17. September 2015

Minimalismus Flirt

 

Ich liebäugel. Schon eine ganze Weile. Und diesen Sommer irgendwie noch mal mehr. Denn dieser Sommer hat mir beigebracht, was ich wirklich will. Vielleicht erinnert ihr euch noch an meine Monatsprojekte Anfang des Jahres? Was will ich wirklich und wie zur Hölle bekomme ich all das, was ich will, in meinen Tag hinein?
Dieser Sommer war für mich der härteste seit langem. Ich habe viel Zeit mit Dingen verbringen müssen, die so überhaupt nicht ich waren. Und genau das hat mir gezeigt, was ich bin und was ich will. Die Sehnsucht  (und auch die Erschöpfung) der letzten Monate war wesentlich eindeutiger als die Qual der Wahl, die es mir im Frühjahr so schwer gemacht hat.
I am flirting with minimalism. Already for a longer while. And I guess this summer brought me closer to this as it told me so much about myself and my deepest desires. Maybe you remember my project months at the start of the year and my dilemma with having too many opportunities and too few time. Well having very few opportunites and being exhausted because my time was fully occupied this summer  made me long for what I really wanted. And this longing is much more specific than my questions were a few months ago.

Und das will ich: Weniger.
Weniger von fast allem, abgesehen von meinen großen drei Themen: Zeit, Raum und Kreativität. Meine drei Ressourcen, aus denen ich schöpfe.
Zeit ist die Basis von allem, nur mit ihr kann ich kreativ sein.
Raum bedeutet ganz simpel Platz um mich herum. Ich habe es gern gemütlich, es muss also nicht leer sein, aber stukrturiert, mit Freiflächen. Weißraum wäre das im Grafikdesign. Kostbare Leere, durch die das, was da ist, erst wirklich wirken kann. Und alles, woran man stockend  hängen bleibt, sowohl ganz wörtlich als auch einfach nur mit den Augen, gehört weg. Ich will Fluss, ich will Licht.
Raum bedeutet aber auch, dass ich Fernweh habe. Vermutlich, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben stark genug bin (körperlich), dass ich keine Angst mehr habe einen Schritt weiter zu gehen als ich es sonst gewagt habe. Ich war in meinen Zwanzigern durch meine angeblich ja chronischen Unheilbarkeiten dermaßen eingeschränkt, dass ich jetzt Nachholbedarf habe. Ich konnte so vieles nicht. Jetzt kann ich. Und ich will. Und ich werde.
Kreativität ist mein Innerstes. Das ist wohl mehr ich als alles andere. Aber ich kann ohne Raum und Zeit nicht kreativ sein. Ich brauche meinen aufgeräumten Platz, ich brauche den Raum, in den ich hinausgehen kann für die Eindrücke, ich brauche die Zeit, um die Eindrücke aus mir heraus zu Schöpfungen werden zu lassen. Ob in Worten oder Bildern ist gleich, das alles bin ich. Das ist mein Leben und vielleicht auch meine Form der Unsterblichkeit.
What I really want: less. Almost in all areas except from my big three field which turned out to be my most important ressources and also my inner self: time, space and creativity. Time as the foundation of everything else. If your time is occupied you can’t do, what you want, simple as that.
Space as the room I need around me, the structure. Like the blank space in design you need to make the things shine which are really important. But space is also the world outside, I want to push my limitations. I guess I feel this wanderlust (oh German word here also in English… I mean „Fernweh“, the whish to travel) because I was so limited in my twenties due to my supposedly incureable illnesses which I have overcome the last years. And now I am finally in the position to be able to wander, to travel, to explore. I want this freedom and I will take it.
Creativity is my innermost part. This is more me than anything else. But I can’t be creative without time and space. I need a structured surrounding to focus on my creations and I need to go outside and see the world to be inspired. No matter if we are talking about words or pictures or anything else. It always comes back to that. Creativity is my life. And maybe also somehow my immortality.

