18. September 2013

Rezension – Gesund in sieben Tagen / Vitamin D

Nicht nur eine Renzension, sondern auch ein paar weitere Worte zum Thema Vitamin D. Dieses Vitamin wurde ja in den letzten Jahren ziemlich gehypt. Zu Recht? Ich bin da skeptisch, auch wenn einige Argumente für mich schlüssig sind.
Also:

Gesund in sieben Tagen von Dr. med. Raimund von Helden 

Bei dem Titel möchte ich ja wieder weglaufen…Wie ihr merkt, sind solche Titel aber wohl eher die Regel als die Ausnahme, wenn es um populär aufbereitete Gesundheitsratgeber geht. Aber bei diesem Buch hätte mich außerdem das Cover schon stutzig machen sollen: eine Wunderpille…

Warum habe ich das Buch dann doch gekauft und gelesen?
Nun, ich kam irgendwie nicht drum herum. Was immer wieder während meiner Recherchen aufkam, war das Thema Vitamin D. Und dass man doch bitte substituieren sollte, wenn man in unseren Breitengraden lebt und nicht gerade sexy Landschaftsgärtner von Beruf ist (sexy ist wichtig, denn man sollte viel Haut sehen). Als Hauptquelle wurde immer wieder besagtes Buch genannt und somit habe ich es mir auch gekauft. Da musste doch was dran sein, dachte ich. Auch wenn ich vielem, was ich mir über Vitamin D angelesen habe zustimme, so bin ich doch nicht der Meinung, dass man damit eine dieser so sehr geliebten Pauschallösungen gefunden hat. Kurz: Das Buch kann ich nicht empfehlen und wenn dann nur sehr eingeschränkt. Zwar arbeitet von Helden medizinisch ab, was Vitamin D im Körper tut und er zeigt sogar, wie man berechnet, wieviel man benötigt, aber er führt so viele Geschichten aus der Praxis an, die einfach so schlimm nach Wunderheilung klingen und die immer wieder nur einen Tenor haben: Geheilt durch Vitamin D!, dass ich das nicht ernst nehmen kann. Was ist mit anderen Faktoren? Was haben die Patienten gegessen? Haben sie Sport getrieben, war es ein Placebo? Die Herangehensweise empfinde ich als passend zum Titel: reißerisch.
Was nehme ich daraus mit?
Man sollte tatsächlich ein Auge auf eine gute Vitamin-D-Versorgung haben, da besonders in unseren Breitengraden und nördlicher in den Wintermonaten durch Sonneneinstrahlung auf natürlichem Wege meist nicht genügend Vitamin D gebildet werden kann. Bevor ich meine Recherchen anfing, war ich noch auf dem Stand von vor über 10 Jahren: täglich 10 Minuten Tageslicht auf Gesicht und Hände reichen aus, auch bei bedecktem Himmel und auch im Winter. Das ist mittlerweile überholt. Grob zwischen November und März ist es hier überhaupt nicht möglich selbst Vitamin D zu bilden, da dafür UVB-Strahlung nötig ist. In den Wintermonaten ist der Einstrahlwinkel der Sonne so flach, dass die Atmosphäre die UVB-Strahlung ausfiltert. Das ist übrigens auch der Grund, weswegen ein Solarium nichts für Vitamin D nützt: dort gibt es ebenfalls keine UVB-Strahlung. Dass man sich im Winter nach einen Sonnenbad gut fühlt, hat dann mit anderen lichtabhängigen Prozessen zu tun, aber nicht mit Vitamin D. Vitamin D wird in internationalen Einheiten IE bzw. international units IU angegeben. Bei einem ausgiebigen Sonnenbad (Sommersonne, möglichst nackig, siehe der sexy Landschaftsgärtner, und auch ohne Sonnenschutzcreme, von daher im Zweifel dann lieber kürzer) bildet der Körper etwa 20.000IU an Vitamin D. Mehr nicht. Ich habe nicht verstanden wieso, aber bei grob 20.000 Einheiten ist wohl Feierabend für den Tag. Mit den üblichen Apothekentabletten bekommt man i.d.R. etwa 1000IU an Cholecalciferol (Vitamin D, so wie es als Wirkstoffname auf der Packunbg steht). Ob man nun von Helden glaubt oder nicht, 1000IU sind relativ arm. Von Helden bietet Pläne zu Aufsättigen, die in den sechsstelligen Bereich gehen, was Anfangsdosierungen angehen. Ich halte da ja nicht viel von, den Körper so plötzlich mit so viel künstlichem Substrat zu fluten, aber wer bin ich, dass ich mehr wüsste als er…?
Was also tun, um einem Mangel vorzubeugen oder entgegen zu wirken?
