17. Mai 2017

Durchgegendert – #teamrosa und #teamblau

Mädchen, Junge, Unisex? – Wenn es darum geht sein Kind geschlechtstypisch zu kleiden, wohnen zu lassen oder allgemein zu behandeln, könnte man meinen, dass die Frage nach eindeutigen Pastellfarben zum Glaubenskrieg avanciert ist.

In den letzten Wochen habe ich tolle Gespräche über Genderthemen geführt: über Identitätsfindung, über biologisches Geschlecht, sexuelle Orientierung, Persönlichkeit. Denn natürlich ist sie geblieben die Frage nach dem „Was wird es denn?“ und seit klar ist, dass wir ein Mädchen bekommen, schiebt außerdem die Frage danach: „Und wie haltet ihr es mit Rosa?“ und „Muss sie denn dann auch lange Haare haben?“

Soviel mal vorweg, die Farbe Rosa ist das geringste Problem in meinen Augen und wenn es bei Haaren (zumal nicht meinen eigenen) um ein Müssen gehen würde, hätte ich glaube ich etwas ziemlich grundlegend nicht verstanden. 😉

Als ich das Buch „The Bingo Theory“ mit den „Masculine Strength Females“ und Co. vorgestellt habe, hatte ich mich schon mal etwas über Geschlechteridentitäten ausgelassen, jetzt hatte mich das Thema natürlich wieder. Und belesen habe ich mich auch – wie immer. 🙂

Untenrum frei

So der Titel des Buches von Margarete Stokowski, das ich ich hier nicht in voller Länge rezensieren will, aber auf jeden Fall empfohlen haben mag, denn es ist nicht nur informativ, sondernd abei auch sehr unterhaltsam, ich habe mehr als einmal laut gelacht. Von einer Generationsgenossin die Frauenthematik aufbereitet zu bekommen, macht auch irgendwie mehr Laune, als von der Elterngeneration, die mit Emanzipation und Feminismus ganz anders aufgewachsen sind, denn mein Nostalgienerv wurde fröhlich bespielt bei ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen, die auch die meinen sind (sie ist ein bisschen jünger, Jahrgang 1986) mit im Dunkeln leuchtenden Dino-Skeletten, Polly Pocket, der Bravo oder Lucylectric mit „Weil ich ein Mädchen bin!“

Dachte ich doch bereits gut im Thema zu sein, habe ich dennoch eine Menge spannender neuer Dinge gelernt: Ich weiß jetzt, was cis- und transgender ist. cis- kannte ich vorher nicht (cisgender ist, wenn Geschlechtsidentität und biologisches Geschlecht übereinstimmen, transgender ist bekannter, obwohl es eigentlich ja die bedeutend seltenere Form ist: Identität und Biologie stimmen nicht überein). Pansexualität hab ich jetzt auch endlich verstanden (eigentlich die toleranteste, offenst Form von Sexalität, kann doch theorerisch jeder Partner sexuell attraktiv sein, egal ob dieser Mann oder Frau ist, homo- oder heterosexuell, cis- oder trans-, oder bi- oder auch pansexuell. Asexuell geht auch, wird nur schwierig, weil da keine sexuelle Gegenliebe zu erwarten ist.

Ich weiß nun, dass Rosa und Blau für Mädchen und Jungen ein sehr neues gesellschaftliches Konstrukt sind und dass Rosa lange als „das kleine Rot“, eher die Farbe für Jungen war, denn tiefes Rot war Farbe der Könige. Violett und Blau dagegen ist das Mariengewand und damit weiblich. In der Farblehre (kleiner Exkurs zurück zu meinem Grafikstudium) ist Rot auch nach wie vor männlich und Blau weiblich entsprechend der Zuordnung zu Feuer und Wasser, Aktivität und Ruhe. Aber auch das sind Konstruktionen, das ist also nicht richtiger als Rosa für Mädchen und Blau für Jungs. Nur eben eine andere Legende.

Und worüber musste ich laut lachen? Über Anektdoten, über Exkursionen in die Vergangenheit gespickt mit ein paar Entsetzlichkeiten, die sich Männer ausgedacht haben, um Frauen als unzurechnungsfähig und minderbemittelt machtfern zu halten. Das hier ist glaube ich meine Lieblingspassage:

Alles klar. So viel zum Thema „Die hat es mal wieder nötig!“, was ich in der Formulierung auch schon derbe und unpassend genug finde, aber das mit dem Wanderuterus ist schon der Hit, oder?

So viel zum Buch. Es tat gut, um mich noch etwas weiter zu sensibilisieren und auch um gleichzeitig ein paar Dinge entspannter zu sehen.

Zurück ins Hier und Jetzt mit Baby im Bauch, ich als Frau Ü-30, die sich viel auf verschiedenen Social Media Kanälen rumtreibt. Bevor ich auf unser Töchterchen noch mehr eingehe, einmal zur „Gegenseite“, zu den Jungsmamas. Denn oh ja, das Fass hätte ich auch aufgemacht bei einem Jungen in meinem Bauch. Eigentlich fast noch dringender und tatsächlich habe ich das auch, denn ich dachte ja einen Monat lang, dass ein Junge unterwegs ist. Also:

#teamblau

Emanzipation scheint unglücklicherweise immer noch etwas zu sein, worüber sich Mädchemamas mehr Gedanken machen als Jungsmamas. So, als wäre das nicht nötig für einen Jungen, weil ja Emanzipation damit zu tun hat, dass Mädchen die gleichen Rechte haben sollen wie Jungs. Jungs haben es da doch per se leichter, sie sind ja da, wo Mädchen hinwollen. Oder? Mitnichten. Schaut mal:

Für die meisten ist es auch heute noch komisch, wenn ein Junge gern rosa und Kleider trägt, aber Mädchen in Jungskleidung sind kein Thema, das setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort bzw. wird noch ausgeprägter (siehe weiter unten, meiner persönlichen Ambivalenzen).

Jungs mit langen Haaren (ich meine jetzt ernsthaft lang, also deutlich über Schulter) werden immer noch etwas komisch angeschaut – und die dazugehörigen Eltern auch, denn… wissen die denn nicht, was sie ihrem Jungen da antun? Er sieht aus wie ein Mädchen! Am besten sollte man dem Kind wohl auch die Wimpern schneiden, wenn die schön dicht und lang sind (Zynismus wieder aus). Der Spruch „An ihm ist ein schönes Mädchen verloren gegangen!“ ist immer noch einer, der bei hübschen Jungs fällt. Als wäre es schade, dass wenn schon Schönheit gewachsen ist, die leider nur auf einem Jungen gelandet ist, ein Mädchen hätte da mehr von gehabt. Das entwertet die Mädchen (die demnach nur vollwertig sind, wenn sie hübsch sind) und macht dem Jungen klar, dass er ja irgendwie unnatürlich hübsch ist und aufpassen muss, dass man seine Männlichkeit nicht übersieht. Geh dich mal dreckig machen… Quasi.

(Etwas ältere) Mädchen, die sich untereinander umarmen, sind kein Problem, Jungs werden schräg angeguckt, wenn sie das machen, ohne dabei absichtlich etwas gröber zu sein. „No-Homo, Bro!“ Überhaupt: Die liebste Beste Freundin knuddel-knuddel und der Bro mit Faustschlagbegrüßung. Mächen geben sich unbedarft Küsschen, Jungs beschimpfen sich mit „Schwuchtel!“ bevor sie überhaupt wissen, was das heißt.

Ein paar Jahre älter juckt es keinen, wenn die Freundin 25 ist und der Freund 35 (die Differenz ist noch steigerungsfähig), aber umgekehrt ist das dann doch merkwürdig. Wieso? Weil sie ruhig etwas unreifer sein darf, er aber nicht? Weil sie dann ja noch knackiger und hübscher ist (und das auch noch länger sein wird) als er und umgekehrt, der arme Junge, bald hat seine Freundin Falten?! Weil man bei Männern auch einfach akzeptierzt, wenn sie lange brauchen, um reifer zu werden und dann passt eben ein jüngeres weibliches Pendant besser? Als wären Männer per se nichtd afür gemacht, um so schnell Persönlichkeit und Rückgrat zu entwickelt wie Frauen.

Emanzipierte Singlefrauen um die 30 (also mal platt gesagt, jemand der sich ähnliche Gedanken macht, wie ich sie hier grad äußere) haben es unter anderem auch deshalb besonders schwer, wenn sie sich einen Partner wünschen, der dazu passt. Nicht weil alles andere Chauvis wären, sondern weil von den (Single-)Männern, die da sind, viele einfach nie gelernt haben sich genau über sowas mal Gedanken zu machen. Unsere Elterngeneration hat gewusst, dass sie den Mädchen viel mitgeben muss, damit sie sich behaupten können. Bei den Jungs wurde das oft verpasst, was dann häufig dazu führt, dass Männer Frauen, die auf ihre Emanzipation bestehen, als anstrengend empfinden, die Thematik ist ihnen fremd und wird als etwas wahrgenommen, was sie nicht betrifft und total überbewertet wird. Was für ihre Lebensrealität ja auch erst mal zutrifft. Deshalb wird es schwer da zusammen zu passen. Und das macht es dann im Übrigen für die Singlemänner auch nicht grad leichter eine passende Partnerin zu finden, weil in dem Alter der Markt dünne ist und so ein Aussschlusskriterium dazu gekommen ist. Schaut man sich eben nach jüngeren um, die haben weniger starke Meinungen und Ansprüche und hallo, da sind wir schon wioeder beim Thema vom Absatz zuvor.

Also Mütter und Väter, emanzipiert eure Jungs! Eure zukünftigen Schwiegertöchter (oder -söhne) werden es euch danken.

Einschub: Mir geht es im Übrigen so wie auch Margarete Stokowski: „Feminismus“ und „Emanzipation“ sind zwei Begriffe, mit denen dermaßen wild um sich geschlagen wurde und wird, dass ich meist einen Fluchtreflex bekomme, wenn sie fallen. Auch mir wurde das Bild der BH-verbrennenden Achselhaarfraktion eingeimpft. Die unattraktive, wetternde Kampfemanze. Wer will sich damit schon solidarisieren?

Ehrlich, mir ist das sowas von wurscht, wie sich jemand unterm T-Shirt kleidet oder stylt… Nicht jeder BH ist ein Männer-Magnet, nicht jedes Achselhaar ein politischer Protest.

Wieviel „Es ist ein Mädchen!“-Stempel möchte ich meinem Kind also aufdrücken?
Wie wichtig ist es mir genau das nicht zu tun und warum?

Schon vor der Lektüre aber währenddessen ab und an auch noch mal habe ich einige Ambivalenzen bei mir selbst aufdecken und einige auch schon lösen können:

1. Ich hatte kein Wunschgeschlecht für das Kind, aber über ein Mädchen habe ich mich ein ganz klein wenig mehr gefreut. Irritierend, passte das Gefühl doch nicht zu dem, was ich kommuniziert hatte.

