15. August 2014

Flechtwerk – Strukturveränderungen

some of my experiments with curls

Wenn es um die Haarstruktur geht, gilt oft noch mehr als bei den Farben:

 

Man will immer das, was man nicht hat!

Meistens.
Glatthaarige wünschen sich Wellen oder gar Locken, Wuschelköpfe (nicht unsere liebe Wuscheline, soweit ich weiß!), hätten gern glatteres Haar. Und damit sind wir also beim Augustthema von Flechtwerk: glätten, locken, wellen!
When it comes to hairstructure, most ladies simply want the opposite of what they already have: straight heads want curls and the other way round. And there we are with the Flechtwerk topic for August: change your hairstructure!

Wie kann man denn nun glätten, locken oder wellen?

Chemische Verändungen wie chemisches Glätten oder Locken (aka Dauerwelle oder Volumenwelle) sind so schädlich für die Haare (noch schlimmer als Blondierung), dass ich da gar nicht näher drauf eingehen muss. Bei einer Blondierung wird das Haar geöffnet, die Pigmente werden zerstört und danach wird die Schuppenschicht wieder angelegt. Bei einer chemischen Strukturveränderung wird das Haar so stark aufgeweicht und geradezu zersetzt, dass es danach (ähnlich wie ein Brei…) die gewünschte Form annimmt und darin wieder „aushärtet“ und zwar so, dass die Struktur auch Haarewaschen übersteht. Ihr könnt euch also vorstellen, dass das ein echter Haarkiller ist und für jeden, der sich sich lange Haare wünscht, heißt es da wirklich: Finger weg!
What to do, when you want another structure?
There are different possibilities. First: chemical change. I won’t talk about that long as this method is the most damaging one. Even worse than bleaching. For all of you who are striving for long hair: don’t even „try“ this! That’s not only surface damage, it is damage from the inside out.

Hitzestyling (Lockenstab, Glätteisen, Heißwickler) bringt recht schnell sehr vorzeigbare und auch haltbare Ergebnisse, ist aber ebenfalls sehr haarschädigend. Mit Hitzeschutz (Spray oder Leave-in) lässt sich das angeblich etwas abfangen und viele Geräte haben eine variable Temperatureinstellung. Trotzdem braucht man Temepraturen von 150 Grad und eher mehr, um ein haltbares Ergebnis zu erzielen. Das Ergebnis ist frisch frisiert oft sehr schön und glänzend, weil durch die Hitze auch die Haarschuppenschicht angedrückt und geschlossen wird (besonders beim Glätteisen merkt man das). An sich wird hier aber sehr sehr schnell viel Feuchtigkeit entzogen (es dampft!), das Haar härtet also auch wieder in einer anderen Form aus, dadurch bekommt man die Glätte bzw. die Locken. Wasser über 100 Grad kocht und verdampft aber, wie wir wissen. Und Wasserdampf dehnt sich im Vergleich zu flüssigem Wasser sehr stark aus. Das Haar kann dadurch regelrecht aufgesprengt werden und wird dadurch beschädigt.
Eine mildere Variante ist der Föhn. Es dauert länger, das Haar bekommt keinen direkten Hitzekontakt (wenn ihr Metallbürsten eindreht, dann natürlich schon!) und die Temperatur kann besser dosiert werden. Hier muss man dann das Haar in der gewünschten Form auskühlen lassen. Föhnen eignet sich besonder für volumige Wellen und um leicht bis mittelstark zu glätten. Wie immer: vorsichtig bitte, Föhn auf Abstand, nicht permanent auf eine Stelle halten und:  Geduld. Bei Frisören sieht man ja oft dieses hektische Rumgereiße mit einem Föhn auf höchster Stufe: so nicht. Das geht schneller, ja, macht aber auch mehr kaputt.
Than it comes to heatstyling, which means: curling iron, flat iron or blowdryer. Like this the nice styles are quick and easy to do at home and the results are easy to turn that way you want them. But also: that causes damage to your hair as it becomes dry and much more brittle, especially, if you do that more often. The moisture is fryed out of the hairstrands. When water is heated over 100 degrees it turns to steam, which needs much more space than water (remember physics at school…? 🙂 ). So it can happen, that the steam „explodes“ out of the hair, damaging through all layers, not only the surface. A blowdryer is somehow milder, as it has no direct hair contact, but still: better use heat protection leave in and don’t blow your hair on the highest temperature. Better take your time with less heat. Don’t do it like you see it at most hairdressers: this quick stormy action with rough brushing. Of course this is faster, but like this you will cause a lot more damage.

