auch sieht, dass ich immer, immer, immer ihre Mama bin aber eben nicht nur das. Dass ich auch Dinge nur für mich tue und das ebenfalls liebe, für mich. Denn das möchte ich ja auch für sie. Dass sie herausfindet, wer sie ist und was sie sein will. 🙂
      LG, Heike

  14. Wahnsinnig schöner Artikel. Eine perfekte Ergänzung zum Vorgänger-Artikel. Ich als (Noch-)Kinderlose kann dieses Gedankenkarussell so gut nachvollziehen und habe immer wieder gedacht „Ja genau!“ und ich glaube dass es vielen so geht. Irgendwie hat es mir weitergeholfen, ich kann noch nicht einmal sagen, wie genau. Vielleicht einfach auch dieses Gefühl, mit dem Gedankenkarussell nicht allein zu sein.
    Ich freue mich jedenfalls sehr für dich, dass es dir jetzt so gut geht, dass du rückblickend so zufrieden bist und dass du diese Freude auf die Zukunft mit Merle und Benny empfindest – es ist unheimlich mitreißend. Ich bin mir sicher, dass du dir diese Begeisterung bewahren kannst.
    Alle lieben Wünsche… 🙂

    1. Danke! 😀 Ich glaube Begeisterungsfähigkeit ist eine meiner größten Stärken. <3 Ich kann mich für total viel interessieren und so eben auch für unser Baby.
      Und freut mich ehrlich, dass ich dir eine Hilfe sein konnte - wie auch immer. 🙂 Ich glaube, es gibt aktuell einfach viele Lebensbereiche, die sich unsicherer anfühlen, als noch vor Jahren und vor allem unsicherer als die meisten sich das vorgestellt haben. Und in Bezug auf Kinder macht das natürlich die Entscheidung nicht leichter.
      Dir auch alle lieben Wünsche!

  15. Huhu! 🙂
    Wollte auch mal wieder was von mir hören lassen.
    Ich habe jetzt nicht alle Kommentare aus dem vorherigen Artikel gelesen, und ganz klar, jeder hat da so seine eigene Einstellung, aber ich kann dich wirklich gut verstehen.
    Dieses „wird schon“ war auch nie so meins, ich bin ein Planer.
    Denn manchmal… wird es halt nicht. Und dann wird gejammert. Und alle sind schuld, nur nicht man selbst.
    Ja, ist jetzt provokant, ich weiß. Aber ich erlebe das leider oft. Und dann steht man auf der Matte und sagt „lös gefälligst mein Problem“. Kein Geld, alleinerziehend, keine Kinderbetreuung. Oder alle drei.
    So, das ist die eine Seite (und vielleicht bin ich da auch bissle negativ geprägt, das will ich nicht ausschließen).
    Die andere ist die, dass man beim Thema Kinder mit dem üblichen „wenn ich mich nur genug anstrenge und genug Pläne mache und to-do-Listen abhake, dann komme ich irgendwann an mein Ziel“, das man so gewohnt ist, irgendwann nicht weiterkommt.
    Klappt es, klappt es nicht – man kann es nur bedingt beeinflussen. Erlebe ich gerade.
    Und dazu, trotz Kinderwunsch, doch immer wieder die Gedanken, ist ein Kind jetzt, gerade jetzt, wirklich schlau? Jetzt, wo beruflich alles im Wandel ist? Wo es so viele Chancen geben wird? Zieht dann alles an mir vorbei, und ich komme, obwohl ich mir vorher den Arsch aufgerissen habe, wieder, und habe alles verpasst? Aber wenn nicht jetzt… dann gar nicht mehr? Auch keine Option.
    Gleichzeitig will man beruflich aber nicht alles wegschmeißen, was man sich so aufgebaut hat, und sich anderswo wieder ganz hinten anstellen. Manchmal ist es verführerisch, klar. Auch um des lieben Friedens willen daheim (du weißt ja von meiner Extrempendelei).
    Aber für mich käme dieses „ich mach dann mal und habe keinen Plan in der Hinterhand“ NIE in Frage.
    Also informiert man sich so gut man kann, und überlegt sich, was geht und was nicht. Vorher.
    Fälle, in denen das nicht passiert ist, sind bei dem, was ich so gesehen habe, irgendwie nie wirklich positiv ausgegangen. Klar, wieder persönliche Erfahrungswerte.
    Fazit: mit nur rosarot kann man eben auch auf die Schnauze fallen…
    Gruß
    die Leia

