17. November 2016

Vollzeit, Teilzeit – Lebenszeit

Warten auf Feierabend, warten aufs Wochenende, warten auf den Urlaub – warten auf die Rente?!
Weshalb ich nicht für einen Vollzeitjob gemacht bin und ihr sehr wahrscheinlich auch nicht

Dass sich etwas ändern musste, habe ich schon vor grob einem Jahr gemerkt, als ich als dritte, beobachtende Person miterleben durfte, wie schlimm es ist, wenn das Leben auf einmal so viel endlicher ist, als man immer glauben wollte. Anfang 2016 dann ist bei vielen Menschen die Uhr abgelaufen – teilweise weit, weit vor der Zeit.

Ich erinnere mich an ein Spazierganggespräch im Sommer, als mein Entschluss zur Arbeitszeitreduzierung schon gefallen war und ich bereits meinen Countdown begonnen hatte, für mich. Es waren noch drei Monate, die ich durchhalten musste. „Drei Monate“, habe ich gesagt, „Das ist so nah dran, das ist so wenig. Und es ist so viel. Manche Menschen bekommen Diagnosen, die ihnen keine drei Monate Zeit mehr einräumen. Es ist schrecklich die Tage runterzuzählen und wegzuwünschen.“

2012 habe ich meinen Abschluss gemacht und wollte mein Buchprojekt vorantreiben. Tatsächlich begann ich zu arbeiten, wie das eben so ist nach dem Studium, wenn alles glatt läuft und glücklicherweise lief es glatt. Und damit verschwand Jakob in der Versenkung. Er tauchte erst 2015 wieder auf, denn erst war da besagte Arbeit, dann habe ich geheiratet (im Sinne von: das brauchte viel Energie und Zeit für die Vorbereitung) und dann… war ich nach dem Glutamatmassaker (vielleicht erinnert sich jemand von euch? Weihnachtsfeieressen, das nicht clean war wie beteuert wurde und mir den schlimmsten Colitis Schub seit Diagnosestellung beschert hat) einfach so unfit, dass ich ein ganzes Jahr gebraucht habe, um mich wieder aufzubauen. Und damit bin ich noch immer beschäftigt.

In den letzten Jahren habe ich gebloggt und geinstagramt, aktiv, wie auch natürlich viel passiv konsumierend. Ich wurde inspiriert und abgestoßen, ich habe recherchiert, ausprobiert, für gut befunden oder verworfen. Und über die Zeit wurde ein Bild immer klarer sichtbar, ein Bild, das mir gezeigt hat, dass das Leben, das ich führen will, nicht auf konventionellen Bahnen für mich zu erreichen ist. Und ich glaube tatsächlich ist es für die wenigsten auf diesem Wege erreichbar: Geh vollzeit arbeiten, arbeite dich hoch und dann kannst du dir deine Träume erfüllen. Mit Geld letztlich. Vielleicht am Wochenende, aber eher nicht. Eher im Urlaub. Und naja, die Renten sind ja nun wirklich so eine Sache… Deshalb glaube ich nicht daran.

Vielleicht kennt ihr Michael Endes Momo?

Die Grauen Herren als Versinnbildlichung der modernen Hektik, des immer mehr Tuns und immer weniger Seins? Es sind Wesen, die sich von der Zeit der Menschen ernähren und diese gestresst und ausgelaugt zurücklassen. Ich musste oft an sie denken und an ein Kapitel, das da heißt: „Die Rechnung stimmt und ist trotzdem falsch“. Ein Grauer Herr rechnet dem Frisör Herrn Fusi vor, womit er seinen Tag verbringt und sagt am Ende, nachdem alles aufgezählt wurde, was er so tut: „Sehen Sie? Es bleibt keine Zeit übrig!“ Und so beginnt Herr Fusi „Zeit zu sparen“, er beginnt zu eilen. Bei Momo ist jede Stunde eine Blume und die Grauen Herren ernähren sich vom Rauch ihrer Zigarren, gedreht aus Stundenblumenblütenblättern ihrer Opfer. Der einzige Weg den Grauen Herren und ihrer Lebenszeitverbrennung zu entkommen, ist durch Langsamkeit.

Versteht ihr, weshalb die Rechnung falsch ist? Weil natürlich, wenn man alles aufzählt, was man tut, ALLES, natürlich ist dann der Tag vorbei und nichts bleibt übrig.

Ich habe mich selbst und andere beobachtet in meinem Bemühen um mehr Effektivität, darum jede Viertelstunde optimal zu nutzen. Ich habe Freunde, die ein Musterbeispiel für Freizeitstress sind, oft war ich das selbst und bin es wohl auch noch. Ich selbst stand unter solchem Druck, dass ich sogar aggressiv geworden bin, wenn ich in Wartesituationen gefangen war oder eine dritte Person plötzlich etwas von meiner Zeit wollte, was ich so nicht eingeplant hatte und was für mich bedeutet, dass ich noch schneller und komprimierter arbeiten musste. Ich habe mit einem zuckenden Auge gelesen, dass „Entspanntsein“ in meiner berühmt berüchtigten Generation Y das höchste Statussymbol sein soll. Natürlich in Kombination mit materiellem Erfolg. Jemand, der seine Ziele erreicht und dabei entspannt ist, den bewundern wir wie einen Halbgott. Denn… so richtig menschlich kann das kaum sein, das so zu schaffen.

I don’t want more, I want better.

Meine Tage, Wochen und Monate waren vorbei und ich hatte nichts von dem geschafft, was ich so sehnlich gern tun wollte. Denn es ist witzlos zu sagen „Make it a Priority!“, wenn man noch nicht gegessen hat, der Hund noch raus muss, die Wäsche gewaschen werden muss und und und. Aufschieben von täglichen Versplichtungen ist nur sehr begrenzt möglich. Delegieren ist super – erfordert aber in der Regel eine finanzielle Gegenleistung für Putzfrau, Nanny oder wen auch immer. Das hatte ich sehr schnell rausrecherchiert, dass die meisten, die ein tolles Leben führen, diverse Helfer haben. Was in der Regel ein hohes Einkommen (oder Erbe…) voraussetzt. Da lag also keine Lösung für mich.

Wie ich war und bin habe ich weiter recherchiert und nach Lösungen gesucht. Und eine gefunden. Die, die ich jetzt lebe. Mit nur noch einer halben Stelle im Büro. Denn je mehr ich las und suchte, desto klarer wurde es.

Wenn …

… ich gesund einkaufen, kochen und essen möchte
… ich soviel Sport machen möchte, dass mich das sowohl stark als auch ausdauernd, als auch flexibel macht (da sind wir bei Tagesroutinen und nicht bei Wochenroutinen!)
… ich eine Wohnung haben möchte, die nicht 6 von 7 Tagen aussieht wie einfach nur ein Ort, an dem man alles stehen, liegen und fallen lässt
… ich mich hübsch machen möchte, jeden Tag, mit ein bisschen Make-up, gemachten Haaren und komplett geduscht (!!! noch Fragen, wie knapp die zeit war?)
… ich meinen Garten nicht total verwildern lassen möchte, sondern in ihm Gemüse anbauen mag (und ich bin echt kein Gartenfreak, ich investiere hier wirklich nur das allernötigste an Zeit)
… ich mit meinem Hund gehen möchte, so, dass der auch was davon hat und ich nicht die ganze Zeit nur genervt bin, weil er eben alt und trödelig ist
… ich meine Freunde und Familie sehen möchte und zwar sagen wir mal 2-3 soziale Kontakte pro Woche, die nicht Kollegen oder Benedict sind
… ich meinen Blog weiter pflegen und ausbauen möchte (Status quo erhalten hab ich mit Hängen und Würgen ja noch hingekriegt)
… ich Wochenenden haben möchte, die NICHT dafür da sind all das eben genannte zu erledigen, weil das unter der Woche kaum schaffbar ist und ich somit kein Erholungswochenende habe
… wenn ich stabile 8 Stunden schlafen möchte, denn Mensch, ich bin nun mal jemand, der mit 5, 6 oder 7 Stunden nicht auskommt
… wenn ich sogar noch eine Extrastunde Schlaf haben möchte, weil ich viel Sport gemacht habe und mein Körper regenerieren will
… wenn ich meditieren möchte, weil mir das Oh Gott so gut tut
… wenn ich mein Buch schreiben und veröffentlichen möchte, denn es ist mein HERZENSWUNSCH
… wenn ich zeichnen möchte, denn es ist mein Zustand tiefster Freude und Befriedigung

Wenn ich all das möchte, UND „normal“ arbeiten gehe, dann reichen 24 Stunden am Tag vorn und hinten nicht.
Reduzieren wir einmal knallhart runter und kicken die Extras. Buch raus, Blog raus, Garten raus, einmal pro Woche jemanden sehen reicht ja wohl auch und der Hund kann in den Dschungel, äh, Garten pieseln. Ist bei vielen Leuten so und nicht anders. Joah. Dann geht das. So kann ich arbeiten, schlafen, essen, Sport machen und dann 10 Minuten am Tag, vielleicht sogar zweimal darüber meditieren, wie verflucht leer sich mein Leben anfühlt, obwohl ich jede Viertelstunde optimal nutze und meine Wochenend-To-Do-Listen schlimmeraussehen als die unter der Woche. Und um mich davon abzulenken schaue ich dann noch eine Runde Serien, bis ich wieder ein Schlafdefitzit habe. Läuft.

Das Leben ist kein Ponyhof, aber mit dem Hamsterrad bin ich auch nicht einverstanden.

Einmal zum Mitschreiben, tut das am besten auch mal für euch, das ist ganz schön augenöffnend alles so schwarz auf weiß zu sehen.

Ich nehme meine Situation als Muster, noch hochgerechnet auf Vollzeit:

8h Schlaf
1h Morgenroutine (Bad, Anziehen, Tasche packen, schminken)
8h arbeiten (9 to 5 stimmt also nicht mal, Vollzeit ist 8 to 5, wegen der Pause)
2h Arbeitsweg Tür zu Tür (2x 45min, bei schlechter Verbindung auch 2x 1h)
1h Mittagspause und Frühstückspause zusammen

Macht schon 20 Stunden. Bleiben noch 4.
2h Essen vorbereiten (für alle Mahlzeiten und Snacks des Tages gerechnet)
45min Essen zu Hause (15min Snack, 30min Hauptmahlzeit – idealerweise. Hier wird dann gern geschlungen, um schneller zu sein. Bäh. Bläh. Doof.)
15min Einkäufe (Durschnittswert aller Einkäufe die Woche, um die Stunde voll zu machen)

So. Mitgerechnet?

Bleibt noch 1 Stunde. Eine.
Das ist der Grund, weswegen Menschen an ihrem Schlaf kürzen.
Das ist der Grund, weswegen nicht gesund gekocht wird und der Sport hinten über fällt.
Das ist der Grund, weswegen Wochenenden bis in die letzte Minute vollgestopft werden.
Das ist der Grund, weswegen ein Hobby oder gar eine Leidenschaft Luxus ist.
Das ist der Grund für keine Zeit, zu viel Stress, ich kann nicht, bitte nicht noch ein Termin, Hilfe!!!
Das ist der Grund, weswegen zwei Vollzeitjobarbeitende wenn überhaupt erst sehr spät eine Familie gründen und dann zumindest eine Putzfrau haben, um dann nicht komplett unterzugehen.
Das ist der Grund weswegen Menschen, zwar motivierbar sind Geld- und Sachspenden zu geben aber nur sehr, sehr wenige bereit sind Zeit zu opfern. Für andere. Dann man kann ja selbst nur noch bis zur nächsten Deadline gucken.

Das ist ungesund. Es macht einsam, unglücklich, dick, übermüdet, zynisch und krank.

Dieses Modell funktioniert mit einem geringen Schlafbedürfnis, mit kurzem Arbeitsweg (am besten auf dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigt) und einem Job, der gleichzeitig Leidenschaft oder Hobby ist. Ach und eine gute Kantine, die nicht mit Fertigfutter panscht, wäre auch super. Für Menschen wie mich, die sich aufwändiger bekochen müssen und wollen und sich nicht an „unter der Woche reichen mir 5-6 Stunde Schlaf!“ messen können, ist dieses Arbeitsmodell schlicht nicht machbar. Punkt. Und wehe da kommt jetzt einer um die Ecke mit „Aber andere können das doch auch, willkommen, du bist jetzt erwachsen!“
Nein. Ich erachte das als Fehler im System. Wer sagt denn, dass Vollzeit 40 Stunden sein müssen? Es ist Definitionssache! Wir könnten auch eine 30-Stunden-Woche als Vollzeit betrachten. Nach meienr Rechnung ist das überhaupt nicht abwegig. In der Schule lernen wir so viel. Aber den Umgang mit Zeit bringt uns niemand bei (oft noch nicht mal den mit Geld oder Versicherungen oder anderm bürokratischem Gekrampfe). Wenn wir keine patenten Eltern oder andere Mentoren haben, rennen wir erst mal gepflegt vor die Wand, bis wir es selbst begreifen. Und auch mit prima Eltern (zwinker, zwinker, Mama), beißt man sich die Zähne an dem aus, von dem man meint, dass es doch alles schaffbar sein MUSS, weil… das wird doch erwartet! Das ist doch normal! So ist das Leben doch einfach! Oder?! Nicht.