Meine Zeit bekomme ich nun bald zurück. Und den Raum werde ich mir nehmen.
Der Plan:  Der Keller ist voll, das wird großzügig entsorgt und dann wird alles aus der Wohnung, bei dem auch nur der Hauch eines Zweifels besteht, ob ich es wirklich behalten will, in den Keller verbannt. Ein Jahr darf es dann dort unten bleiben – oder wieder zurück geholt werden. Was nach einem Jahr immer noch dort unten ist, wird ebenfalls abgegeben.
So bekomme ich den Raum, den ich brauche. Radikal genug, um wirklich etwas zu spüren, mit doppeltem Boden für einen Minimalismusanfänger wie mich.
Aber freier Raum schafft auch freie Zeit, denn Dinge, die ich nicht beachten und pflegen muss, wollen nichts mehr von mir. Und so kann ich mehr (er)schaffen und sein wie ich will. Denn das ist mein Ziel. Nicht ein bestimmter cleaner Look meines Wohnzimmers, den man mit Minimalismus verbinden könnte, nicht die Reduktion auf nur noch eine Kleinstgarderobe, die in einen Koffer passt. Sondern ich will nur noch Dinge haben, die wirklich ich sind, die mich erfreuen, die mir nützen.
I am very close to getting my time back. And talking about the space, the room: I will take it! The plan: The cellar is crammed. We will toss, sell or donate all the crap generously and than go through our flat and pack everything which has just a hint of a doubt if we really want to have it around us and move it to the cellar. There it may stay for one year – or might get back upstairs. All things we did not bring back until next year will be tossed, sold or donated also. Like this I (we) get the space I need in a big visible change. But it is also a way of sorting which is not too hard for a beginner in minimalism who just loves certain things. Because they are beautiful for example. But I am not aiming for a basic wardrobe fitting in one trunk. I don’t want a certain clean look for my living room which might be associated with minimalism. I am aiming for a structured surrounding, filled with only things that please me and are really useful.

Keep on exploring – mehr Raum bitte!
Keep on exploring – I want to go further!

Wohin ich auch schaue, sehe ich Menschen, die vor diesen scheinbar unlösbaren Zeitproblem stehen. So viel zu tun, so wenig Zeit. Hamsterrad, Stress, mehr, mehr, mehr. Im Mit-Dingen-abfinden, war ich ja noch nie gut (zum Glück!) und deswegen muss auch hier eine Lösung her. Für mich und somit vielleicht auch für euch. Beginnen wir also – mal wieder – bei der Wohnung. Minimalismus fängt dort weder an, noch hört er dort auf, aber das Räumen ist für mich einfach der leichteste Hebel, deswegen ist er mein persönlicher Startpunkt, obwohl ich an sich auf Ordnung und Frieden im Geist abziele. Heike ruht in sich selbst oder so. 😉
Ich gebe mir Zeit bis Ende Oktober, dann melde ich mich zurück mit ersten Ergebnissen, wie auch immer die ausfallen mögen.
Wherever I look I see people struggling with this seemingly insoluble lacking of time. So much to do – but when?Luckily I have never been good at taking things just like they are (like others tell you they are) so I am looking for a solution here too. So for me and maybe also for you, I start with my home. Again. Minimalism does not start, neither does it end there but for me it is the easiest part with decluttering and so it is my personal start even though I am much more aiming for a structured, peaceful mind to be cretaive with than in fact for an all tidied up flat. 
I will give myself time till the end of October. Then I will come back here with first results.

Seid ihr mit mir dabei? Oder wartet ihr lieber ab, ob ich mich da nicht verspekuliere?
Are you with me? Or do you prefer to first watch next month how or even if I made it?

 

EDIT Juni 2017:
Gerade habe ich diesen Post verlinkt, in meinem Artikel zum Miracle Morning und habe hier meine 2 Jahre alten Wort gelesen. Und jetzt bin ich stolz auf mich. Manchmal liebe ich meinen Blog noch ein bisschen mehr als sonst. So wie jetzt.
Also: Ich habe mich nicht verspekuliert. Ganz im Gegenteil. Im Juni 2017 arbeite ich an meinem Buch, bin im dritten Trimester schwanger und ganz ehrlich: so aufgeräumt war meine Bude und mein Kopf noch nie. Selbst bei „Heike ruht in sich selbst“ bin ich beim Lesen eben nicht gestolpert, sondern habe nur einmal gegrinst, über mein jüngeres Ich, das das noch eher sarkastisch gemeint hat.