2. Ich lege (bzw. legte) Wert auf ein geschlechtsneutrales Kinderzimmer und Spielzeug und möchte auch in der Kleidung mein Kind nicht per Leuchtreklame als in diesem Falle Mädchen branden. Aber warum ist mir das wichtig, obwohl ich besonders durchgestylte Mädchenzimmer selbst total anhimmel? Wieso lehne ich das für mein Kind ab, finde es aber gleichzeitig toll bei anderen? Eine Antwort ist: Weil ich Designerin und generell Ästhetin bin. Es sind in der Regel die Mädchenzimmer und -kleiderzusammenstellungen, die einen sehr geradlinigen Stil und Farbcode führen. Das gefällt mir grundsätzlich und würde mir auch gefallen, wenn das mal jemand mit Grün und und Blattmotiven durchziehen würde statt mit Rosa und Glitzer.
Ich lehne also dieses „Auf die Fresse-Mädchen-Rüschen-Glitzer-Geschisse“ ab als zu… süßlich. Zu sehr darauf geeicht einem Mädchen von Geburt an einzuimpfen, dass es bitte lieblich und hübsch sein soll. Gleichzeitig finde ich den Kram einfach schön und quietsche auch ein bisschen kleinmädchenhaft herum, wenn ich etwas einfach so niedlich finde. Ich habe selbst total viel Rosa im Schrank und mag Glitzer und Stickereien (siehe Fotos!). Ich darf also, aber meine Tochter nicht? Sollte ich nicht mal meine eigene Vorlieben überdenken? Und woher kommen die eigentlich? Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, von dem auch ich mich nicht frei machen kann, so gut mamas Vorarbeit da auch war. Rosa und Glitzer findet man einfach öfter/wird öfter präsentiert, zumal, wenn man wie ich viel auf Pinterest und Instagram nach Inspirationen sucht. Was man oft sieht, sieht man sich auch quasi schön. Das heißt, das was mir da eine Vorliebe erschafft, ist auch vorneweg die Industrie, die natürlich prima verkaufen kann, wenn man von allem gleich zwei Sorten anbieten kann, nämlich einmal für Mädchen und einmal für Jungen.

Ich frage mich auch immer ein bisschen, ob Männer nicht eigentlich auch Spaß an Glitezrkram und ausgefallenerer Mode hätten, wenn sie nicht so von Gender-Stereotypen und -vorurteieln umgeben wären. Ein bisschen so wie die Kostüme in The Hunger Games. Einfach aus Spaß an der Mode. Wer so begeistert Autos tunen kann, der ist doch nicht blind für Spaß bei Kleidung.

4. Apropos: Darf ich denn nicht bitte einfach Sachen schön finden und muss alles immer kritisch hinterfragen? Ich glaube, es gibt in jedem Fall ein Zuvieldesguten genauso wie es auch schon an Fanatismus grenzende Ablehnung desselben gibt, was auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Also kritischer Kopf ja, aber man muss nicht ständig um ein Thema kreisen. Ich schließe für mich zum Beispiel mit diesem Artikel dann erst mal ab. Für meoine Schreiberei gehe ich sowieso immer noch etwas mehr in die Tiefe als ich es nur für mich tun würde. Ich fühle mich nun erst mal gut informiert und mit einer Meinung ausgestattet, die ich auch verargumentieren kann.

5. So interessiert und informiert ich somit vergleichsweise schon bin, auch ich würde davor zurückzucken einen Jungen in ein rosa Rüschenkleid zu stecken. Weil Kleidung Leute macht, also Identität und Image. Als Elternteil erschaffe ich Identität und Image meines Kindes in den ersten Lebensjahren zu einem sehr großen Teil fast allein, da trage ich also Verantwortung dafür, wie mein Kind wahrgenommen wird, ob es mir passt oder nicht. Trotzdem. Ein Mädchen ins Jungskleidung befremdet mich nicht.

6. Ich möchte ein Kind, das sich nicht primär über sein Geschlecht definiert, weil das automatisch eine Begrenzung bedeutet. Kinder, auch schon kleine, spüren, was von ihnen erwartet wird: die hübsche Prinzessin oder der starke Charmeur. Ein Ronja Räubertöchterlein ist aber doch genauso zuckersüß und toll und ebenso ein sensibler Petit Prince. Das eigene Geschlecht ist aber etwas, was mit als erstes dem Kind als eigene Identität bewusst wird, gleich nach: „Ich bin ein Kind.“  „Ich bin ein Mädchen, ich werde mal eine Frau, so wie Mama.“ „Ich bin ein Junge, ich werde mal ein Mann, so wie Papa auch ein Mann ist.“ Das zu verleugnen, macht das Kind nicht glücklich, auch es kleinzureden nicht. „Du siehst ja aus wie ein Junge/Mädchen!“ oder „Bist du ein Mädchen oder ein Junge?“ ist eine der härteren Gemeinheiten unter (Klein-)kindern, denn es spricht dem Gegenüber einen Teil seiner Identität ab. Man wird uneindeutig gemacht und damit unzugehörig.

Ich selbst bin ein Mädchen, das bis ans Ende der Grundschule sehr oft für einen Jungen gehalten wurde: Mamas Unisexkleidung für mich, mein Unisex Pottschnitt, meine Körpergröße und dann hab ich auch noch ganz gern sowohl mit Mädchen auch als Jungs gespielt und mochte heimlich Waffen als Spielzeug (Barbies auch). Ich fand es toll mit Jungs und Mädchen zu spielen (wobie fast nur Mädchen in der Nachbarschaft waren und ich glaube den Jungen hätte ich auch nicht wirklich gemocht, wäre ich selber einer gewesen, somit war ich dann doch meist bei den Mädels), ich hab früh gemerkt, das beides etwas für sich hat genauso wie die unterschiedlichen Spielzeuge interessant waren. Mir aber meine eigenen Identität, meine Eindeutigkeit als Mädchen vorsätzlich als Beleidigung oder nebenbei aus Unwissenheit abzusprechen, hat jedes Mal richtig weh getan. Ich hab mich dann kurz wie ein Neutrum gefühlt, unpassend, außen vor und ein bisschen wie ein besonderes Insekt. Mutter-Vater-Kind und ich war wahlweise der Vater oder mit etwas Glück der Hund oder das Pferd. Weil groß und kurze Haare, einer musste ja der Vater sein und wir waren ja wie gesagt meist nur Mächen). Das hat letztlich dazu geführt, dass ich ab der 5. Klasse meine Haare habe wachsen lassen, für mich war das etwas spät, ich hätte das gern schon früher gemacht (wie gesagt das Körperteil, über das maan als Kind mit als erstes selbst bestimmen kann), aber ich habe mich ziemlich lange für dummv erlaufen lassen mit „Wenn du sie abschneidest, dann wachsen sie schneller!“

Merles „Stempel“

Merle wird viel Rosa im Kleiderschrank haben. Ach, was, echt jetzt? Ja. Weil ich sehr viel Second Hand von einer Freundin bekommen kann und sie hat aus ganz praktischen Gründen fast nur weiße und rosa Kleidung für ihre Tochter (alles passt zusammen, alles kann zusammen gewaschen werden, vor allem spannend, wenn die Eltern fast nur schwarz oder zumindest dunkel tragen), Rosa gibt es immer zu kaufen, Weiß auch. Und „Es ist letztlich auch nur eine Farbe!“ Eine eben leicht zu beziehende, das entstresst sehr. Geschmacklich sind wir, was Qualität, Schnitte und Material angehen, sehr nah beieinander, also erbt Merle ganz viel Rosa und Weiß. So sei es.

Ihr Kinderzimmer wird weiß, grau, gelb/gold und ebenfalls rosa bzw. korall. Aber korall abgesoftet ergibt rosa. Ursprünglich war nur weiß, grau gelb/gold geplant, aber aus den selben Gründen wie bei der Kleidung addieren wir rosa: es macht es einfacher. Rosa Kram gibt es immer, egal ob Kissen, Mobile oder Sortierkästen. Leichter zu bekommen macht es günstiger. Plus wir machen uns nichts vor, rosa wird geschenkt werden. Und dann passt es wenigstens.

„Und wenn sie keine langen Haare haben will?!“ Diese Frage wird mir gestellt als würde sich daran bemessen, ob ich noch zurechnungsfähig bin oder nicht. Oder auch… als ob ich meine Tochter als Verlängerung meines Langhaarspleens großziehen wollte. Nun, wenn sie keine langen Haare will, dann kommen sie eben ab. Aber natürlich würde ich mich freuen, wenn sie lange Haare mögen würde. Ich wollte immer welche und hatte gefühlt immer nur kurze Haare. Also darf sie entscheiden, was sie machen will.

Fazit

Es kann also sein, dass unsere Tochter viel in rosa rumlaufen und ein blondes Engelchen werden wird, mit langem Haar, das ich ihr flechte. Es kann also auch sein, dass sie ein verstrubbelter Bubikopf wird und man vom Rosa eh nicht viel sieht, weil Schlamm dran klebt. Es kann sein, dass sie beides wird, erst das eine, dann das andere oder heute so und morgen war die Bastelschere am Werk und dann sind die Löckchen Geschichte (Mama weint dann heimlich…).

Ich will kein Neutrumkind erschaffen. Aber auch kein rosa Lillyfee Prinzesschen. Unser Kind soll immer sehen, dass es viel mehr an Persönlichkeit und Vorlieben zu entdecken gibt als die, die daran gekoppelt ist, ob man jetzt zielgenau im Stehen pullern kann – dann was interessiert denn ein Kind sonst an der Tatsache, dass es eine Vagina oder einen Penis hat? Pinkelpositionen und die Tatsache, dass man Jungs nicht zwischen die Beine treten darf, weil die Großen sagen, dann können sie vielleicht später keine eigenen Kinder haben.

Ich wünsche mir eine freie Tochter. Eine die weiß, wer sie ist, beziehungsweise, der ich es leicht(er) mache, genau das herauszufinden. Ich möchte, dass sie sich hübsch findet und ich möchte, dass es ihr beim Spielen egal ist, weil sie eben spielt. Das würde ich auch für einen Jungen wollen. Ich möchte, dass sie weiß: „Ich bin ein Mädchen, ich werde eine Frau, aber was ich damit mache, das liegt bei mir. Vielleicht finde ich Frauen so toll, dass ich mich später in eine verliebe. Vielleicht faszinieren mich Jungs, weil ich irgendwie denke, ich bin auch einer. Vielleicht. Vielleicht würde ich einfach nur gern meinen Namen in den Schnee pieseln können.“

Sie ist in erster Linie unser Kind, unser kleiner Mensch. Und erst dann unser Mädchen.

***

Wenn euch das Untenrum frei-Buch interessiert, habe ich hier für euch den Link direkt zu Amazon:
Untenrum frei von Margarete Stokowksi

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47 Kommentare

  1. Da du ja recht gelesen bist, weiß ich nicht, ob du das Buch nicht schon längst kennst. Aber ich kann zu dem Thema „Die Rosa-Hellblau-Falle“ von Schnerring und Verlan empfehlen.

  2. Merle kann sehr froh sein, so offene und liebevolle Eltern zu haben 🙂 Ich sehe das ganze genauso wie du und bin schon sehr gespannt WER Merle sein wird 🙂
    Kleiner Schlenker in unsere Familie: mein Bruder und angehender Erstvater meinte neulich es ist ihm völlig egal ob es ein Mädchen oder ein Junge wird. Aber ein Mädchen wäre ein bisschen einfacher, weil dann spart er sich das ständige an-Fußballplatz-fahren am Wochenende 😀 Musste wahnsinnig lachen, weil ER der Fußballverrückte ist und auch immer in Verein spielte. Aber gerade deshalb weiß er, wie zeitintensiv es ist. Naja er wird es einem Sohn nicht verbieten, wenn er will, aber der Hintergedanke war schon lustig. 😀
    PS: wunderhübsche Bilder! Die Schwangerschaft steht dir echt gut!!

