16. Juli 2017

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind? – Geld, Gesellschaft und ein bisschen Glück

Das hier wird der erste Teil eines Zweiteilers zu einem Thema, das ihr euch sehr gewünscht habt. Heute gebe ich euch allgemeine Informationen, die euch bares Geld sparen können und im Zweifel auch eine Menge Nerven. Nächstes Mal folgt die Geschichte unserer persönlichen Entscheidung.

Es gibt nicht den richtigen Zeitpunkt für ein Kind!
Kinder zu bekommen darf keine finanzielle Entscheidung sein!
Wenn das Kind erst mal da ist, wird es schon gehen!

Sehr wahr und auch sehr… naiv. Leider, wirklich leider. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich das dann einfach mit einem „Wird schon!“ abtun würde. Also, seid ihr bereit für ein paar harte Wahrheiten und am Ende einen Ausblick darauf, wie man dabei trotzdem nicht durchdreht?

Partner

Es gibt keinen größeren Risikofaktor für Armut und Krankheit als alleinerziehend zu sein (Quelle: „Die Alles ist Möglich Lüge“, hier am Rande schon mal von mir vorgestellt). Also sollte zumindest eine stabile Beziehung vorhanden sein, ein Partner, der sich einbringt. Wie das mit Beziehungen so ist, kann man sich das oft in der Situtation dann nicht mehr aussuchen.

Alter

Je älter vor allem die Mutter ist, desto höher ist das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft und für gesundheitliche Probleme beim Kind, vor allem chromosomale Schäden. Und wir reden von Risiken, die in den Prozentbereich gehen, nicht mehr im Promillbereich. Das Zeitfenster ist also begrenzt. Auch wird es mit steigendem Alter schwieriger schwanger zu werden.

(Sehr) späte Vaterschaft kann dazu führen, dass man sich wirtschaftlich darüber im Klaren sein sollte, dass man selbst vielleicht schon (Früh-)Rente bezieht, wenn das Kind noch Unterstützung in der Ausbildung bräuchte.

Und jetzt ans Eingemachte: Elterngeld und wovon man so lebt mit einem Kind, das noch nicht in die Schule geht.

Elterngeld. Klingt ja erst mal nett. Auch Elternzeit. So, als würde man Zeit und Geld bekommen, um sich um das Kind kümmern zu können. Nun, ja, der Staat tut da etwas dazu, aber egal, wie man es dreht und wendet, wer ein Kind in die Welt setzt, hat nicht nur höhrere Ausgaben durch eine weitere Person in der Familie (das konnte man sich ja denken und ist für viele finanziell schlechter gestellte Menschen schon Grund genug das Ganze immer weiter aufzuschieben), sondern hat auch einfach zusätzlich weniger Geld zur Verfügung als vorher.

Ausnahmen: Das sogenannte „klassische Familienmodell“ mit dem Mann (denn der ist ja nicht schwanger und stillt nicht) als ALLEINverdiener (ungleich Hauptverdiener!) und der Frau als Mutter und Hausfrau. Hier bietet ein Kind sogar mehr Geld als vorher, weil das Kindergeld dazu kommt und Kinderfreibeträge geltend gemacht werden können. Ebenfalls finanziell keine totale Milchmädchenrechnung sind Kinder für Menschen mit sehr geringem Einkommen (Hartz IV-Empfänger, Studenten, generell Menschen, die schon staatliche Unterstützung bekommen), da sich bei ihnen sowohl proportional als auch absolut wenig am fianziellen Standard durch ein Kind ändert.

Für die breite Masse dazwischen, also alle, die „nur ein bisschen arm“ bis moderat wohlhabend sind, für alle die sind Kinder wirtschaftlich eine sagen wir mal „Herausforderung“. Willkommen in meiner Welt und wenn ich mir meinen Leserquerschnitt so angucke, dann auch in euren Welten, größtenteils.

Ein Kind kostet pro Monat in den ersten Lebensjahren etwas über 500 Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt, hier ist ein netter Artikel zu dem Thema). Erstausstattung ist da mit eingerechnet und verteilt (Durchschnitt liegt da bei ca. 3000 Euro). Das heißt: selbst wenn ich noch nicht die Elterngeldrechnung aufgemacht habe, muss ich dieses Geld vorher quasi übrig haben, wenn ich mich für ein Kind entscheide ODER meinen Lebensstandard um diesen Betrag zurückfahren. 192 Euro Kindergeld wieder dazu, bleibt eine Differenz von großzügig hin und her gerundeten 300 Euro Mehrbelastung pro Monat. Im Durchschnitt. Diese finanzielle Mehrbelastung entsteht, wenn nach den 8 Wochen Mutterschutz nach der Geburt keine Elternzeit genommen wird, von keinem der Partner, und beide sofort wieder so viel arbeiten wie vor der Geburt. Der Partner also nur vielleicht etwas Urlaub in den Mutterschutz legt und dann weiterarbeitet und die Mutter eben nach der gesetzlichen Schutzfrist in den Job zurückkehrt. Elterngeld ist dafür gedacht mehr Zeit mit dem Kind in der Elternzeit verbringen zu können. Klingt erst mal nett vom Staat, oder? Nett ist aber tatsächlich doch eher der kleine Bruder von… na ihr wisst schon. Es ist… Ein Trostpflaster, ein „weniger doof“, aber lange kein „gut“. Denn Elterngeld fängt den vorherigen Verdienst nicht zu 100% auf.

Eltergeld

Bitte etwas mit Vorsicht zu genießen, was ich hier schreibe. Eltergeld ist mit das größte Grauen, was die bürokratische Anträge rund ums Kinderkriegen angeht. Es ist extrem einzelfallabhängig und ich schreibe Mails mit der Elterngeldstelle, weil die Anträge und Definitionen wirklich nur für Erika Mustermann gelten. Jede kleine Abweichung im Arbeitsalltag macht euch zu einem Sonderfall. Ich in Teilzeit mit freiberuflicher Arbeit bin ein so Sonderfall. Also. Bitte nicht auf mich hier verlassen und im Zweifel selbst Kontakt mit der Elterngeldstelle aufnehmen. Die antworten in der Regel zügig, das ist ganz nett.

Elterngeld wird in Deutschland für maximal 12-14 Monate gezahlt und beträgt mindestens 300 Euro, maximal 1800 Euro und ist somit „gedeckelt“ und der Bereich dazwischen errechnet sich aus etwa 60-65% des Aaaaachtung: des fiktiven mittleren Monatsnettos der letzten 12 Monate vor Geburt des Kindes. Oder des letzten Kalenderjahres. Je nach dem. Na, ihr seht schon, wie verschieden das ausfallen kann, nicht?

Also Beispiel Erika Mustermann: Musterbaby wird im August 2017 geboren; Mutter beantragt Elterngeld und dazu werden ihre Lohnabrechnungen der letzten Monate zusammengerechnet, durch 12 geteilt und von dem Netto dann gibt es 60-65%. So die ganz vereinfachte Rechnung. Wenn man plötzlich statt knapp 1000 Euro nur noch 600 Euro hat, ist das schon eine Ansage, denn auch mit 1000 kommt man nicht sehr weit. Verdiente man aber sonst mehr und bekommt statt 2000 Euro dann nur noch grob 1200 Euro fehlen ganze 800 Euro in der Kasse plus die Mehrausgaben fürs Kind, also holla, das tut schon weh. Gehen wir noch weiter nach oben in den Gutverdienerbereich, wird klar, weswegen der Haupttverdiener in der Regel nur kurz Elternzeit nimmt. Habe ich sonst über 3000 Euro zur Verfügung, das Elterngeld ist aber bei 1800 Euro gedeckelt, fehlt plötzlich ein 4-stelliger Betrag. Dann zu sagen, dass Kinder Luxus sind, klingt plötzlich gar nicht mehr so abwegig oder?

Wenn also nur einer das Geld nach Hause trägt (der Vater in der Regel, wie gesagt, Mutter muss ja zumindest eine Weile schwanger sein und vielleicht auch stillen), dann wird dieser Jemand nur sehr kurz Elterngeld beantragen oder auch gar nicht, denn die Partnerin ist ja daheim und kümmert sich. Dieses Modell funktioniert. Für Partner, die kein blutendes Herz dabei haben, wenn sie daran denken, dass sie nicht viel mitbekommen von ihrem Baby…

Sollten aber beide gut verdienen, werden sich beide sehr gut überlegen, ob sie sich ein Kind leisten wollen bzw. ob sie sich Elternzeit mit Elterngeld leisten wollen, denn im Zweifel kostet eine Nanny/U-2-jährigen-Kita dann schon weniger als die Einbußen durch den gedeckelten Betrag. Also arbeiten Mama und Papa, Kind ist bei der Nanny, man sieht das Kind wenig, hat weniger Geld zur Verfügung als vorher, da die Nanny bezahlt werden muss, aber man hat zumindest mehr, als würde einer der Partner mit Kind daheim bleiben und Elterngeld beziehen.

Betreuungssituation

Noch Fragen, weshalb gerade bei Akademikern weniger Kinder zu finden sind? Noch Fragen, weshalb man sich da zwischen Job und Familie aufreibt? Weil es arschteuer ist.
Noch Fragen, weshalb es keine echte Emanzipation mit diesem Bezuschussungsmodell geben kann, solange Frau eben die Gebärmutter und die Brüste hat? Es gibt keine Kopplung von Elternzeit für beide Partner und somit suchen sich aus wirtschaftlichen Gründen Paare in der Regel die Aufteilung aus, die sie finanziell am besten (am wenigsten schlecht) aus der Situation heraus gehen lässt, auch wenn das in den allermeisten Fällen dann eben doch auf „Mama bleibt länger daheim als Papa“ hinausläuft.

Also. Diese Rechnung bitte einmal machen, wenn es um FamilienPLANUNG geht und nicht um… naja. Es „passiert“ eben doch mehr als nur manchmal. Und rechnet weiter für nach der Elternzeit. Für die meisten ergibt sich spätestens dann die ähnliche Situiation wie bei den beiden Besserverdienern mit Nanny, von denen ich gerade sprach: Ende vom Elterngeld bedeutet: Beide müssen wieder arbeiten. Das bedeutet: Eine Betreuung muss her. Und besonders Betreuung für unter 2-jährige Kinder ist teuer, dreistellig pro Woche und von Stadt zu Stadt unterschiedlich hoch. Also wieder: Viel mehr zu tun mit Arbeit und Kind, deutlich weniger Geld, denn meist arbeitet dann einer der Partner doch nur teilzeit, allein schon, weil auch Kitas solche Öffnungszeiten haben, die einen Vollzeitjob nicht möglich machen und noch mal wengier Geld, denn Kita, Tagesmutter oder wer auch immer, muss auch bezahlt werden. Finanzielle Entspannung gibt es erst mit Eintritt der Schulpflicht, da Schulbesuch keine Betreuungskosten in Deutschland verursacht, zumindest nicht bei Besuch von staatlichen Schulen. Wobei schulpflichtige Kinder aus anderen anderen Gründen wieder teurer sind, siehe oben verlinkter Artikel.

Was tun?

Habt ihr diese Rechnung gemacht und seid wie ja doch die meisten Menschen so drauf, dass ihr trotzdem Familie wollt (ich habe gehört, dass das für viele doch ein biologischer Trieb sein soll – Zynismus bitte mitlesen), dann bleiben ein paar Möglichkeiten:

1. Kinder dann in die Welt setzen, wenn man so ein niedriges Einkommen hat, dass der Standard sich fast so halten lässt (Studium ist für viele so ein Zeitraum. Egal bei welchem Ausbildungsmodell ist dieser Zeitraum aber fast immer daran gekoppelt noch sehr jung zu sein)

2. Lebensstandard halten oder nur gering nach unten korrigieren, dafür den Kinderwunsch noch aufschieben und in der Zwischenzeit die Karriere so ausbauen, dass durch Mehrverdienst die Lücke geschlossen wird.

3. Absenken des Lebensstandards, um die Lücke so zu schließen.

Möglichkeit 1 ist für viele, die sich mit dem Thema beschäftigen, einfach ein abgefahrener Zug. Und sehr jung und in einer schwierigen finanziellen Lage ein Kind zu bekommen, birgt andere Risiken und Schwierigkeiten. Zum Beispiel, dass man ja auch erst mal den passenden Partner dazu braucht und sich durch ein Kind die Ausbildung in der Regel noch mehr verzögert und vor allem Mütter dann das Risiko tragen am Ende ohne abgeschlossene Ausbildung dazustehen. Selbst noch abhängig von den eigenen Eltern zu sein, also die Kinderrolle inne zu haben, ist für viele außerdem ein No-Go, wenn es darum geht selbst Kinder zu bekommen, da die Abhängigkeitskette verlängert wird und man gefühlt und oft auch tatsächlich den eigenen Eltern noch mehr aufbürdet.

Möglichkeit 2 ist die, die ich für die praktikabelste halte, die auch die meisten, die ich kenne anstreben. Es ist die Möglichkeit, bei der die innere Uhr aber am lautesten tickt und gerade für junge AkademikerInnen ist das Zeitfenster ziemlich eng von Ende des Studiums zu Karriereaufbau zu Kind. Finanziell klug ist, wer den Standard vom Studium dann versucht zu halten bzw. sich nur sehr moderat verbessert und somit dann schneller in den Bereich kommt ein Kind mitfinanzieren zu können. Die meisten wollen aber gern dann mit endlich eigenem Gehalt in einer besseren Gegend wohnen und ein paar mehr Quadratmeter haben (was auch beides sinnvolle Überlegungen sind, wenn man eine Familie plant), vielleicht ein Auto, vielleicht Urlaub, vielleicht, vielleicht… und dann ist der Puffer schnell dahin, denn haha, plötzlich muss man sich ja auch selbst versichern und solche Späße.

Möglichkeit 3 ist die, die dann oft gewählt wird, weil es die einzige noch verfügbare ist. Den Lebensstandard senken die allerwenigsten freiwillig. Zumal es da in der Regel nicht um die Frage geht, ob noch ein Wellnesswochenede drin ist, sondern eher darum, dass man wieder öfter Nudeln mit Soße isst und darüber nachdenkt doch wieder in eine kleinere Wohnung zu ziehen und wenn nicht kleiner so doch preisgünstiger gelegen und die niedrigen Mietpreise haben ja dann auch ihre Gründe… Möglichkeit 3 wird in der Regel dann erst gewählt, wenn die biologische Uhr so laut tickt, dass die Alternative Kinderlosigkeit bedeuten würde bzw. könnte.

Diese Überlegungen sollten also wirklich alle anstellen. Fühlen sich ein bisschen nach Ohrfeigen an, wenn man doch grade noch wildromatisch über das Vater-Mutter-Kind-Idyll phantasiert hat, oder?

Hier noch ein paar Spitzfindigkeiten, die euch schnell einige hundert bis tausend Euro mehr oder weniger bringen oder kosten können:

Kein Anspruch auf Vollständigkeit, das sind einfach Dinge, die mir bei meiner Recherche untergekommen sind.

Bedenkt die 12 Monate vor der Geburt des Babys als Zeitraum für die Berechnung des Elterngeldes. Ihr solltet also mindestens 12 Monate im Beruf sein, damit nicht noch euer mickriges Studenten- oder Ausbildungseinkommen miteinberechnet wird oder gar eine arbeitslose Phase.

Besser noch seid ihr mindestens 1 vollständiges Kalenderjahr im Beruf, denn wenn ihr so wie heute ja immer mehr Leute einen selbständigen Nebenerwerb habt (Dawandashop, freiberuflicher Fotograf, Blogger, angemeldeter Nachhilfelehrer o.ä.), dann werdet ihr EGAL wie hoch oder gering euer Gewinn war und ist komplett wie ein Selbstständiger behandelt und für den gelten nicht die letzten 12 Monate vor Geburt des Kindes, sondern es gilt das letzte vollständige Kalenderjahr. Schaut mal hier, wenn ihr ein Fallbeispiel hören wollt. Das ist für viele richtig übel, kann aber natürlich auch für einige andere einen Vorteil bringen, wenn sie früher mehr gearbeitet haben als unmittelbar vor dem Kind.

Ebenfalls wichtig, wenn ihr so eine selbstständige Nebentätigkeit habt: Zuverdienst egal welcher Art wird während des Elterngeldbezugs auf das Elterngeld angerechnet, solltet ihr darauf spekulieren euch damit euer Elterngeld aufstocken zu können. Könnt ihr. Aber es kommt bei euch nur noch etwas mehr als ein Viertel des erwirtschafteten Gewinns an. Das Video hier geht um diverse Schwangerschaftsfragen, aber ihr findet darin auch eine prima Rechnung zu diesem Nebenverdienst während des Elterngeldes. Wenn vom 400-Euro-Job nur noch etwas über 100 Euro stehen bleiben, nun, dann fragt man sich doch, ob man sich dafür überhaupt die Arbeit macht, oder? Knackpunkt ist hier der Zeitpunkt des Zahlungseingangs, noch nicht mal der Zeitpunkt der tatsächlich erbrachten Arbeit. Auf dem Smartmama-Blog gab es einen Artikel dazu. Den Blog kann ich sowieso empfehlen, nicht nur aber tatsächlich auch besonders zum Thema Elterngeld.

Willkommen auf dem Boden der Tatsachen. Und liegt, da noch Spielzeug rum oder jetzt eher nicht mehr?

Tja und da wären wir. Es ist ein ernüchterndes Thema, denn bei all der Freude, die rund um den Kinderwunsch im Raum schwebt, ist die wirtschaftliche Machbarkeit ein ernstzunehmendes Problem – auch in einer Nation wie Deutschland, wo man doch meinen sollte, dass es uns so gut geht. Klar, besser als anderen, aber. Aber. Das Aber habe ich euch gerade aufgedröselt. Es bleibt ein Problem. Für die einen mehr, für die anderen weniger, wie ihr gemerkt habt. Und die, für die es weniger ein Problem ist, sind buchstäblich glückliche Menschen: Wahlweise wurde der passende Partner sehr früh gefunden und beide sind reif genug für eine Familie, wenn sie noch sehr jung sind und/oder der finanzielle Background ist dermaßen gut, dass man sich nur die Frage stellt, ob man ein Kind bekommt oder doch lieber 4x statt 3x im Jahr eine Fernreise macht. Oder man ist so arm, dass man einfach auch mit Kind(ern) weiter gleich arm ist. Vielleicht sogar weniger arm durch Anspruch auf mehr Wohnraum und Kindergeld.

Es gibt nicht den richtigen Zeitpunkt für ein Kind, aber es gibt wie ihr an der Elterngeldberechnung gesehen habt, ein paar Momente die unglücklicher (teurer!) sind als andere.

Ein Kind zu bekommen, sollte keine rein finanzielle Entscheidung sein, aber wer die Finanzen vorher nicht einmal durchgeht, der wird vermutlich bös erwachen – und das ist ein mieses Gefühl, wenn das Baby dann schon unterwegs ist und man sich doch eigentlich vor allem freuen mag. Viele tun das dann lange mit Kopf in den Sand, aber solche finanziellen Themen haben die Angewohnheit mehr Sitzfleisch zu haben, als man selbst.

„Wenn das Kind erst mal da ist, geht es immer.“

Ja. In Deutschland eher unwahrscheinlich, dass ein Kind verhungert oder erfriert. Aber davor kommen viele, viele andere Einschnitte, die vielleicht gemacht werden müssen, weil nicht genug Geld da ist. Von der Wahl des Wohnortes, über Wochenendaktivitäten, der Art des Essens, und, und, und. Die Frage ist, wieviel man bereit ist aufzugeben. Und eine ehrliche Frage an sich selbst, was einem wichtig ist, dem Kind zu ermöglichen. Es zu lieben ist wundervoll und das ist bitte losgelöst davon zu betrachten, um was es mir hier geht. Ich möchte aber bei aller Liebe, die ich ganz gratis habe, zum Beispiel sowohl gesundes Essen kaufen können, als auch mein Kind in einen Sportverein und auf Klassenfahrt schicken können.

