29. April 2013

Haarausfall – Trichogramm

So schön das Wochenende war, so schrecklich war die Woche.
Ich dachte meine HA-Quote würde langsam absinken – aber sie steigt weiter. Es sieht nur weniger in der Bürste aus, weil ich mittlerweile auch wieder den Neuwuchs verliere. Ewig viele Haare von 2-3cm Länge, die noch dazu irgendwie kränklich verkrüppelt aussehen. Teilweise ganz verknickt, krumm als hätte man sie wie Kräuselband behandelt, durchsichtig und irgendwie mehr wie dünne Kunstfasern als wie Haar. Aber eben mit kleiner Wurzel dran, Irrtum ausgeschlossen.
Beim Haartreffen wurde mir auch bestätigt, dass man es nun sieht. Etwa 1/3 des Volumens ist bereits weg.
Ich bin nun also bei 180 Haaren am Tag im Schnitt, den schlimmen Dienstag mit über 1000 hab ich rausgerechnet, da kamen die Haare von der Rasur dazu.

Zum Trichogramm, auch Haarwurzelanalyse genannt.
Mittwoch war ich beim Hautarzt. Man bot mir ein Trichogramm an. „Die schonende Variante“, mit Rasur statt Haare ausreißen. Nun, ich weiß jetzt, dass das auch ohne Haarverlust mittlerweile geht. Mittwoch war ich aber so verzweifelt, dass ich zugestimmt habe, ich wollte einfach, dass man irgendetwas tut.
Es wurden zwei Stellen rasiert von der Größe von angeblich einem Quadratzentimeter. Es wurde deutlich mehr. Ich war entsetzt und vollkommen durch den Wind danach.

Freitag dann zur Auswertung.
Dafür wird eine Spezialkamera auf die rasierten Stellen gehalten, es wird fotografiert und ein Computerprogramm wertet aus, wie viele Haare in der Anagenphase sind, also wachsen, und wie viele in der Telogenphase sind, also bald ausfallen werden.

Vorne wurde folgendes Verhältnis gemessen:
anagen: 13%
telogen 87%
Ich war vollkommen vor den Kopf geschlagen. So ein schlimmes Ergebnis hatte ich selbst pessimistisch nicht erwartet.
„Sind Sie sicher? Ich weiß, was anagen und was telogen ist, das kann so nicht stimmen.- Dann wäre ich in zwei Monaten… kahl.“
„Wenn das Gerät das sagt, dann stimmt das. Herr Doktor kommt gleich, der bespricht die Analyse mit Ihnen. Ich weiß, für uns Frauen ist das immer besonders schlimm.“ Blabla, die wachsen doch wieder, bla. Ja! Vielleicht! Aber es wird 7 Jahre dauern, bis sie wieder so lang sind!
Dann wurde noch am Hinterkopf gemessen, dabei kam das hier heraus:

Hilfe, das sieht so schlimm kahl aus…
43% anagen und 57% telogen.
Immer noch katastrophal.