Irgendwie habe ich das ja doch alles eine ganze Weile geschafft, ja mit zwei Stunden weniger Arbeitszeit pro Tag als die meisten. Aber auch 3 Stunden sind zu wenig für Sport, Kontakte, Essen, Termine, Pause und Dinge, die man liebt. Das ging auf Kosten von Schlaf, von Pausen von Nickerchen, von Sport, von Familienbesuchen – auf Kosten von meinem Traum ein Buch zu schreiben und das, was ich tue, richtig zu tun. Ich habe geschlungen beim Essen oder einfach nur rohes Gemüse gegessen, weil ich keine Zeit für Essensvorbereitung hatte und ich ja nunmal nichts Abgepacktes essen kann. Ich habe geschimpft in der Bahn, meinen Hund beleidigt, geschlampt durch Multitasking, Tipprechtschreibfehler produziert, bei dem jedem Grundschullehrer ganz übel werden würde, mein Bauch war oft  gebläht bis sonstwo, selbst wenn ich perfekt gegessen hatte, ich habe gehetzt und andere gehetzt – und ich habe geweint vor Müdigkeit. Und bei all dem das Gefühl nie anzukommen. Immer der Idee hinterher rennend: Also wenn ich das, das, das und das noch geschafft habe, DANN habe ich Zeit für mich. Bis es soweit war, waren immer schon wieder zig andere To-Dos aufgetaucht.

So sah das aus. Und das wollte ich nicht mehr. Und das ist der Grund, weswegen ich nun vor Erleichterung schon ein paar mal geweint habe. Nur so zwei Atemzüge lang, dann musste ich lächeln.

„Merkste was?“, hat eine Freundin mal gesagt, als wir uns über YouTube-Videos zum Thema „My Morning Routine“ unterhalten haben. Aufstehen um sieben, sporteln, meditieren, duschen, schminken, gesund frühstücken und dann um halb zehn/zehn zur Arbeit. „Wer kann das denn bitte so machen?! Da kann sich doch kein Mensch mit vergleichen!“
Und ich dachte mir nur: „Nein. Das ist es, wie es sein sollte.“ Und ich habe weiter recherchiert. Und immer. Immer, wenn ich jemanden gefunden hatte, den/die ich als Vorbild und für mich betrachten konnte und wollte, IMMER lief es nach diesem Schema ab. Seit ich mich für Bulletjournals begeistere und da dann oft sehr genau sehen kann, wer wie seine Zeit verbringt, ist das noch mal deutlicher geworden. Selfcare ist etwas, was ein paar Stunden am Tag braucht. Für Sport. Für Ruhe.

Und dort lag die Lösung des Problems für mich.

Die Lösung, die ich nun lebe: Ich habe nicht angefangen meine Zeit von der Arbeit aus zu berechnen, sondern umgekehrt: Erst Schlaf und Selfcare und das, was dann noch übrig bleibt, das ist für Hobbies und Arbeit.

Werktags:
8h Stunden Schlaf
1h Morgenroutine
2h Abendroutine  – ein echter Feierabend! Kein Arbeiten mehr bis Zähneputzzeit
1h Sport
2h Essen machen
1h Essen essen
1h Pause zwischendurch
0,5h soziale Kontakte

Macht 16,5 Stunden. Bleiben 7,5 Stunden an einem Wochentag übrig für die Arbeit. 2 Stunden brauche ich für den Weg hin und zurück. Und schon… sind wir bei 5,5 Stunden. 22,5 Stunden die Woche. Soviel kann ich arbeiten, ohne mich aufzureiben. Meine Träume verfolgt habe ich dann aber immer noch nicht.
Und so arbeite ich nun 20 Stunden in der Woche an drei Wochentagen. Dadurch werden zusätzliche 4 Stunden an Mobilitätszeit frei plus 5 mal 0,5 Stunden, also 6,5 Stunden insgesamt. Unter der Woche. Und ich habe wieder ein Wochenende. Ein richtiges. Zum erholen – oder eben auch dann für meine Leidenschaften, aber ohne mich dafür auszubrennen.
Könnt ihr es herauslesen? Ich kann atmen.

Ich bin empfindlicher als die meisten, ich brauche viel Zeit für „Selfcare“ und bin somit auch kein Muster, aber ein Beispiel. Es müssen nicht nur 20 Stunden Arbeit die Woche sein. Aber ich hoffe, ihr habt gesehen, was es rechnerisch einfach bedeutet, wenn es 30, 35, 40 Stunden oder mehr sind. Ein Tag hat 24 Stunden und 40 dann pro Woche zu arbeiten klingt erst mal nicht so schlimm. Aber da fehlt der Arbeitsweg und die Pause. Es fehlt der Schlaf. Große Falle vor allem nach wie vor für Frauen ist außerdem, dass selbst die, die teilzeit arbeiten, oft mehr effektiv arbeiten, als ihre männlichen Gegenparts, da ihre Arbeit zu Hause weiter geht. Ihr Weg bis zur Erholung oder bis zur Zeit für Dinge, die sie lieben, ist meist länger als der von Männern. Das ist nicht „nur“ Teilzeit. Es ist Teilzeit plus den Job der Hilfskraft, die man sich nicht leisten kann oder will.

Wer möchtest du sein? Und: Was, wenn deine Zeit endlicher ist, als du denkst?

Und ich bin ehrlich. Wie immer. Hier ist der Preis, den ich zahle:

Der Preis ist ein Finanzieller, so einfach, so deutlich.
„An später denken, Särge schenken!“, sagt mein Kollege gern dazu, im Sinne von: Er nimmt lieber das Geld durch mehr Gehalt und geht auf Nummer sicher. Was vollkommen legitim ist. Wir sind einfach anders (und er zum Beispiel braucht auch keine 8h Schlaf…). Mein Weg ist für mich durch einen Umstand möglich: Benedict hat einen Job, der es uns erlaubt meinen so runterzufahren. Diese Entscheidung haben wir somit gemeinsam gefällt. Ich bin seine größte Risikoinvestition. Und ich weiß, dass das einer der größten Vertrauensbeweise ist, die man mir machen kann.

Da Benedict mir diesen Weg ermöglicht, gebe ich ihm zurück, was ich kann, indem ich alles dafür tue, diese Investition zum Erfolg zu führen und, – jetzt wird es trivial – das bedeutet, dass ein Teil meiner Zeit, die ich jetzt habe, für Mealprep und Haushalt gedacht ist. Sonst haben wir das wirklich 50/50 geteilt, jetzt sind davon etwa 70-80% bei mir. Und das, meine Lieben, sieht auf den ersten Blick sehr nach dem aus, was viele als „klassische Rollenvertreilung“ und damit als unemanzipiert und abhängig ablehnen. Ihr dürftet mich etwas kennen, ich bin weit weg von unemanzipiert, aber ja, jetzt bin ich abhängig. Vorerst. Es fühlt sich für mich etwas an, wie Schulden machen, um in etwas großes zu investieren, was dafür gedacht ist, letztlich mehr abzuwerfen, als hineingesteckt wurde. Daran glaube ich. Daran glauben wir. Und ich glaube genug an uns, um das Risiko auch für mich zu tragen.

Wenn euch diese Gedanken und Lebensmodelle interessieren, rate ich euch dringend euch vorher mit euren Rentenansprüchen auseinander zu setzen und generell mit der Absicherung der Ehepartner untereinander. Dass es hier so still in den etzten Wochen war, lag auch daran, dass für genau dieses scheinbar etwas freigeistige Leben erst mal eine große Portion Energie in so richtig nervige konservative Erwachsenenangelegenheiten gesteckt werden musste. Papierkrieg. Und Recherche zu Themen, die mich anöden, aber sein müssen. Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Aber ich bin so dankbar mich glücklich schätzen zu können in Benedict einen großartigen Business- und Lebenspartner an meiner Seite zu haben. Haselnussblond, das ist 70% Haselnuss-Heiki und 30% Benedict-Blond. Auch wenn ihr ihn fast nie seht.

Ganz viel Liebe.

(Alle Bilder sind im Dortmunder Rombergpark entstanden.)

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59 Kommentare

  1. Hallo Heike,

    ich finde es wunderbar und beneidenswert, dass du die Chance hast diesen Weg zu gehen und auch gehst. Sprichst mir ein wenig aus der Seele 🙂

    Der Alltag kann einen schon auffressen, wenn man es zulässt bzw. nicht die Chance hat sich zu befreien. Ich kenn das nur zu gut. Wir (also mein Mann und ich) haben in der Zeit seit der wir zusammen sind (immerhin fast 10 Jahre) viele Dinge meistern müssen oder sagen wir mal sogar dürfen (sowas schweißt zusammen). Auch schön, wenn man einen Partner hat und diese Situationen nicht alleine durchstehen muss 🙂 Zusammen ist schöner 🙂 Aber gleichwohl sollte jeder auch auf sich achten und seine Signale, der Körper lügt nicht.

    Ich wünsche Dir alles Gute!

    Yvonne 😉

    1. Hallo Yvonne! Oh ja, der Körper lügt nicht. Der wird schon ziemlich deutlich wenn das Oberstübchen mal wieder mit Scheuklappen rumrennt. Was dich nicht umbringt macht dich stärker. Aber man muss sich a nicht gleich umbringen lassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, das die verschiedenen Menschen einfach sehr unterscheidliche Schmerzgrenzen haben, was Ausbeutung, Demütigung und überforderung angeht. Die wenigsten sind dabei so drauf, dass ich sagen würde: „Nun komm, also da musst du dich jetzt echt einfach mal zusammenreißen!“ In der Regel regt man sich bei anderen viel schneller auf, dass etwas ja so eigentlich nicht sein darf, man selbst nimmt für sich aber viel mehr Druck und Schmerz in Kauf. Das hat viel mit Selbstwert zu tun.
      Ich wünsche dir und deinem Mann weiterhin alles Gute! 🙂
      Heike

    1. Danke dir! Ich auch! Auch wenn mir grad die Finger schon wehtun, Hammer, wieviele Kommentare… Ich komme kaum nach mit den Antworten. Das ist der „Nachteil“ 😉 😉 😉 dieser Themen: Viel Nachbereitung. Ich liebe das! Es ist so toll zu sehen, das das, was ich offensichtlich noch beser kann als Haare schön zu fotografieren, das Schreiben und das zum Nachdenkenanregen ist. Trotz Vertipperitis. 😉
      Liebe Grüße!

  2. Meine Mutter ist lange für uns, ihre Zwillinge, zu Hause geblieben und hat später Teilzeit gearbeitet – ich persönlich würde mir das auch wünschen. Für viele Menschen ist das Modell „weniger arbeiten“ aus finanziellen Gründen leider nicht machbar, da bleibt nur das „sich aufreiben“, wenn zwei volle Gehälter gerade so für die Familie reichen, und zudem das drohende Monster „Altersarmut“ im Blick ist … da hast du wirklich Glück mit deinem „Gutverdiener-Gatten“, das hätten viele andere auch verdient. Mindestlohn ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn das Modell zu leicht umgangen werden kann … ebenso wünsche ich mir gesetzlich erzwungene Entlohnung für Zeitarbeiter, die höher sein muss als die für Langzeitpersonal, damit Menschen aus der „Ich weiß nicht, wie es nächstes Jahr weiter geht“-Falle rauskommen und Firmen mehr Anreiz für langfristige Einstellungen bekommen.
    So viele Schwierigkeiten … ich wünsche dir, dass es bei euch auch langfristig gut läuft!