    1. Der Standpunkt passt wie die Faust aufs Auge zu dir, allein deshalb finde ich ihn schon gut, weil du dir selbst sehr treu bleibst und ziemlich gut weißt, was du willst und was nicht. Das hilft auf jeden Fall. Auch wenn das so ein paar Kernkoflikte dann ja nicht auch nicht beseitigen kann, wie du ja selbst sagst. Aber man sieht klarer, du siehst klarer und das finde ich gut.Vor allem für jemanden wie dich. Ich bin da ähnlich gestrickt, wobei ich glaube ich etwas lockerer dann doch bin.
      Das mit den Chancen ist so eine Sache, kommt natürlich stark auf den Job an, den man ausübt, aber eine Unterbrechung kann fast immer auch selbst eine Chance sein. Um sich selbst besser kennenzulernen und zu schauen, ob das wirklich die Richtung ist, die man weiter verfolgen will.
      Dafür braucht man jetzt sicherlich kein Kind und ich würde da im Zweifel auch eher einen längeren Urlaub oder ein Sabbatical empfehlen, weil da dann eben kein weiterer Mensch dran hängt, aber ein Kind kann so eine Zwangsbesinnung auch sein. Schon oft erlebt. Und daraus haben die Leute dann immer viel Gutes gezogen. Denn zu wissen, was mich der Spaß kostet ist das eine. Dann zu erleben, wie so ein ganz anderes Leben sein kann, oft das andere.
      So oder so wünscheich dir alles alles Gute für deinen Weg. Und bitte mit weniger Pendelei, das ist ja irre, wieviel lebenszeit du auf der Autobahn verbringst… Krass.
      Liebe Grüße, Heike

      1. Ja, ich weiß, ich bin da sicher manchmal etwas radikal.
        Aber du hast Recht, dieses „will ich das wirklich“ kann schneller kommen, als man denkt. Auch ohne Kind.
        Selbst so erlebt Anfang des Jahres. Völlig aus allen Wolken gefallen. Und bis zu dem Punkt „jetzt erst recht“ hat es nicht nur Wochen, sondern Monate gedauert. Naja, hatte viel Zeit daheim zum Nachdenken.
        Die Familie war da natürlich nur eingeschränkt hilfreich („warum tust du dir das an, haben wir eh nie verstanden“).
        Anderswo umgesehen. Die Chance auf Heimatnähe gehabt, inklusive Zusage.
        Und letztlich doch geblieben. Einfach zu viele liebe Menschen, auf die ich nicht hätte verzichten wollen, und die mir in der Krise wirklich geholfen haben, statt mich fallen zu lassen. Das ist nicht selbstverständlich. Woanders hätte man mich wohl fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Will nicht ins Detail gehen, aber wer vertraut, wird manchmal eben schwer enttäuscht. Und fragt sich, wie man es hätte verhindern können, auch wenn der Verstand weiß, dass es nicht möglich gewesen wäre.
        Und da war ich doch auch froh, dass der Mann die Entscheidung letztlich verstanden hat. Finanzielle Einbußen wären noch obendrauf gekommen, hätte ich den Absprung gewagt.
        Und nun – habe ich Perspektiven wie nie zuvor. Und wäre blöd, nicht darauf hinzuarbeiten.
        Aber auf ein Kind verzichten – niemals, das würde ich noch mehr bereuen!
        Und da war es wieder, mein Dilemma.
        Ich kann nicht „entweder oder“. Ich kann nur „sowohl als auch“. Schon immer.
        Problem unserer Generation, der man alles versprochen hat, was?
        Ich kenne einige ganz tolle Wochenendpapas. Tja, ich wäre die Wochenendmama. Und weiß jetzt schon, dass ich schräg angeschaut werde. Bewege mich ja familiär doch in einem eher traditionellen Umfeld. Aber solange es für Mann und Kind passt, sollte das doch egal sein?
        Den Stress habe ich ein bisschen rausgenommen (ein Hoch auf die Bahncard 100 übrigens!), und man lernt wirklich, im jeweiligen Moment präsent zu sein, egal, wo man gerade ist.

