28. März 2014

Rezension: Darm mit Charme

Gerade erst erschienen, und schon verschlungen!
Der Darm mit Charme kam mir wirklich gerade recht. Scheint aber sowieso im Moment ein Trendthema zu sein…
*please scroll down for translation*

Gerade erst erschienen, und schon verschlungen!
Der Darm mit Charme kam mir wirklich gerade recht. Scheint aber sowieso im Moment ein Trendthema zu sein…
Die Autorin Giulia Enders hat auf jeden Fall direkt einen Platz-1-Bestseller gelandet. Sie selbst ist Jahrgang 1990, Medizinstudentin und bekannt geworden durch diesen Science Slam.

Um mich endgültig zu ködern, hat das Fräulein das Buch zusammen mit ihrer Schwester mit Inhalten gefüllt: Giulia mit Text, Jill als Grafikdesignerin mit wunderbar niedlichen und dabei sehr anschaulichen Illustrationen – genau das, was man braucht, bei einem ansonsten zu oft mit Ekel und Scham behafteten Thema.
Bei so einem jungen Mädel wie Giulia bin ich geneigt sie zu dutzen, auch ohne sie zu kennen. Ich glaube, sie verzeiht es mir.

Giulia nimmt ihre Leser mit auf eine Reise durch das „dritte Rohr“ (die anderen beiden wären Kreislauf- und Nervensystem), durch den Darm mit all seinen vorgelagerten Ausstülpungen wie Mund, Magen und, hört, hört! auch die Lunge. Sie macht nebenbei verständlich, weshalb gesunde Haut an einem gesunden Darm hängt und zwar wörtlich zu nehmend! Es ist ein System, alles ist Oberfläche für Stoffaustausch.
Und wer hätte gedacht, dass wir auf der Reise durch den Darm auf Ballerinas mit Schläppchen, einen Hausmeister und Bakterien mit Hut stoßen werden?
Unmöglich euch alles wiederzugeben, auch wenn es wirklich leicht fällt sich die neuen Informationen dank solch bunter Bilder zu merken.
Thematisch passend zum Blog hier wäre die Exkursion hin zu den drei Enterotypen mit ihren unterschiedlichen Bakterienbesiedelungen, die es für Person A unabhängig von Alter, Geschlecht oder Ethnie deutlich leichter machen kann eine optimale Vitamin H (Biotin) Versorgung zu haben, als für Person B. Biotin kennen wir als eines der beliebtesten Nahrungsergänzungsmittel für Haut und Haar. Man muss aber gar nicht so kleinteilig werden: auch was die Makronährstoffe angeht, sagt der Darm und seine Flora einiges aus. Zum Beispiel könnte (die Forschung auf diesem Gebiet ist noch sehr jung) unser Bakterienmilieu Grund dafür sein, weshalb manche Menschen so einfach Vegetarier oder Veganer werden und bleiben können (und teilweise ja wirklich unter dieser Diät unglaublich aufblühen!) und andere nicht. Ihr ahnt es schon, ich hab mich (leider) sehr bei den Fleischverwertern wiedergefunden. Auch liefert Giulia ganz nebenbei ein weiteres Argument bezüglich der Nahrungsauswahl für die ewige Diskussion, ob der Mensch nun ein Pflanzenverwerter ist oder doch besser mir Fleisch fährt. Die Darmlänge spricht ja mehr für Pflanzenkost, die Besiedelung allerdings deutlich für Fleisch. Die großen, massigen Pflanzenfresser sind a) entweder fast den ganzen Tag nur mit Fressen beschäftigt, weil ihre Nahurng eine so geringe Energiedichte hat oder b) haben als Wiederkäuer ein gigantisches Heer an Mikrosymbionten, die in mehr als einem Magen Vorarbeit leisten. Das schließt die Pflanzen besser auf und macht sie verwertbarer für sagen wir mal die Kuh, aber, und das finde ich wirklich interessant, die Pflanzen werden quasi auch zu „Ersatzfleisch“ umgewandelt. Beim Wiederkäuen und letztlichem Abschlucken gehen viele der pflanzenverarbeitenden Bakterien mit in der Kuhverdauung weiter hinunter und werden im Darm nun selber verdaut. Die Mikroben liefern der Kuh hochwertiges Bakterienprotein, das sie selbst vorher aus dem Kuhfutter gebildet haben. Nun, ihr Leben war dann nur kurz, aber so ist das eben, wenn man in Kuhmägen wohnt.
Es geht aber noch weiter, denn hier liegt auch ein Grund, weshalb Nager ihren eigenen Kot fressen. Bei ihnen ist es ähnlich wie bei Menschen: Die dichtestes Baketerienbesiedlung ist nahe des Ausgangs, wir und auch die Nager verdauen unsere Kot-Bakterien nicht selbst, sondern scheiden sie aus. Ein Nager frisst deshalb gern den Kot, um sich zum Einen sein eigenes Probiotika-Amuse-Gueule zu gönnen, zum Anderen aber auch, weil das, was da ausgeköttelt wurde, einfach noch viel zu energie- und nährstoffreich ist, um es einfach so als Luxusdünger liegen zu lassen. Hunde essen auch ganz gern Kaninchenköttel, wenn man sie lässt.
Wie wir wissen, essen Menschen nicht ihren Kot – und das ist evolutionär und physiologisch wohl auch nicht so vorgesehen, tolerieren wir unsere Darmkulturen doch zwar wunderbar am Ausgang, in Eingangsnähe machen sie aber ordentlich Rabazz. Menschen essen für schnell verfügbares, hochwertiges Protein, na was? Fleisch. Genau.
Wieviel man davon braucht, hängt von enorm vielen Faktoren ab: der Ernährung drum herum, der Fitness und der eben erwähnten eigenen Darmbesiedelung.