    1. Liebe Hana, da muss ich glaube ich etwas klarstellen. 🙂 Benedict verdient gut, aber nicht außergewöhnlich. Auch mein Gehalt ist gut aber nicht rasant hoch (Stundenlohn). Ich kopiere mal aus einer anderen Antwort, denn das Thema kam schon mal: Was ich bei meinen Recherchen auch festgestellt habe, dass das auf Teilzeit reduzieren viel weniger mit dem Einkommen zu tun hat, als man meinen sollte. Klar, ab einem gewissen Punkt gehtb es einfach nicht, aber in der Regel steigen mit dem Einkommen für die meisten auch schleichend die Ausgaben, sodass selbst wirklichgut verdienende sagen, sie könnten sich einen Teilzeitjob nicht leisten, obwohl ihr Teilzeitgehlt immer noch höher wäre als das Vollzeitgehalt von jemandem aus einer anderen Branche. Benedict und ich halten derzeit unseren Lebensstandard und investieren also in mehr Lebensqualität. Für einen Moment ist das doof, wenn man denkt: Hey, er verdient doch jetzt deutlich mehr, warum gönnen wir uns nicht dieses und jenes? Weil wir die Zeit kaufen. Die Zeit, die Ruhe, das Ich-Sein und das Wir-sein. Mit Ausblick auf dann mittelfristig wieder mehr Geld, weil wir so an dem, was wir tun wirklich richtig arbeiten können, mit Herzblut und Freude.
      Wir sind nicht das, was man als Gutverdiener bezeichnen würde. Wir verdienen durchschnittlich. Dass wir uns diesen Zeitluxus leisten, hat viel damit zu tun, dass wir etliche andere Geldschlucker nicht haben: wir reisen z.B. kaum und gehen selten aus. Da wir „Heimscheißer“ sind 😉 tut uns das wenig bis gar nicht weh. Man muss einfach entscheiden, was einem wichtig ist. Oder wichtiger.
      Das was du über Zeitarbeit sagst, finde ich einen interessanten Ansatz, den kannte ich noch nicht. Finde ich vom ersten Hören her richtig gut.

  3. Ein toller Beitrag, der sehr nachdenklich macht. Wie oft reden wir im Büro vom „nur noch XY Stunden bis Feierabend“, „jippie es ist schon Donnerstag!“ oder „nur noch 6 Wochen bis Betriebsurlaub!“. Alle Punkte erst gestern und heute gehört oder selbst gesagt. Oft fühle ich mich auch wie gefangen im Büro, wo ich doch tausend Dinge machen will/soll und nicht dazu komme.
    Und dann ärger ich mich immer über meine Chefin, die natürlich für die Firma lebt und nicht versteht, wieso alle Werkstattmitarbeiter ausgebrannt sind von dauernden Überstunden. Für uns ist die Arbeit nur Mittel zum Zweck, nicht Lebensinhalt. Ich würde deinen Blogbeitrag am liebsten an meine Chefin mailen 😀
    Ich kenne niemanden, der nicht halbtags arbeiten würde, wenn er das selbe Geld kriegt. Derjenige wäre zu bemitleiden, weil er offensichtlich keine Familie/Freunde, keine Interessen, Hobbys oder sonst irgendwie ein Leben außerhalb der Arbeit hat.
    Es freut mich, dass ihr es euch finanziell leisten könnt, damit du runterschrauben kannst. Eine riesen Erleichterung und Möglichkeit für dich oder euch. 🙂

    1. Huhu Lenja! 😀 Ja, man muss sich das leisten können. Wobei ich bei meinen recherchen auch festgestellt habe, dass das viel weniger mit dem Einkommen zu tun hat, als man meinen sollte. Klar, ab einem gewissen Punkt gehtb es einfach nicht, aber in der Regel steigen mit dem Einkommen für die meisten auch schleichend die Ausgaben, sodass selbst wirklichgut verdienende sagen, sie könnten sich einen Teilzeitjob nicht leisten, obwohl ihr Teilzeitgehlt immer noch höher wäre als das Vollzeitgehalt von jemandem aus einer anderen Branche. Benedict und ich halten derzeit unseren Lebensstandard und investieren also in mehr Lebensqualität. Für einen Moment ist das doof, wenn man denkt: Hey, er verdient doch jetzt deutlich mehr, warum gönnen wir uns nicht dieses und jenes? Weil wir die Zeit kaufen. Die Zeit, die Ruhe, das Ich-Sein und das Wir-sein. Mit Ausblick auf dann mittelfristig wieder mehr Geld, weil wir so an dem, was wir tun wirklich richtig arbeiten können, mit Herzblut und Freude.
      Liebe Grüße, Heike

  4. Huiii….das hast Du aber toll geschrieben und Dein Seelenleben offen gelegt. Finde ich super 🙂 Alles plausibel und verständlich. Fand ich alles sehr interessant und hat mich einmal ins grübeln gebracht. Ich habe für mich auch mal gerechnet, habe aber genug Zeit übrig. Auch wenn es nicht der Traumjob bei mir ist, kann ich mich für etwas anderes nicht aufraffen da ich weiß, das ich am Markt weniger Geld bekommen würde. Geld ist zwar nicht alles, aber ich weiß halt auch, wie es ist kaum bis gar nichts am Monatsende übrig zu haben und das will ich nie mehr erleben. Dafür würde ich eher Zeit opfern :-/ Lg und alles Gute weiterhin 🙂

    1. Liebe Isa, ja das Gefühl mit noch som viel Monat am Ende des Geldes kenne ich auch. Und Ansprüche runterschrauben geht nur bis zu einem gewissen Grad. Wir sind jetzt an dem Punkt, dass es eben geht, auch weniger zun verdienen. Wir machen damit gerade also keine EInkommensprünge und entwickeln nicht diesen Bereich nach vorn, sondern wir entwickeln den Zeit- und Lebenqualitätfaktor nach vorn. Weil ich besser damit leben kann und dann in Zukunft auf mehr Geld hinarbeite als umgekehrt jetzt emhr Geld zu haben und für die Zukunft auf mehr Zeit zu hoffen. Aber wie gesagt, das geht nur ab einem gewissen Punkt. Es ist somit ganz klar ein First-World-Problem. Aber wenn ich mir die Erschöpften um mich herum ansehe, ist es nur weil es First-Worrld ist, nicht weniger bedenklich.

  5. Liebe Heike,
    Momo ist mein absolutes Lieblingsbuch und es ist so wahr. Deine Worte haben mich wieder sehr berührt. Und weißt du was? Ich glaube, dass wir niemals dazu gedacht waren, so zu leben, wie wir es jetzt tun. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass sich hier Einiges tut und ein Umdenken stattfindet. Was macht es für einen Sinn soviel zu arbeiten? Du hast Recht. Worauf warten wir? Auf ein besseres Leben in der Zukunft? Aber schwups, und schon ist das Leben an einem vorbeigezischt. Ich arbeite Teilzeit und das Meiste von zu Hause aus. Mein Job ist sehr frei und das liebe ich. Denn oberste Priorität hat meine Familie und mein eigenes Wohlbefinden. Ich finde es bewundernswert, wie du deinen Weg gehst und wünsche dir, dass das Leben das Beste für dich bereithält. Und: Scheint ein toller Mann zu sein, dein Benedict. 😉
    Lieben Gruß,
    Susanne

    1. Hallo Susanne, so langsam zeichnet sich hier ein Trend inden Antworten ab: die teilzeitmenschen sind alle ziemlich glücklich mit ihrer Entscheidung. Hmmm… wie kommt das wohl. 😉 Es tut mir auch richtig gut, dass zu lesen. Meine Prioritäten sehen da genauso aus. Und ja Benedict ist ein wundervoller Mensch. Ich habe das Glück, viele großartige Menschen in meinem Leben zu haben, und mit einem davon verheiratet zu sein, ist sicherlich mit das Beste daran. Es gibt so viele, die an michn glaben und mich unterstützen. Das macht einen enormen Unterscheid aus, als wenn man allein kämpft, auch wenn man es nin allererster Linie für sich tut, denn das ist der größte Antrieb. Aber mit solchen Menschen an meiner Seite glaube ich einfach noch viel mehr daran, dass ich etwas bewegen kann. Und… einiges habe ich bja auch schon. Das macht mich glücklich und dankbar.
      Alles Liebe,
      Heike

  6. Schön, dass du kürzer treten kannst. Mich freut das sehr. Das ist eine gute Entscheidung. Das Leben ist so schnell rum.
    Ich dachte nur während des Lesens „warte mal ab wie es wird, wenn ihr mal Nachwuchs bekommt….“

    Gruß,
    Bela

    1. Nun ja, wenn Nachwuchs kommt, ist die Zeit noch limitierter. Da will ich vorher an meinen Träumen gearbeitet haben um zu sehen, ob sie wirklich das Potential haben, was ich ihnen zutraue. Dass wir dann noch mal deutlich unser Leben verändern werden, ist klar. Wenn wir Kinder haben, sollen die ja auch nicht nebenher da sein, sodnern ich möchte die Zeit mit ihnen genießen können. Klar ist es enorm viel Arbeit. Aber ich will genau das nicht, das es nur Arbeit ist, bei der man sich immer und immer wieder vor Augen halten muss, dass es schön ist, was diese kleinen MEnschen zurück geben. Ich bin nicht bereit eine Familie zu gründen, wenn ich damit sehenden Auges ins offene Messer total Erschöpfung laufe. So oder so wird das dann noch spannend. 🙂 Ungelegtes Ei zum drüber gackern. 😀

  7. Wow, eindrucksvoller Beitrag. Du bist wahnsinnig offen und ehrlich hier, Respekt. Aber für mich bleibt ein Beigeschmack. Wie du schön erklärst kostet dich das einen Preis. Einen Preis den nicht jeder zahlen kann. Oder möchte. Nicht jeder kann oder will sich auf den Partner verlassen. Nicht können, weil der Partner nicht da ist oder nicht genug verdient, nicht wollen, weil man das vielleicht anders sieht als du (nicht als Vorwurf gemeint, um Gottes Willen, ich persönlich würde es so einfach nicht wollen).
    Ich habe erst über einen anderen Ansatz dazu nachgedacht. Nicht arbeiten um zu leben. Die 8h Arbeit am Tag nicht als leeren Block sehen, den man irgendwie hinter sich bringt, sondern genießen was man tut. So gut es geht.
    Ja aber vermutlich ist das, so wie deine Lösung, auch eine Luxuslösung. Vermutlich hat nicht jeder den Traumjob, vielleicht weil er nicht weiß was es ist oder weil er schwer zu erreichen ist oder oder oder. Als jemand der sich einen Halbtagsjob nicht leisten kann und es auch nicht will, mache ich das beste aus dem Job den ich gewählt habe 😉
    Aber als jemand der andererseits (wie du weißt) auch sehr viele Dinge neben der Arbeit verfolgt kann ich deine Gedanken und Rechnungen trotzdem voll und ganz verstehen. Ich denke die Einstellung hierzu ändert sich sicherlich (vielleicht sogar mehrmals) im Laufe des Lebens 🙂

    1. Huhu Nessa! Witzig, dass du schreibst, ich hab nämlich beim texten echt oft an dich gedacht genau als Beispiel für das, was du beschreibst: man merkt, dass du liebst, was du tust, an der Arbeit. Und wenn doch nicht lieben, dann ist es zumindest ein sehr, sehr gutes Gefühl, das du dabei zu haben scheinst. AUßerdem bist du eine von denen, bei denen ich mir immer und immer wieder sagen muss: Miss dich nicht an Nessa! Du hast soviel mehr Energie als ich, du steckst mich da locker in die Tasche.
      Vielleicht ist mein einer Satz bezüglich „das geht, wenn man einen Job hat, den man liebt“ etwas kurz gewesen in dem riesen Artikel hier, aber er meint das, was du meinst: Zu lieben, was man tut, das zu genießen, damit glücklich zu sein, das bietet enorm viel Potential. Das ist eine Lösung.
      Komplett unabhängig zu sein ist eine großartige Sache. Das hatte ich auch mal, kurz. Und das strebe ich wieder an. Ist für mich aber wahrscheinlicher über diese Situation jetzt mittel- bis langfristig zu realisieren, als es das in meinem Bürojob gewesen wäre.
      Und ich bin sicher, dass du recht hast, dass sich die Einstellung dazu mehrmals im Leben ändert. Vor zwei Jahren hätte ich noch gern den Vollzeitjob genommen, allein für mehr geld und das, was ich mir davon hätte kaufen können. Ich habe mich verändert. 🙂 Wir werde sehen, wohin das noch führt.