        Auch so ein Ding – man redet immer davon, dass mittletweile so viel mehr möglich ist, und von Wahlfreiheit. Aber in der Realität muss man sich eben doch blöde Fragen gefallen lassen, wenn man von „Mann verdient voll, Frau macht Teilzeit und ist Zuverdienerin“ abweichen will.
        Da sollten wir doch echt drüber hinaus sein heute.
        Also, von daher: man darf kritisch sein. So wie du es bist, was die Elterngeldregelung angeht. Ja, es ist besser geworden. Aber selbst, wenn man nur ein Jahr wegbleibt, kann das krasse Einbußen bedeuten.
        Weshalb ich jetzt schon überlege, was könnte ich bereits während der Elternzeit beruflich von daheim aus machen, ohne fahren zu müssen. Und ohne komplett rauszufallen. Aber Betreuung ist auch nicht gerade umsonst.
        Objektiv haben wir heute mehr Wahlfreiheit. Aber Steine schmeißt man uns immer noch munter in den Weg, sobald wir es wagen, kreative Kösungen finden zu wollen…

        Ich weiß, das klingt jetzt negativer als beabsichtigt. Und wenn man erstmal so nen kleinen Wurschtel daheim hat, ist bestimmt auch vieles vergessen, bzw wird unwichtiger. Aber genau darin liegt die Gefahr für uns Frauen. Klar, alles KANN super friede-Freude-Eierkuchen laufen.
        Aber wenn nicht, sind wir es immer noch, die die A…karte haben. Und letztendlich mehr opfern.
        Das im Auge zu behalten, ist einfach wuchtig.
        Deshalb finde ich den Satz „lieber einmal unromantisch…“ super.
        Du machst das schon, da bin ich mir absolut sicher!
        Leia

        1. Hui,d as klingt nach einer großen Sache Anfang des Jahres. Ich hoffe, die WOgen haben sich gut geglättet und du bist wirklich wieder gut auf Kurs mit „Jetzt erst recht!“
          Wochenendemama ist einfach noch mal schwieriger als Wochenendpapa, biologisch einfach, da kommt man aus der Kiste irgendwie nicht raus, so emanzipiert man da auch sein will. Frau hat die Brüste. Wenn man stillen möchte ist das nix mit nur am Wochenende, einfach nicht möglich. Klar bekommt man ein Kind auch mit dem Fläschchen groß, trotzdem gehöre ich da jetzt auch zu der Fraktion, die da direkt „Aber!“ sagt. Weil ich Stillen wichtig finde. Noch dazu geht es denke ich auch einfach viel um Nähe. Wenn sich für viele Väter da schon einiges nur im Feierabend abspielt finde ich das bedauerlich genug, nur am Wochenende um so mehr.
          Ach ja.
          Emanzipation ist sowas von noch nicht abgeschlossen. Man merkt einfach deutlich wie schwer die Situation ist, allein dadurch schon, dass die Diskussionen darüber so vergleichsweise hart geführt werden und es sich wie eine Art Glaubensfrage darstellt. Da geht es um viele Verletzlichkeiten und Rechtfertigungen, eine Portion Glück und oft auch Unglück. Sehr spannend dadurch, aber auch sehr sensibel.
          Liebe Grüße und ich bin ebenfalls sicher: du wirst da deinen Weg gehen!
          Heike

  16. Entschuldigung – ich verstehe das Ganze hier nicht richtig.

    Der Mann ist Lehrer – Beamter auf Lebenszeit mit hohem, absolut sicherem Einkommen.

    Dann tut man so, als stellten einen Kinder vor finanzielle Probleme. Da kann es nur einen Grund geben: Wenn man mit Geld nicht umgehen kann, bringt man jede Summe durch – siehe Boris Becker.

    Einfach die eigenen Ausgabegewohnheiten überdenken. Man kommt mit weniger Geld aus, als man denkt; das gilt insbesondere für Kinder. Glücklich macht Kinder nicht die Qualität der Wohnungsausstattung oder teure Klamotten, sondern elterliche Zuwendung. Das sollte man sich immer vor Augen halten.