🙂

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6 Kommentare

  1. Volltreffer 😀 Wir arbeiten mal wieder zeitgleich und unabhängig voneinander an ähnlichen Themen innerlich und in unserem Zuhause. 🙂 Und ich stimme dir vollkommen zu: in einem geordnetem Raum kann man viel freier atmen, arbeiten, DENKEN und leben. Mich engt Chaos immer gedanklich ein. Es blockiert den Freigeist in mir (übrigens sind die Kibbe Typen SN und FN – du und ich – eben solche freiheitsliebende und kreative Menschen!).
    Ich war mal bei Bekannten zu Besuch, die auf sehr kleinem Raum wohnen mussten, aus finanziellen Gründen, und nicht die kleinen Räume erdrückten mich – sondern die tausend Kleinigkeiten, die beide Mieter angesammelt hatten und sich einfach nicht davon trennen konnten. Sie fanden es gemütlich und liebevoll, all die Dekosachen, kistenweise Erinnerungsstücke, Bilder usw – ich bekam innere Platzangst und geistige Atemnot.
    Natürlich soll jeder so leben wie er möchte, aber wir sind da auf einer Wellenlänge: weniger ist mehr – aber kein Kahlschlag bitte 😉
    Habe heute erst neue Ordnungsboxen bestellt, wo das offene Chaos in einem niedrigen Wohnregal verstaut werden kann (und in dem Zuge wird auch radikal ausgemistet). Offene Schränke sind für mich der Horror. Das sieht nur im Möbelkatalog toll aus 😉
    Weiter so Heike!

  2. Auch ich schlage mich im Moment mit den Themen Zeit, Freiraum und Fernweh herum,
    Jetzt wo ich an einer Stelle meinen inneren Schweinehund besiegen konnte, habe ich endlich die Gelegenheit vielmehr unterwegs zu sein, mich mit dem beschäftigen was mich glücklich macht.

  3. Toller Beitrag! Auch ich beschäftige mich immer mehr mit dem Thema Minimalismus…alles was nicht wirklich gebraucht wird, kommt weg. Ich liebe diesen cleanen, schlichten Freiraum. Die "Arbeitsflächen" werden größer und lassen mehr Platz für Kreativität 🙂

  4. Oh ja, die offenen Schränke! Unser Ziel ist es aktuell drei Regale rauszuwerfen. Also soviel Inhalt weg, dass wir sie nicht mehr brauchen und dann auch die Regale an sich weg. Geht dann zu ebay. oder Kleinanzeigen. Die Reagle sind uns mit Abstand der größte Dorn im Auge, weil man einfach alles sieht,w as wir da so reinstopfen. Wenn es mal nur Bücher wären. Aber da sind dann Unterlagen, Ordner, Schuber, Kisten voller Kabel, Druckpatronen und solche Hässlichkeiten. Das mag ich alles nicht mehr sehen. Was du da von deiner Bekannten beschreibst, kenne ich hier auch im Dunstkreis. Gerade zu erdrückend. Ich sitze dann da und komme nicht umhin zu denken, wie meine Mutter: wie lang soll da das Putzen dauern?! All das Staubwischen!

  5. Das ist ja oft so, dass wenn man einfach an einer Stelle anfängt und Energien freiseitzt es sich dann quasi als Selbstläufer auf andere Lebensbereiche ausweitet. Was ja super ist. 🙂 Viel Erfolg dir! 😀

  6. Ja, die Arbeitsflächen. Oberflächen, Freiflächen. Es ist geradezu erschreckend wie Dinge unter Betten unbd Sofas wandern, auf Regal, auf Schränke, auf Bücher oben drauf. Fläche macht wirklich so viel aus. Freiraum eben. 🙂

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