    1. Hihi, zum Ballett oder Reitunterricht fahren ist nicht minder aufwändig, wenn es um Klischee-Mächen-Sport geht. 😀
      Ich bin auch echt neugierig, wer sie so sein wird. Wobei ich ja hier auf dem Blog zumindest da nicht arg ins Detail gehen mag, ich möchte nicht ihr Leben hier ausbreiten, sie kann ja nicht mitentscheiden.
      Aber du wirst es auch so erfahren. 🙂

      1. Da sieht man wieder die leichten, kulturellen Unterschiede 😀 Bei euch in NRW ist es viel häufiger so, dass man ein eigenes Pferd hat oder Reitunterricht nimmt. Das ist hier eher sehr selten. Bei uns sind Jungs klassisch im Fußballverein und/oder freiwillige Feuerwehr und die Mädls vllt im Jugendorchester oder … gar nichts. *grübel*

        Gut zu wissen, dass du Merle auch ihre Privatsphäre gibst. Ich habe neulich einen Familienblog entfolgt, weil mir die Mutter VIEL zu private Sachen erzählte. So richtig Tagebuchartig mit vielen Gesichtsbildern der Kinder. Brrr das geht gar nicht!! Wenn die Kinder das in 5-10 Jahren im Teenie-Alter so richtig realisieren und ihre Kindheit für JEDEN nachlesbar finden…. Find ich furchtbar.

        1. Genau deshalb möchte ich das nicht. Was über mich online ist, ist über mich online. Das ists chon viel und etlichen menschen mehr als genug. Aber Merle ist eben einfach ein Teil meines Lebens. Von daher werde ich sie nicht zensieren, aber eben auch nicht zur Schau stellen. 🙂

  3. ‚Auch mir wurde das Bild der BH-verbrennenden Achselhaarfraktion eingeimpft. Die unattraktive, wetternde Kampfemanze. Wer will sich damit schon solidarisieren?‘

    Ich! 🙂 Denn wenn es keine Kampfemanzen gegeben hätte, wären wir bestimmt heute nicht da, wo wir sind.

    Weiterhin alles Gute, und viel Erfolg beim Umgehen von Prinzessin Lillifee… Aber das ist auch alles nicht so tragisch, wenn es daneben genug anderes gibt.

    1. Hmmm, stimmt, das war wohl etwas hart. Und genau das über die Notwendigkeit der Kampfemanzen schreibt Stokowski auch: dass sie wichtig waren. Und das stimmt. Aber ich denke, du weißt, was ich gemeint habe, wenn auch ich an der Stelle nicht genug nachgedacht habe beid er Formulierung. Es ging mir darum, dass viele kluge Frauen davor zurückscheuen sich emanzipiert zu nennen, weil sie bloß nicht so gesehen werden wollen.

  4. Ich habe noch nie drüber nachgedacht, dass man sich da ja auch reinsteigern und ein „es“ erschaffen kann durch den Zwang weder rosa noch blau anzuziehen… Und den Pragmatismus den ihr an den Tag legt kann ich sehr gut verstehen. Vermutlich würde es bei mir also ähnlich ablaufen. Und mal ganz im Ernst, Kindern ist es relativ lange wirklich egal, was sie tragen solange nichts kneift. Und danach bekommen sie halt Mitspracherecht, das regelt sich vermutlich fast von alleine.

    1. Ich glaiube das ist von Kind zu Kind sehr unterschiedlich, ab wann ihnen wichtig wird, was sie tragen. Und das hat glaube ich auch wieder viel damit zu tun, wie auf sie reagiert wird. Betonung von Schönheit, Junge-oder-Mädchen-Frage, eigenes Interesse… Mir war es so ab dem Kindergarten wichtig und es war genau, das: bitte nichts, was kneift, bitte zum dreckig machen dürfen aber am liebsten trotzdem die Lackschühchen mit den Rüschesöckchen dazu. Ich wollte also aussehen wie ein Mädchen, aber bequem sollte es sein. Ging meist nicht so ganz zusammen…

  5. Liebe Heike, als Mama einer Vierjährigen musste ich über diesen Post herzlich schmunzeln. Ich machte mir vor der Geburt ähnliche Gedanken und habe dabei – wie Du 😉 – einen Faktor außer Acht gelassen: den Dickkopf meines Kindes! Schon mit einem Jahr hat sie nicht mehr klaglos angezogen, was ich ihr rauslegte. Zu der Zeit war sie noch nicht in Fremdbetreuung, daran lag es also nicht. Irgendwann war ich die Kämpfe leid. Dann gingen wir eben mit Rüschenkleid, Feenflügeln und Gummistiefeln zum Matschen auf den Spielplatz. Geht alles. 🙂 Und wenn Du meine Tochter fragst, gibt es nur eine ultimative Mädchenfarbe im Moment: hellblau!!! (Elsa aus Frozen lässt grüßen.) Alles Gute für euch und liebe Grüße, Mone

    1. Oh ja, die Fraktion Elsa! Alle, die Kinder in Kindergarten und Grundschule haben (Mädchen) berichten dasselbe: die Mädels sind dem völlig erlegen. Das wundert mich kein Stück, dass sie dann hellblau wollen. 😀
      Ich finde das Bild süß, was ich im Kopf habe, mit der kleinen Matschfee. Ich wollte auch immer beides (grad schon in anderem Kommentar geschrieben) bitte zum Dreckigmachen, aber am liebsten trotzdem Rüschen und Lackschuhe. Was ich dann tatsächlöich anhatte steht auf einem anderen Blatt. 😉
      Liebe Grüße,
      Heike

  6. Ein sehr interessantes Thema, allgemein die Sache mit Geschlechterklischees und was man nun als Junge/Mädchen mögen darf/soll und was nicht.
    An mir selbst gemessen kann ich dazu folgendes beitragen: ich hatte und habe immernoch, zwei wunderbare Eltern die mir im Leben so oft meine eigene Entscheidungsfreiheit gelassen haben. Klar, als Kind habe ich auch sehr oft rosa getragen, oder Klamotten mit typisch mädchenhaften Motiven (Mini Maus, Daisy – ich war damals schon und bin heute noch ein richtiger Disney Narr 😀 ) oder wollte schon immer hübsche, lange Haare haben. An fasching war ich wie sämtliche andere Mädchen oft eine Prinzessin im knallpinken Kleid mit Krönchen und mit meinen Freundinnen haben wir regelmäßig Sailor Moon „geroleplayed“. Trotzdem durfte ich immer auch selbst entscheiden was ich am liebsten anziehen mag, welche Spielsachen ich will, wer oder was ich an Fasching sein wollte und all das. Das Zimmer von mir und meiner Schwester war in etwa typisch mädchenhaft ausgestattet, mit Barbies, Traumhaus, Pferdchen und den dazugehörigen Ställen, Kinderschminke, all das Zeug. Und trotzdem fanden sich hier und da immer wieder auch mädchen-untypische Sachen unter den Besitztümern von mir und auch meiner Schwester. Wir LIEBTEN beide Glitzer (und ich bin auch heute noch von funkelnden Dingen hypnotisiert), aber wir konnten uns auch stundenlang mit den Matchboxautos meines Bruders beschäftigen. Die dazugehörige Spielgarage mit Werkstatt war genauso sehr fesselnd, wie wenn wir nun unsere Barbies auf ihre Pferde setzten und in den Stall ein und aus reiten ließen.
    Mein Dad war in seinen jungen Jahren ein ziemlicher Computer- und Techniknarr und hat sich einige Spiele für PC und Playstation gekauft. Zack – da war dann schon meine erste, riesengroße Leidenschaft geweckt, mit gerade mal 6 Jahren. Ich war von nun an auf dem Weg zur Hobbyzockerin. Heute immernoch eine meiner Lieblingsbeschäftigungen zum Kopf komplett abschalten. Damals waren aber die Barbies noch nicht weniger interessant, die hatten ihren Platz in meinem Herzen tatsächlich sehr, sehr lange. bis ins Teeniealter.
    Mit dem Thema Schule haben es meine Eltern genau so gehalten und, liebe Heike, wenn ich dir auf diesem Weg einen ganz lieb gemeinten Rat geben darf: zwingt euer Töchterchen nicht auf eine Laufbahn, wenn sie es nicht will. Seit der dritten Klasse haben damals die Lehrer auf meine Eltern eingeredet, sie müssten mich unbedingt aufs Gymnasium schicken. Ja, ich war in der Schule meistens überm Durchschnitt und hätte das Gymnasium bestimmt gut abgeschlossen, aber der Punkt war, ich wollte nicht. Meine Eltern haben mich oft gefragt ob ich denn wirklich nicht gehen wollte und haben sanftmütig auf mich eingeredet. Trotzdem haben sie diese (meiner meinung nach verdammt wichtige) Entscheidung immer mir überlassen und darüber bin ich heute sehr froh und dankbar. Ich würde es auch jetzt nicht anders entscheiden. Letztlich habe ich dann die mittlere Reife gemacht, hätte anschließend immernoch Abi machen können, habe einen interessanten Beruf mit vielen Aufstiegsmöglichkeiten erlernt (bin gelernte Industriemechanikerin, die sich trotzdem gerne schminkt und Glitzerdinge mag ;D ) und bin heute in einem sehr guten Arbeitsverhältnis angestellt. Mein Weg war nicht immer einfach, aber wenigstens kann ich keinem einen Vorwurf machen und heute bin ich durch so manche Rückschläge auch dementsprechend stark und erfahren.

    So, soviel zu einem Teil meiner Lebensgeschichte. Ich hoffe ich habe dich nicht zu sehr um Kostbare Lebenszeit gebracht, aber mir sind so viele Eindrücke des Erwachsenwerdens hängen geblieben und dachte, ich könnte diese mit dir und deiner künftigen Familie teilen. Jedenfalls wünsche ich dir, deinem Benedict und eurer kleinen Merle alles erdenklich gute, euch steht eine aufregende Zukunft bevor und ich bin mir sicher, dass ihr eurem Mädchen ein wunderbares Leben bietet.

    Liebe Grüße, Natascha

    1. Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen. 🙂 Es geht ja auch viel darum, wie man utnerbwusst kommuniziert. „typisches Mädchen“, „trotzdem Technik mögen“ „sich trotzdem schminken“. Allein, dass man selbst schon dieses „typische empfindet, sagt viel darüber aus WIE unglaublich tief Rollenbider in uns verhaftet sind, wenn sie einmal manifestiert wurden. „Trotzdem“ ist auch so etwas. Das Wort macht deutlich, dass es ein kraftakt ist sich für etwas zu entscheiden, was ungewöhnluc ist. Ungewohnt eben. Anders. Etwas, was eine Art rechtfertigung braucht. Statt eines einfachen „unds“. Ich esse Schokolade und mag Käse. Ich esse Schokolade und mag trotzdem Käse. 😉
      Es ist sehr spannend und ich bin auch immer wieder fasziniertd avon wie viel von solchen „Wahrheiten“ in mir verankert sind, einfach weil man ja gar nicht dazu in der Lage ist permanent all seine Gedanken auf die Goldwaage zu legen. Aber wenn man es mal tut, so wie eben hier für den Artikel, wow, dann schlackern einem ganz schön die Ohren. Also mir zumindest. 🙂

  7. Liebe Heike,
    schöner Beitrag wiedereinmal. Tolle Einstellung. Die kleine Merle ist schon jetzt zu beneiden. Im Hause Gerkrath möchte ich auch Kind oder Hund sein.