Winterurlaub in südlichen Gefilden wäre ideal, für alle, die es sich leisten können. Ansonsten: im Sommer viel sonnenbaden (nicht verbrennen!) und somit den Speicher gut füllen. Wer auch das wegen Berufstätigkeit oder, oder, oder nicht schafft, kann substituieren. Ich halte mich da aber an die Empfehlungen von Agus, der sagt: künstliche Vitamine haben den Nachteil, dass der Körper dann die natürlichen evtl. nicht mehr so gut aufnimmt. Denn er ist ja gewohnt, dass so viel Substrat anflutet und bildet die Rezeptoren zurück. Natürliche Vitamine kommen nie allein (auch Vitamin D nicht, es gibt noch mehr photoaktive Substanzen, die die Haut bildet – da bin ich aber mehr Laie als alles andere) und sind deshalb immer zu bevorzugen.
Mittlerweile recht verbreitet, ist die Erkenntnis, dass mit zu wenig Vitamin D das beste Calcium wenig nützt. Schlecht für alle möglichen körperlichen Abläufe, auch für die Knochen. Ebenfalls bekannt ist, dass wir Mitteleuropäer nach einem mehr oder weniger langen Winter zu 60-90% von einem Mangel betroffen sind (schwankt je nach Quelle und nein, leider habe ich die nicht mehr zum Verlinken). Jetzt leben hier schon länger Menschen (Jahrtausende), wäre also die Frage, ob das denn SO schlimm ist. Wäre es vielleicht nicht, wenn wir eben im Sommer mehr nackt draußen rumlaufen würden… Wie bei allen Nährstofffragen sollte bedacht werden: „ausreichend“ ist nicht zu verwechseln mit „optimal“. Möchte ich eine  Schulnoten-4-Versorgung meines Körpers oder doch lieber eine, die mit 1 bis 2 bewertet werden würde? Nur zu sagen: ja, wir haben hier doch so viele Menschen mit Vitamin D Mangel, die leben doch auch alle noch, ist ein bisschen kurzsichtig. Es gibt auch ewig viele Menschen mit Eisenmangel. So, so viele mit zu wenig Bewegung und zu viel Stress. Klar fallen die nicht alle morgen tot um. Wie bei allen Zivilisationsnebenwirkungen schleicht sich das Übel hier langsam an.
Sei mal konkret, was machst du jetzt?
Zum Einen: ich habe diesen Sommer so oft ich konnte sonnengebadet. „So oft ich konnte“ ist nicht all zu oft. Erstens war der Sommer arg spät dran, zweitens war das mein erster berufstätige Sommer und eine meiner Urlaubswochen fiel komplett ins Wasser. Ich fange bereits jetzt an wieder ab und zu Vitamin D zu schlucken und werde es im Winter dann täglich nehmen. Morgens im übrigens. Ein Sonnenvitamin vor dem Schlafengehen zu nehmen erscheint mir nicht sonderlich clever. Warum jetzt im Frühherbstschon? Na, wann habt ihr euch zuletzt gesonnt? Bei mir ist das schon etliche Tage, wenn nicht zwei Wochen her. Und hier ist es mittlerweile wieder kalt genug für Winterjacken und morgens dunkel genug für elektrisches Licht. Ich für mich habe beschlossen: dann lieber künstliches Vitamin D als gar keins. Bitte beantwortet diese Frage für euch selbst, ob ihr das auch so seht oder gerade andersrumn: wenn nichts natürlich verfügbar ist, dann eben nicht, bloß keine künstlichen Stoffe. Das ist eure Entscheidung und ich finde beide Ansätze logisch, das macht es etwas schwierig. Ich versuche das Level dabei möglichst konstant zu halten, um die besagte Veränderung der Rezeptoren zu vermeiden. Ich habe Kapseln mit 4000IU. Bekommt man nach nur wenig Suche leicht online – nur komischerweise nicht in der Apotheke, die haben fast nur Vigantoletten. Mein Präparat ist von Swanson via ebay.
An sich widerstrebt es mir zu sagen: man muss im Winter Tabletten nehmen. Das Thema ist noch nicht durchrecherchiert und somit: bitte, das ist mein Halbwissen. Über Nahrungsmittel lässt sich Vitamin D aber auch nicht ausreichend aufnehmen und wenn, dann sind wir bei tierischen Produkten, die ich aus anderen Gründen gerade reduziere.
Da ich versuche so natürlich wie möglich meinen gesunden Weg zu gehen, werde ich sehen, was ich vielleicht noch machen kann, um keine Tabletten zu „brauchen“. Ein Winterurlaub in der Sonne wäre also schon mal nicht schlecht. Dieses Jahr wird das vermutlich aber eher nichts.