Dann ging die Sprechstundenhilfe und ich durfte zumindest im Behandlungszimmer warten und musste nicht zurück ins Wartezimmer, denn mittlerweile hatte ich angefangen Rotz und Wasser zu heulen.Wer könnte es mir verdenken?
45 Minuten etwa später kam der Arzt (meine eigentliche Ärztin war zu der Zeit noch nicht im Dienst).
Warum ich denn so heulen würde. Ich erklärte ihm, dass ich eben wisse, was telogen und anagen sei und dass ich jetzt einfach schlicht verzweifeln würde. Weil… naja, Glatze eben.
„Sie haben auf den Bildschirm geschaut?“
„Ja natürlich?!“
„Der Computer stellt die Werte immer genau andersrum dar. Das ist ein Programmierfehler.“
„WAS????“
Ich war völlig fertig.
Okay. Fast eine Stunde lang hatte ich mich damit auseinander gesetzt, dass ich eine Glatze bekommen würde. Hatte überlegt, dass man bestimmt in Krebsforen gute Perückenempfehlungen würde abgreifen können und hatte mich gefragt, was das dann wohl kosten würde.
Und nun das? Okay. Gut. Nein, gar nicht.
„Und was ist dann mit dem Hinterkopf?“
Der Wert kam dann auch dem Arzt komisch vor und ich musste wieder 30min warten und dann wurde ein neues Bild gemacht. Nach 5 Fehlversuchen, weil das Gerät gar kein Bild machen wollte. Was mein Vertrauen in diese Technik natürlich enorm gesteiget hat…
Neues Ergebnis für den Hinterkopf:
anagen 91%
telogen 9%
Optimal also.
Dumm nur, dass das nun zu optimal ist. Mit den Werten dürfte ich eigentlich gar keinen Haarausfall mehr haben. Das heißt: entweder ist die Messung falsch, oder es müsste jetzt praktisch jeden Moment aufhören (was es in den letzten drei Tagen nicht gemacht hat, eher im Gegenteil) oder da ist etwas, was meinen Kopf dazu bringt nicht nur telogene Haare abzuwerfen, sondern auch anagene, was der worst case wäre. Dann habe ich den Hautarzt noch angeschnauzt, weil er meinte, das würde er nicht verstehen: einerseits ich hier, das Häufchen Elend, das nur noch flennt und andererseits mein Kopf, auf dem doch alles blickdicht ist.
Ich hab ihn angeranzt, ob man denn erst eine Halbglatze bräuchte, um ernst genommen zu werden. Nur weil es jetzt „noch nicht schlimm“ aussieht, heißt das ja nicht, dass man nicht vorher schon ewig viele Haare verloren hat. Ein dicker Zopf ist auch bei der Hälfte an Haarverlust immer noch durchschnittlich, trotzdem ist es schrecklich.
Ja, ups.
Mann!
Da meine Hautärztin (die mittlerweile eingetroffen war) zu dem Thema auch nichts mehr zu sagen hatte außer, dass ich weiter warten solle, aber offensichtlich war, dass Warten nun nicht mehr das ist, was ich noch länger aushalte, habe ich eine Überweisung zur Haarsprechstunde an der Hautklinik der Uniklinik Münster bekommen.
„Was ist denn, wenn ich dort erst einen Termin in 3 Monaten bekomme, wie das bei hochspezialisierten Ärzten ja oft der Fall ist?“
„Das muss man dann gucken.“
Eine Art Eilbrief oder so bekam ich nicht, aber das wäre auch unangemessen gewesen.
Ich rief also an und trug mein Problem und Anliegen vor.
„Ich hätte da einen Termin am 5. September für Sie.“
!!!
„Ähm, dann bin ich kahl. Zumindest gefühlt.“
„Das tut mir Leid, wir sind so voll. All unsere Patienten haben Haarausfall.“
Was ich für ein Gerücht halte, aber ich schätze mal, dass Haarausfall ziemlich weit unten auf der Prioritätenliste steht. Und ich muss auch zugeben: zu Recht, so weh das auch tut.
„Was, wenn ich es selbst bezahle?“
„Oh, dann gebe ich Ihnen mal eine andere Nummer.“
Und so bekam ich einen Termin diesen Donnerstag.

Also:
Macht kein Trichogramm, bei dem ihr Haare lassen müsst! Es geht auch ohne!
und
Wenn Ihr einen zeitnahen Termin bei einem Spezialisten wollt, müsst ihr selbst zahlen. 
So bitter das ist.

Donnerstag werde ich berichten.


No full translation today, the topic is too depressing. 
My hairloss increases and I started to shed my regrowth: all tiny babyhairs which look like mutants: thin und crimped. A saw the dermatologist to make a trichograph and it was a real horror. Next Thursday I will see another doctor, a specialist at the Uniklinik Münster.