  17. Hallo Heike und Mitleser,
    Mein eigener Standpunkt kommt aus einer anderen Ecke, dennoch würde auch ich gerne etwas dazu schreiben.

    Ich finde das Thema Kinderwunsch und Familienplanung ein sehr spannendes Thema, vor allem die ganz persönliche Gedankenentwicklung zwischen den 20ern und 30ern des Lebens. Und das obwohl – oder irgendwie auch gerade weil? – ich selbst keinen Kinderwunsch habe. Eine große Frage, die ich mir stelle ist: Habe ich NOCH keinen oder werde ich möglicherweise NIE einen haben? Es ist nicht nur das „ja ja, später mal, aber dann schon gerne/unbedingt!“, das viele in meinem Alter (Anfang 20) haben. Von den Rahmenbedingungen rede ich gar nicht, also ob Finanzen, Pläne, Partner, Umfeld etc. passen werden oder nicht. Selbst wenn das okay bis ideal wäre, es ist die Psyche, die mich zurückhält.

    „Du bist doch noch so jung und hast Zeit.“ Stimmt! Aber ich freue mich auch, selbst eine sehr junge Familie zu haben. In der es keinen großen Generationensprung gibt, in der die Großeltern noch vergleichsweise jung und fit sind. Auch wenn es nicht geplant war und garantiert nicht leicht in den jungen Jahren (ohne familiäre Unterstützung wäre es schwer möglich gewesen, aber die war zum Glück vorhanden), hieß es nicht, die Punkte der Lebensplanung über Bord werfen zu müssen: Sie waren „nur“ in anderer Reihenfolge. Da ist mit 40 das Kind bereits volljährig und aus dem Haus und meine Mutter war noch jung genug ihr Studium zu beenden, Karriere zu machen, zu reisen.
    Nicht euer Modell, aus sehr nachvollziehbaren Gründen auch selten das angestrebte Modell und wie es aussieht auch nicht meins. Aber eben auch eines.

    Wie gesagt, ich lese bei solchen Themen sehr gerne und gespannt mit, vor allem eben auch in der Frage: Wann kam der Kinderwusch auf (bei euch wohl, wenn auch diffus, schon recht früh)? Und: wäre es nicht traurig, wenn er bei mir nicht käme, wo doch die meisten Eltern trotz Schwierigkeiten so große Erfüllung darin finden? Aber es liegt immerhin noch einiges an Zeit vor mir, in der sich das alles entwickeln kann – wenn Biologie und Schicksal es überhaupt so wollen.

    Alles Liebe und Gute,
    emalya

    1. Die Fragestellung ist gut, finde ich auch sehr spannend. Tatsächlich war der Wunsch sehr diffus und das auch für lange Zeit. Nicht nur wegen meinem gesundheitlichen Hintergrund. Ich kann mir auch vorstellen, wäre der nicht so gewesen, also mit der Möglichkeit gar keine Kinder bekommen zu können, dann hätte ich da vielleicht länger noch gern aufgeschoben. Ich habe ein ziemlich erfülltes Leben, wie ich finde mit unglaublichen vielen Themen auch ohne Kind. Und ich weiß gut, dass ich da nun kürzer und auf jeden Fall anders treten muss, da Merle fast da ist. Ich weiß nicht, ob ich unter anderen Voraussetzungen dazu bereit gewesen wäre. Was mich aber auch immer doch Richtung Kind hat entscheiden lassen war: Ich wollte nicht mit 40/50/60 Jahren zurück schauen und feststellen, dass ich es gern gewollt hätte. Selbstverwirklichung mit Kind ist eher möglich als eben später dann noch Kinder, weil man Selbstverwirklichung vorgezogen hat.
      Es war bei uns eben kein ausgeprägtes Wünschen sondern einfach ein: Joah, das passt jetzt gut. Warum nicht?
      Jetzt mit etwa 9 Monaten Abstand kann ich für mich sagen, dass diese denkbar entspannte Art da heran zu gehen für uns wirklich super war. Aber es ist und bleibt einfach immer sehr individuell und sehr persönlich.

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