Haarschonende Alternativen abseits dieser nennen wir sie mal „konventionellen“ Methoden, haben alle eins gemeinsam: sie funktionieren mit normalem Lufttrocknen.
Die gängigste Strukturveränderungen sind Flechtwellen oder auch Dutttwellen. Nicht immer erwünscht, da es je nach Dutt auch eher ziemlich verknickt aussehen kann.
Davon abgesehen gibt es Papilottenlocken/-wellen, Küchenkreppwellen, Strohhalmlöckchen, Sockenduttwellen und diverse andere Flecht- und Aufwickeltechniken, um verschiedene Wellen im Haar zu erzeugen.
Idealerweise macht man diese Wellen, indem man die Haare am Vorabend wäscht und sie dann aufdreht, wenn sie nur noch klamm sind, nicht nass! Nasse Haare trockenen aufgewickelt/geflochten nicht bis zum nächsten Tag durch.
Hairfriendly alternatives: they all work with simply airdrying your hair (and yes, that need time). The most common changes in hairstructure are braidwaves or bunwaves. They are not always wanted, because especially out of a bun, hair sometimes looks rather folded and crimped. Ideally you create good looking neat waves by washing your hair in the evening, braiding it, when it is only still a bit damp and let it dry in the braid overnight. Don’t braid wet hair it won’t dry till the next morning!

You see? Regular and shining compared to crimped and dry.

Was mache ich am liebsten?
Ich persönlich mag gleichmäßgie Flechtwellen sehr gern. Bei dünnem Haar werden die aber vor allem im unteren Abschnitt nicht mehr hübsch wellig, sondern sehen durch den geringen Zopfumfang aus wie gekreppt. Außerdem hat man bei Flechtwellen das Problem mit der Zopfquaste, die nicht mitgewellt wird. Man kann sie extra auf eine Papillote drehen (oder ein Stück Küchenkrepp), oder, und das ist meine Methode der Wahl, man flechtet sich ein Parandi ein, am besten französisch oder holländisch, damit der Zopf schön oben am Kopf beginnt und man nicht erst Wellen von Schulterhöhe abwärts hat. Dadurch werden die Spitzen mit gewellt und man vermeidet durch das Extravolumen den Kreppeffekt.
What do I prefer? Well, I am a big fan of neat, big braidwaves. But with thin hair, you have to „cheat“ a bit, because the ends, which are the thinnest, won’t become wavy in big, shiny waves, but look really crimped and frizzy. And the tassle can’t be curled like the rest of the hair too. That is why I like to use a parandi to create those waves. The waves get bigger und more even right to the tips. 

pic is about one year old with much longer hair than now

Kringelige Locken gefallen mir auch sehr, fressen aber enorm an Länge! Mit Steißlänge hatte ich gelockt grad noch Taillenlänge, als ich Küchenkrepplocken gemacht habe. Ich mag die Methode nicht, weil sie selbst bei meinem dünnen Haar ewig braucht um durchzutrocknen, bei meiner jetzigen Länge schrumpft die optische Länge von Taille hoch auf nur noch knapp Schulter bis APL und die Methode ist sehr fehleranfällig, weil manche Strähnen vielleicht doch zu trocken waren und die Wellen nicht annehmen, andere sind beim Öffnen noch zu feucht und hängen sich aus. Das Ergebnis wird dadurch schnell ungleichmäßig.
I also like real curls, which I create every now and then using the papertowel method. Which is the same as using papillotes, but on my head paper towels feel much more comfortable. Nevertheless this method is nothing I really like doing, because it is very prone to turn out imperfect. Some strands were to dry while rolling them up and don’t take the curling form. Others were to wet or not completely dried, when putting out the paper towels, and the curls hang out quickly. That can look really uneven. I only do it, when I have a full day of speartime before the event I want to go at with these curls. 