Das wären wie gesagt nur die vielleicht für euch und mich hier spannendsten Aspekte, aber allein der ich nenne ihn jetzt mal „Kleine Kot-Führer“ im ersten Drittel des Buches ist Gold wert! Absolut sinnvoll, sehr witzig und ich vermute, für einige Leser auch erschreckend aufschlussreich, dass das, was man da so macht, nicht unbedingt immer gut ist, nur weil es „schon immer so aussah“.

Liebe Gulia, liebe Jill, ich bin ein bisschen neidisch! So jung und so ein tolles Buch! Meine Glückwünsche! Da ihr so schön gezeigt habt, dass der Mensch aus drei Rohren besteht, beackert die anderen beiden doch auch noch! Ich wünsche mir das Neuralrohr in Band 2, sollte es mal einen geben.
Oder, „das Außenrohr“, die Haut. Wäre ja vielleicht gar nicht so abwegig. 🙂

Mehr zum Thema Darm:
Neues aus dem Reich der Mitte, Doku in der 3sat-Mediathek
Stern spezial Gesundes Leben zum Thema Bauch und Darm. Hier könnt ihr online die Artikel lesen. Bleibt aber alles eher oberflächlich.

Wenn euch das Buch interessiert, habe ich hier den Amazon-Link für euch:
Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ

Hello my dearest readers!
Do you know what is the latest trend on the book market? Books about the colon. No joke. And I am happy about that as you could tell. This one here is my favourite at the moment (Sorry, again only in German).  With this book the freaky, ugly colon, the shameful, disgusting colon, becomes interesting, funny, friendly and absolutely extraordinary and stunning. The book is more about how this underestimated organ works  than about the best healthcare and diet for it – but when you understand the How you can easily make better dicisions to take care of your belly. That’s nice for everybody as we all like to be healthier, fitter or at least have better skin and be slimmer (or less skinny, if you are a person like me). 
Well again I am Sorry, that I have no English version for you . But if you want to learn more, inform yourself about „enterotypes“ (there are three) and the correltaion between your colon and your mood and intuition.
Understanding the colon helps to understand why we are neither the perfect carnivore, nor the perfect vegan – but something in between. And it depends on your inner friends (and enymies) what is better for you on a microscale for mutrients as well as on the larger scale, when you decide to eliminate a certain group of foods like grains or legumes or animal protein. As you might have guessed: I am one oy the more carnivorous guys. Unfortunately but undeniably.