Links für euch zur Eigeninformation:
Vitamin-D-Thread bei den Beautyjunkies (in diesem Thread sind wieerum enorm viele Links. Der Hype ist dort aber wohl eingeschlafen. Letztes Update im Juli.
Vitamin D  Reportage Servicezeit WDR vom 17. April 2013 – Video lädt bei mir nicht mehr, aber unter dem Videokasten gibt es eine Textzusammenfassung.
 Interview auf SPIEGEL Online zum Thema. Danke für den Link, liebe Ayula.

Today I talk about Vitamin D.  In the German forums I found the book above often mentioned as a good source. The author describes how this vitamin works, how much you need of it and even how you can calculate your dose for substitutes. I am not very happy with the book as it sounds too often like „Wow, magic! Vitamin D has cured all illnesses!“ Hm. I don’t believe in magic pills. So as always: stay critical.
In my case I take vitamin D supplement through winter to keep the level on a constant level. In summer I do my best to get es much vitamin D as possible on the natural way: sunbathing. But you have to be in the sun a lot with most parts of your skin unclothed. And be shure not to sunburn. If you are a person with a normal job, sunbathing in the summer to fill your vitamin D levels is quite difficult. Most of us work inside offices and we go there before the sun is high and we leave when it already sets. That is why I decided to take my pills.
I know that is not the golden way, but I still do my research. If you can afford it (and like it) a winterholiday somewhere south in the sun can help you maintain a good level without pills.
Sadly you cannot eat your vitamin D. Not enough at least. It’s a „sunvitamin“ and you need UVB rays for it. In winter sunlight comes in such a low angle, that our atmosphere filters UVB rays. And going to the sunstudio to tan does not work also. Because there too are no UVB rays.
If you want to have enough vitamin D and stay living in middle Europe you should have a job as a lifeguard at the beach or so: somewhere outside with few clothes on. For the rest of us vitamin D can easily become a problem. With low vitamin D levels you are more likely to infections and, the most popular argument: all the wonderful calcium does not work for your bones as it is vitamin D which you need to use calcium. 
For your hair: everything that weakens you makes your hair weaker too and the other way round. But I guess it can be motivating enough to have a better protection against those nasty colds you easily get in winter. Maybe. If not: think of your hair and have your lunchbreak in the sun.

Best whishes and hopefully some more sunny days in autumn,
Mai

12 Kommentare

  1. Puh, schwierig, das ganze Thema.
    Letztes Jahr hab ich es im Winter mal eingenommen, 5000er, zweimal pro Woche (online bestellt), weil es hieß, die freiverkäuflichen bringen eh nicht viel.
    Ich hab gelesen, man soll dazu Magnesium und Calcium nehmen, aber nicht alles gleichzeitig. Also brav gemacht.
    Was es gebracht hat?
    Nicht viel, mag ich mal behaupten – aber wer weiß?
    Ob ich wieder damit anfange, habe ich noch nicht entschieden, aber wie aufs Stichwort hab ich die Packung neulich im Schrank gefunden.
    Vermutlich werde ich mal zusehen, dass ich im tiefsten Winter nen ordentlichen Test kriege und werde den Kram nicht wieder auf Verdacht nehmen…

    Gruß
    Leia

  2. Liebe Heike,

    das Vitamin D Thema ist äußerst zwiespältig zu sehen. Für mich scheint das ein natürlicher Prozess zu sein, angefangen beim Ausfiltern der UVB-Strahlung im Winter und endend beim Vitamin D-Mangel Anfang Frühling. Viele Pflanzen und Tiere brauchen die Winterruhe und fahren den Stoffwechsel herunter. Warum nicht auch beim Menschen in Maßen? Warum sollte ich meinem Körper einen künstlichen Sommer mit Vitamin D vorgaukeln?
    Manche Dinge sollten genau so sein wie es die Natur nunmal einrichtet.