  8. Achja, dazu könnte ich sooo viel sagen 😀
    Toller Artikel, du sprichst mir so aus der Seele!
    Auch ich habe das Glück einen Mann zu haben, der genug verdient, dass ich studieren kann (was meist weniger Zeit kostet als sein Job) und später hoffentlich ein paar Jahre bei den Kindern zu Hause bleiben kann (jaja, 50er-Jahre-Modell, aber wieso ist es unemanzipiert, wenn ich es mir selbst aussuche?).
    Was ich an deiner Rechnugn toll finde, ist, dass du deutlich machst, wie viel Zeit so „heimlich“ abhanden kommt. Durch Wege zum Beispiel! Ich fahre selbst jeden Tag fast 4 Stunden Zug (da kann ich auch essen und Sachen erledigen, ist aber was anderes, als in der Zeit zu Hause am Schreibtisch zu arbeiten), diese Bilanz will ich gar nicht aufstellen -.-
    Naja, auf jeden Fall danke für den Artikel, hoffentlich ändern wir den Begriff „Vollzeit“ in allen Köpfen bald in eine gesunde Stundenzahl!
    Liebe Grüße, Susa

    1. Das 50er-Jahre-Modell hat einfach den gigantischen Pferdefuß, dass es Frau nicht absichert im Fall von Trennung oder Tod des Partners. Das ist rasant riskant und leider verschließen davor sehr, sehr viele Frauen die Augen, da „unromantisch“ sich mit sowas zu beschäftigen, wenn die Welt doch grad heil ist und ach, wird schon nicht passieren. Besser einmal unromantisch als später arm. Das Modell gilt natürlöich genauso für Männer, die daheim bleiben und Frau arbeitet als Ernährerin. Ist aber nach wie vor seltener und ich behaupte mal: auch wenn es häufiger werden wird: Frau ist schwanger, Frau gebärt, Frau stillt. Gerade am Anfang wird sich also nichts ändern können, oder nur sehr begrenzt. Emanzipation heißt in dem Fall nicht gleiche Rechte und pflichten für beide sondern gleichmäßige Verteilung der Arbeiten und Absicherung auf beide.
      Ich hoffe ja sehr, dass sich das gesellschaftliche Bild von „was ist Vollzeit“ noch ändert. Habe den Eindruck, dass es da eine Schere gibt. Menschen, die das so sehen wie ich/wir und auf der anderen Seite Leute, die sich bis in die letzte Sekunde vor dem Schlaf noch abarbeiten und das irgendwie auch gut und richtig finden.

  9. Ich freue mich sehr für dich/euch! Und bin ein bißchen… nein, nicht neidisch. Ich seufze eher etwas. Was du lebst, möchte ich auch, denn ich lebe auch im Hamsterrad, und die letzten Wochen sagt mir meine ohnehin schon nicht so großartige Gesundheit mehr als deutlich, was sie von dem chronischen Streß hält. Dummerweise bin ich Single und muß meine Wohnung also allein unterhalten, kann also nicht allzuweit meine Stunden reduzieren (es ist schon mit 40 Stunden am Monatsende in der Regel eher eng, und wehe da kommen Zusatzausgaben, und Rücklagen fürs Alter habe ich absolut keine). Mein Plan sieht vor, ab Januar nur 4 Tage die Woche zu arbeiten, dafür dann jeden Tag eine halbe Stunde länger. Somit komme ich immer noch auf 35 Stunden. Problem ist, daß meine Firma sich da zur Zeit etwas querstellen möchte. Allerdings denke ich sowieso über einen Firmenwechsel nach. Nur: dann beginnt mein Hamsterrad von vorn. Die meisten Stellen sind ja doch für 40 Stunden ausgeschrieben, oder für 25, was ich mir nicht leisten kann. Also neue Firma, und dann wieder mit 40 Stunden einsteigen, und irgendwann nach einem Jahr darum bitten, die Stunden reduzieren zu dürfen… Nun, mal sehen. Genieße deine freigewordene Zeit, ich gönne es dir so sehr! 🙂

    1. Liebe Rebecca, so doof das klingt: mit Partner ist das echt leichter. Abhängiger, natürlich, das ist die kehrseite der Medaille, aber erst mal leichter. Ist es generell. Nicht nur im Job. Miete teilen, Haushalt teilen, kochen, einklaufen… zu zweit einfacher. Allein hätte ich keinen Hund, kein Auto und eine bedeutend kleinere Wohnung. Ich habe festgestellt, dass es bei solchen großen Veränderungen wenig Sinn macht zuv ersuchen ganz kleinteilig hier und da ein paar Minuten rauszuschinden oder ein paar Euro zu sparen. Da reibt man sich schnell auf und der Effektivität sind da schnell Grenzen gesetzt. Es macht am meisten Sinn zu gucken: was sind meine 3-5 größtem zeitfresser, was sind meinen 3-5 größten Geldschlucker. Und an denen muss man ansetzten. Ich ahbe da ja auchv erscheidene Techniken angewendet, um zu schauen, wie ich meine Ziele am besten erreiche. Visionboard, Dankbarkeitstagebuch, Productivity Planer, so ein Heftchen mit Fragen, die ein bisschen ans Eingemachte gehen, Brief an mich selbst – bei mir war super eindeutig, dass der Job der Klotz am Bein ist. Ein netter Klotz, wirklich, ich mag meine Arbeit, aber nichts desto trotz hemmt sie mich, wenn ich das tun will, was ich wirklich will. Dann ist da eben noch Schlaf und mein größerer Block und Gesundheitskram (Sport, Selbstkochen, Erholen…). An letzterem kann ich nicht rütteln. Es war die Frge: Job oder Träume.
      Als Single hätte die Wohnung hier zur Debatte gestanden. Als Singele würde ich bedeutend kleiner wohnen. Bedeutend. Diese Wohnung hier ist mein/unser Luxus. Das ist sie wirklich. Man kann mit viel weniger auskommen. Auch gut. Das wäre mein Hebel gewesen. Ich sehe das immer wieder bei einer Freundin, die ganz wundervoll wohnt und klar bin ich ein bisschen neidisch, wenn ich das sehe, aber die Miete…! Diese finanzielle Last möchte ich nichtt ragen.Dafür möchte ich nicht so lange arbeiten müssen. Ich bin ein großer Fan von Minimalismus. Der scheitert bei uns im Alltag aber sehr oft daran, dass wir zu zweit sind. Das ist in gewisser weise mein größter Beziehungskompromiss: dass ich nicht so reduzieren kann (materiell) wie ich es gut finden würde. Noch dazu bin ich anfällig für die schönen Dinge. Somit komme ich da grad nicht weiter.
      Auf jeden Fall ist das vielleicht etwas, was dir hilft: zu schauen, was wirklich sein muss.

  10. Du hast so recht !!
    Lebensqualität ist so viel mehr als finanziel gut gestellt zu sein, aber eben keine Zeit zum Atmen zu haben. (Wie du so treffend formuliert hast)
    Ich lebe nach dem gleichen Prinzip.
    Und ich habe, wie du, das Glück, dass mein Zukünftiger in dem Punkt hinter mir steht.
    Und so lange wir uns das leisten können, werden wir es auch nicht ändern.
    Das Problem ist ja, dass es nie „zu viel“ Geld gibt. Immer nur zu wenig.
    Aber man kann es schaffen sich materiell etwas einzuschränken ohne unglücklich zu sein.
    Ich denke mal, dass ich zufriedener bin als Freunde in meinem Umfeld, die Vollzeit arbeiten und keine Zeit für andere Dinge haben.

    1. Also „zu viel“ Geld vielleicht nicht, aber „mehr als genug“. Wir ahlten seit Jahren unsere Lebensstandard und alles, was wir mehr einnehmen geht in Investitionen. Mal abgesehen von der Wohnung, die ich aber ebenfalls als Investition betrachte, da sie maßgeblich an unserer Gesundheit beteiligt ist, weil ruhiger, grüner etc. Auto ist auch eine Investition, weil wir dadurch wieder viel Zeit sparen durch mehr Mobilität, aber da wird es schon tricky, da muss man schon sehr gegenrechnen. Die Hauptinvestition war nun letztlich, dass ich reduzieren konnte. Somit trotz gehaltssprung bei benedict bei mir dann erst mal weniger und eben die Aussicht auf eigenes Geld mit meinen Projekten.
      Und genau das Gefühl habe ich auch: teilzeit lebt sich besser. Das gefühl hatte ich schon vor der letzten Stundenreduzieren, das hatte ich schon mit 30 Stunden pro Woche. Ich war immer etwas entsetzt darüber, wie erschöpft meine vollzeit arbeitenden Freunde waren. Nur die nicht, die einen Teilzeit partner hatten oder gar einen Partner ganz zu Hause (Kindererziehung o.ö.), da war zwar die Arbeit nicht weniger anstrengend, aber zumindest war die Last der übrigen Verpflichtungen deutlich geringer.

  11. Ich bin da fast vollkommen bei dir.
    Als ich angefangen habe zu arbeiten (38 Std/Woche), hab ich ganz schnell mit jeder Gehaltserhöhung Stunden gekürzt, bis ich bei 32 Std/Woche war. Und weniger wäre noch besser gewesen.
    Jetzt studiere ich nochmal und möchte danach irgendwas zwischen 20 und 30 Stunden arbeiten. Wie ich das mache? Ich gucke, was mir wichtig ist im Leben und wo ich was ändern kann, ohne es als Einschränkung zu empfinden. Auto? Kostet Geld, brauch ich nicht wirklich, kann weg. Haus? Altersabsicherung und große Liebe, bleibt! Wie? Indem ich Zimmer vermiete. Ich lebe jetzt als WG in meinem Eigenheim. So konnte ich mir den Traum vom späten Studium erfüllen ohne mich totzuarbeiten oder mein Haus zu verkaufen.
    Und genau mit dieser Denkart werde ich weiter verfahren, wenn ich fertig bin mit dem Studium. Ich gucke, was mir wichtig ist und was ich brauche (Freizeit zum Beispiel und eben das Haus) und der Rest wird daran angepasst.
    So geht das Ganze für mich auch ohne „externe“ finanzielle Stütze.

    1. Das klingt auch nach einem sehr guten Modell. 🙂 Auch wieder ein sogenannt „alternatives“. Die Autofrage hatten wir auch. Wir haben eins. Zwei wären besser, muss aber nicht. Keins geht für Benedicts Job nicht gut, die Anbindung mit den Öffis ist zu schlecht. Wir sind z.B. auch totale Zuhause-Menschen. Wir fahren kaum in Urlaub, auchd as spart viel ein, ist aber etwas, was viele leute nicht bereit sind aufzugeben, was ich auch sehr verständlich finde. Aber ich mag eben nicht für meinen Urlaub arbeiten, sondern ich will das ganze Jahr über so leben, wie es mir gut tut.
      Mit einem Eigenheim hast du natürlich schon etwas in der Hand, was dich finanziell stützt, das ist super. Da muss man erst mal hinkommen, wenn nicht erben…

      1. Ja, ein richtiger Urlaubsmensch bin ich auch nicht. Mal ein paar Tage weg oder n Tagesausflug gerne, aber länger als eine Woche? Brauch ich nicht.
        Das Eigenheim ist noch nicht abbezahlt, aber durch die Miteinnahmen finanziere ich quasi die Hypothekenraten. So wohne ich eben günstiger als wenn ich irgendwo zur Miete wohnen würde.
        Ich bin aber auch der Meinung „Es geht immer irgendwie“ – man muss eben nur gucken, wie. Oft denkt man, bestimmte Dinge seien unveränderbar und meist stimmt das eben nicht. Man muss nicht Vollzeit arbeiten, man muss nicht in Urlaub fahren, man muss nicht nur mit Partner im Eigenheim wohnen, und so weiter und so fort. Als mir das klargeworden ist, habe ich ein riesiges Stück Freiheit gewonnen und Zukunftssorgen fast vollständig abgelegt. An irgendwelchen Schrauben kann man eben meist doch drehen und sich so ein Leben schaffen, dass alles hat, was man unbedingt für sich braucht und dafür an anderen Stellen spart.

        1. Genau das meinte ich. Man hat immer eine Wahl, irgendwas geht immer, sodass man etwas freier für sich werden kann. Man ist oft viel zu sehr im Kopf auf das fixiert, was man als normal erlernt hat. Wenn man schaut, was links und rechts davon liegt, kommt man oft viel weiter. Aber natürlich auch woanders hin, als dahin, was allgemein auch als normal vertanden wird. 🙂

  12. Ein sehr schwieriges Thema, aber spannend. Ich studiere im Moment und habe damit Freiheiten die man bei einem festen Job nicht hat. Ich hab davor in meinem FSJ 39,5 Stunden gearbeitet, war dann aber halt von Beruf Tochter.
    Ich habe mir tatsächlich trotzdem in letzter Zeit oft Gedanken darüber gemacht wie das wohl mal wird später weil ich in letzter Zeit immer mehr Leute erschöpft sehe, ich wachse quasi gerade erst in ein Alter rein in dem man da mehr mitbekommt. Und ich sehe furchtbar viele Überstunden und müde Menschen… Das macht traurig und ehrlich gesagt macht es mir Angst bei dem Gedanken an meine Zukunft.