Der umgekehrte Scheinriese

Ich schließe nicht gern so negativ und das werde ich auch nicht, aber jetzt gen Ende des Artikels, habe ich euch einen Berg Hindernisse aufgezeigt und nur sehr wenige Lösungsmöglichkeiten. Positiv ist, dass wir in einem Land leben, in dem es überhaupt eine Form von Unterstützung gibt. Dass die nicht fair ist, nicht emanzipiert und erst recht nicht dazu beiträgt, dass die hochgelobte Mittelschicht sich vermehrt, das habe ich denke ich deutlich gemacht. Und das war nur die Spitze des Eisbergs. Wenn es um Betreuungssituationen geht, geht es im selben Tenor weiter. Sei arm und bleib es auch mit Kindern, sei reich und bleib es auch mit Kindern, sei etwas dazwischen und reiß dir den Arsch auf, wenn du Kinder willst bzw. hast.

Ach doch, positiv: Kinder sind toll. Wirklich. Familie ist etwas besonderes und es hat schon einen Grund, weshalb sie für so viele Menschen an erster Stelle steht. Und wie ihr wisst, habe ich/haben wir trotz all dieser Hürden beschlossen ein Kind zu bekommen. Und wir freuen uns darauf und ja, es wird funktionieren, aber ja, mein lieber Herr Gesangsverein, wir waren lange nicht mehr so froh, wenn wieder Monatserster war. Die Hürden waren uns bewusst, aber erst jetzt, da sie so nah sind, erkennen wir wirklich, wie hoch wir springen müssen. Es ist wie ein umgekehrter Scheinries, kennt ihr den? Ein Scheinrise ist eine Fanatasiefigur aus Jim Knopf. Der Scheinriese sieht von weitem riesig aus und wird, je näher man kommt, immer kleiner. Bei den Hürden fürs Kinderkriegen sehen diese von weit noch gut machbar aus und entpuppen sich, je näher man kommt, als leider doch oft höher als erwartet.

Und nun?

Unsere Lösungsstrategie geht weg von Überstunden und schwäbischer Sparsamkeit und hin zu sehr viel Eigenverantwortung, alternativen Wegen, Minimalismus und sehr viel Offenheit und Engagement. Ich habe viele Gespräche geführt, die alle mit

„Aber das kann doch nicht sein, dass das System so ungerecht ist! Wieso muss sich denn jetzt wieder jeder selber kümmern? Man muss doch das so System ändern!“

geendet haben. Nun, meine Einstellung dazu ist: „Man“ ändert das System nicht, sondern es sind aktuell wenige Entscheider, die das tun können und dazu zähle ich nicht. Bewegungen aus der Masse, aus einem Trend heraus, sind langsamer. Ich halte sie für mächtig und wichtig, aber sie sind zu träge, um mir und uns genau jetzt zu helfen. Deswegen nützt es im Jetzt und auch in für die nahe Zukunft nichts nur (!) auf das System zu schimpfen. Ich muss mündig sein, ich muss entscheiden können, was in meiner Reichweite liegt, ich muss Verantwortung für mein Handeln übernehmen. Dadurch bin ich in der Lage langfristig Einfluss zu nehmen, vielleicht hat Merle dann mal etwas davon, wenn sie Kinder möchte. Oder auch nicht. So, wie ich zum Beispiel mit diesem Artikel Einfluss nehme. Ihr seid ein paar Tausend, die ich hier erreiche, immerhin.
Und dadurch bin ich in der Lage meinen Weg selbstbestimmter zu gehen. Einfacher wird er dadurch nicht, aber es wird wieder zu meinem Weg und den nehme ich lieber als einen ausgetretenen Gnupfad, nur weil den ja die meisten gehen. Es ist ein bisschen ungewisser, was am Ende meines Weges liegt als am Ende des Gnupfades, aber das bietet sowohl ein Risiko als auch eine Chance. Scheitern also nicht ausgeschlossen, glücklich ankommen und vor allem glücklich wandern aber auch nicht.

„Das ist aber ein ganz schön egoistischer Ansatz! Das löst doch das Problem, die Ursache nicht!“

Nein. Aber mal ehrlich: Erwartet jetzt wirklich jemand von mir, dass ich hier an meinem Laptop deutschlands Familienpolitik umschreiben kann? Dass ich mit Fahnen und Schildern demonstrieren gehe? Ich bin nicht in der Lage jetzt und hier etwas an der Ursache zu ändern, geschweigedenn dass ich das Wissen hätte, um das dann auch noch gut zu machen. Aber ich kann entscheiden, wie ich auf das System reagiere. Und das ist mit Kritik und indem ich das tue, was auch das System tut: Ich ziehe heraus, was gut für mich ist und sehe zu, dass ich mich ansonsten so wenig wie möglich einspannen lasse.

„Das ist aber ein sehr amerikanischer Ansatz!“

Ist es. Aber einer, den ich sehr schätze und der mir persönlich bedeutend näher steht als die wie ich empfinde recht typisch deutsche Beschwerdementalität von „Die da oben machen uns hier unten klein.“ Selbst wenn das stimmt – und das tut es zu großen Teilen – ist es eine Mentalität, die keine Energie freisetzt außer Frust und Agression, zumindest in mir. Das ist eine Energie, aus der Homer Simpson Wutbeulen macht und viele anderen Menschen Magengeschwüre oder Nackenschmerzen. Eigenverantwortlich werde ich kreativ und optimistisch, dabei nicht weniger realistisch. Das bringt mich weiter. Und somit hoffe ich auch meine Familie.

Das Beste zum Schluss

Wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind ist, sollte abgesehen von all diesen sehr rationalen, harten Ressourcengründen auch von etwas ganz anderem abhängen: Fühle ich mich bereit dafür? Fühlen wir als Paar uns bereit dafür? Also ganz platt: Ordentliche Verhütung macht schon Sinn, bis man bereit ist für ein Kind. Ja, passiert auch mal ungeplant, aber das hat ja dann nichts mehr mit dem Artikelthema hier zu tun.
Bin ich also der Mensch, der ich sein möchte, um ein Vorbild für mein Kind zu sein?
Kann ich die Werte, die ich meinem Kind vermitteln möchte, selber vorleben? Beispiel: Man ist auch als Eltern nicht glaubwürdig, wenn man gesunde Ernährung predigt, sich aber dann mit Junk Food auf der Couch lümmelt, weil man „Ja für sich selbst entscheidet“. Viel Reife entsteht auch im Prozess und man muss nicht perfekt sein, das sicherlich nicht, dennoch gibt es ein paar wie ich finde wichtige Fragen, die man sich stellen sollte. Wie eben die nach den Werten und dem Vorleben. Auch die Frage, ob mir bewusst ist, dass das ein eigenständiger neuer Mensch sein wird, kein Ableger von mir und ich das akzeptiere.

Die wichtigste Frage ist wohl: Warum will ich ein Kind? Ein Kind ist kein Beziehungsretter, kein Druckmittel, um einen Partner an sich zu binden. Ein Kind ist keine Beschäftigungstherapie, weil das Leben grad irgendwie langweilig ist. Und es ist nicht dafür da mich zu lieben, weil „Das wird es ja tun!“

Ein Kind ist eine irre Aufgabe. Und wenn man daran denkt, sollte man fühlen, dass es genau das ist. Ein bisschen irre, ein bisschen wahnsinnig, weil man sich so darauf freut, obwohl man weiß, wie viel es fordern wird. Aber es wird auch so viel geben. Und auch dafür sollte man bereit sein: sich auf einen neuen Menschen einzulassen, darauf, was er zu geben hat, auf seine Weltsicht, seine Liebe und seine Andersartigkeit. Etwas, was die Schwangerschaft lehrt, ist, dass es verdammt gut ist, dass sie so lange dauert. Denn ein großes Stück dieser emotionalen Reife wächst bei den meisten parallel zum Bauchumfang – und zwar egal ob es der eigene Bauch oder der der Partnerin ist. Es ist also nicht „schlimm“, wenn es einfach passiert und ihr euch nicht bereit fühlt und viee der Fragen nicht für euch zufriedenstellend beantworten könnt. Die Natur gibt euch 40 Wochen Zeit und einen feschen Hormoncocktail dazu, der euch das Lernen solcher Werte und Wichtigkeiten leichter macht als in den meisten anderen Lebenssituationen.

Das wäre für mich emotional der richtige Zeitpunkt und ich denke, den habe ich ziemlich gut erwischt. Das Gute an diesem Zeitpunkt ist aber, dass selbst wenn man ihn verpasst, fast alle Eltern zustimmen werden: genau an diesen Aufgaben wächst man auch, wenn es soweit ist.

Also. Es gibt ihn nicht, den richtigen Zeitpunkt für ein Kind. Aber ein paar schlechtere und ein paar bessere. Der schwierige Part ist, diese Zeitpunkte zu erkennen und zu unterscheiden.

Alles Liebe für alle Mamis, Papis und Baldeltern. Der Artikel hier ist vor allem für die, die noch nachdenken. Und ich finde man sollte sehen, worauf man sich da einlässt und nicht nur in der romantisierten Vorstellung von Kuscheln mit dem Baby im pastelligen Partnerlook schwelgen. Social Media und so.

Also. Drückt eure Kinder, falls vorhanden. Küsst sie. Sie sind ein Wunder. Auch, weil ihr sie trotz dem hier habt. Trotz dem. Sie sind ein großartiges Trotzdem und sogar mit Merle noch im Bauch, weiß ich jetzt schon, dass sie einer der stärksten Antriebsfedern überhaupt sein können. Nutzt das. Sie sind es wert und ihr seid es auch. Ihr seid auch jemandes Kinder.

Ganz viel Liebe!

Wir lesen uns wieder mit meiner persönlichen Geschichte dazu, warum für uns der richtige Zeitpunkt für ein Kind ausgerechnet jetzt war.

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76 Kommentare

  1. Hallo Heike!

    Ich mag das total gerne, wie offen und ehrlich Du über Deine Schwangerschaft schreibst. Mir gefällt, dass Du eben NICHT diese Regenbogen-Sterne-pastell-gutschigutschiguu-Einstellung hast und selbst ich als jemand, der keine Kinder will, fühle mich hier bestens aufgehoben. Danke, dass Du auch mal andere Seiten aufzeigst (und dabei auch sehr neutral bleibst!). Wenn ich von meinem nicht-vorhandenen Kinderwunsch erzähle, habe ich nämlich häufiger das Gefühl, dass viele der Gegenargumente unter den Teppich gekehrt oder als nichtig angesehen werden, weil ich als Frau ja Kinder toll finden „muss“ und Kinder pure Glückseligkeit bedeuten. Nee nee. Nicht bei mir. Was gut für jemand anderen ist, muss noch lange nicht gut für mich sein. Und doch kann ich mich mit anderen freuen, wenn der Kinderwunsch in Erfüllung geht =)

    Ich wünsche Dir noch eine wunderbare Rest-Schwangerschaft und später eine schöne Kennenlernzeit!

    LG, Penny

    1. Danke schön! 😀 Ich habe sehr viele Freunde und bekannte, die aus verschiedenen Gründen kinderlos sind – sowohl freiwillig, als auch unfreiwillig. Von daher kann ich dich völlig verstehen. Zumal noch mal mehr, weil ich selbst auch nicht der Typ Mensch bin, für den Kinder immer das höchste Lebensziel waren, es wra eine sowohl rationale als auch emotionale Entscheidung für uns. Aber dazu im nächsten Artikel mehr. Kinderlos zu bleiben war für mich lange Zeit etwas, womit ich mich schon angefreundet hatte. Das war keine freiwillige Entscheidung, aber keine, die mir das Herz gebrochen hätte. Von daher kann ich glaube ich freiwillig kidnerlose sehr gut verstehen, ihre Denke und Emotionalität in dem Bereich ist mir gar nicht so fremd. 🙂

      Kinder und pure Glückseligkeit… Also ich denke mir auch immer noch: die meisten Kinder finde ich doof und es ist super, dass ich die nicht mit nach Hause nehmen muss. Aber das denke ich mir auch bei den meisten Hunden und fand meinen total super. Das denke ich bei vielen, vielen Menschen und liebe meinen Mann und meine Freunde trotzdem.
      Also eigentlich muss man ja nur einmal mit den öffentlichen verkehrsmitteln fahren und man ist kuriert vom Kindnerwusnch. Akkustische Verhütung nenne ich das… 😉 Uneigentlich hab ich ja auch das gleiche Vögelchen zwischen den Ohren sitzen wie die meisten Bald-mamis: mein Kind wird natürlich super! Und ich halte dieses Vögelchen für ziemlich gesund. 🙂

      1. Hahaa! Meine nicht-hormonelle Verhütungsmethode heißt „Call the Midwife“ und ist eine großartige BBC-Serie XD

        Klar, Kinder sind kleine Menschen und keines ist wie das andere. Meine größere Nichte finde ich auch sehr toll, aber niemand kann mir garantieren, dass ich auch so eine kriege und geliehene Kinder sind auch was anderes. Deswegen bleibe ich lieber Kaninchenmama^^

        Und dass Dein Vögelchen ziemlich gesund ist, kann man sehr gut an Deinen Posts herauslesen – siehe diesem z.B. So spontan fällt mir niemand aus meinem näheren Umfeld ein, der sich die gleichen Gedanken gemacht hat (oder sie wurden mir nicht mitgeteilt), z.B. über die Geschlechtergeschichte von vor ein paar Wochen (Monaten?). Viele Dinge werden als selbstverständlich hingenommen und dann ist das schlechte Gewissen oder die Vorwürfe groß, wenn’s doch nicht so kommt. Deswegen finde ich es erfrischend, die ganze Sache aus einer nicht-überromantisierten Perspektive zu betrachten.

        1. Danke! Wie ich gerade in den meisten anderen Kommentaren sehe, ist es aber tatsächlich sehr, sehr polarisierend und führt tatsächlich zu zwei fast konträren Standpunkten: Dem des nüchternen Betrachtens, Abwägens und dann häufig auch gegen Kinder entscheidens (in meinem Fall wie man sieht trotz Abwägen nicht) und dem, was ich als Kopf in den Sand stecken empfinde, vertreter dieser Strategie aber denke ich mehr als „gesunde Ignoranz“ und „sic nicht verrücktmachen“ empfinden oder titulieren würden.
          Ich bin noch gesapnnt, wohin die Diskussion führt. Ich hatte bisher nicht gedacht, dass so viele sich für „Ach komme, das wird schon irgendwie, der Geldaspekt ist hier absolut überbewertet“ aussprechen würden.
          Da würde mich ja dann eigentlich immer der wirklich harte finanzielle Hintergrund interessieren, also ob es tatsächlich so gut möglich ist oder oder. Aber das geht natürlich nicht.
          LG

  2. Super schöner Artikel, ich freu mich schon auf Teil2.
    Wir haben damals nicht ganz so viel nachgedacht, mehr so wird schon – uns geht es ziemlich gut. Finanziell stimmte es. Mehr so das klassische Modell. Elternzeit auch für Väter war gerade erst im kommen. Aber wenn Mann eine gute Stelle hatte, wäre er schön blöd gewesen die auch nur für ein paar Monate aufzugeben – das hätte damals noch einen argen Karriereknick gegeben. Mit Zwillingen war es dann auch nicht so einfach für mich mein Berufs- und Studentenleben aufrecht zu halten (das hatte mir eine Fehlgeburt ein halbes Jahr vorher) deutlich zu verstehen gegeben. Zum Glück für uns hatten wir Oma und Opa im gleichen Haus und die andere Oma in der gleichen Stadt. Aber trotzdem hab ich bis zum Kindergartenalter (Plätze waren rar) das Hausmütterchen gegeben. Dann erst konnte ich überhaupt erst wieder 2 Stunden am Tag arbeiten gehen. Dank der kurzen Betreuung von 8-12 Uhr, der Fahrtzeiten. Auch das erste Jahr in der Grundschule, war es mit Arbeiten schlecht. Da gab es dann so Unterrichtszeiten von 8-10 oder Stunden fielen aus.
    Das muss man sich erstmal leisten können!!!
    Klar mit Zwillingen gibt es ein erhöhtes Kindergeld aber wie weit kommt man da schon mit. Es gibt halt keine größeren Geschwister von denen man was auftragen könnte. Und es kostet alles doppelt. Mein Mann sagt immer unser Porsche steht im Kinderzimmer. Kinder kosten Geld aber ich hätte sie bestimmt nicht gegen einen Porsche eingetauscht. Wir hatten sicher auch viel Glück und häufig haben meine Mama und ich wirklich im fliegenden Wechsel die Betreuung irgendwie hingekriegt aber es kostet nicht nur Nerven. Darum bitte auch alle Hilfe einfordern und annehmen die man kriegen kann. Sei es von der Familie, Freunden oder auch dem Staat – keine falsche Scheu. Manchmal muss man die Lösung etwas suchen aber es wird eine geben!

    Alles Gute Sabine

  3. Ich muss ja sagen, auch wenn mein Partner und ich bisher überhaupt keinen Kinderwunsch haben, lese ich doch so ziemlich jeden Artikel den du über das Thema verfasst sehr ausmerksam mit. Du weißt ja, falls es doch auch einmal „so passiert“, dann ist man immerhin ein bischen vorbereitet und auf dem Dampfer. Was ich aber an deinen Artikeln am allermeisten schätze, ist die Nüchternheit die du hineinlegst. Da kann das Thema noch so emotional sein (ich meine, Kinderkriegen ist schon eine Sache, die die meisten ja auf einer Gefühlsbasis trifft), du legst halt so viel Nüchternheit und Realismus in das ganze, dass sogar ich mir die Dinge durchlese. Als MBTI-Typ INTP schlägt das wahrscheinlich gerade deswegen so bei mir ein.
    Jedenfalls kann und muss ich nur zustimmen, dass gerade das Finanzielle ein großer Faktor ist, warum sich mein Mann und ich bisher so sehr dagegen entschieden haben, ein Kind zu bekommen. Nicht, dass wir da jetzt selbst zurückstecken müssen in unserem Lebensstil. Vielmehr ist es die Angst, einem Kind das Leben, das es verdient um mit den anderen „mithalten zu können“, nicht bieten zu können. Vielleicht ändert sich das ja noch, aber im Moment ist es noch ein wahrer Graus für uns an sowas zu denken.
    Auf alle Fälle freu ich mich schon auf den (die) nächsten Artikel, ich lese jederzeit ganz aufmerksam, wenn auch still, mit 🙂

    Liebe Grüße aus Bayern,
    Natascha

    1. Danke dir! 🙂 Ich habe bewusst den sachlichen Teil von meinen eigenen durchaus emotionaleren Beweggründen abgetrennt. 🙂 Finde das aber auch sehr, sehr wichtig beides zu beleuchten und mein Eindruck ist, dass je nach Persönlichkeitytypus dann entweder nur die emotionale ODER die rationale Seite gelten gelassen wird. Beide zusammenzubringen ist natürlich auch nicht grad einfach. 🙂

  4. Interessant, dass du das so aufschlüsselst! Ich finde das allerdings nicht besonders erstaunlich oder sehe das nicht als einen Systemfehler. Man arbeitet eben für den Unterhalt seiner Familie und nicht zur Selbstverwirklichung oder für die neue PlayStation. Das ist halt die Realität.
    Ich bin allerdings doch erstaunt was Kinderbetreuung je nach Stadt so kosten kann. Da müsste sich schon was tun.
    Für mich sind das allerdings nur Erfahrungen, die man von Freunden und Geschwistern mitkriegt. Ich habe aber so von außen eher den Eindruck dass die Überlastung oft weniger finanziell ist, sondern dass sich die Eltern eher von der Zeit, der persönlichen Energie und den Gedanken her zwischen Beruf und Familie aufreiben.
    Für mich ist das sicherlich einer der Gründe warum ich keine Kinder bekommen möchte neben einfach (nicht?) fehlendem Kinderwunsch. Ich frage mich häufig warum sich andere dafür entscheiden, daher bin ich auf den zweiten Teil dieses Posts gespannt.