    Fasziniert bin ich, dass das Kleid noch passt Und es ist so ein schönes Kleid.

    Weiterhin Alles Gute,
    LG, Sabine

    1. 😀 Du, das war ich auch, also dass das Kleid noch passt! ich hab es ja extra so gekauft, dass mein Blähbauch darin auch zickig sein darf, da hab ich ja schon zu viele unbequeme Erfahrungen mit engen Kleidern gesammelt, die ich dann nachmittags aufmachen musste, weil einfach kein Platz für Essen und ein bisschen Pupsgas war und ich mich sonst nur gequält habe.
      Aber dass da SO viel Platz drin sein könnte, hätte ich auch nicht gedacht. Der Stoff ist aber auch etwas elastisch. 🙂

      Und Danke dir! Ich mag mein Bestes geben genau so ein zu Hause für Hurley und Merle zu bieten. Klappt oft gut, manchmal nicht so, wenn ich einfach total müde bin und er doch nur 2 Hunderunden am Tag bekommt und einmal Gartenpipi statt 3x rauszugehen. Aber so ist das dann. Dafür wollte wir auch einen Garten. Dass das geht. Dass er immer raus kann, auch wenn wir keine Zeit oder Energie finden mit ihm die üblichen Runden zu drehen.
      LG, Heike

  8. Wunderschöne Bilder!

    Es ist sehr schön dass du deine Gedanken so ausführlich aufschreibst und uns teilhaben lässt.

    Ich finde ja weiß als primäre Kleidungsfarbe schon mutig – im Hinblick auf die Fleckenresistenz…

    Du erwähnst dass die meisten Menschen es befremdlich finden wenn ein Junge rosa trägt und mit Puppen spielt, während es begrüßt wird wenn ein Mädchen „Jungskleidung“ trägt und mit Dinos spielt. Ich habe folgenden Gedankengang dazu gelesen (ich weiß leider nicht mehr wo): Wenn das Mädchen sich der Jungsrolle annähert, wird das als „Aufstieg“ gesehen (stärker, unabhängiger etc.) während der Junge, der sich der Mädchenrolle annähert einen „Abstieg“ vollzieht (emotionaler, „weicher“ etc.). Deswegen wird das eine begrüßt und das andere nicht. Abstrahiert bedeutet das, dass Männer immer noch mehr „wert“ sind in der Gesellschaft. Sehr schade.

    Ähnliche Überlegung: Kennst du den Bechdel-Test? Er macht keine Aussage darüber ob ein Film gut oder schlecht ist, nicht mal ober er feministisch ist oder nicht. Aber er macht eine Aussage über die Gesamtmasse der Filme. Die Tatsache dass überraschend wenige Filme diesen Test bestehen, sagt meiner Meinung nach aus, dass die default-Rolle immer noch männlich ist.

    1. Hi Florence,

      ich glaube, es spielt vor allem mit rein, dass Eigenschaften, die als „typisch männlich“ gelten, besser bewertet werden, als „typisch weibliche“ Eigenschaften. Was schade ist, das Gleichgewicht macht’s.

      Der Bechdel-Test ist schlicht und ergreifend nicht für das geeignet, für das er gerne benutzt wird. Er testet genau nur, ob es mindestens eine Szene gibt, in der zwei Frauen sich miteinander über etwas unterhalten, das kein Mann ist, und nicht mehr. Er ermöglicht keine Aussagen darüber, ob die Frauenrollen wichtig sind, klug sind, emanzipiert sind. Jeder Film, in dem sich zwei Frauen im Cafe über ihren Nagellack unterhalten besteht den Test.
      Wenn ich mir ankucke, in wie vielen Filmen gezeigt wird, dass jemand auf Toilette geht, ist das auch interessant. Aber wenn ich was daraus ableiten will, muss das anders gestaltet sein.

      Viele Grüße,
      Katja

      1. Hi Katja,

        aber genau das meinte ich doch, dass der Bechdel-Test nichts über Emanzipation etc. aussagt. Er macht erst in der Gesamtheit eine Aussage. Es gibt jede Menge Filme/Szenen in denen sich Männer über ein anderes Thema als eine Frau unterhalten. Aber eben überraschen wenige, in denen sich zwei Frauen über was anderes als einen Mann unterhalten. Das sagt was über die Repräsentation von Frauen in Filmen. Obwohl die Gesellschaft zu 50% aus ihnen besteht, werden sie überraschend selten dargestellt. Genauso wie im normalen Leben deutlich öfter auf Toilette gegangen wird, als das in Filmen dargestellt wird. Daraus kann man ableiten, dass „auf Toilette gehen“ in Filmen unterrepräsentiert ist. Ob ich das jetzt gut oder schlecht finde, ist ja noch mal eine andere Frage.

        1. Hi Florence,

          da irgendwas meinen letzten Beitrag gefressen hat, hier jetzt nochmal. (Und diesmal mit Sicherungskopie – nimm das digitaler Beitragsfresser.)

          Zunächst mal, kann der Bechdeltest keine Aussage über die mengenmäßige Repräsentation von Frauen im Film machen. Oder sagen wir es sorum: Wenn ein Film keine Frauen enthält, besteht er den Bechdeltest mit 0/3 nicht, allerdings kann ein Film den Bechdeltest auch aus anderen Gründen nicht bestehen. Andererseits kann ein Film den Test bestehen, wenn am Anfang des Films zwei absolut unwichtige, aber benannte Frauen sich über das Wetter unterhalten, und danach nie wieder eine Frau auftaucht.

          Ich halte den Test nicht für das geeignet, für das er benutzt wird. Er ist nicht als wissenschaftliches Werkzeug erschaffen worden, sondern als ein „He, kuck mal da ist ein Problem.“ (wobei er das gut macht).
          Das bringt eine Reihe von Problemen mit sich: Es ist nicht klar, was konkret mit Männern und Frauen gemeint ist. Ok, klingt erstmal korinthenkackerisch, aber was machst du mit Aliens, anthromorphisierten Tieren, Gottheiten, Transcharakteren. Wie spielen Kinder mit rein? Rein nach dem Wortlaut sind die keine Männer und Frauen sondern Jungen und Mädchen.
          Drachen zähmen leicht gemacht besteht den Test zum Beispiel, weil es wohl eine Szene gibt, in der Astrid und Ruffnut (ich weiß nicht mehr, wie die im Deutschen heißt) sich über eine Taktik unterhalten, um einen Drachen zu besiegen. ( http://bechdeltest.com/view/711/how_to_train_your_dragon/ ) Gleichzeitig besteht Avatar – Aufbruch nach Pandora den Test nicht, weil Neytiri sich mit ihrer Mutter über Jake unterhält. Sie nehmen ihn, in dem Moment, wohl nicht als Mann wahr, der Zuschauer aber schon, weswegen die Argumentation ist, dass es nicht zählt. ( http://bechdeltest.com/view/582/avatar/ ) Und was mache ich jetzt, wenn ich den Drachen in Drachenzähmen als männlich wahrnehme? Zählt der dann nicht, weil er ein Tier ist? Weil er nicht sprechen kann? Weil es nicht klar ist, ob er ein Männchen oder ein Weibchen ist? Siehst du wie viele Fragen sich hier stellen? Die lassen Raum für Interpretation und das ist nicht cool.
          Ähnliches gilt für Unterhaltungen: Was machst du mit Unterhaltungen, die nicht in der Sprache geführt werden, in der der Film hauptsächlich gesprochen wird?
          Klingt zu weit hergeholt? Gran Torino besteht den Bachdeltest nicht (http://bechdeltest.com/view/502/gran_torino/ ), weil die Frauen, die dem Protagonist Essen und Geschenke bringen, sich auf Vietnamesisch(?) unterhalten, was der Durchschnittszuschauer nicht versteht. Es ist absolut gerechtfertigt, das nicht zählen zu lassen, der Test gibt es an sich nur nicht her.
          Außerdem ist unklar, wie lang eine Unterhaltung sein muss. Reicht ein „Hallo“? Was ist mit Chats und Telepathie? Muss der Zuschauer den Inhalt mitbekommen?

          Oder kurz: Der Test wird oft nicht nach seinem Wortlaut durchgeführt, sondern mit dem dahinterstehenden Gedanken, was zu Inkonsistenzen führt und Schwächen der ursprünglichen Formulierung aufzeigt.

          So, das war mein kleines Problem mit dem Test. Mein großes sind die Zahlen. http://bechdeltest.com/statistics/
          Zunächst mal bestanden 2016 rund 65% der Filme den Test in 3/3 Punkten. Das sind nicht „überraschend wenige“. Davon abgesehen geht der Trend dahin, dass immer mehr Filme ihn bestehen.
          Überhaupt nicht (0/3) bestehen den Test unter 10% der Filme. Heißt das, wir haben unter 10% Filme auf dem Markt, in dem keine Frauen vorkommen? Nein, das sind Filme in denen nicht mindestens zwei benannte Frauen vorkommen, das ist ein Unterschied. In den meisten Filmen werden es aber keine Frauen sein.

          Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, das Bestehen nach Genres aufzuschlüsseln: https://imgur.com/a/612eD#0
          Wenn wir uns jetzt noch ankucken, welche Genres die größten Marktanteile haben http://www.the-numbers.com/market/genres wird allerdings klarer, warum es so aussieht, als würden nicht so viele Filme den Test bestehen. (Adventure, Comedy, Action)

          Schauen wir uns die Genres aber mal genauer an. Komödien sind relativ häufig in der realen Welt zur aktuellen Zeit angesetzt. 50% Frauenanteil? Realistisch. Und damit größere Chancen, den Bechdeltest zu bestehen. Spiegelt sich auch in den Zahlen auf imgur wieder.
          Abenteuer und Action haben hingegen haben eine Tendenz in Settings zu spielen, die typischerweise keine Frauenanteile von 50% haben.
          Noch deutlicher wird dieser Effekt aber bei historischen Filmen (Master and Commander) und Kriegsfilmen (Saving Privat Ryan/Der Soldat James Ryan), sowie einigen Filmen, die auf Buchvorlagen (Twelve Angry Men/Die Zwölf Geschworenen) oder historischen Begebenheiten beruhen. (Ja, ich hab Extrembeispiele rausgesucht.)
          Natürlich gibt es auch in den Bereichen Ausnahmen, die sich um Frauen drehen, beispielsweise Red Sniper. Aber es sind – wie gesagt – Ausnahmen, weil Frauen in solchen Positionen auch genau das waren: Ausnahmen.
          Grundsätzlich ist es richtig, dass wir 50% Frauen in der Gesellschaft haben, aber das gilt eben nicht für alle in Filmen abgedeckten Settings.

          „Aber in Master und Commander hätte man eine Frau reinschreiben können!“ – Hätte man, aber das hätte den Grundkonflikt des Films aufgeweicht, weil Erklärungsarbeit notwendig gewesen wäre, warum die da ist, was die da macht und so weiter. Beim Hobbit ergibt sich zum Beispiel ein ganz komischer Effekt, weil Tauriel nicht in die Welt gehört und passt und man ihr trotzdem Zeit einräumt.
          Die Zwölf Geschworenen profitieren sogar von der geschlechtlichen Gleichheit der Geschworenen, weil die Botschaft des Films nichts mit „Mann und Frau“ zu tun hat. Man könnte das Buch genausogut mit zwölf weiblichen Geschworenen und einer Angeklagten verfilmen und es würde der zugrundeliegenden Nachricht keinen Abbruch tun.