9 Kommentare

  1. Wenn ich das lese, könnte ich direkt anfangen zu heulen! Es tut mir so leid, dass dieses beschissene Thema für dich immer noch nicht vorbei ist, sondern aktuell noch dominierender und schlimmer als zuvor!
    Der Termin am Donnerstag muss einfach was bringen…

    Alles Gute für dich und deine Haare! *drück*

  2. Oh nein, das tut mir wirklich leid, was für eine schreckliche Erfahrung. Hoffentlich ist man in der Uni-Klinik netter zu dir und nimmt dich ernst. Ich finds aber wirklich nicht schön, dass man auch noch selber zahlen muss, klar, es ist nicht lebensbedrohlich, aber schlecht geht es Betroffenen doch trotzdem. Hoffentlich findet ihr eine gute Lösung.

    Alles Gute und viel Kraft, Lolita (NK)

  3. Boah…ich könnt mich gerade so aufregen!
    Da lassen die dich da 45 min mit den falschen Werten sitzen? Das muss die Sprechstundenhilfe doch eigentlich wissen, dass der Computer das nicht richtig anzeigt.

    Wie fies ist das denn bitte?!?!

    Mit dem Privatzahlen, das ist ja echt mal wieder ohne Worte…was soll man dazu noch sagen? Traurig!!

    Ich wünsch dir für Donnerstag Ergebnisse, mit denen du was anfangen kannst und Ärzte mit Verständnis!!

    Lieben Gruß,
    Kris (Mugili, LHN)

  4. Ich lese bisher nur stumm mit, aber jetzt schreibe ich dir auch mal, liebes Mai Glöckchen. Ich hoffe sehr, dass der Donnerstag gut für dich wird. Einen guten Arzt und gute Ergebnisse wünsche ich dir. Es klingt echt nach einem Alptraum, was du oben schreibst!
    Alles, alles Gute!
    Ayula

  5. Aaaaaahhhhh! Ärzte interessieren sich echt nur für die Erkrankungen, deren Behandlung die Krankenkasse bezahlt. Dass du unter dem HA leidest und dass du da mehr Schäden von trägst als "weniger Haare" sollte man doch eigentlich sehen, oder?
    Allein schon dieser Psycho-Terror, der da entsteht ist doch so viel Stress, dass da einigen Haare durch ausgehen würden! Und dann wieder diese extra Telefonnummer für Privatpatienten und Selbstzahler.

    Und das soll ein tolles Gesundheitssystem sein?! Wo es den Kassen primär darum geht das Minimum zu zahlen und den Ärzten darum, das Maximum zu kassieren. Klar hat keiner Leistungen zu verschenken, aber DAS hat ja auch nichts mehr mit verschenken zu tun. September…

  6. Hallo liebe Heike,

    sonst bin ich eigentlich ein stiller Stalker deines tollen Blogs aber nun möchte ich doch mal etwas schreiben.

    Und zwar weil mir das alles für dich so unglaublich leid tut! Frechheit wie die da mit dir umgegangen sind. Einfühlungsvermögen ist so eine Sache die viele Menschen (gerade Ärzte) leider nicht haben…!

    Kannst du die kahlen Stellen denn wenigstens gut verstecken? Hinten sicherlich, aber Vorne? Fällt es auf in einer Frisur? Es sieht wirklich um einiges mehr aus als ein Quadratzentimeter, da wäre ich auch völlig verstört gewesen.

    Ich hoffe das du in der Klinik ernster genommen wirst (vielleicht ja alleine schon deswegen weil du selber zahlst, hört man ja immer wieder das Privatpatienten anders/besser behandelt werden). Ansonsten drücke ich dir die Daumen das dir geholfen werden kann und der Haarausfall endlich stoppt!

    Ganz liebe Grüße und viel Kraft für Donnerstag,
    Sabrina

    1. Huch, sehe erst jetzt das der Beitrag von 2013 ist. Dachte es wäre aktuell da es ganz feisch im LHN gepostet wurde. Von daher einfach ignorieren, und am besten einfach nicht freischalten.
      Ich schüttel derweil mal noch ein bisschen den Kopf über mich selbst ;-D

      1. 🙂 Ja, ich hatte das heute als Antwort auf desert Rose eingebunden, weil wir uns über Haardicken unterhalten hatten und man da ja sehen kann, wie dick das einzelne haar ist. Nämlich typisches M (medium) Haar.

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