    1. Was das Aufreiben angeht, spielt der finanzielle Aspekt sehr in den zeitlichen hinein, denn das eine kann das andere immer begrenzt kompensieren. Verschlchtert sich die finanzielle Lage, bedeutet das für die meisten Lebenssitu

      1. Da kann ich dir nur begrenzt recht geben. Sicher kann man durch weniger Arbeit Zeit gewinnen, wodurch sich das Geld reduziert. Ich habe allerdings den Eindruck, dass viele Frauen arbeiten, nicht weil sie es müssten um aktuell über die Runden zu kommen sondern dass es da eher um finanzielle Absicherung im Falle einer Trennung, im Alter, Erhalt der Selbstständigkeit, auch der Erhalt der beruflichen Qualifikationen und die Angst geht später nicht wieder in den Beruf hinein zu kommen. Deswegen sehe ich die Hauptschwierigkeit nicht bei dem Finanzen.
        Auch kann es je nach Beruf schwierig sein, zum Beispiel in einer bestimmten Situation „weg zu müssen“, weil das Kind abgeholt werden muss. Man denke sich eine Ärztin in einer OP die länger dauert, sich verzögert etc., Polizisten im Einsatz und viele andere Berufe, die einen Einsatz fordern, der mit Familie oft schwer zu vereinbaren ist.

        1. Diese Fatoren kommen alle noch oben drauf und sind hier im Artikel sehr kurz zusammengefasst mit der tatsache dass es ja dann mit der Betreuungssituation nicht weniger schwierig weiter geht. Wobei ich finde das finanzielle Absicherung bei Trennung und Altersvorsorge eben genau auch wieder finanzielle Argumente sind. Gegen Kinder. Leider. Unser System trennt Beruf und Familie und das ist etwas, was einfach nur für Männer noch irgendwie kompensierbar ist, solange das Baby sehr klein ist bzw Frau schwanger ist. Ab einem gewissen Kindesalter sind beide Partner gekniffen. Wobei Frau dann immer noch meist mehr, weil sie dann nach der Geburt und so weiter eben die Schwierigkeiten mit dem Wiedereinstieg hat und sie eben meist die in Teilzeit ist, sie ist die, die wengier vedient also wieder wird es wahrscheinlich sie sein, die auch im Zweifel in diesem Modell bleibt und eben einen Job erfüllt, indem sie das Kind von der Kita holen kann, wenn nötig. Ein Dominostein lässt den nächsten fallen und es ist sehr schwer da etwas zwischenzuschieben, um das aufzuhalten. Nicht unmöglich, aber es kann sich für viele dennoch erst mal so darstellen.
          Eine Lösungsmöglichkeit wäre es, wenn es politisch so geregelt würde, dass Mann und Frau sich die Betreuugn (nach dem Abstillen) 50/50 teilen müssen, wenn sie die vollen Zuschüsse haben wollen. Und wenn auch der Arbeutgeber in dieses system involviert ist, dass er das mittragen muss. Ansonsten würde es nicht nur Frauen benachteiligen sondern Familien dann komplett. Es ist sehr verfahren und etwas, was mich wirklich sehr zum Nachdenken bringt. Über Biologie, über Rollenverteilung, über kulturelle und gesellschafrsliche Entwicklung, Moral und Ethik. Und Macht.

  5. Auch wenn ich nicht vor habe in den nächsten 5 Jahren ein Kind zu kriegen finde ich es toll solch einen informativen und realistischen Beitrag zu lesen. Viele Personen machen sich keinen groben Lebensplan und lassen es dann darauf ankommen. Bei manchen funktioniert’s, andere verplanen und verzetteln sich total und treiben sich in den Ruin. Und das mein ich nicht nur finanziell, sondern auch in Sachen Beziehung, Erziehung uswusf. Danke für diesen Artikel!

    1. Danke und bitte gern! 🙂 Was mich bei den Recherchen und Gesprächen sehr erstaunt hat, ist eben wirklich diese Naivität mit der da viele an die Sache heran gehen. Ja, es geht hier meist nicht ums nackte Überleben aber eben doch um so viel mehr, was davor kommt.

  6. Normalerweise lese ich sehr gerne deinen Blog, aber ich konnte hier nicht zu Ende lesen. Wenn man ein Kind möchte, kostet das Geld. Punkt. Natürlich kann man nicht erwarten Zuhause zu bleiben und genausoviel Geld in der Hand zu haben wie vorher. Irgendwie ist das doch klar? Es ist doch schön, das es überhaupt so was wie Elterngeld gibt. Das gab es bei meinen ersten Kindern nicht. Oder das man einfach nach der Kinderpause in seinen alten Job zurück kann. Ich bin normalerweise auch ein „Planmensch“ aber Kinder gehören nicht dazu. Wir zählen laut unsrem Einkommen zu den „geringverdienern“ ohne irgendwelche staatlichen Hilfen. Trotzdem stehen wir mit unseren 4 Kindern nicht vor dem finanziellen Ruin, ganz im Gegenteil. Ich finde den Post viel zu negativ und bestärkt viele in ihren Ansichten, sich Kinder nicht „leisten“ zu können. Das finde ich sehr, sehr schade.

    1. Ach schade, dass du nicht zuende gelesen hast, dann hättest du gesehen, dass wir uns da denke ich einiger sind, als du nach den ersten Absätzen gedacht hast.
      Aber ich bleibe dabei: Elterngeld ist eine Farce. Ja, es ist gut, dass es überhaupt etwas gibt, aber es fördert ein unemanzipiertes Familienmodell, in dem die Frau in starke Abhängigkeit gerät plus ein hohes Risiko für Altersarmut trägt und der Mann sich damit abfinden muss, dass er weniger von seinen Kidnern haben wird, als er vielleicht hätte. Einer bezahlt emotional, einer finanziell und das ist etwas, was Paaren bewusst sein sollte.
      Ich finde diesen Artikel sehr wichtig, nicht um Paare darin zu bestärken keine Kinder zu wollen, sondern um meinen Lesern hier klarzumachen, dass Familienpolitik nichts ist, was nur in den Nachrichten an einem vorbeirauscht, sondern, was sich direkt auf das Haushaltseinkommen auswirkt und was sehr konkrete sehr harte Auswirkungen auf das Leben hat. Mir geht es um Mündigkeit. Kinder aus der Planung auszuklammern ist etwas, was sehr viele Familien tun genau WEIL das system so ungerecht ist. Weil man das Gefühl hat sonst irre zu werden, weil die Vernunft Alarm schlägt. Und das ist das bittere. Es geht um Geld. Es geht um Macht. Und Kinder sind eine emotionale Entscheidung. Wenn Entscheider diesen emotionalen Moment, der sich bei Kindern einfach nicht wegreden lässt, weiter ausspielen können und das können sie, verfestigen sie dadurch das System.

      Uff. Ich muss an der Stelle abbrechen, das wird sonst ein Roman für sich. Ich weiß, was du meinst und ich weiß, was viele meinen mit Kindern, die kein Planprojekt sein dürfen. Dann darf unsere Gesellschaft aber auch nicht so sein, dass sie eine Planung so wichtig macht, wie sie derzeit ist.

      Man kann nicht erwarten, Zuhause zu bleiben und so viel Geld zu haben wie vorher, nein, das vielleicht nicht. Aber wir reden nicht davon, dass Kinder einfach laufende Kosten verursachen. Das kommt noch dazu. Es geht darum, dass zu den zusätzlichen Kosten noch Abzüge kommen, die für alle mindestens dreistellig sind, schnell sogar viertsellig. Plus die Mehrausgaben ist die Entscheidung für ein Kind häufig finanziell gleichzusetzen mit einem Job weniger im Haushaltseinkommen dabei aber bei einem Familienmitgleid mehr. Und das ist etwas, wo ich sage: Das kann es doch nicht sein. Das soll jetzt ein Anreiz dafür sein Kinder zu bekommen? Wohl kaum. Es wudnert mich einfach absolut gar nicht, dass sich so viele dann gegen Familie entscheiden. Und das ist etwas, was mich traurig macht, denn wie du siehst haben wir uns dafür entschieden aus anderen Gründen. Gründe, die also den gegehnwert von mehreren hundert Euro (je nach Paar auch über 1000 Euro) pro Monat übersteigen müssen. Das ist der umgekehrte Scheinriese. Das ist die Latte, über die man springen muss und die immer höher wird, je näher man sie sich ansieht.

  7. Ich verlinke dazu mal folgenden Artikel der Zeit, der meiner Meinung nach das „Problem“ viel besser beschreibt: http://www.zeit.de/2017/04/familie-vereinbarkeit-beruf-gehalt-dienstleister/komplettansicht

    Das ganze ist meiner Meinung nach eine Sache der Einstellung und von Prioritäten, Erwartungen und Ansprüchen. Mir wäre persönlich nie in den Sinn gekommen vorher durchzurechnen, ob ich mir ein Kind leisten kann. Denn meiner Meinung nach geht es tatsächlich so gut wie immer irgendwie – man muss nur eben schauen, was man bereit ist zu ändern, welche „Einbußen“ man in Kauf nimmt beziehungsweise vor allem, ob man sie als Einbußen empfindet.
    Das fängt schon bei den rund 3.000 Euro an, die im Schnitt für die Erstaustattung ausgegeben wird. Im Schnitt O.O Ich komme vielleicht auf ein Sechstel davon… Braucht man wirklich Sachen für 3.000 Euro? Nein, ganz sicher nicht. Es steht aber natürlich jedem zu, diese Summe oder weit mehr auszugeben. Ich bin einfach nicht dazu bereit, die Menge an Zeit zu investieren, die nötig ist, um diese Summe zu erwirtschaften.
    Meiner Meinung nach ist es eben doch so – wer mehr Zeit hat, braucht weniger Geld. Sei es, weil man Dinge selber macht, repariert, an der Betreuung spart oder oder oder. Und was man zum Leben wirklich „braucht“, zum Glücklich-Sein, das unterscheidet sich meiner Erfahrung nach wahnsinnig stark von Mensch zu Mensch.
    Ich lebe in einem Haus Baujahr 1960 an dem vieles „mal gemacht werden müsste“ – klar kann ich jetzt 50.000 Euro Renovierungskredit aufnehmen und das alles machen lassen und noch ein neues Auto finanzieren (ich fahre eine Schrottkarre, in der ich das Seitenfenster runterkurbeln muss um auszusteigen, weil der Türgriff innen nicht funktioniert). Dann muss ich aber auch Zeit investieren, um die Rate für diese Hypothek zu erwirtschaften. Ich kann aber auch glücklich sein mit meiner alten Schrabbelkiste, meinem Haus mit den zerschrammten Parkett und der hässlichen Gartenmauer und diese Zeit für andere Dinge nutzen.
    Mich persönlich würden die investierten 50.000 Euro einfach lange nicht so glücklich machen, wie die Zeit, die ich jetzt mit meiner Tochter verbingen kann.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich persönlich kann dem Grundgedanken deines Artikels kein Stück zustimmen – ich weiß aber, dass es Leute gibt, die das können und für die ist er sicher hilfreich 🙂

    1. Ja, natürlich ist da jeder anders und nach dem, was du beschreibst sind wir da grundverschieden. Wie ich beschrieben habe geht es bei den Einbußen eben sofort ans Eingemachte und deine lebenssituation ist fpr mich ein Beispiel dafür. Es geht nicht um Urlaube, die ich mir leisten kann oder ein schickeres Auto, eine Uhr, einen größeren Fernseher. Es geht um den Wohnort. Es geht um den Standard der Wohnung unterhalb von elektrischen oder manuellen Rolläden. Und da sind wir eben genau bei dem, was für mich persönlich eine Grenze zieht, die ich so nicht akzeptabel finde: die Entscheidung für Kinder bedeutet zu großen Teilen eine Entscheidung gegen das Leben, das man sich aufbauen wollte. Das hat sicherlich viel mit der Peergroup zu tun. Genau wie du sagst macht es Sinn zu hinterfragen, was nötig ist und was nicht, da bin ich beim Thema Minimalismus voll dabei.
      Ohne das im Detail aufzurollen, aber genau die Lebenssituation, die du beschreibst, wäre für mich nicht tragbar und ja, in der hätte ich kein Kind. Und ich weiß, dass ich damit alles andere als allein stehe und das finde ich so bitter. Es hat sicherlich etwas mit mentalität zu tun, aber eben auch mit Gesellschaftsgefüge.

      1. Ja, da scheinen wir wirklich vollkommen verschieden zu ticken. Wenn es bei mir um das Leben, das ich mir aufbauen möchte, geht, dann spielt Geld tatsächlich eine winzig kleine Rolle. Aber so bin ich einfach erzogen worden. Mit einer Mutter, die einen Prokuristenjob aufgegeben hat und einem Vater, der 3 mal Beförderungen zugunsten der Familie abgelehnt hat. Mir ist Geld sowas von schnuppe… Mein Umfeld ist aber ähnlich denkend. Gerade planen Freunde ihr zweites Kind – er studiert und hat nen Nebenjob, sie arbeitet 12 Stunden die Woche.
        Und weil du oben schriebst, dass es dich interessiert: ich studiere, mit Nebenjob, den ich auch jetzt 3,5 Stunden die Woche ausübe. Ich habe nach Abzug aller Fixkosten inkl. Krankenversicherung im Monat etwa 300 bis 400 Euro über – für alles. Mit 25 stand ich finanziell viel besser da – glücklicher war ich aber nicht.
        Ich versuche mein Leben so zu gestalten, dass selbst Scheidung (die ich im übrigen schon hinter mir habe – wurde aus dem Eigenheim eben eine WG) oder Arbeitslosigkeit keinen Einfluss auf mein Wohlfühlen haben. Dann wird das Haus eben verkauft und ich ziehe in eine WG, kleine Wohnung, Hofgemeinschaft…
        Ich glaube tatsächlich, dass solche Diskussionen heute überhaupt geführt werden, liegt am gestiegenen Lebensstandard, den manche eben nur ungern einschränken oder aufgeben wollen und der anderen einfach ziemlich egal ist.

        1. Danke für deine Antwort und auch für die Einblicke in deine persönliche Situation. 🙂 Wie du schon sagst ja, da sind wir völlig anders, das wäre z.B. etwas, was mich nicht glücklich machen würde, ich denke, da muss ich so hart zu mir selbst sein: Da bin ich zu materialistisch bei all der Kritik, die ich mir selbst zuspreche. Wobei, Momemnt, abzüglich aller Fixkosten, nun, so anders stehen wir dann also gar nicht da. Fixkosten sind für mich Miete, Strom, Gas und Versicherungen. Dann kommt eben noch Essen, Mobilität, Telefon und Co und Kleidung etc. Doch, da sind wir sehr ähnlich aufgestellt dann jetzt mit Kind und das finde ich ziemlich heftig muss ich gestehen, wenn man bedenkt, dass du noch studierst, ich nicht. Du 3,5h die Woche arbeitest, es bei mir in meiner Rechnung dann um 20h gehen wird. Ist also ein ganz schöner Sprung nach unten…
          mag mich da jetzt aber nicht zu drauf versteifen, wir werfen ja grad nur mit Rundungsbeträgen um uns.
          So oder so: wir haben unterschiedliche Umgehensweisen und Ansichten zu der situtation und das darf ja auch so sein. 🙂

          1. Also die 300 bis 400 Euro habe ich für Kleidung, Essen, Hobby, Benzin, etc. für mich und meine Tochter. Dass wir da ähnlich aufgestellt sind mag daran liegen, dass meine Fixkosten einfach niedriger sind als deine, denn ich habe da einfach niedrige Ansprüche.
            Für mich ist Geld etwas, das abhängig macht oder machen kann und das macht mir persönlich Angst. Wenn ich auf Grund meines Lebensstandards gezwungen sein muss, einen Job zu machen, den ich nicht mag oder mehr zu arbeiten als ich will oder bei einem Partner zu bleiben, der mich nicht glücklich macht. Ich versuche daher ganz bewusst, meine Zufriedenheit loszukoppeln von der Notwendigkeit eine bestimmte Summe Geld zur Verfügung zu haben. Als ich nach Ausbildungsende plötzlich 1.000 Euro mehr hatte im Monat, fand ich das nicht unbedingt positiv. Es hat in mir vielmehr dazu geführt zu schauen, wie ich mein Leben so gestalten kann, dass ich flexibel bleibe. Nur deshalb kann ich jetzt trotz Studium und Scheidung noch ein Haus haben. Und das macht mich unheimlich glücklich und ruhig. Es gibt mir so viel Freiheit und das Gefühl, dass in meiner Zukunft kaum etwas passieren kann, was mich umwirft.

          2. Die Einstellung finde ich ziemlich super und ich finde das zeugt von total viel Überlegung, Weitsicht und Reife, dass du dich nach der Ausbildung schon für diesen Weg entschieden hast. Richtig schwer wird es ja meist, wenn man einmal den anderen, üblicheren Weg beschritten hat und versucht dann wieder zurückzurudern. Das ist gar nicht so einfach…

  8. Ah der angekündigte Finanz-Blogpost! Wir haben ja per Email schon öfters am Rande darüber geredet und ich oute mich mal als diese völlig naive Frau mit Kinderwunsch, die sich kaum über die finanziellen Folgen bisher informiert hat. Eigentlich komisch, weil ich auch ein Planmensch bin bzw. gerne weiß was mich erwartet, aber bei finanziellem fehlt mir einfach das Interesse. Und was bringt es mir jetzt zu wissen, dass ich vllt in einem Jahr (oder später wenn das so weiter geht) weniger Geld habe? Ist ja nichts neues und total logisch. Vllt kümmert es mich nicht groß, weil ich sowieso niemand bin, der viel Geld für Luxus ausgibt. Wir fahren nie auf Urlaub, ich kaufe Klamotten nur wenn es sein muss, Schmuck-Sammler bin ich auch nicht. Auf Kino kann ich verzichten, fort-gehen und Geld rausschmeißen in Bars oder Restaurants machen wir auch nie… Den einzigen Luxus den ich mir gönne sind E-Books, vllt meine Ernährung und die restlichen Haus/Garten-Ausbauten. Aber hier kann ich auch gut mit unertigem Leben (wir haben seit 3 Jahren keinen Belag auf der Terasse, nur den gegossenen, unebenen Betonboden, stört uns nicht – wir haben auch noch keine Balkongeländer [wobei das mit Kind dann bald mal fällig wird]).
    Vllt ist mein Hintergedanke, dass das soziale Netzwerk in Österreich besser ist – wird immer behauptet. Ich habe es noch nicht nachgerechnet und interessiert mich auch nicht so genau, dass ich es jetzt tun würde 😀
    Wer sich ein Kind wünscht und noch nie auf den Gedanken gekommen ist, dass es nicht nur Spaß und eine Herzenssache ist, sondern auch mit Lebensänderung und Entbehrungen zusammen hängt, dem tut diese Dosis Realität sicher gut.
    Ich geh die Sache entspannt und nicht verkitscht mit Rosa-Brille an, trotz Desinteresse zwecks finanzieller Lage. Bin auch sehr losgelöst und kann mir ein Leben ohne Kinder vorstellen, sollte es nicht klappen. Kinder sind nicht meine einzige Lebensfreude – sollten sie eigentlich eh nie sein oder? Sie sind ein eigenes kleines Lebewesen, mit eigenen Gedanken und Wünsche, die über kurz oder lang von unseren Erwartungen und Gedanken abweichen. Loslassen können ist für manche Mütter echt schwierig.
    Irgendwie komme ich vom Thema ab 😀
    Fazit: ich = naiv und stört mich nicht 😉
    Bin auf den 2. Blogpost gespannt!

    1. Da hab ich mir grad einen abgerungen, die richtigen Worte zu finden für meinen Kommentar und du drückst es einfach so viel besser aus…
      Ich bin genauso auch „naiv und stört mich nicht“ (was das angeht)
      Und siehe da: es geht (immerhin schon fast 6 Monate lang), es geht sogar sehr gut!