          Gewinnen Filme etwas dadurch, dass sie den Test bestehen? Nein. Drachenzähmen wird nicht besser, weil Astrid und Ruffnut zwei Sätze über diesen Drachen verlieren, die Bourne-Reihe wird nicht schlechter, weil sich Pam und Nickie nur über Bourne unterhalten.
          Dazu kommt auch, dass Filme nicht das reale Leben wiederspiegeln. Mein Alltag (ich studiere ein MINT-Fach mit Frauenanteilen von 10-30%) besteht den Bechdeltest nicht immer (insbesondere, wenn man Begrüßungen nicht als Unterhaltungen zählt), aber doch oft. Wenn man einen Film draus machen würde, wäre das schwieriger, weil durch die Beschränkung auf rund 90 Minuten viele kleine Gespräche nicht mitgenommen werden könnten.
          Wer Interesse hat, kann sich ja mal die Begründungen für’s Bestehen oder Nichtbestehen von Filmen ankucken: http://bechdeltest.com/ Ich finde es sehr bezeichnend, wie oft es irrelevante Miniszenen sind, die zum Bestehen beitragen.
          Außerdem habe ich die Vermutung, dass man Filme heute in diese Richtung „optimiert“ und sonst nicht viel ändert, weil der Test sich relativ leicht betrügen lässt (z.B. sehr offensichtlich-ironisch anscheinend hier http://bechdeltest.com/view/7419/death_race_2050/ ). Inwieweit diese „Betrügerei“ in großem Stil passiert, müsste man sich aber mal sinnvoll ankucken.

          Also kurz gesagt ist die Situation nach den Zahlen nicht so schlecht, wie man gerne behauptet, und die restlichen 35%, die den Test nicht bestehen, müsste man mal genauer auf die Gründe untersuchen.

          Dass die Industrie tendenziell ein Problem mit sinnvollen Frauenfiguren hat, ist ein anderes Thema, aber das lässt sich an diesem Test nicht ablesen.

          Lieben Gruß,
          Katja

    2. Ui, das ist ein guter Gedankengang und finde ich sehr nachvollziehbar. Ja… Ich hoffe das wandelt sich weiter. Männer/Jungs haben ja jetzt schon finde ich darunter zu leiden, dass ihre weiche Seite eben bitte sehr differenziert sein soll. Also nicht ZU empfindlich. Nicht ZU weich. Nicht ZU auf Kleiung bedacht. Er soll bitte emotional sein in Romantik und da auch mal weinen, aber so Schwächeweinen bitte eher nicht udn schon gar nicht häufiger. z.B. Das passt sehr gut zu dem, was du beschreibst… Übel. Das Pendant zu: Frau soll tpugh sein, aber kein Mannsweib. Sie soll stark sein, aber sich gern an eine Schulter anlehnen. Soll, soll, soll. Kimberly Snyder, der ich ja wegen der Futtergeschichten eine zeitlang gefolgt bin, hat das mal „should-shaming“ genannt. Es Bezog sich bei ihr darauf, dass sie Mutter geworden war und sie von allen Seiten zu hören gekriegt hat was sie alles tun SOLLTE. So viel Druck. Eben verpackt als Druck udn Aufforderung und nicht als Vor- oder Ratschlag. SOLLEN ist immer arg mit Vorsicht zu genießen. Ich achte da sehr drauf, seit ich das von ihr gelesen habe. Wer sagt da denn, das man soll? Hat man da wirklich die Kompetenz? So wie ein Arzt sagt: „Sie sollten besser nicht an der Wunde kratzen.“ Das ist gerechtfertigt. Aber jeman der sagt „Du solltest mal das und das probieren“ fordert mehr als jemand,d er sagt „hast du schon das und das probiert? Das könnte gut sein.“
      Blaaaa….
      Den Bechdel-Test kannte ich nicht, nein. Hab mir das grad mal angeguckt. Ui. Das ist ja erschreckend! Selbst bei so modernen Filmen noch… krass. Damit hätte ich nichtg erechnet. Wirklich nicht. Ich meine Margarete Stokowski bezieht sich eventuell auch auf diesen test, zumindest geht sie explizit auf Disney-Filme ein. Und da fand ich schon krass dass selbst bei Disney Filmen, in denen es ja meist eine Prinzessin als Protagonistin gibt, die Sprechrollen in der Regel bei den männlichen Charakteren liegen. Mal ganz davon ab, dass es sich da ja, meist um einen Traumprinzen dreht. Ich glaube Arielle finde ich am schlimmsten… Böse Hexen gibt es dafür reichlich…

      1. Ich hatte am Donnerstag noch eine längere Antwort auf Florence Kommentar geschrieben – ist die irgendwo verschütt gegangen? Wenn ja schreibe ich sie heute Nachmittag kurz neu, die ist mir schon wichtig.

        Liebe Grüße,
        Katja

        1. Huhu… ich meine auch deine lange Antwort sogar beim ersten Scrollen über die Komemntare auch gesehen zu haben, aber jetzt finde ich sie nicht mehr. Eine Erklärung habe ich dafür leider nicht. Wie doof ist das denn… Technik.

      2. Liebe Heike,

        ich lese schon seit längerer Zeit sehr gern bei dir mit und hatte schon mehrfach das Bedürfnis, mit dir in Austausch zu treten – bin aber nie über meinen Schatten gesprungen 😉 Dieses Thema ist mir allerdings ein besonderes Herzensthema, da ich bereits seit Jahren im Bereich Feminismus (genauer im queerfeministischen Bereich) aktiv bin und entsprechend auf das Thema gender sensibel reagiere.
        Ich kann dir in deinen meisten Punkten absolut zustimmen. Nur würde ich dich gern bitten, deine Haltung in einem Punkt zu überdenken: dass du für dich mit dem Thema erst mal durch bist. Natürlich ist die Diskussion über die Kleidung von Babys und Kleinkindern eigentlich eine, die nur am Rande interessant ist im großen Komplex des Heranwachsens, allerdings ist die Kleidung und Farbwahl ja nur die Spitze eines Eisbergs, der bei der Diskussion um die Farbe Rosa nur besonders deutlich wird. Wir sprechen hier vom wohl ältesten und weitreichendsten Unterdrückungsmechanismus der Menschheit (abgesehen von der Unterdrückung des Tiers durch den Menschen), dem Patriarchat. Das ist ein Thema, mit dem kein Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt „erst mal durch“ sein sollte, wenn wir uns die Gleichstellung aller Geschlechter wünschen 🙂 Denn dazu ist es notwendig, solange auf Missstände hinzuweisen, bis diese behoben werden. Dazu ist es noch dringender nötig, sich die eigenen Privilegien bewusst zu machen und mit diesen bewusst umzugehen – natürlich lassen diese sich nicht wegzaubern, aber durch die Bewusstmachung kann ich besser einschätzen, wann ich mich in welcher Position befinde. Ich bin beispielsweise weiß, cis, hetero, ablebodied, habe einen Körper, der der gängigen Norm entspricht, habe ein festes Einkommen, habe Hochschulabschlüsse. Damit bin ich bedeutend privilegierter als jemand, der PoC/schwarz, trans/agender/genderfluid/whatever, lesbisch/bi/poly/whatever, beHindert, fett, arm, ohne höhere Bildung ist. Mit fehlen dagegen die Privilegien Männlichkeit und Reichtum, mit dem sich ja ebenfalls Macht ausüben lässt. Das klingt nach einer Aufzählung von Gemeinplätzen, aber so werde ich eben auch von meiner Umwelt gelesen und so bin ich in díeser Gesellschaft positioniert. Und das MUSS ich mit bewusst machen, wenn ich bewusst damit umgehen möchte.
        Es ist wunderbar, dass ihr euer Kind in erster Linie als Menschen betrachtet. Allerdings müsst ihr euch gleichzeitig bewusst machen, dass sie nicht in erster Linie als „Mensch“ von ihrer gesamten Umwelt gelesen werden wird, sondern eben als „Mädchen“ bzw. später „Frau“ (oder eben „cis-hetero Frau, lesbische Frau, trans Mann – wie auch immer das Leben dieses kleinen Menschen aussehen mag) und sie dementsprechend behandelt werden wird. Daher ist dieser Wunsch eigentlich eine Illusion. Sie wird in eine patriarchale Gesellschaft geboren werden und genau als diese sollte sie diese auch differenziert vermittelt bekommen. Denn davon, dass wir alle behaupten, wir seien doch schon längst alle gleichberechtigt, geht das Patriarchat nun mal nicht weg 😉

        Entschuldige bitte den langen Kommentar… wie gesagt, das Thema ist mir einfach ungeheuer wichtig. Und ja, ich bin eine von diesen „Emanzen“, die es vollkommen in Ordnung finden, wenn Frauen Körperbehaarung haben und solidarisiere mich sehr sehr gern mit dem von dir beschriebenen Schreckgespenst 🙂 Wir haben nicht nur unseren Vorstreiter*innen viel zu verdanken, die BHs verbrannt haben, sondern auch heute noch all denjenigen, die sich für die Rechte von Menschen einsetzen, die jedweder Form von Diskriminierung ausgesetzt sind. Und dummerweise gehören selbst heute noch Frauen dazu. Und daher wünsche ich mir – für mich, für dich, für eure Tochter, für meine zukünftigen Kinder und alle anderen Menschen – von Herzen, dass niemand mit diesem Thema für sich abschließt, sondern eine bessere Welt erschafft. Besonders diejenigen, die das Glück haben, ein Kind beim erwachsen werden begleiten zu dürfen. Die Farbe Rosa und Schleifchen sind dann irgendwann wirklich vielleicht „einfach nur eine Farbe“ bzw. „einfach nur süß“ 🙂

        1. Vielen lieben Dank für den tollen und noch dazu so langen Kommentar! Man merkt sofort, dass du super im Thema bist, da kann ich mich nur einmal verbeugen.
          Mit „ich bin erst mal mit dem Thema durch“ heißt hier: blogtechnisch. Ich bin selten mit Themen wirklich durch, dafür bin ich zu neugierig und zu interessiert. Nur kann und will ich hier nicht alles bis ins letzte Detail (und ein letztes gibt es ja wie gesagt dann sowieso nicht) behandeln. Haselnussblond lebt für mich und für andere von der Vielfalt. Dass es längst nicht mehr nur Haare sind, ist finde ich der größte gewinn dieser Seite. Aber es bleiben eben meine Themen. Was mich aktuell beschäftigt.
          Z.B. Ist für mich das Thema Veganismus/Vegetarismus/moralisch korrekte Ernährung und Konsum noch lange nicht durch, aber ich habe für mich beschlossen, das hier nicht weiter auszubreiten.
          Mich treibt einiges um. Politisches, Gesellschaftsliches, Persönliches. gelernt habe ich schon, das ich gesellschaftlich für mich immer vergleichsweise wenig erreichen kann, wohl aber für Folgegenerationen. Oder bleiben wir beim Konjunktiv: könnte. Perösnlich für mich kann ich dagegen jetzt viel tun und da dann an gesellschaftspolitische Grenzen zu stoßen zeigt eben ganz gut, wo der eigenen Tellerrand aufhört. ess ist spannend, wichtig und nicht zuletzt oft auch frustrierend.
          Da ich wie gesagt nicht ALLES machen kann, war das Genderthema für mich nur ein Ausflug hier auf dem Blog. Meine Schwerpunkte bleiben vermutlich eher im Populärmedizinischen, Lifecoaching, Haarkram und Lifestyle. Was Kritik absolut nicht ausschließt und mich sehr breit aufstellt. Ich empfinde das als sehr lebensnah. Aber ich habe für mich nicht den Anspruch hier DEN Blog zu einem Thema anzubieten. Das tun andere finde ich sehr sehr gut und ich nutze solche Seiten gern. Aber ich für mich mag mich ganz gern als eierlegende Wollmilchsau, auch wenn meine Wolle nicht mit der eines Vollzeitschafs 😉 dann mithalten kann. 🙂