At last: taking care of your colon is one of the best ways to maintain or improve a healthy skin (and therfore healthy hair). If that is no motivation for you as you are here for the hair, well, than… just wait for the next hairstyle update. 🙂
Best whishes, Mai

Edit 2017: The book has been translated in many languages by now and of course English is among them. „Gut, the insidestory our body’s most underrated organ.“

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7 Kommentare

  1. Hallo Heike,

    wie lustig ich kenne die Giulia auch durch den Science Slam und bin am Freitag bei Stöbern in der Buchhandlung am Bahnhof zufällig über das Buch getolpert. Musste natürlich sofort mit 🙂 Bin leider erstt bis zum 3. Kapitel gekommen abder das was ich bisher gelesen hab finde ich schon mal sehr interessant. Werd wenn ich es durch habe nochmal einen endgültigen Kommentar verfassen.
    Liebe Grüße,

    Vera aka Hypatia

  2. Huhu,

    witzig, dass du da auch gerade drauf gestoßen bist!
    Irgendwer hat neulich im Fernsehen drüber berichtet, und prompt musste ich das haben!
    Gestern hatte ich nun Zeit – viereinhalb Stunden Autofahrt, ich habs fast komplett verschlungen und mich streckenweise scheckig gelacht! SEHR aufschlussreich und super erklärt!

    Gruß
    Leia

  3. Ganz vielen Dank für diese großartige Empfehlung – habe mir das Buch nach deiner Rezension direkt bestellt und an zwei Abenden weggelesen. Mein Gatte zeigte sich etwas irritiert ob des Titels gepaart mit meiner Begeisterung über den Inhalt. Beim Großteil dachte ich mir zwar "Wusste ich schon, obwohl ich nur Bio-Grundkurs gemacht habe", aber Giulia schafft es durch ihre Art, dass man tatsächlich eine Beziehung zu seinen Organen aufbaut. Bisher habe ich mich viel für Ernährung interessiert unter der Prämisse "Was kann ich gutes oben reinschütten, damit ich möglichst fit bin", mich aber nicht wirklich damit befasst, was meinem Innenleben gut tut. Und das hat tatsächlich zur Auswirkung, dass ich über diese Sensiblisierung noch bewusster esse und lieb zu mir bin. Ich hab schon eine innere Liste, wem ich das Buch demnächst dann alles schenken werde. Also nochmal, danke!

    Doro

  4. Sehr interessant, denn auf das Thema Darm kam ich selbst auch vor rund 20 Jahren und beschäftige mich auch gerne mit ihm, denn er ist eines unserer wichtigsten Organe.

    Menschen, die mir wichtig sind, frage ich nicht, wie geht es dir, sondern: »Was macht die Liebe und wie geht es deinem Stuhlgang?«

    Das sind doch die zwei wichtigsten Dinge im Leben – oder?

    Jan Otto

  5. Danke liebe Heike für diese Rezension,

    ich habe das Buch mit Freuden gelesen, Spaß dabei gehabt und viel gelernt. Man "kann die Schokolade- und Gummibärchenmafia aushungern lassen". Großartig. Endlich versteht man auch mal mehr. Dazu habe ich noch gestern nebenbei etwas bei Detuschlandradio Kultur gehört: http://www.deutschlandradiokultur.de/sachbuch-oekosystem-mensch.950.de.html?dram:article_id=283294
    Warum Bakterien unsere Freunde sind. Das was dort berichtet wurde, klingt dem, was Gulia erzählt sehr ähnlich. Wenn du Zeit hast, kannst du da ja mal reinhören.

    Liebe Grüße,
    Thari

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