    2. Ich hoffe, du liest mich jetzt genauso feundschaftlich wie immer, wenn ich sage: Wenn du es dir leisten kannst, nicht über die foinanzielle Lage mit Kind nachzudenken, dann ist das ein gutes Indiz dafür, dass es dir finanziell gut geht. 🙂 Oder dass du SEHR naiv bist und das schließe ich bei dir ehrlich aus. 😀 Du hast Puffer und das ist super. Du bist sehr nah am Ideal mit eigenem Haus, großem Garten etc.
      Ich bin immer ein bisschen erschrocken, wenn ich merke WIE groß das Desinteresse an Finanzen ist. Ja, es ist ein dröges Thema. Aber es sind Zeit, Geld und Gesundheit, die bestimmen, wie wir unser Leben leben können.
      Dass Geld in diesem Artikel so eine große Rolle spielt hat einfach viel damit zu tun, dass die Statistiken einfach so super eidneutig sind: Wer sich damit hier nicht befasst läuft sehenden AUues (bzw. eben auch gerade nicht sehend, weil der Kopf im Sand steckt) besonders als Frau in Altersarmut und Abhängigkeit. Dieses Modell, was wir hier haben ist ein Grund weshalb Frauen schlechtere Jobs haben, so ein hohes Armutsrisiko haben.
      Mich hat die Recherche traurig und wütend gemacht, zumal ich genau das gesehen habe, was sich jetzt hier auch schon in den Kommentaren darstellt: Wer sich ehrlich Kidner wünscht, der tut seinem Seelenheil Gutes, indem er diese Fakten ignoriert und einfach hofft, dass es schon gut geht und man sich mit wengier auch irgendwie arrangieren kann. Dass es dann doch die anderen sind, bei denen es zur Scheidung kommt und man sich dann ganz schön umschaut, weil man (also Frau) so einen schlechtverdienenden Job hat. Und Mann bemerkt, dass er in dem Modell poraktisch keine Chance hat das sorgerecht zugesprochen zu bekommen. Beide verlieren in unterschiedlichen Bereichen. Und bei über 30% Scheidungsrate ist das einfach rasant risikobehaftet. In keinem anderen Lebensbereich wäre man bereit so ein hohes existenzielles Risiko zu tragen, aber bei der Familie ist die Emotionalität so mächtig, dass es doch so viele tun. Ich bleibe bei dem Spruch aus „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ : „Lieber heute einmal unromantisch als später arm.“
      Und jetzt wäre ich gespannt darauf, dass du zu meinem MBTI-Typen sagen würdest, jetzt da ich ja sehr eindeutig Position beziehe für: „Jo, hochemotionales Thema, aber bitte bitte Fakten zuerst!“ 🙂 Wenn ich etwas einmal weiß, kann ich es nicht mehr ignorieren. Es gibt ja dieses Recht auf Nichtwissen, weil es sich damit oft im Moment einfacher leben lässt. Und einige farhen damit ja dann auch gut, weil der Worst Case nicht eintrifft. Aber. Aber eben. Hohes Risiko für etwas, was nicht darüber entscheidet, ob ich Urlaub machen kann, sondern darüber, ob ich Nudeln oder frisches Gemüse kaufen kann.

      1. Keine Panik, ich seh die Diskussion sehr locker und freundschaftlich 🙂 Ist sehr klug und nicht schlimm, wenn man sich vorher genau Gedanken darüber macht. Und ja vllt liegt es an unserer Situation mit schon fertigem Haus und Durchschnittsverdiener. Aber der Gedanken „geht sich immer irgendwie aus“ ist doch irgendwie sehr stark. Meine Mama hat drei Kinder alleine groß gezogen nach der Scheidung, mit nur Halbtagsjob. War sicher hart und mit vielen Entbehrungen, aber uns fehlte nie etwas und ich hab keine hohen Ansprüche was Geld oder Eigentum angeht. Bin es gewohnt nicht viel zu haben durch meine Kindheit. Überhaupt ist mir Geld sehr egal. Solange am Ende des Monats keine rote Zahl da steht ist es perfekt. Bin auch sehr unmateriell 😀
        Oh zwecks MBTI hab ich mir natürlich Gedanken gemacht (hehe wäre untypisch für mich wenn nicht). Eigentlich sehr klassisch. Du mit High Ni siehst all die tausend Nebeneffekte (versteckte Verknüpfungen) was eine Schwangerschaft mit sich bringt. Welche Folgen das für später hat. Wie das geringere Kindergeld einen hier und dort einschränkt oder welche Auswirkungen das haben könnte für den Lebensstil. Da ist Ni sehr gut darin! (Materialfehler ist auch deshalb so ein Genie was globale Auswirkungen anbelangt. Ni in seinem Element!). Ich mit High Si und Ne in inferior Stellung stehe der Zukunft sehr skeptisch gegenüber. Ist zu unbekannt, wage und zu weit in der Zukunft, als dass ich es richtig greifen oder mir vorstellen kann. Krieg immer die Krise wenn mein Mann (der Ni an 3. Stelle hat) über zukünftige Geschehnisse sofort etwas besprechen und planen will. Da krieg ich immer die Krise!!!
        MBTI-Typen mit inferior Ne werden nicht umsonst als naiv bezeichnet 😀 Wir sind Intuitive-Idioten ganz lieb formuliert (hey ich darf mich selbst so bezeichnet 😉 ), da wir uns vieles nicht vorstellen oder etwas durchschauen können.
        Fazit: ich finds klug sich darüber Gedanken zu machen, ist aber nicht meine Welt oder Bedürfnis.

        1. Danke für die MBTI-Aufdröselung, das passt sehr sehr gut auch zu anderen Kommentatoren hier und nimmt mir ein bisschen den selbstgemachten Druck, iohnen jetzt unbedignt ganz dringend erklären zu müssen, wie wichtig es doch ist, was ich zu vermitteln versuche.
          Andere Persönlichkeiten, anderen Herangehensweisen. Andere Stärken, anderen Schwächen. Ob mich meine Stärke hier nämlich glücklicher macht, sei mal dahingestellt. 😉
          Ich glaube meine Mama ist der stärkste Ni-Nutzer, den ich kenne. Da muss ich direkt mal gucken auf welche Persönlichkeitstypen das zutrifft. Sie war am Wochenende hier und ihre ARt mit solchen Themen umzugehen stellt meine noch mald ermaßen in den Schatten, dass ich danach fast sowas wie einen Kater habe. 😀 Das ist immer richtig richtig krass… Es sind ihre WOrte, die ich im letzten Abschnitt als Gegenargumente, als Zitate eingerückt habe. Sie macht mich imemr völlig fertig in ihrer „Die Welt ist schlecht!“-Mentalität, auch wenn ich gut sehe, dass sie einfach Recht hat. Nur kann ich keine Aktion daraus ziehen, wenn man mich so mit der Schlechtigkeit der Welt abbügelt.
          Jaja… die Eltern. 🙂 Was Merle da dann wohl mal sagen wird…? 😀

          P.S.: Grad mal gaaanz grob rumgescrollt. Meine Mama könnte ein INTJ sein. Zumindest nah dran. 🙂

  9. Ich bin jetzt mal vor allem gespannt auf Teil 2.
    Ich kann glaube ich in vielen Punkten meiner Vorrednerin „windgetrieben“ zustimmen, bin ich doch immer (und immer noch) der Meinung gewesen „es geht schon irgendwie“. Vielleicht bin ich da tatsächlich ein Bisschen naiv (auch wenn dieses Wort immer so negativ mitschwingt), finde es aber in manchen Dingen total befreiend, naiv zu sein (ich zerdenke schon genug andere Themen)… Und so nach fast 6 Monaten mit Kind hab ich (bis auf meine Zeit) keine wirklichen Einbußen machen müssen. Ich bin aber auch noch am studieren und habe mit Kind tatsächlich in den ersten 12 Monaten mehr Geld zur Verfügung als vorher. Und mein Mann ist Vollverdiener. 2 Monate Elternzeit gönnt er sich aber auch und auch das ist finanziell möglich. Mehr zu haben wäre natürlich schön, aber trotzdem müssen wir auf nichts Essentielles verzichten (wir kaufen auch immer noch Bio und fahren in den Urlaub). Da bin ich aus meiner Herkunftsfamilie mehr sparen und jeden Pfennig umdrehen gewohnt.
    Ich bin aber gleichzeitig auch froh, dass ich mir all diese Gedanken nie gemacht habe. Denn das hätte mich (neben der Größe der Aufgabe, die mir schon genug Respekt eingeflößt hat) glaube ich komplett abgeschreckt. (Deshalb bin ich umso gespannter auf Teil 2 dieses Artikels!)
    „Den perfekten Zeitpunkt gibt es nie.“ Da kann ich dir voll und ganz zustimmen. Mein selbstgewählter Zeitpunkt wäre auch ein anderer gewesen (ich hätte schon gern erst noch fertig studiert), aber dann war ich plötzlich schwanger und dann mussten wir unser Leben halt ein wenig umplanen. Und ehrlich gesagt bin ich irgendwie auch froh, dass mir die Entscheidung quasi abgenommen wurde, bin ich doch ein eher wenig entscheidungsfreudiger Mensch…
    Wo ich dir mit aller Entschiedenheit zustimmen will ist, dass es zwar schon ganz schön ist, dass es Unterstützung vom Staat gibt, da aber durchaus mehr drin wäre. Vor allem, wenn der Staat sich zum Ziel setzt, Paare dazu ermutigen zu wollen, mehr Kinder zu bekommen…
    Finde es aber trotzdem ich dem Grundgedanken deines Artikels nicht zu 100% zustimmen kann spannend und informativ, was du da alles zusammengetragen hast!
    Liebe Grüße
    Annie (und ein schlafender J in der Babytrage <3 )

    1. Ahhh, ich mag die Diskussion gerade, die sich daraus ergibt. 🙂 Es ist sicherlich ganz viel Mentalitätssache, aber ich finde es irgendwie bezeichnend, dass gerade in dem bereich, der so unglaublich wichtig ist, der über mein ganzes Leben entscheidet noch dazu über ein weiteres Leben, dass da das Ausblenden von Hindernissen so eine gängie Methode ist. Und ich stelle mal die steile These auf: Weil man sich sonst eben irre macht. Weil die Infos, die man bekommt abschreckend sind. Es ist das Phänomen, das sich quer durch die Politik zieht und vond er ich mich auch nicht freimachen kann: es ist eienrseits so komplex, andererseits so trocken und noch dazu, wenn man es dann durchschaut hat so schreiend ungerecht, dass es für mein Seelenheil im Moment des Geschehens häufig besser ist, die Themen einfach zu ignorieren und abzuwarten, ob sie tatsächlich an der Tür klopfen werden. Auch eben bei hohen Risiken was Scheideungsquote und so weiter angeht. Die Thematik ist hochemotional und dadurch besodners anfällig dafür, dass man Schattenseiten ausblendet. Ich selbst lebe in so einer Abhängigkeit, ich bin ebenfalls die deutlich gerignerverdiende Person. Wir bekommen trotzdem ein Kind. Weil auch wir das nicht nur mit dem Taschenrechner entscheiden haben. Aber zumindest haben wir den Scheideungfall und das Alter vorher abgesichert, auch für mich. Da bin ich, wie eben schon an anderer Stelle erwähnt, lieber einmal unromantisch als später arm. Auch ich glaube nicht, dass uns dieser Fall ereilen wird, aber ich kann es nicht wissen.
      Ach ja…
      Ja, der zweite Teil wird spannend, ich bin neugierig auf die Reaktionen darauf.
      Interessant finde ich aktuell, dass meine kommentierenden Leser bisher sich sehr sehr stark von meinen Menschen um mich herum unterscheiden, mit denen ich mich ja viel vor dem Artikel ausgetauscht habe. Um mich herum überwiegt genau dieses Ausrechnen und Abwägen, das vorher klar sehen wollen. Ich hatte nicht erwartet, dass ich hauptsächlich Kommentare vorfinden würde, die die andere Seite vertreten. Aber ioch bin wie gesagt wirklich gespannt, wohin die Diskussion führt. Die Diskussion als solche halte ich für total gut. 🙂

      1. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt gut ausgedrückt kriege, ich versuch einfach mal meine Gedanken zu formulieren, die mir beim Lesen der Kommentare und deiner Antworten so kamen:
        Ich störe mich ein Bisschen an manchen Formulierungen, wie „Kopf in den Sand stecken“, „Ausblenden von Hindernissen“ und ja auch schon die Bezeichnung „naiv“ im Blogeintrag. Denn es ist das Eine, sich intensiv mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen und da ganz viele Hindernisse zu sehen. Aber nur, weil man sich damit nicht intensiv auseinandersetzt heißt das doch nicht gleich, dass man die Augen vor der Realität verschließt.
        Ich würde es eher so formulieren: Ich habe was das Thema angeht einfach vielleicht ein anderes Sicherheitsbedürfnis. Oder nennen wir es Zutrauen in die Zukunft, Zutrauen in meine Fähigkeiten, Optimismus, Lebensmut oder Risikobereitschaft. Vielleicht ist es aber auch einfach die Erfahrung, dass es bei den eigenen Eltern, bei Freunden mit ähnlichem Einkommen auch klappt, ohne dass die Lebensqualität immense Einbußen nimmt, die mir persönlich das Bedürfnis nimmt, meinen konkreten Fall auf Cent und Euro durchzurechnen. Und eins hat mich das Leben gelehrt: Es lässt sich nie zu 100% alles planen. Und deshalb entscheide ich mich bewusst dagegen, mich zu detailliert mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
        Außerdem ist es ja auch sehr individuell, wie viel ein Kind tatsächlich kostet. Bei den 3000€ für die Erstausstattung hab ich auch erstmal groß geschaut. Ich glaub das ist am Ende wie beim Heiraten. Man kann für 500€ heiraten, man kann aber auch locker eine fünfstellige Summe aufbringen. Und trotzdem sagt dieser Betrag nichts über die Qualität der Ehe aus. Und so sehe ich es auch mit Kindern. Ich kann sehr viel Geld in ein Kind stecken, ein Kind kommt aber auch mit sehr viel weniger aus und das sagt am Ende nichts über die Qualität der Erziehung bzw. der Kindheit aus. Und vielleicht habe ich da einfach nicht so hohe Ansprüche an mich.
        Ach, nicht so einfach das in Worte zu fassen… (vor allem wenn das Kind im Hintergrund am Brabbeln ist…)
        Und eigentlich will ich nur sagen, dass es nicht nur zwei Positionen gibt, die „Informierte“ und die „Naive“, sondern vielleicht noch eine Dritte…
        Ist das so verständlich? (Ich kann mich leider nicht immer so gut schriftlich ausdrücken…)

        1. Das hast du gut formuliert, finde ich. Ich bin zwar auch jemand, der gerne den Ist-Zustand kennt (Peter Zwegat bräuchte sein Flipchart gar nicht auspacken, ich hab ne Exceltabelle) und auch Varianten für die nahe Zukunft (bei mir: bis Ende des Studiums, ebenfalls Exceltabelle mit verschiedenen Varianten als ganz grobe Orientierung), aber alles, was ein Jahr überschreitet fällt bei mir unter: kann ich eh nicht abschätzen, wird schon.
          Ich habe Ausbildung, Arbeitserfahrung, Bachelor- und bald Masterabschluss. Ich werde schon irgendwie einen oder mehrere Jobs finden, die mich und mein Kind versorgen. Die Erfahrung lehrt mich sowieso, dass Pläne gerne nicht hinhauen, Lebenssituationen sich ändern. Ich bin nicht naiv – ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Lebensversicherung und eine Übersicht meiner aktuellen Situation. Ich persönlich empfinde es eher als naiv, zu rechnen – wer weiß denn, ob das so hinhaut in der Realität? Ich gucke lieber flexibel in die Zukunft. Nicht umsonst hat mich der 75-jährige Papa einer Kindheitsfreundin als (Über)Lebneskünstlerin bezeichnet.

        2. Auf jeden Fall ist das so verständlich. 🙂 Das mit dem Sicherheitsbedürfnis ist deneke ich eing roßer Knackpunkt, und der in Kombination, mit den eigenen Erfahrungen, die man gemacht hat. da stecke ich wohl auch einfach sehr in meiner eigenen Haut, ich habe zu vieleeziehungen scheitern sehen und Geld war ein Riesenthema dann, eigentlich immer. Geld und Umgang mit Kindern wurde immer(!) als Druckmittel eignesetzt und das fand ich so furchtbar zumal es hätte anders sein können, wenn mans ich nur vorher darüber Gedanken gemacht hätte…
          Ich empfinde das deshab nach wie vor als naiv und Kopf in den Sand stecken, auch wenn das vielen zu negativ ist. Ich empfinde es auch als negativ, das war also keine Fehlformulierung von mir, sondern ehrlich so gemeint. Klar gibt es zwischen super vielen Infos und totalem Ablehnen der solchen eine Menge Graustufen, Gott sei Dank! Wenn ich hier etwas blogge, gehe ich aber eigentlich immer tiefer ins Detail, als ich es zum Beispiel nur für mich tun würde, weil ich da einen Anspruch auf zumindest einigermaßen erfüllte Vollständigkeit habe, weil ich eben weiß, dass sich vieile die Infos hier von mir holen. Und da mag ich dann die Karten aiuf den Tisch legen.
          Ich versuche heute den Artikel zur persönlichen Entscheidung fertig zu bekommen, einfach weil ich grad die ganze Zeit in den Kommentaren darauf auch schon eingehen mag. Ich habe das bewusst gesplittet, weil es so dermaßen komplex ist. Allein nach dem Artikel hier könnte man ja meinen, wir hätten kein Kind haben wollen, was aber absolut nicht so ist. Also. Ich husche mal weiter durch die Kommentare und schreibe dann weiter. 🙂

          1. Ich klinke mich hier kurz mal mit ein: Ich bin selbst ein Scheidungskind und habe einen großen Teil des Scheidungskriegs (ja, muss man so nennen) abbekommen. Letztendlich hat es mich an den Punkt gebracht, an dem ich sage, dass ich nur jemanden heiraten würde, bei dem ich mir sehr sicher bin, dass eine Scheidung friedlicher laufen würde, als bei meinen leiblichen Eltern. Besonders, wenn Kinder involviert sind.
            Natürlich kann man das nicht immer und generell vorher absehen, aber es ist für mich ein wichtiger Punkt.