          Viele liebe Grüße, und kommentier gern wieder, ich habe deine Worte wirklich gern gelesen.
          Heike

          P.S.: Zu dem Schreckgespenst habe ich mich schon in einem anderen Kommentar gerechtfertigt. Das war nicht weit genug gedacht beim Schreiben und liest sich bedeutend intoleranter als es ist. Das Schreckgespenst wurde mir eingeimpft, sehr (gesellschaftlich, definitiv nicht familiär), allerdings fürchte ich es nicht wirklich. Ich habe es aber wohl so stark internalisiert, dass ich immer noch große Proleme damit hätte so wahrgenommen zu werden. Obwohl ich weiß, dass mir das gepflegt den Buckel runter rutschen sollte. Ich übe mich. 🙂

          1. Liebe Heike,

            alles klar, dann habe ich diesen Satz einfach völlig falsch verstanden – dass gender nicht das Hauptthema deines Blogs werden wird (oder sein sollte), ist mir absolut einleuchtend! Daher wünsche ich dir auf diesem Wege alles alles Liebe! Und auch ganz viele Denkanstöße „im real life“, von denen wir hier zwar nichts mitbekommen, aber ich hoffe sehr, dass dich deine Recherche für deinen Blogbeitrag an dieser Stelle ein wenig angefixt hat 😀
            Ich glaube, du bist ein sehr selbstreflektierter Mensch und hinterfragst an vielen Stellen nicht nur, ob du etwas für dich willst oder nicht, sondern eben auch, WARUM du denn etwas willst oder nicht. Und unserer gender ist ja etwas, das uns sehr stark in dem prägt, was wir wollen. Ich denke, jeder Mensch kann davon nur profitieren, wenn er*sie hinterfragt, warum ich denn xy gerade will. Und ob ich das wirklich wirklich will oder ob da eigentlich ganz tief in meinem Inneren gesellschaftlich verankerte Strukturen wollen, dass ich xy will 😉 Nun ja. Der Gedanke ist ja eigentlich ein alter Hut. Mir tut es dennoch gerade gut, den noch einmal auf einer Plattform loszuwerden, die diesen Gedanken eben nicht als zentrales Thema hat. So wie du es so schön formuliert hast: „Was ich viel sehe, sehe ich mir schön.“ Absolut. Gefühlt machen sich aber nur sehr wenige Menschen, denen ich begegne, Gedanken darüber, was ihre Wünsche, ihren Geschmack, ihre Bedürfnisse prägt, sondern scheinen diese als etwas hinzunehmen, das sozusagen einfach „vom Himmel fällt“ und völlig unbeeinflusst/unbeeinflussbar aus ihrem tiefsten Inneren käme 🙂 Und das bezweifle ich nicht grundsätzlich, aber eben doch an sehr vielen Stellen.

            Ja, deinen Kommentar zum Schreckgespenst hatte ich vorher bereits gelesen – mir war es allerdings dennoch wichtig, mich persönlich dahingehend noch einmal zu positionieren 🙂 Das war nicht als Kritik an dir gedacht. Mich erschreckt es allerdings immer wieder, was für ein Drama es aber beispielsweise für manche junge Frauen in meinen Sportkursen ist, wenn sie es nicht mehr geschafft haben, sich vorher zu rasieren. Und dass um so ein eigentlich völlig nebensächliches Thema so viele Gedanken kreisen können, die Zeit, gute Laune, Selbstwertgefühl etc. zu fressen scheinen – DAS erscheint mir doch tatsächlich sehr toxisch. Mal davon ab, dass ich auch viele Menschen kennengelernt habe, die in vielerlei Hinsicht nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen und dennoch als wahnsinnig attraktiv gelesen werden. Is halt nicht so, dass die Emanze mit Achselhaar alle Männer verschrecken würde, mal ganz plakativ gesagt 😀
            Und daher erschreckt es mich schon immer wieder, wenn dieses Klischee immer noch als etwas Negatives auftaucht. Es sollte eigentlich eher mit Stolz gesagt werden „Ja, ich bin Feministin“ oder wahlweise auch „Jup, Emanze hier“. Dass diese Worte einfach nicht mehr als Schimpfworte taugen können, sondern als Selbstbezeichnung positv besetzt werden. (Genau wie beispielhaft die „Kampflesbe“, die „Schwuchtel“, die „angry black woman“ oder „fett“, wobei ich diese Begriffe hier nur kurz anzitieren möchte – da diese nicht mich selbst betreffen und ich daher nicht das Recht habe, darüber stellvertretend zu sprechen.)

            Ganz liebe Grüße, auch an die Familie! 🙂

          2. Hui, endlich komme ich zum Antworten, verzeih mir die Verzögerung 🙂
            Ja, da hast du Recht, ich mag immer einmal mehr fragen. Warum ist etwas so? Und warum ist das, was mir dann als Antwort präsentiert wird so?
            Das mit der Rasur ist echt spannend. Ich kann mich absolut nicht davon frei machen: mir wäre das im Sportkurs auch unangenehm, das habe ich total internalisiert. Bei geputzten Zähnen sind die Leute nicht so, obwohld as viel wichtiger wäre. Aber sieht man eben nicht – zumindest nicht sofort. 😉
            Das ist eben das Bild, dem Frau entsprechen soll. Sagt wer? Das ist dann der springende Punkt. Ich weiß das jetzt also und rasiere mir trotzdem die Achseln. Weil ich es schön finde. Wrum finde ich das schön…? Und so schließt sich der Kreis bzw. wir drehen uns.

            Viele liebe Grüße und vielen Dank für die ANnregungen. Denn ja, du hast Recht, das Thema ist präsent auch nach dem Artikel und hat auch dazu geführt, dass ich noch mehr darauf hineise, wenn mir etwas unterkommt, was ich einfach nur wie du sagst „toxisch“ finde. Gerade Situationen, die einfach so hingenommen werden.

  9. Hallo Heike,

    den Wanderuterus finde ich extrem witzig. Biologisch isses Quatsch, aber zumindest für mich persönlich passt’s ganz gut. (Ok, da wir mit Barrieremethode verhüten nur so halb.) Ich werde jedenfalls irgendwann kratzig, wenn Herr Freund und ich zu lange keinen Sex hatten. Gut, da spielen noch andere Faktoren mit rein, aber trotzdem. „Schatz, meine Gebärmutter beißt mich grad wieder ins Hirn.“ – „Ok, dann heute Abend früher ins Bett!“ 😛

    zu #teamblau
    Ich glaube, da spielt mit rein, dass vor der Pubertät Haarlänge, Kleiderwahl und -farbe die einzigen Anhaltspunkte sind, ob das ein Junge oder ein Mädchen ist.
    Röcke und Kleider sind in unserem Kulturkreis typische Frauenkleidung, da liegt die Annahme, dass das Kind mit dem Rock ein Mädchen ist, nicht fern. In anderen Kulturen ist das anders, da wird niemand nach dem Rock unterscheiden. Andersrum: Steck ein Mädchen in einen Anzug und jeder hält das für einen Jungen. Wette ich drauf.
    Mein kleiner Bruder wollte eine Zeit lang übrigens unbedingt meine Kleidchen anziehen. Durfte er dann auch. Er fand die Dinger eine Weile lang cool, dann war das auch vorbei und Hose und T-Shirt waren wieder ok.
    *räusper* Jedenfalls, sobald die Pubertät durch ist, wird das mit Farbwahl und Haarlänge wieder entspannter. Pinke Hemden wirken auch anders als pinke Röckchen. Lange Haare werden dann eher mit „Ah, Metaller?“ quittiert, wenn überhaupt.
    Ok, ein paar Idioten gibt’s immer, aber an denen muss man sich ja nicht messen.

    Was die Altersunterschiede angeht, sag ich mal aus meiner Erfahrung, dass die nur problematisch sind, wenn man sie bemerkt. Weil, mal ganz ehrlich, ein 35-Jähriger, der mit einer 25-Jährigen zusammen ist, die im Kopf bei 15 hängengeblieben ist, wird auch ganz schnell ganz komisch angekuckt.

    Was die Reife und alles andere angeht, denke ich aber auch, dass da zu wenig hin erzogen wird. Ich möchte am Ende keine unselbstständigen Kinder haben, die ihre Dünkel an anderen auslassen. Weder Mädchen noch Jungen.
    [rant]Und ich möchte in Gottes Namen auch nicht, dass das Kind diesen Genderunfug, der im Moment betrieben wird, für voll nimmt. Meine Entscheidung ein MINT-Fach zu studieren ist nicht besser oder toller als die eines Kommilitonen, weil ich ne Frau bin – wir machen beide, was uns interessiert. Sämtliche Kommilitonen und Professoren kapieren das auch – nur und gerade Geisteswissenschaftlerinnen nicht. Diese Versteifung auf Geschlecht reißt nur Gräben auf, wo keine sein müssten.[/rant]

    Lieben Gruß,
    Katja

    1. Aaach ich schätze deine Kommentare immer sehr. 🙂
      Das mit dem Kulturkreis ist absolut richtig. Es kommt aber finde ich genau hier noch etwas hinzu. bzw in vielen Kulturen: Mädchenkleidung ist oft und praktischer. Da wird mehr geschnürt, gekürzt,g estreckt, gerüscht… Es geht da mehr um das Hübschsein, bei Jungs mehr um den praktischen Nutzen der Klediung. Auch später bei Frauen und Männern noch. Der Mann, der sich unter seinen Hochzeitsanzug Shapingwäsche zieht, muss noch erfinden werden bzw. den gibt es sicherlich, aber kommunizieren kann man das praktisch nicht. So zur Überspitzung. Frauen auf hohen Hacken sind gängig, Männer nicht. Und das obwohl es je besodners für Männer als attraltiv gilt groß zu sein. Für Frauen auch, aber anders.
      Ich mag deine Einstellung zu deinem MINT-Fach. Kein Trotzdem und kein Obwoh. Es ist einfach so für dich. Das finde ich großartig. Es sind oft die kleinen Worte im Kopf, die den wirklichen Denkunterschied ausmachen. Hatte ich eben weiter oben schon kommentiert. Sprache ist da sehr spannend und lässt oft tiefer blicken, als man auf den ersten Blick/aufs erste Hören meinen sollte. 🙂

      Liebe Grüße (Männer würden wohl eher „viele Grüße“ schreiben 😉 )
      Heike

      1. Hallo Heike,

        das freut mich 😀

        Unpraktischer – ja und nein. Dadurch, dass Mädchen/Frauenkleidung tendenziell enger anliegt, bleibt weniger Platz für zum Beispiel Hosentaschen bei vielen, aber nicht bei allen Schnitten. Ja, das ist unpraktisch. Und unter Kleider und Röcke kann man je nach Schnitt drunterspannen, bzw. nicht mit gespreizten Beinen dasitzen, wenn man nicht will, dass Leute potenziell drunterkucken können. Aber der Rest… Ich habe einige Sachen mit Rüschen, die sind deswegen nicht unpraktischer als meine Basictops oder die T-Shirts von Herrn Freund. Mein Abendkleid sieht, im Gegensatz zu Herr Freunds Anzug, nicht doof aus, bzw. rutscht sonstwohin, wenn ich zum Beispiel die Arme hebe. Ich glaube, die Unpraktischheit ist vielleicht hauptsächlich eine Frage des individuellen Stils?
        Männer haben insgesamt eine kleinere Auswahl an „akzeptierter“ Kleidung. Hotpants und rasierte Beine bei Frauen? Kein Problem. Bei Männern – hmja. Kommt nicht so an. Generell ist bei denen bei knielang in der Regel Schluss. Herr Freund leidet auch immer sehr, wenn er bei formalen Anlässen im Sommer mit langen Hosen, geschlossenen Schuhen, langem Hemd und Sakko auftauchen muss, wo ich einfach ein knielanges Cocktailkleid anziehen kann.
        Ich will nur sagen: Beides kann unpraktisch sein.
        Und vor allem: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dass die typische Frauenkleidung zum Beispiel kleinere Taschen hat, heißt ja nicht, dass ich zwangsläufig auch nur Hosen/Röcke/Kleider mit kleinen Taschen kaufen muss, es gibt genug Sachen, die größere Taschen haben.