    1. Liebe Wiebke, Angst muss dir das nicht machen, Es ist gut, dass du das siehst und für dich erkennst, was dir wichtig ist und was nicht. Sprich einfach auch mit den Menschen, frag sie nach Erfahrungen. Es stimmt, praktisch niemand wünscht sich auf dem Totenbett doch lieber mehr gearbeitet zu haben, aber gerade am Anfang nach dem Studium kann die Mehrarbeit auch erst mal eine Phase sein, sie nötig ist, um sich im Beruf zu etablieren. Also auf absehbare Zeit klotzen, um dann später entspannter reduzieren zu können. Umgekehrt ist es schwer etwas anderes dann neben dem Hauptjob noch zu probieren, wenn man z.B. noch nicht ganz sicher ist, ob das die richtige Richtung ist. Deswegen: mit Menschen reden, die du kennst und die dich kennen. Das ist sowieso nie eine falsche Empfehlung. 🙂

  13. Ich weiß was Du meinst, kann Dich und Deine Entscheidung vollkommen nachvollziehen.
    Es gibt Tage an denen ich nicht zum duschen komme bzw. ich viel zu müde dazu bin. Wenn ich das jemanden erzähle Ernte ich in der Regel Unverständnis.
    Ich arbeite zur Zeit 32 Stunden/Woche. Plus Fahrtzeit von 2,5 Stunden/Tag (wenn es gut läuft). Wir haben ein großes Haus geerbt plus RIESIGES Grundstück, alles nicht im besten Zustand. Das frisst Zeit! Rasen mähen mal eben 2 Stunden…
    Ich komme nicht mehr zum zeichnen oder bloggen. Mein „Luxus“ sind meine beiden Hunde, die bekommen täglich 2-3 Stunden Auslauf (in der Woche) und daran Spar ich nicht.
    Mittlerweile habe ich Kompromisse mit mir geschlossen; nein, bei mir kann man nicht vom Boden essen, ja da draußen liegt viel Laub, aber wenn das der Preis ist, ab und an einfach nur mal entspannt auf dem Sofa zu sitzen oder mit der Canon und den Hunden durch den Wald zu wandern, dann bezahl ich ihn gern.

    1. Das glaube ich dir sofort, dass ein großes Haus und Grundstück ewig viel Arbeit macht. Ich merke ja schon den Mehraufwand mit unserem kleinen Garten. Und 2-3 Stundenfür die Hunde ist auch viel. Nicht perfekt in allem sein zu wollen, ist auch etwas, was ich voll okay finde und auch gut.
      So geht es mir auch mit dem Garten und dem Putzen. Dennoch empfinde ich das als nur „Kleinkram“. Ich für mich habe die Grenze an Effektivität erreicht ebeneso wie die Grenze von dem, was ich als „ist eben nicht perfekt“ akzeptieren kann. Schneller ging nicht mehr und unperfekter wäre irgendwann eklig oder teuer geworden. Ich bin ziemlich unperfekt mit Papierkram für mein Empfinden. Auch wenn mir andere immer sagen, dass ich noch ziemlich organisiert bin. Meine AKtenordner sind mir ein Graus. Aber immerhin habe ich welche…

  14. Freut mich, dass du so zufrieden mit der Arbeitszeitreduzierung bist. Du hast absolut recht damit Dinge nicht auf die lange Bank zu schieben, denn man weiß nie wie lange die Bank tatsächlich noch ist. Daran arbeite ich auch seit letztem Sommer. Arbeitszeitreduzierung, zumindest in dem Maße, wäre nicht mein Weg. Ich hatte mal eine 37,5 Stunden Woche während meinem Praxissemester und war gelangweilt. So 9 bis 10 Stunden pro Tag sind ideal für mich, nicht zu viel und nicht zu wenig und das habe ich seit dem Ende meiner Doktorarbeit endlich wieder. Mein Job ist (meistens) Hobby und wenn ich ganz ehrlich bin brauche ich das. Ich bin nicht glücklich, wenn ich zu viel Freizeit habe. Aber du hast so viele Projekte wie deine Graphic Novel oder deinen ziemlich erfolgreichen Blog und eigentlich ist das auch eine Art Job, der sich vielleicht irgendwann refinanziert und vor allem der dir gleichzeitig Spaß macht. Ich glaube eine Aufgabe, an der man Freude hat, ist wichtig. Worin die Aufgabe liegt oder ob sie sich wie bei dir aus mehreren Teilaufgaben/Projekten zusammensetzt ist zweitrangig.

    1. Das liest sich total schön, was du über deinen Job schreibst. Das ist toll! Ich mag meinen Bürojob ja auch, aber er ist eben nichts, wofür ich brenne. Ich bin ganz gut, in em, was ich dort tue, ich bin gern dort, das Klima stimmt, die Aufgaben sind sinnvoll. Denoch, das, wonach mein Herz ruft, ist eben etwas ganz anderes. Meine Projekte. 🙂

  15. Ohhhh, wooow!
    Toller Artikel Heike! Super auf den Punkt gebracht 🙂
    Mein Leben ist zwar ein ganz anderes und nicht wirklich mit deinem zu vergleichen, aber ich stimme in allem zu. Ich bin zum Glück in einem Punkt von Natur aus anders: Viel zu tun? Na und, ich liege gerade auf dem Sofa und entspanne. Wäsche muss gewaschen werden? Na und, ich möchte jetzt Zeit mit meinen Kindern verbringen. Mein Mann versteht das nicht, findet es zum Glück aber auch nicht schlimm. Die Dinge laufen nicht weg. Ich möchte gar nicht perfektionistisch sein. Der Haushalt läuft schon und wenn nicht gleich, der rennt schon nicht weg. Im Gegensatz zu der Entspannung, der Zeit mit den Kindern, das ist weg, wenn man es nicht jetzt nimmt. Also nehme ich es mir, wenn mir danach ist. Der Rest kommt danach.
    Ich schlafe 7 Stunden, kümmere mich um die Kinder und verbringe Zeit mit meinem Mann, lerne 30 Stunden in der Woche (Ausbildung), habe soziale Kontakte und Hobbys und bin damit zufrieden. Ginge aber auch besser: Mehr Sport, Haushalt besser, mehr Zeit für gutes Essen, Projekte. Ist aber im Großen und Ganzen gut so, weil die Ausbildung zwei Jahre geht und dann werden die Karten eh wieder neu gemischt; bis dahin kann ich mich aber nur zwischen den Möglichkeiten entscheiden: ganz oder gar nicht. Viele meinen, ich müsste mit diesen Belastungen doch sehr viel Stress haben, aber ich kann nur sagen, ich fühle mich wohl. Paar mehr Pausen wären nett, nach der Ausbildung möchte ich auch etwas reduzieren, aber ich fühle mich nicht gestresst, sondern angenehm gefordert (war die letzten 5 Jahre zu Hause). Nehme das aber auch alles nicht zu ernst und nehme mir eben auch einfach Pausen, wenn ich sie wirklich brauche. Verstehe aber die Arbeitswut vieler Leute nicht. Ich nehme mir öfter aus Prinzip an einem Wochenende einfach mal gar nichts vor und schaue, was das Wochenende so bringt, lebe einfach in den Tag rein. Nach so einem Wochenende fühlt man sich wie nach einem Kurzurlaub erholt, besonders auch im Vergleich zu einem Wochenende, das mit Terminen vollgestopft ist. Wenn ich Termine mache: Mehr als zwei Termine an einem Wochenende mache ich selten, das ist mir zu unentspannt, gerade mit den Kindern.
    Vielen Dank für deinen tollen Artikel!
    Ayula

    1. Liebe Ayula, das klingt wirklich so erst mal nach einer entspannten Lebensart. Und wie schön, dass es für dich so gut funktioniert. 🙂 Ich habe da jetzt keine Erfahrungswerte so ohne Kinder. Aber das ist auf jeden fall etwas, was ich toll von dir finde, dass du dir viel Sein trotz viel zu tun erhalten hast. Ich befürchte, ich bin dafür vom Naturell her nicht so gut gemacht. Ich kann das sehr schelcht haben, wenn AUfgaben nur angefangen sind und ich sie utnerbrechen muss oder wenn Dinge liegen bleiben, das stresst mich sehr. Ich bin entspant, wenn um mich herum Ordnung herrschat, was auch bedeutet dass ich Ordnung im Kopf brauche, die ich habe, wenn ich keine losen Fäden habe, sondern Dinge abgehakt sind.
      Ich bin gespannt, wie sich mein leben heir weiter entwickelt. Was geht und was nciht. Und wie sich mein Entspannungslevel vielleicht noch verändert.
      Ganz liebe Grüße!
      Heike

  16. Liebe Heike,

    hui!
    Das war jetzt für mich erstmal viel zum Verdauen.
    Ich habe den Artikel gestern auf dem Heimweg gelesen und erstmal überlegt, ob ich was dazu schreibe.
    Ich stecke gerade in einer ähnlichen Lage, da geht es zwar nicht um Voll- oder Teilzeit, sondern um die Frage, ob ich nochmal den Job wechsle, um die Woche über zu Hause sein zu können, aber die Beweggründe sind ja ähnlich.
    Lebenszeit.
    Objektiv betrachtet ist ja alles gut. Die folgenden Punkte hatte ich auch alle schon mal anders.
    Liebe Kollegen, eine tolle, spannende Arbeit, in der ich, glaube ich, auch nicht ganz schlecht bin, sogar die Möglichkeit, regelmäßig von zu Hause aus zu arbeiten.
    Es nicht als Zeit zu betrachten, die man einfach absitzen muss, sondern (meistens) Spaß daran zu haben.
    Es so jung auf diese Position geschafft zu haben (aber auch mit viel Glück dabei, das will ich betonen!), gut zu verdienen, sich dadurch Extras leisten zu können (nein, ich war noch nie so der Minimalist, und ja, mir ist das schon wichtig).
    Einen Förderer zu haben.
    ABER.
    Die Woche über von meinem Mann getrennt.
    Sonntag abends in den Zug steigen und denken, verdammt, ich will nicht weg. So viel Zeit mit unterwegs sein kaputt machen, die man gemeinsam verbringen könnte. Nachts alleine in der leeren, kalten Wohnung ankommen.
    Klar, das Gefühl vergeht schnell, wenn man dann im Büro und beschäftigt ist. Aber es ist immer im Hintergrund.
    Da hat man nun ein Haus an dem Platz, wo man sich wohlfühlt, und es war die ersten Monate wie ein Ferienhaus, weil man ja nur am Wochenende da ist!

    Zeit reduzieren, wie du es machst, käme für mich persönlich allerdings nie in Frage.
    Okay, während der Elternzeit, aber das ist ja ein überschaubarer Zeitraum.
    Klar, könnte man trotzdem machen, die Möglichkeit wäre schon da. Verlockend irgendwo.
    Aber ich bin ehrlich, ich bin ja ein kleiner Ehrgeizling. Ich brauche das auch, dieses „hast du es doch mal wieder geschafft“. Doof eigentlich, ich weiß. Aber ist so. Und meinen Job kann man eigentlich nicht wirklich in Teilzeit machen. Es sei denn, ich würde ihn mir mit jemandem teilen. Aber auch das ist auf Dauer schwierig.
    Klar, mehr Freizeit ist eine tolle Sache.
    Mehr Zeit für Sport, für Freunde, für Unternehmungen, einfach mal in Ruhe rumsitzen und ein Buch lesen.
    Macht man so ja auch. Aber mehr ist besser.
    Andererseits funktioniert das wirklich nur, wenn der Partner gut verdient.
    Und irgendwo muss man dann ja, meiner Meinung nach, eine Gegenleistung bringen.
    Wenn ER dann heimkommt und sich erstmal umguckt und fragt, und was hast DU denn den ganzen Tag gemacht (weil eben irgendwo doch noch ein Stäubchen rumliegt, man mal faul war und nicht alles perfekt ist), dann habe ich das Problem ja nur verlagert. Das Beschäftigungsfeld ist nur anders, und ich würde meinen Perfektionismus dann eben im Haushalt ausleben. Nix gewonnen. Denn wie würde ich rechtfertigen, dass ich das nicht tue?
    Ich persönlich hätte wohl auch ein schlechtes Gewissen meinem Mann gegenüber, jedes Mal, wenn ich ihn nur bitten würde, bring mal den Müll raus. Denn der Haushalt ist ja dann meins. er arbeitet schon genug. Für mich mit.
    Auf diese Aufteilung muss man sich mMn. schon wirklich einlassen, und das ist, glaube ich, gar nicht so einfach.
    Dabei hätte ich auch Angst, meine „Mitbestimmung“ zu verlieren („das ist schließlich MEIN Geld, das hier verdient und ausgegeben wird“ – kenne ich alles noch so von meinen Eltern).
    Tja, und dann der große Punkt – Rente / Pension. Oder doch mal alleine da stehen.
    Man will es immer nicht hoffen, und man geht ja auch mit der Einstellung nicht in eine Ehe, aber: was, wenn es nach 10 Jahren doch schiefläuft, und man hat immer „abhängig“ gelebt? Wie will man wieder richtig reinkommen, wenn man so lange draußen war? Meistens warten die Firmen da nicht drauf.
    Das Problem sehe ich einfach bei vielen Teilzeitkräften, die 10, 15, 20 Jahre nie Vollzeit gearbeitet haben, Zuverdiener waren und sich damit eingerichtet haben. Manchmal geht es, und einige starten nochmal durch.
    Aber das ist ganz sicher nicht die Mehrheit.