            Im Übrigen finde ich es schön, dass die Unterhaltungen in den Kommentaren in Bezug auf die Personen so schön durchmischt sind 🙂

  10. Liebe Heike, ich bin voll auf Deiner Seite. Ich bin auch kinderlos, weil Scheidungskind, jahrelang Kind einer Alleinerziehenden, dann wurde ich Teil einer neuen Familie. Ein Verdiener, mehrere Kinder, kein Kapital, keine Verwandtschaft, immer knappe Kasse, unmögliche Vermieter, eine sehr, sehr, sehr erschöpfte Mutter. DAS schaut man sich genau an. Meiner Erfahrung nach haben oft genau die Leute tatsächlich noch genug im Geldbeutel, die Deine Ausführungen nicht so ganz nachvollziehen können. Und es hat sich seit den 80er Jahren (siehe oben verlinkter Zeit-Artikel), ja auch politisch für die Frauen einiges zum Schlechteren gewendet, Thema Scheidungsrecht, Rente… Ich finde, alle Menschen und Menschenkinder haben Anspruch auf ein gutes Leben, ordentliches Wohnen, solide Kleidung, gutes Essen. Über den ganzen Schnickschnack, den man heute noch so konsumiert, kann man ja streiten, den brauche ich auch nicht. Und tatsächlich möchte man ja auch Anteil nehmen am gesellschaftlichen Leben, sich da und dort ein Buch kaufen, ins Kino oder mal Essen gehen. Dass es sehr viele Menschen gibt, die sich die einfachsten Dinge nicht leisten können, die sich nicht unbedingt zu Aldi knechten wollen und damit ein völlig krankes System unterstützen, usw. das ist einfach ungerecht und insgesamt nicht besonders gut ausgedacht für ein so wohlhabendes Land, wie wir es hier haben. Ich könnte jetzt auch stundenlang weiterschreiben, wollte Dir aber gerne Verständnis signalisieren. Alles Gute für Euch, die Mitleserin

    1. Ich danke dir! 🙂 Hab gerade meinen Kommentareditor aufgemacht und war gespannt nach den Kommentaren gestern, was wohl heute kommen könnte. Die Meinungen gehen ja sehr auseinander. :)Tat grad gut deinen Kommentar als erstes zu lesen, natürlich fühle auch ich mich wohl, wenn ich Zuspruch erhalte, auch wenn ich es wie gesagt sehr spannend fidne zu sehen, wie sich die Diskussion hier entwickelt und dass da offensichtich viele einen ganz anderen Umgag mit dem Thema haben,d er sich für sie sehr viel richtiger anfühlt als meine Ansichten 🙂

  11. Puh, ich weiß nicht so ganz, wie ich den Artikel finden soll.
    Die Entscheidung für Kinder ist für mich eine rein emotionale Entscheidung.
    Es spricht rational viel gegen Kinder (Bis hin zum ethischen „braucht die Welt noch mehr Menschen“.).
    Klar, wenn man ein Kind plant, sollte man mit den o.g. Themen in Berührung gekommen sein. Und ich muss widersprechen: In meinem Umfeld haben sich alle damit auseinandergesetzt und keiner war „naiv“. Mag am Umfeld liegen, alles Studenten aber selbst die ungeplant schwanger gewordenen hatten die Themen auf dem Schirm. Aber ich mag auch das Wort naiv nicht, es ist mir zu negativ belegt. „Frei von“finde ich passender. Aber ich warte mal lieber noch Teil 2 ab.

    .

    1. Ich finde naiv hier sehr passend, eben auch weil es negativ belegt ist. Das hat leider oft sehr viel mit Kopf in den Sand stecken zu tun. In meinem Umfeld ist es wohl ähnlich wie in deinem, da wurde und wird viel über das Thema nachgedacht und viel abgewogen.
      Ich würde das Thema Kinder tatsächlich auch am liebsten rein emotional betrachten, ich weiß aber, dass das einfach nicht geht. Denn ich würde nicht weniger emotional (und dann leider wohl verzeweifelt und ängstlich und traurig und wütend, also volle breitseite an Negativität), wenn ich rein emotional entschieden hätte/würde und dann sehen würde was das in aller Konsequenz für mein Leben bedeutet dass nun mal eine finanzielle Basis braucht. Mi geht es da wie gesagt nicht um Urlaube oder AUto oder immer das neueste Smartphone etc. Mir geht es um Teilhabe an Dingen, die ich für selbstverständlich erachten möchte in meinem Leben, und die es dann nicht mehr wären: Wahlfreiheit beim Essen, ab und an mal einen Kaffee trinken gehen, nicht verzweifeln, wenn die Waschmaschine kaputt geht, Freunde besuchen fahren können, einen Sportverein besuchen können, nicht nur das billigste kaufen können bei alltäglichen Konsumgütern, sondern mit wählen können, ob ich nicht doch lieber mal (noch nicht mal ausschließelich!) Bio und Fairtrade wähle und in einem Geschäft einkaufe, dass die Mitarbeiter nicht total ausbeutet. Sowas.

  12. Oh auf diesen Artikel habe ich schon gewartet 🙂 vielen Dank!
    Genau diese Themen gehen mir nämlich gerade durch den Kopf. Ich finde nämlich gerade die finanziellen Aspekte schwierig vorzusehen, aber möchte hier auch keine zu großen Risiken eingehen. Ich gehöre zu der Gruppe, bei der durch mein fehlendes Gehalt ordentlich was wegfällt und auch mit Elterngeld noch ein großes Defizit bleibt. Insbesondere, da ich privat versichert bin und deshalb die Versicherung nochmal vom Elterngeld abgeht. Noch schwieriger finde ich die Zeit nach dem 1. Jahr. Ich würde gerne (zumindest nach momentanen Stand ;-)), länger zuhause bleiben, da eine Kinderbetruung ja auch nicht so einfach ist und wir keine Verwandten in der Nähe haben. Da wird es dann finanziell aber wirklich eng. Da muss man sich das ganze schon genauer überlegen. Und ich bin nicht der Typ der meint, ach das findet sich dann schon wenn es soweit ist ;-).

    Viele Grüße

    1. Willkommen in meiner Welt, beziehungsweise nicht ganz, aber wir teilen uns eine große Schnittmenge. Auch wir haben keoine Großeltern in Reichweite, die uns bei der Betreuung unterstützen könnten. Nach dem Jahr Elternzeit wird es auch für uns mega eng, einfach weil wir dann durch die Betreuungskosten fast auf dem selben finanziellen Level hängen bleiben wie mit Elterngeld, bloß, dass ich dann eben wieder weniger Zeit habe, weil ich ja arbeiten muss. Da stellt man dann schon die Überlegung an, ob man überhaupt wieder arbeiten geht (ja, wegen Versicherung, Altersvorsirge und noch ein paar anderen Dingen, aber der Gedanke liegt nache).
      Mir ist völlig bewusst, dass ein Leben mit Kind/Kindern weniger planbar ist als eines ohne. Aber das mag ich vor allem darauf beziehen, dass ich ja nie weiß, was das für eine persönlichkeit sein wird, was es wann braucht, wie es sich entwickelt und so weiter. Mit Geld und Betreuungszeiten finde ich muss man sehr wohl planen können, gerade mit Kidnern noch mal mehr. Schließlich bin ich nicht mehr nur für mich allein verantwortlich.

  13. Normalerweise lese ich deinen Blog wirklich sehr gerne, aber dieser Eintrag hat mich traurig gemacht. Ich finde es ehrlich gesagt schon krass, an die Entscheidung Kind ja oder nein heranzugehen wie an die Überlegung, ob ich mir den Kauf eines Eigenheims leisten kann oder nicht. Ich bin aktuell nach mehreren Fehlgeburten mit meinem dritten Kind schwanger und seit der Geburt meines Großen vor knapp fünf Jahren zu Hause. Natürlich bedeutet das für mich als Akademikerin finanzielle Einbußen, natürlich werde ich später bei der Rente schlechter dastehen, natürlich trage ich das Risiko, falls meinem Mann etwas zustoßen sollte – aber ganz ehrlich, das Privileg, sich um Kinder kümmern zu dürfen, sie ins Leben begleiten zu dürfen, wiegt diese Risiken allemal auf. Mir fehlt in der Diskussion der Gedanke, dass Kinder einen Wert an sich darstellen, dass sie Sinn und Erfüllung ins Leben bringen, die bedeuten, dass es mir möglicherweise nicht mehr so wichtig ist, ob man ein paar 100 € weniger in der Tasche hat. Mein Mann als Normalverdiener hat deshalb auch auf 80 % reduziert, damit wir mehr Zeit als Familie verbringen können. Die Entscheidung, länger bei meinen Kindern zu Hause zu bleiben, habe ich sehr bewusst getroffen. Die Zeit mit den Kleinen ist so kostbar, und sie geht so schnell vorbei. Die Vorstellung, dass sie ihre großen und kleinen Kämpfe, Erfolge und Misserfolge, ihre Freuden und Tränen mit einer Erzieherin teilen statt mit mir, nur damit ich mehr Geld auf dem Bankkonto habe, finde ich absurd (Ich weiß, dass es Fälle gibt, in denen es nicht anders geht, ich kenne aber auch sehr viele Fälle, in denen dieses „es geht finanziell nicht“ eigentlich bedeutet als „ich will nicht verzichten“. Was ja o. k. und die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen ist, nur sollte man dann auch dazu stehen). Ich kenne in meinem durchaus kinderreichen Umfeld (Kleinstadt im Großraum Stuttgart) niemanden, der sich derartige Gedanken vor der Geburt seiner Kinder gemacht hat. Eltern werden, Eltern sein bedeutet (auch) Opfer und Einbußen. Das ist etwas, was man in unserer heutigen Gesellschaft nicht so gerne hören mag. Ich finde es schrecklich traurig, wenn Lebensstandard, Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung dazu führen, dass man sich gegen Kinder entscheidet. Was für eine Zukunft hat denn so eine Gesellschaft und was sagt das über unsere prägenden Werte?

    1. Erst mal alles alles Gute für die Schwanegrschaft! Du hast da natürlich eine große Verletzlichkeit in dem Thema, allein durch die Fehlgeburten und ich sage ganz klar: so gut ichd arin bin mich in andere hineinzuversetzen und an Verständnis mangelt es mir eigentlich nie, aber ich werde denke ich diese tiefe Dankbarkeit, die jemand empfindet, der schon Kidner verloren hat oder der sich ewig erfolglos Kinder gewünscht hat, nie so erleben, da es bei uns einfach so schnell geklappt hat. Von daher kann ich vollstens verstehen, dass wir allein durch diese Unterschiedlichkeit schon ganz anders an das Thema heran gehen, jeder lernt vor allem aus seinen Wunden und da habe ich andere im Leben davon getragen, die mich sehr geprägt haben und für mich sehr klar gemacht haben, dass ich eben eine Entscheidung für Kinder nicht rein emotional fällen will.
      Ich weiß absolut, was du meinst mit den Werten, aber eigentlich legst du exakt den Finger auf den wunden Punkt: „Was für eine Zukunft hat denn so eine Gesellschaft und was sagt das über unsere prägenden Werte?“ Es ist eine Gesellschaftsfrage und eine von Werten. Das Problem ist sowohl ein individuelles als auch ein gesellschaftliches, da unsere Gesellschaft auf der viel besungenen Mittelschicht basiert, ihr aber das Wasser abdreht hzw. sie eben vor die Wahl stellt: Willst du weiter Mittelschicht sein oder bist du einverstanden mit Abstieg zugunsten von Kindern?
      Das ist genau diese Frage, Kinder haben einen finanziellen Gegenwert in diesem System, das empfinde ich als absolutes Unding, weil – ich wiederhole mich gern – es geht nicht um 100 Euro mehr in der Tasche. Es geht um grundlegende Resourcen wie Nahrungsmittelwahl, Wohnortzwahl, Teilhabe am Leben durch Unternehmungen (mal einen Kaffeetrinken, Kino oder Museumsbesuch, ich meine jetzt nicht den Tennisclub und Party machen).
      Was istd as denn für eine Gesllschaft frage ich zurück, die vom Individuum erwartet, dass es akzeptiert, dass Kinder Verzicht bedeuten? Ich bringe gern Opfer für mein Kind in Form von natürlich habe ich weniger Zeit für meine Ego-Hobbies, weil ich mit ihm spiele, mich um es kümmere. Ich verzichte auf Abendprogramm, weil es schlafen will und ich vermutlich dann auch. Ich stelle mein eigenes Schlafbedürfnis hinter seines und wenn ich krank bin und es auch, werde ich es versorgen und es wird sich um mich nicht sorgen müssen, auch wenn ich grad vielleicht nur heulen mag.
      Ich bin aber nicht bereit das kritiklos hinzunehmen, dass unsere Gesellschaft so ausgelegt ist, dass die Jahre, die ich in meine Ausbildung gebuttert habe (die ja auch der Saat mitgetragen hat! Schulbesuch, Universitätsbesuch! In dem Sinne eine totale Milchmädchenrechnung also, wenn Frauen dann vom Arbeitsmarkt gedrängt werden) letztlich wengier Wert sind als die eines Mannes, weil ich ja doch mehr daheim bin für die Kinder. Umgekehrt eben ein Mann, der sich nichts vormachen darf, dass er mit dem Modell weniger von seinen Kindern haben wird, als er sich das vorgestellt hat.
      Ich kenne leider genug Menschen, die genau so geantwortet haben, vor Jahren, wie viele nun: Dann ist eben wengier in der Rentenkasse. Dann verwirkliche ich mich beruflich eben nicht. Dann ist es im Fall eienr Scheidung eben doof.
      Und dann kam die Scheidung und das böse Erwachen. Ein sehr böses. Ich halte es nach wie vor lieber nach der Weisheit „Lieber jetzt einmal unromantisch als später arm.“ Mein Artikel macht nicht fröhlich, das kann er auch nicht mit der Grundlage, die besteht. Aber für diese Grundlage kann ich nichts. Ich fand und finde es wichtig, dass man genau sowas auch sieht.

      1. Ich finde die Diskussion, die hier geführt wird, hoch spannend. Wenn ich es richtig verstehe, geht es dir darum, dass in einem idealen System eine Familie mit Kindern finanziell genauso gestellt wäre wie ein Paar bzw. ein Single ohne? Vielleicht bin ich einfach nicht kreativ genug, um mir vorzustellen, dass es so etwas tatsächlich geben könnte 😊 Du hast es an anderer Stelle geschrieben: So, wie das System ist, muss sich jeder einzelne von uns entscheiden. Alles zusammen geht nicht – viel Zeit mit den Kindern, Karriere, erstklassige finanzielle Ausstattung, Selbstverwirklichung… Da muss wohl jeder den Mix finden, der den eigenen Prioritäten am ehesten entspricht. Ich bin selber ein Scheidungskind und kann nur sagen, dass die Dinge, die mir im Nachhinein wirklich gefehlt haben, nicht die materiellen waren, um die ich andere vielleicht beneidet habe. Wenn es gelingt, einem Kind emotionale Stabilität und ein liebevolles Zuhause zu geben, wiegt das vieles (nicht alles) andere auf.

        Im übrigen möchte ich auch mal eine Lanze für die Elternzeit brechen: Ja, die Anträge für das Elterngeld sind wirklich ein Krampf. Ich war tatsächlich froh, als ich beim zweiten Kind nur noch den Mindestbetrag beantragen konnte. Das war mit einem Kreuz erledigt 🙂 Aber davon abgesehen bin ich seit fünf Jahren zu Hause und zahle in diesem Zeitraum keinen Cent für Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung. Weder für mich noch für meine Kinder (ich bin gesetzlich versichert). All diese Beiträge übernimmt der Staat und ich muss nicht mal ein simples Nasenspray für meine Kinder selber bezahlen. Das sind Leistungen von denen unsere Mütter nur träumen konnten. Ja, mein Beitrag zum Familieneinkommen ist nicht vorhanden – natürlich wäre es schön, wenn Erziehungsleistung finanziell mehr anerkannt würde. Andererseits: mit meiner Entscheidung, so lange zu Hause zu bleiben, bewege ich mich halt auch nicht gerade im gesellschaftlichen Mainstream, daher erwarte ich auch nicht, dass dafür Steuergelder fließen…

        Ich denke, den einen Punkt, an dem insbesondere wir als Frauen mit oder ohne Kinder wirklich aufpassen müssen (hier fasse ich mich an die eigene Nase), hast du ebenfalls in einem Kommentar treffend beschrieben: Dass wir, so schwer es uns manchmal fallen mag, versuchen, einander in unserer Unterschiedlichkeit und mit unseren unterschiedlichen Lebensentwürfen und Bewertungen stehen zu lassen und zu respektieren. Mit seinem Leben und den einmal getroffenen Entscheidungen mit all ihren Konsequenzen klarkommen muss schließlich jeder selbst…

        In diesem Sinne freue ich mich schon auf Teil zwei deines Posts 👍🏼

        1. Oh, dass ein Kind extra kostet, finde ich gar nicht weiter „schlimm“, es ist eben ein weiterer Mensch, der am Leben gehalten werden will. 😉 🙂 Aber die Einbußen die dazu kommen, die empfinde ich als ungerecht. Weniger Haushaltseinkommen in einem mehrfach zweistelligen Prozentbereich ist eine ganz schöne Ansage.
          genauso ist es eben heftig, dass es kaum eine Möglichkeit gibt von wirklicher Wahlfreiheit zu sprechen, was das Familienmodell angeht. Egal ob Frau (bleiben wir der Einfachheit halber mal bei ihr) gern Vollzeitmutter sein möchte und sich dann rechtfertigen muss, dass sie nicht ind eiRentenkasse zahlt, oder ob sie am liebsten wieder sofort arbeiten möchte und sich dann anhören darf,d ass sie sich dann ja kein Kind hätte anschaffen müssen… Da sind viele Gemeinheiten unterwegs und wenig Toleranz für Menschen, die aber eigentlich ja doch im selben Boot sitzen: sie wünschen sich Familie und möchten dabei bitte nicht verarmen und nicht ihre Identität aufgeben.

  14. Danke für den interessanten Artikel. Das ganze Thema beschäftigt mich auch schon seit einigen Jahren (werde im August 28). Schon seit einiger Zeit fühle ich mich emotional reif genug, einem Kind eine ordentliche Mutter sein zu können, aber meine Lebensumstände sind zurzeit und auch in den nächsten Jahren eher nicht dazu geeignet ein Kind in die Welt zu setzen. Ich habe aus verschiedenen Gründen erst mit 25 ein Studium begonnen und stecke dementsprechend noch mittendrin. Ich habe zwar einen Partner, aber so alt ist die Beziehung noch nicht, daß ich mir sicher bin, daß es dauerhaft hält… Da sind wir auch schon bei meinen zwei größten Befürchtungen, was das Kinderkriegen angeht: 1. alleinerziehend zu werden und 2. keinen Berufseinstieg zu finden oder sich dauerhaft aus seinem Beruf zu katapultieren. Meine Mutter war auch alleinerziehend mit zwei Kindern, mein Vater hat nie Unterhalt gezahlt, sie ist damals direkt nach dem Mutterschutz in die Arbeitslosigkeit gerutscht und musste sich dann erst mit einer Ausbildung neu qualifizieren. Das ist alles nur relativ glimpflich abgelaufen, weil viel Unterstützung von den Eltern, sprich meinen Großeltern, kam – so etwas wäre bei mir jetzt aber nicht gegeben, weil die Entfernung zu groß ist. Und zum 2. denke ich, daß ich wirklich möchte, daß all die Arbeit, die ich in meine berufliche Qualifizierung gesteckt habe und all die damit verbundenen Anstrengungen sich auch auszahlen sollen – jetzt nicht unbedingt vordergründig finanziell, sondern vor allem in einer qualitativ hochwertigen Position, und die gibt es eben meist nicht in Teilzeit… Über meine Wohnungsausstattung denke ich jetzt nicht so intensiv nach, da scheinst Du wesentlich höhere Ansprüche als ich zu haben…

    1. Bitte gerne. 🙂 Studiumsituation war bei mir ähnlich, ich habe Mitte zwanzig noch mal gewechselt und somit verzögerte sich einiges. Bei meinem Mann ähnlich. Das merkt man finde ich leider so gen 30 dann deutlich, wie Verzögerungen auflaufen, als hätte man keine Umwege nehmen dürfen. Obwohl viele Umwege soviel Sinn gemacht haben…
      Was man eben auch an Zeit und Energie in die Ausbildung gesteckt hat, kommt zu der ganzen rein finanziellen Rechnerei ja noch dazu, das habe ich hier ja nur gaaanz am Rande angerissen. Je mehr ich versucht hätte, ein vollständiges Bild abzuliefern (und das habe ich ja so auch schon etwas versucht), desto mehr Ungerechtigkeiten wären aufgefallen.
      Spannend finde ich, dass sich egal, welche Position man nun einnimmt für viele, die hier kommentieren und auch für mich in den Antworten eine Rechtfertigungssituation ergibt. Das ist in sofern bitter, als dass das recht deutlich macht, dass allen Beteiligten eigentlich klar ist, dass es keine Lösung für alle gibt, dass es ein ent-scheiden bleibt. Ein was ist mir wichtiger und kann ich es gelten lassen, wenn anderen etwas anderes wichtiger ist als mir? Weil allen klar ist: man kann nicht alles haben Nicht hier. Nicht in diesem System. Das dann bei etwas so hochemotionalem wie Kindern macht die Diskussion spannend, aber auch schon fast heikel.
      Ich musste bei den Schwangerschaftsthemen oft an etwas denken, was man mir ganz am Anfang der Schwanegrschaft mitgegeben hat: Es gibt keine größeren Kritiker als Mütter. Kinder udn Familie sind so mit die „politischsten“ Themen, die man anschneiden kann, da geht es um echte Glaubensfragen und da wird hart gekämpft. Harten Kampf sehe ich heri zum Glück nicht, ich empfinde das hier immer noch als diplomatischen runden Tisch, aber hui, ich habe mittlerweile eine gute Ahnung davon bekommen, was damit gemeint war. Und ich denke, das hat eben so viel damit zu tun, dass Elternsein eben so viel mit freiwlligen und unfreiwilligen Opfern zu tun hat.