        Ich muss auch einfach mal fragen, ob denn immer alles absolut gleich sein muss? Ungleichheit und Ungerechtigkeit sind ja doch zwei Paar Schuhe.

        Ja, leider. Es reden sich extrem viele Frauen ein, dass sie kein MINT könnten, weil sie Frauen sind. Das ist genauso ein Unfug wie „Du nimmst trotz Schilddrüsenunterfunktion ab????“. Die Mädels brauchen nicht primär mehr Förderung in dem Bereich (auch wenn das hilfreich sein kann, um die Glaubensmuster loszuwerden), die müssen aufhören, sich so einen Mist einzureden. Bzw. man muss aufhören, das an sie ranzutragen. Und bah, bitte nicht für weniger Leistung mehr loben – da schwingt nur wieder mit, dass für dich (als Frau) weniger Leistung ein größerer Erfolg ist.
        Ich will wohlgemerkt nicht mehr Frauen im MINT-Bereich – ich will kompetente Leute, die sich für die Materie interessieren. Ob das Männer oder Frauen sind, ist mir ziemlich egal. Am Ende sind das alles Menschen.

        Vielleicht ist das mein Ding – ich mache das, was mir richtig erscheint. Ich sehe ein Problem und löse es. Ich studiere ein MINT-Fach, weil es mich interessiert und mir liegt. Ich trage schwere Dinge durch die Gegend, weil ich es kann und sie von A nach B müssen. Ich suche für meine weiblichen PnP-Charaktere Darstellungen, die kein „Bikinimail“ tragen, weil’s meine Vorstellung von Realismus stört. Für männliche Charaktere will ich ja auch keine Plattenpanzerschulterpolster aus den Neunzigern, sondern was Realistisches.
        Ich hab trotzdem mit Feminismus übrigens relativ wenig am Hut, weil mir die Hintergründe da oft nicht wirklich zusagen. Ich esse ja auch vegetarisch, aber ich bin kein (Ethik)Vegetarier.

        Liebe Grüße, (ich hab‘ jetzt extra nochmal meinen natürlich absolut repräsentativen privaten Emailverkehr durchgeschaut und – oh Wunder – die Grußform scheint stärker von der Person als von ihrem Geschlecht abhängig zu sein :D)
        Katja

        1. Stimmt, Männerkleidung hat ihre eigenen Unpraktischkeiten. Mir ging es da eher um Higheals, Corsagen, bauchfrei oder generell „körperteilfrei“, wenn es doch eigentlich kalt ist, Push-Up-BHs, Shapingwäsche… sowas. Der umgekehrte Klassiker ist ja, dass die Männerhandtasch nach wie vor nicht etabliert ist und sich die Herren deshalb ihre Hosentaschen vollstopfen oder im zweifel ohne Regeschirm rausgehen, obwohl es Sinn machen würde. geht mittlerweile besser, wegen Umhängetaschen und manchen Rucksäcken. Aber in schicker wid es dann schon schwer genauso wie da eben nicht viel geht außer Anzug.

          Der einzige bereich den ich akzeptiere für mehr Lob bei gleichem oder schwächerem Ergebnis istd er Fitnessbereich. Gegen Testosteron kann Frau nicht anstinken was Muskelaufbau und Kraft angeht. Klar, eine starke Frau steckt einen schwachen mann in die tasche, aber bei gleichem Training sind selbst gleichgroße Geschwister nicht vergleichbar, allein durch das Männlich-Weiblich-Gefälle.
          Ein Teil von mir fragt sich dann alerdings doch, ob genau das nicht doch noch andere Auswirkungen hat, die etwas subtiler sind und wo es dann schwierig wird die Grenze zu ziehen, zwischen Disposition weil weiblich/männlich oder Vorliebe weil weiblich/männlich erzogen/konditioniert.

          Liebe Grüße,
          Heike

          1. Hallo nochmal :D,

            ich möchte bei Highheels und Co nur einwerfen, dass einen a) niemand zwingt, die zu tragen, nichtmal bei formalen Anlässen (ok, ich weiß nicht, ob man bei Blacktie mit etwas aufkreuzen kann, das kein Kleid ist. Wahrscheinlich aber schon.), und man b) auch ohne noch sehr weiblich wirken kann.
            (Und für Leute, die sich absichtlich zu kalt anziehen, um „hübsch“ zu sein hab ich ja mal sowas von kein Mitleid. Das ist eigene Dummheit, muss man mal ganz hart sagen. Andersrum auch. Ich hab letztens einen Post auf Instagram gesehen, der in die Richtung ging „Auch wenn ihr dick seid, überhitzt euch nicht, indem ihr lange Sachen anzieht – auch ihr könnt kurze Sachen anziehen!“. Wo ich mir nur denke: weite Leinenkleidung (aka, etwas, das den Temperaturen angemessen gewesen wäre), war vorher wohl ein Fremdwort, bzw. selbst Schuld, wenn du im Sommer mit Pullovern rumrennst. Nicht missverstehen, die Leute sollen anziehen, was sie wollen, aber bitte nicht anderen die Schuld in die Schuhe schieben, wenn sie nicht in der Lage sind, sich der Temperatur angemessen zu kleiden.)

            Ein guter Freund missbraucht seit Jahr und Tag die Innentaschen seiner Jacke als Handtasche 😀

            Aber bla, ich will jetzt gar nicht den „Meninist“ mimen und sagen, dass Männer es so viel schwerer hätten. Ne. Die haben kleidungstechnisch halt andere Problembereiche.

            Im Fitnessbereich/Sportbereich ist es aber auch absolut angemessen, für weniger Leistung mehr zu loben, weil die Unterschiede hier ausnahmsweise mal wirklich vollkommen unabhängig von der Sozialisierung sind.
            Unterschiede in welcher Richtung? Bei den ausgeübten Sportarten? Fände ich tatsächlich auch interessant. Einerseits werden Wettkampfsportarten in der Regel getrennt, damit die Verhältnisse stimmen (beim Bouldern sind die Abstände für Männer und Frauen andere, beim Basketball sind die Bälle etwas kleiner, bei Kampfsport ist neben der Kraft auch die Reichweite ein Punkt), andererseits sind Frauen dehnbarer, wo Männer stärker sind. Finde ich tatsächlich auch interessant 🙂

            Liebe Grüße,
            Katja

          2. Hmmm… nee also klar wird niemand gezwungen (zumindest hier bei uns nicht!) Highheels oder zu dünne/offene Kleidung zu tragen. ABER: Zwischen „Das suche ich mir mit vollem freien Willen aus“ und „gezwungen werden“ sind viele Graustufen.
            Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es bei gewissen Anlässen für Frauen einfach „vorgesehen ist“ bzw. „erwartet wird“, dass Schuhe mit Absatz getragen werden. Als große Frau hat man da die einzige „Ausrede“, die da gelten gelassen wird: „Ja, okay, du bist ja schon groß/Sonst bist du größer als dein Mann.“
            Aber Hacken gelten als weiblicher, sexier, angemessener für viele Business- oder Festoutfits. Genauso wie Männer wie von dir erwähnt in geschlossener Kleidung erwartet werden, keine nackten Waden, auch im Hochsommer nicht. Beide Seiten haben da ihre Bürden, quasi. Es ist nur eine generelle Richtung nach wie vor, die bei Frauen darauf zielt sie sexier zu machen (nackiger, schlanker, busenbetonter, popobetonter) und Männer seriöser (geradliniger, klassischer). Ja, auch bei Männern wird der V-Körper gern unterstrichen, aber anders. Man könnte auch bei Frauen eine Sanduhrfigur besser betonen, teiwleise sogar besser mit geschlossener kleidung als mit den erwähnten Sachen rund um „weniger ist hier scheinbar mehr“.
            Ach ja. 🙂 Ich sehe das im Alltag bedeutend weniger eng, als das hier rüberkommen mag. So richtig klar wird mir das meist erst , wenn ich anfange wirklich zu hinterfragen. Ich finde hohe Schuhe auch schön. 🙂 z.B.

          3. Öh, ja und? Dann erfüllt man halt ein paar Erwartungen nicht. Tut doch keinem weh.
            Die Absatzhöhe ist nun wirklich sehr nah an „Ich entscheide mich mit meinem freien Willen.“ – sofern man keine versifften Turnschuhe trägt. Schicke Ballerinas oder flache Sandalen gehen wunderbar. Alles was in Richtung Anzugsschuhe geht, würde ich nicht mit einem Kleid kombinieren, aber zu einem Jumpsuit oder Hosenanzug geht das durchaus.
            Ich will gerade eigentlich nur darauf hinaus, dass es bei schicken flachen Schuhen in gehobener Gesellschaft keine(?) oder zumindest sehr wenig blöde Konnotationen gibt. Bei Körperbehaarung ist das zum Beispiel ein anderes Thema, da ist die Konnotation sehr schnell „ungepflegt“ – auch hier wird niemand gezwungen, aber ungepflegt ist ein sehr unschöner (dunkel)grauer Stempel.
            Wobei ich das wahrscheinlich machen (also nicht machen 😀 ) würde, wenn MINT-ler kein schlechtes Image in Bezug auf Körperpflege hätten. Aber zu dem mag ich nichts beitragen.
            So dürfen die Haare eben im Winter wachsen und im Sommer werden sie auf ein Maß reduziert, das einem nicht sofort ins Auge springt. Und ich hab vor meiner Tür soweit gekehrt (bzw. bin dabei), dass Körperbehaarung nichts ist, für das man sich schämen muss, aber wie ein ungestutzter Vollbart ist sie nunmal nicht das Epitom der Gepflegtheit im klassischen Sinne.

            Achja. Am Ende finde ich klassisch-weibliche Elemente ja auch sehr ansprechend, insbesondere auch an mir. Und ja, wir leben nicht im Vakuum, aber wir können ja sehr wohl sehr gut beeinflussen, wie und warum wir Dinge machen.

            Liebe Grüße,
            Katja

          4. 🙂 So als Abschluss, weil wir hier sonst ein eigenen Buch schreiben. 😀 Aber viel ja, ja und ja. 🙂

  10. „Ich will kein Neutrumkind erschaffen. Aber auch kein rosa Lillyfee Prinzesschen.“

    Das ist mMn der Schlüsselsatz!
    Und wenn ich mir die fotografierten Klamöttchen eurer Tochter anschaue, gelingt euch das bis jetzt ziemlich gut. Da ist nichts dabei was „BÄÄÄM – PINK!“ schreit. Ich persönlich finde das total super 🙂 Da sieht man, dass es auch anders geht.