Yes! We finally got our professional wedding shooting photos! There will be more soon. 🙂

Für meine Hochzeit hatte ich mich deshalb entschieden ausnahmsweise auf Hitzestyling zurückzugreifen. Die Trocknungszeiten waren einfach viel, viel zu lang und wie gesagt zu fehleranfällig für den großen Tag.
Dafür habe ich mir einen speziellen, hochwertigen Lockenstab gekauft, der für lange Haare geeignet ist.
For my wedding I therefore decided to use the „evil“ heating methods and bought a professional curling iron. I had not enough time on my big day for papertowels or alike and I wanted a style which definetly worked and not a style that only maybe worked…

Ein Lockenstab sollte folgende Kriterioen erfüllen:
1. Kein Clip! Dieser Klemmclip ist bei kürzeren Haaren ganz praktisch , bei langem und sehr langem Haar ist er hinderlich beim Aufwickeln der Strähnen. Haarstäbe ohne Clip kommen mit einem Thermohandschuh, damit man die Strähne dann festhalten kann.
2. Kein Metall! Metall verteilt die Hitze ungleichmäßig und kann Haare partiell regelrecht wegschmelzen. Keramikbeschichtung ist da besser.
3. Variable Temepratur! So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Ich habe mich von der neidrigsten Temepratur her rangetastet (130 Grad) und dann bei 180 Grad die für meine Haare plus Extensions richtige Hitze gefunden. Drunter hing es sich fast sofort wieder aus.
4. Variable Durchmesser! Damit könnt ihr verschiedene Stylings kreieren. Ich wollte vor allem die Möglichkeit von „Hollywoodwaves“ haben, also große, sanfte Wellen. Die habe ich für die Hochzeitsfrisur verwendet (verwenden lassen), den Stab mit mittlerem Umfang habe ich hier eingesetzt, der dünne ist bisher unbenutzt und Locken mit einem konischen Aufsatz sehen so aus.
A curling iron should have no clip (not useful for long hair), it should be made af ceramic and especially not out of metal, because metal heats unevenly and might burn some strands litterally away, it should allow you to choose your temperature (as low as possible, as high as neccessary) and I wanted a curler with different curling diameters for different curling styles.

My curler, bought via ebay. I was looking for a similar one like that Lilith Moon uses in her videos. This one was close and available in Germany. The heat protection spray was chosen after an afternoon of google research. I cannot tell you whether it is a good or not. It worked for me, that’s it.

Wie immer gilt: vorsichtig bitte! Wenn schon Hitzestyling, dann bitte mit Schutz, so geringer Temepratur wie möglich, sanftes Handling und am Folgetag freuen sich die Haare über eine Extrraportion Feuchtigkeit in der Pflege.
Ich habe zwar dünnes Haar, aber die einzelnen Haare an sich sind ziemlich gesund. Vor der Hochzeit (ich habe glaube ich viermal vorher Locken getestet, also fünfmal insgesamt ein Hitzestyling an meinen Schopf gelassen) hatte ich praktisch Null Haarbruch und Spliss musste ich sehr suchen.
Haarbruch habe ich nach wie vor nicht, aber es wäre gelogen zu sagen, man würde es den Haaren nicht anmerken. Es ist ein bisschen mehr Spliss geworden und mein „trockener Frizz“-Problem ist deutlicher geworden.
Man muss also sehen, wieviel Dauerschaden man bereit ist zu akzeptieren für einen Tag oder Abend mit perfekten Locken oder pefekter Glätte.
Der Schaden ist wie gesagt minimal, aber ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass ich auch sehr, sehr viel vorsichtiger mit meinen Haaren umgehe als der Durchschnittslockenstabbenutzer.
As always: be careful! If you use heat styling, use heat protection also. Handle your hair with love and care, don’t be rough.  And after such a style your strands will profit from a deep moisture treatment the next day.
My hair is still very healthy, after my wedding experiments with the curler, but I have to admit, that it was even healthier before. The damage is really  small, but take into consideration that I usually treat my hair, very, very careful, so that maybe this makes a lot of difference.