  15. + Ich glaub das ist am Ende wie beim Heiraten. Man kann für 500€ heiraten, man kann aber auch locker eine fünfstellige Summe aufbringen. Und trotzdem sagt dieser Betrag nichts über die Qualität der Ehe aus. Und so sehe ich es auch mit Kindern. +

    Da möchte ich mich anschließen. 3000 € für Erstausstattung?! Nicht ansatzweise hat das bei uns so viel gekostet. Möglich ist es, so viel auszugeben, klar, aber nötig – nein.

    Ich denke bei diesem Theam ganz oft, meine Geschwister und ich wären wohl nicht auf der Welt, wenn meine Eltern sich so viele Gedanken um Geld gemacht hätten, wie es heute viele tun. Und dabei geht es heute vielen Menschen materiell viel besser. Sicher schadet es nicht, sich ein paar Grundgedanken zu machen – auch bei meinen Eltern war klar, dass so viel solides Einkommen da war, dass man nicht hungern musste. Ansonsten wurde halt mit dem gelebt, was da war, es gab nicht immer alles sofort, Urlaube, so vorhanden, waren bescheiden (und trotzdem toll), auf manches musste gespart werden. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass das als Mangel empfunden wurde. Und Elterngeld etc. gab es ja gar nicht. Wobei ich an dem heutigen Modell durchaus auch Kritik habe.

    1. Witzig, dass sich jetzt viele so an der Zahl aufhängen, die habe ich mir ja nicht ausgedacht, sondern eben vom Statistischen Bundesamt… ich bin da ganz bei euch, das ist viel und das muss nicht so teuer sein. Andererseits kann das aber auch ganz schnell so gehen. Allein wer einen Baybschale und einen hochwertigen Kinderwagen neu kauft als die Hälfte schon verbraten…
      Aber das ist ein anderes Thema.
      Mit dem materiell heute besser dastehen muss ich leider widersprechen. Generation Y ist die erste generation seit Ende des zweiten Weltkrieges, die signifikant weniger wohlständig ist als die generationen zuvor. Da es aber gleichzeitig die Generation ist, die wie keiner anderen versprochen wurde, dass ja alles möglich ist und sie alles haben können leigen realität und Erwartungen für sie weit auseinander.
      Meine leserschaft hier ist gesplittet in generation Y und die Vorgängergeneration Generation X und ich habe jetzt eine Runde rumrecherchiert und es macht total Sinn, dass gerade die jüngeren mir hier viel beipflichten (generation Y) und die älteren (Generation X) eher mit Unverständnis bzw. einem anderen Standpunkt reagieren. Da kommen also nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten zum Tragen mit utnerschiedlichen individuellen GEschichten sodnern auch noch dazu utnerschiedliche Generationsprägungen.
      Das war für mich heute sehr spannend diesen Zusammenhang zu finden.
      Familie als kleinster Teil der Gesellschaft stellt sich für mich immer mehr als echter Mikrokosmos heraus, je mehr Themen ich auch dazu hier bespiele. Die Unterscheide zwischen Statistik und subjektiv, individueller realität und dann trotzdem solche Trends, die sich ganz deutlich abzeichnen. Ich muss noch schauen, was ich für mich aus diesen beobachtungen mache. Fest steht, das ich einiges davon fast schon gruselig finde, anderes einfach nur rasant spannend, einfach weil ich menschliche Gefüge schon immer hochinteressant fand.

      1. Eins füge ich verspätet doch noch hinzu: Mit den materiellen Unterschieden zwischen den Generationen hast du sicher mindestens teilweise Recht. Ich glaube aber, ohne dass ich es belegen kann, dass der Standard und damit insgesamt die Ansprüche doch gestiegen sind. Allein, was an Elektronik“spielzeug“ heute als selbstverständlich gilt (auch bei Leuten mit weniger Geld). Das ist schon was anderes als ein Festnetztelefon pro Familie. 🙂 .

        Und was ich bei Jüngeren oft wahrzunehmen meine, (ob Generation Y oder eine andere weiß ich jetzt nicht), ist schon einerseits, dass ihnen viel versprochen wurde, andererseits aber auch, dass sie sich nun auch – ja, berechtigt fühlen, dies und das zu haben und alle Träume bitte Wirklichkeit werden zu sehen. Das Bewusstsein, dass man dafür erstmal die Ärmel hochkrempeln muss, war, glaube ich, in früheren Generationen stärker, und das müsste vielleicht wieder etwas gestärkt werden.

        Ich meine damit jetzt ausdrücklich nicht dich, oder alle, oder so. Ich habe aber den Eindruck, es kommt als Zug der Zeit öfter mal vor.

        1. Da gebe ich dir recht, das ist nach allem, was ich gelesen habe typisch Generation Y und jüngere, das ist es, was einhergeht mit dem Individualistsein. Es wurde ja immer versprochen, dass alles möglich ist und dass man so einzigartig ist. Was beides ja gar nicht so falsch ist, aber ohne Handlungsaufforderung eben Grütze ist. Das geht in die Richtung, die ich im WOOP-Artikel beschrieben habe: Nur Träumen, nur positiv denken bringt nichts. Viele haben nicht gelernt, dass sie aktiv werden müssen.

          Hmmm… das mit dem Bessergehen materiell gesehen ist schwierig. Klar, vergleiche ich 2015 mit 1985, dann gibt es 2015 mehr Technik im Haushalt, die für 1985 ein krasser Luxus wäre. Aber das kann man nicht vergleichen, eben durch die technische Evolution nicht. Smartphones sind kein Luxus, sie sind Basisausstattung. Das ist ja etwas, was gern sehr kontroves diskutiert wird im Sinne von: ALso so schlecht geht es denen doch nicht, die haben doch ein Smartphone!
          Ja. Aber im Kontext unserer Gesellschaft ist das kein Luxusgut, sondern eben etwas, was zur Grundausstattung gehört, so wie man 1985 vielleicht gesagt hätte: Eh komm, die haben aber doch nen Farbfernseher!
          Was arm ist und was nicht, ist ja nicht nur eine Frage des aboluten Besitzes sondern auch eine Frage der Relation. Gerade bei unserer heutigen technischen Evolution tue ich mich schwer solche Geräte da mit aufzunehmen. Ich finde, man merkt die Unterschiede eben eher an anderen Stellen: Ernährung, Wohnort, Mobilität, Jobsituation, Sicherheiten. Und gerade der letzte Punkt ist für die jüngeren generationen immer schwerer zu erreichen. Die hochgelobte Flexibilität brignt viel Gutes mit sich und man bezahlt mit sehr schlechter Planbarkeit.
          Ich finde, die Zeit heute bietet so viele Chancen wie nie, allein durch die so gut zugänglichen Informationen, aber den meisten Menschen fehlt es an Anpassungsfähgikeit, bzw. sie haben nie gelernt diese zu trainieren. Gesellschaftslich ist das ein Problem, auch wenn es für den Einzelnen eben wirklich viele Chancen bietet. Das ist sehr ambivalent und Diskussionen zu dem Thema finde ich mega spannend (führe ich oft mit meienr Mutter), kann ich aber hier fast gar nicht abbilden, weil es so komplex und vielschichtig ist.

  16. Liebe Heike,

    danke für den informativen Post inkl. der Recherche!
    Ich kann verstehen, dass jemand/du sich mental darauf einstellen möchte(st), wie es – u.a. eben auch finanziell – mit Kind im Vergleich zum „Prä-Kind-Zustand“ sein wird. Ich würde das auch machen. Mir persönlich käme allerdings nie in den Sinn, von diesen Informationen abhängig zu machen, OB ich ein Kind bekommen werde oder nicht. Die Regelungen rund ums Elterngeld finde auch ich – diplomatisch ausgedrückt – verbesserungswürdig. Aber davon möchte ich mir nicht vorschreiben lassen, mit welcher Art von Familie ich mein Leben verbringen werde.
    Für mich ist das eine Frage der Prioritätensetzung: Familie(nplanung) kommt eindeutig vor dem Geld. Mit dieser Wertvorstellung bin ich auch aufgewachsen (obwohl ich auch eher aus bescheidenen Verhältnissen in den neuen Bundesländern komme und meine Mutter am Ende alleinerziehend war). Natürlich ist es etwas anderes, wenn es beim Geld tatsächlich um die Existenz geht – aber auch wo diese Grenze zu ziehen ist, ist wohl Definitionssache.

    Ich habe noch eine Frage: Du schreibst „Unsere Lösungsstrategie geht weg von Überstunden und schwäbischer Sparsamkeit und hin zu sehr viel Eigenverantwortung, alternativen Wegen, Minimalismus und sehr viel Offenheit und Engagement“. Das sind sehr gut klingende Konzepte, die, denke ich, viele (werdende) Eltern für sich selbst unterschreiben können – was ja aber das finanzielle Problem nicht löst. Beziehungsweise: Was genau steckt für dich hinter diesen Konzepten? Vielleicht kommt aber dazu noch etwas im zweiten Teil deines Posts?

    Alles Gute euch dreien weiterhin!

    1. Ich sehe das exakt wie du. 🙂 Es erschüttert mich ein bisschen,d ass viele glauben, ich würde eine Entscheidung für Kidnern eben rein vom rechnen abhängig machen – wo doch alle wissen, dass ich ein Kind erwarte? 😉 Ich habe absichtlich gesplittet, weil das eben so ein Riesnethema ist und habe sogar den Schlussabsätze so ausgrichtet, dass klar ist,d ass das eben lange nicht alles ist, worum es bei Familienplanung/Kidnerwunsch geht. Dennoch ist es das, was hängen bleibt. Ja, ich kritisiere das system und auch hart und dazu stehe ich auch. Dennoch komme ich einfach nicht umhin mich etwas zu wundern… Der zweite Artikel muss heute fertig werden, allein schon, damit ich wieder Ruhe habe und aus der Rechtfertigungsschleife raus komme. 😀

      Zu deiner Frage bezüglich, was wir anders machen wollen: Sehr kurz zusammengefasst: Es geht viel um meine Selbstständigkeit. Dafurch werde ich in die Lage versetzt wieder bedeutend flexibler über meine Zeit zu verfügen und es ist ein Modell, dass Familie und Beruf parallel bedeutend besser möglich macht als angestelltes Arbeiten. Derzeit fahre ich da ja uzweigleisig und alleind as schon brignt eine enorme Erleichterung. Sonst hat es viel mit Kosumkritik zu tun und dem Hinterfragen, was wirklich nötig ist. Ich halte nichts davon am Essen zu sparen, aber ich liebe den Minimalismus für seinen Ansatz „I don’t want more, I want better!“ Das schafft allein schon viel Raum im Kopf, was letztlich der größte Gewinn durch Minimalismus ist, Besitztümer haben doer nicht zu haben ist bloß plakativer und leichter zu fotografieren, weswegen die meisten daran zuerst denken. 🙂

  17. Hmm… Dies ist der erste Artikel des Blogs, der mir nicht recht gefallen mag. Nicht, weil ich deine Meinung nicht verstehe, sondern weil ich das erste Mal das Gefühl habe, dass du diejenigen mit anderer Meinung nicht recht ernst nimmst. „Naiv“, „den Kopf in den Sand stecken“, das klingt recht abwertend.
    Ich finde, dass man sehr wohl genau planen sollte, nein, besser, dass einem bewusst sein sollte, was die Entscheidung für ein Kind mit sich bringt. Das bewahrt einen vor manchen Überraschungen und ist gerade bei so einem Thema, das ja wie du auch sagst sehr emotional ist sehr wichtig.
    Ich denke aber auch, dass, wenn es eine bewusste Entscheidung ist, das Geld tatsächlich eine viel kleinere Rolle spielt als wir sie ihm geben. Was braucht das Kind? Oder was denken wir, dass es braucht? Neue Kleidung oder gebrauchte? Ein riesiges Spielzimmerparadis oder einen kuscheligen kleinen Raum, müssen wir in den Urlaub fliegen oder ist es für Kinder nicht viel schöner, eine Nacht mit Mama und Papa im Zelt zu verbringen? Natürlich möchte man nicht, dass dem Kind etwas fehlt. Aber essentielle Dinge, wie Schulausstattungen und Co lassen sich schaffen, wenn man vielleicht etwas langwierig plant und nicht plötzlich überrascht ist ‚hups, das Klassenfahrtgeld soll übermorgen überwiesen werden „.
    Unsere Gesellschaft ist immer mehr materiell ausgerichtet. Aber ist es für Kinder nicht viel toller, wenn Spielbesuch da ist und die Mama sich Zeit nimmt und mit den Kindern backt als wenn das neuste elektronische Spielzeug im Kinderzimmer steht?
    Ich sehe in meinem Bekanntenkreis, dass immer mehr Angst davor geschürt wird, Kinder zu bekommen. Später, wenn ich diesen oder jenen Job habe, wir wollen dem Kleinen dann ja was bieten können…. Irgendwann bekommen nur noch diejenigen Kinder gar nicht planen? Überspitzt gesagt…
    Unsere Ansprüche sind hoch. Wie oft wird über fehlendes Geld geklagt, mit Zigarette in der Hand, gemachten Nägeln und dem nächsten Partywochenende im Blick? (aber das ist ein anderer Punkt und ich hoffe, ich schreibe mich nicht um Kopf und Kragen. Hihi)
    Und natürlich geht es auch um Verzicht wenn ich ein Kind bekommen kann. Nicht nur finanziell. Ich schenke Kraft, Liebe und Aufmerksamkeit und viele Nerven. Aber wie bei allem was man liebt ist es das wert.

  18. Liebe Heike, als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich mich auch erst gefragt, ob ich vielleicht naiv bin, weil ich mit dem Göttergatten nicht konkret ausgerechnet habe, wieviel uns am Ende bleibt, wenn das Minikind (bald 31. Woche) da ist.
    Aber nein, bin ich nicht. 🙂 Wir haben schon letztes Jahr, vor der Fehlgeburt, genau überlegt, wie wir es machen wollen und jetzt natürlich noch detaillierter. Der Mann arbeitet wissenschaftlich an der Uni. Würde er in der freien Wirtschaft arbeiten, würde er locker doppelt so viel verdienen. Will er aber nicht, das höhere Einkommen würde ihn nicht glücklich machen. Ich habe einen interessanten Job, in den ich nach der Elternzeit zurückgehen kann und wo ich viel Unterstützung vom Chef kriege. Und wenn es doch nicht klappt, finde ich mit meinem Studium auch was anderes.
    Wenn das Kind da ist, bleibt der Mann mit mir zwei Monate zu Hause und arbeitet dann Teilzeit, ich will nicht ganz ein Jahr zu Hause bleiben. Wir wohnen zu zweit, später natürlich zu dritt auf 65 qm, wir haben drei Zimmer, von denen wir das eine unbenutzte Arbeitszimmer in ein Kinderzimmer umgestalten werden in den nächsten Wochen. Das kostet uns auch nur Zeit und minimal Geld, weil wir einfach nur Möbel umstellen und gebrauchte Möbel gekauft haben für das Schlafzimmer. Ausstattung haben wir bisher komplett geschenkt oder geliehen bekommen (3000€ für Erstausstattung!! O.o). Tatsächlich kann ich sagen, dass es für uns der perfekte Zeitpunkt war für die Schwangerschaft. Letztes Jahr habe ich das Studium beendet und konnte arbeiten gehen, wir haben geheiratet (lohnt sich finanziell sehr) und nun kommt das Kind. Sollte die Beziehung scheitern, wovon ich natürlich nicht ausgehe, wird es trotzdem reichen. Wir wollen eh beide nur Teilzeit arbeiten, was nützt mir das Geld, wenn ich keine Zeit habe, es auszugeben?
    Aber ich habe schon in den letzten Artikeln gemerkt, dass du wohntechnisch ganz andere Ansprüche hast. 🙂 Ich fand das sehr interessant zu lesen, 90qm sind für mich beispielsweise geradezu Luxus, ich bin in einer 100qm Wohnung zu fünft plus zwei Katzen groß geworden und fand die Wohnung sehr, sehr groß.
    Daher finde ich für unsere Kleinfamilie unsere 65qm (praktisch und sehr funktional geschnitten, da Platte) völlig ausreichend. Die Wohngegend ist ok, weite Wege habe ich sowieso immer in Berlin. Aber ich habe auf Arbeit auch mit Menschen zu tun, die teilweise gar kein Geld haben und andere, die in Geld schwimmen. Das gibt mir eine ganz andere Perspektive auf das, was für mich wichtig ist (Gesundheit und Glück werden durch andere Faktoren als Geld bestimmt).
    Blalaber. Nun bin ich abgeschweift. Jedenfalls wollte ich anmerken, dass es für manche Menschen durchaus den richtigen Zeitpunkt für Kinder geben kann. Und ich denke, es liegt am Lebensstandard, den wir derzeit haben, so dass wir uns nicht vor Abstrichen fürchten und bei dem ich trotzdem keinerlei Sorgen habe, dass es dem Kind an etwas mangeln wird. Wenn die lieben Kleinen teuer werden, werde ich auch mehr Geld verdienen als jetzt in den nächsten anderthalb Jahren (schwere Erkrankungen des Kindes oder von uns ausgenommen, aber da weiß ich durch meine Arbeit, was ich da tun muss und welche Möglichkeiten es gibt). Ich bin gespannt auf den nächsten Artikel zu eurer persönlichen Entscheidung für Merle! Liebe Grüße, Cessi

  19. Hui, das ist interessant! Gut, wir sind schon nicht mehr in der Theorie sondern bereits in der Praxis.
    Diese ganzen Elterngeld-Formalitäten haben mich wahnsinnig gemacht. Wir sind direkt zur Elterngeldstelle und wir haben das Formular zusammen ausgefüllt, was sehr gut war. Ich behaupte mal, dass wir nicht auf den Kopf gefallen sind aber dieser Antrag ist schon total kompliziert.
    Aber auch Mutterschaftsgeld, Kindergeld, etc. Das alles zu beantragen, welches Dokument muss wann wohin? Grausig. Wir hatten das Glück, dass die Geburtsurkunde nach 3 Tagen da war und der Elterngeldbescheid direkt nach 6 Wochen da war. Ich kenne welche, bei denen hat allein die Geburtsurkunde Wochen gebraucht und selbiges dann nochmal für den Elterngeldbescheid. Wisst Ihr, wie lange das bei Euch im Schnitt dauert?