    1. Danke schön. 🙂 Naja, also das Kleidchen hat Rüschen, aber ist eben grünblau kariert. Und wir haben ein Jäckchen gekauft, das hat Schleifchen. Wie gesagt, manchmal geht es mit mir auch einfach durch. „Wie süüüüüß!“ Im Übrigen aber auch bei kleinen Stramplern mit neidlichen Prints. Mit Booten oder Walfischen oder Elefanten. Eigentlich mag ich die nicht. Also 90% der Motivkleidung für Kinder finde ich eher so grässlich… aber die übrigen 10% eben toll. So geht mir das mit Rosa und Rüschen wohl auch. 🙂
      Liebe Grüße,
      Heike

      1. Süß und niedlich ist doch schön 🙂 Es ist ja schließlich ein Baby. Ich selbst würde mir kein Shirt mit putzigen Igeln auf gelben Grund nähen, aber für die Tochter meiner Freundin habe ich das gemacht 🙂
        Ich finde es eher befremdlich, wenn Klein(st)kinder Kleidung im „Erwachsenenstil“ tragen. Miniröcke, Aufdrucke à la „Born to Party“ (wtf???), Absatzschuhe oder so typische Kleidung, mit der Kinder einfach nicht richtig toben und spielen können. Brr, dann doch lieber „BÄÄÄM – PINK!“ 😀

        Liebe Grüße!

  11. Ach, ich les immer so gern deine Gedanken. Find es total bewundernswert, wie du all die Themen so durchdenkst und durchrecherchierst. Ich nehm als Jungsmama auch einiges für mich mit aus deinem Absatz über teamblau.
    Klamottentechnisch ist unser Kleiner tatsächlich auch viel in Blau unterwegs, auch noch viel grau und weiß. Aber eher aus dem Grund, dass ich ihn und meinen Mann einfach total gern farblich auf mich abstimme und sowohl mein Mann als auch ich haben sehr viel blau und grau im Kleiderschrank (wir sind meiner Meinung nach beide Sommertypen 🙂 ). Falls es vom Schnitt her eindeutige Jungsklamotten in rosa gäbe, hätte ich da auch kein Problem mit, meinen Mann hab ich auch schon in rosa eingekleidet und es steht ihm gut! Ich finde es nur generell eben wichtig, wie du auch schreibst, kein „Neutrum“ zu erschaffen. Deshalb sollte mein Kind in der Öffentlichkeit möglichst auch als Junge identifizierbar sein. Und da Kleidchen da leider gesellschaftlich eindeutig nicht drin sind, tobe ich mich zum aufhübschen bei unserem Kleinen grad total bei Bodies in Hemdoptik mit kleiner Fliege oder ähnlichem aus :-D.
    Und nachdem ich vor der Geburt noch relativ planlos Garderobe zusammengekauft habe, achte ich jetzt in den größeren Größen viel mehr darauf, dass möglichst viel kombinierbar ist und zusammenpasst. Ich schätze, ich werde in Zukunft also noch ausschließlicher auf blau, grau, weiß und dazu passende Farben zurückgreifen – aus rein praktischen Gründen!
    Als Kind hatte ich damals übrigens eine Phase, wo alles gelb sein musste :-D. Rosa habe ich erst als Erwachsene für mich entdeckt, hab auch eigentlich immer nur mit Jungs gespielt :-D.
    LG von einer grad stillenden Mama mit dem kleinen J, der grad zum ersten Mal in seinem Leben krank ist…
    Annie

    1. Diese praktischen Beweggründe finde ich wie du ja gelesen hast total nachvollziehbar und sie machen einen sehr großen Teil bei meiner Entscheidungsfindung aus. Spätestens da sind wir dann sofort eben bei den gesellschaftlichen Mustern, denn was akzeptiert wird und was nicht, entscheidet man dann nicht mehr allein. Auch was gut verfügbar ist und was nicht. Da kann man ja keine inzelperson für verantwortlich machen, die jetzt bei Modelabel XY entscheidet, das man lieber zwei Rosatöne im Sortiment hat als einmal rosa einmal orange. Es ist letztlich die Diskussion, die wichtig ist. Es ist ein subtileres Ändern.Dafür finde ich meinen Blog auch toll, denn ab und zu glaube ich doch, dass ich damit meinen kleinen Beitrag leisten kann. Wenn ich sehe, dass 1000 Leute meine Artikel lesen, dann denke ich mir: Geilo, das ist ein kleines Dorf und denen kann ich jetzt was mitgeben. 🙂 Das ist toll. Auch wenn meine Mama mir immer einen Dämpfer gibt von wegen, das wären ja dann auch leute, die sowieso schon für die Themen sensibilisiert sind, weil man ja dort liest, wo man sich wohl fühlt. Mag sein. Aber ich entwickle mich weiter. Und wer mitliest, den ziehe ich ein Stück mit. Ich bin nichtd er Typ für Demos auf der Straße oder Petitionen. Aber was ich hier machen kann, das mache ich. Und so ein Austausch wie hier jetzt inden Kommentaren zeigt ja schon toll, dass das Thema echt in den Köpfen ist und für viele da dennoch viele „obwohls“ und „trotzdems“ eingebaut sind. Bei mir auch. Aber sie werden weniger und durchlässiger, je mehr ich ich mich damit beschäftige. 🙂
      Liebe Grüße und noch mal gute Besserung für dich und den kleinen J. 🙂

  12. Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

    Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht

    des Lebens nach sich selber.

    Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,

    Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

    Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,

    aber nicht eure Gedanken,

    Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

    Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,

    aber nicht ihren Seelen,

    Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,

    das ihr nicht besuchen könnt,

    nicht einmal in euren Träumen.

    Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,

    aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.

    Denn das Leben läuft nicht rückwärts

    noch verweilt es im Gestern.

    Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder

    als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

    Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,

    und er spannt euch mit seiner Macht,

    damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

    Laßt eure Bogen von er Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;

    Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

    Khalil Gibran
    (* 06.01.1883, † 10.04.1931)

  13. Schöner Beitrag, der mir viel aus der Seele spricht.
    Mein 5 Wochen altes Mädchen ist erstmal Mensch, fertig. Sie trägt rosa, blau, grün, weiß, grau… Und wie du richtig sagst: bei einem Jungen würde man komisch gucken, wenn er den Body mit rosa Häschen tragen würde, was ich so schade finde. Sollte Nummer zwei ein Junge werden, würde ich ihm wohl – zumindest im ersten Jahr – auch solche Sachen seiner großen Schwester auftragen lassen. Einfach, weil ich es nicht einsehe, dass ein so kleiner Mensch schon Sachen nicht „darf“. In der Schwangerschaft war ja immer die zweite Frage (nach „Wie lange noch?“) „Was wird es denn?“ und auch jetzt wird das sofort gefragt. Weil man es bei Emma eben oft nicht sieht. Wieso interessiert es denn die Menschen so sehr, was ein so kleiner Mensch zwischen den Beinen hat? Gruselig irgendwie… Gleichzeitig muss auch ich zugeben, dass ich mir ein Mädchen ein bisschen mehr gewünscht habe. Ganz frei ist man scheinbar nicht.
    Wichtig finde ich einfach, das Kind alles tun zu lassen, was es möchte. Wenn es mit Puppen spielen will, soll es das. Gleiches gilt für Autos. Unabhängig davon, welches Geschlecht das Kind hat.

    1. Ich glaube, dass Menschen so nach dem Geschlecht fragen, das hat wenig damit zu tun, dass man aus der Info großen Mehrwert ziehen kann, es ist einfach eine gesellschaftlich etablierte Floskel. So wie „Wie geht es dir?“ und „Schönes Wetter heute!“ Smalltalk. Für jeden lebensabschnitt gibt es da Standardfragen, einfach, um etwas zu sagen. Ich glaube auch, es itneressiert tatsächlich die wenigsten wann genau man entbindet. Genauso wie es wenige Frager wirklich interessiert, ob das Kind „schon durchschläft“.
      Spannend aber, dass eben die Geschlechetrfrage so etabliert ist. Hat aber wohl auch was damit zu tun, dass man über ein baby im bauch sonst nicht viel groß sagen kann, vor allem am Anfang. „Alles drin, alles drin, alles gesund.“ Das war meine Stadardaussage und ist es noch. Die finde ich spannender als die nach dem Geschlecht, gleichzeitig aber natürliche igentlich ist das Fragen nach Babys Gesundheit eigentlich noch intimer als die nach dem Geschlecht. Mädchen, Junge, das ist ja erst mal EIGENTLICH wertungsfrei. Aber was wenn die Arme fehlen oder eine Trisomie vorliegt? Viele Frager wollen sowas im zweifel gar nicht wissen, weil man ein leichtes Gespräch anstoßen wollte.
      Blaaa… Naja. 🙂
      Wir haben übrigens auch beschlossen, dass sollte Merle doch ein Tom sein, sie einfach die Sachen anziehen wird, die wir für sie/ihn haben. Punkt. Kann man praktisch ausschließen nach all den Bestätigungsultraschalls, aber da sie eben anfangs doch für einen Jungen gehalten wurde, who knows?! 😀
      Ich lache dann einfach. Sie ist ein gesundes Menschlein. Alles, was ich mir bisher von ihr gewünscht habe hat sie damit perfekt erfüllt. Tolles Kind.

      Liebe Grüße,
      Heike

  14. Sehr schöner Artikel…
    Ich muss zum Thema Kleidung was loswerden. Wir haben zwei Kinder – Junge und Mädchen. Als ich mit der kleinen schwanger war hat mich auch dieser *oh mein Gott wie suüss ist diese Kleidung* Rausch gepackt. Gibt halt ganz ehrlich schönere Sachen für Mädels als für Jungen.
    Jedemfalls kaufte ich schöne helle, bzw pastellige Kleidung, viel rosa aber auch hellblau. Dann kam meine Tochter auf die Welt und sah in diesen Sachen einfach nur aus wie der wandelnde Tod.Es stand ihr überhaupt nicht, sie sah einfach nur krank aus damit.
    Bis heute (sie ist 2) trägt sie fast ausschliesslich sehr kräftige Farben. Am besten steht ihr schwarz und blau. Aber selbst wenns quietschpink gewesen wäre, hätte sie halt das getragen.
    Es kommt halt nicht nur drauf an möglichst genderneutral (oder eben nicht) einzukleiden sondern auch darauf wie es am Kind aussieht. Ist ja bei Erwachsenen nicht anders.
    Lg Tanja

    1. Oh krass, das ist selten, das man bei Babys schon so deutlich den Farbtyp durchschlagen sieht. Darauf bin ich j auch mega gespannt. Ich als Herbst, Benedict als Sommer und meine Schwester ist ein Winter. Bis auf Frühlinge haben wir alles in der Familie. Ich mag Merle auch danach passend einkleiden, wenn ich ihren Typ dann herausgefunden habe. Meist ist es bei Babys und Kleinkindern nicht so eindeutig, weil die einfach super süß sind und perfekte Haut haben. ich bin da auf jeden Fall sehr gespannt. Da die meisten bei uns in der Familie gedämpfte Farbtypen sind, fühle ich mich mit den eher gedämpften Farben in ihrer Schublade aber sehr wohl. 🙂

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