Wenn ich also Wellen haben will, dann gibt es aktuell einfach ein Parandi vorher. Oder ich flechte etwas mit meinen Tressen zusammen, dadurch wird der Zopf dicker und die Wellen geschmeidiger. Ein runder Vierer macht übrigens sehr schöne Wellen, die konntet ihr letztens erst auf den Fotos von Nessa und mir am Wasserfall betrachten.
Wenn ich mit Dutt unterwegs bin und weiß, die Haare sollen danach noch mal geöffnet werden, nehme ich immer den Pha-Bun oder den Wickeldutt (nicht LWB!), also einen Dut auf jeden Fall, bei dem die Restlängen dann einfach nur noch stur um die Zopfbasis gewickelt werden. Öffne ich diesen Dutt, habe ich Stand ab Nacken und Kringel in den Spitzen. Was übrigens nur bei dünnem Haar funktioniert. Bei mittlerem und dickem Haar sind die Windungen um die Duttbasis selbst zu dick, als dass sich da ein Kringel oder gar zwei bei bilden könnten. Das Ergebnis wird dann eher etwas windschief.
If I want cuwaves, I use my parandi. Or braid in my clip-ins to crete boigger waves. When I am outside with a bun but want to wear my hair down afterward, I always choose a pha-bun or a wrapped bun, which created nice curls in the end for me. That works best on thin hair, though. ;). WIth mdeium thick or thicker hair, you won’t get curls in the ends, but larger „folds“, as the diameter of the bun base is too thick for real curls.

Zum Schluss: Jede Haarstruktur hat ihre schönen Seiten. 
Besser mit Pflege optimieren als mit Styling frittieren!
Glaubt mir, da habt ihr dann länger was von. 🙂

So, ich war ja nun sehr ausführlich, habe aber letztlich doch nur die gängisten Strukturveränderungen gezeigt. Ich bin gespannt ob

eine etwas ausgefallenere Strukturveränderung versucht haben. Klick-klick! 😀

Im September erwartet Flechtwerk euch wieder mit Geflecht:
Es geht um runde Zöpfe

Da freue ich mich drauf, denn diese Zöpfe sehen oft sehr kompliziert aus, sind aber eigentlich ganz simpel.
At last: every hairstructre has its own beauty! You better optimize with hour caircare than manipulate with styling. Believe me, like this you will have more fun on the long run. 
Next month Flechtwerk will be back with round braids. SOmething really intricate but not as difficult as you might think. 🙂

6 Kommentare

  1. Sehr schöne Locken. Ich bin ja eher Fan von gekringelten Locken oder großen Wellen. Das gekreppte mag ich irgendwie nicht so (vllt Kindheitstrauma? Das war früher total modern, nur ICH hatte es nie 😀 ). Ich wusste nicht, dass ein LWB hässliche Wellen macht! Das ist interessant, wobei ich ihn kaum mache und ich kann sagen: ein Kelte macht auch ganz nette Wellen 😀
    Schlusswort: ein wunderschönes Hochzeitsbild!!

  2. Hübsch, hübsch!
    Warum machst du keinen Cinnamon? Ich trag jede Nacht einen Cinnamon und hab dadurch eigentlich immer weiche große Wellen. Meine Haare halten Duttwellen generell sehr gut (auch über die Haarwäsche hinweg), und seit ich fast nur nich mit Seife wasche, umso besser. Ich muss richtig aufpassen, dass meine Haare am abend dann ganz trocken sind, sonst schau ich aus wie ein Pudel 😀

  3. Ich finde Dutt-Wellen am schönsten! Ich stimme außerdem vollkommen zu: Man will immer das, was man nicht von Natur aus hat. Auch ein Grund weshalb ich mir meine schönen, naturblonden Haare fast gänzlich zerstört habe. Jetzt bin ich weg vom Hitzestyling und von den chemischen Colorationen und versuche die Farbe herauswachsen zu lassen. 🙂 Dein Blog ist ne super Motivation für mich meine Haare wieder auf Vordermann zu bringen!
    Elina | Miss Blue Eyes

  4. Das mit den Parandi find ich am schoensten. Du hast recht, dass ist eine super Idee, da mit die Zopfquaste noch welliger wird.

    Euer Hochzeitsfoto ist traumhaft 🙂 .

  5. Vielen Dank für den ausführlichen Post. Ich habe bei meinen Haaren den Versuch, die Struktur kurzfristig zu verändern, schon lange aufgegeben, sie sind einfach zu schwer und hängen sich sofort aus. Das ist der Nachteil vom "Pferdehaar"…

  6. Danke für den ausführlichen Post, fand ich sehr interessant!
    Die Parandi-Wellen find ich am schönsten an dir.
    Und das Hochzeitsbild sieht so wunderschön aus, ich freu mich auf mehr Fotos!

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