    Bzgl. der Planung… Tjoa, irgendwann war halt der Kinderwunsch da. Erst von mir dann auch von ihm. Planen, ob es finanziell passt? Hm ne irgendwie nicht. Wir wussten, das klappt schon irgendwie. Andere schaffen es ja auch. Aber wir sind da schon nicht ganz so blauäugig rangegangen. Uns war natürlich trotzdem klar, dass es massive Auswirkungen auf unsere Zukunft haben wird. Aber ob wir es schaffen oder nicht war nie die Frage.
    Wir hängen so zwischen Punkt 2 und 3. Wir müssen uns nicht wahnsinnig einschränken, obwohl trotz Elterngeld einiges an Geld fehlt. Ich sage immer: Es ist halt jetzt anders. Habe ich sonst viel Geld für mich ausgegeben gebe ich jetzt super gerne Geld für meine Tochter aus. Wobei es auch hier durchaus nicht neu sein muss. 3000 Euro für die Erstausstattung? Niemals. Vielleicht 1000-1200, maximal 1500? Wir haben vieles gebraucht erstanden, manche Sachen mussten neu sein. Aber gute Sache, ich glaube, ich rechne das mal zusammen. Das habe ich irgendwie noch gar nicht gemacht haha…

    Wirtschaftlich gesehen hätte mein Mann in Elternzeit gehen und ich direkt wieder Arbeiten gehen sollen. Aber wir nehmen uns den Luxus raus, dass wir auf Geld verzichten und ich 1,5 Jahre zu Hause bleibe. Das erste Jahr meiner Tochter zu erleben… Das kann mir kein Geld der Welt wiedergeben. Wirtschaftlich unvernünftig aber das ist es mir bzw. auch uns beiden wert <3

  20. Hallo Heike,

    ich freue mich sehr über den Artikel und hiermit mal mein Senf dazu 🙂

    Finanzielle wären und sind tatsächlich weniger meiner Überlegungen in Bezug auf Kinder, als vielmehr… ein halbwegs sinnvoller Zeitpunkt. Im Moment läuft das für mich darauf raus, dass ich kein Kind im Studium haben will.
    Ich habe vor einigen Jahren zu dem Thema mal in einem Artikel die Aussage „So viel Freizeit wie im Studium werde ich nie wieder haben.“ gelesen und wusste nicht, ob ich lachen, weinen oder Geisteswissenschaften endgültig als nicht ernstzunehmend ad acta legen will. Getan habe ich keins von dreien, aber es ist bezeichnend geblieben – Kinderbekommen im Studium geht, wenn man entweder etwas studiert, das sich mit wenig Aufwand studieren lässt, oder sein Studium sehr weit hintenanstellt. (Bevor ich jetzt allen Geisteswissenschaftlern hier endgültig auf die Füße trete: Ich meine hier, dass der Grundaufwand für viele Naturwissenschaften sehr hoch ist, insbesondere, wenn viele Praktika an der Uni zum Studium gehören. Außerdem kommen studiengangbedingte Einschränkungen dazu: Ein Buch kann ich ausleihen (oder kopieren/scannen) und zu Hause arbeiten, während das Kind schläft oder betreut wird. Ein Kind mit ins Labor nehmen geht nicht, da muss zwingend eine verlässliche Betreuung her.) In vielen Naturwissenschaften geht Kinderbekommen auch gar nicht oder zumindest zu gewissen Zeitpunkten im Studium nicht, weil Experimente mit Substanzen auf dem Plan stehen, die man schwanger schlicht und ergreifend nicht machen darf. Das als allgemeiner Nachtrag zum Thema Kind im Studium.

    Ich möchte aber vor allem nicht, dass ich ein Kind bekomme mit dem Gedanken, dass ohne das Kind mein Studium schneller, besser und stressfreier gelaufen wäre. Das möchte ich für mich nicht, für Herr Freund nicht und für das Kind nicht. Ich habe eine Mutter gehabt, die mit mir überfordert war, ich habe am eigenen Leib erfahren, was für Schäden das in Bezug auf Urvertrauen und einiges Anderes anrichten kann – das möchte ich anders machen. Besser machen. Mein Studium ist mir wichtig, in dem Sinne, dass ich da gerne ausreichend viel Zeit reinstecken möchte, und insofern schließe ich im Studium geplantes (sic) Kinderbekommen für mich, für uns aus. (Ungeplant – toitoitoi, dass nicht (wozu verhütet man schließlich) – müsste man sehen und sich sinnvoll informieren. Kann. Muss aber nicht.)

    Ich bin ehrlichgesagt vor allem gespannt, wie wir das alles mal lösen, wenn Kinder da sind – Herr Freund und ich studieren beide das Gleiche mit einer sehr ähnlichen Spezialisierung, insofern dürfte der Gehalt sich bis darauf, dass Herr Freund früher als ich fertig wird, in einem ähnlichen Rahmen bewegen. Deswegen ist die Überlegung da, uns die Betreuungszeit zumindest in den ersten paar Jahren 50:50 zu teilen. Bin gespannt, ob das klappt.

    Mir gefällt es sehr, deine Überlegungen zu dem Thema zu lesen, weil sie meine gut vervollständigen. Mein Fokus liegt etwas weniger auf dem finanziellen Aspekt und Abhängigkeit vom Partner, aber vor allem, weil der im Moment das geringste Problem wäre. Deswegen: erstmal fertigstudieren 🙂

    Letzten Endes: Kinder sind, noch mehr als eine Hochzeit oder ein Haustier, eine Vereinbarung, gut zwanzig Jahre lang an einem Strang zu ziehen. Will ich das und vor allem mit dem Partner? Ehen kann man scheiden, Haustiere kann man vermitteln, aber Kinder kann man nicht „zurückgeben“, wenn es doch nichts ist. Und ich finde, der Tragweite dieser Entscheidung sollte man sich bewusst sein.

    Ich freue mich in jedem Fall sehr auf den zweiten Teil des Artikels ^^
    Liebe Grüße,
    Katja

  21. Den Vergleich mit der Hochzeit finde ich ganz gut. Es hat wohl auch was mit den Prioritäten zu tun. Für uns gehört eine Familie mit Kindern zu dem Leben, das wir uns wünschen. Dafür sind uns Kleider, Einrichtung oder ein Auto nicht so wichtig. Als „naiv“ würde ich uns nicht bezeichnen. Ich kenne niemanden, der einen so detaillierten Finanzplan hat, wie wir. Wir haben ganz unromantisch für Todesfall und Alter vorgesorgt. Ja, es wäre schön, wenn die Sache mit der Elternschaft gesetzlich und gesellschaftlich gerechter geregelt wäre. Aber wenn man sich mal anschaut, wie das in anderen Ländern läuft, merkt man schnell, dass wir auf einem sehr hohen Niveau jammern. (Was nicht heißt, dass man die Situation so hinnehmen muss.) Es ist spät, ich kann das jetzt nicht mehr so gut in Worte fassen.

  22. Völlig Off-Topic, das Umstandskleid steht dir sehr gut, ich hab auch bei Lidl zugeschlagen 🙂
    Alles Gute für den Endspurt! Ich bin gerade in der 18. Woche und hab noch etwas Zeit um in das Kleid und die neue Rolle als Mama reinzuwachsen.
    LG
    Betty

    1. Danke schön! Ich finde das Kleid auch sehr bequem und mag es echt gern. 🙂 Dann wünsche ich dir auf jeden Fall auf diesem Wege alles Liebe und Gute für eine tolle Schwangerschaft! Genieß die Sonderbarkeiten. Ist zwar nicht alles bequem und so, aber faszinierend in jedem Fall eigentlich immer 🙂

  23. Ich bin ja ein ziemlicher Kopfmensch und zerdenke solche Themen auch sehr. Ich gelte in meiner Umgebung schon als unromantisch und pessimistisch, weil ich im Falle einer Hochzeit einen Ehevertrag machen würde. Man könne ja nicht bei einer Hochzeit schon an die Scheidung denken. Naja, nicht dass ich das vor hätte mit der Scheidung, aber bei einem Risiko von über 30% sollte man da schon mal drüber nachdenken vorher.

    Ich fand den Kommentar von Katja sehr gut: „Ehen kann man scheiden, Haustiere kann man vermitteln, aber Kinder kann man nicht „zurückgeben“, wenn es doch nichts ist. Und ich finde, der Tragweite dieser Entscheidung sollte man sich bewusst sein.“

    Es ist nun mal die größte Entscheidung die man so treffen kann im Leben.

    Ich habe weniger Angst davor, mit Kind weniger Geld zur Verfügung zu haben, als davor, mit Kind drei Jahre lang (oder mehr)keine Zeit mehr für mich zu haben und immer parat zu stehen. Es natürlich immer eine Frage der Prioritäten. Aber ich habe keinen ausgeprägten Kinderwunsch, der die Prioritäten bei mir so verschiebt, dass eben der Wunsch nach dem Kind auf Platz eins landet. Gleichzeitig wäre es aber objektiv am sinnvollsten, in zwei Jahren ein Kind zu bekommen.
    Oh Mann, schwierig. Vielleicht kommt er ja noch, der Kinderwunsch. Vielleicht aber auch nicht.

    Ich fand es ganz schön, wie du herausgearbeitet hast, dass das Unterstützungsmodell welches es in Deutschland gibt (und ja, ich finde es toll dass es eins gibt, z.B. in den USA können viele Frauen von paid maternity leave nur träumen) sich am meisten lohnt, wenn die beiden Eltern am ungleichsten verdienen. Und das führt eben zu Abhängigkeit und im Trennungsfall dann zu Altersarmut. Ein Aspekt, früh in den Beruf zurückzugehen ist eben auch, dass man Rentenpunkte sammelt und sich überhaupt die Tür offenhält, wieder zu arbeiten . Wenn man erst mal 10 oder 15 Jahre raus ist aus dem Beruf, dann wird es viel schwieriger, wieder einzusteigen. Und das gilt eben auch, wenn der Partner einen gut versorgen könnte und man finanziell gesehen nicht arbeiten müsste. Aber irgendwann muss man es vielleicht wieder.

    Wie ist denn eigentlich die Regelung für die Krankenversicherung während der Elternzeit, wenn man z.B. nicht mit dem Partner verheiratet ist und dementsprechend nicht familienversichert ist?

    1. Wenn du vor der Elternzeit gesetzlich krankenversichert warst, übernimmt der Staat während der Elternzeit, also bis zu drei Jahre, alle Beiträge für dich.

  24. Hallo Heike
    Vielen Dank für die Zusammenstellung, das ist wirklich spannend zu lesen. Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für eine Familiengründung ist neben der ob man Kinder haben will in meinen Augen eine der wichtigsten überhaupt. Da ich selbst mir viel Zeit für meinen beruflichen Werdegang genommen habe, nun die Hauptverdienerin der Familie bin und trotzdem gerne so viel Zeit wie möglich mit meinem Baby verbringen möchte kann ich viele Deiner Anmerkungen gut nachvollziehen. Ich hatte mir viel Zeit für die Familienplanung genommen und bin davon überzeugt den für mich bestmöglichen Zeitpunkt gewählt zu haben, wenngleich meine Tochter natürlich auch zu einem anderen Zeitpunkt meine Nummer 1 gewesen wäre und ich sie sicher nicht den Wölfen überlassen hätte… wie man so sagt.

    Die Diskussion hängt sich jetzt leider ein bisschen an Wortklaubereien über das unseelige Thema zur persönlichen Einstellung bezüglich der finanziellen Situation auf. Es gibt natürlich noch viele andere Aspekte, wie Du ja auch schön herausgearbeitet hast.

    Ich finde es sehr vernünftig von Dir all diese Aspekte (auch die unschönen) miteinzubeziehen, das bedeutet ja schließlich nicht gleich, dass Dir das wichtiger ist oder Du Deine Entscheidung danach ausrichtest.

    Ehrlich gesagt habe ich momentan eher Schwierigkeiten damit zu glauben dass sich jemand GAR nicht mit den finanziellen Aspekten auseinandersetzt. Denn wenn man schon an dem Punkt angekommen ist dass man sagt worauf man für seine Kinder zu verzichten bereit ist dann hat man sich bereits Gedanken darüber gemacht und weiß welche Einsparungen nötig sind. Dann ist man niemals naiv oder hat den Kopf in den Sand gesteckt.

    Dann darf man aber nicht behaupten man hätte nicht darüber nachgedacht… man kann schon ruhig zugeben dass man darüber nachgedacht hat und dann bewusst die finanziellen Einschnitte dem Kinderwunsch unterzuordnen entschieden hat. Das ist doch nachvollziehbar und legitim. Deshalb sehe ich gerade die Diskussion und das Thema nicht als so sehr polarisierend denn ich sehe sowohl Vernunft als auch aufopferungsvolle Kinderliebe auf beiden Seiten und schließlich kommt Vernunft ja auch den Kindern zugute.

    Insgesamt ist es eine sehr individuelle Situation und wie genau man sich mit den Finanzen befassen muss hängt meiner Einschätzung nach nicht unbedingt von der Anzahl der Kinder ab sondern von der allgemeinen finanziellen Vorsorge.
    – Jemand der unabhängig von der Höhe des Einkommens vor der Familiengründung schon nicht mit Geld umgehen konnte und über seine Verhältnisse gelebt hat oder finanziell immer alles relativ knapp auf Kante genäht hatte und nicht bereit ist Einschnitte hinzunehmen kommt durch die neuen Verpflichtungen womöglich in Teufels Küche wenn er sich vorab nicht ausführlich mit den Einzelheiten befasst (DAS ist dann in meinen Augen NAIV),

    – Jemand der gewohnheitsmäßig nicht über seine Verhältnisse lebt, bewusst seinen Lifestyle abspeckt oder gar vorausschauend Ersparnisse zur Seite gelegt hat kann es sich auch erlauben die finanziellen Aspekte der Familiengründung auf die leichte Schulter zu nehmen ohne gleich auf die Schnauze zu fallen.

    Der richtige Zeitpunkt für die Familiengründung wird von weiteren Aspekten beeinflusst, die zwar jeder für sich betrachtet eine Rolle spielen aber auch oft Auswirkungen auf die finanzielle Situation haben (z.B. Urlaub, Freizeit, Gesundheit und Sport, Ernährung, kostspielige Hobbys, Ausbildung und Karriere, Wohnsituation, Haustiere, zu pflegende Angehörige, Hausbau, Umzug, biologische Uhr, Partyjahre inklusive einer sich ändernden Einstellung zum Thema Rauchen und Alkohol uvm. …)

    Ein wirklich spannendes Thema. Offenbar von jemandem betrachtet bei dem Herz und Hirn ausgewogen Hand in Hand gehen gefällt mir deine Darstellung aber auch die aktuelle Diskussion gut und ich freue mich sehr auf den zweiten Teil und die wie ich vermute eher herzbetonten Aspekte.

    Es tut mir sehr leid dass das jetzt so ein langer Roman geworden ist. Mir war irgendwie wichtig darzulegen dass die hier bezogenen Positionen in meinen Augen gar nicht so weit voneinander entfernt sind.

    Alles Liebe für Dich und die Deinen
    CaMaMia

    1. Hier muss sich niemand für lange Kommentare entschuldigen. 🙂 Ich finde das ganz großartig, mit wie viel Engagement hier diskutiert wird. Das spricht finde ich sowohl für die Leserschaft als auch den Blog mit seinen Themen, also freue ich mich immer total!
      Da sagst du was ganz wichtiges, da bin ich ja jetzt schon fast… ah, das wurmt mich jetzt schon beinahe, dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin. Also dass es genau das ist: wer bereit ist für verzicht etc. der hat sich mit dem finanziellen Teil auseinandergesetzt nur eben weniger mathematisch oft als eher grundsätzlich. 🙂

      Ich hoffe, der zweite Teil hat dir ebenfalls gefallen. Ich hab ihn heute ja extra schnell nachgeschoben, damit ich hier in den Kommentaren etwas Lift bekomme, der Artikel hier bringt mich absolut an meine Beantwortungs- und Moderationsgrenzen. So schnell hatte ich hier noch nie so ausführliche Kommentare mit so viel Inhalt. Schon echt irre. 😀

  25. Der Artikel kam zum idealen Zeitpunkt. Mein Mann und ich haben uns erst vor ein paar tagen ausführlich über unseren Kinderwunsch unterhalten. Ja/Nein, wenn ja, wann ? Ist das finanziell möglich? (Er ist der Hauptverdiener, ich arbeite auf 450€). Wir sind beide noch sehr jung (24+27) und haben vor 2 Monaten nach 5 Jahre Beziehung geheiratet.
    Ich bin, was das Thema angeht, eher die romantisch-naive. Ich sehe mich mit kugeligem Bauch durch die Nachbarschaft spazieren, süße Babyklamotten einkaufen und voller Verzückung auf den Ultraschallmonitor blicken.
    Er ist ängstlich. Er macht sich Sorgen um das Geld, um die Erziehung, um das „ich werde zurückstecken müssen“ und überhaupt hatte er nie einen ausgeprägten Kinderwunsch.
    Leider hat er das vor unserer Hochzeit nie so offen kommuniziert, obwohl wir öfter darüber gesprochen haben.
    Dein Artikel hat mich ein bisschen auf den Boden der Tatsachen gebracht.
    Ich habe ihm den Link dazu geschickt. Vielleicht zeigt ihm der Artikel ja, dass es finanziell mehr Sinn macht nicht zu warten bis ich auf Teilzeit umsteige.
    Und hoffentlich kommen wir bald auf einen Nenner.

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Dann schick den anderen noch mit hinterher, der jetzt auch online ist. Beide zusammen ergeben erst ein stimmiges Bild finde ich. 🙂 Das habe ich ja jetzt besodners an der Art der Kommentare gemerkt, dass es wirklich schwer ist beide so für sich allein stehen zu lassen.
      Biologisch habt ihr ja noch Zeit, was die Abwägungen angeht, muss man eben gucken. Zumal wenn ihr beide unterschiedlich tickt, da geht es ja dann auch einfach nicht nur darum den eigenen richtigen Zeitpunkt zu erwischen, sondern einen gemeinsamen zu finden. 🙂
      Und man kann beides haben: den Kugelbauch durch die Nachbarschaft schieben und verliebt auf den Ultraschallmonitior schauen und trotzdem mit offenen Augen die Schwierigkeiten ausloten. 🙂

      1. Biologisch gesehen ja, da haben wir bzw ich noch viel zeit. Aber bei mir läuft das noch ein bisschen anders: ich nehme seit 7 1/2 Jahren Cortison. Mittlerweile in niedriger Dosierung (5mg täglich). Leider summieren sich mit den Jahren die Nebenwirkungen. Deswegen wollen meine Ärzte mich auf ein anderes Medikament umstellen, mit dem ich nicht schwanger werden darf.
        Also heißt es sozusagen „möglichst bald schwanger werden und dann das Cortison loswerden“
        Cortison und schwanger geht. Mir geht es zurzeit auch ziemlich gut und mein Körper ist bereit. Das spüre ich. Nur kam die Info so unerwartet und plötzlich, dass wir nicht wussten wie uns geschieht. 😀
        Wir haben viel geredet und diskutiert. Ohne Ergebnis. Aber das habe ich auch nicht erwartet. Gehofft ja, erwartet nicht.
        Vielleicht ist der Plan den du auch verfolgt hast (nach der Krankheitsphase den Körper ausheilen lassen) der bessere und ich sollte mir noch ein paar Jahre geben.
        Das wiederum würde das umstellen der Medikamente hinauszögern.
        Schwierig, schwierig.

        1. Puh, da kann ich dir nicht zu- oder abraten, das ist zu individuell und ich bin kein Mediziner und kenne dich nicht. Besprich doch am besten die Thematik ganz offen mit deinen Ärzten. Sowohl Gynäkologe als auch andere. Vielleicht bekommst du ja noch andere Ansätze aufgezeigt, die dir gar nicht bewusst waren. Manche Meinungen anderer stoßen einen dann vor den Kopf, das macht nicht immer Spaß, aber oft lernt man gerade aus denen dann ganz gut, was man selber will, was man bereit ist zu probieren und was nicht.