    Oh Mann, das klingt jetzt so negativ.
    Nicht falsch verstehen, es ist eine so persönliche Entscheidung.
    Ich gehe mal davon aus, dass du alle diese Aspekte lange abgewägt hast – wie gesagt, es ist nicht böse gemeint, es gibt da wahrscheinlich kein „falsch“ oder „richtig“, was kommt, weiß man eh nie, und es ist eben so, dass wir beide bei der gleichen Frage zu einem komplett unterschiedlichen Ergebnis kommen, weil die gleichen Faktoren für uns unterschiedlich wichtig sind.
    Ich hoffe auf jeden Fall, dass du noch lange mit dieser Entscheidung glücklich bist, und sie für dich die richtige war!

    Leia

    1. Liebe Leia,
      wie schön von dir zu lesen! Du und zum Beispiel auch Nessa, ihr habt etwas, woran ich beim schreiben tatsächlich öfter denken musste: Energie! Und zwar viel davon. Ihr seid menschen, an denen ich mich in „schwachen Momenten“ messen möchte, aber das kann ich nicht. versuche ich es doch, brennt michd as sehr schnell aus. Leider. Aber so ist es eben. Du bist ehrgeizig, auf jeden Fall. Aber das bin ich auch. Nur kann ich es nicht in allen Bereichen sein durch besagtes Energielimit. Mir ist die Freiberuflichkeit, mein Schreiben, mein Bloggen, mein Buch am wichtigsten, also richtie ich dorthin meine verfügbare Energie. Dhin und in den Sport, denn ohne Gesundheit sinkt mein Energiepegel je weiter. Dennoch wünsche ich dir sehr, dass du für dich eine Lösung der aktuellen Situation findest, denn optimal ist das mit der Fernbeziehung so ja nicht. Aber ich bin sicher, da findest du etwas. Denn du bist, haha, zu ehrgeizig und zu perfektionistisch, um dich mit so einer Halb-Lösung zufrieden zu geben. Da glaube ich sehr an dich. 🙂
      Und genau das, was du ansprichst habe ich bin Benedict geklärt bezüglich Absicherung falls es dann doch niucht halten sollte. Das war mir sehr wichtig. Lieber einmal unromantisch als später arm bzw. dumm dastehen. Das ist quasi ein Sicherheitsnetz. Damit haben wir eine Unwahrscheinlichkeit abgesichert, während wir weiter in die Wahrscheinlichkeit einer gemeinsamen Zukunft investieren.

      Ich wünsche dir alles Liebe,
      Heike

  17. Hallo Heike,

    ich danke dir für diesen Artikel. Ich arbeite selbst in Teilzeit(24 St.) und das 6 St. an 4 Wochentagen in der IT. Ich bin verheiratet und habe 1 Sohn(11J.). Lange Zeit habe ich mich gegen dieses Lebensmodel gesträubt, da ich meinte, Karriere machen zu müssen. Schließlich habe ich studiert und ehrgeizig war ich auch noch. Bis ich bereits im ersten Berufsvollzeitjahr richrig krank wurde. Kleinkind, Überstunden und enorme Schuldgefühle, dass ich nicht genug Zeit für mein Kind habe, haben ihr Übriges getan. Ich war gezwungen, mein Leben zu überdenken und Karrierewünsche, die sich gegen meine Gesundheit und damit gegen mich wendeten, aufzugeben.
    Momentan mit 3-Tage-Wochenende bin ich gesund, entspannt und glücklich. Ich habe Zeit für mich ( Self-Care) und für die Dinge, die mir wichtig sind. Ich habe angefangen, Geige zu spielen. Ohne diese frei gewordene Zeit wäre ich nie auf diese Idee gekommen.
    Manchmal überlege ich, warum ich früher eigentlich gegen mein eigenes Glück und Gleichgewicht war. Ich war auf dem Weg der Selbstausbeutung. Ich bin froh, diesen Weg verlassen zu haben.
    Beste Grüße,
    Nataliya

    1. Liebe Nataliya, wie schön zu lesen, das es dir in deinem leben gut geht. Ich bin auch immer etwas verwundert, weshalb einem direkt unterstellt wird, man wäre nicht ehrgeizig, wenn man im Job nicht voll auf Karriere geht. Ich bin sehr ehrgeizig. Aber man kann das nicht in allen lebensbereichen sein. Somit bin ich es, indem ich mich nicht komplett in allen Aufgaben ausbrenne sondern mich für das begeistere und für das hart arbeite, was ich WIRKLICH will. Das ist für mich mein Blog, mein Schreiben. Für andere ist es ein Sport, ein Hobby, der Traum von eienr großen Familie. Nicht alles, wofür man Ehrgeiz braucht wird dann mit Geld oder Medaillen belohnt. Erfolg kann auch so etwas sein, wie es zu schaffen das Beste aus etwas zu machen um der Sache oder den Menschen Willen. Ehrgeiz ist nicht das das Gegenteil von Müßiggang und Faulheit, es ist auch ein gegenteil von Gleichgüktigkeit.
      Liebe Grüße,
      Heike

  18. Hallo Heike,
    ich bin immer wieder überrascht, wie deine Beiträge die Probleme bzw. Ansichten in meinem Leben widerspiegeln. Oft habe ich mir gedacht, dass ich dieses oder jenes (aufräumen, Sport, Rezepte u.v.m.) probiere, sobald ich Zeit dafür habe. Lange war leider nicht klar, wann diese Zeit sein soll. Lange war auch nicht klar, wann ich überhaupt Zeit für mein Leben haben werde. Ich möchte seit mehr als 18 Monaten meine Arbeitszeit reduzieren, um in meiner Freizeit nicht nur Dinge zu tun die meine Arbeitskraft erhalten (schlafen, essen, putzen usw), sondern auch ein erfüllendes Leben führen zu können. Mein Chef war absolut dagegen, in unserer „kleinen“ Firma mit rund 100 Mitarbeitern können wir uns Teilzeitkräfte nicht erlauben. Hat mich am Anfang sehr hingehalten, dass ich in einem halben Jahr nochmal fragen soll. Kein Kollege und keine Kollegin konnte es nachvollziehen (deshalb ist dieser Beitrag auch wie Balsam auf meiner Seele). Es belastete mich so sehr, dass ich den einzigen Weg gewählt habe, der mir neben der Kündigung blieb, ich habe mein Recht auf Teilzeit eingeklagt. Das Gericht hat letzten Freitag entschieden, dass mir mein Arbeitgeber Teilzeit einräumen muss. Es gibt ganz klare Gesetze zur Förderung von Teilzeit. Ich finde es schade, dass man so weit gehen muss um sein Leben lebenswert gestalten zu können, freue mich jetzt aber auch sehr auf eine entspanntere Zeit.

    Mein Mann hat ebenfalls eine colitis, steckt gerade auch in einem ganz schlimmen Schub, aus dem wir noch einen Ausweg suchen. Und es gibt einfach Dinge im Leben, die wir für uns wichtig finden, bzw. auch einfach wichtig sein müssen mit dieser Krankheit und ich bin froh, dass ich mir dafür jetzt richtig Zeit nehmen kann.

    1. Liebe Jenny,
      SEHR gut, dass du dein Recht eingefordert hast! Sei stolz auf dich! Du hast damit nicht nur dir geholfen sondern auch vielen, die nach dir kommen. Meine Firma hat auch deutlich utner 100 Mitarbeiter und wir haben sehr viele Teilzeitkräfte, das ist kein Argument, dass sich die Firma das nicht leisten kann. Nicht wollen ist was anderes… Ich bin aber auch wirklich sehr dankbar für meine Vorgesetzten, dass sie mir den Weg so leicht gemacht haben, mit so viel Entgegenkommen und Verständnis hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
      Ah Colitis… gute Besserung! Dazu wollte ich auch mal was schreiben… aber ich hab inmmer so viele Themen, die ich hier anbringen will, ich kann daher leider grad gar nichts agen, wann ich das bloggen werde. Aber naja. Auf jeden fall gute, gute Besserung! Knochenbrühe, Gemüsesäfte und gutes Fett. Die Kiurz-Kurzfassung dessen, was mir immer wieder am besten hilft. Kümmeltee, Wärme, Ruhe, Ruhe und Ruhe.
      Alles Gute, Heike

  19. Hallo Heike! Ich habe deinen Artikel mit großem Interesse gelesen und natürlich kenne ich die Rechnung die du aufmachst selber sehr genau. In mancher Hinsicht fällt meine Rechnung vorteilhafter aus als deine: ich arbeite nur 4 1/2 Tage. In mancher Hinsicht ist sie ungünstiger: die einzelnen Arbeitstage sind noch wesentlich länger als bei den meisten anderen, da sich meine 40 Stunden eben auf 4 1/2 Tage verteilen und ich zudem auch Samstags arbeite. Aber im Großen und Ganzen geht es uns allen wohl ähnlich. Ich finde deinen Schritt sehr mutig und kann ihn gut nachvollziehen, auch wenn er für mich derzeit nicht in Frage kommt. Bisher konnte ich meine große Leidenschaft (die Musik) immer mit der Notwendigkeit des Geldverdienens vereinbaren, den Luxus eines Hobbys das sehr zeitintensiv ist leiste ich mir schlicht und einfach. Allerdings geht das manchmal auf Kosten des Haushalts ähem… 😉 Du schreibst, daß du von deinem Partner abhängiger bist als vorher, und das mag auch so sein, aber er ist mit Sicherheit auch abhängig von dir, nämlich davon, daß es seiner Frau gut geht, daß sie gesund und glücklich ist, und daher denke ich, daß dieses Modell für euch beide das Beste ist. Ich kenne das sehr gut, denn bei uns ist es mein Mann der in diesem Jahr, und mit meiner vollen Unterstützung und zu meiner großen Erleichterung einem ähnlichen Hamsterrad entkommen ist. Er hat von jetzt auf gleich eine Arbeitsstelle aufgegeben in der er ausgebeutet wurde und oft13 du mehr Stunden am Stück arbeiten mußte. Für Mindestlohn. Manchmal muß man solche Schritte gehen. Inzwischen haben sich neue berufliche Möglichkeiten ergeben, er arbeitet immer noch viel, ist aber glücklicher, zufriedener und bekommt mehr als fünf Stunden Schlaf. (Ein großes Thema auch bei uns!). Damit geht es nicht nur ihm, sondern auch mir besser. Ich wünsche dir und deinem Mann alles gute und viel Erfolg auf eurem Weg und freue mich immer, dich zu lesen.
    Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land.