    Liebe Grüße

    Leila

  3. "Warum nicht auch beim Menschen in Maßen?"
    Aber genau da liegt ja der Hase im Pfeffer: wir sind ja selbst im Sommer nicht lange genug draußen, um die Speicher aufzufüllen. 8 Stunden im Büro und draußen nur mit "viel" Kleidung ist auch nicht natürlich. Die "Wiege der Menscheit" liegt weitau südlicher als wir wohnen. Unsere Haut ist schon angepasst, weswegen kaukasische Ethnien eine weiße Haut haben, für Farbige ist es hier bei uns noch schwerer auf ein gutes Level zu kommen. Wenn ich im Sommer pro Tag an die 20.000IU selbst bilden kann, im Winter mit 2.000-5.000 pro Tag substituiere, bin ich immer noch weit unter Sommerniveau – aber insgesamt sacken die Wert nicht so ab.
    Dennoch gebe ich dir vollkommen recht, dass der Jahreszeitenrhythmus natürliche Schwankungen bedingt, die man vielleicht nicht ignorieren sollte.

    LG

  4. Hallo Ayula,
    ich habe deinen Link mal eingefügt. Gutes Interview. Grundtenor des Interviews ist ja auch genau meiner: Vitamin D ist wichtig und bei uns oft (zu?) schwer auf natürlichem Wege zu bekommen. Substitution ist angebracht, die Dosisempfehlugnen schwanken und sind mit Vorsicht zu genießen.

    LG

  5. "Sonnenbaden" zur Bildung von Vitamin D nur dann zielführend, wenn man dabei auf Sonnenschutzcreme verzichtet, ansonsten gelang die UV-B-Strahlung gar nicht in die Haut — was nicht empfehlenswert ist.

  6. Tiere gönnen sich aber auch einen Winterschlaf oder doch viel Ruhe. Wir Menschen können das leider nicht. Deshalb sind auch unsere Bedürfnisse anders.
    Vitamin D wird in erster Linie natürlich durch UV-B-Strahlen von der Haut gebildet. Es ist sicher besser die natürliche Vitamin D-Bildung durch UV-B-Bestrahlung über ein Solarium anzuregen, als dies mit Tabletten zu tun, bei denen auch noch die Gefahr der Überdosierung droht.
    Alle Solarien, die der neuen UV-Schutzverordnung entsprechen, bieten diese Möglichkeit. Verbunden mit der vorgeschriebenen Fachberatung wird Sonnenbrand -und damit die Hautschädigung- verhindert. Es ist unverständlich, weshalb diese Methode so sehr verteufelt wird!!!

  7. Das ist -vermutlich von Interessenten gewisser Kreise- eine bewusst in die Welt gesetzte Fehlinformation. Alle modernen Solarien sind mit Röhren ausgestattet, die eine der Sonne nachempfundene Mischung aus UV-A und UV-B-Strahlen enthalten. Die Vitamin D-Synthese ist damit gewährleistet.

  8. Hab grad nal kurz gegooglet: du scheinst Recht zu haben. 🙂 Gute Sonnenstudios bieten wohl Sonnenbänke mit unterschiedlichem Anteil an UV-A- und U-VB-Strahlen. Wäre mal einen Versuch wert (hingehen und nachfragen meine ich jetzt in meinem Fall).

  9. Interessant dass Du darüber schreibst. Hab am Montag einen ordentlichen Mangel attestiert bekommen und bin dann direkt auf das Buch gestossen. Ich war diesen Sommer extrem viel draussen, habe allerdings immer recht hohen Lichtschutzfaktor benutzt. Ich bin gespannt ob ich eine Verbesserung bemerke, hab direkt angefangen zu substituieren.

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