  26. Hallo Heike, ich habe mich absolut in deinem Artikel und auch in deinen Antworten auf andere Kommentare wiedergefunden! So gut, dass ich mit deiner Erlaubnis gerne Menschen diesen Artikel als Link schicken möchte, sobald die Diskussion wieder aufkommt. Auch wenn ich noch mitten im Studium stecke, ist Kinderkriegen doch durchaus mal geplant. Wenn es sich eben machen lässt. Und da sehe ich das auch so für einihe unemotional wirkend wie du, es kann eben auch sein, dass es nicht passt oder klappt und das wäre unendlich schade, aber mein Leben sollte dann trotzdem weiter gehen. Ich kann auch deine Sicht auf die naive Herangehensweise gut nachvollziehen und habe mit meinem rationalen Ansatz schon ab und zu Freude de ungewollt verletzt bei Diskussionen zu dem Thema.( Hätte dich hier auch ab und zu beim Lesen der Kommentare gerne verteidigt, auch wenn das natürlich Blödsinn ist :D) Aber die Rationalität ist, wie auch bei dir denke ich, eben emotional getrieben. Denn ich möchte ja eben meinem Kind mal das Leben bieten könne, was ich mir für es vorstelle, zum Teil inspiriert auch von meiner eigenen Kindheit aber auch von dem, was mich bei anderen Eltern abgeschreckt hat. Und dazu gehört eben, dass das Kind lernen soll, dass Geld niemals das wichtigste ist, dass es aber eben auch nicht mit Eltern aufwachsen soll, die sich keine Reparatur der Waschmaschine leisten können. Mit Eltern, die sich selbst im Falle einer Scheidung nicht um Geld bekriegen sollen müssen, nicht mit einem Vater, der immer nur verdienen muss und einer Mutter, die ohne diesen Vater ohne Geld und Altersversorgung dasteht und und und… Natürlich kann man das nie zu Ende planen, aber wie du sagst, man kann sich vorbereiten, drauf einstellen und die eben vllt nicht den schlechtesten Zeitpunkt wählen… Entschuldige den Roman und danke für diesem Artikel und schon mal in Voraus auch für die folgenden! 🙂
    Liebste Grüße, Sol

    1. Natürlich hast du meine Erlaubnis! Ich freue mich doch total, wenn meine Artikel, mein Blog, geteilt werden. Nur zu! 😀
      Und hier muss sich keiner für lange Kommentarromane entschuldigen, ich freue mich da immer total!
      Und ja, wir ticken da wohl sehr ähnlich. Ich mag eben immer gern wissen, auf was ich mich da einlasse. Was ich damit dann emotional auch mache ist eben wieder was anderes, siehe Fogleartikel. 🙂

  27. Ich lese schon länger mit und kommentier auch mal! Bin selber grade auch schwanger.

    Finde den Artikel sehr, sehr gut – eben weil sich leider viele Leute viel zu spät darüber Gedanken machen, und dann kommt das böse Erwachen. So hart es jetzt klingt: Ich habe erst dem Kinderwunsch meines Mannes und meinem (der war nicht so ausgeprägt wie bei ihm) nachgegeben als er sich dazu bereit erklärt hat, auch 6 Monate Elternzeit zu machen. Bei uns ist die Situation so, dass wir beide Vollzeitangestellte in recht ordentlich bezahlten Berufen sind. Er verdient zwar branchenbedingt etwas mehr als ich, ich bin auf der anderen Seite Führungkraft. Kurzfristig würde es uns in der Tat mehr Geld bringen, wenn er nur 2 Monate Elternzeit oder gar keine macht. Auf Dauer wäre durch meinen Karriereknick die Einbuße allerdings höher (davon abgesehen habe ich es nicht eingesehen, dass meine genauso hart erarbeitete Karriere mehr leiden soll als seine).

    Weh tut die Elternzeit finanziell so oder so, das hat Heike ja gut ausgeführt. Folglich haben wir ausgiebig gerechnet und nachgedacht, wie wir das auffangen können. Das geht bei uns aufgrund des guten Einkommens natürlich ganz einfach, wir haben zum einen einen guten Puffer angespart (Stichwort Erstaustattung, die wird komplett aus diesem Sparguthaben bezahlt), zum anderen können wir unsere private Altersvorsorge für die Elternzeit aussetzen. Wenn dann noch der jährliche Skiurlaub wegfällt und wir auch den Sommerurlaub zwei Jahre einfacher gestalten als sonst passt es. Das sind in unserem Fall jetzt absolut keine großen Einschränkungen, und wir sind sehr, sehr dankbar dafür dass wir da so gut dastehen. Weiterhin haben wir beide das Glück, dass wir in einem Feld arbeiten wo in unserer Region absoluter Fachkräftemangel herrscht. Das heißt, unsere Chefs finden das natürlich jetzt beide nicht toll, wären aber blöd wenn sie versuchen würden uns jetzt rauszuekeln weil sie einfach keinen Ersatz finden würde. Für die ist es einfacher, die 8 Monate Fehlzeit bei mir und 6 Monate bei ihm irgendwie aufzufangen 😉

    Aus all diesen Gründen habe ich meinem Mann gesagt „Uns geht es finanziell so gut, dass wir auch mit den Einbußen gut klarkommen werden und es nicht knapp werden wird, wenn Du Deinen Anteil an der Elternzeit leistest. Wenn Du dann immer noch vorrangig aufs Geld schaust und nicht die für Dich einmalige Gelegenheit siehst, in diesem Lebensabschnitt Zeit mit Deinem Kind zu verbringen, dann ist Dein Kinderwunsch nicht stark genug. Denk an all die Väter aus unserem Freundeskreis, die im Nachhinein bitter bereuen, dass sie keine oder nur 2 Monate Elternzeit genommen haben. Du wirst hingegen wahrscheinlich das erste Wort und die ersten Schritte unseres Kindes dann erleben können“. Das hat ihn dann schließlich überzeugt ;-).

    Was mich allerdings doch sehr nachdenklich macht und was ich unfair finde, sind die offenbar extrem unterschiedlichen Preise für Betreuung. In meiner Gemeinde (kleines Kaff in der Provinz) gibt es zwei Kitas mit Krippenplätzen ab 8 Wochen, Öffnungszeit ist 07.00 – 17.00 Uhr. Der Höchstsatz für so einen Platz liegt bei 330€ im Monat. Eine Krippe mit erweiterten, flexiblen Zeiten von 05.00 – 23.00 Uhr kostet 530 € pro Monat. Das ist natürlich auch Geld, das irgendwo herkommen muss, aber mit einer 10-Stunden Kita, die maximal 330€ im Monat kostet man jobmäßig schon finde ich was anfangen. Da ist die Anzahl der Leute, für die sich das arbeitengehen tatsächlich lohnt schon höher. Wobei ich bei solchen Rechnungen wirklich immer vor allem die Frauen davor warne, nur kurzfristig zu denken. Klar fragt man sich ggf, warum man ein paar Jahre nur für die Kinderbetreuung arbeiten gehen soll, aber langfristig fehlt sonst diese Zeit nicht nur in den Rentenpunkten, sondern auch in der Berufserfahrung und man wird nach einer so langen Pause wahrscheinlich nicht mehr auf dem gleichen Level einsteigen können. Rechnet man den Einkommensverlust sagen wir mal über 10 Jahre, sieht es plötzlich ganz anders aus.

    Über die Idee „Kind im Studium bekommen“ lache ich übrigens auch, das hätte bei mir überhaupt nicht funktioniert, ganz abgesehen davon dass ich dann nicht bereit dazu gewesen wäre schwanger zu werden. Ich bin schon ganz froh, dass mein Mann und ich uns vorher einen guten Lebensstandard erarbeiten konnten; das wir schon ein bisschen was erlebt und gesehen haben und uns auch als Persönlichkeiten wirklich entwickeln konnten.

    Man kann natürlich darüber streiten, ob wir nicht schon „späte“ Eltern werden (wir sind beide 34). Aber für uns war es richtig so. Was die weibliche Fruchtbarkeit und Fehlbildungen angeht: Lasst Euch da nicht irre machen. Ja, eine 35-jährige braucht im Schnitt etwas länger um schwanger zu werden und das Risiko auf Fehlbildungen ist höher als bei einer 20-jährigen. Aber so richtig fängt der Talflug erst ab dem 40.Lebensjahr an. Meine Gynäkologin meinte, bis Anfang-Mitte 30 kann man noch durchaus ruhigen Gewissens pokern. Ist natürlich jetzt statistisch nicht verwertbar, da Einzelfall, aber ich bin auch mit 34 im dritten Probierzyklus schwanger geworden.

    1. Vielen lieben DAnk für deinen Kommentar und damit Einblicke in deine Lebenssituation. Finde ich super, dass du und dein Mann euch die Elternzeit teilt. Das war auch unser ídealm ursprünglich (ich 8 Monate, er 6), aber, wie im Artikel ja erwähnt, wir haben gerechnet und auch wenn wir uns ein Kind leisten können, ohne unsere Wohnung aufgeben zu müssen (das war die größte Sorge), geht das nur, wenn der Großteil der Elternzeit bei mir liegt. Die 2 Monate, der er nehmen wird sind da schon unser Luxus. Leider. Ein bisschen besser ist das zu verschmerzen, dadurch dass Benedict Lehrer ist und er dadurch zwar in den Ferien nicht „frei“ hat, aber immerhin zu Hause arbeitet.

      Mir hat mein Gyn ja imemr eher einen Floh ins Ohr gesetzt, ich solle jetzt mal alngsam loslegen. Ich finde aber imemr noch: gesundheitlich wäre das in meinen 20ern Käse gewesen. Also passt das jetzt schon. Gibt auch Studien 8frag mich nicht wo… gefährliches Halbwissen…), die dafür sprechen, dass Früh- und Spätgebärende sich in den Risiken gar nicht so viel nehmen. Weil Spätgebärende meistens dann doch aus höheren Bildungsschichten kommen und eine bessere Gesundheit und soziale Absicherung mitbringen als Frtauen, die Anfang 20 schon Kinder bekommen. im statistischen Mittel natürlich wieder. Die schwangere Frau Mitte 30 ernährt sich besser und bewegt sich besser als die schwangere Frau Anfang 20, so lässt es sich grob zusammenfassen. Und das kompensiert dann vieles.

      Im Studium wäre auch nicht mein Wunschzeitraum gewesen, cih denke auch dann nicht, wäre ich gesund gewesen. Ich hätte da dann lieber auch noch andere Sachen gemacht. Kidnerwunsch war bei mir nicht sonderlich stark, es war mehr eben eine Entschjeidung, dass das für mich im Leben dazugehört, etwas, was sich sehr richtig angefühlt hat. So oder so ist es jetzt gut, wie es ist für mich. 🙂 Und ich hoffe für euch auch. Hab dich gern gelesen!
      Liebe Grüße,
      Heike

  28. Ich muss gestehen, mir da nie groß Gedanken gemacht zu haben. Beim 1. Kind war dann Irgendwann der Zeitpunkt gekommen, sich darüber schlau zu machen und die Anträge auszufüllen.
    Beim 2. wussten wir was uns erwartet. Und nun in dieser Schwangerschaft, bzw der Entscheidung dafür, war Geld auch nie ein Thema.
    Uns geht es gut, klar bedeutet ein Kind Einbußen und Kinder sind Luxus. Aber ich gehöre da auch zu der Gruppe, wird schon laufen.
    Finde es aber interessant zu lesen, was einen erwartet.
    Die 3000€ Erstaustatung, haben wir nie benötigt.
    Und ansonsten war für mich klar zu stillen und die Versorgung zu übernehmen. Mein Mann nahm die 2 Monate Elternzeit und den Rest habe ich übernommen.

    1. Für einige funktioniert das ja auch, das „wird schon laufen“. Für andere eben nicht und gerade für die ist es dann doch oft etwas, wo man rückblickend sagen würde: Oha, hätte ich das vorher gewusst, dann. Dann hätte ich z.B. doch noch einen Monat gewartet wegen höherer Elterngeldansprüche. Dann hätte ich dieses und jenes anders organisiert oder abgeklärt.
      Die 3000 Euro sind ja nur der Durhschnitt. Die miesten liegen sicher drunter, aber der Durchschnitt wird schnell hochgerissen durch eben Paare, die dann direkt alles neu kaufen und da geht es dann dann richtig in die Vollen. Das verzerrt etwas. allein ein neuer hochwertiger Kidnerwagen und eine neue babyschale können da mehr als die Hälfte der 3000 ganz einfach aufbrauchen. Durchschnitt also. 🙂
      Wir liegen ziemlich in diesem Durchschnitt, aber nur, wenn wir alle Umbaumaßnahmen hier in der Wohnung mit einberechnen, also den Wechsel des Arbeitsbereiches und das dafür nötige Büromobiliar. Reine Babyerstausstattung war auch deutlich weniger.

  29. Liebe Heike,

    Auch wenn ich jetzt Gefahr laufe, dass mich einige Menschen steinigen werden für die Worte die ich schreibe, sie müssen einfach raus.

    Ich möchte keine Kinder. Obwohl ich glücklich verheiratet bin, einfamilienhäuschen im grünen, zwei Autos, Hobby, Karriere und inzwischen Führungskraft, beide gut verdienend und privat versichert. So richtig idyllisch klischeehaft. Warum also kein Kind in die Welt setzen? Die Rahmenbedingungen Sind doch optimal. Denkt man sich von außen. Find ich ja auch, objektiv betrachtet.
    Betrachten wir aber meine finanzielle Lage etwas genauer und rechnen das Szenario mal durch, wären meine materiellen Einbußen im vierstelligen Bereich. Ich spreche hier bewusst von „meine“, denn ich habe das letzte Jahrzehnt hart darauf hingearbeitet dass ich finanziell völlig unabhängig und beruflich erfolgreich bin und niemals bei meinem Ehemann, „bitte bitte“ sagen muss. Diese Freiheit ist hart erkämpft und auch dafür musste ich Opfer bringen.
    Ich habe zuviele Frauen gesehen und ihr Leid miterlebt die sitzen gelassen worden sind, behandelt worden sind wie Vieh weil durch Kinder und Geld einfach erpressbar vom Ehemann. Mir soll es niemals so ergehen. Ich vertraue meinem Mann zwar voll und ganz, aber im Falle dass ihm was passiert, stehe ich einfach vor einem Leben dass ich so nicht haben möchte.
    Ich kann mir einfach nicht vorstellen dass ein Kind mir so viel zurück gibt (was denn überhaupt??) dass ich das Risiko einer Abhängigkeit, Erpressbarkeit und Zerrissenheit eingehe.
    Versteht mich bitte nicht falsch – mir geht es nicht um materielle Güter und Besitz, sondern darum dass der Verzicht von Freiheit und Unabhängigkeit für mich so hoch sind dass ich mich gegen Kinder entscheiden muss.
    Ich hoffe ich komme nicht zu hartherzig rüber, ich freue mich doch mit jeder Mutti und jeder Familie der es gut geht und sich an ihrer Entscheidung erfreut.

    Heike, alles gute für die bevorstehende Geburt und dir und Benedikt eine schöne kennenlernzeit mit Merle.

    Gruß, A.

    1. Hartherzig nicht, nein, das kommt bei mir nicht an. Ich empfinde deinen Beitrag eher als… hm… ängstlich? Das klingt verschüchtert und das meine ich nicht. Skeptisch ist zu verkopft. Da ist etwas, was viel mit abgeschreckt worden sein zu tun hat. Kann ich verstehen. Absolut. Ich kenne Geschichten, wie du sie beschreibst selbst nur zu gut, teilweise näher an mir dran, als mir lieb ist. Schlammschlachten, Existenzvernichtungen, die volle Breitseite. Und die Rechnung mit den vierstelligen Einbußen habe ich im Artikel ja auch aufgemacht. das zu kennen bzw. erlebt zu ahben hat sicherlich dazu geführt, dass ich da noch mal genauer hingucke, was eben die rationalen Gründe angeht.

      Eingehen mag ich auf deine kleine Frage in Klammern: Was Kinder denn überhaupt zurück geben können.
      Merle ist noch nicht da, aber vielleicht verstehst du mich dann gerade dadurch besser, weil ich eben noch halb in der Phase stecke, in der es Wunsch und Vorstellung ist.
      Ich bleibe mal beim Ich statt beim Wir, auch wenn das hier fast dasselbe ist.
      Was ich glaube, was ein Kind zurück gibt, bzw. GIBT auch ohne zuück, denn das tut es auch, wenn die Eltern schäbig sind:
      Kinder führen zu einem Perspeketivwechsel wie kaum etwas anderes im Leben. Bzw. das können sie tun, wenn man sich auf sie einlässt. Es geht viel um Resepkt vor dem Leben, darum, zu sehen was wirklich wichtig ist, was man sich vielleicht vielen vielen Stunden Mediatation und Yoga und Co auch aneignen kann, aber was sie einfach durch ihre Präsenz zeigen. Es ist zu begreifen, was für ein irres Wunder es eigentlich ist, dass wir in einer Welt leben können, in der uns Schwerkraft zu Boden zieht, Luft geatmet werden muss, damit wir nicht ersticken und permanent überhaupt ein Stoffwechsel sattfinden muss.
      Es ist, dass da jemand ist, der zwar aus mir und Benedict entstanden ist, der dennoch eigenständig ist und das wird deutlich bei einem eigenen Kind als bei der Rückbesinnung darauf, dass wir ja auch keine Ableger unserer Eltern sind, sondern Individuen.
      Zu sehen, was für ein soziales Wesen der Mensch ist. Zu sehen, dass (so gut wie alle behaupte ich jetzt mal) Kinder von sich aus gut sind. Sie haben ein Gerechtigkeitsgefühl, von dem sich viele Erwachsene mehrere Scheiben abschneiden könnten. Sie haben die Gabe des Staunens und des Wunderns. Sie haben vieles, was Erwachsene irgendwo beim Älterwerden verloren haben und was deutlich wird, wenn man sie beobachtet. Einen Sinn für Rhythmen für Einzigartigkeiten.

      Ich freue mich darauf unserer Tochter die Welt zu zeigen. Eine wunderschöne Welt und wenn es so weit ist wird sie auch von mir lernen, dass das Schöne oft eine Kehrseite hat, einen Preis. Und dass das Schöne dadurch noch wertvoller wird.

      Ich ich bin gespannt auf dieses Gefühl, von dem alle reden: Davon dass man keinen Menschen auf der Welt so sehr liebt, wie das eigene Kind. Noch habe ich nur eine Ahnung davon, aber ich bin irre neugierig.

      Und so weiter. Es ist also nicht nur das Lächeln, das einem geschenkt wird, denn die vollen Windeln schenken sie einem ja auch. Es ist nicht nur das „Du bist die beste Mama der Welt“, denn sie werfen sich ja auch zeternd auf den Boden und heulen Rotz und Wasser, weil man ihnen z.B. einen Schokoriegel vorenthält. Es ist, dass da jemand ist, der ein Jemand ist. Ganz neu und unbeschrieben und zu sehen, was geschieht, wenn dieser Jemand seine eigene Geschichte schreibt und man als Eltern quasi Lektor und Mentor ist. Es ist eine der großartigsten Möglichkeiten etwas zu geben.
      Kinder geben weniger dadurch, dass sie tatsächlich geben. Sie geben dadurch, dass man ihnen gibt. Das allein finde ich ist eine wundervolle Erfahrung. Eine die man ähnlich in Liebesbeziehungen, Freundschaften und auch mit Haustieren erfahren kann. Aber Kinder sind wohl die intensivste Form davon.

      Kinder KÖNNEN das alles geben. Wenn man als Eltern dafür bereit ist. Hinzusehen. Hinzuhören. Hinzufühlen. Das ist glaube ich ein großer Knackpunkjt, dieses sich auf das Gegenüber einlassen. Eben auch in Liebesbeziehungen, Freundschaften etc. ich sehe genug Eltern, die das nur sporadisch können, wenn überhaupt. Ich sehe genug Kinder, bei denen ich mir imemr nur denke: „Boah, du kleiner Nervzwerg, wie gut, dass ich dich nicht mit nach Hause nehmen muss!“ Aber das denke ich über Menschen allgemein. Ich mag lange nicht alle. Aber die, die ich in mein herz geschlossen habe, die um so mehr. Und ich lerne so viel von ihnen. Da bin ich einfach so gespannt, was unser Kind mit mir machen wird. Sie macht ja jetzt schon ganz viel. Das ist etwas, was mich mit sehr viel Respekt erfüllt und mit Dankbarkeit und Glück. Sorge um das kleine Ding auch, denn wie schon gesagt: das Schöne hat einen Preis, so gut wie immer. Sorge ist um dieses Menschlein ist einer der Preise für Kinder. Sorge, Nachtschlaf und eben auch Geld. Es ist eine rechnung aus mehr als nur Zahlen.

      Danke für deinen Kommentar. Ich mag meine Antwort darauf. Wenn du verstehst, was ich meine. 🙂

      Liebe Grüße, Heike

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