    Violetta

    1. Liebe Violette,
      was du schreibst über die Abhängigkeit (bzw. verantwortung) von bzw. für seinen partner ist genau auch benedicts Argumentation. er sagt es auch jetzt fast täglich, wie froh er ist mich entspannter zu sehen, zu sehen, dass ich erhiolen kann. Ich hätte nicht gedacgt, dass das auch für ihn so belastend ist, das nur an mir zu sehen. Alles gute auch für euch beide! Gut, dass dein mann entkommen konnte. Ausbeutung ist ein übles Thema in der Arbeitswelt aber zum Glückfür mich eines unter dem ich selbst bisher erst einmal kurz zu leiden hatte. Einen Monat. War ein Studentnejob. Ich hab ihn seinerzeit mit vergnügen wieder aufgegeben. Mache ich nicht. Und wie du so schön sagst, es tun sich adnere Möglichkeiten auf. Oft glaube ich, muss man einfach nur wirklich die Augen offen halten.
      Liebe Grüße, Heike

  20. Du sprichst gerade Dinge an, die mir seit Jahren im Kopf schwirren und über die ich mich ständig aufrege. Als Student kriege ich schon zu viel, wenn ich 18h nach Hause gehe (nachdem ich 8-10 Stunden in der Uni war) und nur noch 6h am Tag schlafe. Ich brauche die Abenden für meine Hobbies, denn sonst komme ich nicht zur Ruhe. Sie zu vernachlässigen macht mich nicht glücklich. Ich hab schon einges hier und dort gestrichen. Ich spare viel Zeit indem ich mir keinen MIst im Internet angucke und lange nichtsaussagendeTelefonate abwürge, aber trotzdem hätte ich gerne einen 30 Stunden Tag… oder es änderts ich etwas grundsätzlihch in der Welt und die Arbeitszeit wird allgemein reduziert. Ich verstehe ja sowieso nicht, wieso jeder so viel arbeiten muss, wenn einem sowieso die Zeit zum konsumieren und leben fehlt und sowieso zu viel Zeug produziert wird…

    1. Nun, das ist das Prinzip des Kapitalismus mit immer mehr Wachstum. Dieses Immer-mehr-arbeiten ist ein Auswuchs davon. Ein hässlicher Auswuchs… Sich abzugrenzen und bestimmte Dinge einfach nicht zu tun ist ein super Schritt. Ich bin ein großer Freund vom Durchdenken bis in die letzte Konsequenz, allerdings kann das dann ab und an ganz schön weh tun. So wie meine letzte Konsequenz bei der Rechere zum Essen für mich eigentlich bedeuten würde nichts Tierisches mehr essen zu wollen. So gibt es auch Konsumverhalten und Arbeitsverhalten,d ass ich grundsätzlich ablehne, aber es war ja irgendwie zu schön, wenn man einfach mit einer Entscheidung aus der Sache rauskäme. Dafür ist alles zu verflochten und man selbst Teil der Gesellschaft. Aber Wissen ist Macht. Worüber ich weiß, darüber kann ich mir eine Meinung bilden und dann in die Richtung entscheiden, die für mich gangbar ist. Für mich bedeutet das, was die Arbeit angeht, den Schritt zu gehen, den ich jetzt gegangen bin – und euch als Leser hier an meinen Gedanken teilhaben zu lassen. Weil ich das Thema wichtig finde.

    2. Ohja, zu diesen Menschen gehöre ich auch… Und dann steh ich da und kann mich nciht entscheiden weil ich jede Alternative am Ende genauso beschissen finde! Wahre Aussage und toller Post, den ich weiterleiten muss.

  21. Ich lese deinen Blog ja sehr gerne, melde mich aber so gut wie nie, weil ich mir so blöd dabei vorkomme, immer nur zu schreiben, dass du so recht hast…
    Aber jetzt muss ich es doch mal tun: Du hast so recht!

    Vorweg sollte ich wohl sagen: Ich studiere derzeit noch, habe also nur bedingt Ahnung davon, wie es im Job dann mal wird.
    Aktuell mache ich ein sechsmonatiges Praktikum, Vollzeit arbeiten (Wobei das in der Einrichtung für die Praktikanten netterweise noch so gehandhabt wird, dass ich die Pause nicht rausrechnen muss, wenn ich es nicht übertreibe. Dafür gibt’s aber auch kein Geld.), zum ersten Mal für eine längere Zeit für mich. Und ich merke es deutlich.
    Ich bin auch ein Mensch, der mindestens 8 Stunden Schlaf braucht und seit ich regelmäßig Sport mache, merke ich, wie mein Körper das einfordert. Ohne Sport bin ich wesentlich unausgeglichener und bekomme schnell Rückenschmerzen. Vor dem Praktikum war ich zweimal die Woche bei meinem Pflegepferd (= frische Luft, Bewegung, 2 bis 3 Stunden an diesen Tagen abschalten können) und habe 2 bis 3 mal Sport zu Hause gemacht, Kraftübungen. Das tat mir echt gut.

    Jetzt bin ich fast 10 Stunden außer Haus, dunkel ist es um die Jahreszeit auch ständig, kurz: Zum Pferd kann ich noch einmal die Woche, für sonstigen Sport habe ich noch zweimal Zeit, dafür habe ich an diesen Tagen eben abends nicht mehr so viel Zeit für mich, was mir eigentlich auch sehr wichtig ist, ich brauche diese Stunde am Abend, wo ich nichts mehr erledigen muss, zum Runterkommen.
    Gesundheitliche Probleme habe ich ohnehin mehr als genug, so ist das Ergebnis nicht nur die schon angesprochenen Rückenschmerzen mangels ausreichend Sport, sondern auch noch regelmäßig Bauchschmerzen nach dem Essen, aufgrund eines einfach sehr empfindlichen Körpers, stellenweise absolute Motivationslosigkeit (die ich aber zum Teil auf die Jahreszeit schieben kann) und eben dieses „Ist ja bald Feierabend/ Wochenende/ Praktikum vorbei“. Und der rumquengelnde Bauch dürfte oft genug auch einfach vom Stress kommen, ich esse zwar (sehr) langsam und derzeit tatsächlich vernünftiger, als wenn ich viel zu Hause bin, aber das reicht scheinbar nicht. Sobald ich Stress habe, kann mich mein Körper eben nicht mehr so richtig leiden.

    Immer, wenn ich mich beim Rumjammern erwische, frage ich mich jetzt: Wie soll ich das bitte später hinbekommen, wenn das Ende der Arbeit (und somit der Anfang des noch einjährigen, größtenteils wesentlich entspannterem Studiums) nicht in Sicht ist? Teilzeit arbeiten dürfte als Berufsanfänger schwierig werden und ich wüsste auch nicht so recht, wie ich das alles dann finanzieren sollte…
    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich etwas Angst davor habe. Davor, dass dieser aktuelle Stress irgendwann mal „ganz normal“ ist.
    Und es hilft mir, hier zu lesen, dass ich nicht einfach eine Mimose bin, sondern auch andere Leute diese Probleme haben.

    Aber irgendwie – Das kann’s doch nicht sein…

    Viele Grüße,
    Ira

    1. Liebe Ira, erst mal mag ich dir ein bisschen Angst nehmen. In der Umstellung auf mehr Arbeit ist es immer anstrengender als wenn man erst mal für sich angekommen ist. Das ist einfach das Neue, de andere Rhythmus, das braucht ein paar Wochen bis Monate, bis man sich akklimatisiert hat. Davon ab ist mein Eindruck, dass es zum Glück mittlereile recht viele Teilzeitstellen gibt. Nicht in allen Branchen, aber generell wird es besser. Natürlich mit weniger Lohn als Vollzeitarbeit, aber ads it ja selbsterklärend. Ich habe damals mit 30h angefangen und das is nach wie vor etwas, was ich als vollzeit für mich empfinde, womit man gut organisiert noch alles gut voreinander bekommen kann udn ovon man (je nach Branche) auch leben kann. Ein größeres Hobbe ist damit allerdings schon sehr schwer, sowas wie für mich der Blog und die Schreiberei, oder für dich das Pferd. Ich habe einige Pferdemädchen im Bekannten- und Familienkreis. Ein Pferd ist eine Lebenseinstellung. Da geht dann eigentlich nichts anderes mehr, selbst Partnerschaft wird da für viele schon schwierig, zumal Pferde meist ein reines Frauending sind bzw. es da sehr selten ist, das der Partner daran auch interessiert ist und man da gemeinsame Zeit hat…
      Angst finde ich also musst du nicht haben. Aber es ist gut zu sehen was kommt, für sich zu wissen, was einem wichtig ist und in diese Richtung dann zu steuern. Es muss nicht von Anfang an der perfekte Job sein, aber in die richtige Richtung gehen, das ist wichtig.
      Alles Liebe, Heike

  22. Ich habe das Gegenteil gemacht, ich Arbeiter jetzt Vollzeit. Vollzeit hat mir am Anfang Angst gemacht, aber mehr Angst habe ich vor irgendwann als Frau mit nichts da zu stehen. Mein Partner und ich hatten einige Schwierigkeiten in letzter Zeit die mich verunsichert haben. Ich weiß nun das WIR weniger wert ist für ihn als ER+ich. Ich habe das Glück das ich meinen Beruf liebe, das macht die Sache einfach. Ich fühle mich viel ruhiger, ausgeglichener und vor allem sind meine Sorgen wenn ich an die Zukunft denke kleiner geworden. Auch mein Haar scheint besser zu werden.

    1. Dann war das genau das Richtige für dich. Es ist ja immer ein abwägen. Mit Sicherheit hätte meine Entscheidung anders ausgesehen, wenn Benedict ein anderer wäre. Wenn das Bauchgefühl so eindeutig ist wie bei dir, dann behaupte ich einfach mal, hast du das für dich richtig entschieden. 🙂

  23. Liebe Heike

    Deine ganzen „Stunden-Pläne“ klappen nur, solange du keine Kinder hast! Ich hab einen Sohn, 5 Jahre alt, und glaub mir, müder geht nicht mehr!
    8 Stunden schlafen…was ist das? Zeit für Sport? Woher nehmen? …….
    Geniess es, solange du noch keine Kinder hast!

    Liebe Grüsse, Patrizia

    1. Liebe Patrizia, oh… das tut mir so Leid zu lesen, wie erschöpft du bist. „Müder geht nicht mehr“ klingt sehr übel. Aber ich glaube einfach weiter daran, das es möglich ist, auch mit Kindern Sport zu treiben und zu schlafen. Ich lese und schaue gern bei @MimiIkonn rein, die auch grad ein Baby bekommen hat. Natülich ist es gerade am Anfang schwierig, aber sie beruhigt mich sehr, dass es sehr wohl möglich ist, ein gutes, gesundes Leben zu führen, auch mit Kind. Oder @activelyrees auf Instagram. Oder wirklich, einfach mal gucken, es gibt gerade im Social Media so viele tolle Mütter, die zeigne, dass es geht gesund mit Kind zu sein. Mit Schlaf und Sport. Vielleicht ist da etwas für doch bei. Alles entspannte, freundliche Menschen. Natürlich, alle nicht mit einem konventionellen Lebensmodell, da muss man teilweise etwas genauer hinschauen, u zu sehen, welchen peis sie zahlen oder welcer glückliche Umstand ihnen genau dieses Leben ermöglicht. Dass das nach Schema F nicht geht und erst Recht nicht mit Kindern und z.B. ganz schwierig, alleinerziehend auch nicht, da bin ich ganz bei dir.
      Liebe Grüße und eine große Portion Kraft,
      Heike

      1. Danke schön liebe Heike! Und du: mach weiter so! Du machst deine Sache suuuuper!
        Auch dir viiiiel Krft und weiterhin Erfolg im Leben!

        Ps: Du hast wunderschöne Haare 🙂

        Liebe Grüsse, Patrizia

  24. Wow… Toller Artikel!!!!👌
    Ich lese schon so lange hier bei dir mit und schreibe nun zum ersten Mal ein Kommentar. Dieser Artikel bewegt mich total, ich stehe gerade vor einer ähnlichen Entscheidung. Dein Einstellung und auch deine Denkanstöße vereinfachen es mir gerade mich zu entscheiden.

    Vielen lieben Dank Heike!!!!!!

    1. Gern geschehen: 🙂 Und ich freu mich total, wie gut der Artikel hier ankommt. Das Thema ist so wichtig. letztlich entscheidet kaum etwas so sehr darüber, wie wir unser Leben leben, wie die Entscheidung, womit wir unsere Zeit verbringen.

  25. Dieser Beitrag hat mich fast zum Weinen gebracht.
    Ich finde mich so in dem wieder, was du schreibst. Es zeigt mir, dass ich nicht „unnormal“ bin oder faul, wie meine Mutter es nennt. Ich habe eben ein anderes Lebensmodell vor Augen als andere Menschen. Ich bin unzufrieden damit, zu versuchen, in dieses System hereinzupassen.
    Vielen Dank für diesen Beitrag, er hat mir sehr viel Mut gemacht.

    1. Oh weh… aber ja, ich glaube, ich weiß, was du meinst. Der Artikel ist ja nun schon etwas älter und ich bin unendlich froh, dass ich selbst dort bin, wo ich jetzt bin, weiß aber noch zu gut, wie es war ihn zu schreiben und wie es war, diese Gedanken zu fassen. Nach wie vor denke ich, dass viel zu wenig den Menschen beigebracht wird, wie kostbar zeit ist und wie man mit ihr umgeht, was man sich gefallen lässt und was nicht. Nach wie vor ein Luxusproblem. Aber ein großes.
      Alles Liebe für dich! Weitermachen, ein Schritt nach dem anderen und eben wenn nötig die Richtung neu bestimmen. 🙂

  26. Liebe Heike,

    Ich verstehe dich so gut!
    Dank einer chronischen Krankheit gehöre ich eigentlich auch zu denjenigen, die dem 8 Stunden-Rhythmus eines normalen Arbeitstages nicht mithalten können.
    Wie gerne würde ich auch deinen Weg gehen. Auch wenn ich meinen Vollzeitjob zu einem Teilzeitjob machen würde, würde das Geld reichen. Mein Mann verdient ganz gut. Allerdings auch nicht so gut, dass wir Rücklagen in dem Maße bilden können, wie wir es momentan tun.
    Meine Kinder sind im Grundschulalter und die Kosten für Kleidung, Hobbies, Klassenfahrten etc sind schon jetzt beachtlich. Wie wird das nur wenn sie mal größer sind, vielleicht ein Auslandsjahr machen oder studieren wollen? Ich kann mir nicht vorstellen dann zu sagen: „Sorry, ich war halt nicht leistungsfähig genug um jeden Tag 8 Stunden zu arbeiten- Sieh selber zu wie du die Möbel für deine neue Wohnung finanzierst“. Das ist natürlich überspitzt. Aber ich denke meine Gedanken werden deutlich.
    Und eigentlich wollen wir ja auch irgendwann raus aus der Mietswohnung und in eigene 4 Wände.
    Mit einem Vollzeit- und einem Halbtagsjob leider nicht finanzierbar.
    Mal davon abgesehen, dass ich es nur schwer ertragen könnte, dass mein Mann sich mehr für unser finanzielles Wohl „aufopfert“ als ich.

    Einerseits will ich meinen Kindern eine bestmögliche Zukunft bieten. Ihre Möglichkeiten sollen niemals durch Geld begrenzt sein. Ich will für mich eine bestmögliche Altersabsicherung (wie du schon richtig sagst: ein Mann ist keine Altersabsicherung). Ich will meinem Mann nicht das Gefühl geben, dass er mehr tut für UNS als ich.
    ich will mit nicht eingestehen, dass ich weniger leistungsstark bin als der „Duchschnitsssdeutsche“, will eine emanzipierte Frau sein. Eine Working-Mum. Das schaffen andere ja auch.

    Aber mir fällt es halt sehr schwer. Ich bin Mitte 30 und weiß nicht, wie ich unter dieser Belastung bis zur meiner Rente weiter machen soll. Momentan ist alles soweit im Griff. Ich habe aber dennoch Angst, dass mich das irgendwann so überlastet, dass ich ernsthaft psychische Probleme davon trage.

    Ohne Kinder würde mir das Reduzieren meiner Arbeitszeit vermutlich leichter fallen, denn die Ängste ihnen nicht gerecht zu werden, wiegen am schwersten bei meiner Entscheidung bei meinem Vollzeitjob zu bleiben.

    Wenn ich das richtig sehe, hast du diesen Artikel vor deiner Schwangerschaft geschrieben.
    Was mich interessieren würde:
    Hat sich deine Perspektive auf das Thema verändert? und wie willst du nach der Babypause weitermachen?

    Ich danke Dir für diesen tollen und wichtigen Blogeitrag und für die Inspiration. Vielleicht schaffe ich es auch irgendwann so eine Entscheidung zu treffen.

    Liebste Grüße
    Line

    1. Liebe Line,
      oh, dein Kommentar freut mich einerseits, dass mein Artikel dich so bewegt hat, andererseits stimmt er mich besorgt. Vielleicht zeigst du deinem Mann mal deinen text hier. Er ist toll und reflektiert, er zeigt sehr sehr gut deinen Zwiespalt und ist in weiten Strecken sehr ähnlich zu den Gedanken und Gefühlen, die ich hatte, bevor ich mich zu meiner Entscheidung durchgerungen habe. Zusammen mit meinem Mann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man selbst derjenige ist mit den höchsten Ansprüchen an sich. Klar, es gibt materielle Wünsche und ein gewisser finanzieller Rahmen sollte stehen, man diskutiert ja nicht über die Existenzgrundlage. Es geht hier ja mehr um die viel besungene Work-Life-Balance. Wenn ihr über eigene 4-Wände nachdenkt, dann ja, klar ist das etwas, was viel finanziellen Hintergrund braucht, aber du schreibst selbst welch hohen Preis du dafür zahlst. Es ist auch ein hoher Anspruch zu sagen „Es soll nie am Geld scheitern!“. Um dich etwas abzuholen und vielleicht auf den Boden der realität zurück zu holen: Was wir tun, liegt orimär daran, was wir mit unserer Zeit und unserem Geld machen. Also Geld ist immer ein limitierender Faktor, da es in unserer Gesellschaft DIE Ressource ist. Etwas nie am Geld scheitern lassen zu wollen ist nicht möglich, denn es gibt immer etwas, was teurer und besser ist, dein Ziel verschiebt sich immer weiter von dir weg in gleichem Maße, wie du auf es zuarbeitest. Ich habe als Kind und Jugendliche sowohl Phasen von hohem Wohlstand als auch von Armutsgrenze erlebt, aber ich habe meionen Eltern nie einen Vorwurf gemacht, wenn es wenig Geld gab. Klar, das war dann mal unbequem und ja, spätestens im Studium wurde es eng und ich hab geschimpft „Von wegen Chancengleicheit in der Bildung!“ aber ich hätte nie gewollt, dass meine Eltern sich dafür aufreiben. Konflikte um Geld muss man lösen lernen, aber sie werden nicht weniger, nur weil man mehr Geld hat. Du bist bereits chronisch krank. Ich auch, und mich hat das Kranksein gelehrt, dass mir nichts über meine Gesundheit geht. Ich kann nicht für mich und andere da sein, wenn ich schwächel, ich kann nicht an meinen Träumen arbeitne ich bin unglücklicher und ja auch der Job leidet und schwups sind wir in einem Teufelskreis. Ich hatte 3 Monate in meinem Leben bisher einen Vollzeitjob (vertretungsweise) und es war für mich grauenvoll und sofort klar: das will ich so nicht, das kann ich so auch nicht, einfach weil ich auch privat (Blog und Co) noch so viele andere Projekte habe, die für mich mein Lebensinhalt sind. Du hast Kinder, die sind nicht minder fordernd als so ein exzessiveres Blog-Hobby/zweites Standbein.
      Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, deswegen gebe ich jetzt das wider, was leider immer noch gängig ist: wenn beide vollzeit arbeiten, ist es dennoch meist die Frau, die den Großteil des Haushalts schmeißt, also so 70% und mehr. Kinderbetreuung und Erziehung hängt auch zu etwa dem Anteil bei ihr, wenn nicht bei mehr. Du gibst also (sollte das auch auf dich zutreffen) 100% im Job und 70% Haushalt und 70% für die Kinder. Dein Mann 100% Job, 30% Haushalt und 30% Kinder. Gerecht ist das nicht. 50/50 in den beiden häuslichen Bereichen ODER, derjenige, der sich um die Familie kümmert, arbeitet weniger. Ja, Haushalt und Familie werden nicht bezahlt und deshalb muss man als Paar dann über die finanzielle Absicherung der Wenigerverdienenden sprechen und das dann auch dementsprechend regeln und nicht nur auf Vertrauensbasis. Denn vom Haushalt und der Familie profitiert ja auch der Besserverdiener. Auch für ihn ist der Lebensstil nur möglich, weil der Partner (in der Regel die Partnerin) ihm ganz klassisch mit diesen Belangen den Rücken frei hält. Dann bist du dazu noch krank. Du schreibst sehr deutlich über deine körperlichen und psychischen Grenzen. Wenn die schon so nahe sind, dass du sie so formulierst, bitte, sprich mit deinem Mann, mit deiner Familie. Der Plan und Wunsch ein Eigenheim ist gut und schön und legitim, aber manchmal muss man den Plan einfach anpassen, weil sich zeigt, dass die Umstände anders sind als erwartet. Man vergisst schnell, das man doch arbeitet, nicht um sich etwas kaufen zu können, sondern weil man glaubt, dass man glücklicher ist, wenn man sich dieses und jenes kaufen kann. So als Denkanstoß. 🙂

      Und ja, der Artikel entstand vor der Schwangerschaft. Auch wir müssen unsere Pläne neu justieren, wobei ich das nicht als schlimm sondern als völlig normal empfinde, aber wir haben auch damals schon die Familiengründung zumindest grob im Blick gehabt. Dass wir das fnanzielle zwischen uns geregelt haben, habe ich ja schon geschrieben. Und jetzt mit Kind werde ich noch mal mehr die sein, die weniger verdient. Das ist psychologisch für mich auch irgendwie nicht einfach, aber so wie ich auf Benedict wirtschaftlich angewiesen bin, um eine Familie gründen zu können, so ist er auf mich biologisch angewiesen, denn ich bin schwanger, ich gebäre und stille das Kind. Für manche Paare endet diese Teilung mit der Geburt und sie tauschen die Rollen oder teilen wieder. Aber für die meisten ist es dennoch recht klassisch, weil bei aller Emanzipation wir auf jeden Fall in Schwangerschaft und den ersten sagen wir 1-2 Jahren (Stillzeit) nicht aus unserer Biologie können.
      Ich verzettel mich gerade etwas.
      Aber was ich sagen will: du leistest deinen Beitrag. Du bist Mutter und vermutlich eben wie in den meisten Familien mehr als er Vater ist. Nicht aus Böswilligkeit, sondern… es ergibt sich so. Rollen tun sich auf, der eine oder andere besetzt sie. das war vermutlich auch vorher schon in anderen bereichen so. Man kann den ANpsurch haben alles genau gerecht teiolen zu wollen, aber dabei vergisst man dann schnell, dass man ja auch kein Klon des anderen ist. Es ist ganz normal, dass in Teams jeder nach seinen Stärken arbeitet, um das Beste am Ende für alle gemeinsam erreichen zu können. Und eine Familie ist auch das ein Team. Die kleinste Form von Gesellschaft.
      Sprich darüber. Vielleicht gibt es auch adnere Lösungsstrategien so wie ein anderer Job oder eine andere Betreuungssituation oder eine Planänderung eben. Pass gut auf dich auf und einfach immer wieder gucken: was will ich wirklich, wer bin ich wirklich, wo stehe ich, wo will ich hin. Wir fragen usndas als paar oft gegenseitig, das macht es wudnerbar leicht eine gemeinsame Zukunft zu planen und zu sehen, wo auch der andere hin will. Man läuft ja nicht die ganze zeit parallel. Aber wir laufen immer so, dass wir Hand in hand sind, wenn du verstehst,w as ich meine. Zusammen und ejder für sich und je mehr man kommuniziert, desto mehr gemeinsame Wegstrecke meist.
      Alles Liebe,
      Heike

      1. Man selbst ist diejenige mit den höhsten Ansprüchen – da hast du volkommen recht. Mein Mann sieht das auch so und auch meine Gedanken teilt er. Er wäre der erste der einer Kürzung meiner Arbeitszeit sowie Regelungen bezüglich der Altersabsicherung zustimmen würde. Aufgrund meiner Erkrankung ist er auch derjenige, der im Haushalt den Großteil übernimmt. Die Arbeit, die durch die Kinder anfällt teilen wir uns 50-50 auf. Er versteht meine geringere Leistungsfähigkeit absolut und hätte es auch befürwortet wenn ich nach den Kindern später bzw nur teilweise in den Job zurückgegangen wäre.
        Er trägt also schon mehr auf seinen Schultern als ich. Für Ihn selbstverständlich, er sagt er kann halt mehr tragen als ich.
        Für mich trotzdem belastend.

        Natürlich kann man auf vieles verzichten. Meine Kinder werden mich auch lieben, wenn ich ihnen den 15.000€ Highschool Aufenthalt nicht ermöglich kann. Mein Mann und meine Kinder werden auch ohne Eigenheim glücklich.
        Aber will ich das? Komme ich damit klar „schuld“ daran zu sein das etwas fianziell eben nicht drin ist?
        Obwohl ich die Möglichkeit gehabt hätte das zu ermöglichen. Komme ich damit klar, dass mein Mann mehr trägt als ich? Wie viel Egoismus darf ich mir erlauben?

        Es bleibt das Gefühl nicht alles zu geben. Besonders den Kindern gegenüber. Ein Gefühl was sicherlich viele teilen.

        Bei vielen liegt es sicherlich auch am Umfeld, dass Mütter meist mehr Mütter sind als Väter Väter beobachte ich auch. Auf mich trifft es aber nicht zu.
        Das Problem ist also nicht die Situation und die Menschen, die um mich herum sind.
        Das Problem ist meine Personliche Erwartung an mich selbst.

        Ich denke, dass diese Probleme viele Menschen teilen.
        und es ist wichtig darüber zu reden und Wege aufzuzeigen, die man gehen kann um aus diesem Hamsterrad zu entkommen.

        Ich denke deine Texte leisten eine guten Beitrag dazu

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